Chronik der Presse-Berichte seit 2015

Bamberger Onlinezeitung, Kultur/​Musik, 14. November 2017


Wobla, Bamberg, 8. November 2017


Fränkischer Tag, Ausgabe Bamberg, Lokales, 8. November 2017Fränkischer Tag, Ausgabe Haßberge, Lokales, 6. November 2017


Fränkischer Tag, Gesamtausgabe, Feuilleton, 7. November 2017


Bamberger Onlinezeitung, Kultur/​Musik, 4. November 2017


Fränkischer Tag Bamberg, Lokales, Mittendrin-Seite, 21. August 2017


Fränkischer Tag/​Coburger Tageblatt u.a., Feuilleton, 24. April 2017


Fränkischer Tag, Lokales, 20. April 2017


Stadtecho, Ausgabe April 2017

S. 22 bis 24, Text: Hei­ke Ja­cob


Theaterzeitung des Landestheaters Coburg, März/​April 2017


Fränkischer Tag, Feuilleton, 4./5. März 2017


Bamberger Onlinezeitung, Kultur/​Musik, 29. März 2016


Pressetermin zur „Parsifal“-Werkstatt

Ohne Wag­ner geht’s ein­fach nicht: beim Pres­se­ge­spräch vor der „Parsifal“-Werkstatt-Plakatwand im Ho­tel Bam­ber­ger Hof rechts Dr. Ja­sen­ka Roth, Vor­sit­zen­de des Ri­chard-Wag­ner-Ver­bands Bam­berg und links ihre Stell­ver­tre­te­rin Mo­ni­ka Beer. Foto: Erich Weiß

In ei­ner Werk­statt wird be­kannt­lich gern ge­wer­kelt. Und es gibt im Ide­al­fall ge­nü­gend Hand­werks­zeug, um bei­spiels­wei­se ei­nem Ko­loss wie dem von Ri­chard Wag­ner so be­zeich­ne­ten Büh­nen­weih­fest­spiel »Par­si­fal« bei­zu­kom­men. In die­sem Sin­ne ha­ben sich der Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Bam­berg und das Lan­des­thea­ter Co­burg un­ter dem Ti­tel »Parsifal«-Werkstatt zu ei­ner kon­zer­tier­ten Ak­ti­on zu­sam­men­ge­tan. Klingt ganz schön an­spruchs­voll. Ist es auch.

Be­glei­tend zur Co­bur­ger Neu­in­sze­nie­rung von Wag­ners »Par­si­fal«, die ab 9. April auf dem Spiel­plan steht, ver­an­stal­ten der Bam­ber­ger Wag­ner-Ver­band und das Co­bur­ger Thea­ter am 22. und 23. April ein Sym­po­si­um. Die so ge­nann­te »Parsifal«-Werkstatt un­ter der Schirm­herr­schaft von Bam­bergs Ober­bür­ger­meis­ter An­dre­as Star­ke rich­tet sich so­wohl an Wag­ner-Neu­lin­ge wie -Fort­ge­schrit­te­ne und star­tet am 22. April im Grü­nen Saal der Har­mo­nie in Bam­berg mit Ein­füh­run­gen, Vor­trä­gen und Ge­sprä­chen, die je­weils ma­xi­mal 30 Mi­nu­ten dau­ern.

Die Re­fe­ren­ten sind Künst­ler wie Chris­toph Schlin­gen­siefs »Parsifal«-Bühnenbildner Tho­mas Go­er­ge (Hall­berg­moos), Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Ro­land Klut­tig und Te­nor Ro­man Payer (Co­burg), re­nom­mier­te Au­to­ren, Mu­sik­jour­na­lis­ten und -wis­sen­schaft­ler wie Tom Ar­tin (New York), Ste­phan Mösch (Karls­ru­he), Hol­ger Nolt­ze (Dort­mund) und Sa­bi­ne Zur­mühl (Ber­lin), der Co­bur­ger In­ten­dant Bodo Bus­se so­wie Stu­den­ten der Phi­lo­lo­gie des Mit­tel­al­ters an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg un­ter ih­rer Pro­fes­so­rin In­grid Ben­ne­witz, welch letz­te­re über ihre ei­ge­ne Par­si­fal-Sicht und The­men wie Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel und Em­pa­thie, Iden­ti­täts- und Sinn­su­che spre­chen.

