Sehen, Hören und Empfinden: der neue Münchner „Ring“ (Teil I)

Über die Neu­pro­duk­ti­on von Ri­chard Wag­ners „Ring“-Tetralogie an der Baye­ri­schen Staats­oper von To­bi­as Krat­zer und Vla­di­mir Ju­row­ski be­rich­tet suk­zes­si­ve Mar­ko Cir­co­vic für uns.

Vi­deo­still zur „Rheingold“-Inszenierung von To­bi­as Krat­zer mit Ni­cho­las Brown­lee (Wo­tan) und Sean Pa­nik­kar (Loge) – Vi­deo: Ma­nu­el Braun, Jo­nas Dahl, Ja­nic Bedi, Vor­la­ge: Baye­ri­sche Staatsoper
Parabel auf den Verlust des Transzendenten

„Das Rhein­gold“ im Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter von Mar­ko Cirkovic

Kaum wa­ren die Lich­ter ver­lo­schen, ent­fal­te­te sich et­was Un­ge­wöhn­li­ches, Vla­di­mir Ju­row­ski ließ das „Rhein­gold“ tat­säch­lich in völ­li­ger Dun­kel­heit be­gin­nen. Ohne No­ten­be­leuch­tung in­to­nier­te das Baye­ri­sche Staats­or­ches­ter die be­rühm­ten ers­ten Tak­te des Vor­spiels aus­wen­dig – nur ein Ta­schen­lam­pen­licht glomm am Arm des Di­ri­gen­ten. In die­ser ab­so­lu­ten Fins­ter­nis er­hob sich der mit­rei­ßen­de Ur­klang des Rheins in Es-Dur wie aus dem Nichts und zog mich au­gen­blick­lich in sei­nen Bann. Ju­row­ski wähl­te da­bei ein über­ra­schend zü­gi­ges Tem­po; Wag­ner mag ein Ro­man­ti­ker sein, doch jeg­li­cher über­schüs­si­ge Schmelz wur­de an die­sem Abend kon­se­quent ab­ge­tra­gen. Die­se fo­kus­sier­te, straf­fe Les­art be­saß ih­ren ei­ge­nen Reiz und eine strin­gent-dra­ma­ti­sche Äs­the­tik. Al­ler­dings sorg­te die vor­wärts­drän­gen­de Gang­art auch da­für, dass manch gro­ßer Au­gen­blick et­was bei­läu­fig vor­über­zog: Als Al­be­rich etwa das Rhein­gold „Rasch da“ zu sich ruft und das Or­ches­ter nor­ma­ler­wei­se zu ma­xi­ma­ler Laut­stär­ke auf­braust, ge­riet die­ser kli­mak­ti­sche Mo­ment un­ter Ju­row­skis Di­ri­gat eher knapp und un­spek­ta­ku­lär. Nichts­des­to­trotz mu­si­zier­te das Or­ches­ter auf al­ler­höchs­tem Ni­veau; Ju­row­skis In­ter­pre­ta­ti­on bot deut­lich Neu­ar­ti­ges und füg­te sich er­staun­lich gut in die In­sze­nie­rung ein, wel­che eine gott­lo­se, freud­lo­se Welt zeich­net – und traf da­mit letzt­lich ge­nau den Nerv un­se­rer Zeit.

„Das Rhein­gold“, 1. Bild, mit Al­be­rich (Mar­kus Brück) und den Rhein­töch­tern (Sa­rah Bra­dy, Ve­ri­ty Win­ga­te und Ya­jie Zhang) – Foto: Wil­fried Hösl/​Bayerische Staatsoper

To­bi­as Krat­zer ent­wirft eine Pa­ra­bel auf den Ver­lust des Tran­szen­den­ten, in der hei­li­ge Zei­chen nur noch Ku­lis­se sind. Das ge­sprüh­te „Gott ist tot“ mar­kiert den Null­punkt je­der Glau­bens­ge­wiss­heit: Tem­pel sind Rui­nen, Ri­tua­le Hohl­for­men. Fol­ge­rich­tig er­schei­nen die Rhein­töch­ter nicht als ko­ket­te Was­ser­we­sen, son­dern als Teen­ager-He­xen, die ih­ren ok­kul­ten Trotz ge­gen jede Sa­kra­li­tät rich­ten. Ihr Spiel mit dem Gold ver­kommt zum pro­fa­nen He­xen­sab­bat, bei dem sie die Res­te des Al­tars mit schwar­zer Ma­gie ent­wei­hen. Als Al­be­rich eine der He­xen bru­tal ver­letzt und den Schatz raubt, kippt Wag­ners Na­tur­my­thos in mo­der­nes Hor­ror-Fan­ta­sy: Ge­walt er­setzt Eros, Zau­be­rei wird zur un­ter­drück­ten Ge­gen­macht, der Rhein selbst zum Alb­traum aus Blut und Hass.

