Adventskalender 1871 (25)

Die­ser Ad­vents­ka­len­der hat 25 Tür­chen, we­gen Co­si­mas ver­scho­be­nem Wie­gen­fest. Ein be­son­de­res Ge­schenk gibt’s oben­drein: Un­ser Mit­glied Sa­bi­ne Zur­mühl hat eine Co­si­ma-Bio­gra­phie ver­fasst, die im Mai 2022 im Böhlau-Ver­lag erscheint.

„Co­si­ma Wag­ner. Ein wi­der­sprüch­li­ches Le­ben“ heißt das Buch von un­se­rem Mit­glied Sa­bi­ne Zur­mühl, das der Böhlau-Ver­lag für Mai 2022 an­kün­digt. Nur der Preis steht noch nicht end­gül­tig fest.

Mon­tag 25ten [De­zem­ber] Die Kin­der gra­tu­lie­ren[1], R. aber er­klärt, ich blie­be noch 33 Jah­re bis zu Syl­ves­ter.[2] – Ich schrei­be an Hans[3], um ihm zu dan­ken, er ist trau­rig, Ita­li­en zu ver­las­sen. Zwei Hil­des­hei­mer Scha­len von L. Bucher[4]; auch ei­ni­ges von Ma­rie M.[5]; stil­ler ru­hi­ger Tag. Sehr an­ge­neh­mer Um­gang mit uns­rem Nef­fen[6], den wir im­mer lie­ber ge­win­nen. (Be­such von Grä­fin B.[7] mit Sohn, der es für klug hält, neu-ka­tho­lisch zu sein.) Kin­der­spiel, Kin­der­mit­tag, al­les froh und hei­ter. Ich nach­denk­lich wie im­mer an mei­nem Ge­burts­tag. Schö­ner Brief von Pr. Nietz­sche, der mir eine Kom­po­si­ti­on ge­schickt hat.[8] R. liest uns sei­nen Neu­jahrs­brief für Fritzsch vor.[9] Hüb­scher Plau­der­abend mit uns­rem Neffen.

[1] Co­si­mas Ge­burts­ta­ge wur­den stets erst am 1. Weih­nachts­fei­er­tag ge­fei­ert, um Hei­lig­abend und das gleich­zei­ti­ge Wie­gen­fest zu trennen.

[2] Das nicht recht­zei­tig ge­lie­fer­te Wag­ner­por­trät von Franz von Len­bach wur­de Co­si­ma am 1. Ja­nu­ar 1872 fei­er­lich über­reicht, zu­sam­men mit ei­nem Len­bach-Ge­mäl­de ih­res Va­ters Franz Liszt.

[3] Hans von Bü­low (1830–1894), ge­schie­de­ner ers­ter Ehe­mann Cosimas

[4] Lo­thar Bucher (1817–1892), Pu­bli­zist, Po­li­ti­ker und bis 1886 Le­ga­ti­ons­rat im Aus­wär­ti­gen Amt in Berlin.

[5] Ma­rie Muchan­off (1822–1874), Pia­nis­tin, Mä­ze­nin, Freundin.

[6] Fried­rich „Fritz“ Brock­haus, Kir­chen­recht­ler und ein Sohn von Wag­ners Schwes­ter Ot­ti­lie, war von 23. De­zem­ber 1871 bis 2. Ja­nu­ar 1872 zu Be­such in Tribschen.

[7] Ca­ro­li­ne Grä­fin Wald­bott von Bas­sen­heim, geb. Prin­zes­sin von Öt­tin­gen-Wal­ler­stein (1824–1889), Nach­ba­rin in Trib­schen und ein­ge­bun­den in die „Kin­der­sor­ge“ um die Bü­low-Töch­ter Da­nie­la und Blandine.

[8] Fried­rich Nietz­sche (1844–1900) schick­te Co­si­ma den An­fang No­vem­ber 1871 kom­po­nier­ten „Nach­klang ei­ner Sylvesternacht“.

[9] Ernst Wil­helm Fritzsch (1840–1902), Leip­zi­ger Verleger.

Quel­len: Co­si­ma Wag­ner: Die Ta­ge­bü­cher: Band I, S. 1587. Di­gi­ta­le Bi­blio­thek Band 107: Ri­chard Wag­ner: Wer­ke, Schrif­ten und Brie­fe, S. 34748 (vgl. Co­si­ma-Ta­ge­bü­cher 1, S. 470);  Ri­chard Wag­ner: Sämt­li­che Brie­fe, Band 23 (hg. v. An­dre­as Mielke). 

Für Co­si­ma kom­po­nier­te Fried­rich Nietz­sche den „Nach­klang ei­ner Sylvesternacht“.

 

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