Bühne frei für drei Nachwuchskünstler

Beim Fest­spiel­be­such Mit­te Au­gust von links: Flo­ren­ti­ne Schu­ma­cher, Bar­tosz Szulc und Yuka Bep­pu, un­se­re drei Sti­pen­dia­ten 2016, die am 17. No­vem­ber um 20 Uhr im Spie­gels­saal der Har­mo­nie kon­zer­tie­ren. Foto: Jür­gen Grö­bel
Wie po­si­tiv sich un­ser Ver­band ent­wi­ckelt, lässt sich un­ter an­de­rem am wach­sen­den Pu­bli­kums­in­ter­es­se ab­le­sen – und an der An­zahl un­se­rer Sti­pen­dia­ten, die kos­ten­los drei Fest­spiel­auf­füh­run­gen in Bay­reuth er­le­ben dür­fen. Heu­er wa­ren es erst­mals drei Nach­wuchs­künst­ler, die das be­gehr­te Sti­pen­di­um be­ka­men. Am 17. No­vem­ber um 20 Uhr re­van­chie­ren sich Yuka Bep­pu, Flo­ren­ti­ne Schu­ma­cher und Bar­tosz Sculz mit ei­nem ex­klu­si­ven Auf­tritt im Spie­gel­saal der Har­mo­nie.
Das all­jähr­li­che Sti­pen­dia­ten­kon­zert ist ein Hö­he­punkt im Ver­ein­ska­len­der. Denn es gibt jun­gen Mu­si­kern und Sän­gern, die noch in der Aus­bil­dung oder am An­fang ih­rer Kar­rie­re ste­hen, die Chan­ce, sich in die­sem Rah­men zu prä­sen­tie­ren. In leb­haf­ter Er­in­ne­rung dürf­te noch der Bam­ber­ger Fe­lix Ut­ten­reu­ther sein, der vor gut ei­nem Jahr mit sei­nen Per­cus­sion-In­stru­men­ten be­geis­ter­te und in­zwi­schen als Aka­de­mist bei den Nürn­ber­ger Phil­har­mo­ni­kern wirkt. Für das dies­jäh­ri­ge Sti­pen­di­um konn­ten sich wie­der Mit­wir­ken­de der Som­mer Oper Bam­berg be­wer­ben.

Das Ren­nen mach­ten die 1994 in Güs­trow ge­bo­re­ne So­pra­nis­tin Flo­ren­ti­ne Schu­ma­cher, die aus Ja­pan stam­men­de Pia­nis­tin und Lied­be­glei­te­rin Yuka Bep­pu (Jahr­gang 1988) und der um ein Jahr äl­te­re pol­ni­sche Bas­sist Bar­tosz Szulc aus Łódź. Alle drei sind den hie­si­gen Opern­freun­den aus der Zau­ber­flö­te-Pro­duk­ti­on der Som­mer Oper 2015 in bes­ter Er­in­ne­rung: Schu­ma­cher über­rasch­te als spiel­freu­di­ge Pa­pa­ge­na, Bar­tosz war als Sa­ras­tro über­zeu­gend – und Bep­pu wirk­te hin­ter den Ku­lis­sen als ein­fühl­sa­me und kun­di­ge Kor­re­pe­ti­to­rin und setz­te auf der Büh­ne mit dem Glo­cken­spiel zu­sätz­li­che Glanz­lich­ter.

Bei ih­rem Bam­ber­ger Kon­zert prä­sen­tie­ren sich die drei Sti­pen­dia­ten teils solo, teils ge­mein­sam mit Wer­ken von Isaac Al­bé­niz, Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, Ga­eta­no Do­ni­zet­ti, Jan Gall, Ro­bert Schu­mann, Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy, Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart, Mo­dest Mus­sorgs­ky, Jo­hann Strauß und Carl Ma­ria von We­ber. Die Mo­de­ra­ti­on des Abends über­neh­men Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Kai­ser-Hein­rich-Gym­na­si­ums Bam­berg un­ter der Lei­tung von Jo­han­nes Klehr. Der Ein­tritt zu dem Kon­zert, das un­ter der Schirm­herr­schaft von Ober­bür­ger­meis­ter An­dre­as Star­ke steht, ist wie im­mer frei.

Kurzbiografien der drei Stipendiaten

Yuka Bep­pu wur­de 1988 in Ja­pan ge­bo­ren. Nach dem Kla­vier­stu­di­um bei Prof. Yu Ka­ku­no an der Uni­ver­si­tät To­kio ab­sol­vier­te sie den Stu­di­en­gang Künst­le­ri­sche Lied­ge­stal­tung bei Prof. Karl-Pe­ter Kam­mer­lan­der an der Hoch­schu­le für Mu­sik Franz Liszt in Wei­mar, wo sie seit Ok­to­ber 2016 als Do­zen­tin ar­bei­tet. Sie ge­wann 2013 den Schu­bert In­ter­na­tio­nal Kla­vier­duo-Wett­be­werb und 2015 den Son­der­preis für die bes­te Kla­vier­be­glei­tung beim Lort­zing-Wett­be­werb in Leip­zig. Ihr be­ruf­li­cher Traum ist es, das Fach Lied­ge­stal­tung auch in Ja­pan zu eta­blie­ren, da bis jetzt da­für kei­ne Mög­lich­keit be­steht. In ih­rer Frei­zeit be­schäf­tigt sie sich gern mit »Puz­zels«, weil da­bei, wie sie sagt, Schritt für Schritt aus klei­nen Stü­cken ein schö­nes Bild ent­steht und man da­für, ähn­lich wie in der Mu­sik, Ima­gi­na­ti­on und Krea­ti­vi­tät braucht.