Der ers­te Tag en­det mit ei­ner ge­schlos­se­nen Vor­stel­lung des Films »Per­ce­val le Gal­lois« von Eric Roh­mer aus dem Jahr 1978 (in fran­zö­si­scher Ori­gi­nal­spra­che mit deut­schen Un­ter­ti­teln), in den In­grid Ben­ne­witz ein­führt. Am 23. April um 10 Uhr folgt wie­der­um in Bam­berg eine von Hol­ger Nolt­ze mo­de­rier­te Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Re­fe­ren­ten so­wie Re­gis­seur Ja­kob Pe­ters-Mes­ser und Di­ri­gent Ro­land Klut­tig vom Lei­tungs­team des Co­bur­ger »Par­si­fal«. Am Nach­mit­tag – und zum krö­nen­den Ab­schluss – fährt eine gro­ße Be­su­cher­grup­pe aus Bam­berg nach Co­burg zur um 16 Uhr be­gin­nen­den »Parsifal«-Vorstellung im Gro­ßen Haus des Lan­des­thea­ters.

Werk­statt-An­mel­de­schluss ist der 3. April. Als Un­kos­ten­bei­trag für die Vor­trä­ge am 22. April wer­den von Nicht-Mit­glie­dern des Ver­eins 25 Euro er­ho­ben; der Film­abend und der Opern­ein­tritt samt Bus­fahrt kos­ten ex­tra. Aus­führ­li­che In­fos fin­den Sie auf der Home­page des Ri­chard-Wag­ner-Ver­bands Bam­berg un­ter www​.rwv​-bam​berg​.de

Mit dem »Parsifal«-Stoff setzt sich der neu­gie­ri­ge Ver­ein un­ter an­de­rem auch bei sei­ner all­jähr­li­chen gro­ßen Mu­sik- und Kunst­fahrt aus­ein­an­der, die heu­er An­fang Juni nach Wien führt: zur Ur­auf­füh­rung der Oper »Mond­par­si­fal Al­pha 1-8« des ehe­ma­li­gen Vil­la-Con­cordia-Sti­pen­dia­ten Bern­hard Lang in der In­sze­nie­rung des aus Bay­reuth wie­der aus­ge­la­de­nen Jo­na­than Mee­se, zu den Mu­si­ker­grä­bern auf dem Zen­tral­fried­hof und ei­ner »Göt­ter­däm­me­rung« in der Staats­oper. Klingt ganz schön mor­bid. Ist es auch.


Bamberger Onlinezeitung, 02.03.2017


Fränkischer Tag, Feuilleton, 19. Februar 2017

Ju­bel, Streit und Läs­ter­zun­gen

Os­wald Ge­org Bau­er hat eine mo­nu­men­ta­le Ge­schich­te der Fest­spie­le ver­fasst, die er in ei­ner Ver­an­stal­tung des Bam­ber­ger Ri­chard-Wag­ner-Ver­bands vor­stell­te. Von Ru­dolf Gört­ler

Bamberg/​Bayreuth. Es gibt Bü­cher, die nicht für die Sai­son ge­schrie­ben sind, son­dern de­ren Wert sich erst im Ver­lauf der Jahr­zehn­te er­weist. Hohe Auf­la­gen ha­ben sie nicht, wer­den von we­ni­gen Fach­leu­ten und En­thu­si­as­ten er­wor­ben, sind aber un­schätz­bar in Bi­blio­the­ken. Ein sol­ches Buch hat Os­wald Ge­org Bau­er ge­schrie­ben bzw. es sind zwei Bän­de, die auf knapp 1300 groß­for­ma­ti­gen und groß­zü­gig be­bil­der­ten Sei­ten die Ge­schich­te der Bay­reu­ther Fest­spie­le schil­dern. In ei­ner Ver­an­stal­tung des Ri­chard-Wag­ner-Ver­bands Bam­berg stell­te er sein Jahr­hun­der­to­pus vor.

