Späte Einsicht?

Chris­ti­an Thie­le­mann, der Mu­sik­di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le, hat sich schon wie­der in die Nes­seln ge­setzt. Dies­mal mit ei­ner Un­ter­schrift, die er erst ge­ge­ben und dann „zu­rück­ge­zo­gen“ hat.

Den Pos­ten des Mu­sik­di­rek­tors der Bay­reu­ther Fest­spie­le gibt es erst seit 2015 – mit­samt  Na­mens­schild. Foto: R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Ge­ra­de erst wa­ren sei­ne In­ter­view­äu­ße­run­gen zur schwe­ren Er­kran­kung von Ka­tha­ri­na Wag­ner – wie soll man sa­gen? – letzt­lich er­klä­rungs­be­dürf­tig. Und schon wie­der hat Chris­ti­an Thie­le­mann, der Mu­sik­di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le, da­ne­ben ge­grif­fen. Dies­mal nicht ver­bal, son­dern schrift­lich. In­dem er eine Pe­ti­ti­on von Uwe Tell­kamp für Jörg Ber­nig erst un­ter­schrie­ben, aber dann „zu­rück­ge­zo­gen“ hat. Ber­nig ist der um­strit­te­ne, zu­nächst ge­wähl­te, von der nach Pro­tes­ten an­be­raum­ten zwei­ten Wahl zu­rück­ge­tre­te­ne Kul­tur­amts­lei­ter von Ra­de­beul.

Wor­um es da­bei in Hin­blick auf Chris­ti­an Thie­le­mann ge­nau geht, kann je­der hier nach­le­sen: nach­richt­lich beim MDR und kom­men­tie­rend in Cre­scen­do. Thie­le­mann be­gibt sich ohne Not im­mer wie­der auf ein Glatt­eis, das ei­nem Bay­reu­ther Mu­sik­di­rek­tor des 21. Jahr­hun­derts nicht ge­ra­de gut an­steht. Na­tür­lich wird er nicht für sei­ne Ge­sin­nung be­zahlt, son­dern da­für, dass er not­falls ein­springt. Ist im­mer­hin zu­letzt 2019 pas­siert, als Va­le­ry Ger­giev we­gen ei­nes To­des­falls im engs­ten Fa­mi­li­en­kreis ein­mal als „Tannhäuser“-Dirigent aus­fiel. Aber 2017, als Hart­mut Ha­en­chen krank­heits­hal­ber die „Parsifal“-Vorstellung am 5. Au­gust nicht lei­ten konn­te, bei­spiels­wei­se nicht. Ma­rek Ja­now­ski, da­mals 78 Jah­re alt, muss­te ein­sprin­gen, nach­dem er am 3. Au­gust mit der „Göt­ter­däm­me­rung“ ge­ra­de erst den an­stren­gen­den ers­ten „Ring“-Zyklus voll­endet hat­te. Ein Blick auf den Fest­spiel-Ter­min­ka­len­der zeigt war­um. Wahr­schein­lich woll­te der zwan­zig Jah­re jün­ge­re Mu­sik­di­rek­tor Thie­le­mann sein 150. Bay­reuth-Di­ri­gat nicht als Ein­sprin­ger, son­dern – wie vor­her ge­plant – mit der von ihm ein­stu­dier­ten „Tristan“-Aufführung am 6. Au­gust 2017 fei­ern.

Aus sehr gut un­ter­rich­te­ten Krei­sen in Bay­reuth ist üb­ri­gens zu hö­ren, dass die Fest­spie­le, um nach der Ab­sa­ge nicht ganz ab­seits zu ste­hen, pla­nen, um den üb­li­chen Er­öff­nungs­ter­min am 25. Juli her­um heu­er ein paar Kon­zer­te im Fest­spiel­haus durch­zu­füh­ren. Chris­ti­an Thie­le­mann, der nach ent­spre­chen­den In­ter­view­äu­ße­run­gen oh­ne­hin in Bay­reuth sein dürf­te, soll di­ri­gie­ren. Aber in­zwi­schen ha­ben wir ja ge­lernt, dass man sei­ne Wor­te nicht un­be­dingt auf die Gold­waa­ge le­gen soll­te …