Corona-Woche 5 bis ??: Tagestipps und Links

Die Lis­te mit kos­ten­lo­sen Opern­streams, die ich be­gon­nen hat­te, um sel­ber den Über­blick zu be­kom­men, stell­te ich erst­mals am 7. April 2020 in mei­nen Blog ein. Die Ta­ges­tipps und Links zur ak­tu­el­len Lage ka­men ab 11. April, also in der fünf­ten Co­ro­na-Wo­che hin­zu, die in mei­ner Zäh­lung am 14. März be­gon­nen hat, denn ab die­sem Tag wa­ren Opern­auf­füh­run­gen nicht mehr er­laubt. Tags zu­vor konn­te ich noch die Ge­ne­ral­pro­be der „Wal­kü­re“ in Lands­hut er­le­ben, eine Pro­duk­ti­on, de­ren Pre­mie­re hof­fent­lich in der nächs­ten Spiel­zeit statt­fin­den kann. Die ta­ges­ak­tu­el­le Strea­ming­lis­te mit Tipps und Links ist nach wie vor auf der Start­sei­te links oben zu fin­den, hier die äl­te­ren Ein­trä­ge, de­ren Links zu­min­dest zum Teil lei­der nur zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung ver­läss­lich funktionierten.

26., 27., 28. und 29. Mai 2021: Die Münch­ner „Lear“-Neuinszenierung ist eine gro­ße Kunst­an­stren­gung für alle, sze­nisch und mu­si­ka­lisch eine Her­aus­for­de­rung, eine Zu­mu­tung auch, aber eine Wucht, die man im Live­stream am 30. Mai ab 18 Uhr si­cher nur dann ein biss­chen nach­emp­fin­den kann, wenn man Kopf­hö­rer ver­wen­det oder eine gute Ton­an­la­ge hat. Wer kann und kei­ne Angst vor ei­ner der meist ge­spiel­ten Opern des 20. Jahr­hun­derts hat, soll­te sich eine der nächs­ten, noch nicht aus­ver­kauf­ten Vor­stel­lun­gen gön­nen. Hier schon mal die Kri­ti­ken von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung, mei­ne Kri­tik fin­den Sie in Beers Blog. Um noch beim phä­no­me­na­len Sän­ger der Ti­tel­fi­gur Chris­ti­an Ger­ha­her zu blei­ben: Der Eil­an­trag der auch von ihm mit in­iti­ier­ten Ak­ti­on „Auf­ste­hen für die Kunst“ vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wur­de ab­ge­lehnt.
Was sich in Bay­reuth tut? Al­ler­hand. Zum ei­nen hat das Na­tio­nal­ar­chiv der Ri­chard-Wag­ner-Stif­tung, wie hier schon be­rich­tet, end­lich den be­deu­tends­ten Teil­be­stand aus dem Nach­lass von Ri­chard und Co­si­ma Wag­ner di­gi­ta­li­siert und frei zu­gäng­lich ge­macht. Beim Pres­se­ter­min war auch der Nord­baye­ri­sche Ku­rier da­bei. Zum an­de­ren hat der neue Bay­reu­ther Kul­tur­re­fe­rent Be­ne­dikt Steg­may­er ver­sucht, auf Fra­gen von BR Klas­sik ein biss­chen Licht ins Co­ro­na-Pla­nungs-Dun­kel zu brin­gen und nach ers­ten ent­spre­chen­den Äu­ße­run­gen von OB Tho­mas Ebers­ber­ger noch­mals be­stä­tigt, dass die Pre­mie­re ohne ro­ten Tep­pich aus­kom­men muss (was ei­gent­lich nur bei den Pro­mi­fo­to­gra­fen und den no­to­ri­schen Zaun­gäs­ten hart ankommt).

21., 22., 23., 24. und 25. Mai 2021: „Der Prrrzy­bil­la“, sag­te am heu­ti­gen Frei­tag Mor­gen mein Mann beim Früh­stück, „hat dein Ach, Bay­reuth ge­klaut!“ Hat er tat­säch­lich, in der SZ-Glos­se Wag­ner­scher Wahn ums Klo­häusl. Aber ers­tens ge­hört mir die­se eher me­lan­cho­li­sche  Flos­kel nicht, auch wenn ich sie schon ziem­lich lan­ge und gern als Ab­schluss-Wort­paar nut­ze. Und zwei­tens sei sie dem Kol­le­gen ge­gönnt, selbst wenn er sich, folgt man der ein­schlä­gi­gen Be­richt­erstat­tung im Nord­baye­ri­schen Ku­rier und im Bay­reu­ther Tag­blatt, beim Wahn­fried-Klo­häusl eine nicht ganz un­er­heb­li­che Fein­heit hat ent­ge­hen las­sen. Um noch wei­ter auf der lo­ka­len Ebe­ne zu blei­ben, darf na­tür­lich der Be­richt zur jüngs­ten Stadt­rats­sit­zung nicht feh­len, wo es um vor­sorg­li­che Co­ro­na-Zu­schüs­se für den Grü­nen Hü­gel ging – und noch ak­tu­el­ler dazu die zu­sätz­li­che Fest­spiel-Un­ter­stüt­zung von Bund, Land und den „Freun­den“. Und noch­mals ums Pu­blic Viewing dreht sich der jüngs­te NK-Be­richt. So weit, so gut. Blei­ben zu Chris­ti­an Thie­le­mann noch ein paar Nach­be­trach­tun­gen – mit De­tail­neu­ig­kei­ten in ei­ner Mel­dung der Deut­schen Pres­se-Agen­tur und mit er­neu­tem Ge­nie-Ge­schwur­bel von Rein­hard J. Brem­beck, der das nun auch in der Druck­ver­si­on der SZ zum Bes­ten ge­ben durf­te. Was aber mei­ner­seits nicht hei­ßen will, dass Thie­le­mann kein gu­ter, ja zu­wei­len sehr gu­ter und an sehr sehr gu­ten Ta­gen so­gar über­ra­gen­der Di­ri­gent sei. Son­dern im Ge­gen­teil. Mög­li­cher­wei­se kön­nen sich Opern­freun­de gleich am 22. Mai ab 15 Uhr (und bis 14. Juli Mit­ter­nacht) da­von über­zeu­gen – mit „Ca­pric­cio“ von Ri­chard Strauss in der On­line-Pre­mie­re der Sem­per­oper-Pro­duk­ti­on im kos­ten­frei­en Stream  auf sem​per​oper​.de und bei Arte Con­cert. Steht aber zeit­lich knapp in Kon­kur­renz zur jüngs­ten Neu­pro­duk­ti­on der Wie­ner Staats­oper, die am 22. Mai ab 18.30 Uhr live auf play​.wie​ner​-staats​oper​.at über­tra­gen wird: Clau­dio Mon­te­ver­dis „Krö­nung der Pop­pea“ (L’incoronazione di Pop­pea); eine aus­führ­li­che On­line-Werk­ein­füh­rung gibt es hier. Was mich be­trifft, so darf ich am Pfingst­sonn­tag erst­mals seit 2. Ok­to­ber 2020 wie­der eine rich­ti­ge Opern­pre­mie­re er­le­ben: „Lear“ von Ari­bert Rei­mann im Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter. Und drum höre ich auf, wie ich an­ge­fan­gen habe: mit der Süd­deut­schen Zei­tung.

17., 18., 19. und 20. Mai 2021: Nach dem groß­ar­ti­gen und be­glü­cken­den  1. Akt „Wal­kü­re“ am Don­ners­tag aus dem Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter (bis 15. Juni als Vi­deo on De­mand für 9,90 €) habe ich üb­ri­gens nicht mehr ge­streamt. Wuss­te ich al­ler­dings schon vor­her, aber ich woll­te bei mei­ner letz­ten Emp­feh­lung un­be­dingt ein biss­chen Wer­bung für die zwei nächst­größ­ten nord­baye­ri­schen Mu­sik­thea­ter­büh­nen in Nürn­berg und Würz­burg ma­chen. Darf’s noch ein biss­chen Thie­le­mann sein? Aber ja doch, denn na­tür­lich weiß Axel Brüg­ge­mann, seit vie­len Jah­ren ein jour­na­lis­ti­scher Freund von Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner, noch ein paar De­tails mehr. Un­ter­halb des Grü­nen Hü­gels hat üb­ri­gens die SPD-Stadt­rats­frak­ti­on an­ge­regt, heu­er das Pu­blic Viewing wie­der auf­zu­grei­fen. Der Ge­dan­ke an sich ist gar nicht so falsch, aber es gin­ge be­stimmt nur mit ei­nem sehr po­ten­ten Spon­sor, der auf die Schnel­le ver­mut­lich nicht zu ha­ben ist. Bleibt noch die Gei­ge­rin Anne So­phie Mut­ter, die in der Welt be­grün­det, war­um sie sich der Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Ak­ti­on „Auf­ste­hen für die Kunst“ an­ge­schlos­sen hat: „Die Po­li­tik hat sich kul­tur­ver­ach­tend gezeigt.“

13., 14., 15. und 16. Mai 2021: Was an We­sent­li­chem in der ak­tu­el­len Schlag­zei­len­fül­le zu Chris­ti­an Thie­le­mann zu fin­den ist, habe ich in dem Blog-Ar­ti­kel Bay­reuth ohne Mu­sik­di­rek­tor zu­sam­men­ge­fasst. An­sons­ten freue ich mich rie­sig, dass es heu­te Abend im Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter wie­der los­geht, mit lei­der nur kon­zer­tan­tem, aber ex­zel­lent be­setz­ten  Wag­ner, aber rich­ti­gem Pu­bli­kum im Saal. Wer­de zu­min­dest am Bild­schirm mit da­bei sein. Und wo­mög­lich be­glückt wei­ter­strea­men mit  L’Or­feo von Clau­dio Mon­te­ver­di, eine Pro­duk­ti­on des Staats­thea­ters Nürn­berg, bei de­ren Co­ro­na-Pre­mie­re im Ok­to­ber 2020 ich da­bei­sein durf­te und die jetzt ei­gens ver­filmt wur­de. Un­ter den Nach­rich­ten, die mich sonst noch auf­hor­chen lie­ßen, war die An­kün­di­gung des Re­gie­de­büts von Gün­ther Groissböck: Sein so be­zeich­ne­tes Tris­tan Ex­pe­ri­ment hat am 26. Mai in der Kam­mer­oper des Thea­ters an der Wien Pre­mie­re. Der Di­ri­gent Hart­mut Keil und der welt­be­kann­te Bass­sän­ger ha­ben eine etwa drei­stün­di­ge Kam­mer­fas­sung von Wag­ners „Tris­tan und Isol­de“ für fünf So­lis­ten und zwan­zig Mu­si­ker ent­wi­ckelt, „die es dem Re­gis­seur er­mög­licht, ei­nen ge­nau­en Blick in die Köp­fe der Prot­ago­nis­ten zu wer­fen, die exis­ten­zi­el­le Su­che zwi­schen Herz und Hirn zu evo­zie­ren und das Stück in die Ge­schich­te der bür­ger­li­chen Psy­che ein­zu­ord­nen.“ Und weil es da  we­der Steu­er­mann, noch See­mann noch Schiffs­volk ge­ben wird, ver­wei­se ich ger­ne noch auf das Strea­ming-An­ge­bot des Main­fran­ken­thea­ters Würz­burg am 14. und 15. Mai mit Der arme Ma­tro­se. Mehr In­fos dazu ziem­lich weit un­ten in der Liste …

9., 10., 11. und 12. Mai 2021: Wäh­rend die Bay­reu­ther Fest­spie­le mit ih­rem BF Me­di­en-Mit­ar­bei­ter Mar­kus Latsch of­fen­bar ein Pro­blem ha­ben, über das sie sich laut Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann „vor­erst nicht wei­ter äu­ßern“, kann sich die Öf­fent­lich­keit bei TVO mit dem ers­ten TV-Kurz­in­ter­view mit Ul­rich Ja­gels, dem neu­en kauf­män­ni­schen Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spie­le, selbst ein Bild ma­chen. In der jüngs­ten Kul­tur­platz-Sen­dung (mit teils schon be­kann­ten In­ter­views mit Ge­org von Wal­den­fels und OB Tho­mas Ebers­ber­ger) ist un­ter an­de­rem zu er­fah­ren, dass der On­line-Kar­ten­ver­kauf für die im Schach­brett­mus­ter auf­ge­teil­ten Plät­ze so weit wie mög­lich her­aus­ge­scho­ben wird, weil dann hof­fent­lich mehr Zu­schau­er zu­ge­las­sen sind (an­stel­le von frü­her 1972 Plät­zen ste­hen jetzt nor­ma­ler­wei­se 1944 Plät­ze für den Ver­kauf zur Ver­fü­gung). Der­zeit noch ziem­lich frag­lich sind der Rote Tep­pich und der  Staats­emp­fang am 25. Juli, ob die Bun­des­kanz­le­rin kommt, ist noch of­fen (was ei­gent­lich schon na­he­lä­ge, weil es das letz­te Mal in die­ser Funk­ti­on wäre, aber auch we­gen der ers­ten Di­ri­gen­tin am Fest­spiel­pult), für Mit­te Au­gust hat sich schon mal  Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er an­ge­sagt. Blei­ben noch zwei Lek­tü­re-Tipps: BR Klas­sik be­leuch­tet die Test-Ver­wei­ge­rung ei­nes Mu­si­kers im Baye­ri­schen Staats­or­ches­ters und spricht mit Chris­ti­an Ger­ha­her, der be­grün­det, war­um die Ak­ti­on „Auf­ste­hen für die Kunst“ jetzt vors Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zieht.

5., 6., 7. und 8. Mai 2021: Der Licht­streif am Ho­ri­zont wird grö­ßer! In Bay­reuth hat die Fest­spiel-Zu­sa­ge auch un­ter Gas­tro­no­men und Ho­te­liers Freu­de aus­ge­löst, wie man im Nord­baye­ri­schen Ku­rier nach­le­sen kann.  Am Opern­haus Zü­rich und an­de­ren Schwei­zer Büh­nen wird vor al­ler­dings nur fünf­zig Zu­schau­ern seit Mo­nats­be­ginn schon wie­der ge­spielt, die Wie­ner Staats­oper will ab 19. Mai das Haus fürs Pu­bli­kum öff­nen und hat be­reits den Vor­ver­kauf bis Sai­son­ende ge­star­tet. Und selbst an der Baye­ri­schen Staats­oper wird Mor­gen­luft ge­wit­tert, denn wo­mög­lich darf das nächs­te, aus­nahms­wei­se an ei­nem Frei- und Fei­er­tag statt­fin­den­de Mon­tags­kon­zert mit dem kon­zer­tan­ten 1. Akt „Wal­kü­re“  je nach In­zi­denz­la­ge in Mün­chen so­gar vor Zu­schau­ern statt­fin­den. Für alle an­de­ren gibt es letz­te­ren am 13. Mai um 20.15 Uhr als kos­ten­lo­sen Live-Stream. Un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von As­her Fish sin­gen Jo­nas Kauf­mann (Sieg­mund), Lise Da­vid­sen (Sieg­lin­de) und Ge­org Zep­pen­feld (Hun­ding). Apro­pos Streams: Die Jour­na­lis­ten, die in der Neu­en Mu­sik-Zei­tung die wö­chent­li­chen Strea­ming-Emp­feh­lun­gen ge­ben, ha­ben in­zwi­schen fünf­zig mal die Ru­brik „Un­über­seh­bar“ ge­füllt und zum Teil Rück­schau ge­hal­ten über ihre Er­fah­run­gen, und über ein noch be­acht­li­che­res Ju­bi­lä­um be­rich­tet Deutsch­land­ra­dio Kul­tur: Den von der groß­ar­ti­gen Mez­zo­spora­nis­tin Eli­sa­beth Kul­man für Pro­fi­sän­ger ge­grün­de­ten You­Tube-Ka­nal What’s Ope­ra Doc?, wo of­fen über die we­ni­ger schö­nen Sei­ten der Opern­welt ge­spro­chen wird, gibt es schon fünf Jah­re! Gra­tu­la­ti­on und ein gro­ßes Dan­ke­schön dafür!

1., 2., 3. und 4. Mai 2021: Von we­gen Fei­er­tag! Am Vor­abend zum „Tag der Ar­beit“ kam die brand­ak­tu­el­le Mel­dung, dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le heu­er statt­fin­den wer­den. Das Wich­tigs­te dazu fin­den Sie hier! Was es sonst noch gab und gibt? Nun, die mit Juan Die­go Fló­rez pro­mi­nent be­setz­te Wie­der­auf­la­ge der Stutt­gar­ter In­sze­nie­rung Frank Cas­torfs von Charles Goun­ods „Faust“ an der Wie­ner Staats­oper habe ich mir ge­ge­ben, ob­wohl ich mit dem, was die­ser Re­gis­seur und sein Team aus Opern fa­bri­zie­ren, ein­fach nichts an­fan­gen kann. Und es bleibt da­bei, was mich mit­nich­ten über­rascht hat. Im Prin­zip könn­te man mei­ne letz­te Cas­torf-Kri­tik aus Mün­chen le­sen und in Ge­dan­ken Na­men und De­tails ein­fach mit der Wie­ner „Faust“-Produktion über­schrei­ben. Scha­de. Wo­mit ich al­ler­dings nicht wie man­che Wie­ner Kri­ti­ker gleich pau­schal über den neu­en Staats­opern-Di­rek­tor her­fal­len woll­te. Im Ge­gen­teil: Ger­ne emp­feh­le ich vor­ur­teils­lo­sen, of­fe­nen Opern­freun­den das Ge­spräch, das der ös­ter­rei­chi­sche Ban­ker und Kul­tur­po­li­ti­ker Ru­dolf Schol­ten (üb­ri­gens auch ein ehe­ma­li­ger Hypo Alpe Adria-Chef, hol­la!) mit Bog­dan Roščić ge­führt hat, und ger­ne auch die Ant­wort von Re­gis­seur Ki­rill Se­rebren­ni­kov auf die Fra­ge der ös­ter­rei­chi­schen Fach­zeit­schrift Büh­ne, was er sich bei sei­ner un­be­dingt be­den­kens­wer­ten „Parsifal“-Inszenierung ge­dacht hat. Das wäre erst­mal Stoff ge­nug. Und als mög­li­che Al­ter­na­ti­ve zum Wie­ner „Faust“ wei­se ich, ohne den Stream schon ge­se­hen zu ha­ben und be­stimmt kein La Fura dels Baus-Fan bin, auf den „Me­fi­s­to­fe­le“ aus Stutt­gart hin, schon ein­fach des­halb, weil man die­se Oper wirk­lich nicht oft zu se­hen bekommt …

28., 29. und 30. April 2021: Es sind kei­ne hun­dert Tage mehr, bis plan­mä­ßig die dies­jäh­ri­gen Bay­reu­ther Fest­spie­le be­gin­nen. Nach den letz­ten eher pes­si­mis­tisch stim­men­den Mel­dun­gen steht jetzt doch Op­ti­mis­mus auf dem Pro­gramm, wie Ra­dio Main­wel­le und Der Neue Wie­sent­bo­te ver­mel­den. Und kon­kret? Die tech­ni­schen Pro­ben für den „Ring“ fin­den, wie Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann auf An­fra­ge ak­tu­ell mit­ge­teilt hat, be­reits statt, die Pro­ben für die „Holländer“-Neuinszenierung be­gin­nen An­fang Juni, für die Wie­der­auf­nah­men Ende Juni.
Auf die um­strit­te­ne Schau­spie­ler-Ak­ti­on #al­les­dicht­ma­chen hat Axel Brüg­ge­mann in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar mit dem Hash­tag #blei­ben­wir­men­sch­lich bril­lant ge­ant­wor­tet, im Na­men von fünf­zig Kom­po­nis­ten. Hier nur ein Bei­spiel: „Mein Name ist Ri­chard Wag­ner, ich bin Kom­po­nist: Ver­ach­tet mir die Meis­ter nicht, Deutsch­land, schät­ze Dei­ne Künst­ler end­lich wert!“ Wie sehr Chris­ta Lud­wig ge­schätzt wur­de, kann man un­ter an­de­rem nach­le­sen bei Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau, Jür­gen Kes­ting in der F.A.Z. und Ma­nu­el Brug in der Welt.
Zur On­line-Live-Pre­mie­re von Charles Goun­ods „Faust“ am 29. April um 18 Uhr bie­tet die Wie­ner Staats­oper wie­der eine aus­führ­li­che Ein­füh­rung. Noch zwei Strea­ming-Tipps mit sehr be­acht­li­chen Ti­tel­rol­len­de­büts, die nur noch bis Ende des Mo­nats kos­ten­los ver­füg­bar sind: aus Stutt­gart, wo Frank Cas­torfs „Faust“-Inszenierung zu­erst ge­zeigt wur­de, wäre bis 30. April 17 Uhr „Fi­ga­ros Hoch­zeit“ un­ter Ro­land Klut­tig mit Mi­cha­el Nagl ab­ruf­bar, und (ohne Zeit­an­ga­be) aus Zü­rich „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“  mit Sai­mir Pir­gu.

25., 26. und 27. April 2021: Was soll man sa­gen? Die Si­tua­ti­on spie­geln hier­zu­lan­de ei­ner­seits bei­spiel­haft das Kri­sen­ta­ge­buch 33 der Deut­schen Büh­ne so­wie der Shit­s­torm und die nicht en­den wol­len­de Zahl an Ar­ti­keln, Kom­men­ta­ren und Ana­ly­sen über die sa­ti­risch ge­mein­te In­sta­gram- und You­Tube-Ak­ti­on „Al­les dicht­ma­chen“ von fünf­zig Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­lern aus Deutsch­land und Ös­ter­reich. Und an­de­rer­seits die elek­tri­sie­ren­den Nach­rich­ten aus un­se­rem Nach­bar­land über schritt­wei­se Öff­nun­gen des Lock­downs ab 19. Mai, auch der Wie­ner Staats­oper. Wäh­rend­des­sen wer­den in der Wag­ner­stadt Bay­reuth kri­ti­sche Stim­men laut, die Fest­spie­le – kos­te es, was es wol­le – auch durch­zu­füh­ren, wenn bei­spiels­wei­se nur 200 Zu­schau­er zu­ge­las­sen wä­ren. Man darf ge­spannt sein. Nach­zu­rei­chen habe ich noch ei­ni­ge „Parsifal“-Rezensionen von Kri­ti­ke­rin­nen: von Chris­ti­ne Lem­ke-Matw­ey in der Zeit, von Re­na­te Wag­ner und  Sieg­lin­de Pfa­bi­gan im On­line-Mer­ker – und von mir in Beers Blog. Die Wie­ner Staats­oper setzt ih­ren Pre­mie­ren­rei­gen üb­ri­gens aus­ge­spro­chen zeit­nah mit Charles Goun­ods „Faust“ in ei­ner In­sze­nie­rung von Frank Cas­torf un­ter Bert­rand de Bil­ly fort. Die Pre­mie­re am 29. April wird ab 18 Uhr live un­ter an­de­rem auf play​.wie​ner​-staats​oper​.at so­wie spä­ter auch auf Ra­dio Ö1 und im Fern­se­hen auf ORF III über­tra­gen. Juan Die­go Fló­rez gibt mit die­ser Pro­duk­ti­on sein sze­ni­sches Rol­len­de­büt als Faust, die Mar­gue­ri­te ge­stal­tet Ni­co­le Car, den Mé­phis­to­phé­lès ver­kör­pert der jun­ge pol­ni­sche Bass Adam Palka.

21., 22., 23. und 24. April 2021: Es gibt Neu­ig­kei­ten aus Bay­reuth, teils habe ich dar­über schon hier be­rich­tet, teils kann man es ohne Be­zahl­schran­ke beim Nord­baye­ri­schen Ku­rier nach­le­sen. Und wer es vor Sehn­sucht kaum noch aus­hält, kann sich ja schon mal den ak­tu­el­len Sitz­plan des Fest­spiel­hau­ses samt Preis­ta­bel­le an­schau­en, gaaa­anz un­ver­bind­lich na­tür­lich, denn dass alle Plät­ze im hof­fent­lich statt­fin­den­den On­line-So­fort­ver­kauf feil­ge­bo­ten wür­den, glaubt eh‘ nie­mand. Wäh­rend hier­zu­lan­de die Thea­ter-, Opern- und Kon­zert­häu­ser wei­ter ge­schlos­sen blei­ben und selbst Chris­ti­an Thie­le­mann sich in Ci­ce­ro übers Pu­bli­kum so sei­ne Ge­dan­ken macht, ist man in Ös­ter­reich schon wie­der ei­nen Schritt wei­ter und ven­ti­liert die Schach­brett­auf­tei­lung. Apro­pos: Hier ein paar Links zu Kri­ti­ken der „Parsifal“-Online-Premiere aus der Wie­ner Staats­oper: Flo­ri­an Amort in der F.A.Z., Rein­hard Brem­beck in der S.Z., Ma­nu­el Brug in der Welt, Joa­chim Lan­ge in der Neu­en Mu­sik­zei­tung. Mal wie­der kei­ne Kri­ti­ke­rin da­bei! Aber was nicht ist, kann ja noch wer­den: spä­tes­tens am Frei­tag in Beers Blog.

18., 19. und 20. April 2021: Ne­ben di­ver­sen Ab­sa­gen – die Schu­ber­tia­de hat die ak­tu­el­le­ren Pro­gramm-Tei­le ge­stri­chen, die Wie­ner Fest­wo­chen wer­den „ad­ap­tiert“, die Hän­del-Fest­spie­le Hal­le 2021 sind kom­plett stor­niert, Her­mann Nitsch ver­legt sein Sechs-Tage-Spiel auf 2022 und die Opern­häu­ser land­auf land­ab ver­schie­ben kon­ti­nu­ier­lich die ge­plan­te Rück­kehr ins ech­te Büh­nen­le­ben – leuch­ten die Ti­ro­ler Fest­spie­le Erl noch wie ein klei­ner So­li­tär: mit drei Opern­pro­duk­tio­nen, dar­un­ter die Hum­per­dinck­schen „Kö­nigs­kin­der“ und von Wag­ner „Das Rhein­gold“ (Neu­in­sze­nie­rung von Bri­git­te Fass­ba­en­der) und „Lo­hen­grin“. Was noch? Der Eil­an­trag der In­itia­ti­ve „Auf­ste­hen für die Kunst“ wur­de ab­ge­lehnt, Gus­ta­vo Du­da­mel, des­sen in­ter­na­tio­na­le Ka­rierre mit sei­nem Sieg beim 1. Gus­tav-Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker 2004 be­gann, ist neu­er Chef­di­ri­gent der Pa­ri­ser Oper und da­mit Nach­fol­ger des an die Wie­ner Staats­oper ge­wech­sel­ten Phil­ip­pe Jor­dan, des­sen „Par­si­fal“-Di­ri­gat wir ab 18. April 14 Uhr auf Arte Con­cert be­wun­dern dürfen.

15., 16. und 17. April 2021: Heu­te vor 155 Jah­ren, am 15. April 1866, zog Ri­chard Wag­ner in Trib­schen ein, was man aus­führ­li­cher hier nach­le­sen kann. Im Vor­feld der Wie­ner „Parsifal“-Online-Premiere am Sonn­tag um 14 Uhr ver­wei­se ich ger­ne auf die Ein­füh­rungs­ma­ti­nee der Staats­oper, in der die  Haupt­be­tei­lig­ten, dar­un­ter Re­gis­seur Ki­rill Se­rebren­ni­kov, der aus Russ­land nicht aus­rei­sen darf, zu Wort kom­men. Es lohnt sich! Die jüngs­te On­line-Pre­mie­re aus Zü­rich mit „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“ (ab­ruf­bar bis 30. April) hat Chris­ti­an Wild­ha­gen in der NZZ be­spro­chen, nicht ohne Quer­ver­wei­se auf di­ver­se Pro­ble­me. Gar eine Di­ver­si­täts­of­fen­si­ve hat die Pa­ri­ser Oper in An­griff ge­nom­men, wo­von un­ter an­de­rem nicht nur Lot­te de Beers „Aida“-Inszenierung zeugt, son­dern ein aus­führ­li­cher Be­richt von Chris­tia­ne Kaess auf Deutsch­land­funk Kul­tur. Noch ein Tipp: Wer bis ein­schließ­lich Mon­tag den „Ring“ mit ei­ner mehr als be­acht­li­chen Be­set­zung so­zu­sa­gen auf ei­ner Ba­cke ab­sit­zen will, dem hilft die Oper Leip­zig wei­ter mit ih­rer ak­tu­el­len Ver­si­on von Lo­ri­ots „Ring an ei­nem Abend“. Am 17. April 2021 um 18 Uhr ist die kos­ten­lo­se On­line-Pre­mie­re, da­nach ist die fast drei­stün­di­ge Pro­duk­ti­on noch für 48 Stun­den im Netz abrufbar.

11., 12., 13. und 14. April 2021: Die jüngs­ten Nach­rich­ten aus Bay­reuth lie­fert das di­gi­ta­le Bay­reu­ther Tag­blatt, das aus dem Büro von Ka­tha­ri­na Wag­ner Aus­künf­te zum Stand der Din­ge be­kam. Bis­her weit­hin un­be­kannt ist, dass Her­mann Nitsch, der „Malküre“-Aktionist, sei­ne im Fest­spiel­haus ent­ste­hen­den Wer­ke an­schlie­ßend der Stadt Bay­reuth schen­ken will, wozu es aber erst ei­nen Stadt­rats­be­schluss braucht. Und auch von ei­nem even­tu­el­len „Walküre“-Livestream ist die Rede, wäh­rend die Neu­pro­duk­ti­on des „Flie­gen­den Hol­län­ders“ in Ki­nos über­tra­gen wer­den soll. Im Fall ei­ner er­neu­ten Kom­plett-Ab­sa­ge „wird über die Ver­wen­dung von be­stehen­den Auf­zeich­nun­gen der Deut­schen Gram­mo­phon nach­ge­dacht“. Üb­ri­gens ist die Fest­spiel­lei­te­rin, in den Hoch­schul­rat der Hoch­schu­le für Mu­sik in Nürn­berg be­ru­fen wor­den. Sie will dort, wie der Nord­baye­ri­sche Ku­rier in sei­ner Druck­aus­ga­be be­rich­tet hat, u.a. „die Ent­wick­lung und Ein­rich­tung neu­er Stu­di­en­gän­ge pro­ak­tiv mitgestalten“.
An der Deut­schen Oper Ber­lin wur­de der­weil die „Siegfried“-Premiere ab­ge­sagt, wäh­rend die Wie­ner Staats­oper sich von vorn­her­ein für eine On­line-Pre­mie­re der ex­zel­lent be­setz­ten „Parsifal“-Neuproduktion rüs­tet, die am 11. April auf­ge­zeich­net wur­de und ab nächs­ten Sonn­tag auf Arte Con­cert ge­streamt wird. Hier noch zwei kurz­fris­ti­ge Neu­an­ge­bo­te zum Strea­men: Nur heu­te bie­tet die Oper Stutt­gart ih­ren Ari­ad­ne-Tag, und heu­te ab 19 Uhr gibt’s aus Zü­rich eine Neu­pro­duk­ti­on von Hoff­manns Er­zäh­lun­gen (bis Ende April).