Der Thea­ter­wis­sen­schaft­ler Bau­er war von 1974 bis 1985 Dra­ma­turg beim Fest­spiel­lei­ter Wolf­gang Wag­ner und seit 1976 auch Lei­ter des Pres­se­bü­ros, von 1986 bis 2008 frei­er Mit­ar­bei­ter von Wolf­gang Wag­ner, von 1986 bis 2004 Ge­ne­ral­se­kre­tär der Aka­de­mie der Schö­nen Küns­te in Mün­chen. An sei­ner Ge­schich­te ar­bei­te­te er seit 1989, wer­te­te Quel­len al­ler Art wie Brief­wech­sel, Se­kun­där­li­te­ra­tur, Bi­lan­zen u. v. a. aus.

Bau­er schaff­te es, ei­nen Ab­riss sei­ner Rie­sen­bän­de in ei­nen gut ein­stün­di­gen Vor­trag zu pa­cken: klar, gut struk­tu­riert, sach­lich. Vor­treff­lich ar­bei­te­te er her­aus, wie das Welt­thea­ter Ri­chard Wag­ners – der 1850 noch ein Bret­ter­haus bau­en woll­te, das nach der Auf­füh­rung ab­ge­ris­sen wer­den soll­te – un­ter der Fuch­tel sei­ner Wit­we Co­si­ma nach den ers­ten Fest­spie­len 1876 zu­se­hends zu ei­ner na­tio­nal­deut­schen Kunst ver­kam. Un­ter dem Ein­fluss ih­res Schwie­ger­sohns Hous­ton Ste­wart Cham­ber­lain wan­del­ten sich die Fest­spie­le zu Ma­ni­fes­ta­tio­nen der an­ti­re­pu­bli­ka­ni­schen, an­ti­se­mi­ti­schen Kräf­te in der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Be­reits am 1. Ok­to­ber 1923, we­ni­ge Wo­chen vor sei­nem Putsch in Mün­chen, be­such­te Hit­ler das ers­te Mal die Wag­ner-Fa­mi­lie. Wäh­rend des Drit­ten Rei­ches war die Stra­ße zum Fest­spiel­haus mit Ha­ken­kreuz­fah­nen dra­piert, Ver­wun­de­te und Rüs­tungs­ar­bei­ter be­such­ten die Auf­füh­run­gen, die wie zum Hohn von ho­her künst­le­ri­scher Qua­li­tät wa­ren.

Nach dem Krieg ge­lang Wie­land Wag­ner mit abs­tra­hie­ren­den In­sze­nie­run­gen ein Neu­an­fang, ge­gen man­che Wi­der­stän­de der – nen­nen wir sie vor­sich­tig so – Tra­di­tio­na­lis­ten. Wolf­gang Wag­ner setz­te di­ver­se Re­gis­seu­re ein, eine Tann­häu­ser-In­sze­nie­rung von Götz Fried­rich pro­vo­zier­te 1972 ei­nen Skan­dal, der noch über­trof­fen wur­de vom so ge­nann­ten »Jahr­hun­dert-Ring« Pa­tri­ce Ché­re­aus und Pierre Bou­lez’ 1976. Brei­ten Raum wid­me­te Bau­er in sei­nem Vor­trag den tu­mul­tua­ri­schen Sze­nen, als zum letz­ten Mal die­se Göt­ter­däm­me­rung zu er­le­ben war, und dem Run auf die Kar­ten: »Es wur­de ge­bet­telt, es wur­de ge­droht, es wur­de ge­weint, es wur­de in­tri­giert, ge­lo­gen und be­sto­chen, und es wur­den Schwarz­markt­prei­se be­zahlt …«

In der Fol­ge ver­such­te der Chro­nist, eine Lan­ze für die sei­ner Mei­nung nach un­ter­schätz­ten Re­gie­leis­tun­gen sei­nes Men­tors Wolf­gang Wag­ner zu bre­chen. Der und Da­ni­el Ba­ren­bo­im hät­ten 1996 be­wusst die Meis­ter­sin­ger von der deut­schen Na­tio­nal- und Fest-Oper ab­set­zen und eine Zeit­stim­mung, die Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung, re­flek­tie­ren wol­len.

