Stipendiaten 2022: Cîmpean & Vögele

Da­ni­elle Cîm­pean (So­pran) und Wolf­gang Vö­ge­le (Tuba) sind un­se­re dies­jäh­ri­gen Bay­reuth-Sti­pen­dia­ten. Der eben­falls no­mi­nier­te Mau­rice Se­ra­phin Lutz (Kla­ri­net­te) kann aus be­ruf­li­chen Grün­den sein Sti­pen­di­um lei­der nicht wahrnehmen.

Wolf­gang Vö­ge­le und Da­ni­elle Cîm­pean ste­hen aus gu­tem Grund vor der Bron­ze­sta­tue von Lud­wig II. im Bam­ber­ger Hain, denn ohne den kö­nig­li­chen Pro­tek­tor wä­ren die Bay­reu­ther Fest­spie­le si­cher nicht zu­stan­de ge­kom­men. – Foto: Do­ris Engelhardt

Als der RWV Bam­berg 2020 bei der Ri­chard-Wag­ner-Sti­pen­dien­stif­tung die An­trä­ge für Hanyi Du (Kla­vier, Cem­ba­lo) und Mau­rice Se­ra­phin Lutz (Kla­ri­net­te) stell­te und Wolf­gang Vö­ge­le (Tuba) als Nach­rü­cker vor­mer­ken ließ, konn­te nie­mand ah­nen, dass 2020 kein ein­zi­ger Sti­pen­di­at beim Fest­spiel­som­mer da­bei sein wür­de. We­gen der Pan­de­mie gab es erst­mals seit der Wie­der­eröff­nung 1951 gar kei­ne Fest­spie­le und im Jahr dar­auf nur mit ein­ge­schränk­ter Be­su­cher­zahl, so dass nur höchs­tens je ein Sti­pen­di­at pro Ver­band zu­ge­las­sen wer­den konn­te. Jetzt hat das lan­ge War­ten zu­min­dest für den Tu­ba­spie­ler ein Ende. Ne­ben Vö­ge­le wird al­ler­dings nicht der seit 2020 no­mi­nier­te Kla­ri­net­tist nach Bay­reuth fah­ren, der aus be­ruf­li­chen Grün­den ver­hin­dert ist, son­dern die nach­no­mi­nier­te So­pra­nis­tin Da­ni­elle Cîm­pean.

Danielle Cîmpean

Da­ni­elle Cîm­pean – Foto: Fo­to­ate­lier Tom & Söhne

Die So­pra­nis­tin Da­ni­elle Eli­sa In­grid Cîm­pean ist 1995 ge­bo­ren, ab­sol­vier­te 2014 ihr Ab­itur am Gym­na­si­um Ca­si­mi­ria­num Co­burg und stu­diert nach Sta­tio­nen an der Be­rufs­fach­schu­le für Mu­sik Kro­nach (Haupt­fach Ge­sang bei Hel­ga Kut­ter, Ab­schluss als staat­lich ge­prüf­te Chor- und En­sem­ble­lei­te­rin mit Aus­zeich­nung) und der Hoch­schu­le für Mu­sik Nürn­berg (Ge­sang bei Iri­de Mar­ti­nez) seit 2019 Mu­sik­di­dak­tik und -päd­ago­gik an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Seit fast zwei Jah­ren er­hält sie au­ßer­dem Ge­sangs­un­ter­richt bei der Mez­zo­so­pra­nis­tin Ta­xi­ar­chou­la Ka­na­ti, die im Bam­ber­ger Mu­sik­le­ben seit ih­rem Auf­tritt mit der Ur­auf­füh­rung von „trä­nen“, ei­nem Lie­der-Zy­klus des Bam­ber­ger Kom­po­nis­ten und un­se­res Mit­glieds Jo­chen Neurath, so­wie mit den We­sen­donck-Lie­dern von Ri­chard Wag­ner kei­ne Un­be­kann­te mehr ist und selbst auch Sti­pen­dia­tin des RWV Stutt­gart war.

