Vortrag über „Wagner und Leipzig“ abgesagt

Der für 21. Mai um 19.30 Uhr im Ho­tel Bam­ber­ger Hof ge­plan­te Vor­trag „Vom schlech­ten Schü­ler zum Mu­sik­ge­nie: Ri­chard Wag­ner und Leip­zig“ der Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Ur­su­la Oeh­me muss lei­der krank­heits­be­dingt ab­ge­sagt wer­den. Zu wel­chem Nach­hol­ter­min die Re­fe­ren­tin den wohl am we­nigs­ten be­kann­ten Le­bens­ab­schnitt Wag­ners be­leuch­ten wird, steht noch nicht fest.

Brühl in Leip­zig, Aqua­rell von Wil­helm Stock­mann, 1825. Das Ge­bäu­de links ist das Haus zum Ro­ten und Wei­ßen Lö­wen, Ri­chard Wag­ners Ge­burts­haus. Vor­la­ge: Stadt­ge­schicht­li­ches Mu­se­um Leip­zig

Am Vor­abend von Ri­chard Wag­ners 206. Ge­burts­tag be­gibt sich die Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Ur­su­la Oeh­me auf Spu­ren­su­che nach dem wohl am we­nigs­ten be­kann­ten Le­bens­ab­schnitt Ri­chard Wag­ners. Am 22. Mai 1813 in eine kin­der­rei­che Leip­zi­ger Fa­mi­lie hin­ein­ge­bo­ren, war Wag­ner schon früh von sei­nem Ge­nie über­zeugt und woll­te be­reits mit fünf­zehn Jah­ren be­rühmt wer­den, um die un­ge­lieb­te Schu­le ver­las­sen zu kön­nen. An­hand von ei­ge­nen Le­bens­zeug­nis­sen, Do­ku­men­ten der Ni­ko­lai­schu­le, Ta­ge­buch­ein­tra­gun­gen, Thea­ter­zet­teln und Ge­wand­haus­pro­gram­men zeich­net Oeh­me die er­staun­li­che Ent­wick­lung des schlech­ten Schü­lers zum Dich­ter­kom­po­nis­ten nach. In Leip­zig, der Mes­se­stadt von eu­ro­päi­schem Rang, er­leb­te der ei­gen­wil­li­ge Ju­gend­li­che Kon­zert- und Thea­ter­auf­füh­run­gen, die ihn be­geis­ter­ten, ent­schloss sich, Mu­si­ker zu wer­den, fand Men­schen, die ihn da­bei un­ter­stütz­ten, und ge­noss die Er­mu­ti­gung durch Pu­bli­kum und Kri­tik bei der Auf­füh­rung ers­ter ei­ge­ner Wer­ke in Thea­ter und Ge­wand­haus.

Pro­gramm­zet­tel des Leip­zi­ger Ge­wand­hau­ses vom 10. Ja­nu­ar 1833 mit Ri­chard Wag­ners Sin­fo­nie C-Dur Vor­la­ge: Stadt­ge­schicht­li­ches Mu­se­um Leip­zig
Ur­su­la Oeh­me Foto: Chris­toph San­dig

Zur Per­son: In ei­nem mu­si­schen El­tern­haus auf­ge­wach­sen, mach­te Ur­su­la Oeh­me schon zei­tig mit der Oper Be­kannt­schaft. Ihr Va­ter, ein Wag­ne­ria­ner, war als Käm­me­rer bei der Stadt Er­furt be­schäf­tigt, und es gab für sie als Kind nichts Schö­ne­res, als im Rat, als im Rat­haus die Wand­ge­mäl­de zu be­stau­nen, zu de­nen auch das Schick­sal von Tann­häu­ser ge­hört. Zum Stu­di­um der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten und Ger­ma­nis­tik nach Leip­zig ge­kom­men, zähl­te hier be­son­ders das Er­leb­nis der bis heu­te gül­ti­gen „Ring“-Inszenierung von Joa­chim Herz zu den her­aus­ra­gen­den Operner­eig­nis­sen. Als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin für Öf­fent­lich­keits­ar­beit, Mar­ke­ting und Pu­bli­ka­tio­nen im Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­um Leip­zig konn­te sie die um­fang­rei­che Wag­ner-Samm­lung schon früh für in­ten­si­ve For­schun­gen zu Ri­chard Wag­ner, sei­ner Fa­mi­lie und sei­nem Um­feld nut­zen. 2008 er­schien als ers­te Ver­öf­fent­li­chung der Stadt­rund­gang „Wag­ner­we­ge in Leip­zig“ im Auf­trag des Ri­chard-Wag­ner-Ver­ban­des Leip­zig (2. Aufl. 2011), an­läss­lich des Wag­ner-Ju­bi­lä­ums 2013 mit dem Buch „Ri­chard Wag­ner und Leip­zig“ eine lei­den­schaft­lich-kri­ti­sche Hom­mage an den Dich­ter­kom­po­nis­ten. Im sel­ben Jahr trat sie als Mit­her­aus­ge­be­rin und Au­torin des Bild-Text-Ban­des „Ri­chard Wag­ner in Mit­tel­deutsch­land“ in Er­schei­nung. Zu den Wag­ner-Fest­ta­gen Leip­zig 2015 ent­stand das Zwei-Per­so­nen-Stück „Love­sto­ry ohne Hap­py End“ über die Lie­be zwi­schen Wag­ner und Mat­hil­de We­sen­donck, das mehr­mals auf­ge­führt wur­de und in dem sie die Rol­le von Mat­hil­des Freun­din Eli­za Wil­le über­nahm. Ihre Ent­de­ckung des Gra­bes von Ri­chard Wag­ners Va­ter war An­lass für die Pu­bli­ka­ti­on „Die Ru­he­stät­ten der Fa­mi­lie Wag­ner auf dem Al­ten Jo­han­nis­fried­hof zu Leip­zig“ 2016, die sich auch den Le­bens­ge­schich­ten der an­de­ren in Leip­zig be­stat­te­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­der wid­met. Erst­mals wird auch die na­he­zu aben­teu­er­li­che Ge­schich­te der Grä­ber und des Denk­mals von Mut­ter und Schwes­ter Ro­sa­lie ge­schil­dert. Mit Stadt­rund­gän­gen, Vor­trä­gen und Le­sun­gen hält Ur­su­la Oeh­me die Er­in­ne­rung an Ri­chard Wag­ners Zeit in sei­ner Ge­burts­stadt Leip­zig wach. Wie le­ben­dig sie das macht, konn­ten die Teil­neh­mer un­se­rer Fahrt zur Leip­zi­ger „Tannhäuser“-Inszenierung im Mai 2018 er­fah­ren.

 

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