„Hitler. Macht. Oper“

Im Gluck-Saal des Nürn­ber­ger Opern­hau­ses fin­det von 2. bis 4. Juni 2017 eine Ta­gung statt, die das Haus als ex­em­pla­ri­schen Ort der In­sze­nie­rung von Macht und Un­ter­hal­tung un­ter dem NS-Re­gime zeigt.

Seit 2014 forscht das Team rund um Prof. Dr. Anno Mun­gen am For­schungs­in­sti­tut für Mu­sik­thea­ter der Uni­ver­si­tät Bay­reuth (fimt) dar­über, wie die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten Nürn­berg für ihre Ideo­lo­gie miss­brauch­ten. Wie ver­än­der­te die Macht­über­nah­me der Na­zis das Schaf­fen im Nürn­ber­ger Stadt­thea­ter? Wie wur­de die Stadt be­nutzt, um die Grö­ße und Stär­ke des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und ganz be­son­ders des „Füh­rers“ zu in­sze­nie­ren, und wel­che Rol­le spiel­te die Mu­sik bei all dem? Das sind die zen­tra­len Fra­gen, mit de­nen sich die Grup­pe aus dem For­schungs­in­sti­tut für Mu­sik­thea­ter be­schäf­tigt. Eine gro­ße An­er­ken­nung be­deu­tet in die­sem Zu­sam­men­hang die vor kur­zem be­stä­tig­te För­de­rung durch die Deut­sche For­schungs­ge­sell­schaft (DFG), die dem Pro­jekt, das in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum Reichs­par­tei­tags­ge­län­de und dem Staats­thea­ter Nürn­berg durch­ge­führt wird, ent­spre­chen­de För­der­gel­der zur Ver­fü­gung stellt. Die DFG ist ei­ner der größ­ten und be­deu­tends­ten Geld­ge­ber für For­schung in Deutsch­land. Die­ser Rit­ter­schlag für die seit 2014 ge­leis­te­te Ar­beit und die Vor­ha­ben für die Zu­kunft si­chert jetzt die Fi­nan­zie­rung des Pro­jek­tes und er­mög­licht, dass wei­te­re Stel­len im Team ge­schaf­fen wer­den kön­nen.

Das For­schungs­team in Bay­reuth hat mit sei­nen Un­ter­su­chun­gen zur Funk­ti­on des Un­ter­hal­tungs­gen­res im Kul­tur­plan der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten erst ei­nen As­pekt be­ar­bei­tet. Im nächs­ten Schritt ge­hen die Wissenschaftler*innen der Fra­ge nach, wie die Stadt Nürn­berg im Sin­ne ei­ner na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen (Kultur-)Politik in­stru­men­ta­li­siert wur­de. Denn Nürn­berg als Stadt der Meis­ter­sin­ger, mit der Kai­ser­burg, die über der mit­tel­al­ter­li­chen Alt­stadt thront, er­wies sich als per­fek­ter Ort, um die ver­meint­li­che Über­le­gen­heit der Deut­schen ge­gen­über an­de­ren Völ­kern zu in­sze­nie­ren. Das Team von Anno Mun­gen geht an­hand um­fang­rei­cher Zeit­zeu­gen-In­ter­views und zahl­rei­cher his­to­ri­scher Quel­len u. a. den Fra­gen nach: Wel­che For­men nahm die In­sze­nie­rung Nürn­bergs als „deut­sches­te“ al­ler Städ­te an? Wel­che Rol­le spiel­te Mu­sik da­bei? Und wie ver­än­der­te sich der Opern­be­trieb am Stadt­thea­ter un­ter der NS-Herr­schaft?

In dem drei­tä­gi­gen Sym­po­si­um „Hit­ler. Macht. Oper“ vom 2. bis 4. Juni wird das For­scher­team wei­te­re Er­geb­nis­se sei­ner Un­ter­su­chun­gen öf­fent­lich vor­stel­len. Auch hier­zu sind wie­der nam­haf­te Wissenschaftler*innen ein­ge­la­den, die ge­mein­sam mit Anno Mun­gen über das „Mu­sik­thea­ter in Nürn­berg von 1920 bis 1950“ dis­ku­tie­ren wer­den. Zum Ab­schluss des For­schungs­pro­jek­tes wer­den die Er­geb­nis­se in ei­nem Text­band pu­bli­ziert. Für 2018 ist dar­über hin­aus auch eine gro­ße Aus­stel­lung im Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum ge­plant. Der Be­su­cher soll in die­ser Aus­stel­lung die Wir­kung der In­sze­nie­rungs­for­men der NS-Pro­pa­gan­da selbst nach­emp­fin­den kön­nen, wo­bei die Aus­stel­lungs­ma­cher – der Büh­nen­bild­ner und In­stal­la­ti­ons­künst­ler Her­mann Feuch­ter, Dr. Alex­an­der Schmidt vom Doku-Zen­trum und die Wissenschaftler*innen – sehr ge­nau dar­auf ach­ten wer­den, dass der Zu­schau­er gleich­zei­tig eine kri­ti­sche Di­stanz wah­ren kann.

Das Sym­po­si­um fin­det im Gluck-Saal des Staats­thea­ters Nürn­berg so­wie im Kino des Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums Reichs­par­tei­tags­ge­län­de statt. Der Ein­tritt ist frei. Wei­te­re In­fos auf der Home­page des Staats­thea­ters und des fimt

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