Mit dem neu­en Jahr­tau­send lässt Bau­er die »sys­te­ma­ti­sche Dar­stel­lung der Fest­spiel­ge­schich­te« en­den; er han­del­te sie auch im Vor­trag sum­ma­risch ab, da der kur­ze his­to­ri­sche Ab­stand eine end­gül­ti­ge Be­ur­tei­lung noch nicht er­lau­be. Was ein Be­weis für den nüch­ter­nen Blick und die Ob­jek­ti­vi­tät des Au­tors ist. Er schloss mit ei­nem Be­kennt­nis zu Wag­ners »Welt­gleich­nis« als Pa­ra­bel auf Gier und die An­häu­fung gi­gan­ti­scher Geld­men­gen. »An kei­ner Kunst­stät­te ist so­viel ge­strit­ten, ge­kämpft, ge­ju­belt und ge­läs­tert wor­den wie auf die­sem sanf­ten Hü­gel«, zi­tier­te Bau­er ei­nen Fach­mann. Und das wird wohl auch so blei­ben.

 


Bamberger Onlinezeitung, 9. 2. 2016, Fränkischer Tag, Leserbriefe, 11. 2. 2016
Das Genie war anwesend
Nike Wagner referierte in Bamberg über Wagner und Beethoven

»So­lan­ge Kun­de über Sein und Wir­ken ei­nes Men­schen über­lie­fert wird, be­feh­den sich Par­tei­gän­ger und Fein­de über ihre Aus­le­gung… Wer soll dazu im­stan­de sein, die Sum­me die­ser Miss­ver­ständ­nis­se zu til­gen? Der kri­ti­sche Ver­stand und sei­ne Me­tho­den? Sie wer­den selbst im­mer be­dingt sein vom Ge­fühl des rich­ten­den, wäh­len­den In­di­vi­du­ums und sei­ner Epo­che.«

Wei­se Wor­te. Von Carl Ja­kob Burck­hardt. Auch Ri­chard Wag­ner hat nach wie vor Par­tei­gän­ger und Fein­de. In Bam­berg sol­len sich im 19. Jahr­hun­dert Brahmsia­ner und Wag­ne­ria­ner hef­tigst be­feh­det ha­ben.

Auf na­he­zu ge­nia­le Wei­se hat neu­lich Nike Wag­ner in ei­nem Bam­ber­ger Vor­trag in die Feh­den um ih­ren Vor­fah­ren ein­ge­grif­fen: Sie setz­te bei Beet­ho­ven an. Da rann­te sie in un­se­rer Stadt frei­lich of­fe­ne Tü­ren ein – und das Pu­bli­kum die Tore des VHS-Vor­trags­saals. War es doch un­ser E.T.A. Hoff­mann, der mit sei­nen be­rühm­ten Beet­ho­ven-Re­zen­sio­nen des­sen Ruhm ent­schei­dend för­der­te. Au­ßer­dem: Wenn ein The­ma aus ei­ner der be­deu­tends­ten deut­schen Fa­mi­li­en, den Manns oder den Wag­ners, ver­han­delt wird, dann kommt »man«.

Was tat ei­gent­lich der jun­ge Ri­chard, frag­te sich Nike, um das Kom­po­nie­ren zu ler­nen? Er schrieb die Sin­fo­ni­en Beet­ho­vens ab! Na gut, das Ab­schrei­ben ken­nen wir ja in Ober­fran­ken recht gut. Im Fall Wag­ner kam et­was Gran­dio­ses da­bei her­aus (und in ei­nem ge­wis­sen an­de­ren Fall wird der »kri­ti­sche Ver­stand« mög­li­cher­wei­se der­einst auch noch ein­mal an­ders dar­über den­ken, oder?).

Wag­ner schrieb ab, so wie sie in den mit­tel­al­ter­li­chen Klös­tern über Jahr­hun­der­te ab­schrie­ben oder Spitz­weg in der Pom­mers­fel­de­ner Ga­le­rie Ge­mäl­de ko­pier­te. Wag­ner in­ter­pre­tier­te, ver­wan­del­te, misch­te neue Klang­far­ben bei und ar­bei­te­te schließ­lich ganz neue Ge­dan­ken­ge­bäu­de und Ideo­lo­gi­en ein: un­ter an­de­rem das My­tho­lo­gi­sche, das Auf­klä­re­ri­sche und das Na­tio­na­le.