„Das Rhein­gold“, 2. Bild, mit Wo­tan (Ni­cho­las Brown­lee) und Fri­cka (Eka­te­ri­na Gu­ba­no­va) – Foto: Wil­fried Hösl/​Bayerische Staatsoper

Wal­hall er­scheint dar­auf­hin als dys­to­pi­sches Kir­chen­schiff ei­ner Zu­kunft ohne Glau­ben. Wo­tan, kon­ser­va­tiv kos­tü­miert wie ein Mon­arch aus der Mot­ten­kis­te, herrscht zwi­schen Bau­ge­rüs­ten und Pla­nen, die nur noch den An­schein von Sa­kral­raum er­zeu­gen. Die Rie­sen Fa­solt und Faf­ner sind hier fun­da­men­ta­lis­ti­sche Pries­ter, die den ma­ro­den Glau­ben mit hoh­ler Lit­ur­gie re­stau­rie­ren wol­len; Freia dient ih­nen als ju­gend­li­ches Faust­pfand. Loge stößt als aal­glat­ter Frei­kir­chen-Pre­di­ger hin­zu, ein Rat­ten­fän­ger, der den Ring als neu­en Heils­brin­ger ver­kauft. Sein Pop-Cha­ris­ma über­deckt die Lee­re, die alle Fi­gu­ren teilen.

„Das Rhein­gold“, 3. Bild, mit Al­be­rich (Mar­kus Brück) – Foto: Wil­fried Hösl/​Bayerische Staatsoper

Im Un­ter­grund in­sze­niert Krat­zer Al­be­richs Reich als Cy­ber-Ter­ror­zel­le ra­di­ka­ler MA­GA/­Reichs­bür­ger-Ver­schnitt: Waf­fen­sta­pel, Bild­schir­me und Com­pu­ter ver­schmel­zen zu ei­ner to­xi­schen Ver­schwö­rungs­äs­the­tik. Der Ring wird hier zum Be­triebs­sys­tem ei­nes glo­ba­len Coups, die Tarn­kap­pe zur Un­sicht­bar­keit im Dark­net. Die Ver­wand­lung in den feu­er­spei­en­den Wurm ist wie ein End­zeit-Co­mic, doch die Poin­te liegt in der nächs­ten Sze­ne: Auf der Vi­deo­wand se­hen wir Loge und Wo­tan im Flug­zeug, wie sie die win­zi­ge Krö­te in ei­ner Tup­per­do­se durch die Si­cher­heits­kon­trol­le schmug­geln – ein Slap­stick über All­machts­fan­ta­sien, die sich auf Su­per­markt­plas­tik ver­en­gen. Erst nach der Lan­dung, bei der Rück­ver­wand­lung, ent­reißt Loge Al­be­rich den Tarn­helm; jetzt ist er nackt, er­nied­rigt und sei­ner Hy­bris be­raubt – der Mo­ment, in dem die De­mü­ti­gung ihre vol­le Wucht entfaltet.

„Das Rhein­gold“, 4. Bild, mit Loge (Sean Pa­nik­kar) und Al­be­rich (Mar­kus Brück) – Foto: Wil­fried Hösl/​Bayerische Staatsoper

Erda er­scheint hier als eine Art Non­ne, letz­te Ver­kör­pe­rung au­then­ti­scher Spi­ri­tua­li­tät. Ihr tran­ce­haf­tes Ge­bet zwingt Wo­tan, den Ring frei­zu­ge­ben: eine ge­nui­ne Vi­si­on, die sich ge­gen das Event-Ge­rüm­pel der Ku­lis­sen stemmt. Doch Al­be­richs Fluch hat das Ge­fü­ge längst zer­stört; Faf­ner er­schlägt Fa­solt, und der Blut­rausch ent­tarnt die gan­ze Kir­chen-Ku­lis­se als Scheinglanz.

