Eine neue Sonderausstellung im Grafik-Kabinett des Richard Wagner Museums beleuchtet die festspiellose Zeit von 1945 bis 1950, in der allerhand los war am Grünen Hügel – die Beine schwingenden „Rockettes“ sowie eine Aufführung der Oper „Hänsel und Gretel“ inbegriffen.

An Richard Wagners 136. Geburtstag, dem 22. Mai 1949, dirigierte Hans Knappertsbusch im Festspielhaus ein Konzert der Münchner Philharmoniker. Symbolträchtig wurde es mit Beethovens „Weihe des Hauses“ eröffnet und damit ein Schlussstrich gezogen unter dessen eher profane Nutzung seit Kriegsende 1945, die von vielen als Sakrileg empfunden wurde.
Nach der Besetzung der Stadt Bayreuth am 14. April 1945 beschlagnahmte die amerikanische Militärregierung den Besitz von prominenten Nationalsozialisten und Unterstützern des Regimes, so auch den von Winifred Wagner. Das unversehrte Festspielhaus wurde fortan zur Betreuung der amerikanischen Truppen genutzt. Neben Gottesdiensten wurde die Bühne vor allem für Unterhaltungsprogramme im Rahmen der sogenannten „USO-Camp-Shows“ genutzt. Ingrid Bergman und Jack Benny traten mit einer Show auf, die Revuegirls aus „Billy Rose’s Diamond Horseshoe Nightclub“ und „The Rockettes“ schwangen die Beine.
Erich Bohner, ein ehemaliger Mitarbeiter der Bayreuther Festspiele, gründete das Bayreuther Symphonieorchester, das fast 14-tägig Konzert- oder Operettenabende veranstaltete und zu Opernaufführungen wie Ludwig van Beethovens „Fidelio“, Eugen d’Alberts „Tiefland“ oder Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ spielte. Nicht zu vergessen Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, eine Oper, die in Zusammenhang mit den Festspielen dank der damaligen Kulturstaatsministerin 2024 für viele Schlagzeilen sorgte.

„Madame Butterfly in Walhall. ‚Fest-Spiele‘ 1945–1950“ heißt die aktuelle Kabinettausstellung im Richard Wagner Museum, die voraussichtlich noch bis 31. Mai 2026 diese kurze Zeitspanne beleuchtet, in der im Festspielhaus ganz andere „Fest-Spiele“ gegeben wurden, während im Hintergrund auf den Trümmern des Dritten Reichs um Gestalt und Leitung künftiger Richard Wagner Festspiele gerungen wurde.
Für die Überlassung von Leihgaben und Abbildungsvorlagen dankt das Richard Wagner Museum dem Stadtarchiv und dem Historischen Museum Bayreuth.
Quelle: Richard Wagner Museum Bayreuth
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