Ist das kundenfreundlich?

Wer in Bay­reuth und Salz­burg Fest­spiel­kar­ten ge­kauft hat, kann auf An­hieb die Un­ter­schie­de bei der Rück­ab­wick­lung er­ken­nen.

„Der ver­hüll­te Gral“: Farb­stift­zeich­nung von un­se­rem Mit­glied, dem Bam­ber­ger Ma­ler und Büh­nen­bild­ner Karl­heinz Beer aus dem Jahr 1998 Vor­la­ge: © Karl­heinz Beer/​VG Bild-Kunst 2020

Na­tür­lich gibt es Wag­ner­freun­de, die schon des­halb nei­disch nach Salz­burg schau­en, weil dort – wenn auch vor­aus­sicht­lich in sehr ein­ge­schränk­tem Maße – heu­er Fest­spie­le statt­fin­den wer­den. Aber das hat eben da­mit zu tun, dass die Fest­spie­le an der Salz­ach mehr oder we­ni­ger ein kul­tu­rel­ler Ge­mischt­wa­ren­la­den mit Opern-, Schau­spiel-, Kon­zert- und  Lie­der­aben­den so­wie an­de­ren For­ma­ten sind, wäh­rend es am Grü­nen Hü­gel aus­schließ­lich Auf­füh­run­gen von Wag­ner-Opern und ein klei­nes Rah­men­pro­gramm gibt. Und Wag­ner gin­ge nach heu­ti­gem Stand, selbst wenn in Ös­ter­reich die Co­ro­na-Ein­schrän­kun­gen noch mehr zu­rück­ge­schraubt wür­den, zu­min­dest in die­sem Fest­spiel­som­mer auch in Salz­burg nicht (wo frei­lich gar kei­ne Wag­ner­oper ge­plant war). Den­noch kann und darf man ver­glei­chen, zu­min­dest was die Rück­ab­wick­lung der Kar­ten­ver­käu­fe be­trifft.

Hier zu­nächst das Schrei­ben des Bay­reu­ther Kar­ten­bü­ros:
Da die Bay­reu­ther Fest­spie­le in die­ser Sai­son auf­grund der CO­VID-19-Pan­de­mie nicht statt­fin­den kön­nen, möch­ten wir Sie über die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten in­for­mie­ren, wie mit den be­reits er­wor­be­nen Ein­tritts­kar­ten ver­fah­ren wer­den kann. Bit­te wäh­len Sie hier­zu in Ih­rem Kun­den­kon­to „Mei­ne Fest­spie­le“ auf www​.bay​reu​ther​-fest​spie​le​.de die von Ih­nen ge­wünsch­te Op­ti­on aus.
1. Spen­de an die Bay­reu­ther Fest­spie­le GmbH
Die dies­jäh­ri­ge Ab­sa­ge der Bay­reu­ther Fest­spie­le be­deu­tet für ei­nen Groß­teil der Mit­wir­ken­den nicht nur künst­le­ri­sche Ent­täu­schun­gen, son­dern auch wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen. Sie könn­ten mit Ih­rer Spen­de da­bei hel­fen, die Bay­reu­ther Fest­spie­le in die­ser schwe­ren Si­tua­ti­on zu un­ter­stüt­zen. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­ben wir im bei­gefüg­ten For­mu­lar die Mög­lich­keit ge­schaf­fen, den Rech­nungs­be­trag bzw. Teil­be­trä­ge da­von zu spen­den. Ihre Spen­den­be­reit­schaft wird im Kun­den­kon­to ver­merkt und so­mit Ihre nächs­te Be­stel­lung für die Fest­spiel­sai­son 2021 oder 2022 be­vor­zugt be­han­delt. Eine Spen­den­quit­tung wird Ih­nen nach der Be­ar­bei­tung bis Ende des Jah­res 2020 au­to­ma­tisch zu­ge­hen.
2. Gut­ha­ben für eine nächs­te Be­stel­lung
Ihre be­reits ge­leis­te­te Zah­lung wird als Gut­ha­ben im Kun­den­kon­to hin­ter­legt und mit Ih­rer nächs­ten Be­stel­lung ver­rech­net. Auch in die­sem Fall wird Ihre nächs­te Be­stel­lung für die Fest­spiel­sai­son 2021 bzw. 2022 be­vor­zugt be­han­delt. Soll­ten Sie Ti­ckets für die Pro­duk­ti­on „Der Ring des Ni­be­lun­gen“ zu­ge­teilt be­kom­men ha­ben, so be­ach­ten Sie bit­te, dass die­se Neu­in­sze­nie­rung vor­aus­sicht­lich für das Jahr 2022 ge­plant ist.
3. Er­stat­tung der Fest­spiel­kar­ten 2020
Bei Wahl die­ser Op­ti­on er­folgt die Rück­erstat­tung Ih­rer be­reits ge­leis­te­ten Zah­lung. Ihre Er­stat­tung er­folgt auf das bei uns hin­ter­leg­te Bank­kon­to bzw. die ge­nutz­te Kre­dit­kar­te. Wir bit­ten um Ver­ständ­nis, dass die Be­ar­bei­tung bis vor­aus­sicht­lich Ende Au­gust dau­ern kann. Im Fal­le der Rück­erstat­tung wird der Be­stell­vor­gang 2020 als „Zu­tei­lung“ im Sin­ne der War­te­jah­re ge­wer­tet, für den Kar­ten­er­werb fol­gen­der Fest­spiel­zei­ten fin­den aus­schließ­lich künf­ti­ge Be­stel­lun­gen Be­rück­sich­ti­gung.