7., 8., 9. und 10. April 2021: Das In­ter­view der Wo­che hat wie­der ein­mal Her­mann Nitsch ge­ge­ben, der „Malküre“-Aktionist. In der Wie­ner Zei­tung – üb­ri­gens die äl­tes­te Ta­ge­zei­tung der Welt, de­ren Fort­be­stehen auf der Kip­pe steht, weil die ös­ter­rei­chi­sche Re­gie­rung ihre Amts­blatt-Pflicht­ver­öf­fent­li­chun­gen strei­chen will – spricht er über sei­ne künst­le­ri­schen Vor­ha­ben, über Wag­ner und an­de­re Kom­po­nis­ten. Und was er von der Ge­sell­schaft, von Pres­se und Po­li­tik hält. Ned vui! Fest­spiel­de­bü­tan­tin Oksa­na Ly­niv wird, wie die Süd­deut­sche Zei­tung mel­det, nach Bay­reuth un­ter an­de­rem im Fest­spiel­haus Neu­schwan­stein in Füs­sen „Tris­tan und Isol­de“ di­ri­gie­ren, beim ver­scho­be­nen und x-ten An­lauf, im Kö­nigs­win­kel Fest­spie­le zu eta­blie­ren. Eben­falls in der SZ ver­sucht mein spe­zi­el­ler Freund Rein­hard J. Brem­beck, der sich über­ra­schen­der­wei­se ge­ra­de erst als Fast-Wag­ne­ria­ner ge­outet hat, sich auch noch als Frau­en­freund. Schön wäre es, wenn er an­schlie­ßend mal den Frau­en­an­teil un­ter Kri­ti­kern un­ter die Lupe neh­men und – noch schö­ner! – Kon­se­quen­zen dar­aus zie­hen wür­de. Ge­nug ge­nör­gelt. Ger­ne wei­se ich noch hin auf Wag­ner on Air, ein An­ge­bot von Chris­ti­an Schüt­te vom Wag­ner­ver­band Han­no­ver: Am Frei­tag, 9. April um 16 Uhr, ist der un­ge­mein viel­sei­ti­ge Da­ni­el Beh­le, des­sen Lo­hen­grin-De­büt an Os­tern auch im Stream der Oper Dort­mund zu be­wun­dern war, In­ter­view-Gast. Das Ge­spräch kann man live un­ter https://​www​.face​book​.com/​W​a​g​n​e​r​o​n​a​i​r​/​l​i​ve/ ver­fol­gen oder im An­schluss auf You­tube nachhören.

3., 4., 5. und 6. April 2021: Dass am Kar­frei­tag der kon­zer­tan­te „Par­si­fal“ aus Genf un­ter Jo­na­than Nott lei­der ab­ge­sagt wer­den muss­te, be­stä­tigt ein­mal mehr Gur­nemanz: „Tho­ren wir, auf Lin­d’­rung da zu hof­fen, wo ein­zig Hei­lung lin­dert!“ Mein Er­satz­pro­gramm kam dann aus Ham­burg, an sich eine groß­ar­ti­ge Pro­duk­ti­on, aber nichts für Zu­schau­er, die das Werk aus­wen­dig drauf ha­ben, denn die Ton­spur läuft der Ver­fil­mung ein paar Za­cken hin­ter­her, was zu­min­dest mich auf die Dau­er doch zer­mürbt hat, denn die­se stark ge­schmink­ten Kunst­fi­gu­ren ha­ben zwar kei­ne „nor­ma­le“ Mi­mik mehr, aber im­mer noch sin­gen­de Mün­der. Dann doch lie­ber die nächs­ten Tage noch­mal den Stutt­gar­ter „Par­si­fal“, von al­len In­sze­nie­run­gen, die ich bis­her er­le­ben durf­te, die­je­ni­ge, die mich am tiefs­ten be­rührt hat. Apro­pos Stutt­gart: Im dor­ti­gen „Oper trotz Corona“-Programm gibt es un­ter dem Ti­tel „Glau­be, Lie­be, Hoff­nung“ ein An­ge­bot, das man sich laut Eg­bert Tholl von der Süd­deut­schen Zei­tung nicht ent­ge­hen las­sen soll­te. Die Haupt­ak­teu­re der Münch­ner In­itia­ti­ve Auf­ste­hen für die Kunst wur­den vom Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel in­ter­viewt, zur On­line-Pre­mie­re von „Le noz­ze di fi­ga­ro“ an der Staats­oper Un­ter den Lin­den hier die Kri­ti­ken von Ma­ria Os­sow­ski auf rbb24 und von Ma­nu­el Brug in der Welt. Bleibt nur noch der Hin­weis auf eine doch sehr un­ge­wöhn­li­che Wer­be­ak­ti­on ei­nes Web-Ma­ga­zins für klas­si­sche Mu­sik: Wor­um es ge­nau geht, kann ich wie­der­um nur mit Gur­nemanz be­ant­wor­ten: „Das sagt sich nicht.“

30. und 31. März, 1. und 2. April 2021: Die In­itia­ti­ve „Auf­ste­hen für die Kunst“ hat, wie die F.A.Z. be­rich­tet, ih­rer Po­pu­lar­kla­ge in­zwi­schen auch ei­nen Eil­an­trag fol­gen las­sen. An­trag­stel­ler sind ins­ge­samt 23 Künst­lern, dar­un­ter Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke, Hans­jörg Al­brecht und Mar­lis Pe­ter­sen, die da­mit klä­ren las­sen wol­len, in­wie­fern die er­las­se­nen Kul­tur­ver­an­stal­tungs­ver­bo­te mit der Baye­ri­schen Ver­fas­sung ver­ein­bar sind. Sonst gibt es ei­gent­lich nicht viel Neu­es. Das Wag­ner-Mu­se­um in Trib­schen hat eine neue Che­fin und wird als ers­tes die Son­der­aus­stel­lung „Pracht­ge­mäu­er“ zei­gen, eine Schau auf der Ba­sis des gleich­na­mi­gen Buchs um das Team von Mar­kus Kie­sel, bei dem auch Kat­ja Flei­scher, die vor­he­ri­ge Mu­se­ums­di­rek­to­rin, mit­ge­ar­bei­tet hat. Bleibt noch Rein­hard J. Brem­beck, der über den Fak­si­mi­le-Re­print der „Parsifal“-Partitur sin­niert und sich in ers­ter Li­nie ob der vio­lett-ver­blass­ten Tin­te und der Hand­schrift be­ein­druckt zeigt (SZ­plus). Ob er am Ende doch noch ein klei­ner Wag­ne­ria­ner wird?

27., 28. und 29. März 2021: Zum Münch­ner „Ro­sen­ka­va­lier“ rei­che ich ger­ne noch zwei Bei­trä­ge von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur nach: das In­ter­view mit Bar­rie Kos­ky und sei­ne Kri­tik. Aus Bay­ern kommt auch die Mel­dung auf BR24, dass es nach Os­tern neue Pi­lot­pro­jek­te ge­ben soll. Na­tür­lich wünsch­te ich mir, dass dies­mal die Bam­ber­ger Kon­zert­hal­le auf ihre Pra­xis­taug­lich­keit ge­tes­tet wür­de, denn das ge­stream­te Ju­bi­lä­ums­kon­zert der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker hat mit ehr­lich ge­sagt rich­tig weh ge­tan mit dem bis auf die Mu­si­ker schreck­lich lee­ren Saal. Die­se teu­re Hal­le bald wie­der grü­ßen zu dür­fen, das wär’s doch! Der nächs­te Stream des Or­ches­ters folgt am 28. März um 21 Uhr auf TV Ober­fran­ken mit ei­nem zur Pas­si­ons­zeit pas­sen­den Pro­gramm un­ter Gio­van­ni An­to­ni­ni mit So­lis­ten und dem Dresd­ner Kam­mer­chor. Lei­der war mein Hin­weis auf To­bi­as Krat­zers Neu­in­sze­nie­rung von Charles Goun­ods „Faust“ an der Bas­til­le-Oper in Pa­ris für die Katz: Das Vi­deo auf der Home­page der Oper und der neu­en TV-Cul­tur­box ist für deut­sche Zu­schau­er nicht dis­po­ni­bel. Scha­de! Dann höre ich mir viel­leicht statt­des­sen noch mal „Fran­ce­s­ca da Ri­mi­ni“ an, die Neu­pro­duk­ti­on der Deut­schen Oper Ber­lin, die am 27. März ab 19.05 Uhr auf Deutsch­land­funk Kul­tur ge­sen­det wird.

24., 25. und 26. März 2021: Mei­ne Kri­tik zum neu­en Münch­ner „Ro­sen­ka­va­lier“ gibt’s erst mor­gen in Beers Blog. Einst­wei­len emp­feh­le ich die Be­spre­chun­gen von Ste­phan Mösch in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau, Bern­hard Neu­hoff auf BR Klas­sik, Alex­an­der Dick in der Ba­di­schen Zei­tung und Hel­mut Mau­ró in der Süd­deut­schen Zei­tung. An­sons­ten hat es in Ber­lin, wie die Be­richt­erstat­tung in der BZ, im Ta­ges­spie­gel, auf rbb24, in der F.A.Z. und in der SZ zeigt, ein viel­ver­spre­chen­des Pi­lot­pro­jekt für Thea­ter- und Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen ge­ge­ben, das die Staats­oper Un­ter den Lin­den und die Deut­sche Oper Ber­lin am 2. be­zie­hungs­wei­se 4. April mit ih­ren Live-Pre­mie­ren fort­set­zen woll­ten, aber in­zwi­schen nicht mehr dür­fen. Ohne Pu­bli­kum auf­ge­zeich­net in der Bas­til­le-Oper, da­für als TV-Pre­mie­re auf Fran­ce 5 wird am 26. März um 20.55 Uhr eine Neu­in­sze­nie­rung von Charles Goun­ods „Faust“ durch To­bi­as Krat­zer mit Ben­ja­min Bern­heim in der Ti­tel­rol­le her­aus­ge­bracht. Wei­te­re In­fos zum Stream auf der Home­page der Pa­ri­ser Oper.
Apro­pos Krat­zer: Wäh­rend es bei sei­ner Bay­reu­ther „Tannhäuser“-Inszenierung nach ak­tu­el­len Pla­nun­gen heu­er im Prin­zip sein soll wie in den Jah­ren vor Co­ro­na, dürf­te es bei den an­de­ren Vor­stel­lun­gen zu­sätz­li­che Lüf­tungs­pau­sen ge­ben. Auf der Home­page der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth steht zu le­sen: „Die der­zei­ti­gen Hy­gie­nekon­zep­te se­hen u. a. re­gel­mä­ßi­ges Lüf­ten in be­stimm­ten zeit­li­chen Ab­stän­den vor, so dass vor­aus­sicht­lich bei der Neu­pro­duk­ti­on Der flie­gen­de Hol­län­der eine Pau­se ein­ge­plant wer­den muss, eben­so wie im drit­ten Auf­zug der Wie­der­auf­nah­me Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg, dem ers­ten Auf­zug Par­si­fal (Kon­zert) und dem zwei­ten Auf­zug Die Wal­kü­re. Die­se Kon­zep­te zur Lüf­tung und den da­mit ver­bun­de­nen Pau­sen hän­gen von der je­weils zu­läs­si­gen Zu­schau­er­an­zahl ab, die zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht fi­nal be­stimmt ist.“ Kurz ge­sagt: Wag­ner wird noch et­was mehr Zeit in An­spruch neh­men, was die ver­mut­lich we­ni­gen, die Kar­ten be­kom­men könn­ten, nicht stö­ren, son­dern eher freu­en wird. Wenn schon, denn schon.

20., 21., 22. und 23. März 2021: „Ja­mes Le­vi­ne“, schreibt Pe­ter Ueh­ling in der Ber­li­ner Zei­tung in un­ge­wöhn­li­chem Klar­text, „setzt sei­nen Nach­ru­fer in Ver­le­gen­heit. Ei­ner der be­gna­de­ten Di­ri­gen­ten sei­ner Ge­nera­ti­on war zu­gleich ein Se­xu­al­ver­bre­cher.“ Wei­te­re Nach­ru­fe auf den Di­ri­gen­ten, der in den Jah­ren 1982 bis 1998 mit „Par­si­fal“ und dem „Ring“ auch das Ge­sche­hen auf dem Grü­nen Hü­gel mit präg­te, fin­den Sie hier. Nur fünf Jah­re hin­ge­gen wirk­te Hol­ger von Berg als kauf­män­ni­scher Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel GmbH. In­zwi­schen ist es amt­lich, dass er ans Staats­thea­ter Wies­ba­den wech­selt, wo er künf­tig mit In­ten­dant Uwe-Eric Lau­fen­berg zu­recht­kom­men soll, wäh­rend Ka­tha­ri­na Wag­ner so­wie die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Bay­reu­ther Fest­spie­le sich schon sehr auf die Zu­sam­men­ar­beit mit sei­nem Nach­fol­ger Ul­rich Ja­gels freu­en und sich wün­schen, „dass sich das Be­triebs­kli­ma wie­der zu dem gu­ten ent­wi­ckelt, wie es vor fünf Jah­ren war“.
An­sons­ten freue ich mich auf Sonn­tag und die „Rosenkavalier“-Neuproduktion aus Mün­chen, die am Sonn­tag, 21. März um 15. 30 Uhr wahl­wei­se im Fern­se­hen auf ARTE so­wie on­line auf Staats​oper​.TV und BR Klas­sik Con­cert so­wie im Ra­dio auf BR Klas­sik als zeit­ver­setz­te Live­über­tra­gung zu er­le­ben ist. Ei­nen klei­nen Ein­blick auf das, was die Zu­schau­er er­war­tet, gibt das Vi­deo­ma­ga­zin auf der Home­page der Staats­oper. Wei­te­res Ein­füh­rungs­ma­te­ri­al fin­det sich dort auch, und im Blog ein In­ter­view mit Fa­ninal Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le, der vor fünf­zig Jah­ren im Al­ter von neun Jah­ren am Stadt­thea­ter Augs­burg sein Büh­nen­de­büt im „Ro­sen­ka­va­lier“  fei­er­te. Drei­mal dür­fen Sie ra­ten als was!

17., 18. und 19. März 2021: Wäh­rend die Salz­bur­ger Os­ter­fest­spie­le erst am Al­ler­hei­li­gen-Wo­chen­en­de statt­fin­den wer­den, ent­wi­ckelt Bay­reuth Ba­ro­que sich zum deut­schen Co­ro­na­wel­len­fest­spiel­bre­cher Num­mer 1: Schließ­lich gab es die­ses zu Recht von al­ler­dings je­weils nur 200 Zu­schau­ern um­ju­bel­te Fes­ti­val auch im ers­ten Co­ro­na-Som­mer, die Fort­set­zung ist jetzt für 1. bis 14. Sep­tem­ber an­ge­kün­digt, dar­un­ter drei Vor­stel­lun­gen von Ni­co­là An­to­nio Por­po­ras Oper Car­lo il cal­vo mit der sän­ger­dar­stel­le­ri­schen Spit­zen­be­set­zung von 2020. Von den Bay­reu­ther Fest­spie­len gibt es auch Neu­ig­kei­ten: Ers­tens hat Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann im Nord­baye­ri­schen Ku­rier auf das In­ter­view des schei­den­den Ge­schäfts­füh­rers Hol­ger von Berg mit ei­ner in den De­tails be­mer­kens­wer­ten Stel­lung­nah­me re­agiert. Zwei­tens hat Kunst­mi­nis­ter Bernd Si­bler Bay­reuth zur Chef­sa­che, er­klärt, not­falls mit So­fort­tests für das Pu­bli­kum – eben­falls im Ku­rier-In­ter­view. Und drit­tens wur­de die Fest­spiel-Home­page ge­stal­te­risch und farb­lich (die brom­bee­ri­ge Leit­far­be hat aus­ge­dient) über­ar­bei­tet und auf ei­nen halb­wegs ak­tu­el­len und noch nicht in al­len Tei­len funk­tio­nie­ren­den Stand ge­bracht. Sprich: In den In­for­ma­tio­nen zu Co­vid-19 er­fährt man zwar noch kei­ne Ein­zel­hei­ten, die das Hy­gie­nekon­zept für das Pu­bli­kum be­tref­fen, aber im­mer­hin, dass nach jet­zi­gem Stand das je­weils durch­ge­tes­te­te Or­ches­ter „in der ge­wohnt vol­len Be­set­zung“ im Gra­ben spie­len und der Chor­klang ver­mut­lich aus dem Chor­saal über­tra­gen wer­den soll. Die Ein­füh­rungs­vor­trä­ge für Kar­ten­in­ha­ber sind di­gi­tal ge­plant, an ei­ner Co­ro­na-ge­rech­ten gas­tro­no­mi­schen Kon­zep­ti­on wird, nach­dem der bis­he­ri­ge Päch­ter aus­ge­schie­den ist, noch ge­ar­bei­tet. Apro­pos: Der vor­zei­tig aus­ge­schie­de­ne Jo­na­than Mee­se hat aus An­lass sei­ner jüngs­ten Aus­stel­lung in Wien im Stan­dard eine Fest­spiel­in­sze­nie­rung an­ge­kün­digt, not­falls so­gar nach sei­nem Tod. Don­ner­wet­ter, alle Ach­tung! Bleibt noch der Hin­weis, dass es die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker seit im­mer­hin schon 75 Jah­ren gibt. Das Ju­bi­lä­ums­kon­zert am 18. März um 20.15 Uhr ist für Zu­schau­er on­line zu ha­ben, lei­der ohne Chef­di­ri­gent Ja­kub Hrůša, denn der darf ak­tu­ell aus sei­ner tsche­chi­schen Hei­mat nicht ausreisen.

13., 14., 15. und 16. März 2021: In­mit­ten der ra­sant aus­ver­kauf­ten Ber­li­ner Pi­lot­pro­jek­te, die eben­so Fra­gen of­fen las­sen wie die Münch­ner Öff­nungs­plä­ne, ge­hen die Os­ter­fest­spie­le eher ba­den (zu­min­dest für Ba­den-Ba­den steht das schon fest, laut der twit­tern­den Anna Netreb­ko hat es auch Salz­burg schon er­wischt). Ge­mischt ist auch die Nach­rich­ten­la­ge in Bay­reuth: Wäh­rend der Nord­baye­ri­sche Ku­rier in ei­nem aus­führ­li­chen In­ter­view (mit Be­zahl­schran­ke) Fest­spiel­ge­schäfts­füh­rer Hol­ger von Berg ver­ab­schie­det, der mit deut­lich ge­misch­ten Ge­füh­len auf sei­ne Hü­gel-Jah­re zu­rück­blickt, wur­de  Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner (und nicht der ei­gent­lich da­für zu­stän­di­ge Mu­sik­di­rek­tor) in der Welt (mit Be­zahl­schran­ke) dazu be­fragt, war­um im Fest­spiel­or­ches­ter im­mer noch ver­gelichs­wei­se so we­nig Frau­en spie­len. Der An­teil an weib­li­chen Mu­si­ke­rin­nen liegt dem­nach ak­tu­ell bei nur 16 Pro­zent (2019 bei 14 Pro­zent). Hin­ge­gen un­ein­ge­schränkt po­si­tiv ist zu wer­ten, dass Max Ema­nu­el Cenčić für sein Ba­rock­mu­sik­fes­ti­val in Bay­reuth 2020 vom Preis der deut­schen Schall­plat­ten­kri­tik e.V. der Eh­ren­preis in der Ka­te­go­rie „Klas­sik“ zu­ge­spro­chen wur­de. Hat er voll ver­dient! Für mich wa­ren die bei­den Opern­auf­füh­run­gen, die ich im Mark­gräf­li­chen Opern­haus er­le­ben durf­te – sze­nisch „Car­lo il cal­vo“, kon­zer­tant „Gis­mondo, Re di Po­lo­nia“ – die mu­sik­thea­tra­li­schen Hö­he­punk­te der letz­ten zwölf Mo­na­te und bei­de im­mer noch als Vi­deo auf BR Klas­sik zu ha­ben. Da­für las­se ich pro­blem­los die heu­ti­ge Wie­ner „Car­men“ in 3sat sausen …

9., 10., 11. und 12. März 2021: Heu­te mor­gen war ich ganz schön elek­tri­siert! En­gels­lo­ge heißt eine Bei­la­ge der Baye­ri­schen Staats­oper und der Süd­deut­schen Zei­tung, die mit ih­rer Nr. 47 bei mir spon­tan Be­gehr­lich­kei­ten weck­te, denn der dort ab­ge­druck­te Spiel­plan ver­hieß Opern­vor­stel­lun­gen schon ab 17. März. „Mein Gott, sind die aber fix“ war mein ers­ter Ge­dan­ke, der zwei­te, ob ich in punk­to Nach­rich­ten­la­ge was ver­passt hat­te. Der Blick auf die Staats­opern-Home­page brach­te mich schnell zu­rück auf den Bo­den der Co­ro­na-Tat­sa­chen. Nein, so schnell wird das doch nichts mit dem er­sehn­ten ech­ten Opern­er­leb­nis, aber Öff­nungs­plä­ne gibt es, na­tür­lich auch im Na­tio­nal­thea­ter, das wie ge­plant am 21. März um 15.30 Uhr Bar­rie Kos­kys „Rosenkavalier“-Neuinszenierung als On­line-Pre­mie­re im Live­stream und zeit­gleich im Fern­se­hen bei Arte prä­sen­tie­ren wird. An­sons­ten ist die Lage aber, wie der ORF aus Salz­burg be­rich­tet, nicht un­be­dingt ro­sig. Auch die um­fas­sen­de MDR-Re­cher­che in Sa­chen Frau­en­quo­te an mit­tel­deut­schen Thea­tern und Opern­häu­sern stimmt  nicht ge­ra­de fröh­lich. Blei­ben doch nur die Kon­ser­ven! Die New Yor­ker Met bie­tet in der nun­mehr 52. Wo­che täg­lich ei­nen kos­ten­lo­sen Opern­stream. Da kann nur noch die Wie­ner Staats­oper ei­ni­ger­ma­ßen mit­hal­ten, aber auch die An­ge­bo­te der gro­ßen und klei­ne­ren Häu­ser na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal kön­nen sich se­hen las­sen. Wie auch im­mer: Die Sehn­sucht wird im­mer größer!

5., 6., 7. und 8. März 2021: Der Licht­streif am Ho­ri­zont wird grö­ßer, die ers­ten Schrit­te von be­hut­sa­men Thea­t­er­öff­nun­gen wer­den zu­min­dest ab Ende März für mög­lich ge­hal­ten. Hier eine Über­sicht von BR24, die Kurz­ver­si­on ei­ner BR-Klas­sik-Sen­dung von Do­ro­thea Huß­lein zur Lage am 5. März um 19.05 Uhr so­wie die ak­tu­el­le Be­richt­erstat­tung auf nacht­kri­tik. Und weil am 8. März Welt­frau­en­tag ist, ver­lin­ke ich ger­ne auch ei­nen Be­richt von Fre­de­rik Hans­sen im Ta­ges­spie­gel, des­sen Über­schrift mir al­ler­dings zu op­ti­mis­tisch er­scheint. So schnell wächst sich das dann doch nicht aus!

2., 3. und 4. März 2021: Na­tür­lich sind wir alle ge­spannt, wo, wann, war­um und wie wei­ter an den Co­ro­na-Stell­schrau­ben im Kul­tur­be­reich ge­dreht wird. Was die künf­ti­ge so­zia­le Ab­si­che­rung von Kul­tur­schaf­fen­den be­trifft, scheint es laut ei­ner Re­cher­che des Deutsch­land­funks im­mer­hin schon kon­kre­te Über­le­gun­gen in die rich­ti­ge Rich­tung zu ge­ben, wäh­rend in Mün­chen und Ber­lin die In­ten­dan­ten lang­sam aber si­cher in die Luft ge­hen. Ei­ner hat die Zeit auch an­ders ge­nutzt: Bar­rie Kos­ky, In­ten­dant der Ko­mi­schen Oper Ber­lin und der­zeit mit den Pro­ben sei­ner „Rosenkavalier“-Inszenierung an der Baye­ri­schen Staats­oper be­schäf­tigt (On­line-Pre­mie­re im kos­ten­lo­sen Live­stream am 21. März 2021), hat un­ter dem Ti­tel „On Ec­sta­sy“ An­ek­do­ten und Sze­nen aus sei­nem Le­ben fest­ge­hal­ten, wie man im In­ter­view der BZ erfährt.

26., 27., 28. Fe­bru­ar und 1. März 2021: Zwei Künst­le­rin­nen set­zen den Schwer­punkt: ers­tens die Di­ri­gen­tin Si­mo­ne Young, die im Stern be­mer­kens­wer­te Aus­künf­te zu ih­rer Kar­rie­re und zum Stand der Din­ge für Frau­en in der Mu­sik­welt ge­ge­ben hat, was man in Kurz­form auch in der Wie­ner Pres­se nach­le­sen kann, und zwei­tens die Sän­ge­rin, Re­gis­seu­rin, In­ten­dan­tin  und Ge­sangs­päd­ago­gin Bri­git­te Fass­ba­en­der, die am 19. Fe­bru­ar an der Oper Frank­furt für Mit­glie­der des Opern­stu­di­os ei­nen Meis­ter­kurs ge­ge­ben hat, den Ju­dith von Stern­burg an­schau­lich in der Frank­fur­ter Rund­schau be­schreibt und den man in Aus­schnit­ten auch strea­men kann. Über die ak­tu­el­len Strea­ming-An­ge­bo­te der gro­ßen Häu­ser hat sich in der Welt Ma­nu­el Brug ein Bild ge­macht, über die jüngs­te Mah­ler-CD der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker un­ter Ja­kub Hrůša (jaja, ein Wun­der, aus­nahms­wei­se kein Dvořák!) hat Marc Brid­le auf Ope­ra To­day eine schö­ne Kri­tik ge­schrie­ben und vom bri­ti­schen Guar­di­an kommt auch die An­kün­di­gung ei­ner „Ring“-Neuinszenierung von Ri­chard Jo­nes an der Eng­lish Na­tio­nal Ope­ra (in Ko­pro­duk­ti­on mit der New Yor­ker Met) ab der Spiel­zeit 2022/23. Noch ein Tipp zum Schluss: Ab 28. Fe­bru­ar um 19 Uhr streamt die Ko­mi­sche Oper Ber­lin Korn­golds „Die Tote Stadt“, ist emp­feh­lens­wert, ich habe vor ei­ni­ger Zeit eine Auf­füh­rung die­ser Pro­duk­ti­on un­ter Ainārs Ru­biķis, dem Ge­win­ner des Bam­ber­ger Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werbs 2010, mit Aleš Bris­ce­in und Sara Ja­ku­bi­ak in den Haupt­rol­len ge­se­hen (bis 28. März mittags).

23., 24. und 25. Fe­bru­ar 2021: Zum plötz­li­chen Tod von Ste­fan Mi­ckisch habe ich un­ter dem Ti­tel „Der Wag­ner-Er­klä­rer“ ei­nen ei­ge­nen Bei­trag ver­fasst, die Vor­gän­ge der letz­ten Tage hat um­fas­send Axel Brüg­ge­mann in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar „Von Sys­tem-Sprit­zen und Sys­tem­spren­gern“ auf Cre­scen­do zu­sam­men­ge­fasst, wo er zu­dem auf sein Ge­spräch mit Oksa­na Ly­niv, der de­si­gnier­ten Bay­reu­ther „Holländer“-Dirigentin 2021, ver­weist. Apro­pos Fest­spie­le: Wer sich schon An­fang April nach Ti­rol traut, kann bei den Früh­lings­fest­spie­len in Erl un­ter an­de­rem die Mat­thä­us-Pas­si­on, ei­nen kon­zer­tan­ten „Don Pas­qua­le“ und ein Wag­ner-Ga­la­kon­zert mit Chris­tia­ne Li­bor er­le­ben. Und zu­min­dest in ei­nem Punkt er­fah­ren wir dank Ro­man Kocholl vom Nord­baye­ri­schen Ku­rier auch ein biss­chen mehr zu „Ring 20.21“, dem mul­ti­me­dia­len Pro­jekt der Bay­reu­ther Fest­spie­le: Er hat ei­ni­ges über Chiha­ru Shio­ta, die Künst­le­rin der „Götterdämmerung“-Installation im Fest­spiel­park, zu­sam­men­ge­tra­gen. Wer dar­über hin­aus wis­sen will, wo­hin das Fest­spiel­or­ches­ter un­ter An­dris Nel­sons nach sei­nen Kon­zer­ten im Fest­spiel­haus auf Tour­nee ge­hen wird, fin­det beim Riga Ju­r­ma­la Mu­sic Fes­ti­val zu­min­dest eine Antwort.
Ge­nug an Neu­ig­kei­ten, noch kurz ein Blick auf die Streams. Künf­tig wer­de ich bei mei­nen Emp­feh­lun­gen bes­ser dazu schrei­ben, ob ich die Auf­zeich­nung schon ge­se­hen habe, denn zu­letzt beim „Wun­der der He­lia­ne“ hat sich mir, ob­wohl ich den Kom­po­nis­ten sonst schät­ze, ehr­lich ge­sagt kein Wun­der of­fen­bart. Im Ge­gen­teil: Die Hand­lung und das Li­bret­to sind eher un­säg­lich, was auch ein klu­ges und äs­the­tisch über­zeu­gend um­ge­setz­tes Re­gie­kon­zept (Chris­toph Loy) nicht wett­ma­chen kann, zu­mal die Mu­sik ei­nen beim Strea­men fast nur end­los auf­ge­regt er­scheint. Die ex­zel­lent be­setz­te Pro­duk­ti­on der Deut­schen Oper Ber­lin schaue ich mir ger­ne ein­mal „in echt“ an, denn dann bin ich ein­fach bes­ser fo­kus­siert und sehe und höre kon­zen­trier­ter. Wahr­schein­lich sind Wer­ke, die man noch nicht kennt, ein­fach nichts für Opern-Couch­po­ta­toes? Un­be­se­hen ver­wei­se ich auf die neue „Sa­lo­me“ aus Mai­land (mit sehr gu­ten So­lis­ten, dar­un­ter der neue Bay­reu­ther Steu­er­mann At­ti­lio Gla­ser als Nar­ra­bo­th), die neue „Aida“ aus Pa­ris (mit Jo­nas Kauf­mann), „La cle­men­za di Tito“ aus Genf so­wie die Janácek-Se­rie und die neu auf­ge­leg­te Bieito-„Carmen“ aus Wien. Und na­tür­lich den bö­sen neu­en „Frei­schütz“ aus Mün­chen. De­tails dazu wie im­mer wei­ter un­ten in der Auflistung.