Im Schluss­bild fällt das Ge­rüst, der Al­tar strahlt glei­ßend, und ein neu­gie­ri­ges Stra­ßen­pu­bli­kum strömt in die ka­the­dra­len­haf­te Oper wie in ein In­sta­gram-Mu­se­um. Wo­tan po­siert als Ret­ter­gott, doch die Rhein­töch­ter – als He­xen tief ver­wur­zelt in na­tur­ma­gi­scher Kraft – emp­fin­den jede Kirch­lich­keit als le­bens­be­droh­li­che Frem­de. Aus mo­ra­li­scher Ab­scheu, und aus in­stink­ti­vem Un­be­ha­gen ge­gen­über die­sem „ge­weih­ten“ Raum flüch­ten sie, wäh­rend Wo­tan die Men­ge mit fal­schem Licht blen­det. Da­mit schlägt Krat­zer ei­nen star­ken Bo­gen. Die Göt­ter fei­ern ei­nen Tri­umph, der so­fort in Fäul­nis um­schlägt, wäh­rend die He­xen-Schwes­tern ver­schwin­den und im Dun­kel das fer­ne Grol­len des Rheins er­neut be­ginnt: ein un­heil­vol­les Echo, das den na­hen­den Un­ter­gang be­reits fei­er­lich in sich trägt.

„Das Rhein­gold“, 4. Bild, En­sem­ble­sze­ne mit So­lis­ten und Sta­tis­ten – Foto: Wil­fried Hösl/​Bayerische Staatsoper

Was Ni­cho­las Brown­lee als Wo­tan bot, grenz­te an eine vo­ka­le Ur­ge­walt. Noch nie habe ich in „Rhein­gold“ ei­nen der­art star­ken und prä­sen­ten Göt­ter­va­ter er­lebt. Ab­ge­se­hen von sei­nem ma­kel­lo­sen Deutsch be­ein­druck­te Brown­lee mit ei­ner wun­der­bar kla­ren, leicht me­tal­lisch glän­zen­den Stim­me, die zu­gleich kraft­voll und kul­ti­viert ge­führt war. Sei­ne In­ter­pre­ta­ti­on war hoch­äs­the­tisch aus­ge­stal­tet und ab­so­lut text­be­wusst – jede Phra­se hat­te Ge­wicht. Man spürt, dass hier ein ver­gleichs­wei­se jun­ger Bass­ba­ri­ton am Werk ist, der be­reits eine be­son­de­re Be­zie­hung zu die­ser Par­tie ent­wi­ckelt hat. Auch wenn „Das Rhein­gold“ nur der Vor­abend des „Rings“ ist, scheint Brown­lee schon jetzt auf dem bes­ten Wege zu sein, ei­ner der ganz Gro­ßen sei­nes Fachs zu wer­den. Sei­ner kom­men­den „Wal­kü­re“ nächs­tes Jahr sehe ich je­den­falls mit gro­ßen Er­war­tun­gen entgegen.

Sean Pa­nik­kar als Feu­er­gott Loge sang mit prä­sen­ter, an­ge­nehm tim­brier­ter Te­nor­stim­me und füll­te den Raum mü­he­los. Den­noch emp­fand ich sei­nen Loge stimm­lich als et­was zu glatt und kon­tur­los. Die Zwie­lich­tig­keit, die die­ser Fi­gur in­ne­wohnt und die Wag­ners Par­ti­tur ei­gent­lich vor­gibt, fehl­te mir: Das hin­ter­grün­dig In­tri­gan­te spie­gel­te sich kaum in sei­ner vo­ka­len Farb­pa­let­te. So ent­stand Lo­ges Dop­pel­spiel an die­sem Abend eher durch Pa­nik­kars Spiel und phy­si­sche Prä­senz als durch den Stimmcharakter.

Dem ge­gen­über stand Mar­tin Wink­ler als Al­be­rich. Dar­stel­le­risch agier­te er auf al­ler­höchs­tem Ni­veau – jede Ges­te und Mie­ne saß – und auch eine nu­an­cen­rei­che Stimm­füh­rung konn­te er vor­wei­sen. Ge­le­gent­lich stieß Wink­ler zwar in der Höhe und in punc­to Durch­schlags­kraft an Gren­zen, doch ins­ge­samt gab er ei­nen glaub­haft be­droh­li­chen Ni­be­lun­gen­fürs­ten, der in Fluch und Ver­bit­te­rung sehr überzeugte.

