Alte Hasen und Grünschnäbel

„Werk­statt Bay­reuth“ in der Fried­rich­stra­ße: Uwe Hop­pe jüngs­te „Ring“-Adaption glänzt und gleißt in ih­rem drit­ten Auf­füh­rungs­jahr.

Con­ny Trap­per (links) als Loge, Frank Jo­seph Mais­el als Wo­tan und An­net­te Lauck­ner als Fri­cka Foto: Tho­mas Eber­lein

Ein Fest­spiel­som­mer ganz ohne „Ring“, das ist zwar ak­tu­ell oben am Grü­nen Hü­gel Rea­li­tät. Aber un­ten, in der klei­nen Scheu­ne der Kla­vier­ma­nu­fak­tur Stein­gra­eber an der Fried­rich­stra­ße, schließt die Stu­dio­büh­ne Bay­reuth die für Wag­ne­ria­ner doch schmerz­li­che Lü­cke: mit Uwe Hop­pes min­des­tens vier­ter Fas­sung des Vier­tei­lers und der x-ten Ver­si­on ei­nes Stücks zum Le­ben und den Büh­nen­wer­ken Ri­chard Wag­ners.

Be­kannt­lich gibt es die Fest­spie­le des­halb, weil Wag­ner sein Mo­nu­men­tal-Opus „Der Ring des Ni­be­lun­gen“ un­be­dingt kom­plett auf­ge­führt wis­sen woll­te, ver­teilt auf vier Tage, bei ei­ner Ge­samt­spiel­dau­er von rund vier­zehn Stun­den. Bei der Stu­dio­büh­ne wer­den seit bald vier­zig Jah­ren die zwar deut­lich klei­ne­ren, aber ga­ran­tiert schär­fe­ren „Ring“-Brötchen ge­ba­cken.

Mit dem 2017 ur­auf­ge­führ­ten „Heda! Heda! Hedo! What the fuck is Wag­ner?“ ist die Te­tra­lo­gie end­lich bei den Di­gi­tal Na­ti­ves an­ge­kom­men – und dau­ert mit Pau­se zwei­ein­halb er­fri­schend  kurz­wei­li­ge Stun­den. Bei der Wie­der­auf­nah­me am Wo­chen­en­de war das Pu­bli­kum, dar­un­ter Ober­bür­ger­meis­te­rin Bri­git­te Merk-Erbe, hör­bar be­geis­tert, auch wenn die Be­leuch­tungs­an­la­ge kon­se­quent ei­nem fal­schen Be­fehl folg­te.

An­net­te Lauck­ner als Hed­wig, Lu­kas Stüh­le als Wil­helm, Anja Kraus als Ros­wi­tha und Finn Leible als Cas­par Foto: Tho­mas Eber­lein

Was die Dar­stel­ler – die Stu­dio­büh­nen-Ur­ge­stei­ne Frank Jo­seph Mais­el und Con­ny Trap­per so­wie Anja Kraus, An­net­te Lauck­ner, Finn Leible und Lu­kas Stüh­le als vier in je­der Hin­sicht be­weg­li­che Youngs­ters – in ih­ren Mehr­fach­rol­len leis­ten, ist ein­fach um­wer­fend. Alle sechs sind so sou­ve­rän in die an­spie­lungs-, geist- und tem­po­rei­che In­sze­nie­rung von Au­tor Hop­pe hin­ein­ge­wach­sen, dass nie­mand auf die Idee käme, dass das kei­ne Schau­spiel­pro­fis sind.

Anja Kraus als Sieg­lin­de er­fährt von den vier Wal­kü­ren ge­ra­de, dass sie ein Kind be­kommt. Foto: Tho­mas Eber­lein

Im Ge­gen­teil: Die bei­den Al­ten, die in ih­rem Wag­ner­hort­kel­ler (Büh­ne: Mi­cha­el Bach­mann, Kos­tü­me: Hei­ke Betz) erst ziem­lich ver­schüch­tert auf die jun­gen Leu­te re­agie­ren, lau­fen bald zu ganz gro­ßer Form auf. Und die Grün­schnä­bel, die sich von ih­ren Men­to­ren an­ge­lei­tet spie­le­risch und zu­neh­mend en­thu­si­as­tisch die „Ring“-Geschichte an­eig­nen, ha­ben zwar eine sehr di­rek­te und gro­ße Klap­pe, mer­ken aber schnell, wo es lang und ans Ein­ge­mach­te geht.

Die enorm wand­lungs­fä­hi­ge Con­ny Trap­per als zier­li­cher Wald­vo­gel Foto: Re­gi­ne Fett­kö­ther

Das Stück ist so an­ge­legt, dass An­fän­ger wie Ken­ner der Ma­te­rie et­was da­von ha­ben. Ne­ben der „Ring“-Handlung in un­or­tho­do­xer Rei­hen­fol­ge be­kommt man auch bit­ter­bö­se An­mer­kun­gen zur jün­ge­ren Fest­piel­ge­schich­te ser­viert. Nicht zu ver­ges­sen die ori­gi­na­len und ge­ni­al hin­zu­er­fun­de­nen Stab­rei­me. Und bei al­lem Es­prit und Witz er­reicht der Abend auch ohne Mu­sik eine Tie­fe, die man in man­cher Pro­duk­ti­on am Hü­gel oben ver­geb­lich sucht.

Mit drei Vor­stel­lun­gen von „Leu­bald“, dem dra­ma­ti­schen Erst­ling Wag­ners, bie­tet die Stu­dio­büh­ne  bei Stein­gra­eber ab 3. Au­gust noch ein Stück, das man sich nicht ent­ge­hen las­sen soll­te – und im Fel­sen­thea­ter von San­s­pa­reil Shake­speares „Mac­beth“, auf den sich der drei­zehn­jäh­ri­ge Wag­ner be­zog, als er be­gann, „Leu­bald“ zu schrei­ben.

Be­such­te Wie­der­auf­nah­me-Pre­mie­re am 20. Juli, Erst­druck im Feuil­le­ton des Frän­ki­schen Tags. Wei­te­re „Heda!“-Aufführungen am 26. Juli so­wie zehn­mal im Au­gust. Kar­ten un­ter Te­le­fon 0921/69001, wei­te­re In­fos auf der Home­page der Stu­dio­büh­ne 

Frank Jo­seph Mais­el als Wo­tan und An­net­te Lauck­ner als Brünn­hil­de Foto: Tho­mas Eber­lein

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