Musikalische Achterbahn im Venusberg

Stef­fen Wick Foto: Deniz Say­lan

Was kommt da­bei her­aus, wenn ein jun­ger zeit­ge­nös­si­scher Mu­si­ker sich in Auf­trags­wer­ken mit Ri­chard Wag­ner aus­ein­an­der­setzt? Höchst Un­ter­schied­li­ches, zu­min­dest wenn der Künst­ler Stef­fen Wick heißt. Der Pia­nist und Kom­po­nist, der­zeit noch Vil­la-Con­cordia-Sti­pen­di­at und dem­nächst Sti­pen­di­at an der Cité In­ter­na­tio­na­le des Arts in Pa­ris, prä­sen­tier­te am 2. Fe­bru­ar beim Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Bam­berg (RWV) sich und sein viel­ge­stal­ti­ges Schaf­fen.

Dass der Wag­ner-Ver­band sich mit die­sem Mu­si­ker in­ten­si­ver be­schäf­ti­gen soll­te, lag auf der Hand. Wie RWV-Vor­sit­zen­de Dr. Ja­sen­ka Roth im Ho­tel Bam­ber­ger Hof ein­gangs er­läu­ter­te, hat Wick, ge­mein­sam mit sei­nem künst­le­ri­schen Part­ner Si­mon De­tel, un­ter an­de­rem den Sound­track zu dem Do­ku­men­tar­film „Rhein­gold – Ge­sich­ter ei­nes Flus­ses“ kom­po­niert, der im No­vem­ber im Licht­spiel-Kino ge­zeigt wur­de und dem­nächst auf DVD er­scheint. Laut Stef­fen Wick woll­te der Film­pro­du­zent eine Mu­sik, die zwar nach Wag­ner klingt, aber gleich­zei­tig „frisch, leicht, mo­dern und über­haupt“ sein soll­te.

Die Ant­wort auf der­lei schwer ein­lös­ba­re Wün­sche ist ein klas­si­scher Fall von Cross­over. Wick und sein Kom­pa­gnon tüf­tel­ten ei­nen von ei­nem gro­ßen Or­ches­ter ein­ge­spiel­ten Sound­mix aus, in dem wich­ti­ge Leit­mo­ti­ve und Har­mo­ni­en aus Wag­ners „Ring“-Tetralogie auf­schei­nen und elek­tro­nisch ver­frem­det, auf­ge­raut oder ge­glät­tet und weich­ge­spült wer­den. Dass im „Rheingold“-Vorspiel auch Mi­ni­mal-Mu­sic steckt, liegt nahe. Und wenn Mime ge­wis­ser­ma­ßen auf Syn­the­si­zer-Sai­ten hüpft und die Ni­be­lun­gen ihr Schmie­de­hand­werk un­ter Dis­co­ge­jau­le aus­üben, ist das durch­aus nicht von der Hand zu wei­sen.

Wäh­rend die­se auf die Bil­der kom­po­nier­te Film­mu­sik ein Stil­mix mit Wag­ner­mo­ti­ven ist, ent­schied sich Stef­fen Wick bei dem Pro­jekt „Wag­ner re­com­po­sed“ zu ei­ner of­fen­bar ge­schlos­se­ne­ren Äs­the­tik. Was er an Hör­bei­spie­len für die von ihm be­ar­bei­te­te Mu­sik für zwei Key­boards und Live-Elek­tro­nik zu Eli­sa­beths Hal­lena­rie aus „Tann­häu­ser“ vor­führ­te, klang nicht nur we­gen des über­wie­gen­den Ham­mond­or­gel­sounds schwer nach Rum­mel­platz. Das Ge­fühl ei­ner be­rau­schen­den und be­rausch­ten Ach­ter­bahn­fahrt dürf­te sich auch bei der Ur­auf­füh­rung in der von Kö­nig Lud­wig II. nach­ge­bau­ten Ve­nus­grot­te auf Schloss Lin­der­hof ein­ge­stellt ha­ben.

Dass Wick nicht nur mu­si­ka­lisch, son­dern mul­ti­me­di­al im Sin­ne des Ge­samt­kunst­werks ar­bei­tet, mach­te er durch die Vor­stel­lung von wei­te­ren Wer­ken deut­lich. Das Vi­su­el­le ist für ihn ein we­sent­li­cher Be­stand­teil: bei sei­ner abend­fül­len­den „Sound­track Sym­pho­ny“, ei­nem Open-Air-Rund­um­er­leb­nis, wir­ken auch Fa­ckel­schwim­mer mit, sein Film­kon­zert mit Vi­deo­in­stal­la­ti­on „Bey­ond Vi­si­on“ zielt dar­auf ab, das Un­sicht­ba­re hör­bar zu ma­chen. Be­reits mehr­fach hat Stef­fen Wick auch ge­zielt für Bal­lett-Pro­jek­te kom­po­niert.

Wäh­rend sei­nes Auf­ent­halts in der Vil­la Con­cordia ar­bei­te­te er vor al­lem an sei­nen „Pia­no Par­ti­cles“ wei­ter. Die­ses spar­ten­über­grei­fen­de Pia­no-Pop-Elek­tro­nik-Pro­jekt steht ab 13. Fe­bru­ar im Stutt­gar­ter Fried­richs­bau-Va­rie­té auf dem Pro­gramm und kann – ohne spek­ta­ku­lä­re Büh­nen­show – auf zwei bis­her Al­ben ge­hört wer­den: „Pia­no Par­ti­cles White“ und „Pia­no Par­ti­cles Blue“ sind bei Modul/​Universal Mu­sic er­schie­nen. Und wer jetzt neu­gie­rig auf den in­ter­na­tio­nal ge­frag­ten Künst­ler ist: Zur Er­öff­nung der 25. Bam­ber­ger Kurz­film­ta­ge gibt es am 23. Fe­bru­ar um 20 Uhr in der Vil­la Con­cordia Stumm­film­ver­to­nun­gen von Stef­fen Wick und dem Hen­schel Quar­tett zu hö­ren. Es dürf­te sein vor­läu­fig letz­ter Auf­tritt in Bam­berg sein.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie auf der Home­page von Stef­fen Wick und der Vil­la Con­cordia.