Mat­thi­as Klink wie­der­um lie­fer­te ei­nen ful­mi­nan­ten Mime. Mit cha­rak­ter­voll ge­färb­ter Stim­me und prä­zi­ser Dik­ti­on ver­lieh er Al­be­richs un­glück­li­chem Bru­der prä­gnan­tes Pro­fil. Ich per­sön­lich hät­te Klink al­ler­dings noch lie­ber in der Rol­le des Loge er­lebt – als Mime be­wies er so viel dar­stel­le­ri­sche Prä­senz und stimm­li­che Aus­drucks­kraft, dass er auch als lis­ti­ger Feu­er­geist eine Ide­al­be­set­zung ge­we­sen wäre.

Die üb­ri­gen Göt­ter­fi­gu­ren hin­ter­lie­ßen eher ge­misch­te Ein­drü­cke. Mi­lan Sil­ja­nov prä­sen­tier­te sich als Don­ner zu­nächst mit kräf­ti­gem Ba­ri­ton, doch ins­ge­samt fehl­te es sei­ner In­ter­pre­ta­ti­on et­was an ge­schmei­di­ger Li­ni­en­füh­rung und vor al­lem an der letz­ten vo­ka­len Durch­schlags­kraft in sei­nem ent­schei­den­den Don­ner­ruf. Ian Ko­zia­ra blieb als Froh trotz sei­nes ly­ri­schen Te­nors blass; selbst in sei­nen kur­zen Pas­sa­gen konn­te er sich ge­gen das Or­ches­ter kaum behaupten.

Eka­te­ri­na Gu­ba­no­va brach­te als Fri­cka zwar ei­nen ed­len Mez­zo­so­pran und auch ei­ni­ge aus­drucks­star­ke Tie­fen mit, hat­te je­doch an die­sem Abend Mühe, sich wirk­lich durch­zu­set­zen. Mir­jam Mesak ver­füg­te als Freia über ei­nen ju­gend­lich hel­len So­pran, dem es je­doch an Aus­drucks­tie­fe man­gel­te. Ihre Stim­me ver­moch­te nur sel­ten Ak­zen­te zu set­zen und ging in der En­sem­ble­fül­le unter.

In den Rol­len der Rie­sen Fa­solt und Faf­ner sorg­ten Matthew Rose und Timo Ri­iho­nen für vo­ka­le Fun­da­men­tal­kraft. Bei­de Bas­sis­ten san­gen auf sehr ho­hem Ni­veau – kräf­tig, klang­schön und mit be­ein­dru­cken­der Prä­senz. Ihre vo­lu­mi­nö­sen Stim­men ver­lie­hen den Gi­gan­ten die ge­büh­ren­de Wucht, ohne an Klar­heit der Dik­ti­on oder Ton­schön­heit einzubüßen.

Wieb­ke Lehm­kuhl hin­ter­ließ als ur­alte Erda trotz ih­res kur­zen Auf­tre­tens ei­nen nach­drück­li­chen Ein­druck. Sel­ten habe ich eine der­art mäch­ti­ge und zu­gleich so klar und edel tim­brier­te Alt­stim­me in die­ser war­nen­den Par­tie ver­nom­men. Ihre Mah­nung an Wo­tan ge­riet zu ei­nem Mo­ment von na­he­zu hyp­no­ti­scher Au­to­ri­tät und zeit­lo­ser Würde.

Für ei­nen be­tö­ren­den Schluss­ak­zent sorg­ten schließ­lich die drei Rhein­töch­ter (Sa­rah Bra­dy, Ve­ri­ty Win­ga­te und Ya­jie Zhang). Mit ju­gend­lich-fri­schen, klar schil­lern­den Stim­men sang die­ses Ter­zett eben­so prä­zi­se wie an­mu­tig. Ihre Kla­ge zum Fi­na­le glänz­te in glas­kla­rer In­to­na­ti­on und wun­der­ba­rem En­sem­ble­klang – ein zau­ber­haf­ter Ab­schluss, der den düs­te­ren Ein­zug der Göt­ter nach Wal­hall ein­drucks­voll kontrastierte.

