Virtuelle Festspielzeit, Teil II

Zu­sam­men mit der Deut­schen Gram­mo­phon bie­ten die Fest­spie­le ein zwar nicht kos­ten­lo­ses, aber zu­sätz­li­ches Strea­ming-Pro­gramm an.

Sze­ne aus dem 3. Akt „Meis­ter­sin­ger“ mit Mi­cha­el Vol­le als Sachs (links) und Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le als Beck­mes­ser Foto: © En­ri­co Nawrath

Ne­ben den kos­ten­lo­sen Rund­funk- und TV-Auf­zeich­nun­gen so­wie Streams auf BR Klas­sik, ARD-al­pha und 3sat (sie­he auch de­tail­liert un­ter https://​rwv​-bam​berg​.de/​2​0​2​0​/​0​4​/​k​o​s​t​e​n​l​o​s​e​-​o​p​e​r​n​s​t​r​e​a​ms/) bie­ten die Bay­reu­ther Fest­spie­le in Part­ner­schaft mit der Deut­schen Gram­mo­phon ein zu­sätz­li­ches vir­tu­el­les Fest­spiel­pro­gramm an, in dem zum Preis von je 4,90 Euro Streams von al­len In­sze­nie­run­gen bzw. Wer­ken zu ha­ben sind, die bei den dies­jäh­ri­gen Fest­spie­len auf­ge­führt wor­den wä­ren.

Der Spiel­plan um­fasst zwi­schen dem 25. Juli und 29. Au­gust sie­ben ver­schie­de­ne Pro­duk­tio­nen, die welt­weit zu­gäng­lich sind. Auf dem Pro­gramm ste­hen an je zwei Ter­mi­nen alle Wer­ke, die ur­sprüng­lich für den Fes­ti­val­som­mers 2020 ge­plant wa­ren – ne­ben dem „Ring“-Vierteiler sind das „Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg“ (In­sze­nie­rung: Bar­rie Kos­ky, Di­ri­gent: Phil­ip­pe Jor­dan), „Tann­häu­ser“ (In­sze­nie­rung: To­bi­as Krat­zer, Di­ri­gent: Va­le­ry Ger­giev), „Lo­hen­grin“ (In­sze­nie­rung: Yu­val Sharon, Di­ri­gent: Chris­ti­an Thie­le­mann) so­wie zu­sätz­lich je ein­mal „Tris­tan und Isol­de“ (In­sze­nie­rung: Ka­tha­ri­na Wag­ner, Di­ri­gent: Chris­ti­an Thie­le­mann) und „Par­si­fal“ (In­sze­nie­rung: Uwe Eric Lau­fen­berg, Di­ri­gent: Hart­mut Ha­en­chen). Da we­gen Co­ro­na die „Ring“-Neuproduktion 2020 un­ter Va­len­tin Schwarz und Pie­ta­ri In­ki­nen heu­er nicht rea­li­siert wer­den konn­te, über­trägt DG Sta­ge gleich zwei ver­schie­de­ne Fest­spiel-In­sze­nie­run­gen der Te­tra­lo­gie: Pa­tri­ce Ché­re­aus um­ju­bel­ten „Jahr­hun­dert-Ring“ mit Pierre Bou­lez am Pult (Auf­zeich­nun­gen von 1979/80) und Frank Cas­torfs kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Les­art mit Ma­rek Ja­now­ski (Auf­zeich­nung von 2016).
Ti­ckets für die Auf­füh­run­gen von DG Sta­ge Bay­reuth kos­ten 4,90 € und las­sen sich on­line per Kre­dit­kar­te und durch die üb­li­chen Zah­lungs­diens­te er­wer­ben. Die Streams star­ten an den vor­ge­ge­be­nen Auf­füh­rungs­ta­gen je­weils um 20 Uhr und sind von den Ti­cket­käu­fern in­ner­halb von 48 Stun­den ab­ruf­bar.
Hier der kon­kre­te Zeit­plan
25. Juli „Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg“ (Kosky/​Jordan)
26. Juli „Tann­häu­ser“ (Kratzer/​Gergiev)
02. Au­gust „Lo­hen­grin“ (Sharon/​Thielemann)
04. Au­gust „Tris­tan und Isol­de“ (K. Wagner/​Thielemann)
08. Au­gust „Das Rhein­gold“ (Castorf/​Janowski)
09. Au­gust „Die Wal­kü­re“ (Castorf/​Janowski)
12. Au­gust „Sieg­fried“ (Castorf/​Janowski)
13. Au­gust „Göt­ter­däm­me­rung“ (Castorf/​Janowski)
15. Au­gust „Lo­hen­grin“ (Sharon/​Thielemann)
19. Au­gust „Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg“ (Kosky/​Jordan)
20. Au­gust „Tann­häu­ser“ (Kratzer/​Gergiev)
24. Au­gust „Das Rhein­gold“ (Chéreau/​Boulez)
25. Au­gust „Die Wal­kü­re“ (Chéreau/​Boulez)
27. Au­gust „Sieg­fried“ (Chéreau/​Boulez)
28. Au­gust „Par­si­fal“ (Laufenberg/​Haenchen)
29. Au­gust „Göt­ter­däm­me­rung“ (Chéreau/​Boulez)
Na­tür­lich wird es Hard­core-Wag­ne­ria­ner ge­ben, die schon des­halb jam­mern, weil sie an­ge­sichts der ge­ge­be­nen Fül­le an tri­me­dia­len An­ge­bo­ten in Ter­min­not ge­ra­ten und sich wo­mög­lich für das eine und ge­gen das an­de­re ent­schei­den müs­sen. Und na­tür­lich wird es Wag­ner-, Opern- und Mu­sik­freun­de ge­ben, die un­zu­frie­den sind, weil sie bei DG Sta­ge für die Bay­reuth-Streams ei­nen klei­nen Obo­lus be­rap­pen sol­len. (Nur zum Ver­gleich: Anna Netreb­ko als Tos­ca aus Nea­pel kos­tet auf der DG-Platt­form schon 12,90 Euro, und die New Yor­ker Met bie­tet ne­ben ih­ren täg­lich wech­seln­den kos­ten­lo­sen Streams ak­tu­ell erst­mals auch ihre Stars live in un­ge­wöhn­li­chen Lo­ca­ti­ons für je 20 Dol­lar). Was ist denn falsch dar­an, In­ter­net-User mit ih­rer Kos­ten­los-Men­ta­li­tät dar­an zu ge­wöh­nen, dass nicht al­les um­sonst blei­ben kann? Zu­mal wenn es um Opern­kunst geht, de­ren Wert uns ge­ra­de in die­sen Zei­ten viel­leicht noch kost­ba­rer, ja un­be­zahl­bar er­scheint.