Flo­ren­ti­ne Schu­ma­cher (Jahr­gang 1994) stammt aus Güs­trow und stu­diert seit Herbst 2013 klas­si­schen Ge­sang bei Prof. Ur­su­la Targ­ler-Sell an der Hoch­schu­le für Mu­sik in Frank­furt am Main, wo sie auch als Re­gie­as­sis­ten­tin die Durch­füh­rung der sze­ni­schen Aben­de un­ter­stützt. Im Jahr 2011 ge­wann sie den ers­ten Preis beim Bun­des­wett­be­werb Ju­gend mu­si­ziert im Fach Mu­si­cal. In der Spiel­zeit 2013/14 war sie in der Rol­le der Blon­de in Mo­zarts Ent­füh­rung aus dem Se­rail bei den Burg­fest­spie­len Bad Vil­bel zu er­le­ben, 2014 sang sie in Mo­zarts Così fan tut­te am Stadt­thea­ter Ko­blenz. Beim In­ter­na­tio­na­len Lou­is-Spohr-Wett­be­werb 2015 in Kas­sel ge­wann sie den Nach­wuchs­preis. Ihre Traum­rol­len sind Mo­zarts Kö­ni­gin der Nacht in der Zau­ber­flö­te und Vio­let­ta Va­lé­ry in La tra­via­ta von Giu­sep­pe Ver­di.

Bar­tosz Szulc (Jahr­gang 1987) stammt aus dem pol­ni­schen Łódź. Er be­gann sein Ge­sangs­stu­di­um an der Mu­sik­aka­de­mie sei­ner Hei­mat­stadt und stu­dier­te an­schlie­ßend an der Fry­de­ryk Cho­pin Mu­sik-Uni­ver­si­tät in War­schau. Im Jahr 2007 ge­wann er den Son­der­preis im Kunst­lied­wett­be­werb in Kut­no, 2009 den zwei­ten Preis des Na­tio­na­len Ge­sangs­wett­be­werbs Lu­do­mir Ro­zy­cki in Gli­wice und 2012 den drit­ten Preis so­wie den Son­der­preis für die bes­te Stim­me beim In­ter­na­tio­na­len Giu­lio Perot­ti Ge­sangs­wett­be­werb in Uecker­mün­de. Im kom­men­den Jahr wird er im Opern­haus Łódź im Ora­to­ri­um Seme­le von Ge­org Fried­rich Hän­del die Rol­le des Cadmus/​Somnus sin­gen. In der Mu­sik liebt er be­son­ders den Rhyth­mus – „je kom­pli­zier­ter, umso bes­ser“. Sei­ne Traum­par­ti­en sind Le­po­rel­lo in Mo­zarts Don Gio­van­ni und Kas­par in Carl Ma­ria von We­bers Frei­schütz.

Infos zur Stipendienstiftung

Die noch auf Wunsch Ri­chard Wag­ners 1882 ins Le­ben ge­ru­fe­ne Sti­pen­dien­stif­tung ver­mit­telt all­jähr­lich rund 250 jun­gen Sän­gern, Mu­si­kern und sons­ti­gen Büh­nen­schaf­fen­den aus dem In- und Aus­land den kos­ten­lo­sen Be­such von meh­re­ren Auf­füh­run­gen der Bay­reu­ther Fest­spie­le und ver­schafft ih­nen da­mit wert­vol­le Im­pul­se für den wei­te­ren künst­le­ri­schen Wer­de­gang. Zahl­rei­che ehe­ma­li­ge Sti­pen­dia­ten wa­ren oder sind Mit­wir­ken­de der Bay­reu­ther Fest­spie­le und füh­ren­der Opern­häu­ser welt­weit. Die Sti­pen­dia­ten un­ter­neh­men auf Kos­ten von zahl­rei­chen lo­ka­len Wag­ner­ver­bän­den im In- und Aus­land eine fünf­tä­gi­ge Rei­se in die Welt Ri­chard Wag­ners und der Bay­reu­ther Fest­spie­le. Ne­ben den Opern­auf­füh­run­gen – heu­er konn­ten die Sti­pen­dia­ten Mit­te Au­gust den Flie­gen­den Hol­län­der, Par­si­fal und Göt­ter­däm­me­rung im Fest­spiel­haus er­le­ben – ste­hen Ein­füh­rungs­vor­trä­ge, eine Kranz­nie­der­le­gung am Wag­ner­grab, di­ver­se Füh­run­gen, Emp­fän­ge und Mu­se­ums­be­su­che und ein gro­ßes Kon­zert mit aus­ge­wähl­ten Sti­pen­dia­ten in der Bay­reu­ther Stadt­hal­le auf dem Pro­gramm.

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