Derzeit sind gleich mehrere „Ring“-Produktionen als Stream zu haben. Hier aktuelle Infos zu den Angeboten der Opern-Plattformen und zu den Terminen für Live-Übertragungen in Kino und Rundfunk.

Im Arte-TV-Programm heute ist die allerneueste Oper zu erleben, zuerst in einer Dokumentation um 22.35 Uhr, danach ab 23.10 Uhr in der Gesamtaufnahme der Uraufführung am 16. Oktober 2026 aus dem Teatr Wielki in Warschau: „Die Mütter von Cherson“ des ukrainischen Komponisten Maxim Kolomiiets. Beide Sendungen sind in der Arte-Mediathek verfügbar, die Oper zumindest bis einschließlich 6. November 26.

Was Oper im Radio betrifft, so stehen gleich zwei Wagner-Premieren an: Heute Samstag, 24. Oktober um 18 Uhr überträgt Radio 3 des Senders rbb die Neuinszenierung des „Fliegenden Holländer“ aus der Deutschen Oper Berlin (Regie: Milo Rau, Dirigentin: Giedrė Slekytė, mit Tomasz Konieczny in der Titelrolle), am Donnerstag, 29. Oktober um 16 Uhr folgt auf BR Klassik Radio live die „Siegfried“-Premiere aus der Bayerischen Staatsoper (Regie: Tobias Katzer, Dirigent: Vladimir Jurowski, mit Benjamin Bruns in der Titelrolle). Und nur noch bis 12. November präsentiert das reichhaltige Opernangebot von Arte von den Salzburger Osterfestspielen „Das Rheingold“ (R: Kirill Serebrennikov, D: Kirill Petrenko).
Schon länger bei Arte und noch bis 19. Januar 2027 kostenlos verfügbar sind zwei der vier „Ring“-Abende von der Staatsoper Unter den Linden Berlin: In der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov und unter Christian Thielemann brillierte in der „Walküre vor allem Michael Volle, dessen Wotan/Wanderer im Rahmen aller vier (!) Abende einen spannenden Alterungsprozess vorzuführen hat, während in Siegfried vor allem Andreas Schager als Titlheld, Anja Kampe als Brünnhilde und Johannes Martin Kränzle als Alberich überzeugen. Hier Links zu meinen Berichten aus Berlin zu diesem „Ring („Die Walküre“ und „Siegfried“)

Ein Teil dieser Sängerinnen und Sänger war auch bei der „Ring“-Neuinszenierung der Mailänder Scala mit von der Partie, die gleichzeitig mit dem noch nicht vollendeten Münchner „Ring“ Ende Oktober 2024 startete, aber seit Februar 2026 bereits komplett ist. Die Scala bietet neuerdings in ihrem Streamingportal fast 30 Opern-Aufzeichnungen kostenlos an, darunter „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und „Siegfried“ (R: David McVicar, D: Simone Young). Kritiker Markus Thiel befand nach dem musikalisch gelungenen „Rheingold“: „Alles sieht aus wie eine Mixtur aus Karajan der Sechzigerjahre und ein dürftiges Harry-Kupfer-Imitat. Mit Blick auf die Regie sei kostengeplagten Wagnerianern gesagt: Sie können ihr Reisebudget schonen.“ Machen wir, streamen kostenlos und genießen unter anderem Klaus Florian Vogt und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Siegfried und Mime! Man muss sich nur registrieren, anmelden und vor dem Streamen unter HD-Settings die passende Auflösung für das jeweilige Abspielgerät anklicken, damit Bild und Ton nicht ins Stottern kommen.

Der neue „Ring“ in Paris (R: Calixto Bieito, D: Pablo Heras-Casado) wird sich zwar erst im November runden, ist dann aber auch gleich live zu streamen. Mit einem Monats-Abo zu nur 9,90 € beim Streamingportal der Pariser Oper ist ab 15. November 2026 die komplette „Ring“-Inszenierung unter der musikalischen Leitung des Bayreuther „Ring“-Dirigenten 2028 in Live-Mitschnitten zu erleben: „Das Rheingold“ am 15.11. um 14.30 Uhr; „Die Walküre“ am 16.11. um 17 Uhr, „Siegfried“ am 19.11. um 17 Uhr und „Götterdämmerung“ am 22.11. um 14 Uhr. Anschließend stehen diese Vorstellungen jeweils für 30 Tage nach der Erstsendung weiter als Stream on Demand zur Verfügung. Bei der Gelegenheit sollte man zumindest die Aufzeichnung der sicher immer noch brandaktuellen „Lohengrin“-Inszenierung von Kirill Serebrennikov aus dem Jahr 2023 nicht verpassen. Es gibt noch eine Fülle anderer lohnender Produktionen. Für die Dauer des Abonnements ist der Zugang zum kompletten Angebot gesichert, wie mir das Serviceteam des Portals auf Anfrage mitgeteilt hat.
Das umfassendste Opern- und Wagner-Angebot hat die Deutsche Grammophon auf ihrer kostenpflichtigen Plattform Stage+. Interessenten können derzeit einen Monat gratis testen.
Weitere kostenlose Streams
Die ARD Mediathek bietet in ihrem Wagner-Programm aktuell noch zwei Gesamtaufnahmen: analog zur Opernplattform von Arte das Salzburger „Rheingold“ sowie exklusiv noch bis Jahresende die diesjährige Erstaufführung von Wagners Frühwerk Rienzi (R: Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, D: Nathalie Stutzmann) bei den Bayreuther Festspielen. Die Produktion ist inzwischen für die International Opera Awards 2026 nominiert, die Preisverleihung findet am 21. November 2026 in Wien statt.