Aber Nike Wag­ner blieb in ih­rem Vor­trag nicht beim Do­ku­men­ta­ri­schen ste­hen, wie lei­der vie­le Wis­sen­schaft­ler heut­zu­ta­ge; sie ana­ly­sier­te und deu­te­te Ri­chard Wag­ners Schaf­fen, in dem üb­ri­gens das Bom­bas­ti­sche kei­nes­wegs den Ton an­gibt.

Wo­her kam er denn nun, die­ser »Blitz des Geis­tes«, der sein Epo­che ma­chen­des Werk ent­ste­hen ließ? Al­les kann man nicht er­klä­ren, soll­te man mei­nen. Aber man kann es er­ah­nen – wenn man dem kri­ti­schen Ver­stand die­ser krea­ti­ven See­len­ver­wand­ten be­geg­net, die Sein und Wir­ken des gro­ßen Geis­tes mit dem Her­zen wei­ter­trägt. Wir gin­gen und wuss­ten mehr über Wag­ners »An­teil an Frei­heit« (Burck­hardt).

An­dre­as Reuß, Bam­berg, Fe­bru­ar 2016


Fränkischer Tag, Feuilleton, 9. Februar 2016


Stadtecho Bamberg, Ausgabe Februar 2016

Ja­sen­ka Roth (links) und Mo­ni­ka Beer (rechts), 1. und 2. Vor­sit­zen­de des Ri­chard-Wag­ner-Ver­bands Bam­berg e.V.

Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Bam­berg e.V.
»Wir ha­ben kei­ne Scheu­klap­pen!«

Ri­chard Wag­ner lebt! Kaum ein Opern­kom­po­nist hat ein der­art nach­hal­ti­ges und po­la­ri­sie­ren­des Erbe hin­ter­las­sen wie er. Jähr­lich un­ter gro­ßer ge­sell­schaft­li­cher Auf­merk­sam­keit statt­fin­den­de Fest­spie­le, Aufführungen welt­weit, so gut wie stän­dig geführte Dis­kus­sio­nen um sei­ne Wer­ke, sei­ne Per­son, sei­ne An­sich­ten und Nach­kom­men tra­gen eben­so zu sei­nem An­denken bei wie zahl­rei­che re­gio­na­le Wag­ner-Ver­bän­de. Ei­ner, bei dem die Din­ge der­zeit sehr gut lau­fen, ist der Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Bam­berg. Seit sei­ner Neu­grün­dung 2003 blüht er in jüngs­ter Zeit re­gel­recht auf. Ein High­light 2016 wird der Vor­trag von Nike Wag­ner, ei­ner Ur­en­ke­lin Ri­chards, sein. Das Stadt­echo hat sich mit der ers­ten und der zwei­ten Vor­sit­zen­den des Ver­ban­des, Ja­sen­ka Roth und Mo­ni­ka Beer, zum Ge­spräch ge­trof­fen.

Frau Roth, Frau Beer, wie ist der Zu­spruch für den Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Bam­bergs?
Ja­sen­ka Roth: Wir ha­ben ak­tu­ell 83 Mit­glie­der und der Zu­spruch ist aus­ge­zeich­net. Un­se­re Ver­an­stal­tun­gen sind sehr gut be­sucht – so gut, dass man­che Gast­red­ner er­staunt sind, wie vie­le Zu­hö­rer kom­men. Bei un­se­rem Sti­pen­dia­ten­kon­zert im letz­ten Jahr wa­ren es so­gar über zwei­hun­dert. Das liegt weit über dem Durch­schnitt und hat haupt­säch­lich da­mit zu tun, dass un­ser Pro­gramm in­ter­es­sant und breit ge­fä­chert ist. Un­se­re Ver­an­stal­tun­gen sind of­fen für alle Be­su­cher und der Ein­tritt ist im­mer frei. So kom­men die ver­schie­dens­ten Men­schen, nicht nur Mu­sik­lieb­ha­ber oder Wag­ne­ria­ner zu­sam­men. Ein sol­ches Pu­bli­kum ist für uns be­rei­chernd und will­kom­men.