Als die letz­ten Ak­kor­de des „Rhein­golds“ ver­klan­gen und das Pu­bli­kum aus der mar­mor­ge­kühl­ten Vor­hal­le der Staats­oper in die nächt­li­che Max-​Joseph-​Platz-​Szenerie hin­aus­trat, stie­ßen sie auf ein eben­so grell kon­tras­tie­ren­des wie bi­zarr ge­tak­te­tes Nach­spiel: Vor den Ab­sperr­git­tern ver­sam­mel­te sich eine klei­ne Pro-Pa­läs­ti­na-Kund­ge­bung, de­ren Slo­gans von pol­tern­dem Rhyth­mus be­glei­tet wur­den – Töp­fe wur­den mit Löf­feln trak­tiert, wie ein Ham­mer schlug im Se­kun­den­takt auf ei­nen mit­ge­brach­ten Am­boss, als woll­te man den nächt­li­chen Platz selbst in ei­nen Schmie­de­ofen ver­wan­deln. In­mit­ten des po­chen­den Ge­lärms reck­te eine jun­ge Frau, das Haar von ei­ner Base­ball­kap­pe be­schat­tet und die Schul­tern von ei­nem Kufiya-​Tuch um­rahmt, ein hand­be­schrie­be­nes Papp­schild in die Luft, auf dem in di­cken schwar­zen Let­tern die An­kla­ge prang­te: „Dear Ger­mans, don’t wash your white guilt with Pal­es­ti­ni­an blood.“

Der ab­sur­de Klang­tep­pich, halb Kü­chen­ka­ba­rett, halb Kriegs­ge­ras­sel, ver­lieh der Sze­ne eine un­frei­wil­li­ge Ko­mik; doch hin­ter der ka­ko­pho­ni­schen Gro­tes­ke schim­mer­te eine fins­te­re Ero­si­on der Ge­sprächs­kul­tur her­vor. In der über­lau­ten Ein­fach­for­mel des Schilds ver­dich­te­te sich, was auf den Töp­fen schon ein­träch­tig wi­der­hall­te: Es gibt nur noch das eine Licht der mo­ra­li­schen Selbst­ge­wiss­heit und die eine Dun­kel­heit des Geg­ners. Nu­an­cen lö­sen sich im Lärm auf, Dif­fe­ren­zie­rung wird weg­ge­schmie­det wie Schla­cke. So hall­te drau­ßen, auf of­fe­ner Stra­ße, die­sel­be Fra­ge nach dem Ver­lust des Ma­ßes wi­der, die drin­nen auf der Büh­ne schon die Göt­ter in den Ab­grund ge­führt hat­te – nur dass die Am­bos­se dies­mal real wa­ren und der Lärm kei­ne Me­ta­pher, son­dern ein pul­sie­ren­des Si­gnal der Ver­ro­hung, das noch lan­ge nach­klang, wäh­rend sich der Platz all­mäh­lich leerte.

Be­such­te Vor­stel­lung vom 31. Juli 2025 im Rah­men der Opern­fest­spie­le, Erst­ver­öf­fent­li­chung am 1. Au­gust 2025

Mar­ko Cir­ko­vic ist Kom­po­nist, Pia­nist, Fo­to­graf und Mu­sik­kri­ti­ker aus Karls­ru­he. Sei­ne künst­le­ri­sche Ar­beit be­wegt sich zwi­schen Mu­sik, Li­te­ra­tur und vi­su­el­ler Ge­stal­tung. Im Zen­trum ste­hen da­bei ins­be­son­de­re die Oper, or­ches­tra­le Klang­wel­ten und aus­drucks­star­ke Por­träts. Ne­ben ei­ge­nen Kom­po­si­tio­nen ver­öf­fent­licht er Kri­ti­ken und In­ter­views zu be­deu­ten­den Künst­lern und Pro­duk­tio­nen und en­ga­giert sich zu­gleich für kul­tu­rel­le und so­zia­le Projekte.

Für alle, die noch nicht ge­nug ha­ben: Hier ein Link zur kur­zen Nacht­kri­tik von Mar­kus Thiel von der Pre­mie­re am 27. Ok­to­ber 2024 so­wie zur Pre­mie­ren­kri­tik von Al­brecht Sel­ge auf VAN (ers­ter Zu­griff im Mo­nat frei; ein Jah­res-Abo kos­tet 50 € und ist sehr zu empfehlen).

Be­spre­chun­gen zur „Wal­kü­re“ folgen.