Ohne den Teil zum neu­er­li­chen Kar­ten­er­werb für die dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le in mo­di­fi­zier­ter und ver­kürz­ter Form hier das Schrei­ben des Kar­ten­bü­ros aus Salz­burg:
Wenn Sie in die­sem Som­mer nicht zu den Salz­bur­ger Fest­spie­len kom­men wol­len, oder kom­men kön­nen: Um die Rück­ab­wick­lung für Sie so ein­fach wie mög­lich zu ma­chen bit­ten wir Sie, Ihre Re­fun­die­rungs­wün­sche on­line un­ter Mei­ne Fest­spie­le (Log­in für be­stehen­de Kun­den) bis 07. Juni. 2020 an­zu­ge­ben. Fol­gen­de Mög­lich­kei­ten ste­hen Ih­nen zur Aus­wahl:
Für Ihre be­reits be­zahl­ten Ein­tritts­kar­ten er­hal­ten Sie selbst­ver­ständ­lich den Ein­tritts­kar­ten­preis zu­rück. Der Be­trag wird Ih­nen ent­we­der bei Be­zah­lung mit Kre­dit­kar­te auf die­se zu­rück­ge­bucht oder auf eine von Ih­nen zu über­mit­teln­de Bank­ver­bin­dung (IBAN) gut­ge­schrie­ben.
Ger­ne bu­chen wir den Be­trag auch als Gut­schrift auf Ihr per­sön­li­ches Kun­den­kon­to zur Ver­wen­dung für zu­künf­ti­ge Käu­fe in den kom­men­den Jah­ren.
Sehr dank­bar wä­ren wir, wenn Sie in Ver­bun­den­heit mit den Salz­bur­ger Fest­spie­len uns den Be­trag oder ei­nen Teil da­von als Spen­de zu­kom­men las­sen woll­ten. Die Spen­de fließt zu 100% in die künst­le­ri­schen Pro­jek­te der kom­men­den Jah­re. Ihre Spen­de an den Salz­bur­ger Fest­spiel­fonds als ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ist steu­er­lich ab­setz­bar in Ös­ter­reich, Deutsch­land und der Schweiz, nach Maß­ga­be der Ge­setz­ge­bung des je­wei­li­gen Lan­des.

Die Un­ter­schie­de sind of­fen­sicht­lich, so­wohl in der Hand­ha­bung als auch in der Prio­ri­sie­rung. Bei­de In­sti­tu­tio­nen ap­pel­lie­ren an die Spen­den­be­reit­schaft ih­rer Kund­schaft. In Bay­reuth steht das an ers­ter Stel­le, in Salz­burg am Ende. Wäh­rend die An­ga­be, wo­hin die steu­er­lich ab­setz­ba­re Spen­de flie­ßen soll, in Salz­burg mit „zu 100% in die künst­le­ri­schen Pro­jek­te der kom­men­den Jah­re“ und mit dem Salz­bur­ger Fest­spiel­fonds klar be­zeich­net wird, ist die An­ga­be im Schrei­ben aus Bay­reuth we­ni­ger kon­kret: Aus der ans Mit­leid ap­pel­lie­ren­den Aus­sa­ge, dass die Ab­sa­ge der Fest­spie­le für ei­nen Groß­teil der Mit­wir­ken­den auch wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen be­deu­tet, lässt sich nicht zwangs­läu­fig schlie­ßen, dass die­se von den Spen­den di­rekt et­was be­kom­men wür­den. Denn mit der Spen­de, heißt es, „könn­ten Sie da­bei hel­fen, die Bay­reu­ther Fest­spie­le in die­ser schwe­ren Si­tua­ti­on zu un­ter­stüt­zen“. Klingt et­was schwam­mig.