Auf Operavision sind momentan rund zwanzig Gesamtaufnahmen aus europäischen Opernhäusern kostenlose verfügbar, darunter „Tannhäuser“ aus Zagreb (R: Frank Van Laecke D: Srba Dinić) mit Eric Laporte in der Titelrolle, der 2019 als Lohengrin in Nürnberg zu erleben war, und Evelin Novak als Elisabeth, die seit 2023 kontinuierlich bei den Bayreuther Festspielen mitwirkt.
Weitere Termine zu kostenlosen Streams direkt aus den Plattformen der großen Opernhäuser in München und Wien: Auf staatsoper.tv gibt es aktuell in Erinnerung an Sir Peter Jonas unter anderem eine Wagner-Produktion aus seiner Ära am Münchner Nationaltheater: „Tannhäuser“ von 1995 (R: David Alden, D: Zubin Mehta), mit früheren Wagnerheroien und -recken. On demand steht ein Dutzend weiterer, zumeist neuerer Gesamtaufnahmen zur Verfügung; man muss registriert und angemeldet sein, dann funktioniert’s.
Die Wiener Staatsoper macht es für ihre registrierten Kunden wiederum anders: Sie zeigt Neuinszenierungen (erfreulicherweise nicht die Premiere, denn die ist selten die beste Vorstellung in der ersten Serie) und Wiederaufnahmen (mit originaler oder attraktiver neuer Besetzung) jeweils mit Live-Aufzeichnungen zu einem bestimmten Termin, wobei der Stream in der Regel auch noch bis zu zwei Tage nach der Erstausstrahlung kostenlos abrufbar ist. Hier die nächsten Termine:
7.11.26, 19 Uhr: La fille du régiment (R: Laurent Pelly, D: Evelino Pidò)
28.11.26, 19 Uhr: Ariadne auf Naxos (R: Barrie Kosky, D: Franz Welser-Möst)
23.12.26, 19 Uhr: La damnation de Faust (R: Lydia Steier, D: Bertrand de Billy)
31.12.26, 18 Uhr: DER Klassiker des Opernmuseums! Die Fledermaus (R: Otto Schenk, D: Franz Welser-Möst)
Live im Radio
Leider gibt es keine brauchbare Übersicht zu Opern im Radio bei den verschiedenen Sendern, die zur ARD gehören und sich allesamt seit geraumer Zeit im Umbau befinden. Außer der pauschalen Mitteilung, dass Gesamtaufnahmen oder Liveübertragungen von den großen Opernbühnen wie München, Mailand und New York samstags ab 19.05 Uhr auf BR-KLASSIK (und anderen Anstalten) gesendet werden, ist nichts zu finden. Auch der späte Sendebeginn bei Wagner und Strauss spricht nicht gerade dafür, dass die Verantwortlichen die Bedürfnisse der Hörer im Auge haben. Fest steht, dass BR Klassik jeweils die Premierenvorstellungen der Bayerischen Staatsoper in Echtzeit live überträgt, d.h. nach „Siegfried“ am 29.10. ist das heuer noch am 20.12.26 um 18 Uhr „Maria Stuarda“ (R: Francesco Micheli, D: Martin Rajna).
Live im Kino
Seit Jahren sind es vor allem die New Yorker Met und das Royal Opera House Covent Garden in London, die ihre Produktionen auch in die dafür geeigneten Kinos bringen. In beiden Programmen der Kino-Saison 2026/27 wird auch Wagner gespielt: Aus London sollte man sich die „Götterdämmerung“-Inszenierung von Barry Kosky am 3. Februar 2027 um 17.45 Uhr nicht entgehen lassen! Schließlich ist der Dirigent kein Geringerer als Jakub Hrůša, der neue Musikdirektor des Hauses. Aus der Met besonders empfehlenswert ist „Parsifal“ in der bewegenden und zeitlos modernen Inszenierung von François Girard. Die Premiere fand bereits 2013 statt, die Produktion gilt als ein Meilenstein der Met-Geschichte, die in der aktuellen Spielzeit mit überwiegend neuer Besetzung für wenige Termine auf die Bühne, ins Kino und zu den kostenpflichtigen Stream-Angeboten zurückkehrt. Kino-Termin: 5. Juni 2027, 18 Uhr.

Wie immer bei Links gilt: Wir können nicht wissen, wie lange sie funktionieren und sind grundsätzlich nicht verantwortlich für deren Inhalte.