Weshalb läuft es bei Ih­rem Ver­band so gut?
Mo­ni­ka Beer: Man trifft bei uns in­ter­es­san­te Leu­te, die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist im­mer leb­haft und lehr­reich und man kann neue Kon­tak­te knüp­fen. Seit Frau Roth Vor­sit­zen­de ist und ich mehr Zeit für Kon­zep­ti­on und Pro­gramm­pla­nung habe, ist es uns ge­lun­gen, die At­trak­ti­vi­tät un­se­rer The­men und Re­fe­ren­ten zu stei­gern. Es geht nicht im­mer nur um Ri­chard Wag­ner, wir be­han­deln auch The­men, die mit ihm nur am Ran­de zu tun ha­ben. Und wir ha­ben re­nom­mier­te Re­fe­ren­ten, die nor­ma­ler­wei­se nicht zu den klei­ne­ren Ver­bän­den kom­men – Udo Bermbach, ei­ner der wich­tigs­ten Wag­ner­au­to­ren, war im De­zem­ber bei uns, und wie Nike Wag­ner jetzt im Fe­bru­ar.

Was ist die Fas­zi­na­ti­on an Wag­ner? Wie se­hen Sie den Kult und die Kri­tik an ihm?
JR: Zur Kri­tik an ihm, den be­rech­tig­ten Vor­wür­fen des An­ti­se­mi­tis­mus, sage ich, dass wir die­se dunk­len Schat­ten sehr klar wahr­neh­men und dass wir uns da­mit aus­ein­an­der­set­zen. An die­sen As­pek­ten kom­men wir nicht vor­bei. Im Ge­gen­teil, auch in un­se­ren Vor­trä­gen be­fas­sen wir uns mit die­ser The­ma­tik.
MB: Wir ge­hö­ren nicht zu den Ver­bän­den, die das lie­ber ver­harm­lo­sen.
JR: Was wie­der ei­ner der Grün­de ist, war­um wir so viel Zu­spruch er­fah­ren und im­mer mehr Zu­hö­rer ha­ben.
MB: Trotz und ein biss­chen auch we­gen der dunk­len Stel­len lohnt sich die Aus­ein­an­der­set­zung mit Wag­ner. Be­leuch­tet man ihn, be­leuch­tet man im­mer auch die Zeit, in der er leb­te. Und sei­ne mu­sik­dra­ma­ti­schen Wer­ke sind ein wun­der­ba­rer Spie­gel für alle. Sei­ne The­men sind zeit­los und re­le­vant, dar­um fin­det sein Werk auch so viel Re­so­nanz: Es geht um Herr­schaft, Macht und Un­ter­drü­ckung, um Lie­be, Be­geh­ren und Hass, um zu­tiefst Mensch­li­ches, das uns im­mer be­schäf­ti­gen wird.
JR: Und na­tür­lich ist sei­ne Mu­sik ein­zig­ar­tig und in­spi­rie­rend. Sie lässt für uns alle ge­nug In­ter­pre­ta­ti­ons­raum. Au­ßer­dem ist Wag­ner nach wie vor der ein­zi­ge Kom­po­nist, der für die Auf­füh­rung sei­ner Wer­ke ein ei­ge­nes Thea­ter bau­en ließ. Es ist ein Pri­vi­leg, sich Tag für Tag mit sei­nem Werk aus­ein­an­der zu set­zen und dar­an zu wach­sen.
MB: Ich habe rund vier­zig Jah­re über Wag­ner ge­schrie­ben, habe Hun­der­te von Auf­füh­run­gen er­lebt und ler­ne im­mer noch dazu. Mit Wag­ner kommt man zu kei­nem Ende, es gibt so vie­le Fa­cet­ten in sei­ner Mu­sik, in sei­nem Werk und Le­ben, dass die Fas­zi­na­ti­on ein­fach nicht auf­hört.