20., 21. und 22. Fe­bru­ar 2021: Mein Tipp zum Strea­men: Erich Wolf­gang Korn­gold „Das Wun­der der He­lia­ne“ von der Deut­schen Oper Ber­lin ist nur noch bis ein­schließ­lich 21. Fe­bru­ar ab­ruf­bar. Soll­ten Opern­freun­de nicht ver­pas­sen! Auch die an­de­ren gro­ßen Opern­häu­ser (sie­he Lis­te wei­ter un­ten) ha­ben ei­ni­ges zu bie­ten. Und um die Co­ro­na-Lage nicht aus den Au­gen zu ver­lie­ren, sei das In­ter­view mit Ba­ri­ton Chris­ti­an Ger­ha­her auf Con­cer­ti empfohlen.

19. Fe­bru­ar 2021: Sor­ry, bin heu­te sehr spät dran. Aber im Zwei­fels­fall ha­ben mei­ne En­kel Vor­rang. Ganz kurz nur der noch­ma­li­ge Hin­weis auf das Wohn­zim­mer­kon­zert der Wie­ner Sym­pho­ni­ker heu­te Abend um 20.15 Uhr un­ter Oksa­na Ly­niv, das live auf der Web­site des Or­ches­ters und auf You­tube ge­streamt wird. Die de­si­gnier­te Bay­reu­ther „Holländer“-Dirigentin wird un­ter an­de­rem Wag­ners Vor­spie­le zu „Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg“, zu „Tris­tan und Isol­de“ so­wie zum 3. Akt „Lo­hen­grin“ di­ri­gie­ren. Dazu gibt es kur­ze Talks mit Axel Brüg­ge­mann und De­bus­sys „Deux dan­ses“ für Har­fe und Or­ches­ter mit Vol­ker Kempf als So­lis­ten. Die Sen­dung wird an­schlie­ßend un­be­grenzt auf dem You­tube-Ka­nal der Wie­ner Sym­pho­ni­ker zu se­hen sein.

15., 16., 17. und 18. Fe­bru­ar 2021: Zur On­line-Pre­mie­re der Münch­ner „Freischütz“-Neuinszenierung äu­ße­re ich mich dem­nächst aus­führ­li­cher in Beers Blog, stel­le aber ger­ne schon mal ei­ni­ge Kri­ti­ker­stim­men vor – zwei männ­lich und zwei weib­lich: Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und Wolf-Die­ter Pe­ter in der Neu­en Mu­sik­zei­tung, Fran­zis­ka Stürtz im Deutsch­land­ra­dio Kul­tur und Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau. Vor­ab nur so viel: Er­freu­li­cher­wei­se steht die se­hens- und hö­rens­wer­te Pro­duk­ti­on als Vi­deo on De­mand auf Staats​oper​.TV (ab 15. Fe­bru­ar 19 Uhr) und über BR-Klas­sik Con­cert auch wei­ter­hin kos­ten­los zur Ver­fü­gung. Je­der kann sich selbst ein Bild ma­chen, soll­te al­ler­dings kei­ne Angst vor dem ha­ben, was man ge­mein­hin „Re­gie­thea­ter“ nennt.

12., 13. und 14. Fe­bru­ar 2021: Chris­ti­an Thie­le­mann be­schäf­tigt wie­der die Me­di­en, dar­un­ter in der „Welt“ Ma­nu­el Brug und auch mich. Ak­tu­ell zofft der Di­ri­gent sich mit Sem­per­oper­in­ten­dan­ten Pe­ter Thei­ler und nicht mehr mit Ni­ko­laus Bach­ler, dem vor­ma­li­gen Kon­kur­ren­ten um den In­ten­dan­ten­pos­ten der Salz­bur­ger Os­ter­fest­spie­le. Mit letz­te­rem hat Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur ein schö­nes In­ter­view zur al­ten und neu­en „Frei­schütz“-In­sze­nie­rung an der Baye­ri­schen Staats­oper vor­ge­legt. Wo­mit ich end­lich noch­mals auf den kos­ten­lo­sen Live­stream der Pre­mie­re am 13. Fe­bru­ar um 18.30 Uhr auf­merk­sam ma­chen möch­te, auf die man sich auch mit der Pre­mie­ren­ma­ti­nee ein­stim­men kann.

8., 9., 10. und 11. Fe­bru­ar 2021: Der 82-jäh­ri­ge Ak­ti­ons­künst­ler Her­mann Nitsch hat sich jetzt auch vom Nord­baye­ri­schen Ku­rier aus­führ­lich in­ter­view­en las­sen. Von des­sen  Re­gen­bo­gen­far­ben kom­me ich aber nicht zur Re­gen­bo­gen­pres­se, son­dern eher zu ak­tu­el­len Über­le­gun­gen, wie die Zu­kunft des Kul­tur­jour­na­lis­mus aus­sieht und was man von den di­gi­ta­len Me­di­en ler­nen kann. Über ers­te­res hat sich Alex Ross, Au­tor des über­aus an­re­gen­den, ja  span­nen­den Wag­ner­buchs „Die Welt nach Wag­ner“, im Deutsch­land­funk ge­äu­ßert, wäh­rend man nach der Lek­tü­re des Ar­ti­kels „Der Stolz Frank­reichs“ in der Süd­deut­schen Zei­tung plötz­lich nei­disch auf das Nach­bar­land schaut, wo das Kul­tur­le­ben auch und ge­ra­de in Co­ro­na­zei­ten ei­nen an­de­ren Stell­wert zu ha­ben scheint. Und na­tür­lich lohnt es sich auch, rein­zu­hö­ren in eine Sen­dung von SWR2, in der Axel Brüg­ge­mann, Chris­ti­ne Lem­ke-Matw­ey, Hans-Jür­gen Men­de und Hol­ger Nolt­ze dar­über spre­chen, ob und wie Kul­tur im In­ter­net funk­tio­nert. Was in der Pan­de­mie der­weil nicht oder nur in Aus­nah­me­fäl­len funk­tio­niert, ist für das Gros al­ler Künst­ler die prak­ti­sche Be­rufs­aus­übung. Die Opern­sän­ger Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke, Ke­vin Con­ners und Chris­ti­an Ger­ha­her so­wie der Di­ri­gent und Or­ga­nist Hans­jörg Al­brecht ha­ben des­halb die Ak­ti­on „Auf­ste­hen für die Kunst“ in­iti­iert, der sich be­reits mehr als 300 Un­ter­stüt­zer an­ge­schlos­sen ha­ben. Hof­fent­lich hilft’s was!

Neu­er Tipp für den 7. Fe­bru­ar: Die ur­sprüng­lich ge­plan­te, dann ab­ge­sag­te, spon­tan dann doch rea­li­sier­te Auf­zeich­nung der Wie­der­auf­nah­me der „Figaro“-Inszenierung von Jean Pierre Pon­nel­le von 1985 an der Wie­ner Staats­oper un­ter Phil­ip­pe Jor­dan wird um 19 Uhr ge­streamt und ist um 20.15 auch auf ORF 3 und auf my​fi​de​lio​.at zu finden.

Ak­tua­li­sie­rung zum 5. Fe­bru­ar aus ge­ge­be­nem An­lass: Os­wald Ge­org Bau­er, DER Fest­spiel­chro­nist, fei­ert heu­te sei­nen 80. Ge­burts­tag. Und heu­te vor fünf­zig Jah­ren brann­te der Haupt­bahn­hof in Lu­zern ab.

4., 5., 6. und 7. Fe­bru­ar 2021: „Ja, mach nur ei­nen Plan! Sei nur ein gro­ßes Licht!“, heißt es im „Lied von der Un­zu­läng­lich­keit mensch­li­chen Stre­bens aus der „Drei­gro­schen­oper“ von Bert Brecht. Und wei­ter: „Und mach dann noch ’nen zwei­ten Plan, gehn tun sie bei­de nicht.“ Das konn­te ge­ra­de Bog­dan Roščić, der neue In­ten­dant der Wie­ner Staats­oper er­le­ben, der die­se Wo­che gleich zwei Live-Streams we­gen Co­ro­na-In­fi­zie­run­gen von Be­tei­lig­ten ab­sa­gen muss­te. Dazu ein Kom­men­tar aus der Wie­ner Zei­tung, der nur in­so­fern schon wie­der über­holt ist, als Co­ro­na in­zwi­schen auch die Aus­tra­li­an Open aus­bremst. Ger­ne sin­ge auch ich mal ein Lob­lied auf jene In­ten­dan­ten, die in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten be­harr­lich nicht nur pla­nen, son­dern ech­te, lei­der noch pu­bli­kums­lo­se Auf­füh­run­gen auf die Rei­he brin­gen. Da­mit das sehn­süch­ti­ge Pu­bli­kum pla­nen kann, hier ein paar Hin­wei­se auf kom­men­de Kon­zert- und Opern­er­eig­nis­se im Netz undsoweiter.
Die Wie­ner Sym­pho­ni­ker – nicht zu ver­wech­seln mit den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern – strea­men auch im Fe­bru­ar auf ih­rer Face­book-Sei­te und ih­rer Web­site www​.wie​ner​sym​pho​ni​ker​.at die in­zwi­schen vier­te Staf­fel ih­rer Wohn­zim­mer­kon­zer­te. Dies­mal sind gleich zwei ehe­ma­li­ge Preis­trä­ger des Bam­ber­ger Mah­ler-Wett­be­werbs mit da­bei, die in­zwi­schen Kar­rie­re ge­macht ma­chen.  Am 5. Fe­bru­ar um 20.15 Uhr di­ri­giert Yoel Gamzou, För­der­preis­trä­ger 2007 und zu­letzt Di­ri­gent der Ur­auf­füh­rung des Cal­las-Abends von Ma­ri­na Abra­mo­vić an der Baye­ri­schen Staats­oper, ein Pro­gramm mit Wer­ken von We­ber, Ko­et­sier und Korn­gold und dem Tu­bis­ten Franz Wink­ler als So­lis­ten. Am 12. Fe­bru­ar um 20.15 Uhr folgt mit den Wie­ner Sän­ger­kna­ben und Lo­ren­zo Viot­ti ein kar­ne­val­es­kes Pro­gramm mit Ou­ver­tü­ren, Pol­kas und Wal­zern, am 19. Fe­bru­ar um 20.15 Uhr ist schließ­lich Oksa­na Ly­niv, 3. Preis­trä­ge­rin 2004 und im Fest­spiel­som­mer 2021 als „Holländer“-Dirigentin die ers­te Frau, die eine Fest­spiel­pro­duk­ti­on lei­tet, mit ei­nem Wag­ner-Pro­gramm so­wie  ei­nem Har­fen-Kon­zert von Clau­de De­bus­sy an der Rei­he. Apro­pos Bam­berg: Ak­tu­ell kön­nen bei den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern drei Kon­zer­te kos­ten­los ab­ge­ru­fen werden.
Opern­freun­de, die was Neu­es se­hen wol­len, ha­ben am 13. Fe­bru­ar die Qual der Wahl: So­wohl die Baye­ri­sche Staats­oper als auch die Staats­oper Un­ter den Lin­den strea­men live bzw. über­tra­gen auch im Fern­se­hen und Rund­funk Neu­in­sze­nie­run­gen. Wäh­rend die neue „Jen­u­fa“ aus Ber­lin (Re­gie: Da­mia­no Mi­chie­let­to, Di­ri­gent: Si­mon Ratt­le, mit Ca­mil­la Ny­lund in der Ti­tel­rol­le) auch nach dem 13. Fe­bru­ar in der 3sat-Me­dia­thek und bei Ra­dio­sen­dern zur Ver­fü­gung ste­hen dürf­te, kann die Münch­ner „Frei­schütz“-In­sze­nie­rung von Dmi­tri Tcher­nia­kov (der auch beim neu­en „Hol­län­der“ in Bay­reuth Re­gie führt) nur am 13. Fe­bru­ar ab 18.30 Uhr kos­ten­los ge­streamt wer­den. Es di­ri­giert An­to­nel­lo Ma­na­cor­da, auf der Be­setz­unglis­te steht un­ter an­de­rem Anna Pro­has­ka als Änn­chen, die ge­ra­de dem Ta­ges­spie­gel ein sehr aus­führ­li­ches In­ter­view ge­ge­ben hat hat – über Sin­gen in der Kri­se, ihre Lie­be zu Gruf­ties und Te­nor-Wit­ze. Nicht zu ver­ges­sen Glucks „Or­phée et Eu­ri­di­ce“ am 14. Fe­bru­ar um 19 Uhr live aus dem Opern­haus Zü­rich in ei­ner Neu­in­sze­nie­rung von Chris­toph Marthaler!
Und ger­ne ver­wei­se ich noch­mals auf die Neu­in­sze­nie­rung von Mo­zarts „Le cle­men­za di Tito“ am Salz­bur­ger Mo­zar­te­um: Man kann sich nach wie vor die span­nend in­sze­nier­te Pro­duk­ti­on (Re­gie: Alex­an­der von Pfeil) an­se­hen – mit jun­gen Sän­gern, die nicht nur we­gen ih­rer wun­der­bar in­tak­ten Stim­men das Zeug für eine er­folg­rei­che Lauf­bahn haben.

1., 2. und 3. Fe­bru­ar 2021: Un­ter dem Ti­tel „Wäls­un­gen­blut wird flie­ßen“ habe ich mich aus­führ­lich mit dem Bay­reu­ther Fest­spiel­pro­gramm 2021 und ei­ni­gen Per­so­na­li­en be­fasst. Nach­zu­tra­gen wäre dazu noch die aus­führ­li­che Vor­stel­lung von Ul­rich Ja­gels, der am 1. April von Hol­ger von Berg das Amt des kauf­män­ni­schen Ge­schäfts­füh­rers der Bay­reu­ther Fest­spie­le GmbH über­nimmt. Da­mit nie­mand glaubt, dass au­ßer dem Grü­nen Hü­gel und Wag­ner nichts für mich zählt, schwär­me ich Ih­nen al­len ger­ne vor, wie be­glü­ckend Clau­dio Mo­net­ver­dis „Or­feo“ in der halbsze­ni­schen Um­set­zung un­ter John Eli­ot Gar­di­ner ist, mit der er 2017 auf Tour­nee ging und die im Tea­tro La Fe­ni­ce auf­ge­zeich­net wur­de. Noch bis 6. Fe­bru­ar in der 3sat-Me­dia­thek!

30. und 31. Ja­nu­ar 2021: Der Spiel­plan der Bay­reu­ther Fest­spie­le 2021 ist raus, in der ös­ter­rei­chi­schen Ta­ges­zei­tung Die Pres­se hat Her­mann Nitsch schon sein ers­tes In­ter­view ge­ge­ben, das man per Ta­ges­pass in vol­ler Län­ge le­sen kann. Die Kern­bot­schaft lau­tet: Es wird zur kon­zer­tan­ten „Walküre“-Vorstellung un­ter Pie­ta­ri In­ki­nen (die drei­mal im Pro­gramm steht) auf der Büh­ne eine Nitsch-Mal­ak­ti­on ge­ben, an der zehn er­fah­re­ne Nitsch-Ak­teu­re ma­len, für Pro­zes­sio­nen und sons­ti­ge Ac­tion sor­gen. Nitsch im O-Ton: „Da­bei den­ke ich an senk­rech­te Flä­chen, an de­nen das gan­ze Farb­spek­trum in al­len Re­gen­bo­gen­far­ben her­un­ter­rinnt, so­wie an die waag­rech­te Flä­che der Büh­ne, wo eben­falls et­was statt­fin­den wird. Durch die Far­ben wer­de ich die Mög­lich­keit ha­ben, auf die Mu­sik ein­zu­ge­hen, de­ren gro­ßer Lieb­ha­ber ich bin, so far­big und sinn­lich wie sie ist.“ Die­je­ni­gen, die eine Kar­te be­kom­men, brau­chen also gar kei­ne Angst haben.
Dass An­dris Nel­sons wie­der als Fest­spiel­di­ri­gent wir­ken wird, hat als ers­te und noch vor Ver­öf­fent­li­chung des Spiel­plans Frei­tag Mit­tag Re­gi­na Ehm-Klier in der Pas­sau­er Neu­en Pres­se ge­mel­det. „Ich freue mich au­ßer­or­dent­lich“, zi­tiert die PNP Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner, „dass An­dris Nel­sons wie­der bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len zu er­le­ben ist. Die­ser Aus­nah­me­künst­ler zeich­net sich für mich durch sei­ne Lie­be zum Wagner’schen Werk und sei­ne kon­zen­trier­te Ar­beit, die aus­schließ­lich die mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät in den Mit­tel­punkt rückt, aus.“ Nel­sons soll nach den bei­den Wag­ner-Kon­zer­ten, die er im Fest­spiel­haus di­ri­giert, auch noch mit dem Fest­spiel­or­ches­ter auf Tour­nee ge­hen. Chris­ti­an Thiel­mann, Mu­sik­di­rek­tor der Fest­spie­le mit aus­ge­lau­fe­nem Ver­trag, wird mit dem Di­ri­gat ei­nes kon­zer­tan­ten „Par­si­fal“ am 10. Au­gust sei­nen ein­zi­gen Auf­tritt der Fest­spiel­sai­son 2021 in Bay­reuth ha­ben. Mehr In­fos zu al­lem lie­fert un­ter an­de­rem der Stan­dard. Und weil heu­te so viel aus Ös­ter­reich kommt, gebe ich ger­ne noch ei­nen Tipp für Mon­tag: Am 1. Fe­bru­ar um 19 Uhr streamt die Salz­bur­ger Uni­ver­si­tät Mo­zar­te­um eine Neu­in­sze­nie­rung von Mo­zarts „La cle­men­za di Tito“ in der In­sze­nie­rung des von mir hoch­ge­schätz­ten Re­gis­seurs Alex­an­der von Pfeil. Nur noch am Sams­tag und am Sonn­tag bis 15 Uhr streamt die Deut­sche Oper Ber­lin Alex­an­der von Zem­lin­skys Oper „Der Zwerg“ in der In­sze­nie­rung von To­bi­as Krat­zer, und der Hol­län­der aus der Met (nur noch bis Sams­tag Mit­ter­nacht) ist auch nicht zu ver­ach­ten … Schluss jetzt!

28. und 29. Ja­nu­ar 2021: Noch im Ja­nu­ar soll Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner den Spiel­plan be­kannt ge­ben, von dem man aus un­ter­schied­li­chen Pu­bli­ka­tio­nen schon ziem­lich viel, aber noch nicht je­des Bluts­tröpf­chen und i-Tüp­fel­chen weiß. Dazu ver­mut­lich bald mehr. In der Neu­en Zür­cher Zei­tung hat der­weil Wag­ner- und Bay­reuth-Ex­per­te Udo Bermbach das bis­he­ri­ge Rah­men­pro­gramm Dis­kurs Bay­reuth un­ter sei­ne Lupe ge­nom­men – ein Ar­ti­kel, der an­hand der bis­her er­schie­ne­nen drei Sym­po­si­um­s­bän­de auf­zeigt, wo­hin die Rei­se künf­tig ge­hen könn­te, soll­te, müss­te. Eben­falls aus Zü­rich kommt eine Per­so­na­lie, die laut Tag­blatt ei­ni­ge Rät­sel auf­gibt. Vom nicht nä­her de­fi­nier­ten Macht­miss­brauch des ei­nen ist der Weg zur se­xu­el­len Nö­ti­gung ei­nes an­de­ren nicht mehr weit: Die Abend­zei­tung Mün­chen be­rich­tet, dass der rechts­kräf­tig ver­ur­teil­te ehe­ma­li­ge Mu­sik­hoch­schul­prä­si­dent Sieg­fried Mau­ser ge­nau vor ei­nem Jahr sei­ne Frei­heits­stra­fe an­tre­ten soll­te, sich aber dank sei­nes ös­ter­rei­chi­schen Pas­ses und fin­di­ger Ad­vo­ka­ten im­mer noch auf frei­em Fuß im Nach­bar­land be­fin­det. Um schnell noch eine gute Nach­richt zu brin­gen, sei Strea­mern die Ham­bur­ger Ma­non emp­foh­len (bis 29. Ja­nu­ar, 18 Uhr). F.A.Z.-Kri­ti­ker Jür­gen Kes­ting kann sich zwar nicht mit Da­vid Böschs In­sze­nie­rung an­freun­den, die am 24. Ja­nu­ar 2021 ihre Geis­ter-Pre­mie­re hat­te, da­für aber umso mehr mit Elsa Drei­sig in der Titelrolle.

25., 26. und 27. Ja­nu­ar 2021: Eine Zu­sam­men­fas­sung des F.A.Z-Interviews mit Ka­tha­ri­na Wag­ner lie­fert jetzt auch BR-Klas­sik mit ei­nem Thie­le­mann-Fo­kus,  wäh­rend die Süd­deut­sche Zei­tung prompt und brand­ak­tu­ell den­sel­bi­gen ein biss­chen vom So­ckel hebt. Hat nicht erst jüngst noch SZ-Kri­ti­ker Rein­hard J. Brem­beck Thie­le­mann aus­drück­lich als den be­deu­tends­ten Di­ri­gen­ten sei­ner Ge­nera­ti­on be­zeich­net? Dass der brav auch von mir an­ge­kün­dig­te „Nabucco“-Live-Stream der Wie­ner Staats­oper mit Plá­ci­do Dom­in­go dann doch nicht rei­bungs­los ab­ge­lau­fen ist bzw. ab­lau­fen konn­te, habe ich schon im Nach­trag zu mei­nem Blog-Bei­trag ver­merkt. An­sons­ten ver­lin­ke ich dies­mal, weil am 27. Ja­nu­ar der in­ter­na­tio­na­le Ge­denk­tag an die Op­fer der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ist, ei­nen ak­tu­el­len BR-Bei­trag von An­to­nia Mo­rin über An­ti­se­mi­tis­mus in der Klas­sik so­wie die er­freu­li­che Nach­richt aus dem Kreis­bo­ten Gar­misch-Par­ten­kir­chen, die be­sagt, das Her­mann Levi, der jü­di­sche Di­ri­gent der „Parsifal“-Uraufführung, des­sen Grab­mal laut ei­ner Re­cher­che des Nord­baye­ri­schen Ku­riers durch Na­zis dem Erd­bo­den gleich­ge­macht wur­de, end­lich eine re­prä­sen­ta­ti­ve letz­te Ru­he­stät­te be­kom­men wird. Umso be­fremd­li­cher wir­ken da Be­rich­te aus Leip­zig, wo­nach der dor­ti­ge Ri­chard-Wag­ner-Ver­band Tei­le des in der NS-Zeit ge­plan­ten Wag­ner-Na­tio­nal­denk­mals von Bild­hau­er Emil Hipp, für das Hit­ler den Grund­stein leg­te, an­ge­kauft hat, um die „be­son­de­re Ge­schich­te der Wag­ner-Re­zep­ti­on in Leip­zig zu do­ku­men­tie­ren“. Was un­ter an­de­rem heißt, dass es dazu in zwei Jah­ren eine Aus­stel­lung ge­ben soll, die den his­to­ri­schen Kon­text be­leuch­tet. Die bei­den an­ge­kauf­ten Re­li­efs sol­len dar­über hin­aus, wie es laut BR-Ar­ti­kel heißt, „lang­fris­tig ge­se­hen – so wün­schen es zu­min­dest die Mit­glie­der des Leip­zi­ger Wag­ner-Ver­ban­des – dort auf­ge­stellt wer­den, wo es ein­mal vor­ge­se­hen war: auf dem Ge­län­de des nicht ver­wirk­lich­ten Denk­mals.“ Ehr­lich ge­sagt bin ich froh, dass ich nicht Mit­glied beim RWV Leip­zig bin, denn ich müss­te sonst so­fort mei­nen Aus­tritt erklären.

22., 23. und 24. Ja­nu­ar 2021: Bin heu­te sehr spät dran, weil ich mich et­was aus­führ­li­cher mit Plá­ci­do Dom­in­go be­schäf­tigt habe. Un­ter den ak­tu­el­len Kul­tur­nach­rich­ten macht heu­te das be­zahl­pflich­ti­ge In­ter­view von Jan Brach­mann mit Ka­tha­ri­na Wag­ner in der F.A.Z. das Ren­nen, das mit „Wir pla­nen schon jetzt mit zwei Or­ches­tern“ über­ti­telt ist. Die­se zwei Or­ches­ter wird es, wie die Fest­spiel­lei­te­rin aus­führt, ge­ben müs­sen, da­mit die Fest­spie­le im Fall ei­nes In­fek­ti­ons­ge­sche­hens auf das je­weils an­de­re zu­rück­grei­fen und die ge­plan­ten Vor­stel­lun­gen durch­füh­ren kön­nen. Ob der Chor im Chor­saal sin­gen und auf der Büh­ne dar­stel­le­risch er­setzt wer­den soll, ent­schei­det sich eben­falls nach der ak­tu­el­le Co­ro­na-Lage. Zum schon be­kann­ten ge­plan­ten Spiel­plan und den Be­set­zun­gen gibt es au­ßer ei­ni­gen Prä­zi­sie­run­gen zum Rah­men-Pro­gramm „Dis­kurs Bay­reuth“, der Kin­der-Oper und der Nen­nung von Te­nor At­ti­lio Gla­ser als Steu­er­mann in der „Holländer“-Neuinszenierung nichts Neu­es. Was die Mit­wir­kung von Her­mann Nitsch bei der Performance-„Walküre“, die Er­nen­nung von Ul­rich Ja­gels als Ge­schäfts­füh­rer und den Ver­trag mit Chris­ti­an Thie­le­mann be­trifft, ver­weist Ka­tha­ri­na Wag­ner ers­tens auf noch nicht un­ter­schrie­be­ne Ver­trä­ge, zwei­tens auf die noch aus­ste­hen­de for­ma­le Be­stä­ti­gung der Ge­sell­schaf­ter und drit­tens auf die auch we­gen ih­rer Er­kran­kung und der dring­li­che­ren Co­ro­na-Si­tua­ti­on lan­ge auf­ge­scho­be­ne und noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Neu­re­ge­lung des Ver­trags mit dem Mu­sik­di­rek­tor, was eine kom­ple­xe Sa­che sei, „bei der vie­le Din­ge wie Ti­tel und Auf­ga­ben ab­ge­stimmt wer­den müs­sen.“ Dass schon der Ti­tel per se eine kom­ple­xe An­ge­le­gen­heit sein kann, mag über­ra­schen. Aus­drück­lich be­stä­tigt sie aber: „Wir wol­len bei­de un­be­dingt zu­sam­men wei­ter­ma­chen. Das steht über­haupt nicht in Frage.“
Klar er­freu­lich hin­ge­gen liest sich, dass in Sa­chen Fa­mi­li­en­ar­chiv we­nigs­tens zwei vor­mals kon­kur­rie­ren­de Fa­mi­li­en­zwei­ge ein­an­der of­fen­bar wie­der nä­her ge­kom­men sind. Zu­min­dest sie als Er­bin von Wolf­gang Wag­ner so­wie Daph­ne, Nike und Wum­mi, also Wolf-Sieg­fried, als Er­ben Wie­land Wag­ners sei­en sich dar­in ei­nig ge­we­sen, die er­erb­ten Nach­läs­se der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen. Man kön­ne aber – ge­meint sein dürf­ten da in ers­ter Li­nie die Er­ben der 2019 ver­stor­be­nen letz­ten Wag­ner-En­ke­lin Ve­re­na Laf­fer­entz, in de­ren Be­sitz sich un­ter an­de­rem die Kor­re­spon­den­zen von Sieg­fried Wag­ner und des­sen Wit­we und Hit­ler-Freun­din Wi­ni­f­red Wag­ner be­fin­den – nie­man­den dazu zwin­gen, ge­nau das eben­falls zu tun. Man kön­ne nur im­mer wie­der an die Ver­nunft der Er­ben ap­pel­lie­ren, die Do­ku­men­te her­aus­zu­ge­ben. Dass es da­bei auch um Geld ge­hen könn­te, ver­neint Ka­tha­ri­na Wag­ner ganz ent­schie­den – zu­min­dest für sich und die Wieland-Kinder.

19., 20. und 21. Ja­nu­ar 2021: Die span­nen­de Fra­ge, ob im Fest­spiel­som­mer 2021 am Grü­nen Hü­gel das Wäls­un­gen­blut à la Her­mann Nitsch flie­ßen wird, kön­nen auch se­riö­se ös­ter­rei­chi­sche Me­di­en wie der Stan­dard nicht ein­deu­tig klä­ren, son­dern nur die Fest­spiel­lei­te­rin. Und sie wird sich of­fen­bar erst dazu äu­ßern, wenn die Ver­trä­ge un­ter Dach und Fach sind. Vor­sichts­hal­ber er­gän­ze ich mei­nen Tipp vom 17. Ja­nu­ar: Wahr­schein­lich wird der an­ge­kün­dig­te Per­for­mance-Künst­ler, der die ge­plan­ten drei halb­kon­zer­tan­ten „Walküre“-Vorstellungen auf­pep­pen soll und hin­ter dem ich nach wie vor den schon ein­schlä­gig ein­ge­ar­bei­te­ten Si­mon Steen-An­der­sen ver­mu­te, mit Vi­de­os ar­bei­ten und hat wo­mög­lich un­ter an­de­rem bei Nitsch ein Vi­deo an­fra­gen las­sen (was un­schwer des­sen „Mit­wir­kung“ an der Pro­duk­ti­on er­klä­ren könn­te). Na­tür­lich hat der 82-jäh­ri­ge Nitsch die Ge­le­gen­heit ge­nutzt, sich als Wag­ner­fan zu outen und den Wunsch aus­zu­spre­chen, auch ein­mal in Bay­reuth Re­gie zu füh­ren, wäh­rend er sei­ne Frau bei der ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten­agen­tur APA ak­tu­ell wie folgt de­men­tie­ren ließ: „Von In­sze­nie­ren ist kei­ne Rede“, sag­te Rita Nitsch. Kann auch schlecht sein, denn die „Walküre“-Neuinszenierung ob­liegt be­kannt­lich Va­len­tin Schwarz, der den kom­plet­ten „Ring“ co­ro­nabe­dingt erst 2022 in der Aus­stat­tung von An­drea Coz­zi her­aus­brin­gen wird. So oder so: Man darf ge­spannt sein! Schließ­lich hat Ka­tha­ri­na Wag­ner schon im De­zem­ber an­ge­kün­digt, dass sich 2021 die Fest­spie­le im Rah­men von Dis­kurs Bay­reuth mit den wei­te­ren „Ring“-Teilen aus­ein­an­der­set­zen wer­den: „Je­der soll die Mög­lich­keit ha­ben, sich selbst als der jun­ge Sieg­fried zu füh­len und eine Be­geg­nung mit dem Dra­chen zu er­le­ben.“ Na bit­te, Drachenblut!