Ta­xi­ar­chou­la Ka­na­ti schreibt in ih­rem Gut­ach­ten un­ter anderem:
Da­ni­elle Cîm­pean hat eine wun­der­schö­ne ly­ri­sche, war­me und run­de So­pran­stim­me von be­son­de­rer Far­be, mit her­vor­ra­gen­der Ex­ten­si­on in die Höhe und ei­ner aus­ge­präg­ten In­di­vi­dua­li­tät. Sie zeigt eine Büh­nen­aus­strah­lung, und sie ar­bei­tet in­ten­siv, kon­zen­triert und ziel­ge­rich­tet. Im De­zem­ber 2021 wur­de sie von der So­pra­nis­tin Ale­xia Voul­ga­ri­dou und ih­rem Team um das Fes­ti­val „Cos­mo­clas­si­cal Youth Or­ches­tra 2021“ in Ka­va­la, Grie­chen­land, aus­ge­wählt, die Rol­le der De­s­pi­na in „Così fan tut­te“ zu sin­gen. Ich emp­feh­le Da­ni­elle Cîm­pean un­ein­ge­schränkt nicht nur als för­de­rungs­wür­di­ges Ta­lent, son­dern als be­reits aus­ge­reif­te jun­ge Künst­ler­per­sön­lich­keit, die jede Un­ter­stüt­zung bei der wei­te­ren Ver­voll­komm­nung ih­res ex­zel­len­ten Po­ten­ti­als verdient.

Und un­ser Mit­glied, der Bam­ber­ger Kom­po­nist und Mu­si­ker Jo­chen Neurath, stellt fest:
Ich war von den stimm­li­chen Fä­hig­kei­ten und der Mu­si­ka­li­tät von Frau Cîm­pean be­reits bei un­se­rer ers­ten Be­geg­nung vor fünf Jah­ren bei ei­nem ih­rer Kon­zer­te sehr über­zeugt. In der Fol­ge habe ich viel­fach mit ihr zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, als Be­glei­ter und als Kom­po­nist. Ne­ben der Ur­auf­füh­rung ei­nes klas­sisch no­tier­ten Wer­kes von mir für So­pran und Kla­vier wirk­te sie auch in meh­re­ren mei­ner Per­for­mance-Pro­jek­ten mit, in de­nen sie durch ihre Viel­sei­tig­keit und ihr si­che­res künst­le­ri­sches Ge­spür für die Ge­stal­tung auch un­ge­wöhn­li­cher An­for­de­run­gen be­ein­druck­te. Die de­li­ka­ten spät­ro­man­ti­schen Klang­ge­mäl­de des erst wie­der­ent­deck­ten Kom­po­nis­ten Adal­bert von Gold­schmidt (1848–1906) hat sie in kon­ge­nia­ler Wei­se wie­der zum Le­ben er­weckt. Auf­nah­men da­von sind auf You­Tube zu fin­den. Ihre in­tel­li­gen­te Phra­sie­rung, im­mer ganz aus der Dra­ma­tur­gie des je­wei­li­gen Wer­kes her­aus ent­wi­ckelt, macht die­ses dem Hö­rer plas­tisch und ein­dring­lich erfahrbar.

Wolfgang Vögele

Wolf­gang Vö­ge­le – Foto: privat

Der 1997 in Re­gens­burg ge­bo­re­ne Wolf­gang Vö­ge­le er­hielt ab 2005 Tu­ba­un­ter­richt bei Wil­li­bald Hö­fe­le und leg­te sei­ne prak­ti­sche Ab­itur­prü­fung Mu­sik auf die­sem In­stru­ment ab und ge­wann meh­re­re Aus­zeich­nun­gen. 2015 be­gann er eine drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung an der Be­rufs­fach­schu­le für Mu­sik in Sulz­bach-Ro­sen­berg und schloss als staat­lich ge­prüf­ter En­sem­ble­lei­ter mit päd­ago­gi­scher Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on ab. Seit dem Win­ter­se­mes­ter 2018/19 stu­diert der an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg Lehr­amt für Mit­tel­schu­len mit Mu­sik im Un­ter­richts­fach. Tu­ba­un­ter­richt er­hält er seit­her bei Hei­ko Trie­be­ner, dem So­lo­tu­bis­ten der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Work­shops und Meis­ter­kur­se ab­s­o­li­ver­te er bei Jo­sef Stein­böck, An­fre­as Mar­tin Hof­meir, Ro­ger Bobo und Jo­sef Mai­er­ho­fer. Wolf­gang Vö­ge­le wirkt bei di­ver­sen Blä­ser­be­set­zun­gen im nord­baye­ri­schen Raum mit, spielt u.a. in ver­schie­de­nen For­ma­tio­nen der Uni­ver­si­tät Bam­berg und ist seit 2017 mu­si­ka­li­scher Lei­ter und Aus­bil­dungs­beuf­trag­ter des Mu­sik­zugs der Stadt Hirschau.