Auf Ih­rer Home­page heißt es: Der RWV Bam­berg ist ein Fo­rum für alle Mu­sik- und Kunst­freun­de. Was be­deu­tet das?
JR: Un­se­re Ar­beit ist haupt­säch­lich or­ga­ni­sa­to­ri­scher Na­tur. Die sechs Mit­glie­der des Vor­stands tref­fen sich in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den und kon­zi­pie­ren das Pro­gramm, su­chen Re­fe­ren­ten und die pas­sen­den Räu­me aus. Wir be­ra­ten, wo­für wir un­se­re Fi­nan­zen auf­wen­den, die uns dank der Mit­glie­der­bei­trä­ge und pri­va­ter Spen­den zur Ver­fü­gung ste­hen. Un­ser Dank gilt da­bei der Stadt Bam­berg für ihre Un­ter­stüt­zung und dem Ho­tel Bam­ber­ger Hof, das sei­ne Se­mi­nar­räu­me zur Ver­fü­gung stellt.
MB: Dar­über hin­aus fah­ren wir re­gel­mä­ßig zu Opern­vor­stel­lun­gen, und zwar nicht nur in der Re­gi­on. Die­ses Jahr geht un­se­re gro­ße Mu­sik- und Kunst­rei­se zum Beet­ho­ven­fest in Bonn, zu Mu­se­ums- und Ga­le­ri­en­be­su­chen und zu ei­ner Mu­sik­thea­ter­ur­auf­füh­rung der Ruhr­tri­en­na­le, denn wir ha­ben kei­ne Wag­ner-Scheu­klap­pen.

Kön­nen Sie das al­les al­lei­ne schul­tern?
JR: Nein, na­tür­lich nicht. Wir rich­ten ei­nen Teil un­se­rer Ver­an­stal­tun­gen und Ak­ti­vi­tä­ten zu­sam­men mit an­de­rer In­sti­tu­tio­nen aus, zum Bei­spiel mit der VHS, der Stadt­bü­che­rei oder, wie dem­nächst im Juni 2016, auch mit der Ka­tho­li­schen Hoch­schul­ge­mein­de Bam­berg. Wir ko­ope­rie­ren seit vie­len Jah­ren auch mit der Som­mer Oper Bam­berg. Schließ­lich ha­ben wir auch Sti­pen­di­en zu ver­ge­ben.

Was ist das für ein Sti­pen­di­um?
MB: Die Idee stammt noch von Ri­chard Wag­ner selbst, kos­ten­lo­se Fest­spie­le wa­ren ei­gent­lich sein Wunsch­traum. Im­mer­hin sind es all­jähr­lich zwei­hun­dert­fünf­zig Nach­wuchs­künst­ler, die aus den welt­wei­ten Wag­ner­ver­bän­den ein Sti­pen­di­um be­kom­men, das heißt, sie kön­nen drei Fest­spiel­vor­stel­lun­gen in Bay­reuth er­le­ben und Kon­tak­te zu an­de­ren Künst­lern knüp­fen.
JR: Seit un­se­rer Neugründung im Jahr 2003 hat­ten wir drei­zehn Sti­pen­dia­ten, zu­meist jun­ge Sän­ge­rin­nen und Sän­ger, aber auch In­stru­men­ta­lis­ten und eine Bühnen- und Kostümbildnerin. Wir bemühen uns auch, mit un­se­ren Sti­pen­dia­ten in Kon­takt zu blei­ben. 2016 kön­nen wir so­gar erst­mals drei Sti­pen­dia­ten nach Bay­reuth schi­cken, die bei der Zau­ber­flö­te der Som­mer­oper im ver­gan­ge­nen Jahr mit­ge­wirkt ha­ben.

Was er­war­tet das Pu­bli­kum am 6. Fe­bru­ar bei Nike Wag­ners Vor­trag?
MB: Es wird bei Wag­ners Beet­ho­ven dar­um ge­hen, was Wag­ner in Beet­ho­ven sieht, was er von ihm lernt, wie er ihn deu­tet – und wie er ihn mög­li­cher­wei­se be­nutzt. Nike Wag­ner ist die in­tel­lek­tu­el­le Speer­spit­ze der Wag­ner­nach­kom­men und eine bril­lan­te Red­ne­rin. Und als In­ten­dan­tin des Bon­ner Beet­ho­ven­fests prä­de­sti­niert für die­ses The­ma.

Text & Foto: sq / Stadt­echo Bam­berg Fe­bru­ar 2016
Ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen fin­den Sie un­ter www​.rwv​-bam​berg​.de


Fränkischer Tag, Feuilleton, 10. März 2015