17. und 18. Ja­nu­ar 2021: Die Mel­dung des ös­ter­rei­chi­schen News-Ma­ga­zin, wo­nach der 82-jäh­ri­ge Ak­ti­ons­künst­ler Her­mann Nitsch bei der dies­jäh­ri­gen „Walküre“-Produktion der Bay­reu­ther Fest­spie­le mit­wir­ken wer­de, hat pas­sen­der­wei­se un­ter an­de­rem beim BR gleich das Blut in Wal­lung ge­bracht. Doch ge­mach! Der ORF, der si­cher die ver­läss­li­che­re Quel­le ist als News-Ge­rüch­te-Spe­zia­list Heinz Sich­row­sky, re­la­ti­viert die Ex­klu­siv-Nach­richt gleich mehr­fach. Und ehr­lich ge­sagt: Wenn über­haupt, dann wäre Nitsch eher für „Par­si­fal“ ge­eig­net. Was den von Ka­tha­ri­na Wag­ner an­ge­kün­dig­ten Per­for­mance-Künst­ler für die „Wal­kü­re“ be­trifft, tip­pe ich aus na­he­lie­gen­den Grün­den auf Si­mon Steen-An­der­sen. An­sons­ten ist die Lage welt­weit wei­ter­hin für ech­te Live-Zu­schau­er ziem­lich opern-, kon­zert und thea­ter­frei – bis auf we­ni­ge Aus­nah­men. In Eu­ro­pa lässt der­zeit nur Spa­ni­en auf­hor­chen, bei uns mel­den die Häu­ser zum Teil schon jetzt Schließ­zei­ten bis Os­tern, auch wenn eine Un­ter­su­chung im Kon­zert­haus Dort­mund an­de­re Er­geb­nis­se ge­zei­tigt hat, die al­ler­dings nur für die dor­ti­gen Ge­ge­ben­hei­ten gel­ten. Der­weil lässt die Wie­ner Staats­oper vor­sichts­hal­ber schon mal ihre Be­su­cher ab­fra­gen, ob sie vor ei­nem Be­such auch ei­nen Co­ro­na-Schnell­test ma­chen wür­den, nach­dem der ös­ter­rei­chi­sche Gas­tro­nom, Ver­an­stal­ter und Start-Up-Grün­der Hen­nes Weiss ein ent­spre­chen­des Sys­tem vor­ge­stellt hat. Die Mög­lich­kei­ten wei­ter­den­ken kann jetzt je­der sel­ber. Mei­ne ak­tu­el­le Stream-Emp­feh­lung ist für den 18. Ja­nu­ar um 20.15 Uhr im Live­stream das jüngs­te Mon­tags­stück der Baye­ri­schen Staats­oper, ein „raf­fi­nier­tes Hy­brid und ge­ra­de des­halb prä­de­sti­niert für eine Neu­vor­stel­lung in die­sen hy­bri­den Zeiten“.

14., 15. und 16. Ja­nu­ar 2021: Auch TVO hat sich jetzt dem Vor­stoß von Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters ge­wid­met. Be­mer­kens­wert an dem Be­richt ist vor al­lem die schrift­li­che Stel­lung­nah­me von Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner auf die Fra­ge, ob sie die Bay­reu­ther Fest­spie­le da­durch in Fra­ge ge­stellt sieht: „Nein. Ganz im Ge­gen­teil. Frau Grüt­ters be­tont den in­ter­na­tio­na­len Stel­len­wert der Fest­spie­le, die pro­gram­ma­ti­sche Neu­auf­stel­lung mit dem ‚Dis­kurs Bay­reuth‘ als Po­di­um der Fest­spie­le für Ur­auf­füh­run­gen, Kon­zer­te und Ge­sprä­che und si­chert da­mit den Fort­be­stand, in­dem sie die Struk­tu­ren an die heu­ti­gen Be­dürf­nis­se an­pas­sen möch­te.“ Gut zu­rück­ge­brüllt, Lö­win! Der ak­tu­el­le Be­richt dazu aus der Lo­kal­zei­tung Nord­baye­ri­scher Ku­rier hat eine Bezahlschranke.
Wie un­ter­schied­lich die Re­ak­tio­nen auf Per­so­nal­ent­schei­dun­gen im Kul­tur­be­reich sein kön­nen, lässt sich nach­voll­zie­hen an den Kom­men­ta­ren zur Er­nen­nung von Si­mon Ratt­le  zum Chef­di­ri­gen­ten des BR-Sym­pho­nie­or­ches­ters – mit Jan Brach­mann in der F.A.Z., Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und dem gar von ei­ner Lie­bes­hei­rat schwär­men­den Rein­hard J. Brem­beck auf SZ­Plus. Letz­te­rer ver­tritt die streit­ba­re An­sicht, Ratt­le sei ne­ben Chris­ti­an Thie­le­mann „der be­deu­tends­te Di­ri­gent sei­ner Ge­nera­ti­on“. Thie­le­mann? War da nicht noch was? Hängt die sich auf­fal­lend hin­zie­hen­de Ver­trags­ver­län­ge­rung oder -be­en­di­gung nicht doch da­mit zu­sam­men, wer künf­tig in Bay­reuth das Sa­gen ha­ben soll? Fra­gen über Fragen.
Auch wenn der­zeit aus ge­ge­be­nen Grün­den CNN bei mir je­den noch so at­trak­ti­ven Opern­stream aus­sticht – die Im­peach­ment-Sit­zung im Re­prä­sen­tan­ten­haus war eine bei­spiel­lo­se po­li­ti­sche Lehr­stun­de – gebe ich ger­ne noch die Emp­feh­lung, sich bei Ge­le­gen­heit un­be­dingt „Car­lo il Cal­vo“ (Karl, der Kah­le) von Ni­co­là An­to­nio Por­po­ra in der stim­mi­gen In­sze­nie­rung von Max Ema­nu­el Cenčić in der BR Me­dia­thek (bis 2.1.2022) an­zu­se­hen. Ich durf­te die lu­xu­ri­ös be­setz­te Auf­füh­rung mit 199 wei­te­ren glück­li­chen Kar­ten­be­sit­zern im Mark­gräf­li­chen Opern­haus  er­le­ben, und es war in 2020 für mich das Opern­er­eig­nis des Jah­res. Üb­ri­gens wur­de die Pro­duk­ti­on auch beim fran­zö­si­schen In­ter­net­por­tal Fo­rum­ope­ra zur In­sze­nie­rung des Jah­res ge­wählt. Der Kurz­text dazu we­gen ei­ni­ger sprach­li­cher Fein­hei­ten im Ori­gi­nal:  On at­ten­dait avec im­pa­ti­ence la ré­ou­ver­tu­re de ce joyau qu’est l’Opéra des Mar­gra­ves à Bay­reuth. Qu’un fes­ti­val de mu­si­que ba­ro­que y trouve sa ré­si­dence ne man­quait déjà pas de sel dans la Je­ru­sa­lem wag­né­ri­en­ne, mais qu’une pro­duc­tion ré­so­lu­ment mo­der­ne ré­u­nis­sant une dis­tri­bu­ti­on flam­boyan­te vi­en­ne éclip­ser la Col­li­ne sa­crée, voi­là qui mé­ri­tait bien un trophée!

11., 12. und 13. Ja­nu­ar 2021: Axel Brüg­ge­mann, Au­tor und streit­ba­rer Kom­men­ta­tor bei Cre­scen­do, hat sei­nen Win­ter­ur­laub end­gül­tig be­en­det und geht in sei­nem mon­täg­li­chen Wo­chen­kom­men­tar mit ei­ni­gen Neu­ig­kei­ten gleich in die Vol­len. Ers­tens hat er sich mit Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters über de­ren Be­weg­grün­de für eine „ra­di­ka­le Bay­reuth-Re­form“ münd­lich und schrift­lich aus­ge­tauscht; zwei­tens nennt er als Nach­fol­ger für den Pos­ten des nicht ver­län­ger­ten (kauf­män­ni­schen) Ge­schäfts­füh­rers der Fest­spiel-GmbH Ul­rich Na­gels, ak­tu­ell noch Ver­wal­tungs­di­rek­tor der Oper Leip­zig; drit­tens mut­maßt er, dass Noch-Ge­schäfts­füh­rer Hol­ger von Berg an­geb­lich von Uwe Eric Lau­fen­berg ans Staats­thea­ter Wies­ba­den ge­holt wer­den soll. Letz­te­res ist am ehes­ten zu be­zwei­feln, denn von Berg hat eine Rück­kehr­op­ti­on beim Frei­staat Bay­ern. Über ei­nen an­de­ren Ru­mor am Grü­nen Hü­gel be­rich­tet Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur, der das neue Buch von Te­nor Pjotr Be­cza­la ge­nau ge­le­sen hat, wäh­rend Wag­ner-He­roi­ne Wal­traud Mei­er, die am Sams­tag ih­ren 65. Ge­burts­tag fei­er­te, sich auf BR Klas­sik im Ge­spräch mit Bern­hard Neu­hoff nicht nur an Hö­he­punk­te in ih­rer Lauf­bahn er­in­nert, son­dern auf die ak­tu­el­len Nöte von Sän­gern auf­merk­sam macht. Die könn­ten noch län­ger dau­ern, wenn man liest, wie Klaus Le­de­rer, der Ber­li­ner Kul­tur­se­na­tor und Chef der Kul­tur­mi­nis­ter­kon­fe­renz, die Lage auf Deutsch­land­funk Kul­tur ein­schätzt. Ach Bay­reuth, ach Corona!

8., 9. und 10. Ja­nu­ar 2021: Dass die Nach­rich­ten­la­ge mit Blick auf Ame­ri­ka in­zwi­schen noch düs­te­rer als oh­ne­hin ist, er­wäh­ne ich nur des­halb, da­mit nie­mand glaubt, ich pfleg­te nur hin­ge­bungs­voll mein kul­tu­rel­les Lock­down­syn­drom. An­sons­ten hat sich in Sa­chen der Fest­spiel­struk­tur-Kri­tik von Staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters als SWR-Ko­lum­nist Axel Brüg­ge­mann ge­mel­det, be­kannt­lich ein In­ti­mus von Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner. Von den Fak­ten her bringt er – bis auf die ak­tu­el­len Äu­ße­run­gen von Chris­ti­an Thie­le­mann – vie­les, was hin­ter ei­ner Be­zahl­schran­ke schon Re­gi­na Ehm-Klier am 30. De­zem­ber 2020 in der Pas­sau­er Neu­en Pres­se be­rich­tet hat. An­sons­ten nimmt er wie im­mer kein Blatt vor den Mund. Die Kri­tik an Grüt­ters hal­te ich für be­rech­tigt, eine über­zeu­gen­de Be­grün­dung, war­um die Mi­nis­te­rin, die sich mo­men­tan mit drän­gen­de­ren  Pro­ble­men be­fas­sen soll­te, die­se „Ne­bel­ker­ze“ los­ge­las­sen hat, lie­fert dis dato nie­mand. Ob die un­ge­klär­te Mu­sik­di­rek­to­ren­fra­ge da­bei eine Rol­le spielt? Da ich nicht weiß, wie das wird, gebe ich lie­ber noch ei­nen Hin­weis auf eine Rück­schau. Te­re­sa An­d­reae vom ORF be­rich­tet über eine Aus­stel­lung der Ti­ro­ler Me­di­en­künst­le­rin Car­men Bru­cic in der Inns­bru­cker Ga­le­rie Tho­man, die Chris­toph Schlin­gen­sief zeigt, wie ihn nur we­ni­ge kann­ten – ru­hig und nachdenklich.

5., 6. und 7. Ja­nu­ar 2021: Kei­ne gu­ten Nach­rich­ten, egal wo­hin man schaut – ob an der New Yor­ker Met, wo In­ten­dant Pe­ter Gelb im In­ter­view mit dem Deutsch­land­funk Aus­kunft gibt, oder hier­zu­lan­de, wo un­ter an­de­rem die Mu­sik­ver­la­ge zu kämp­fen ha­ben, wie Max Nyffel­ler in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung be­rich­tet. Dass auch ein Arzt im Ru­he­stand ins Co­ro­na-Ge­sche­hen in­vol­viert wird, be­schreibt ein­dring­lich mein Vor­stands­kol­le­ge Dr. Jür­gen Grö­bel – mit prak­ti­schen Impf­erfah­run­gen und ent­spre­chen­dem Ap­pell. Wenn ich jetzt den­noch auf Opern­streams über­lei­te, dann nur des­halb, weil wie Opern­freun­de schlicht­weg dank­bar sein soll­ten, dass so­wohl die Met in New York als auch die Wie­ner Staats­oper täg­lich wech­selnd und kos­ten­los kom­plet­te Opern­auf­zeich­nun­gen an­bie­ten. Ver­mut­lich wer­de ich, weil ich den Wie­ner „Ring“ schon im ers­ten Lock­down (mit et­was an­de­rer Be­set­zung) hat­te, mir dies­mal „Die Sa­che Ma­kro­pou­los“ un­ter Ja­kub Hruša nicht ent­ge­hen lassen …

2., 3. und 4. Ja­nu­ar 2021: Nen­nens­wert Neu­es gibt es nicht, au­ßer daß der Blu­men­schmuck beim Neu­jahrs­kon­zert aus Wien be­son­ders üp­pig aus­fiel und das Neu­jahrs­kon­zert aus Ve­ne­dig mit Mas­ken­pflicht für alle nicht bla­sen­den Mu­si­ker et­was Ge­spens­ti­sches hat­te. „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“ von der Ko­mi­schen Oper Ber­lin  an­stel­le der no­to­ri­schen „Fle­der­maus“ wa­ren zum Jah­res­wech­sel üb­ri­gens eine ech­te Al­ter­na­ti­ve, die al­ler­dings ge­trübt wird durch die sehr schwan­ken­de Ton­qua­li­tät (was wahr­schein­lich dar­an liegt, dass es sich nur um eine haus­in­ter­ne Auf­zeich­nung han­delt, die man für Be­set­zungs­än­de­run­gen braucht). Es lohnt sich aber trotz­dem, schon we­gen der un­glaub­li­chen Sän­ger­dar­stel­le­rin Ni­co­le Che­va­lier – und we­gen der In­sze­nie­rung. Nicht nur für Kos­ky-Fans ein Muß!
War­um die Süd­deut­sche Zei­tung aus­ge­rech­net Hel­mut Mau­ró mit der Kri­tik zum neu­en Wag­ner­buch von Alex Ross be­auf­tragt hat? Hmm. Schwer zu sa­gen. Da bräuch­te man ei­nen Whist­leb­lower aus der Redk­ti­ons­kon­fe­renz, und den habe ich nicht. Ich bin erst auf Sei­te 237 (von 766 Sei­ten ohne An­hang und Fuß­no­ten, die im­mer­hin noch­mal stol­ze 134 Sei­ten um­fas­sen!) und fin­de das Buch bis­her aus­ge­spro­chen span­nend, weil es ei­nen Blick von au­ßen und da­her vie­le auch mir un­be­kann­te De­tails ver­mit­telt, die das Gros der Wag­ner­bü­cher von deutsch­spra­chi­gen Au­toren eben nicht bietet.
Bleibt noch mein Strea­ming-Tipp: Ob­wohl das „Rhein­gold“ aus der Wie­ner Staats­oper lockt, blei­be ich am 2. Ja­nu­ar Phil­ip­pe Jor­dan und sei­nem kon­zer­tan­ten Pa­ri­ser „Ring“ treu und höre mir ab 20 Uhr auf Fran­ce mu­si­que die „Göt­ter­däm­me­rung“ an. Man kann den gan­zen „Ring“ an­schlie­ßend für ei­nen Mo­nat noch nachhören.

31. De­zem­ber 2020 und 1. Ja­nu­ar 2021: Fast hät­te ich die Nach­rich­ten­la­ge der letz­ten Tage des Jah­res 2020 kom­plett mit der Süd­deut­schen Zei­tung be­strit­ten – also ers­tens mit dem er­wart­bar nur „frei­staats­tra­gen­den“ Ar­ti­kel von Rein­hard J. Brem­beck, zwei­tens mit der  kur­zen dpa-Mel­dung zur Re­ak­ti­on von Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner auf die Äu­ße­run­gen von Staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters und drit­tens mit „Büh­ne frei für Kri­tik“, dem kul­tur­po­li­tisch re­le­van­ten Kom­men­tar von Kia Vah­land. Er­freu­li­cher­wei­se hat Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur sich nicht nur auf Äu­ße­run­gen an an­de­rer Stel­le be­ru­fen, son­dern schnell ein ak­tu­el­les In­ter­view mit Ka­tha­ri­na Wag­ner ge­führt, das jetzt zwar nicht an ers­ter Stel­le steht, aber ge­le­sen wer­den soll­te. Viel Neu­es steht nicht drin, aber es sind  O-Töne der Fest­spiel­lei­te­rin und kei­ne Mut­ma­ßun­gen. Wo­bei man letz­te­re an­ge­sichts ih­rer sehr ge­schick­ten Ant­wort auf die letz­te Fra­ge durch­aus an­stel­len woll­te … Ach was! Zum Jah­res­wech­sel ste­hen vie­le Opern­freun­de eher vor der kniff­li­gen Ent­schei­dung, ob der „Fledermaus“-Stream aus Wien oder aus Frank­furt kom­men soll. Da ich in Bam­berg lebe, zie­he ich lie­ber „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“ von der Ko­mi­schen Oper Ber­lin rein, denn da gibt es den Ti­tel­hel­den nicht nur des Cham­pa­gners we­gen gleich drei­fach. Was will man mehr für ei­nen hof­fent­lich gu­ten Rutsch?

28., 29. und 30. De­zem­ber 2020: Die eine Spit­zen­mel­dung zu Bay­reuth reicht: Mo­ni­ka Grüt­ters, die Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en, stellt die Struk­tu­ren der Wag­ner-Fest­spie­le in Fra­ge. Den kom­plet­ten Text des ak­tu­el­len dpa-Be­richts hat un­ter an­de­rem der Nord­baye­ri­sche Ku­rier on­line ge­stellt, auf des­sen Home­page es – hof­fent­lich nur tem­po­rär we­gen Co­ro­na! – die Ka­te­go­rien Kul­tur und Fest­spie­le nicht mehr gibt.  Wenn ich mal forsch in die Zu­kunft bli­cken darf: Am Ende könn­te es dar­auf hin­aus­lau­fen, dass die Fest­spie­le baye­ri­sche Staats­fest­spie­le und da­mit letzt­lich das wer­den, was Kö­nig Lud­wig II. im­mer woll­te. Mehr sog i ned!
Wer den Auf­takt zum Ende No­vem­ber, An­fang De­zem­ber neu auf­ge­zeich­ne­ten Radio-„Ring“ aus Pa­ris ver­passt hat, kann „Das Rhein­gold“ samt Vor­ab­infos und In­ter­view mit Di­ri­gent Phil­ip­pe Jor­dan auf Fran­ce mu­si­que nach­hö­ren. Und am heu­ti­gen Mon­tag Abend um 20 Uhr geht es wei­ter (Le di­rect-Pfeil ganz oben, den di­rek­ten Link gibt es noch nicht oder ich fand ihn nicht … ) mit der at­trak­tiv be­setz­ten „Wal­kü­re“. Es lohnt sich be­stimmt, mit der Ein­schrän­kung viel­leicht, dass man plötz­lich hört, dass die jahr­zehn­te­lan­gen Bay­reuth-Über­tra­gun­gen des Baye­ri­schen Rund­funks ein auf­nah­me­tech­ni­sches und klang­äs­the­ti­sches Ni­veau zur Fol­ge hat­ten und ha­ben, das der enor­men Dy­na­mik ge­ra­de von Wag­ner­vor­stel­lun­gen ziem­lich un­ver­gleich­lich ge­recht wird. Sei’s drum: Am 30. De­zem­ber folgt um 20 Uhr „Sieg­fried“, u.a. mit An­dre­as Schager in der Ti­tel­rol­le, Ger­hard Sie­gel als Mime, Iain Pa­ter­son als Wan­de­rer, Jo­chen Schme­cken­be­cher als Al­be­rich, Ri­car­da Mer­beth als Brünn­hil­de.

24., 25., 26. und 27. De­zem­ber 2020: Ech­te neue Nach­rich­ten aus Bay­reuth gibt es dies­mal nicht, nur Nach­mel­dun­gen ge­wis­ser­ma­ßen. Denn ers­tens tei­len die Fest­spie­le auf ih­rer Home­page mit, dass der kom­men­de Spiel­plan nicht schon, wie an­ge­kün­digt,  zum Jah­res­en­de, son­dern erst im Ja­nu­ar be­kannt ge­ge­ben wer­den soll. Und zwei­tens hat sich Chris­ti­an Thie­le­mann über ein lan­ges Spie­gel-In­ter­view (mit Be­zahl­schran­ke) und ei­nen Be­richt der Deut­schen Pres­se-Agen­tur für den wo­mög­lich aus­lau­fen­den Pos­ten als Mu­sik­di­rek­tor der Fest­spie­le noch­mals in Er­in­ne­rung ge­bracht. Der ent­schei­den­de Satz auf An­fra­ge der dpa vom 23. De­zem­ber lau­tet: „Die Bay­reu­ther Fest­spie­le be­ab­sich­ti­gen, ei­nen neu­en Ver­trag mit Chris­ti­an Thie­le­mann ab­zu­schlie­ßen. Die Auf­ga­ben und der sich dar­aus er­ge­ben­de Ti­tel be­fin­den sich noch in Klä­rung.“ Das kann al­les hei­ßen oder auch nichts. Was Axel Brüg­ge­mann, ein In­ti­mus von Ka­tha­ri­na Wag­ner dazu schreibt, kann man auf Cre­scen­do fin­den. Man darf ge­spannt sein, wer sich am Ende durch­setzt: die Fest­spiel­lei­te­rin, die wunsch­ge­mäß ab April oh­ne­hin ei­nen neu­en (männ­li­chen oder weib­li­chen) Ge­schäfts­füh­rungs­kol­le­gen be­kom­men wird und an­geb­lich auch mit Thie­le­mann in den letz­ten Jah­ren nicht mehr gut konn­te, oder der Ver­wal­tungs­rat der Fest­spiel GmbH, in dem die Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth durch den Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org von Wal­den­fels eine ziem­lich mäch­ti­ge Stim­me hat, die gleich­zei­tig auch für die Kul­tur­po­li­tik im Frei­staat Bay­ern spre­chen könn­te. Und nicht ver­ges­sen: Am 26. De­zem­ber um 20 Uhr be­ginnt der kon­zer­tan­te Pa­ri­ser „Ring“ auf Ra­dio Fran­ce Mu­si­que, den man dort im Ta­ges­pro­gramm fin­det. Es lohnt sich, auch wenn man sich ei­nen wag­ner­gstähl­ten BR-Ton­meis­ter da­für ge­wünscht hätte.

21., 22. und 23. De­zem­ber 2020: Die jüngs­te Nach­richt aus Bay­reuth über Ste­fan Mi­ckisch ist  in­halt­lich bri­sant und wirft ein be­zeich­nen­des Licht auf das, was man jour­na­lis­ti­sche Sorg­falt nennt. Es be­gann mit ei­ner se­riö­sen kur­zen Mel­dung von Ra­dio Main­wel­le am 15. De­zem­ber, die vier Tage spä­ter et­was über­ar­bei­tet auf BR Klas­sik er­schien, lei­der zum Schlech­te­ren. Denn der si­cher gut be­zahl­te Münch­ner Sitz­re­dak­teur goo­gel­te zwar flei­ßig, re­di­gier­te aber sein Halb- bzw. Nicht­wis­sen über die Ver­hält­nis­se in Bay­reuth mit hin­ein. Dass der „Grü­ne Hü­gel“ und die Vil­la Wahn­fried struk­tu­rell und in den Zu­stän­dig­kei­ten zwei Paar Stie­fel sind, weiß  die­ser BR-Jour­na­list of­fen­bar nicht. Hin­ge­gen hat Ro­man Kocholl vom Nord­baye­ri­schen Ku­rier die am 20. De­zem­ber on­line ge­stell­te Sto­ry sau­ber und aus­führ­lich re­cher­chiert. So geht gu­ter Jour­na­lis­mus! Und es ist er­freu­lich, dass der NK die­sen Ar­ti­kel nicht hin­ter der Be­zahl­schran­ke ver­steckt hat. Dank­bar bin ich selbst­ver­ständ­lich auch Sven Fried­rich, der mit sei­ner Face­book-Re­ak­ti­on die Sa­che ins Rol­len ge­bracht und dazu im NK sag­te: „Wenn die Ver­nünf­ti­gen im­mer die Klap­pe hal­ten und sa­gen: lass die mal re­den, dann darf man sich nicht wun­dern, dass zu­min­dest der Ein­druck ent­steht, dass die Voll­idio­ten die Deu­tungs­ho­heit über­nom­men ha­ben. Ich ge­hö­re zu de­nen, die sa­gen: Man muss dem or­ga­ni­sier­ten Schwach­sinn auch et­was ent­ge­gen­hal­ten dür­fen.“ Bei der Ge­le­gen­heit ger­ne noch ein Schwenk zu Pia­nist Igor Le­vit und ei­nem ge­wich­ti­gen neu­en Ein­trag im Bad­Blog­of­Mu­sick zu Le­vit, Mau­ró und die Münch­ner Musikhochschule.

18., 19. und 20. De­zem­ber 2020: Bei der Ber­li­ner „Lohengrin“-Neuproduktion auf Arte Con­cert muss­te erst nach­ge­bes­sert wer­den, aber er ist jetzt bis 12. Ja­nu­ar zu ha­ben. Un­ter den mit at­trak­ti­ven Be­set­zun­gen neu ein­stu­dier­ten Alt-Pro­duk­tio­nen könn­te für mich heu­te am 18. De­zem­ber um 18 Uhr der kos­ten­lo­se Live-Stream der al­ten Otto Schenk-In­sze­nie­rung vom Strauss’schen „Ro­sen­ka­va­lier“ aus der Wie­ner Staats­oper das Ren­nen ma­chen, denn ers­tens di­ri­giert Phil­ip­pe Jor­dan, und auch die So­lis­ten­be­set­zung kann sich se­hen und hö­ren las­sen. Wer als An­wen­der noch nicht re­gis­triert ist, fin­det hier alle In­fos. Die Kon­kur­renz ist heu­te al­ler­dings groß, denn auch das SZ-Be­ne­fiz­kon­zert des BR Sym­pho­nie­or­ches­ters un­ter Her­bert Blom­stedt mit der wun­der­ba­ren Ju­lia Lezhne­va auf BR Klas­sik kommt als Live-Stream. Die wich­tigs­ten Co­ro­na-Nach­rich­ten kom­men für mich heu­te wie so oft von Mar­kus Thiel aus dem Münch­ner Mer­kur, aus der Nürn­ber­ger Zei­tung von Tho­mas Heinold, nicht zu ver­ges­sen der Kom­men­tar von Eric Gu­jer aus der NZZ.

15., 16. und 17. De­zem­ber 2020: Es darf ge­ra­ten wer­den, war­um die Ber­li­ner „Lo­hen­grin“-Neu­pro­duk­ti­on an­ders als an­ge­kün­digt auf Arte Con­cert am 15. De­zem­ber um 10 Uhr (noch?) nicht als Vi­deo-on-De­mand ver­füg­bar ist. Es könn­te dar­an ge­le­gen ha­ben, dass ers­tens die Ton­qua­li­tät im Ver­gleich zu an­de­ren ähn­li­chen Auf­zeich­nun­gen der jüngs­ten Zeit deut­lich schlech­ter aus­fiel, und zwei­tens der zu­min­dest im 1. und 2. Akt (den 3. Akt woll­te ich ur­sprüng­lich strea­men) fast je­den Ton an­schlei­fen­de Ro­ber­to Alagna in der Ti­tel­rol­le ein­fach eine zu her­be Ent­täu­schung war. Sei’s drum. Ein paar Kri­ti­ker ha­ben sich die hal­be oder gan­ze Nacht des­we­gen um die Oh­ren ge­hau­en, dar­un­ter Ma­nu­el Brug in der Welt, Kai Lührs-Kai­ser für rbb und Pe­ter P. Pachl in der Neu­en Mu­sik-Zei­tung.
Ein­deu­tig wich­ti­ger sind mir die Neu­ig­kei­ten in Sa­chen Münch­ner Mu­sik­hoch­schu­le. Was dazu schon vor fast zwei Jah­ren im Spie­gel stand, lohnt sich auch jetzt noch zu le­sen. Der ak­tu­el­le Pro­zess ge­gen Pro­fes­sor Hans-Jür­gen von Bose en­de­te, wie die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet, mit ei­nem Frei­spruch – und dazu die ak­tu­el­len, sehr aus­führ­li­chen und be­den­kens­wer­ten An­mer­kun­gen von Mo­ritz Eg­gert in sei­nem Bad-Boy-Blog.

12., 13. und 14. De­zem­ber 2020: Zwar fragt man sich, war­um die TV- und On­line-Pre­mie­re der Ber­li­ner Lo­hen­grin-Neu­pro­duk­ti­on der Staats­oper Un­ter den Lin­den am 13. De­zem­ber nur zeit­ver­setzt ab 22.20 Uhr zu ha­ben sein soll, aber wir kön­nen uns ja alle vor­neh­men, heu­te Nacht sehr spät ins Bett zu ge­hen, da­mit wir dann mor­gen Nacht auch noch was vom 3. Akt mit­krie­gen. Grund­sätz­lich aber las­se ich das Mau­len ger­ne sein und freue mich auf die Pro­duk­ti­on nicht nur der So­lis­ten we­gen. Die Welt lie­fert dazu ein In­ter­view mit Ro­ber­to Alagna, dem Ti­tel­prot­ago­nis­ten mit Rol­len­de­büt, das al­ler­dings vor ge­rau­mer Zeit ge­macht wur­de, als für Elsa noch die zwi­schen­zeit­lich er­krank­te Sonya Yon­che­va auf dem Be­set­zungs­zet­tel stand und nicht Ein­sprin­ge­rin Vida Mikne­vičiū­tė. Wei­te­re So­lis­ten der In­sze­nie­rung von Ca­lix­to Bi­ei­to sind u. a. René Pape als Kö­nig Hein­rich, Mar­tin Gant­ner als Telra­mund und Eka­te­ri­na Gu­ba­no­va als Or­trud. Es spielt, wie Ma­ria Os­sow­ski auf rbb schreibt, eine re­du­zier­te  (d.h. co­ro­na­ge­si­cher­te) Staats­ka­pel­le Ber­lin un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von Mat­thi­as Pint­scher, der Chor darf in vol­ler Grö­ße auf der Hin­ter­büh­ne sin­gen. Wer vor­her noch Ka­pa­zi­tä­ten frei hat, könn­te wahl­wei­se „Ma­ha­gon­ny“ aus der Met mit Te­re­sa Stra­tas und As­trid Var­nay rein­zie­hen – oder mit vor­he­ri­ger An­mel­dung live aus der Wie­ner Staats­oper ab 19 Uhr „Tos­ca“ mit Netreb­ko-Ey­va­zov. Da Opern­freun­de noch län­ger auf Er­satz­lö­sun­gen an­ge­wie­sen sind, könn­ten sie sich auch für den Plan des ita­lie­ni­schen Kul­tur­mi­nis­ter Da­rio Fran­ce­schi­ni in­ter­es­sie­ren, über den die F.A.Z. be­rich­tet. Ob die di­gi­ta­len An­ge­bo­te al­ler­dings auch alle loh­nen? Na ja, beim Ring-Er­satz aus Las Ve­gas habe ich ein paar Zweifel.