Hei­ko Trie­be­ner, der seit ei­ni­gen Jah­ren sein Leh­rer ist, schreibt in sei­ner Stellungnahme:
Als Mu­si­ker, als Tu­bist, als Mensch hat Herr Vö­ge­le in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren eine phä­no­me­na­le Ent­wick­lung ge­zeigt: Aus ei­nem wirk­lich von An­fang an be­mer­kens­wer­ten Ta­lent ist hier ein be­reits rei­fer jun­ger Künst­ler mit enor­mer Aus­drucks­kraft, viel Ge­stal­tungs­wil­len und ei­ner be­wun­derns­wer­ten Ziel­stre­big­keit und end­lo­ser po­si­ti­ver En­er­gie her­an­ge­wach­sen. Die­se au­ßer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­keit auf ih­rem Weg zu be­treu­en war stets ein al­ler­größ­tes Ver­gnü­gen, ein Ge­schenk – denn: ge­nau sol­che Stu­den­ten kann sich ein Leh­rer nur wün­sche. Im­mer tipp­topp vor­be­rei­tet, mit ganz vie­len gu­ten ei­ge­nen Ideen, je­der­zeit be­reit, mei­ne An­re­gun­gen auf­zu­grei­fen und um­zu­set­zen, ge­krönt vom Er­folg zwei­er Sie­ge beim re­nom­mie­wr­ten Irm­ler-Mu­sik­wett­be­werb der Uni­ver­si­tät Bam­berg, hat Herr Vö­ge­le wie sein Leh­rer al­len Grund, durch­aus mit ei­nem ge­wis­sen Stolz auf das bis­her Er­reich­te zu bli­cken. Nur sel­ten gebe ich solch en­thu­si­as­ti­sche Ein­schät­zun­gen ab – aber aus mei­ner Sicht hat der Wolf­gang Vö­ge­le dies mehr als verdient.

Und Wil­helm Schmidts, Uni­ver­si­täts­mu­sik­di­rek­tor in Bam­berg vom  Lehr­stuhl für Mu­sik­päd­ago­gik und -di­dak­tik, schreibt un­ter anderem:
Ich ken­ne Wolf­gang Vö­ge­le seit sei­nem Stu­di­en­be­ginn an un­se­rem Haus im Win­ter­se­mes­ter 2018/19. Als Ab­sol­vent der Be­rufs­fach­schu­le in Sulz­bach-Ro­sen­berg hat Wolf­gang Vö­ge­le be­reits bei der Eig­nungs­prü­fung 2018 eine ex­zel­len­te Leis­tung ge­zeigt. Wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung an un­se­rem Haus (..) hat er so­wohl in mei­nen mu­sik­theo­re­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen Kon­tra­punkt, Har­mo­nie­leh­re und Ana­ly­se, wie auch im mu­sik­prak­ti­schen Un­ter­richt, bei­spiels­wei­se in En­sem­ble­lei­tung, stets sehr gute Leis­tun­gen ge­zeigt. Er ge­hört da­mit zu den bes­ten 10% sei­nes Jahr­gangs. Be­son­ders schät­ze ich Wolf­gang Vö­ge­le als über­aus ta­len­tier­ten und be­geis­ter­ten Mu­si­ker. Sein Team­geist und sei­ne Hilfs­be­reit­schaft kom­men dem Or­ches­ter sehr zu­gu­te. Sei­ne aus­ge­zeich­ne­ten Fä­hig­kei­ten am In­stru­ment wie auch sei­ne mu­si­ka­li­schen Qua­li­tä­ten stell­te er au­ßer­dem mehr­fach beim uni­ver­si­tä­ren Irm­ler-Mu­sik­wett­be­werb mit her­vor­ra­gen­dem Er­folg un­ter Be­weis: Wolf­gang Vö­ge­le war so­wohl in der Ka­te­go­rie „Solo“ wie auch in der Ka­te­go­rie „En­sem­ble“ Preis­trä­ger die­ses Wett­be­werbs. Zu­dem wirkt er als Kam­mer­mu­si­ker in ver­schie­de­nen Blä­ser­be­set­zun­gen mit und lei­tet er­folg­reich auch ei­ge­ne Ensembles.

Sti­pen­dia­ten­be­auf­trag­ter Ha­rald Schnei­der (links) mit den Sti­pen­dia­ten 2022 samt of­fi­zi­el­len Ur­kun­den – Foto: Do­ris Engelhardt

 

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