Die bizarren Traumwelten der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach stehen im Fokus unserer Matinee mit Kathrin Rönnebeck. Der Eintritt zum Vortrag am 22. November um 11 Uhr im Kufa-Saal ist frei.

„Keineswegs war mir der Tannhäuser an sich eine völlig unbekannte Erscheinung: schon früh war er mir durch Tieck’s Erzählung bekannt geworden. Er hatte mich damals in der phantastisch mystischen Weise angeregt, wie Hoffmann’s Erzählungen auf meine jugendliche Einbildungskraft gewirkt hatten.“ Was Richard Wagner in seiner „Mitteilung an meine Freunde“ 1851 lobend erwähnte, waren allerdings Dichtungen – und nicht die gleichnamige Oper von Jacques Offenbach. Letzteren verachtete er so sehr, dass er ihn zwanzig Jahre später sogar in seine frankophobe Groteske „Eine Kapitulation“ einbaute.
Wir hingegen kapitulieren mitnichten vor Wagners harscher Ablehnung. Sondern wollen in E.T.A. Hoffmanns Jubiläumsjahr erfahren, wie viel Anregendes, Mystisches, Phantastisches und Reales in Jacques Offenbachs Hoffmann-Oper steckt. Kathrin Rönnebeck heißt die Spezialistin, die uns bei einer Matinee am 22. November um 11 Uhr im Kufa-Saal (Ohmstraße 3) einführen wird in „Hoffmanns Erzählungen“.
In diesem Werk, dessen Uraufführung der Komponist nicht mehr erlebte und das in verschiedenen Fassungen vorliegt, mischen sich groteske und unheimliche Elemente aus den Novellen E.T.A. Hoffmanns mit der Biographie des Dichters. Figuren wechseln ihre Identitäten, dämonische Gegenspieler verfolgen unerbittlich alle Liebesversuche, gerade entstandene Lebensmöglichkeiten zerrinnen unversehens schnell zu Nichts.

Es ist eine bizarre Traumwelt des Titelhelden, in der man zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann. In ihrem Vortrag konzentriert sich Katrin Rönnebeck auch auf die drei Frauengestalten: die Puppe Olympia, die Künstlerin Antonia und die Kurtisane Giulietta. Und auf die eingängige, sinnliche, melancholische und mitreißende Musik Offenbachs, die permanent zwischen Operette und großer Oper schwankt.
Kathrin Rönnebeck schlägt dramaturgische Brücken zu den Stoffvorlagen, der Komposition, dem historischen und künstlerischen Umfeld der Entstehungszeit des Werkes. Sie weiht das Publikum in Zusammenhänge ein, die zwischen den (Noten-)Zeilen stehen und versucht, ein wenig von dem auszusprechen, was eigentlich als unaussprechlich gilt.
Die Matinee „Oper im Fokus: Hoffmanns Erzählungen“ findet am Sonntag, 22. November 2026 um 11 Uhr im Kufa-Saal (Ohmstraße 3) statt. Der Eintritt zur Veranstaltung des RWV Bamberg in Kooperation mit der mit der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft und der Staatsbibliothek Bamberg ist frei; auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen.

Zur Person
Katrin Rönnebeck, geboren in Cottbus, studierte Musik- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und sammelte bereits währenddessen praktische Erfahrungen als Regieassistentin am Staatstheater Cottbus und an der Neuköllner Oper Berlin. Von 2005 bis 2011 war sie als Dramaturgin an der Oper Leipzig tätig und betreute dort die Bereiche Oper, Ballett und Operette. Seit 2011 arbeitet sie im Historischen Archiv der Sächsischen Staatstheater an der Semperoper Dresden und beschäftigt sich mit der Dresdner Musik- und Theatergeschichte. Darüber hinaus ist sie seit 2012 als freie Dramaturgin und Referentin mit dem Schwerpunkt Opernvermittlung tätig.