Ein Tipp für alle, die Ge­naue­res über die Co­ro­na-Impf­stof­fe wis­sen wol­len, die auf uns zu­kom­men: Die Eu­ro­pean Me­di­ci­nes Agen­cy (EMA) ver­an­stal­tet am Frei­tag, 11. De­zem­ber ab 13 Uhr eine On­line-In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zur Ent­wick­lung, Er­pro­bung und dem Zu­las­sungs­pro­zess der Impfstoffe.

11. De­zem­ber 2020: Heu­te nur ganz kurz: Die bei­den wich­tigs­ten Fest­spie­le ha­ben die Wei­chen für ih­ren Co­ro­na-Som­mer ge­stellt. Was in Bay­reuth kom­men soll, ist dem um­fas­sen­den dpa-Be­richt aus dem Do­nau­ku­rier zu ent­neh­men, dass sich auch fi­nan­zi­ell et­was ge­tan hat, lie­fert ohne Be­zahl­schran­ke, da­für jour­na­lis­tisch holp­rig das Bay­reu­ther Tag­blatt. In Salz­burg soll es min­des­tens Zwei-Drit­tel-Fest­spie­le ge­ben, was laut der Süd­deut­schen Zei­tung zu­min­dest theo­re­tisch wun­der­voll wer­den könn­te. Al­les Wei­te­re dann morgen …

8., 9. und 10. De­zem­ber 2020: Gleich vor­ab zur Er­öff­nungs-Gala der Mai­län­der Sca­la: Wer will, kann sie heu­te Abend (8.12., 19.05 Uhr) auf BR Klas­sik im Ra­dio hö­ren, wer kann, soll­te den drei­stün­di­gen Abend auf Arte Con­cert ge­le­gent­lich strea­men, denn es gibt auch was zu gu­cken (bis 6. Juni 2021 ver­füg­bar). Ei­ner­seits ist be­ein­dru­ckend, wie das Mu­sik­thea­ter in Ita­li­en sei­ne ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz auch ohne Pu­bli­kum mit ei­ner in Re­kord­tem­po rea­li­sier­ten Ad-hoc-TV-Pro­duk­ti­on zu be­haup­ten weiß, an­de­rer­seits wird das im­po­nie­ren­de Auf­ge­bot an Opern­stars nach mei­ner Mei­nung be­schä­digt durch den auch sze­nisch un­ver­ant­wort­li­chen Auf­tritt von Plá­ci­do Dom­in­go, der ein­fach nicht auf­hört und im­mer noch auf will­fäh­ri­ge In­ten­dan­ten trifft, die of­fen­bar lie­ber ei­nem in wirk­lich je­der Hin­sicht al­ten Mann die Büh­ne öff­nen als dem zahl­rei­chen bes­ser sin­gen­den Nach­wuchs. Um Auf­tritts­mög­lich­kei­ten geht es auch ei­ner Rei­he pro­mi­nen­ter Künst­ler, die un­ter dem Mot­to „Auf­ste­hen für die Kunst“ ver­su­chen, ju­ris­tisch et­was ge­gen die Thea­ter­schlie­ßun­gen zu un­ter­neh­men. Ein Mus­ter­bei­spiel da­für, dass in Bay­reuth die Uh­ren an­ders ge­hen als in Salz­burg, ist die brand­ak­tu­el­le Nach­rich­ten­la­ge zu den Fest­spie­len. Wäh­rend die Ös­ter­rei­cher am 10. De­zem­ber ihr Pro­gramm für den Som­mer 2021 vor­stel­len wol­len, gibt es aus Ober­fran­ken nur den in­halt­lich un­er­gie­bi­gen Ver­such in der Lo­kal­zei­tung (mit  Be­zahl­schran­ke), Ant­wor­ten dar­auf zu be­kom­men, was im nächs­ten Som­mer wird. Im­mer­hin, das Ti­tel­zi­tat passt: „Wag­ne­ria­ner sind zäh“.

5., 6. und 7. De­zem­ber 2020: Lei­der war die „Falstaff“-Onlinepremiere aus der Baye­ri­schen Staats­oper in mei­nen Au­gen sze­nisch ein Rein­fall – und mit ih­rer furcht­bar auf­ge­setz­ten Corona-Schluss-„Lösung“ auch für die Oh­ren schlicht­weg em­pö­rend. Mehr mag ich dazu nicht schrei­ben, son­dern gebe er­gän­zend Links zu Kri­ti­ken, die wie im­mer durch­aus zu un­ter­schied­li­chen Er­geb­nis­sen kom­men: Fran­zis­ka Stürz auf BR Klas­sik, Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und Mi­cha­el Bas­ti­an Weiß in der Münch­ner Abend­zei­tung. Das Vi­deo-on-De­mand ist ab so­fort für 14,90 Euro auf Staats­oper-TV zu ha­ben, kos­ten­los zu hö­ren ist die­ser „Fal­staff“ kom­plett nach wie vor auf BR Klas­sik. Und gleich noch­mal die Münch­ner Abend­zei­tung, wo Ro­bert Braun­mül­ler über die ak­tu­el­le Lage der Staats­thea­ter und das Er­geb­nis des Pi­lot­pro­jekts am Na­tio­nal­thea­ter und dem Münch­ner Gas­teig berichtet.
Wo­mit wir auch schon beim Kon­zert­le­ben an­ge­langt wä­ren, zu dem ich heu­te ger­ne drei In­fos bei­steue­re. Ers­tens bie­ten die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker am 5. De­zem­ber 2020 um 20 Uhr im Live­stream ein Kon­zert un­ter der Lei­tung von Chris­toph Eschen­bach mit Mo­zarts Haff­ner-Sym­pho­nie, Pou­lencs  Or­gel­kon­zert (So­list: Chris­ti­an Schmitt) so­wie mit der „Or­gel­sym­pho­nie“ von Ca­mil­le Saint-Saёns. Und zwei­tens lei­tet Her­bert Blom­stedt, der mit sei­nen 92 Jah­ren auf­fal­lend um­trie­bi­ge Eh­ren­di­ri­gent der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker, am 18. De­zem­ber um 20.30 Uhr im Münch­ner Her­ku­les­saal ein Be­ne­fiz­kon­zert mit Chor und Sym­pho­nie­or­ches­ter des Baye­ri­schen Rund­funks , das eben­falls live ge­streamt und ge­sen­det wird und als So­lis­ten Chris­ti­an Imm­ler, Til­man Lich­di und die wun­der­ba­re So­pra­nis­tin Ju­lia Lezhne­va auf­bie­tet, welch letz­te­re in ei­nem In­ter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung den Di­ri­gen­ten schon vor­ab ein biss­chen in den Him­mel ge­ho­ben hat. Und drit­tens kön­nen Kon­zert­freun­de, die beim pu­bli­kums­lo­sen, aber welt­weit über­tra­ge­nen Neu­jahrs­kon­zert der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker als Ap­plau­die­ren­de in­ter­ak­tiv mit­wir­ken wol­len, sich, wie der ORF be­rich­tet, für ih­ren akus­ti­schen Bei­trag anmelden.
Zum Ni­ko­laus­tag ver­wei­se ich ger­ne noch auf den ent­spre­chen­den Ein­trag aus mei­nem Wag­ner­jahr-Blog von 2013, auf den 216. Ge­burts­tag von Wil­hel­mi­ne Schrö­der-De­vri­ent und auf mei­nen ak­tu­el­len Ta­ge­buch-Ad­vents­ka­len­der auf die­ser Web­site. Und schließ­lich, weil Re­gis­seur Ja­kob Pe­ters-Mes­ser ein­fach ein Kön­ner ist und ich au­ßer­dem seit ih­rem Ers­t­enga­ge­ment in Nürn­berg ein Fan von Ma­ri­na Pru­den­ska­ya (Azu­ce­na) bin, noch ein Hin­weis auf den ge­kürz­ten „Tro­va­to­re“ aus Leip­zig, der viel­leicht nur bis Mon­tag ab­ruf­bar ist.

2., 3. und 4. De­zem­ber 2020: Bei­na­he wäre dies­mal der Welt-Aids-Tag (WAT) bei mir un­ter­ge­gan­gen, nach­dem ich mir auch noch ei­nen Co­si­ma-Ta­ge­buch-Ad­vents­ka­len­der auf­ge­halst habe. Aber dank Ha­rald Schnei­der, dem rüh­ri­gen Chor­lei­ter, Mu­sik­leh­rer und Vor­stands­mit­glied beim RWV Bam­berg, tra­ge ich des­sen Link zu den von ihm or­ga­ni­sier­ten WAT-Kon­zer­ten in Bam­berg schon des­halb ger­ne nach, weil in den Au­dio-Häpp­chen aus den ver­gan­ge­nen zwan­zig Jah­ren un­ter an­de­rem Arnd Rühl­mann ver­tre­ten ist, auf den ich in die­ser Ko­lum­ne erst kürz­lich hin­ge­wie­sen habe. Der ak­tu­el­le baye­ri­sche Kul­tur­preis­trä­ger war im WAT-Kon­zert 2007 eine preis­ver­däch­ti­ge „Hexe“ von Ge­org Kreis­ler. An­sons­ten steht für mich am 2. De­zem­ber na­tür­lich die „Falstaff“-Online-Premiere aus der Baye­ri­schen Staats­oper an. Könn­te ein tol­ler Abend wer­den, wenn man Eg­bert Tholl und der von ihm in­ter­view­ten Ai­lyn Pé­rez als Ali­ce Ford glaubt! Üb­ri­gens streamt (sie­he wei­ter un­ten in der Über­sicht) in­zwi­schen auch das Gärt­ner­platz­thea­ter und – reiz­vol­ler noch – die Oper von Nea­pel, wo ge­ra­de eine „Ca­val­le­ria rusti­ca­na“ mit Jo­nas Kauf­mann und Eli­na Ga­ran­ca auf­ge­zeich­net wird, die an der Wie­ner Staats­oper in der „Parsifal“-Inszenierung von Ki­rill Se­rebren­ni­kow als Kund­ry de­bü­tie­ren wird (Pre­mie­re für 1. April 2021 geplant).

30. No­vem­ber und 1. De­zem­ber 2020: Nicht nur die An­ge­bo­te an Live­streams und Vi­de­os-on-De­mand ha­ben deut­lich zu­ge­nom­men, so­gar im nor­ma­len Fern­se­hen gibt es plötz­lich Mu­sik­thea­ter nicht nur mit Ari­en-Ga­las. Das Opern­haus Zü­rich hat am Wo­chen­en­de auf 3sat und auf Arte mit „I Ca­pu­leti e i Mon­tec­chi“ und „Si­mon Bocca­ne­gra“ gleich zwei Auf­zeich­nun­gen im Pro­gramm, aus der Baye­ri­schen Staats­oper wird ge­streamt, was das Zeug hält: Am 30. No­vem­ber um 20.15 Uhr die ak­tu­el­le Auf­zeich­nung der ur­alten In­sze­nie­rung von Gia­co­mo Puc­ci­nis „La Bo­hè­me“ mit Jo­nas Kauf­mann und Ra­chel Wil­lis-Sø­ren­sen in den Haupt­rol­len, am 2. De­zem­ber um 19 Uhr folgt die Neu­in­sze­nie­rung von Giu­sep­pe Ver­dis „Fal­staff“. So­gar die Oper Köln setzt neu­er­dings auf Prä­senz via In­ter­net. Und kein Wag­ner? Doch doch. In die­ser Wo­che der se­hens­wer­te „Par­si­fal“ aus der New Yor­ker Met. Und wie­der­um auf Arte am 3. Ad­vent eine „Lo­hen­grin“-Neu­in­sze­nie­rung aus der Ber­li­ner Staats­oper Un­ter den Lin­den im Fern­se­hen mit Ro­ber­to Alagna in der Ti­tel­rol­le, von dem man sich na­tür­lich wünscht, dass er in­zwi­schen an sei­nen Deutsch­kennt­nis­sen ge­feilt hat! Wei­ter un­ten wei­te­re Tipps in der stän­dig ak­tua­li­sier­ten Über­sicht. Was die Weih­nachts­zeit  ohne Mu­sik und Thea­ter be­deu­tet, kom­men­tiert Ma­ria Os­sow­ski auf BR Klas­sik.

27., 28. und 29. No­vem­ber 2020: Die län­ge­ren Schlie­ßun­gen von Opern­häu­sern sind kei­ne Aus­nah­me mehr: Die Staats­oper Stutt­gart bleibt bis Ende Ja­nu­ar zu, wei­te­re wer­den fol­gen. Zur ak­tu­el­len Lage gibt Pe­ter Jung­blut auf BR24 ei­nen Über­blick, die tie­fe­ren Ein­sich­ten zum Lock­down lie­fert Bernd Feucht­ner im Ta­ges­spie­gel. Eben­dort gibt es wie­der Strea­ming-Tipps, die Wie­ner Zei­tung bie­tet un­ter dem grif­fi­gen Ti­tel „Not-Oper auf dem Note­book“ eine Über­sicht. Wäh­rend Chris­ti­an Thie­le­mann sich mal wie­der durch ein In­ter­view in Er­in­ne­rung bringt – sein Ver­trag als Mu­sik­di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le harrt nach wie vor der Ver­län­ge­rung oder Nicht-Ver­län­ge­rung –, gibt es we­nigs­tens po­si­ti­ve Nach­rich­ten für Bay­reuth: Der Bund hat für die Fest­spiel­haus­sa­nie­rung wei­te­re 89 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung ge­stellt. Was jetzt laut Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org von Wal­den­fels fehlt, sind wei­te­re Fi­nanz­zu­sa­gen aus Bay­ern. Man darf ge­spannt sein, wel­che Krö­ten da noch zu schlu­cken sind.

25. und 26. No­vem­ber 2020: Für alle, die sich noch nicht ge­nau­er mit der Neu­fas­sung des In­fek­ti­ons­schutz­ge­set­zes be­fasst ha­ben, sei die Stel­lung­nah­me vom Deut­schen Kul­tur­rat nach­ge­reicht. Im­mer­hin  wer­den Kul­tur­ein­rich­tun­gen nicht mehr mit Frei­zeit­ein­rich­tun­gen in ei­nen Topf ge­wor­fen. Was spe­zi­ell der baye­ri­sche Kunst­mi­nis­ter zur ak­tu­el­len Lage zu sa­gen hat, ist ei­ner De­bat­te im SZ Kul­tur­sa­lon mit Bernd Si­bler zu ent­neh­men. In der Pan­de­mie-Pra­xis ge­hen in­zwi­schen im­mer mehr Häu­ser dazu über, ak­tu­el­le Auf­füh­run­gen von Kon­zer­ten und Opern ohne Pu­bli­kum auf­zu­zeich­nen und zu strea­men. Mit da­bei sind ge­ra­de auch zwei Di­ri­gen­tin­nen: Oksa­na Ly­niv, die im kom­men­den Fest­spiel­som­mer mit dem „Flie­gen­den Holländer„in Bay­reuth de­bü­tie­ren soll, hat am Frei­tag mit dem BR-Sym­pho­nie­or­ches­ter ein Geis­ter­kon­zert be­strit­ten, das auf BR Klas­sik Con­cert ab­ruf­bar ist, Joana Mall­witz wird am Sams­tag mit Franz Schu­berts gro­ßer C-Dur-Sym­pho­nie beim Kon­zert­haus­or­ches­ter in Ber­lin de­bü­tie­ren; der Live­stream star­tet am 28. No­vem­ber um 20.15 Uhr. Be­mer­kens­wert auch das nächs­te Mon­tags­stück der Baye­ri­schen Staats­oper: Die ur­alte Otto-Schenk-In­sze­nie­rung von Gia­co­mo Puc­ci­nis „La Bo­hè­me“ aus dem Jahr 1969 wird ak­tu­ell mit Jo­nas Kauf­mann als Ro­dol­fo und Ra­chel Wil­lis-Sø­ren­sen als Mimì un­ter As­her Fish  auf­ge­zeich­net und am 30. No­vem­ber um 20.15 Uhr kos­ten­los ge­streamt. Und am 2. De­zem­ber um 19 Uhr folgt im kos­ten­lo­sen Live­stream die Neu­in­sze­nie­rung von Giu­sep­pe Ver­dis „Fal­staff“ mit Wolf­gang Koch in der Ti­tel­rol­le (Di­ri­gent: Mi­che­le Ma­riot­ti, Re­gie: Ma­te­ja Ko­lež­nik); bei­de Opern sind an­schlie­ßend für 30 Tage noch kos­ten­pflich­tig als Vi­deo-on-De­mand zu ha­ben. Für Fans von Jo­nas Kauf­mann kann es üb­ri­gens gleich am 4. De­zem­ber wei­ter­ge­hen: Das Tea­tro San Car­lo in Nea­pel streamt Pie­tro Mas­ca­g­nis „Ca­val­le­ria rusti­ca­na“ mit Kauf­mann als Tur­ri­du und Elī­na Ga­ranča als San­tuz­za un­ter Di­ri­gent Ju­raj Valčuha

23. und 24. No­vem­ber 2020: Es gab gute Grün­de, war­um ich zum Ver­lei­hungs­vi­deo des Kul­tur­prei­ses Bay­ern (sie­he 14. und 15. No­vem­ber) Zeit­fens­ter ge­lie­fert habe, denn die Ver­an­stal­tung war ins­ge­samt ein­fach nur brä­sig. Was man von der di­gi­ta­len Prä­sen­ta­ti­on zum Faust-Preis nicht be­haup­ten kann. Im Ge­gen­teil: Es lohnt sich, die kom­plet­te Ver­an­stal­tung an­zu­schau­en. Aber Vor­sicht! Man kriegt noch mehr Sehn­sucht da­nach, end­lich wie­der in ein Thea­ter oder Opern­haus ge­hen und eine ech­te Vor­stel­lung er­le­ben zu kön­nen. Dass man in der Zwi­schen­zeit mehr in Bü­cher gu­cken soll­te, rät Elke Hei­den­reich in der Süd­deut­schen Zei­tung. In der heu­ti­gen SZ fin­det sich au­ßer­dem eine zwei­spra­chig ab­ge­druck­te Pre­zio­se von Fitz­ge­rad Kusz, die Glos­se auf der Bay­ern­sei­te ist auch ganz nett, al­ler­dings stimmt es ver­wun­der­lich, dass Au­tor Ma­xi­mi­li­an Gerl sich den größ­ten Bei­rut-Bay­reuth-Klas­si­ker ver­kneift. Oder kennt er etwa die Faf­ner­kopf-Ge­schich­te von 1876 nicht? Ne­ben­an in Nürn­berg sorgt sich Joana Mall­witz nach dem Kon­zert­haus-Aus um die kul­tu­rel­le Zu­kunft der Stadt, wei­ter weg hat das Opern­haus Zü­rich bis 2. Ja­nu­ar alle Vor­stel­lun­gen ab­ge­sagt und er­gänzt sein Strea­ming-An­ge­bot um zwei TV-Aus­strah­lun­gen An­fang De­zem­ber (sie­he wei­ter un­ten). Auch die Pa­ri­ser Oper muss­te er­neut ihre Plä­ne än­dern. Der für 23. No­vem­ber an­ge­kün­dig­te Be­ginn der Auf­zeich­nung und Rund­funk­aus­strah­lung des we­nigs­tens kon­zer­tan­ten Rings  wur­de mit Um­be­set­zun­gen auf Ende De­zem­ber, An­fang Ja­nu­ar ver­scho­ben. Da kann man sich we­nigs­tens schon jetzt auf die Fei­er­ta­ge freuen.

20., 21. und 22. No­vem­ber 2020: Zum Wo­chen­en­de hier zu­nächst eine klei­ne Fort­set­zung zum The­ma Mann­schaft – eben­falls nau­tisch und kom­plett fuß­ball­frei. Am 24. Sep­tem­ber 1871 hör­ten die Wag­ners in Trib­schen aus der Fer­ne un­er­klär­li­che Ka­no­nen­schüs­se, tags dar­auf no­tier­te Co­si­ma in ih­rem Tagebuch:
Die Ka­no­nen­schüs­se be­deu­te­ten den Un­ter­gang ei­nes Dampf­schif­fes bei­na­he dicht vor uns­rem Hau­se; zwei Schif­fe sind an­ein­an­der ge­kom­men, und das kleins­te ist in Grund ge­bohrt wor­den. Be­zeich­nend ist es, daß nur die Pas­sa­gie­re sol­len er­trun­ken sein und daß Ka­pi­tän und Mann­schaft sich ge­ret­tet hätten.
Am Ende ih­res Ein­trags über den wei­te­ren Ta­ges­ab­lauf er­gänz­te sie noch, dass zwei Frau­en bei dem Dampf­schiff­un­glück um­ge­kom­men sei­en. Umso er­freu­li­cher klingt da eine ak­tu­el­le Po­li­zei-Mel­dung aus Lu­zern, die be­sagt, dass die Hun­de-Frei­lauf­zo­ne um das Trib­sche­ner Horn end­lich fer­tig­ge­stellt ist – ein um­strit­te­nes Pro­jekt, das es bis zu ei­ner Be­schwer­de beim schwei­ze­ri­schen Bun­des­ge­richt in Lau­sanne brach­te. Was Hun­de­freund Wag­ner dar­über ge­dacht hät­te, kann sich je­der sel­ber ausmalen.
Was die ak­tu­el­le Co­ro­nalage für den Bal­tha­sar-Neu­mann-Chor und sein In­stru­men­tal­ensem­ble be­deu­tet, er­läu­tert de­ren Chef Tho­mas Hen­gel­brock in ei­nem NDR-In­ter­view, das vor­läu­fi­ge Aus für den neu­en Kon­zert­saal in Nürn­berg kom­men­tiert Ur­su­la Adam­ski-Stör­mer auf BR-Klas­sik. Bleibt für die­ses Wo­chen­en­de noch die tröst­li­che Nach­richt, dass die Ber­li­ner Staats­oper Un­ter den Lin­den ab heu­te ein Ba­rock­ta­ge-Wo­chen­en­de mit drei kos­ten­lo­sen Opern­vi­de­os ab je­weils 19.30 Uhr für 24 Stun­den anbietet.

18. und 19. No­vem­ber 2020: Nein, über das gest­ri­ge Fuß­ball­spiel las­se ich mich lie­ber an an­de­rer Stel­le aus. Um das oh­ne­hin Un­er­freu­li­che noch zu stei­gern, sei mit Nach­druck dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch die Münch­ner Mu­sik­hoch­schu­le für ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len gut ist. Nach den end­lo­sen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den ehe­ma­li­gen, rechts­kräf­tig we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung zu ei­ner Ge­fäng­nis­stra­fe ver­ur­teil­ten Prä­si­den­ten Sieg­fried Mau­ser gibt es ei­nen neu­er­li­chen Tief­punkt mit ei­nem Prot­ago­nis­ten aus dem Lehr­kör­per des In­sti­tuts: Ak­tu­ell steht der Kom­po­nist und ehe­ma­li­ge Pro­fes­sor Hans-Jür­gen von Bose we­gen se­xu­el­len Miss­brauchs vor Ge­richt. Die Süd­deut­sche Zei­tung stellt in dem Zu­sam­men­hang so­gar die Fra­ge, ob es an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter un­ter Mau­ser ein Sys­tem des Macht­miss­brauchs gab; das seit 1957 ge­nutz­te Haupt­ge­bäu­de an der Ar­cis­stra­ße ist oh­ne­hin ver­seucht, war es doch der „Füh­rer­bau“ in NS-Zei­ten. Auch im Deutsch­land­funk Kul­tur wird nach­ge­hakt, ob an die­ser In­sti­tu­ti­on nicht noch bis in jün­ge­re Zei­ten eine „Kul­tur des Se­xis­mus“ an der Ta­ges­ord­nung war. Bes­se­re Nach­rich­ten gibt es hof­fent­lich dann übermorgen.
Nur zur Er­in­ne­rung: Nicht nur Fans von Clau­dia Mahn­ke soll­ten sich schon bis spä­tes­tens Don­ners­tag Abend den Stream von Her­zog Blau­barts Burg aus Stutt­gart an­se­hen, denn am Frei­tag um 19 Uhr kommt aus Wien Otto Schenks le­gen­dä­re „Rosenkavalier“-Inszenierung in ei­ner Auf­füh­rung von 1994 un­ter Car­los Kleiber.

16. und 17. No­vem­ber 2020: Wie un­ter­schied­li­che Künst­ler auf den zwei­ten Lock­down re­agie­ren, prä­sen­tiert die Süd­deut­sche Zei­tung in ei­ner Se­rie, die zu le­sen sich lohnt. An­sons­ten ist die Lage hier­zu­lan­de mo­men­tan eher ru­hig. Wo­mit der ge­neig­te Le­ser Zeit hat für den län­ge­ren Kom­men­tar zur Ex­tra­wurst der Kul­tur­na­ti­on von Det­lef Bran­den­burg in der Deut­schen Büh­ne, oder Muße für Vi­de­os, mit de­nen die F.A.Z. in  an ver­ges­se­ne Thea­ter­stü­cke er­in­nert, oder für die Bes­ten­lis­te der Schall­plat­ten­kri­tik aus der Neu­en Mu­sik-Zei­tung. Bleibt noch der Hin­weis auf zwei neue Wo­chen­pro­gram­me zum Strea­men in New York und Wien (wei­ter un­ten in der Auf­lis­tung) so­wie ein lu­xu­riö­ses Mon­tags­stück der Baye­ri­schen Staats­oper: 16. No­vem­ber 2020, 20.15 Uhr, kos­ten­los im Live­stream: The­ma Zu­eig­nung, u.a. mit Lie­dern von Ri­chard Strauss, prä­sen­tiert von Dia­na Damrau, Klaus Flo­ri­an Vogt und dem Baye­ri­schen Staats­or­ches­ter un­ter As­her Fish.

14. und 15. No­vem­ber 2020: Über den Son­der­preis für Joana Mall­witz beim Kul­tur­preis Bay­ern hat BR24 ein klei­nes Vi­deo on­line ge­stellt, die kom­plet­te di­gi­ta­le Ver­lei­hung mit Kurz­por­träts und Stel­lung­nah­men der Aus­ge­zeich­ne­ten fin­den Sie hier – auch des­halb, weil die ober­pfäl­zi­sche Preis­trä­ge­rin Sän­ge­rin Chris­ta May­er ist (bei ca. 53:15) und der ober­frän­ki­sche Preis­trä­ger, der Schau­spie­ler, Klein­künst­ler, Au­tor, Thea­ter­lei­ter und Re­gis­seur Arnd Rühl­mann aus Bam­berg (Rühl­mann bei ca. 59:58, Mall­witz bei 1:18:55). Rühl­mann kriegt von mir üb­ri­gens ei­nen un­do­tier­ten Son­der­preis, denn bei der Fra­ge nach sei­nem größ­ten Wunsch nann­te er die „Ab­schaf­fung des Pa­tri­ar­chats“. Dan­ke, Arnd! Für wen, war­um und wo es für Kul­tur­schaf­fen­de Geld vom Staat gibt, hat ak­tu­ell BR Klas­sik zu­sam­men­ge­fasst, die kri­ti­sche Fra­ge nach der Sys­tem­re­le­vanz von Kul­tur stell­te Ka­rin Cer­ny im Ma­ga­zin Pro­fil. Eben­falls aus Ös­ter­reich kommt die Mel­dung, dass die Salz­bur­ger Fest­spie­le vor­sichts­hal­ber ihre Pro­gramm­prä­sen­ta­ti­on auf frü­hes­tens Mit­te De­zem­ber ver­scho­ben ha­ben – und mein Bild des Tages:

Das ist ein wun­der­ba­rer Be­weis da­für, dass Mo­dell­ei­sen­bahn­freun­de auch opern- und wag­ner­af­fin sein kön­nen. Mein Dan­ke­schön da­für geht in den Wie­ner­wald zu Er­win Mes­ser und Ul­ri­ke Mes­ser-Krol. Wer wis­sen will, wel­ches Opern­haus da nach­ge­baut wur­de, kann es mor­gen beim On­line-Mer­ker er­fah­ren! (Foto: Er­win Mes­ser). Üb­ri­gens lohnt es sich, in der un­ten ste­hen­den Lis­te zu scrol­len. Es gibt u.a. neue Streams aus Han­no­ver, Rom und Stuttgart

12. und 13. No­vem­ber 2020: Auf BR Klas­sik kann man nach­le­sen, wie der Ver­fas­sungs­recht­ler Die­ter Grimm den Kul­tur-Lock­down sieht. Und in der „jetzt red i“-Sen­dung vom Mitt­woch Abend im Baye­ri­schen Fern­se­hen stell­ten sich Bernd Si­bler, Baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter für Kunst und Wis­sen­schaft (CSU), und Ju­li­an Nida-Rü­me­lin, Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie und ehem. Kul­tur­staats­mi­nis­ter (SPD), den Fra­gen, For­de­run­gen und Wün­schen von Künst­lern und Pu­bli­kum. Die kom­plet­te Sen­dung zum The­ma „Wenn der Vor­hang fällt – Stirbt die Kul­tur in der Co­ro­na-Kri­se?“ kann man on­line nach­ver­fol­gen. We­nigs­tens im Live­stream dür­fen Kon­zert­freun­de am Frei­tag die Bam­ber­ger Sym­po­niker er­le­ben: Am 13. No­vem­ber 2020 um 20 Uhr spielt das Or­ches­ter un­ter der Lei­tung von Her­bert Blom­stedt Bruck­ners Sym­pho­nie Nr. 8. Das Kon­zert wird live von Me­di­ci TV über­tra­gen, der kos­ten­lo­se Live­stream ist auf Web­site der Sym­pho­ni­ker auf­ruf­bar. Wei­te­re Kon­zert­streams sind angekündigt.