Ins Frag­wür­di­ge rutscht das Hand­ling in Bay­reuth spä­tes­tens mit der Be­mer­kung ab, dass spen­den­de Kun­den bei ih­rer nächs­ten Be­stel­lung be­vor­zugt be­han­delt wer­den sol­len. Soll etwa das Ge­schäfts­mo­dell der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth (GdF), die wie­der­um selbst ei­ner der vier Ge­sell­schaf­ter der Fest­spiel-GmbH sind, auf alle Kun­den über­tra­gen wer­den? Auch der­je­ni­ge Fest­spiel­kun­de, der das vor­han­de­ne Gut­ha­ben für be­zahl­te Kar­ten ein­fach bis zur nächs­ten Be­stel­lung und Ver­rech­nung be­lässt, soll be­vor­zugt be­han­delt wer­den. Wer hin­ge­gen sein Geld ein­fach zu­rück ha­ben will – was in Salz­burg an ers­ter Stel­le und als Selbst­ver­ständ­lich­keit steht –, wird in Bay­reuth in­so­fern ab­ge­straft, als der Be­stell­vor­gang 2020 als „Zu­tei­lung“ im Sin­ne der War­te­jah­re ge­wer­tet wird, was wohl hei­ßen soll, dass so­mit die Chan­cen auf eine Kar­ten­zu­tei­lung in den kom­men­den Jah­ren au­to­ma­tisch sin­ken wür­de. Es han­delt sich da­bei wohl­ge­merkt um eine „Zu­tei­lung“ von Kar­ten für Vor­stel­lun­gen, die aus be­kann­ten Grün­den gar nicht statt­fin­den kön­nen. Ob man das schon als er­pres­se­risch be­zeich­nen kann? Je­den­falls ist das „Gschmäck­le“ nicht zu über­se­hen. Die der­zei­ti­gen Haupt­ver­ant­wort­li­chen – Hol­ger von Berg und Heinz-Die­ter Sen­se als Ge­schäfts­füh­rer der Bay­reu­ther Fest­spiel-GmbH – ha­ben da­bei si­cher in ers­ter Li­nie an die ge­ge­be­nen Min­der­ein­nah­men ge­dacht. Aber ihre Kli­en­tel aus den Au­gen ver­lo­ren. Kun­den­freund­lich­keit geht je­den­falls an­ders.

Nach­trag 1: Dass der Be­stell­vor­gang 2020 im Fall der Rück­erstat­tung als „Zu­tei­lung“ im Sin­ne der War­te­jah­re ge­wer­tet wird, klingt ge­nau be­se­hen schlim­mer als es ist. Die Zei­ten, als die Bay­reu­ther Fest­spie­le mehr­fach aus­ver­kauft und jah­re­lan­ge War­te­zei­ten an der Ta­ges­ord­nung wa­ren, sind de­fi­ni­tiv vor­bei. Wo­für nicht zu­letzt auch die stän­di­gen Kar­ten­preis­er­hö­hun­gen ge­sorgt ha­ben. An­sons­ten gilt, was ei­gent­lich schon im­mer galt: Wer wirk­lich Bay­reuth-Kar­ten will, be­kommt sie auch. Ir­gend­wie und so­wie­so.

Nach­trag 2: Auch in Salz­burg gibt es laut Hel­ga Rabl-Stad­ler, der Prä­si­den­tin der Salz­bur­ger Fest­spie­le, für Be­stel­ler eine pri­vi­le­gier­te Be­hand­lung, al­ler­dings ohne Gschmäck­le. Wer jetzt sei­ne Kar­ten rück­ab­wi­ckelt, kann, wenn er neu­er­lich für die re­du­zier­ten Fest­spie­le 2020 be­stellt, eher mit ei­ner Zu­tei­lung rech­nen als je­mand, der noch nicht für 2020 be­stellt hat­te. Die Be­vor­zu­gung ist je­doch nicht an eine mög­li­che Spen­de ge­kop­pelt.