Madame Butterfly in Walhall

Eine neue Son­der­aus­stel­lung im Gra­fik-Ka­bi­nett des Ri­chard Wag­ner Mu­se­ums be­leuch­tet die fest­spiel­lo­se Zeit von 1945 bis 1950, in der al­ler­hand los war am Grü­nen Hü­gel – die Bei­ne schwin­gen­den „Ro­cket­tes“ so­wie eine Auf­füh­rung der Oper „Hän­sel und Gre­tel“ inbegriffen.

Als ob Clau­dia Roth das ge­wusst hät­te: Ein­tritts­kar­te zu „Hän­sel und Gre­tel“ am 30. März 1947 im Bay­reu­ther Fest­spiel­haus – Foto: Mo­ni­ka Beer

An Ri­chard Wag­ners 136. Ge­burts­tag, dem 22. Mai 1949, di­ri­gier­te Hans Knap­perts­busch im Fest­spiel­haus ein Kon­zert der Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker. Sym­bol­träch­tig wur­de es mit Beet­ho­vens „Wei­he des Hau­ses“ er­öff­net und da­mit ein Schluss­strich ge­zo­gen un­ter des­sen eher pro­fa­ne Nut­zung seit Kriegs­en­de 1945, die von vie­len als Sa­kri­leg emp­fun­den wurde.

Nach der Be­set­zung der Stadt Bay­reuth am 14. April 1945 be­schlag­nahm­te die ame­ri­ka­ni­sche Mi­li­tär­re­gie­rung den Be­sitz von pro­mi­nen­ten Na­tio­nal­so­zia­lis­ten und Un­ter­stüt­zern des Re­gimes, so auch den von Wi­nif­red Wag­ner. Das un­ver­sehr­te Fest­spiel­haus wur­de fort­an zur Be­treu­ung der ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen ge­nutzt. Ne­ben Got­tes­diens­ten wur­de die Büh­ne vor al­lem für Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me im Rah­men der so­ge­nann­ten „USO-Camp-Shows“ ge­nutzt. In­grid Berg­man und Jack Ben­ny tra­ten mit ei­ner Show auf, die Re­vue­girls aus „Bil­ly Rose’s Dia­mond Hor­se­shoe Night­club“ und „The Ro­cket­tes“ schwan­gen die Beine.

Erich Boh­ner, ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Bay­reu­ther Fest­spie­le, grün­de­te das Bay­reu­ther Sym­pho­nie­or­ches­ter, das fast 14-tä­gig Kon­zert- oder Ope­ret­ten­aben­de ver­an­stal­te­te und zu Opern­auf­füh­run­gen wie Lud­wig van Beet­ho­vens „Fi­de­lio“, Eu­gen d’Alberts „Tief­land“ oder Gi­a­co­mo Puc­ci­nis „Ma­dame But­ter­fly“ spiel­te. Nicht zu ver­ges­sen En­gel­bert Hum­per­dincks „Hän­sel und Gre­tel“, eine Oper, die  in Zu­sam­men­hang mit den Fest­spie­len dank der da­ma­li­gen Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin 2024 für vie­le Schlag­zei­len sorgte.

Pla­kat zu ei­ner „Butterfly“-Aufführung im Fest­spiel­haus – Foto: Na­tio­nal­ar­chiv der Ri­chard-Wag­ner-Stif­tung, Bayreuth

„Ma­dame But­ter­fly in Wal­hall. ‚Fest-Spie­le‘ 19451950“ heißt die ak­tu­el­le Ka­bi­nett­aus­stel­lung im Ri­chard Wag­ner Mu­se­um, die vor­aus­sicht­lich noch bis 31. Mai 2026 die­se kur­ze Zeit­span­ne be­leuch­tet, in der im Fest­spiel­haus ganz an­de­re „Fest-Spie­le“ ge­ge­ben wur­den, wäh­rend im Hin­ter­grund auf den Trüm­mern des Drit­ten Reichs um Ge­stalt und Lei­tung künf­ti­ger Ri­chard Wag­ner Fest­spie­le ge­run­gen wurde.

Für die Über­las­sung von Leih­ga­ben und Ab­bil­dungs­vor­la­gen dankt das Ri­chard Wag­ner Mu­se­um dem Stadt­ar­chiv und dem His­to­ri­schen Mu­se­um Bayreuth.

Quel­le: Ri­chard Wag­ner Mu­se­um Bayreuth