11.11.2020: Was für ein Da­tum! Si­cher ha­ben sich das vie­le Hei­rats­wil­li­ge auch ge­dacht, die jetzt höchs­tens noch eine XXXS-Hoch­zeit fei­ern kön­nen. Aber im­mer­hin gibt es seit ges­tern den Impf­stoff-Licht­streif am Co­ro­na-Ho­ri­zont. Wäh­rend die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker auf Qua­ran­tä­ne-Tour­nee in Ja­pan ge­nui­ne Kon­zert­auf­trit­te mit Pu­bli­kum ha­ben, spielt sich hier­zu­lan­de al­les er­satz­wei­se ab: Die Staats­ka­pel­le Ber­lin un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im be­strei­tet am Sonn­tag ein Be­ne­fiz-Kon­zert ohne Pu­bli­kum mit Wer­ken von Beet­ho­ven und An­drás Schiff als So­lis­ten, das auf den Web­sites der Staats­oper Un­ter den Lin­den und dem Sen­der rbb live ge­streamt und tags dar­auf um 23.45 Uhr auch im rbb-Fern­se­hen ge­sen­det wird. Mit den Streams und Sen­dun­gen wird dazu auf­ge­ru­fen, zu Guns­ten frei­schaf­fen­der Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker an den Not­hil­fe­fonds der Deut­schen Or­ches­ter-Stif­tung zu spenden.
Auch das Opern­haus Zü­rich streamt wie­der und stellt an drei  Wo­chen­en­den noch­mals sei­ne drei Pro­duk­tio­nen on­line, die An­fang Sep­tem­ber 2020 auf­ge­zeich­net und mit ei­nem um­fang­rei­chen Vor- und Pau­sen­pro­gramm ver­se­hen wur­den. Wer da­mals „Bo­ris Go­dunow“ mit Mi­cha­el Vol­le in der Ti­tel­rol­le ver­passt hat, kann das von Frei­tag, 13. No­vem­ber ab 18 Uhr bis Sonn­tag, 15. No­vem­ber 24 Uhr nach­ho­len. Es lohnt sich ga­ran­tiert auch ein zwei­tes Mal, denn die­se In­sze­nie­rung von Bar­rie Kos­ky ist eben­falls ein gro­ßer Wurf. Nicht zu ver­ges­sen „Don Gio­van­ni“ aus Bar­ce­lo­na, eine „klas­si­sche“ In­sze­nie­rung von Chris­tof Loy (bis 15. November) …

9. und 10. No­vem­ber 2020: Der „fürch­ter­li­che Cau­che­mar“ – so be­schrieb  Ri­chard Wag­ner am 3. Ok­to­ber 1855 an Franz Liszt sei­ne durch­aus kon­kre­ten Plä­ne, für län­ge­re Zeit des Gel­des we­gen nach Ame­ri­ka zu ge­hen – ist aus­ge­stan­den, die alb­traum­haf­ten Co­ro­na­zah­len sind ge­blie­ben. Im­mer­hin kann man sich kos­ten­los zu­rück­bea­men in jene Zei­ten, als die Opern-Welt scheint’s noch ganz heil war: Auf der Start­sei­te der New Yor­ker Met ist nur heu­te Otto Schenks reich­lich mu­sea­le, aber den­noch se­hens­wer­te und ziem­lich phä­no­me­nal be­setz­te „Meis­ter­sin­ger“-In­sze­nie­rung in ei­ner Auf­füh­rung von 2014 zu fin­den. Wer ger­ne streamt: Cre­scen­do hat ein neu­es Kul­tur­por­tal on­line ge­stellt, das beim Su­chen und Fin­den hilft, glei­ches gilt für ei­nen Ar­ti­kel über Streams aus Opern­häu­sern der Emi­lia Ro­ma­gna aus der Wie­ner Ta­ges­zei­tung Die Pres­se.
Der be­kannt­lich kul­tu­raf­fi­ne An­walt Pe­ter Raue, der un­ter an­de­rem die In­ter­es­sen von Eva Wag­ner-Pas­quier ver­trat, als es um die Nicht-Ver­län­ge­rung ih­res Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags ging, hat sich un­ter dem Ti­tel „Das Kul­tur­ver­bot ist kra­chend rechts­wid­rig“ in ei­ner Ko­lum­ne der BZ zum Teil-Lock­down ge­äu­ßert. Sehr un­ter­schied­li­che Kul­tur­schaf­fen­de kom­men in der neu­en Se­rie Büh­ne? Frei! der SZ zu Wort; heu­te ist es der Bam­ber­ger Schrift­stel­ler Mar­tin Bey­er. Bei der Ge­le­gen­heit sei auch noch auf eine schö­ne Kri­tik des ak­tu­ell letz­ten Kon­zerts der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker mit Bar­ba­ra Han­nig­an ver­wie­sen (wo­für ich, wie so vie­le Mu­sik­freun­de, lei­der kei­ne Kar­te be­kom­men habe). Noch ein kur­zer Schwenk nach Nürn­berg, weil Joana Mall­witz, die dor­ti­ge Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­to­rin, eine wei­te­re Aus­zeich­nung be­kommt, und nach Bay­reuth, wo auf der Home­page der Fest­spie­le (die an­sons­ten un­fass­bar ak­tua­li­sie­rungs­be­dürf­tig ist) ein klei­ner Nach­ruf auf den ehe­ma­li­gen Chef­be­leuch­ter Man­fred Voss steht.<

7. und 8. No­vem­ber 2020: Wäh­rend der Wahl­aus­zäh­lungs­ma­ra­thon in Ame­ri­ka wei­ter­geht, stei­gen in Eu­ro­pa die Strea­ming­an­ge­bo­te. Die Oper Stutt­gart bie­tet wie­der wich­ti­ge Opern­ge­samt­auf­nah­men im Wo­chen­tur­nus an und hat mit der le­gen­dä­ren „Frei­schütz“-In­sze­nie­rung von Achim Frey­er von 1981 mit Ca­ta­ri­na Li­gend­za als Aga­the be­gon­nen. In Schwe­den, wo die Thea­ter noch nicht ge­schlos­sen sind, streamt die Oper Mal­mö ab heu­te Vor­stel­lun­gen live. Die Ak­ti­on star­tet am 7. No­vem­ber mit der Pre­mie­re von Ver­dis „Fal­staff“ in der In­sze­nie­rung von Lot­te de Beer. Ti­ckets für die Live­streams kos­ten 100 Kro­nen, das sind nicht ganz 10 Euro. Und aus Bar­ce­lo­na streamt das Tea­tro Li­ceu am 8. No­vem­ber um 17 Uhr auf sei­nem You­Tube-Ka­nal kos­ten­los Mo­zarts „Don Gio­van­ni“ in der Re­gie von Chris­toph Loy un­ter Jo­sep Pons.
Nicht nur in Bay­reuth, Ber­lin, Lands­hut, Würz­burg und an­dern­orts wur­den Pro­duk­tio­nen von Wag­ners „Ring“-Tetralogie durch das Co­ro­na-Vi­rus ge­stoppt bzw. un­ter­bro­chen. Die Neu­in­sze­nie­rung von Ca­lix­to Bi­ei­to an der Pa­ri­ser Oper konn­te – wie der neue Bay­reu­ther „Ring“ un­ter Re­gis­seur Va­len­tin Schwarz – auf der Büh­ne bis­her gar nicht rea­li­siert wer­den, auch wenn zu­min­dest die ers­ten bei­den Tei­le schon ge­probt wur­den. Die da­nach für die Bas­til­le Oper und das Au­di­to­ri­um von Ra­dio Fran­ce ge­plan­ten kon­zer­tan­ten kom­plet­ten „Ring“-Aufführungen mit Pu­bli­kum kön­nen eben­falls nicht statt­fin­den. Die Oper kün­digt jetzt für Ende No­vem­ber jetzt eine kon­zer­tan­te Auf­füh­rung ohne Pu­bli­kum an, die bei Ra­dio Fran­ce Mu­si­que über­tra­gen wird. Die Ter­mi­ne: „Das Rhein­gold“ 23.11.2020, 19.30 Uhr, „Die Wal­kü­re“ 24.11.2020, 18.30 Uhr, „Sieg­fried“, 26.11.2020,18 Uhr, „Göt­ter­däm­me­rung“ 28.11.2020, 18 Uhr. Die Be­set­zung ist lu­xu­ri­ös, Di­ri­gent Phil­ip­pe Jor­dan ist ei­ner der noch jün­ge­ren In­ter­pre­ten, die wirk­lich et­was zu sa­gen ha­ben. Ein „Ring“, der sich be­stimmt lohnt. Wei­te­re Streams und Sen­dun­gen wei­ter unten …

5. und 6. No­vem­ber 2020: Nach stän­di­gem CNN-Schau­en habe ich mich in den di­gi­ta­li­sier­ten Wag­ner ge­ret­tet und bin, was mich mit­nich­ten über­rasch­te, in punk­to Ame­ri­ka pas­send fün­dig ge­wor­den, in ei­ner  Chor­sze­ne aus dem Lust­spiel in an­ti­ker Ma­nier von Ri­chard Wag­ner „Eine Kapitulation“:
O Er­fin­dungs­geist! Erfindungsgeist!
Wie schnell du dir doch zu hel­fen weißt.
Na­dar! Nadar!
Du Frei­heit­s­aar! –
Die Re­pu­blik sich schuf er zur Gondel!
Was ist da­ge­gen Amerika’s Blondel! –
Nein, nur wer den In­halt die­ses teil­wei­se von Hans Rich­ter ver­ton­ten und vor 150 Jah­ren in Trib­schen an­ge­sichts des Deutsch-Fran­zö­si­schen Kriegs ent­stan­de­nen Büh­nen­werks kennt, wird ver­ste­hen, was Wag­ner da mein­te. Aber dass  Amerika’s Blon­del sich auf Gon­del reimt, ist ein­fach zu und zu schön, auch wenn die­ser Blon­del eher mit sei­nem Land Schlit­ten fährt. (Apro­pos: Das Tea­tro La Fe­ni­ce bie­tet on­line wie­der Kon­zer­te und Opern­auf­füh­run­gen an.)
Nach die­sem Ver­such, sich aus der Flut ne­ga­ti­ver Nach­rich­ten zu ret­ten – erst das schreck­li­che At­ten­tat in Wien, dann die an­ders schreck­li­che  Pres­se­kon­fe­renz des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten, bei der er auf sei­ne Wei­se nicht we­ni­ger als die äl­tes­te De­mo­kra­tie der Welt zu Gra­be zu tra­gen ge­denkt –, ma­che ich ger­ne auf eine in Bam­berg in­iti­ier­te Un­ter­schrif­ten­samm­lung auf­merk­sam. Un­ter dem Ti­tel „Wir sind das Pu­bli­kum“ setzt sich die För­der­stif­tung der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker für die Wie­der­eröff­nung der Thea­ter, Kon­zert- und Opern­häu­ser ab De­zem­ber ein. Bleibt noch ein Hin­weis auf die kos­ten­lo­sen Streams der Wie­ner Staats­oper: Wenn man nicht schon ei­nen Ac­count hat, muss man sich vor­her hier re­gis­trie­ren. Kri­ti­ken zu den Auf­füh­run­gen fin­det man am ehes­ten beim On­line Mer­ker.<ACH­TUNG! Jetzt wie­der täg­lich kos­ten­lo­se Streams nicht nur aus New York, son­dern ab 3. No­vem­ber auch aus Wien, dort so­gar mit ganz ak­tu­el­len Auf­füh­run­gen (sie­he Lis­te wei­ter un­ten).Am 4. No­vem­ber um 18 Uhr: Mo­zart-Re­qui­em un­ter Ka­ra­jan auf RAI5

2., 3. und 4. No­vem­ber 2020: In Ös­ter­reich, der eu­ro­päi­schen Speer­spit­ze ge­gen Co­ro­na-Kul­tur­ab­bau ist heu­te der letz­te Tag vor dem Lock­down, bei uns ist schon seit ges­tern Abend kul­tu­rell der Ofen erst mal wie­der aus. Hier eine ak­tu­el­le klei­ne Über­sicht aus der Neu­en Mu­sik­zei­tung, an­sons­ten las­se ich die kri­ti­schen Stim­men zur Lage lie­gen und be­vor­zu­ge Kri­ti­ken zu ei­ni­gen der letz­ten Mu­sik­thea­ter­pre­mie­ren im deutsch­spra­chi­gen Raum.
Bar­rie Kos­ky hat es mit Jac­ques Of­fen­bachs Ope­ret­te „Die Groß­her­zo­gin von Ge­rol­stein“ an der Ko­mi­schen Oper noch­mal rich­tig kra­chen las­sen, mit nur acht­zehn Mu­si­kern im Gra­ben, wäh­rend das Thea­ter So­lo­thurn  schnell noch Paul Burk­hards ver­ges­se­ne Oper „Ca­sa­no­va in der Schweiz“ her­aus­ge­brin­gen konn­te, vor sage und schrei­be drei­ßig (!) zu­ge­las­se­nen Be­su­chern plus Kri­ti­kern. Am Lan­des­thea­ter Salz­burg fei­er­te vor deut­lich mehr Pu­bli­kum Charles Goun­ods „Mar­ga­re­the“ Pre­mie­re, al­ler­dings eher kon­zer­tant, denn Chor und Or­ches­ter be­fan­den sich ge­staf­felt auf der Büh­ne, da­vor, auf dem Or­ches­ter­gra­ben die sehr spar­sam agie­ren­den So­lis­ten. In ähn­li­cher Auf­stel­lung ist im Opern­haus Leip­zig die ge­kürz­te Ver­si­on von Wag­ner „Lo­hen­grin“ schief ge­gan­gen, al­ler­dings of­fen­bar we­ni­ger we­gen der er­heb­li­chen Stri­che und mu­si­ka­lisch, wie Bern­hard Dopp­ler im Deutsch­land­funk Kul­tur be­fand, son­dern, wie MDR-Kri­ti­ker Ste­fan Pe­tra­schew­sky fest­stell­te, we­gen der Regiemätzchen.
Ohne letz­te­re kann Frank Cas­torf gar nicht, was sich auch in sei­ner Neu­in­sze­nie­rung der Oper „Die Vö­gel“ von Wal­ter Braun­fels in Mün­chen ge­zeigt hat. Al­ler­dings ist das bei der im­mer gleich wir­ken­den Op­tik, die sei­ne mul­ti­me­dia­len Aus­stat­ter dazu lie­fern, kein Auf­re­ger mehr, son­dern nur noch lang­wei­lig. Nach­zu­le­sen in der Süd­deut­schen, in der Welt und bei BR Klas­sik. Mu­si­ka­lisch lohnt es sich, wie man am Sams­tag auch on­line er­le­ben konn­te, aber bestimmt.
Wo­mit wir bei den Streams der Baye­ri­schen Staats­oper wä­ren, die mit „Mon­tags­stü­cke“ ab heu­te, 2. No­vem­ber, eine Se­rie star­tet, die den Lock­down-Mo­nat No­vem­ber über­brü­cken soll. Au­ßer­dem neu: Der Stream der Pre­mie­re von „Die Vö­gel“ wird als 30-tä­gi­ges Vi­deo-on-De­mand ab 5. No­vem­ber auf staats​oper​.tv ab­ruf­bar sein, al­ler­dings nicht kos­ten­los, wie im ers­ten Lock­down, son­dern zum Preis von 9,90 Euro. Die „Mon­tags­stü­cke“ wer­den je­weils am dar­auf­fol­gen­den Tag als Vi­deo-on-De­mand on­line ge­stellt; hier kos­tet das 24-Stun­den-Ti­cket 4,90 Euro.
Der Rest ist erst­mal Schwei­gen, zu­mal noch die US-Wahl über­stan­den sein will. War­um nur habe ich plötz­lich Franz Ma­zu­ra im Ohr, als Dr. Schön in Pa­tri­ce Ché­re­aus „Lulu“-Inszenierung, 2. Akt Schluss: „Post­scrip­tum? Jetzt – kommt – die Hinrichtung …“

31. Ok­to­ber und 1. No­vem­ber 2020: Noch ein paar Stim­men zum Lock­down II: von Bern­hard Neu­hoff und Kath­rin Has­sel­beck auf BR Klas­sik, aus der Süd­deut­schen Zei­tung mit ei­ner Um­fra­ge und von Kam­mer­sän­ger Ke­vin Con­ners aus dem En­sem­ble der Baye­ri­schen Staats­oper. Dort fin­det heu­te die Pre­mie­re der Oper „Die Vö­gel“ von Wal­ter Braun­fels statt, der Münch­ner Mer­kur hat dazu Di­ri­gent Ingo Metz­ma­cher in­ter­viewt. Die vor hun­dert Jah­ren im Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter ur­auf­ge­führ­te Oper wird in der Neu­in­sze­nie­rung von Frank Cas­torf heu­te zeit­gleich um 18 Uhr auf Staats­oper-TV ge­zeigt: Ach­tung, nur der vor­ver­leg­te Live­stream bleibt kos­ten­los, für die künf­ti­gen Vi­de­os on De­mand der Staats­oper muss man be­zah­len. We­gen Co­ro­na vor­ge­zo­gen fin­det mor­gen in Leip­zig un­ter Ulf Schir­mer auch die Pre­mie­re ei­nes ge­kürz­ten „Lo­hen­grin“ statt. Ob das die Lö­sung sein kann?
Um nicht nur Trüb­sal zu bla­sen, sei die ge­neig­te Le­ser­schaft ger­ne auf die Rei­he BR re­tro hin­ge­wie­sen, mit kur­zen und län­ge­ren Film­bei­trä­gen aus den 50er und 60er Jah­ren, eine wun­der­ba­re Fund­gru­be, aus der ich die ziem­lich be­tu­li­che Fest­spiel­re­por­ta­ge von 1961 emp­feh­le, mit In­ter­views mit Wolf­gang Wag­ner und Grace Bum­bry und ei­ner am Schluss durchs Bild hu­schen­den jun­gen Anja Sil­ja. Ge­ra­de­zu be­glü­ckend – so­viel Lo­kal­pa­trio­tis­mus darf sein – ist der Be­such von Ge­org Loh­mei­er in Bam­berg und sein Ver­such, hin­ter die Ge­heim­nis­se des Rauch­biers zu kom­men. Vor­sicht, der Film ist har­te Kost für ein­ge­fleisch­te Befürworter*innen der Gleich­be­rech­ti­gung, aber schon der hier ge­schil­der­te Stamm­tisch- und Bier­dümp­fel-All­tag und der vor­ge­führ­te ku­li­na­ri­sche Pleo­nas­mus sind zu köst­lich – und der Blick in die Räu­cher­kam­mer schlicht­weg nicht zu über­bie­ten. Ein­fach herr­lich! Und hier noch das Wort zum Sonn­tag aus Co­si­mas Tagebüchern:
Mitt­woch 1ten [No­vem­ber 1876] Al­ler­hei­li­gen: Sehr ar­ges Wet­ter, so daß R. sagt, er glau­be eher, daß es Al­ler­teu­fel sei, wel­cher los­ge­las­sen sei.29. und 30. Ok­to­ber 2020: Ab Mon­tag sind auch bei uns die Thea­ter und Kon­zert­häu­ser wie­der ge­schlos­sen, Jan Brach­mann kom­men­tiert in der F.A.Z., was das für die Kul­tur­bran­che be­deu­tet. Be­son­ders klein­tei­lig wur­de der Weg zum Lock­down in Bay­ern voll­zo­gen, was man am Bei­spiel der Baye­ri­schen Staats­oper gut nach­voll­zie­hen kann, die qua Pi­lot­ver­such seit Sep­tem­ber zu­nächst vor im­mer­hin 500 Be­su­chern spie­len durf­te (wäh­rend für das Gros der Kul­tur­ver­an­stal­ter nur 200 zu­ge­las­sen wa­ren). Zu­letzt, in die­ser Wo­che, war im 2100 Zu­schau­er fas­sen­den Na­tio­nal­thea­ter nur noch ein fünf­zig Köp­fe zäh­len­des Pu­bli­kum er­laubt, was wohl auch trotz ent­spre­chen­der An­trä­ge auf Aus­nah­me­re­ge­lung am Sams­tag so sein wird, wenn die Neu­in­sze­nie­rung der Oper „Die Vö­gel“ von Wal­ter Braun­fels über die Büh­ne geht. Der ur­sprüng­lich für 8. No­vem­ber ge­plan­te Live­stream wur­de vor­ge­zo­gen auf 31. Ok­to­ber um 18 Uhr. An­schlie­ßend ist die Pro­duk­ti­on 30 Tage als Vi­deo on De­mand kos­ten­los ver­füg­bar. Was es für die Künst­ler be­deu­tet, vor ei­nem  lee­ren oder fast lee­ren Zu­schau­er­raum zu spie­len, hat un­ter dem Ti­tel „Kunst ohne Zu­schau­er“ die SZ eru­iert. Ba­ri­ton Chris­ti­an Ger­ha­her stellt un­ter an­de­rem fest: Die Küns­te sind nicht sys­tem­re­le­vant und sie ha­ben kein Recht, sich in die­ser Kri­se wich­ti­ger zu neh­men als an­de­re, ver­gleich­bar lei­den­de Bran­chen. Aber wenn un­se­re Ge­sell­schaft ihre rei­che, glo­bal ein­zig­ar­ti­ge Mu­sik- und Thea­ter­tra­di­ti­on nicht ret­ten kann, macht sie sich we­ni­ger le­bens­wert. Ich glau­be, die Vor­stel­lung ei­nes Le­bens ohne Kul­tur muss zur Er­kennt­nis füh­ren, dass hier un­be­dingt er­hal­ten wer­den muss, ohne was man – wie in ei­ner geis­ti­gen Wüs­te – nicht le­ben möch­te. </​em

28. Ok­to­ber 2020: Dass die Lage ernst ist, zeigt die Tat­sa­che, dass ich kaum noch nach­kom­me beim Sich­ten re­le­van­ter Ar­ti­kel. Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur fasst das We­sent­li­che zu­sam­men und in­ter­viewt auch gleich Ni­ko­laus Bach­ler, die Speer­spit­ze des Wi­der­stands, die  Süd­deut­sche Zei­tung be­leuch­tet mit „Büh­nen im Kri­sen­mo­dus“ nicht nur die Münch­ner Sze­ne. Schaut man nach Ber­lin – der Ar­ti­kel von Udo Ba­delt vom Ta­ges­spie­gel wur­de erst ei­nen Tag spä­ter on­line ge­stellt als die ver­link­ten Tex­te aus Mün­chen – wird ei­nem ers­tens klar, wie stark Co­ro­na sich auch aufs Ver­falls­da­tum von Nach­rich­ten aus­wirkt, und zwei­tens, wel­chen Stel­len­wert Kul­tur bei baye­ri­schen Po­li­ti­kern hat. Plötz­lich er­scheint ei­nem da auch die Mel­dung auf BR24  vom Kul­tur­hilfs­pa­ket in ei­nem an­de­ren Licht. Um gleich beim Baye­ri­schen Rund­funk zu blei­ben: BR Klas­sik trom­melt für sei­ne heu­ti­ge Sen­dung des Kon­zert­abends von Vi­vi­ca Ge­naux bei Bay­reuth Ba­ro­que im Ra­dio und als Vi­deo­stream, und in Zei­ten ra­pi­de ab­neh­men­der Live-Mu­sik lohnt es sich, aus­führ­lich auf die kos­ten­lo­sen Opern­streams der New Yor­ker Met hin­zu­wei­sen, die in Hin­blick auf die US-Prä­si­dent­schafts­wahl ak­tu­ell lau­ter Po­lit-Opern aus­ge­wählt hat. Ja­mes Jor­den vom Ob­ser­ver hat das Wo­chen­pro­gramm vor­ge­stellt, die ta­ges­ak­tu­el­len Links fin­den Sie wei­ter unten.
Was das lus­ti­ge Wag­ner­stel­len­ra­ten von mei­nem vo­ri­gen Ein­trag be­trifft, so muss ich – mit der Bit­te um Nach­sicht – ent­schie­den nach­bes­sern. Es fehl­te näm­lich die we­sent­li­che In­for­ma­ti­on, dass Wo­tan nicht nur mit dem ei­nen, zum Mund ge­führ­ten Schnaps­glas ab­ge­bil­det ist, son­dern dass er, wie man sieht, vor­her be­reits acht Glä­ser ge­leert hat. Der bei mir ein­ge­gan­ge­ne Vor­schlag „Nun halt ich, was mich er­hebt“ ist zwar gar nicht übel, hat mir aber klar ge­macht, dass das et­was schrä­ge Rät­sel sonst nicht zu lö­sen ist. Auf ein Neu­es!26. und 27. Ok­to­ber 2020: Seit heu­te müs­sen in Bel­gi­en und Ita­li­en die Thea­ter, Opern- und Kon­zert­häu­ser so­wie Ki­nos wie­der ge­schlos­sen blei­ben, Tsche­chi­en war ab 12. Ok­to­ber nur der Vor­rei­ter. Und bei uns? Ha­ben un­ter an­de­rem am Wo­chen­en­de in Mün­chen baye­ri­sche Künst­ler und Kunst­lieb­ha­ber de­mons­triert, um dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass Kunst durch­aus sys­tem­re­le­vant ist. Be­mer­kens­wert vor al­lem Ger­hard Polts Vi­deo­bot­schaft, dem dazu die Fa­bel von der Gril­le und der Amei­se ein­ge­fal­len ist: Laut SZ sag­te er, die Amei­se schaf­fe den gan­zen Som­mer, die Gril­le zir­pe im­mer nur. „Und Zir­pen hat na­tür­lich kei­ne gro­ße Re­le­vanz.“ Das Zir­pen über das Zir­pen üb­ri­gens auch – zu­min­dest in Hof, wo das der­zeit in ei­ner Aus­weich­spiel­stät­te agie­ren­de Drei­spar­ten­thea­ter neu­er­dings kei­ne kos­ten­lo­sen Pres­se­kar­ten mehr ver­gibt. Da bleibt ei­nem nur noch die Flucht nach Nord­west, zum Schau­spiel Köln, das eine im­mer­si­ve „Wal­kü­re“ im Pro­gramm hat, wor­über Jung-Wag­ne­ria­ner Tho­mas A. Her­rig in der F.A.Z. so schön ge­zirpt hat, dass ich alle Kanz­le­rin­nen-Ap­pel­le zum Da­heim­blei­ben in den Or­kus bla­sen woll­te. Schon der wun­der­ba­re Ti­tel „Auf ei­nen Schnaps mit Wo­tans Töch­tern“ ist bei mir auf be­son­ders frucht­ba­ren Bo­den ge­fal­len, denn er er­in­ner­te mich so­fort auf ein lus­ti­ges Wag­ner­stel­len­ra­ten mit mei­nem al­ten Freund und Kol­le­gen Wolf­gang Ku­n­ath Ende der 70er-Jah­re, fest­ge­hal­ten auf ei­nem Bier­de­ckel (was auch Fried­rich Merz be­geis­tern könn­te): Mit we­ni­gen Stri­chen, aber gut er­kenn­bar skiz­zier­te er ei­nen Wo­tan (nach dem Vor­bild Do­nald Mc­In­ty­res im Chéreau-„Ring“), der ge­ra­de ein Schnaps­glas zum Mund führt. Wer mir als ers­ter ver­mel­det, was er da­bei singt, be­kommt als Buch­preis „Ich habe heu­te lei­der kei­nen ge­hörn­ten Helm für dich.“ oder Wag­ners won­ni­ge Wal­kü­ren-Wahl, er­dacht von ei­nem Team der „Ring“-Erstaufführung am Lan­des­thea­ter Niederbayern.

24. und 25. Ok­to­ber 2020: Noch ein­mal, weil es sich lohnt, ein paar Stim­men zur SZ-Po­le­mik und den Fol­gen. Für alle, die sich noch nicht ein­ge­le­sen ha­ben, lie­fert BR Klas­sik eine gute Über­sicht, beim NDR geht Chris­tia­ne Peitz vom Ta­ges­spie­gel im In­ter­view noch mehr in die Tie­fe, die NZZ bie­tet von Anna Schnei­derFo­kus von Jan Fleisch­hau­er eine et­was an­de­re Sicht der Din­ge. Blei­ben noch Phil­ipp Pey­man En­gel für die Jü­di­sche All­ge­mei­ne so­wie Sven­ja Flaß­pöh­ler, die im Phi­lo­so­phie Ma­ga­zin auf Ca­ro­lin Ehm­ckes Text „Ich bin auch müde“ antwortet.
Dass Chris­toph Schlin­gen­sief am 24. Ok­to­ber sech­zig Jah­re alt ge­wor­den wäre, fei­ert der WDR schon die gan­ze Wo­che mit Sen­dun­gen und selbst der ORF weiß ihn ak­tu­ell zu wür­di­gen. Blei­ben noch die Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung, dann ist Schluss für die­ses Wo­chen­en­de, an dem eine klei­ne Grup­pe Bam­ber­ger Wag­ner­freun­de vor­hat­te, die wun­der­ba­re Aus­stel­lung der eben­falls viel zu früh ver­stor­be­nen ro­sa­lie in Wahn­fried zu be­su­chen, aber der in­zwi­schen dun­kel­ro­ten Co­ro­na-Am­pel in Bay­reuth we­gen doch bes­ser zu­hau­se blieb. Fast hät­te ich ver­ges­sen: Am Sonn­tag ist World Ope­ra Day!

23. Ok­to­ber 2020: Der Süd­deut­schen Zei­tung ist spät, aber im­mer­hin die Eh­ren­ret­tung ge­lun­gen, dank der Ent­geg­nung auf den Ar­ti­kel über Igor Le­vit von Ca­ro­lin Em­cke in der Don­ners­tags­aus­ga­be. Man kann sich ja gut vor­stel­len, dass we­gen der Po­le­mik vom ver­gan­ge­nen Frei­tag nicht nur Le­ser ihr Abon­ne­ment, son­dern auch nam­haf­te Mit­ar­bei­ter, die das Pro­fil der Zei­tung mit aus­ma­chen, ge­kün­digt ha­ben oder kün­di­gen woll­ten. Hier noch ein un­ter­schied­li­che paar Stim­men von Kai-Hin­rich Ren­ner aus der Ber­li­ner Zei­tungJan Brach­mann aus der F.A.Z. und, et­was wei­ter ge­fasst, von Chris­tia­ne Peitz aus dem Ta­ges­spie­gel.
Auch die nächs­te Schre­ckens­mel­dung kommt aus Mün­chen mit den ver­schärf­ten Co­ro­na-Auf­la­gen für Thea­ter und Kon­zert­po­di­en. We­nigs­tens aus Bay­reuth wird Po­si­ti­ves be­rich­tet. Chris­ti­ne Lem­ke-Matw­ey von der Zeit hat mit Ka­tha­ri­na Wag­ner ge­spro­chen, wo­bei die Fest­spiel­lei­te­rin nicht nur aus­führ­lich über ihre Krank­heit und Ge­ne­sung, son­dern auch über ihre Plä­ne für die Fest­spie­le Aus­kunft gibt. Die Kurz­ver­si­on des nur für Abon­nen­ten zu­gäng­li­chen In­ter­views gibt es von der dpa.

