Ein Leben voller Widersprüche

Co­si­ma Wag­ner, por­trä­tiert 1879 von Franz Len­bach

Co­si­ma Wag­ner ab­zu­leh­nen, ist leicht und fast Kon­sens, ihr ge­recht zu wer­den hin­ge­gen schwer. Der Vor­trag „Theu­ers­te Freun­din…“ von Sa­bi­ne Zur­mühl am 7. Juli im Ho­tel Bam­ber­ger Hof wird dem schein­bar nur all­zu be­kann­ten Pro­fil die­ser Frau wi­der­spre­chen, die sich eine „Lisz­tin“ nann­te. Was ist die Frau ei­nes be­rühm­ten Man­nes, fragt die Fe­mi­nis­tin und Wag­ner­ken­ne­rin Zur­mühl, wenn der Blick sich nicht auf ihn, son­dern auf ihre Per­sön­lich­keit, ihr in­ne­res Er­le­ben, ihre Le­bens­brü­che, Le­bens­sie­ge und Ängs­te rich­tet? Wor­in be­stand die Fas­zi­na­ti­on, die die­se Frau auf ihre Mit­men­schen zwei­fel­los aus­üb­te?

Wie wirk­te sich für ihre Bio­gra­phie die In­sta­bi­li­tät der sie um­ge­ben­den Be­zie­hun­gen aus, mit ge­trenn­ten El­tern, der jah­re­lan­gen Ab­we­sen­heit des Va­ters und dem Kon­takt­ver­bot zur Mut­ter, dem frü­hen Ver­lust der Ge­schwis­ter durch de­ren Ster­ben, das Zer­bre­chen der ers­ten Ehe zu Bü­low? Wie sind die Wi­der­sprü­che ein­zu­ord­nen zwi­schen ih­ren eher tra­di­tio­nel­len Le­bens­theo­ri­en und ih­rem ge­ra­de­zu re­vo­lu­tio­nä­ren wirk­li­chen Le­ben, zwi­schen ih­rer Ab­leh­nung der Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung der Frau­en und ih­rer tie­fen, jahr­zehn­te­lan­gen Freund­schaft mit Frau­en, die wach und kri­tisch im Le­ben stan­den, die sen­si­bel, ge­nau und (auch: selbst-) kri­tisch und hu­mor­voll die Aus­ein­an­der­set­zung mit Freun­din­nen such­ten?

Die Kor­re­spon­den­zen und Ta­ge­bü­cher be­le­gen dies auf le­ben­di­ge Wei­se. So in der Freund­schaft mit Mal­wi­da von Mey­sen­bug, die die Bür­ger­rech­te für Frau­en ein­klag­te und sich mit den „Me­moi­ren ei­ner Idea­lis­tin“ in die Früh­eman­zi­pier­ten ein­ord­ne­te. Oder in den Bay­reu­ther Be­geg­nun­gen mit der Sän­ge­rin Anna Bahr-Mil­den­burg, die die Er­schei­nung und Ar­beits­wei­se Co­si­mas vol­ler Re­spekt und Sach­kennt­nis be­schrieb. Schließ­lich die le­bens­lan­ge wohl tiefs­te Freund­schaft mit Ma­rie von Buch, spä­te­re von Schlei­nitz, ihre „Mimi“.

Was wa­ren die Bil­der von Weib­lich­keit und Männ­lich­keit, die so­wohl in Co­si­mas Bin­dung an Hans von Bü­low als auch in der Be­zie­hung zu Ri­chard Wag­ner nie den gän­gi­gen Kli­schees ent­sprach? Und schließ­lich, wie fügt sich hier­ein ihr sich aus­prä­gen­der An­ti­se­mi­tis­mus und Hang zu Re­li­gio­si­tät, spi­ri­tu­el­ler Su­che und ihr gro­ßer Wunsch nach Frei­heit? Co­si­ma Wag­ner führ­te ein kom­pli­zier­tes und eman­zi­pier­tes Le­ben, in dem sie, wie vie­le der Frau­en ih­res Jahr­hun­derts, um An­er­ken­nung, Lie­be und ih­ren Platz im Le­ben mit vie­len Rück­schlä­gen und Ent­mu­ti­gun­gen, aber auch er­fin­dungs­reich und lis­tig zu kämp­fen wuss­te.

Die Ger­ma­nis­tin, Print- und Fern­seh­jour­na­lis­tin, Au­torin und Me­dia­to­rin Sa­bi­ne Zur­mühl ar­bei­tet ak­tu­ell an ei­ner Bio­gra­fie Co­si­ma Wag­ners. Sie war Mit­be­grün­de­rin und Her­aus­ge­be­rin der fe­mi­nis­ti­schen Zeit­schrift „Cou­ra­ge“, mit dem Band „Leuch­ten­de Lie­be, la­chen­der Tod. Zum Toch­ter­my­thos Brünn­hil­de“ er­schien 1984 ihr ers­tes Wag­ner-Buch, eine Rei­he von Es­says zum „Ring des Ni­be­lun­gen“ folg­ten. Sie lebt in und in der Nähe von Ber­lin. Am 7. Juli 2015 kommt sie auf Ein­la­dung un­se­res Ver­bands nach Bam­berg. Ihr Co­si­ma-Vor­trag in den Se­mi­nar­räu­men des Ho­tels Bam­ber­ger Hof be­ginnt um 19.30 Uhr, der Ein­tritt ist frei.

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