Ist das noch Wagner oder ist das weg?

Zwei Bau­for­scher aus Bam­berg neh­men sich bei un­se­rem Vor­trag am 28. Ja­nu­ar in Wort und Bild de­tail­liert Ri­chard Wag­ners Bay­reu­ther  Fest­spiel­haus vor.

Das Ar­chiv­fo­to zeigt das Fest­spiel­haus am 21. Sep­tem­ber 1964

Dass ein Opern­kom­po­nist es ge­schafft hat, ei­nen Thea­ter­bau zu rea­li­sie­ren, in dem seit bald 150 Jah­ren nur sei­ne Wer­ke auf­ge­führt wer­den, ist be­kannt­lich nach wie vor ein­ma­lig. Grund ge­nug, sich Ri­chard Wag­ners Fest­spiel­haus ge­nau­er an­zu­schau­en. Am Diens­tag, 28. Ja­nu­ar 2020 um 19.30 Uhr zei­gen zwei Experten*innen in Wort und Bild, was noch ori­gi­nal ist und was sich seit 1876 al­les ge­än­dert hat. Der Ein­tritt zu un­se­rer Ver­an­stal­tung ist auch für Nicht-Mit­glie­der frei.

Das Bay­reu­ther Fest­spiel­haus ist ein Ge­bäu­de, in dem sich die Mu­sik- und Geis­tes­ge­schich­te des 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­derts all­ge­mein und Ri­chard Wag­ners im Be­son­de­ren ar­chi­tek­to­nisch ma­ni­fes­tiert ha­ben. Aus die­sem Grund ist es ein Bau­denk­mal und wird in sei­ner Bau­sub­stanz denk­mal­pfle­ge­risch be­treut. Dazu ge­hört die Bau­for­schung, die über die An­fer­ti­gung ge­nau­er Plan­zeich­nun­gen des Ge­bäu­des vor Ort mit gleich­zei­ti­ger Bau­a­naly­se und be­glei­ten­der Sich­tung von Schrift­quel­len Ver­än­de­run­gen fest­stel­len kann.

So wur­de im Som­mer 2015 von der Bay­reu­ther Fest­spie­le GmbH, da­mals ver­tre­ten durch den kauf­män­ni­schen Ge­schäfts­füh­rer Heinz-Die­ter Sen­se, eine ob­jekt­ge­treue Neu­ver­mes­sung des Fest­spiel­haus zu­sam­men mit ei­nem Bau­al­ters­plan be­auf­tragt. Denn so kurz auch die ei­gent­li­che Bau­zeit des Fest­spiel­hau­ses von 1872 bis 1876 war, so zahl­reich sind doch die viel­fäl­ti­gen Ver­än­de­run­gen, die schon mit der An­fü­gung des Kö­nigs­baus 1881/82 ein­setz­ten.

An­hand des Bau­al­ters­plans wer­den die bau­li­chen Ver­än­de­run­gen in ih­rer chro­no­lo­gi­schen Ab­fol­ge dar­ge­stellt. Mit ei­ge­nen und aus­ge­wähl­ten Bil­dern aus meh­re­ren Me­tern Ak­ten­ma­te­ri­al, die im Kel­ler des Fest­spiel­hau­ses und an ver­schie­de­nen an­de­ren Stel­len ge­la­gert sind, soll eine Vor­stel­lung vom Wer­de­gang des Hau­ses ver­mit­telt wer­den.

Die Kennt­nis der Ha­ben- und Ver­lust­sei­te ist stre­cken­wei­se schmerz­lich. Er­freu­li­cher­wei­se blieb vor al­lem der Zu­schau­er­raum er­hal­ten, des­sen wun­der­ba­re De­cke durch eine nicht we­ni­ger be­wun­derns­wer­te Dach­kon­struk­ti­on er­mög­licht wur­de. Auch das ers­te, von Ri­chard Wag­ner als „Pro­vi­so­ri­um“ be­zeich­ne­te, von Otto Brück­wald (Ar­chi­tekt), Karl Runk­witz (Bau­lei­ter) und Carl Brandt (Thea­ter­tech­ni­ker) er­stell­te Ge­bäu­de und des­sen Thea­ter­bau­spe­zi­fi­ka wer­den in Er­in­ne­rung ge­ru­fen.

Die Re­fe­ren­ten sind der in Bay­reuth ge­bo­re­ne Bau­for­scher Dr. Till­man Koh­nert (Dipl. Ing. FH) und die aus dem Müns­ter­land stam­mem­de Kunst­his­to­ri­ke­rin und Mit­glied un­se­res Ver­bands Dr. Bar­ba­ra Fi­scher-Koh­nert. Bei­de sind ge­mein­sam in Bam­berg be­hei­ma­tet. Ihre For­schungs­ob­jek­te sind viel­fäl­tig und um­fas­sen den pro­fa­nen Haus- und Bur­gen­bau vom Mit­tel­al­ter bis in die Neu­zeit.

In 33 Be­rufs­jah­ren  ha­ben sich die zwei un­ter an­de­rem mit fol­gen­den Groß­bau­wer­ken be­schäf­tigt: dem Bam­ber­ger Dom samt Dom­ku­ri­en, das  Mark­gräf­li­che Opern­haus und die Stadt­hal­le in Bay­reuth, die Nürn­ber­ger Pfarr­kir­che St. Se­bald, das Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter Rai­ten­has­lach, das Zis­ter­zi­en­se­rin­nen­klos­ter Bir­ken­feld, die mit­tel­al­ter­li­che Brü­cke in Och­sen­furt, das Rat­haus von Berlin/​Lichtenberg, das ehe­ma­li­ge Reichs­luft­fahrt­mi­nis­te­ri­um in Berlin/​Mitte so­wie die Grün­dungs­bau­ten der Por­sche­wer­ke in Zu­f­fen­hau­sen.

Bau­pha­sen­plan Schnitt B des Fest­spiel­hau­ses Vor­la­ge: Till­man Koh­nert