21. und 22. Ok­to­ber 2020:  Falls Wolf­gang Krach und Ju­dith Witt­wer, die neu­en Chef­re­dak­teu­re der Süd­deut­schen Zei­tung, mit der Po­le­mik von Hel­mut Mau­ró ge­gen Igor Le­vit vor­hat­ten, ihr Pro­dukt ins Ge­spräch zu brin­gen, dann ist ih­nen das zwei­fel­los ge­lun­gen. Auf die Ver­öf­fent­li­chung des Ar­ti­kels „Igor Le­vit ist müde“ auf der ers­ten Feuil­le­ton­sei­te in der Frei­tags­aus­ga­be folg­te nicht nur öf­fent­li­cher Wi­der­spruch. Son­dern die Ver­ant­wort­li­chen sa­hen sich ge­zwun­gen, in der heu­ti­gen Aus­ga­be vom 21. Ok­to­ber schrift­lich Igor Le­vit um Ent­schul­di­gung zu bit­ten. Die­ser un­ge­wöhn­li­chen Ak­ti­on vor­aus­ge­gan­gen war der Ver­such der SZ, von Igor Le­vit selbst eine Stel­lung­nah­me ein­zu­ho­len. Ma­ren Bor­chers von Le­vits Pres­se­agen­tur „for­ar­tists“ ant­wor­te­te am 19. Ok­to­ber dar­auf, dass Le­vit für eine „Ant­wort bzw. eine Ent­geg­nung“ nicht zur Ver­fü­gung ste­he. „War­um soll­te Herr Le­vit sich dar­auf ein­las­sen, in ei­nen Dia­log mit Herrn Mau­ró über ei­nen un­säg­li­chen und in vie­ler­lei Hin­sicht hoch frag­wür­di­gen Ar­ti­kel ein­zu­tre­ten?“ Und als per­sön­li­che Be­mer­kung schreibt Bor­chers an SZ-Chef­re­dak­teur Krach wei­ter: „Al­lein der völ­lig un­zwei­deu­tig an­ti­se­mi­tisch kon­no­tier­te Be­griff der ‚Op­fer­an­spruchs­ideo­lo­gie‘ soll ver­let­zen, und dies ist auch ge­lun­gen. Herr Mau­ró und auch Sie per­sön­lich wer­den sich da­mit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, hier an­ti­se­mi­ti­schen Res­sen­ti­ments Öf­fent­lich­keit ge­ge­ben zu ha­ben. Der Bei­fall aus den rech­ten Echo­kam­mern folgt prompt. Ob die­se Tat­sa­che Sie er­freut oder er­schreckt, ver­mag ich nicht zu be­ur­tei­len. Sie ste­hen ja – als Chef­re­dak­teur der SZ für mich und ge­nau­so für Herrn Le­vit be­dau­er­li­cher- und auch ir­ri­tie­ren­der­wei­se – zu die­sem Text.“
Ne­ben der jetzt er­folg­ten Ent­schul­di­gung „In ei­ge­ner Sa­che“ druckt die SZ in ih­rer Mitt­wochs­aus­ga­be auf fünf von sechs Spal­ten der Le­ser­brief­sei­te un­ter dem Ti­tel „Viel Kri­tik und we­nig Ver­ständ­nis für eine Po­le­mik“ ei­nen Fül­le von ers­ten Le­ser­brie­fen ab. In „Re­ak­tio­nen aus dem Netz“ wer­den au­ßer­dem ei­ni­ge ex­em­pla­ri­sche Tweets do­ku­men­tiert, dar­un­ter auch eine Re­ak­ti­on der Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin Na­ta­scha Stro­bl, die hier eine Zu­sam­men­fas­sung ih­rer schlüs­si­gen Ar­gu­men­te ge­gen die­se Po­le­mik anbietet.
Zum gu­ten Schluss noch zwei Mel­dun­gen aus der Wag­ner-Welt: In al­len drei Ge­bäu­den des Bay­reu­ther Wag­ner-Mu­se­ums ist für fast ein Jahr eine um­wer­fen­de Aus­stel­lung von ro­sa­lie zu se­hen (über die ich noch ge­son­dert schrei­ben wer­de), und die Ri­chard-Wag­ner-Ge­sell­schaft Riga hat nun of­fi­zi­ell die Re­no­vie­rung des his­to­ri­schen Deut­schen Thea­ters in der Ri­ga­er Alt­stadt über­nom­men, ein Thea­ter­bau, in dem Ri­chard Wag­ner von 1837 bis 1839 wirk­te und der ihn auch beim Fest­spiel­haus­bau inspirierte.

19. und 20. Ok­to­ber 2020: Die Dis­kus­si­on um die Po­le­mik des SZ-Au­tors Hel­mut Mau­ró ge­gen Pia­nist Igor Le­vit geht wei­ter, die Opus-Klas­sik-Ver­lei­hung in Ber­lin kann man sich bei Be­darf kom­plett aus der ZDF-Me­dia­thek ho­len, wenn man sich für Klas­sik-Mar­ke­ting in­ter­es­siert. Bes­ser man be­gnügt sich mit – ja, Nor­man Leb­recht auf Slip­ped­Disc ist da­für be­kannt, dass er die Din­ge stark zu­spitzt – „mit der wohl trau­rigs­ten Preis­re­de je“ von Or­gel­mu­si­ker Ca­me­ron Car­pen­ter. Eben­falls aus Ber­lin kommt ein in­for­ma­ti­ves In­ter­view mit Olaf Ma­nin­ger, Er­fin­der der Di­gi­tal Con­cert Hall und Cel­list der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker, im Ta­ges­spie­gel dar­über, was Co­ro­na mit Or­ches­ter­mu­si­kern macht. Und nicht zu ver­ges­sen: Ab heu­te läuft auf WDR3 die Schlin­gen­sief-Wo­che zum 60. Ge­burts­tag des Künst­lers am 24. Oktober.

17. und 18. Ok­to­ber 2020: Als gäbe es we­gen Co­ro­na nicht Pro­ble­me ge­nug, hat die Süd­deut­sche Zei­tung ges­tern eine schlim­me Po­le­mik ih­res Mu­sik­kri­ti­kers Hel­mut Mau­ró ge­gen den Pia­nis­ten Igor Le­vit ver­öf­fent­licht, in der, wie Pa­trick Bah­n­ers von der F.A.Z. twit­tert, „ei­nem Ju­den vor­ge­wor­fen wird, aus sei­nem Op­fer­sta­tus Ka­pi­tal zu schla­gen“. Die Re­so­nanz auf denf Ar­ti­kel „Igor Le­vit ist müde“ ist hef­tig: Auf BR Klas­sik kom­men­tiert Bern­hard Neu­hoff „So un­ter­ir­disch kann ‚Mu­sik­kri­tik‘ sein“, in der Zeit ist die Re­plik von Jo­han­nes Schrei­ber mit „Auf der fal­schen Kla­via­tur“ über­schrie­ben, beim rbb ana­ly­siert der Jour­na­list und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Jo­han­nes Fran­zen, war­um die­ser „An­griff auf Igor Le­vit“ ein sol­cher Auf­re­ger ist. Wer es noch ge­nau­er wis­sen will, soll­te sich die ein­schlä­gi­gen Tweets von Na­ta­scha Stro­bl, der ös­ter­rei­chi­schen Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin und Ex­per­tin für Rechts­ex­tre­mis­mus und die Neue Rech­te, nicht ent­ge­hen las­sen. Nach so viel Le­se­stoff noch ein Ra­dio-Tipp für Schnell-Ent­schlos­se­ne: Am 17. Ok­to­ber ab 13 Uhr wird die ak­tu­ell letz­te Vor­stel­lung von „Car­lo il cal­vo“, der wun­der­bar be­setz­ten und wun­der­bar in­sze­nier­ten Neu­pro­duk­ti­on von Bay­reuth Ba­ro­que, aus dem Con­cert­ge­bouw Ams­ter­dam im Ra­di­on und Web­cast live über­tra­gen.

15. und 16. Ok­to­ber 2020: Habe nicht nur op­tisch eine klei­ne Um­stel­lung vor­ge­nom­men, denn aus dem ur­sprüng­li­chen An­satz, un­se­re Mit­glie­der und Freun­de mög­lichst ta­ges­ak­tu­ell über das An­ge­bot an Opern­streams zu in­for­mie­ren, ist längst eine Art kul­tu­rel­ler Co­ro­na-Ti­cker ge­wor­den. Von der Ber­li­ner „Wal­kü­re“ kommt eine Mel­dung zur Mas­ken­pflicht aus der BZ, die auf­zeigt, wie sehr wir doch alle we­gen Co­ro­na stän­dig da­zu­ler­nen müs­sen, aus Mün­chen die Nach­richt, dass das Pi­lot­pro­jekt an der Baye­ri­schen Staats­oper po­si­ti­ve Er­geb­nis­se ge­bracht hat. Bleibt die Fra­ge, ob Mar­kus Söder und die zu­stän­di­gen Mi­nis­ter dar­aus auch die rich­ti­gen Schlüs­se zie­hen. Das In­ter­view von Mar­kus Thiel mit dem aus Ös­ter­reich stam­men­den, in Mün­chen le­ben­den Te­nor Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke mit dem Ti­tel „Oper ist si­che­rer als ein Re­stau­rant“ im Münch­ner Mer­kur zielt aus nahe lie­gen­den Grün­den nicht nur auf die Lan­des- und Bun­des­po­li­tik und ist un­be­dingt le­sens­wert. Und weil’s gra­de so schön passt und man die Po­li­ti­ker mit ent­spre­chen­den Mas­ken förm­lich vor sich sieht, auch ein Aus­zug aus Co­si­mas Tagebüchern:
Sonn­abend 15ten [Ok­to­ber 1870] Bei Tisch er­zählt R., daß baye­ri­sche und preu­ßi­sche Trup­pen in Kampf ge­ra­ten sind, letz­te­re wol­len über­all die schwarz-wei­ße Fah­ne auf­ste­cken, ers­te­re be­stehen dar­auf, daß ent­we­der für alle die schwarz-rot-gold­ne, oder aber für die Bay­ern die weiß-blaue, für die Preu­ßen die schwarz-wei­ße etc. gel­te, und dies mit Recht. Wir be­kla­gen den en­gen bor­nier­ten Ge­sichts­punkt der Preu­ßen in die­ser Fra­ge. Re­gen­tag, R. nimmt den zwei­ten Akt von Sieg­fried mit Rich­ter vor; die letz­ten Wor­te Fafner’s an Sieg­fried er­grei­fen mich un­säg­lich, ich sag­te zu R., es wäre eine Rüh­rung der Art, wie wenn ich ein ster­ben­des Tier be­trach­te­te, was rüh­ren­der viel­leicht ist, we­nigs­tens auf and­re Art uns be­wegt als ein ster­ben­der Mensch; R. er­wi­dert: „Die Er­ge­bung ist beim Tier au­gen­blick­li­cher, weil der Tod ihm un­er­war­tet kommt, wäh­rend der Mensch das gan­ze Le­ben ge­gen ihn an­kämpft.“ Sieg­fried und Faf­ner be­zeich­nen wir als Kas­perl und das Tier, wel­ches ihn hap­pen will, R. sagt, es ist der­sel­be Typus.

Tipps und Links vom 13. und 14. Ok­to­ber: Bei Pe­ter Jung­blut auf BR Klas­sik kann man le­sen, dass im Opern­haus Stutt­gart ab so­fort eine  „Ca­val­le­ria rusti­ca­na“ zu er­le­ben ist, die der Fran­ke nur als lid­schäf­tig be­zeich­nen kann. Alle, die das Wort noch nicht ken­nen, mö­gen sich vor­stel­len, wie das klingt, wenn Pie­tro Mas­ca­g­nis ve­ris­ti­scher Rei­ßer in­stru­men­tal mit ei­nem Streich­quin­tett, ein paar Blä­sern und dem Di­ri­gen­ten am Kla­vier rea­li­siert wird. Da sind 24 Mu­si­ker für den al­ler­dings kon­se­quent auf Ab­stand in­sze­nier­ten „Eu­gen One­gin“ am Münch­ner Gärt­ner­platz­thea­ter fast schon Lu­xus! Ach, Co­ro­na … Was die stark be­grenz­ten Be­su­cher­zah­len be­trifft, hat die Opern­kon­fe­renz, die die drei­zehn größ­ten deutsch­spra­chi­gen Opern­häu­ser ver­tritt, von der Po­li­tik ge­for­dert, min­des­tens die Hälf­te der Plät­ze frei­zu­ge­ben. Wird nicht leicht,  bei den An­ste­ckungs­zah­len. Die oh­ne­hin län­ger­fris­tig ge­schlos­se­ne New Yor­ker Met springt in je­dem Fall ger­ne und kos­ten­los ein, mit ih­rer ak­tu­el­len Do­ni­zet­ti-Strea­ming-Wo­che bis ein­schließ­lich Mon­tag (sie­he wei­ter unten).

Tipps und Links vom 12. Ok­to­ber: Erst­mals habe ich im Netz eine „Walküre“-Kritik ge­fun­den, in der mehr dar­über steht, was Ste­fan Her­heim wohl ge­meint ha­ben könn­te. Ob das wirk­lich wei­ter­hilft? Von den Flücht­lin­gen, die Wag­ners „Ring“ im­pro­vi­sie­ren ist es auf je­den Fall nicht weit in die Co­ro­na-Rea­li­tät, wie Rick Ful­ker für die Deut­sche Wel­le re­cher­chiert hat. Spe­zi­ell die fi­nan­zi­el­len Aspek­te hat sich Axel Brüg­ge­mann in sei­ner Klas­sik-Wo­che auf Cre­scen­do vor­ge­nom­men und da­bei auch we­nig Er­freu­li­ches ent­deckt. Bleibt noch die gute dpa-Nach­richt aus Bay­reuth, wo­nach Ka­tha­ri­na Wag­ner mit dem Rau­chen auf­ge­hört hat, ge­sund­heits­be­wuss­ter lebt und hofft, die kom­men­den Fest­spie­le mit mög­lichst we­nig Ein­schrän­kun­gen rea­li­sie­ren zu kön­nen. Für alle, die un­ter Wag­ner-Ent­zugs­er­schei­nun­gen lei­den: Die groß­ar­ti­ge und bis auf Kund­ry ex­qui­sit be­setz­te „Parsifal“-Inszenierung der New Yor­ker Met von 2013 (mit Jo­nas Kauf­mann, Pe­ter Mat­tei, René Pape und Ev­ge­ny Niki­tin) ist heu­te kos­ten­los on­line zu haben.

Tipps und Links vom 10. und 11. Ok­to­ber: Bin ge­ra­de noch recht­zei­tig zu­rück von mei­nem Kurz­auf­ent­halt in Ber­lin, mit sehr ge­misch­ten Ge­füh­len. Denn zwar habe auch ich in der „Wal­kü­re“ dank­bar den vol­len Wag­ner­klang und die groß­ar­ti­gen So­lis­ten in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen kön­nen. Aber an­ders als Chris­ti­ne Lem­ke-Matw­ey in der „Zeit“ ha­ben mich von der In­sze­nie­rung nur ei­ni­ge De­tails wie eben un­ter an­de­rem der in­zes­tuö­se Ab­schied­kuss zwi­schen Wo­tan und Brünn­hil­de be­ein­druckt. Der Rest aber ist ein sehr ir­ri­tier­tes Schwei­gen, denn die De­fi­zi­te die­ser Neu­in­sze­nie­rung sind ent­schie­den zu groß, und zwar ganz ge­wiss nicht nur in Ge­schmacks­fra­gen. Die Dank­bar­keit für das Er­leb­nis vom vol­len Wag­ner­klang in Ber­lin ist nach­träg­lich so­gar noch grö­ßer ge­wor­den, wenn ich im NDR lese, mit wel­chen Ab­stri­chen in Braun­schweig Beet­ho­vens „Fi­de­lio“ ab heu­te mu­si­ka­lisch um­ge­setzt wird. Blei­ben noch die Er­satz­hand­lun­gen: Für die­ses Wo­chen­en­de ver­wei­se ich wie­der ein­mal ger­ne auf die Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik-Zei­tung. Zwölf Au­gen se­hen eben mehr als zwei.

Tipps und Links vom 7., 8. und 9. Ok­to­ber: Ja, end­lich gibt es auch wie­der Opern­vor­stel­lun­gen in Nürn­berg. Die bis­her ge­plan­ten Auf­füh­run­gen der Neu­pro­duk­ti­on von Clau­dio Mon­te­ver­dis „L’Orfeo“ schei­nen zwar ak­tu­ell alle aus­ver­kauft zu sein, aber nach Aus­kunft des Staats­thea­ters sind un­ter Um­stän­den mehr Plät­ze ver­füg­bar, als man on­line sieht. Es lohnt sich also, es te­le­fo­nisch un­ter +49-(0)180/1-344-276 (Fest­netz 3,9 ct/​Min; Mo­bil­funk bis 42 ct/​Min) zu ver­su­chen. Hier dazu die Kri­ti­ken von BR Klas­sik, aus der Süd­deut­schen Zei­tung, dem Münch­ner Mer­kur, der Neu­en Mu­sik­zei­tung und von mir. Der­zeit sind im­mer noch nur 200 Zu­schau­er zu­ge­las­sen. Es wirkt im Opern­haus-Par­kett nicht ganz so schlimm, weil jede zwei­te Rei­he kom­plett aus­ge­baut wur­de (und da­mit un­ge­wohn­te Bein­frei­heit ge­ge­ben ist). An­dern­orts gibt es ganz an­de­re Pro­ble­me, näm­lich Co­ro­na-In­fi­zier­te, und zwar in Wies­ba­den und of­fen­bar be­son­ders krass im fran­zö­si­schen Rou­en. Mal se­hen, was mich in der „Wal­kü­re“ im neu­en Co­ro­na-Hot­spot Ber­lin er­war­tet …Tipps und Links vom 6. Ok­to­ber: Der Ar­ti­kel von Ma­rie Schoeß auf BR24 über das Ende der So­fort­hil­fen ist zwar schon am 30. Sep­tem­ber er­schie­nen, aber er be­leuch­tet die Si­tua­ti­on von frei­schaf­fen­den Künst­lern in Bay­ern aus­führ­lich. Den grö­ße­ren Blick­win­kel nimmt Ma­ria Os­sow­ski in ih­rem NDR-Ra­dio-Es­say „Ein New Deal für die Kul­tur?“ vom 2. Ok­to­ber ein und stellt un­ter an­de­rem fest. „Co­ro­na hat nicht nur den All­tag der Künst­le­rin­nen und Künst­ler dra­ma­tisch ver­än­dert, son­dern auch un­se­re Wahr­neh­mung ih­res Wir­kens.“ Ihr Fa­zit: „Nicht nur die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger, auch wir als Bür­ger müs­sen das kul­tu­rel­le Schaf­fen in Deutsch­land schüt­zen. Nur dann kann sich das Ver­spre­chen der Bun­des­kanz­le­rin vor dem Par­la­ment am ver­gan­ge­nen Mitt­woch ein­lö­sen: ‚Das Le­ben, wie wir es kann­ten, wird zu­rück­keh­ren. Was für eine Freu­de wird das sein.‘ “ Aus der län­ger still­ge­leg­ten New Yor­ker Met kommt der­weil et­was Er­satz-Freu­de für Wag­ne­ria­ner: eine gan­ze Wo­che lang kos­ten­lo­se Streams von Wag­ner-In­sze­nie­run­gen, dar­un­ter die emp­feh­lens­wer­ten In­sze­nie­run­gen von „Tris­tan und Isol­de“ und „Par­si­fal“ so­wie ein kom­plet­ter äl­te­rer „Ring“ (sie­he wei­ter unten).

Tipps und Links vom 2., 3. und 4. Ok­to­ber: Die an­ste­ckungs­frei­en Er­geb­nis­se des Pi­lot­pro­jekts im Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter und im Gas­teig mit je­weils 500 er­laub­ten Be­su­chern im Saal rei­chen der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung of­fen­bar nicht aus. Mit ei­ner Er­wei­te­rung auf die Nürn­ber­ger Meis­ter­sin­ger­hal­le läuft das Pro­jekt zwei Wo­chen wei­ter – und alle an­de­ren Opern-, Thea­ter- und Kon­zert­po­di­en ha­ben das Nach­se­hen. Ent­spre­chen­de Be­rich­te dazu lie­fern die Süd­deut­sche Zei­tung und die Münch­ner Abend­zei­tung, letz­te­re mit ei­nem Kom­men­tar von Ro­bert Braun­mül­ler. Dass wir den­noch eher in ei­ner Art Thea­ter­pa­ra­dies le­ben, ver­an­schau­licht das In­ter­view mit Pe­ter Gelb, dem Chef der län­ger­fris­tig ge­schlos­se­nen New Yor­ker Met, auf con­cer­ti. Um das be­vor­ste­hen­de ver­län­ger­te Wo­chen­en­de mit ei­ner po­si­ti­ven Mel­dung zu ver­sü­ßen, habe ich lei­der nur die Wil­lens­er­klä­rung ge­fun­den, dass es „Bay­reuth Sum­mer­ti­me“ auch in Zu­kunft ge­ben soll. Ob sie dazu nächs­tes Jahr  Mun­go Jer­ry ein­la­den? Ray Dor­set tritt im­mer noch auf …

Tipps und Links vom 30. Sep­tem­ber und 1. Ok­to­ber: Be­vor ei­ni­ge Kri­ti­ken zur „Walküre“-Neuinszenierung an der Deut­schen Oper Ber­lin nach­ge­reicht sei­en, möge ein Ta­ge­buch­ein­trag Co­si­ma Wag­ners vom 29. Sep­tem­ber 1878 sei­ne Wir­kung nicht ver­feh­len, wo­nach Ri­chard Wag­ner mit dem jun­gen Büh­nen­meis­ter Fritz Brandt „al­les, Freud und Leid“ der Bay­reu­ther „Ring“-Uraufführung be­spro­chen hatte:
R. sagt, daß er kei­nem da drau­ßen ein Recht zu­ge­ste­he, über die­se Auf­füh­rung kri­tisch ab­zu­ur­tei­len, so schön und un­ver­gleich­lich war sie im gro­ßen gan­zen, „un­ter uns aber müs­sen wir uns sa­gen, daß man­ches nicht so war, wie es hät­te sein sol­len, z.B. die Wie­se der Göt­ter vor Wal­hall zu we­nig frei, zu ein­ge­engt durch die Stu­fen, die Höh­le der Erda wie ein Tor in ge­wöhn­li­chen Zau­ber­pos­sen-Er­schei­nun­gen, die Dampf­ver­wand­lung zu Ni­bel­heim, es hät­ten müs­sen Schäch­te sein, eine De­ko­ra­ti­on der Län­ge nach auf­zu­zie­hen mit eben den Schäch­ten und ab und zu Glut, dann das Joch zu hoch*, das Ter­rain zu schmal, da­durch der Kampf schlecht und Wotan’s Da­hin­brau­sen miß­glückt, im Sieg­fried wie­der­um die Stu­fen und ein zu klei­nes Ter­rain für den Kampf, wie­der­um auch die stö­ren­den Stu­fen bei Brünnhilden’s Rin­gen, der Raum für die Rhein­töch­ter zu klein und die Über­schwem­mung des Holz­sto­ßes und der Hal­le der Gi­bichun­gen zu klein­lich. Fer­ner die Kos­tü­me schlecht, alle fast; so stellt es sich her­aus, daß im gan­zen, der Kon­zep­ti­on nach, die­se Auf­füh­rung au­ßer­or­dent­lich war und nur in ei­ni­gen De­tails feh­ler­haft“. R. sagt, sein Lei­den von die­ser Zeit, mit wel­cher Ge­duld er über al­les ge­schwie­gen! … *[Zei­chen im Text, am Rand:] „das wer­de ich än­dern, wenn ich ein­mal die Wal­kü­re im Him­mel zur Rech­ten Got­tes auf­füh­re und, der Alte und ich, wir zusehen.“
Ob Ste­fan Her­heim mit sei­nem Team auch lei­det und ge­dul­dig schweigt? Hier die Be­spre­chun­gen von Mi­cha­el Stall­knecht in der Süd­deut­schen Zei­tung, Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau, Ma­nu­el Brug in der Welt, Eleo­no­re Bü­ning in der Neu­en Zür­cher Zei­tung und Ul­rich Am­ling vom Ta­ges­spie­gel. Bleibt noch der Hin­weis auf die Opern­welt-Sai­son­bi­lanz, bei der To­bi­as Krat­zer mit sei­ner Bay­reu­ther „Tannhäuser“-Inszenierung ganz schön ab­ge­räumt hat. Chapeau!

Tipps und Links vom 28. und 29. Sep­tem­ber: Wer’s bis­her nicht ge­schafft hat, muss sich spu­ten. „Bo­ris Go­dunow“ als Vi­deo on De­mand von der  Oper Zü­rich ist nur noch am 28. Sep­tem­ber bis 24 Uhr kos­ten­los ver­füg­bar – eine un­glaub­li­che Auf­füh­rung (In­sze­nie­rung: Bar­rie Kos­ky), un­be­dingt zu emp­feh­len! „Die Wal­kü­re“ an der Deut­schen Oper Ber­lin in der Re­gie von Ste­fan Her­heim hin­ge­gen scheint zu­min­dest sze­nisch nicht zu über­zeu­gen. Hier der Ta­ges­the­men-Kurz­be­richt so­wie die ers­ten Kri­ti­ken von Pe­ter Jung­blut auf BR24 und Ma­ria Os­sow­ski auf rbb24 so­wie der Aspek­te-Bei­trag über Lise Da­vid­sen. Bleibt lei­der noch der min­des­tens 79-jäh­ri­ge Alt­star Plá­ci­do Dom­in­go, der ein­fach nicht auf­hö­ren kann und sich des­halb mit neu­er­li­chen In­ter­view­äu­ße­run­gen rein­wa­schen will. War­um, fra­ge ich mich, ist er dann von sei­nem Chef­pos­ten in Los An­ge­les zu­rück­ge­tre­ten und woll­te der die Über­grif­fe un­ter­su­chen­den Mu­si­ker­ge­werk­schaft AGMA eine hal­be Mil­li­on Dol­lar spen­den – für ein Still­hal­te­ab­kom­men, das dann auf­ge­flo­gen ist? Dazu zur Er­in­ne­rung ein schon äl­te­rer, aber im­mer noch gül­ti­ger Kom­men­tar von Mal­te Hem­me­rich auf ni​u​sic​.de. Die lang­fris­tig ge­schlos­se­ne New Yor­ker Met streamt ak­tu­ell kos­ten­los eine Mo­zart-Wo­che (sie­he in der Lis­te wei­ter un­ten), und da­nach fol­gen sie­ben Tage mit Wagner-Produktionen …

Tipps und Links vom 26. und 27. Sep­tem­ber: Der streit­ba­re In­ten­dant Uwe-Eric Lau­fen­berg sorgt schon wie­der für Schlag­zei­len: Das Hes­si­sche Staats­thea­ter Wies­ba­den muss­te ges­tern sei­nen Spiel­be­trieb ein­stel­len, die Hes­sen­schau be­leuch­tet den Streit um das Hy­gie­nekon­zept et­was aus­führ­li­cher. Man darf ge­spannt sein, wie das wei­ter geht. Für BR Klas­sik hat Ju­lia Schöl­zel die de­si­gnier­te „Holländer“-Dirigentin Oksa­na Ly­niv in­ter­viewt, die tat­säch­lich die ers­te weib­li­che Di­ri­gen­tin ei­ner Bay­reu­ther Fest­spiel­pro­duk­ti­on ist und sich aus­führ­lich zu die­ser Mis­si­on äu­ßert. Das Pi­lot­pro­jekt an der Baye­ri­schen Staats­oper hat, wie die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet, nur po­si­ti­ve Er­geb­nis­se er­bracht. Wol­len wir hof­fen, dass das auch die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung so sieht. Auf die SZ-Kri­ti­ken von Eg­bert Tholl zum Zü­ri­cher „Bo­ris Go­dunow“ und spe­zi­ell über Mi­cha­el Vol­le in der Ti­tel­rol­le ver­wei­se ich des­halb ger­ne, weil die Pro­duk­ti­on ab Sams­tag Abend um 18 Uhr (mit Vor­pro­gramm) auf der Home­page der Oper Zü­rich als kos­ten­lo­ser Live­stream zu er­le­ben ist und da­nach noch für 48 Stun­den als Vi­deo on De­mand kos­ten­los zur Ver­fü­gung steht. Soll­te man nicht verpassen!

Tipps und Links vom 24. und 25. Sep­tem­ber: Schon wie­der eine Schre­ckens­mel­dung: Die New Yor­ker Met bleibt, wie In­ten­dant Pe­ter Gelb mit­teilt, bis zur nächs­ten Sai­son, das heißt bis Sep­tem­ber 2021 ge­schlos­sen. Das ist, wie in der New York Times zu le­sen steht, „ein er­schre­cken­des Si­gnal für die Kul­tur“. Da blei­ben so­gar in Wien die Kro­ko­dils­trä­nen aus, die manche/​r nor­ma­ler­wei­se über die Ab­sa­ge des Wie­ner Opern­balls ver­gos­sen hät­te. Da­mit nie­mand trost­los in die nächs­ten Tage ge­hen muss, sei schnell noch auf die No­mi­nie­run­gen zum Faust-Preis des Deut­schen Büh­nen­ver­eins ver­wie­sen. Un­ter den No­mi­nier­ten sind Se­bas­ti­an Ell­rich für sein „Lohengrin“-Bühnenbild am Thea­ter Chem­nitz, Jo­chen Big­an­zo­li  für sei­ne „Tristan“-Inszenierung am Thea­ter Ha­gen und Lise Da­vid­sen, die im letz­ten Fest­spiel­som­mer als „Tannhäuser“-Elisabeth bril­lier­te und in der „Walküre“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim an der Deut­schen Oper Ber­lin ab 27. Sep­tem­ber als Sieg­lin­de zu er­le­ben ist. Und nicht ver­ges­sen: Am Frei­tag be­ginnt das kos­ten­lo­se Strea­ming-Wo­chen­en­de der Oper Zü­rich (De­tails sie­he wei­ter un­ten)!Tipps und Links vom 23. Sep­tem­ber: Die po­si­ti­ve Nach­richt ist doch, dass in Zü­rich die Oper, so wie wir sie ken­nen, of­fen­bar doch nicht zu Gra­be ge­tra­gen wird, ob­wohl bei Mo­dest Mus­sorgskis  „Bo­ris Go­dunow“ Chor und Or­ches­ter nicht im sel­ben Raum, son­dern ei­nen Ki­lo­me­ter ent­fernt agie­ren: Hier Links zu den Kri­ti­ken von Bernd Künzig auf BR Klas­sik und im Ge­spräch mit der SWR2-Re­dak­ti­on, Kers­tin Holm in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung und Jo­seph Auch­ter auf se­nior­web. Zu­sätz­lich zu emp­feh­len ist das kur­ze Vi­deo „Sound-Über­tra­gung von ne­ben­an“ mit Ton­meis­ter Oleg Sur­gutschow auf der Home­page der Oper Zü­rich. Und nicht zu ver­ges­sen: Am Frei­tag star­tet das kos­ten­lo­se Strea­ming-Wo­chen­en­de aus dem Opern­haus Zü­rich mit fol­gen­dem Pro­gramm: am 25. Sep­tem­ber Pre­mie­re von Em­me­rich Kál­máns Ope­ret­te Die Csár­dás­fürs­tin (In­sze­nie­rung: Jan Phil­ipp Glo­ger, mit An­net­te Dasch und Pa­vol Bres­lik); am 26. Sep­tem­ber Live-Über­tra­gung der gross­for­ma­ti­gen Neu­pro­duk­ti­on Bo­ris Go­dunow von Mo­dest Mus­sorg­ski (In­sze­nie­rung: Bar­rie Kos­ky, mit Mi­cha­el Vol­le in der Ti­tel­rol­le); am 27. Sep­tem­ber Wie­der­auf­nah­me der Er­folgs­pro­duk­ti­on Ma­ria Stuar­da von Ga­eta­no Do­ni­zet­ti (mit Dia­na Damrau).Tipps und Links vom 22. Sep­tem­ber: Schre­ckens­mel­dun­gen aus al­ler  Welt: In Ma­drid er­zwin­gen zu eng be­ein­an­der sit­zen­de Zu­schau­er in den Rän­gen des Tea­tro Real den Ab­bruch ei­ner Vor­stel­lung von Ver­dis „Mas­ken­balls“, wie die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung be­rich­tet, in Zü­rich hört Kri­ti­ker Chris­ti­an Ber­zins vom St. Gal­ler Tag­blatt bei der Neu­pro­duk­ti­on von „Bo­ris Go­dunow“ mit der Live­über­tra­gung von Chor­ge­sang und Or­ches­ter­mu­sik schon die To­ten­glo­cken für die Oper läu­ten, und die New York Times hat auf­ge­deckt, dass die Met, um den Ver­trag mit Ja­mes Le­vi­ne nach in­ter­nen Me­Too-Un­ter­su­chun­gen auf­zu­lö­sen, eine Ab­fin­dung in Höhe von 3,5 Mil­lio­nen Dol­lar be­zah­len muss­te, da sei­nem vor lan­ger Zeit ab­ge­schlos­se­nen Ver­trag die heu­te üb­li­che „mo­ra­li­sche Klau­sel“ und da­mit die recht­li­che Grund­la­ge für die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses fehl­te. Al­len, die im­mer noch dazu nei­gen, se­xis­ti­sche Über­grif­fe von be­rühm­ten Künst­lern als Ka­va­liers­de­lik­te auf­zu­fas­sen, sei die Lek­tü­re ei­nes Bei­trags von Ma­ren Kroy­mann und Lie­se­lot­te Stein­brüg­ge aus der Süd­deut­schen Zei­tung zum Fall Matz­neff na­he­ge­legt. Ge­nug für heute!

Tipps und Links vom 21. Sep­tem­ber: Heu­te ste­hen Ge­ne­sung und Rück­kehr der Fest­spiel­lei­te­rin an ih­ren Ar­beits­platz im Fo­kus. Ma­nu­el Brug hat Ka­tha­ri­na Wag­ner und Heinz-Die­ter Sen­se für „Die Welt“ (mit Be­zahl­schran­ke) aus­führ­lich in­ter­viewt, der Nord­baye­ri­sche Ku­rier lie­fert die längs­te Kurz­fas­sung da­von. In künst­le­ri­scher Hin­sicht re­le­vant sind da­bei zwei Na­mens­nen­nun­gen: Die Haupt­ver­ant­wort­li­chen der „Holländer“-Neuinszenierung 2021 sind Di­ri­gen­tin Oksa­na Ly­niv (als ers­te Frau im Bay­reu­ther Or­ches­ter­gra­ben) und Re­gis­seur Dmi­tri Tcher­nia­kov; In­ter­view­er Brug kün­digt – noch un­be­stä­tigt – zu­dem As­mik Gri­go­ri­an als Sen­ta an. Un­ab­hän­gig da­von hat Pe­ter Ueh­ling in der Ber­li­ner Zei­tung ein ziem­lich kri­ti­sches Auge auf Bay­reuth ge­wor­fen. Für Puc­ci­ni-Fans bie­tet die New Yor­ker Met eine ab­wechs­lungs­rei­che Strea­ming-Wo­che (sie­he wei­ter un­ten), ei­nen schö­nen Er­satz-Wiesn-Auf­takt fünf Blä­sern des Baye­ri­schen Staats­or­ches­ters mit der Höl­len­fahrt­pol­ka. Und die pfif­figs­te Über­schrift ist ein­deu­tig Axel Brüg­ge­mann in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar bei Cre­scen­do gelungen.

Tipps und Links vom 18., 19. und 20. Sep­tem­ber: Netreb­ko-Co­vid-19-Mel­dun­gen ha­ben Kon­junk­tur. Die größ­te Über­ra­schung kommt al­ler­dings nicht aus Russ­land, son­dern aus Leip­zig: Opern­in­ten­dant Ulf Schir­mer hat be­kannt ge­ge­ben, dass er an­stel­le der Über­nah­me der we­gen Co­ro­na in Bar­ce­lo­na noch nicht auf­ge­führ­ten „Lohengrin“-Inszenierung von Ka­tha­ri­na Wag­ner jetzt ei­nen „krea­tiv ver­kürz­ten“ Rumpf-„Lohengrin“ ohne die Wag­ner-Ur­en­ke­lin plant. Wäh­rend in Ber­lin, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, in den Sä­len schon et­was mehr geht und bei der un­ge­kürz­ten „Walküre“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim ab 27. Sep­tem­ber jetzt statt 450 im­mer­hin 770 Zu­schau­er im Schach­brett­mus­ter plat­ziert wer­den dür­fen, hat in Bay­ern laut Münch­ner Abend­zei­tung auch der Eil­an­trag von Mün­chen­mu­sik-Chef An­dre­as Schessl nichts ge­fruch­tet. Zum gu­ten Schluss ein TV- und ein Ein­kaufs-Tipp: Heu­te, am 18. Sep­tem­ber, wird in Wien bei an­ge­kün­digt bes­tem Wet­ter im Schön­brun­ner Schloss­park das tra­di­tio­nel­le „Som­mer­nachts­kon­zert“ der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker vor 1250 ge­la­de­nen Gäs­ten nach­ge­holt. Di­ri­gent ist Va­le­ry Ger­giev, es singt Jo­nas Kauf­mann. Zeit­ver­setz­te Live-Über­tra­gun­gen bie­ten ORF 2 um 20.15 Uhr und 3sat um 21.55 Uhr. Und wer noch eine au­ßer­ge­wöhn­li­che Mas­ke mit er­wei­ter­tem Hör­ge­nuss sucht: Iván Fi­scher vom Bu­da­pest Fes­ti­val Or­ches­tra bie­tet sie an. Man sieht dann üb­ri­gens aus wie ein krea­tiv ver­kürz­ter Rumpf-Lohengrin …

Tipps und Links vom 17. Sep­tem­ber: Die Rück­kehr Ka­tha­ri­na Wag­ners an ih­ren Ar­beits­platz nach lan­ger schwe­rer Er­kran­kung ist im­mer noch The­ma in al­len Me­di­en. Hier die dpa-Mel­dung von Brit­ta Schul­te­jans und ein ein Vi­deo aus der Me­dia­thek des Baye­ri­schen Rund­funks. Und wäh­rend das RKI Wien als Ri­si­ko­ge­biet ein­ge­stuft hat, lobt Re­gis­seur Chris­tof Loy auf Heu​te​.at im Vor­feld sei­ner heu­ti­gen Pre­mie­re mit der Ve­ris­mo-Oper „Zazà“ von Rug­ge­ro Le­on­ca­val­lo am Thea­ter an der Wien die ös­ter­rei­chi­sche Kul­tur­po­li­tik – aus ganz thea­ter­prak­ti­schen Grün­den. Was er meint, lässt sich un­ter an­de­rem an der jüngs­ten Kri­tik von Jan Brach­mann aus der F.A.Z. ab­le­sen. Es kann an der Frank­fur­ter Oper aber auch an­ders ge­hen, wie die Frank­fur­ter Rund­schau vor­be­rich­tet … Dazu schnell noch eine pro­mi­nen­te Co­ro­na-Er­kran­kung: Anna Netreb­ko!

Tipps und Links vom 16. Sep­tem­ber: In der Pas­sau­er Neu­en Pres­se hat Re­dak­teu­rin Re­gi­na Ehm-Klier, die un­ter an­de­rem stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Fest­spiel­för­der­ver­eins Taff ist, heu­te ei­nen Ar­ti­kel ver­öf­fent­licht, in dem Ka­tha­ri­na Wag­ner erst­mals Aus­sa­gen zu ih­rer Er­kran­kung macht und be­stä­tigt, dass sie sechs Wo­chen lang im Koma ge­le­gen habe. Die Fest­spiel­lei­te­rin ist nach meh­re­ren Ope­ra­tio­nen – dar­un­ter die Ent­fer­nung von Lun­gen­throm­bo­sen – und Re­ha­maß­nah­men in ver­schie­de­nen Kli­ni­ken nach ei­ge­nen An­ga­ben wie­der „voll­stän­dig ge­ne­sen“ und neh­me un­ter stren­gen Co­ro­na-Re­ge­lun­gen am Mon­tag ihre Ar­beit wie­der auf.Tipps und Links vom 15. Sep­tem­ber: Lang­sam be­gin­nen die Ak­ti­vi­tä­ten an den Opern­häu­sern, mit spür­ba­ren Un­ter­schie­den: an der Ber­li­ner Staats­oper, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, wur­de die Sai­son mit ei­ner Wie­der­auf­nah­me der Neu­en­fels-In­sze­nie­rung von „Ari­ad­ne auf Na­xos“ von Ri­chard Strauss ge­star­tet, am Thea­ter Mag­de­burg mit ei­ner Neu­in­sze­nie­rung von Mo­zarts „La cle­men­za di Tito“ durch Diet­rich Hils­dorf und „sei­nem Re­gie­as­sis­ten­ten-Neu­trum na­mens Co­ro­na“, wie Joa­chim Lan­ge in der Neu­en Mu­sik-Zei­tung schreibt. Dazu noch zwei Mel­dun­gen aus zwei Wie­ner Thea­tern, die be­stimmt kei­ner will: Die Kro­nen­zei­tung und der ORF schla­gen Corona-Alarm.

Tipps und Links vom 14. Sep­tem­ber: Ne­ben der nun auch in Beers Blog ver­brei­te­ten Wag­ne­ria­ner-Top-Nach­richt „Die Che­fin kommt zu­rück!“ steht für mich heu­te ein­deu­tig ein Ar­ti­kel aus dem Ta­ges­spie­gel im Fo­kus: Das In­ter­view von Fre­de­rick Hans­sen mit der Akus­ti­ke­rin Bri­git­te Gra­ner öff­net ei­nem nicht nur die Au­gen für die ak­tu­el­len Hör­erfah­run­gen in mi­ni­mal be­setz­ten Sä­len. Die Fra­ge „Ste­hen Künst­ler­agen­tu­ren welt­weit vor dem Aus?“ stellt An­to­nia Mo­rin auf BR Klas­sik, wäh­rend Ba­ri­ton Mat­thi­as Gör­ne in der Welt, bzw. der „Welt am Sonn­tag“ für die Kul­tur ge­ne­rell schwarz sieht. Ach, Corona.

Tipps und Links vom 12. und 13. Sep­tem­ber: Die Top-Nach­richt kommt aus Groß­bri­tan­ni­en, die Nor­man Leb­recht schon am Don­ners­tag auf Slip­ped­Disc ex­klu­siv ver­mel­de­te. Zwar stimmt sein Ti­tel „Ka­tha­ri­na Wag­ner is back at work“ nicht ganz, weil die Bay­reu­ther Fest­spie­le sich tra­di­tio­nell von 1. bis 20. Sep­tem­ber in Be­triebs­ur­laub be­fin­den. Aber an­sons­ten ist die Mel­dung kor­rekt, wie mei­ne ent­spre­chen­de Rück­fra­ge in Bay­reuth – eben­falls ganz of­fi­zi­ell – er­ge­ben hat. Wir freu­en uns mit, dass die Fest­spiel­lei­te­rin von ih­rer lan­gen schwe­ren Er­kran­kung end­lich ge­ne­sen ist. Und um in der Fa­mi­lie zu blei­ben: Auch Nike Wag­ner ist an ih­ren Ar­beits­platz zu­rück­ge­kehrt: „Ja, auch das Beet­ho­ven­fest fei­ert 2021 eine Auf­er­ste­hung nach den de­pres­si­ven Mo­na­ten von Co­ro­na!“, sag­te sie bei der Vor­stel­lung des Pro­gramm-Up­dates, wie die Deut­sche Wel­le be­rich­tet. Zwei Wag­ne­rin­nen an ei­nem Wo­chen­en­de, das muss ei­gent­lich rei­chen, oder?

Tipps und Links vom 10. und 11. Sep­tem­ber: Von Nor­ma­li­tät kann na­tür­lich noch kei­ne Rede sein, aber all­mäh­lich kommt das Thea­ter-, Kon­zert- und Opern­le­ben wie­der in die Gän­ge, was be­deu­tet, dass auch die­ser Ser­vice peu à peu her­un­ter­ge­schraubt wer­den kann. In Mün­chen ist das Na­tio­nal­thea­ter nun nicht mehr al­lein pri­vi­le­giert, 500 an­stel­le von nur 200 Zu­schau­ern rein­las­sen zu dür­fen. Auch im Gas­teig läuft jetzt ein Pi­lot­pro­jekt, wie BR Klas­sik be­rich­tet. Hof­fent­lich klappt das bald auch in der Bam­ber­ger Kon­zert­hal­le, denn der ak­tu­el­le Ver­such, die je­weils 200 Kar­ten für vier Abokon­zer­te im Sep­tem­ber an jene Sym­pho­ni­ker-Abon­nen­ten zu ver­ge­ben, die te­le­fo­nisch an der ewig be­leg­ten Num­mer vom BVD-Kar­ten­ser­vice durch­ge­kom­men sind, ist für alle an­de­ren Mu­sik­freun­de, die es im­mer noch und im­mer wie­der ver­su­chen, weil es kei­ne ent­spre­chen­de An­sa­ge gibt, nur frus­trie­rend. Üb­ri­gens wird es an der Deut­schen Oper Ber­lin, wenn Co­ro­na nicht noch da­zwi­schen funkt, am 27. Sep­tem­ber mit der „Wal­kü­re“ die ers­te ge­nui­ne Wag­ner-Pre­mie­re im Saal ge­ben, mit ei­ner groß­ar­ti­gen So­lis­ten­rie­ge. Drü­cken wir alle die Dau­men! Und nicht ver­ges­sen: Am Frei­tag, 11. Sep­tem­ber um 18 Uhr, bie­tet BR Klas­sik Con­cert den kos­ten­lo­sen Live­stream der kon­zer­tan­ten Oper „Gis­mondo“ von Leo­nar­do Vin­ci aus dem Mark­gräf­li­chen Opern­haus mit Max Ema­nu­el Cen­cić und sei­ner Sän­ger- und Mu­si­ker­rie­ge. Ak­tu­el­ler Nach­trag: Die Wie­ner Staats­oper bie­tet eben­falls kos­ten­lo­se – und vor­erst auch in­ter­na­tio­nal – Live­streams an, für die man sich re­gis­trie­ren muss: Das Pro­gramm star­tet Frei­tag, 11. Sep­tem­ber um 20 Uhr mit „Elek­tra“ in der In­sze­nie­rung von Har­ry Kupfer.

Tipps und Links vom 9. Sep­tem­ber: Nach­dem die der­zei­ti­gen Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH und de­ren Pres­se­spre­cher be­reits  das Pro­gramm der Fest­spie­le 2021 um­ris­sen ha­ben, hat laut der Deut­schen Pres­se-Agen­tur jetzt auch Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der Ge­org von Wal­den­fels nach­ge­legt bzw. of­fi­zi­ell be­stä­tigt. We­nigs­tens hat er die Na­men der künst­le­risch Ver­ant­wort­li­chen für die „Holländer“-Neuinszenierung noch au­ßen vor ge­las­sen, denn schließ­lich soll auch Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner, wenn sie nach lan­ger Krank­heits­pau­se wie­der an­tritt, noch et­was zu sa­gen ha­ben. Selbst die Ta­ges­schau hat in­zwi­schen die spär­lich be­setz­ten Zu­schau­er­rei­hen in deut­schen Thea­tern ent­deckt: „Lee­re Rän­ge, kur­ze Opern, kei­ne Küs­se“ heißt es in dem NDR-Be­richt, wäh­rend Ul­rich Khuon vom Deut­schen Büh­nen­ver­ein im In­ter­vie mit dem Deutsch­land­funk Kul­tur schon wei­ter nach vor­ne schaut. Hier noch eine Ak­tua­li­sie­rung zu den Über­tra­gun­gen von Bay­reuth Ba­ro­que, die sich fast täg­lich än­dern … Heu­te und mor­gen Abend läuft ab je­weils 20.30 Uhr auf den Face­book­sei­ten von BR-KLAS­SIK, BR Fran­ken so­wie Bay­reuth Ba­ro­que eine Live­über­tra­gung von „Car­lo il cal­vo“, der Vi­deo­stream der hin­rei­ßen­den Auf­füh­rung mit ei­ner so­lis­ti­schen Traum­be­set­zung soll jetzt im No­vem­ber folgen.

Tipps und Links vom 8. Sep­tem­ber: Noch­mal Abra­mo­vić, weil’s so schön ist: „Die Welt“ hat näm­lich gleich zwei Kri­ti­ken ver­öf­fent­licht, eine von Ma­nu­el Brug im nor­ma­len Kul­tur­teil und eine in der Mode-Ab­tei­lung der „Welt am Sonn­tag“, wo Clark Par­kin das Gan­ze selbst­ver­ständ­lich als gro­ßes Kunst­werk ver­kauft. Drei wei­te­re Ta­ges­zei­tungs­ar­ti­kel bie­ten sich an, um zu be­leuch­ten, wie un­ter­schied­lich sich ak­tu­ell die Hy­gie­neschutz­maß­nah­men zum Bei­spiel in Dort­mund in Kon­zert und Oper so­wie in den Mehr­spar­ten­häu­sern in Graz und in Plau­en aus­neh­men. Wäh­rend man am Vogt­land­thea­ter die Hän­del-Oper „Tamer­la­no“ of­fen­bar noch auf­teilt, um pau­sen­lo­se Auf­füh­run­gen zu ha­ben, ist man in Bay­reuth aus­nahms­wei­se schon wei­ter. Heu­te Abend fin­det im Mark­gräf­li­chen Opern­haus die letz­te Auf­füh­rung von „Car­lo il cal­vo“ statt. Wer kei­ne Kar­ten hat, kann das mit zwei Pau­sen fünf­stün­di­ge Sän­ger­fest zu­min­dest akus­tisch ab 18 Uhr live mit­er­le­ben, auf BR Klas­sik. Eine Vi­deo­auf­zeich­nung soll on­line im Ok­to­ber nach­ge­reicht werden.

Tipps und Links vom 7. Sep­tem­ber: Sor­ry, ein wich­ti­ger Ge­burts­tag hat mei­nen Zeit­plan doch et­was durch­ein­an­der ge­bracht. Zu­erst rei­che ich ger­ne ei­nen Satz aus der „Car­lo il cal­vo“-Kri­tik in der Süd­deut­schen Zei­tung nach, weil der Link dazu für die meis­ten vor der Be­zahl­schran­ke en­de­te: „Zwar geht dem bou­le­var­des­ken Kri­mi“, schreibt Eg­bert Tholl, „im Lau­fe der fünf Stun­den ein we­nig die Luft aus, zwar wird man von 100 000 Ko­lo­ra­tu­ren ganz wu­schig im Kopf, aber die Ge­sangs­leis­tun­gen sind atem­be­rau­bend.“ Auch die Ar­ti­kel über das Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und von Mar­co Frei in der NZZ sei­en ger­ne ver­linkt. Was die Bay­reu­ther Fest­spie­le be­trifft, so hat Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann der Bay­reu­ther Sonn­tags­zei­tung und dem Stadt­por­tal In­Bay­reuth ein paar klä­ren­de Aus­künf­te zum Pro­gramm 2021 und der Kar­ten­be­stel­lung ge­ge­ben: „Ge­plant sind“, so wird Herr­mann zi­tiert, „die Neu­in­sze­nie­rung ‚Der flie­gen­de Hol­län­der‘ und die Wie­der­auf­nah­men von ‚Tann­häu­ser‘, ‚Lo­hen­grin‘ und ‚Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg‘ so­wie kon­zer­tan­te Auf­füh­run­gen als Er­satz­pro­gramm für ver­scho­be­ne Spiel­ta­ge der ‚Ring des Nibelungen‘-Neuproduktion. Für 2020 ge­kauf­te Kar­ten blei­ben auch 2021 gül­tig, ‚Ring‘-Tickets bis 2022. Das be­währ­te Kar­ten-Be­stell­ver­fah­ren ist auf Mai 2021 ver­scho­ben, al­les an­de­re wäre grob fahr­läs­sig.“ Apro­pos 2022: Da soll (ne­ben der ver­scho­be­nen Neu­in­sze­nie­rung der „Ring“-Tetralogie) un­ter an­de­rem auch „Par­si­fal“ auf dem Pro­gramm ste­hen, mit Pio­tr Be­c­zała in der Ti­tel­rol­le, Anja Har­te­ros und Lu­do­vic Té­zier, wie der Te­nor im In­ter­view mit dem spa­ni­schen Pla­tea Ma­ga­zi­ne an­kün­digt hat. Hof­fent­lich gibt es dann schon den Impf­stoff und wirk­sa­me Co­ro­na-Me­di­ka­men­te. Denn wie Frank­furts In­ten­dant Bernd Lo­e­be im dpa-In­ter­view so schön sagt: „Nie­mand denkt ak­tu­ell an ‚Par­si­fal‘.“

Tipps und Links vom 5. und 6. Sep­tem­ber: Zum Ba­rock­opern­wun­der in Bay­reuth gibt es wei­te­re Kri­ti­ken: Joa­chim Lan­ge ju­belt in der Wie­ner Zei­tung und Eg­bert Tholl legt in der Süd­deut­schen Zei­tung nach. Wie die Baye­ri­sche Staats­oper be­fin­det sich auch die Oper Frank­furt noch im Ein­ak­ter-Mo­dus. Über die ein­ge­kürz­te „Puritani“-Vorstellung zur Sai­son­er­öff­nung be­rich­tet Bern­hard Uske in der Frank­fur­ter Rund­schau. In den ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en dreht sich jetzt fast al­les um die ers­te Sai­son des neu­en Staats­opern­di­rek­tor Bog­dan Roščić und den neu­en Mu­sik­di­rek­tor Phil­ip­pe Jor­dan, der in Wien in sei­ner fünf­ten Spiel­zeit ei­nen neu­en „Ring“ di­ri­gie­ren wird. Ak­tu­ell wird Jor­dan in sei­ner Ab­schieds­sai­son an der Pa­ri­ser Oper zwei kon­zer­tan­te „Ring“-Zyklen di­ri­gie­ren (de­ren sze­ni­sche Rea­li­sa­ti­on un­ter Ca­lix­to Bi­ei­to we­gen Co­ro­na of­fen­bar stor­niert wur­de). Der kon­zer­tan­te „Ring“ fin­det von 23. bis 28. No­vem­ber zur Sai­son­er­öff­nung der Bas­til­le-Oper statt, von 30. No­vem­ber bis 6. De­zem­ber im Au­di­to­ri­um von Ra­dio France.
Zum heu­ti­gen Live-Stream ab 18.30 Uhr von „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ ver­wei­se ich ger­ne auf mei­nen zwei­tei­li­gen Pre­mie­ren­be­richt, mit der An­mer­kung, dass die Wir­kung ei­ner sol­chen Pro­duk­ti­on, wenn man sie im Na­tio­nal­thea­ter von ei­nem sehr gu­ten Platz im 3. Rang er­lebt, grund­sätz­lich eine an­de­re ist als bei ei­ner Auf­zeich­nung. Und da­mit kei­ner denkt, ich wol­le mit mei­nem mo­de­ra­ten Ver­riss Recht ha­ben, ver­lin­ke ich ger­ne auch die Ju­bel-Kri­tik von Laszlo Mol­nar in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, der das al­les kom­plett an­ders ge­se­hen hat und über­rei­che ein­mal mehr Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur den Preis für die bes­te Kurz-Über­schrift: In sei­nem „Jes­sas Ma­ri­na“ steckt ei­gent­lich schon al­les drin. Wozu mein Fern­seh­pro­gramm am Sonn­tag fast naht­los passt: ab 16.45 Uhr gu­cke ich Arte, denn dort wird aus dem Mai­län­der Dom zu Eh­ren der Op­fer der Pan­de­mie Ver­dis Re­qui­em un­ter Ric­car­di Chail­ly gesendet.

Tipps und Links vom 4. Sep­tem­ber: Ein fünf­stün­di­ger Ba­rock­opern­abend mit zwei Pau­sen, das ist nicht nur für Freun­de der Ba­rock­mu­sik eine gute Nach­richt! Es geht also – wenn die Be­lüf­tung des Zu­schau­er­raums gut funk­tio­niert, und das ist beim Mark­gräf­li­chen Opern­haus der Fall – auch deut­lich län­ger und ohne ra­bia­te Kür­zun­gen (bei den Aus­gra­bun­gen, die Max Ema­nu­el Cenčić rea­li­siert, weiß al­ler­dings nie­mand so ge­nau, was die­ser au­ßer­ge­wöhn­li­che Sän­ger, Sze­ni­ker und Im­pre­sa­rio von vorn­her­ein streicht). Hier die ers­ten Kri­ti­ken zu „Car­lo il Cal­vo“ von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, von Ro­man Kocholl im Nord­baye­ri­schen Ku­rier und  von Pe­ter Jung­blut für den Baye­ri­schen Rund­funk, der am 8. Sep­tem­ber um 18 Uhr live auf BR Klas­sik eine Auf­zeich­nung von „Karl, dem Kah­len“ sen­det; für Ok­to­ber ist jetzt au­ßer­dem ein Vi­deo-On-De­mand an­ge­kün­digt. Zu den Mit­wir­ken­den die­ser In­sze­nie­rung zäh­len ne­ben Cenčić auch Ju­lia Lezhne­va und Bru­no de Sa, die ich in den letz­ten Jah­ren an glei­cher Stel­le in „Si­roe, Kö­nig von Per­si­en“ so­wie in „Po­li­fe­mo“ schon be­geis­tert er­le­ben durf­te. Noch ein kur­zer Blick nach Ber­lin, wo un­ter an­de­rem die „Walküre“-Premiere Ende Sep­tem­ber, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, noch nicht in tro­cke­nen Tü­chern ist, und nach Wien, wo Staats­opern­be­su­cher laut Ku­rier auf­ge­for­dert wer­den, der Ae­ro­so­le we­gen so­wohl Bra­vo- als auch Buh­ru­fe sein zu las­sen. Zu­rück nach Bay­ern mit ei­ner gu­ten und ei­ner we­ni­ger gu­ten BR-Nach­richt: Die Hilfs­pro­gram­me für Künst­ler des Frei­staats sind noch nicht aus­ge­schöpft, bis 30. Sep­tem­ber kön­nen noch An­trä­ge ge­stellt wer­den. Was die Zahl der Zu­schau­er be­trifft, wird es mit Aus­nah­me des Pi­lot­pro­jekts am Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter laut Kunst­mi­nis­ter Bernd Si­bler so schnell kei­ne Än­de­run­gen geben.

Tipps und Links vom 3. Sep­tem­ber: Heu­te Abend star­tet das neue Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que – und ich bin mir schon vor­ab si­cher, dass es ein groß­ar­ti­ger Er­folg für alle sein wird, für die Ver­ant­wort­li­chen, die Künst­ler und sons­ti­gen Mit­wir­ken­den und na­tür­lich das Pu­bli­kum, zu dem ich bei den je­weils letz­ten Vor­stel­lun­gen der bei­den Opern zäh­len wer­de. Scha­de nur, dass in Bay­ern mit Aus­nah­me des Na­tio­nal­thea­ters im­mer noch die Be­schrän­kung auf 200 Zu­schau­er gilt. Wo­mit ich bei wei­te­ren Kri­ti­ken zur Münch­ner Ur­auf­füh­rung von „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ wäre: Le­sen­wert sind Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur, Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung und Jo­han­na Schmel­ler in der taz. Mehr dar­über dem­nächst auch hier …

Tipps und Links vom 2. Sep­tem­ber: Es dau­ert noch et­was, bis ich mei­ne Kri­tik zu „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ ge­schrie­ben habe, da­her hier schon mal das, was greif­bar und le­sens­wert ist: von Pe­ter Jung­blut auf BR24 , von Jörn Flo­ri­an Fuchs auf Deutsch­land­funk Kul­turund Cor­du­la Dieck­mann von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Mehr zur Ur­auf­füh­rung mor­gen und dem­nächst in Beers Blog. Na­tür­lich bringt das Pi­lot­pro­jekt an der Staats­oper auch die Be­dürf­nis­se an­de­rer Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in den Fo­kus. In der Süd­deut­schen Zei­tung schreibt dazu Eg­bert Tholl, in der Münch­ner Abend­zei­tung wie ge­habt Ro­bert Braun­mül­ler. Dass in­zwi­schen auch die Künst­ler-Agen­tu­ren am Ab­grund ste­hen und schlie­ßen müs­sen, be­leuch­ten Mi­cha­el Stall­l­knecht in der SZ und ein Ge­spräch auf Deutsch­land­funk Kul­tur.

Tipps und Links vom 1. Sep­tem­ber: Heu­re­ka! Bin heu­te Abend bei der Münch­ner Ur­auf­füh­rung „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ mit da­bei! Zu dan­ken ist die schon lang er­war­te­te Lo­cke­rung der ex­trem re­strik­ti­ven baye­ri­schen Co­ro­na-Vor­schrif­ten für Thea­ter dem zä­hen Rin­gen von In­ten­dant Ni­ko­laus Bach­ler und ei­nem Pi­lot­pro­jekt an der Baye­ri­schen Staats­oper, die jetzt an­statt vor 200 vor im­mer­hin 500 Zu­schau­ern spie­len darf. Ro­bert Braun­mül­ler fasst die neue Lage in der Münch­ner Abend­zei­tung zu­sam­men, die in­for­ma­ti­ve Vor­schau zu die­ser un­ge­wöhn­li­chen Opern-Pro­duk­ti­on von Rita Ar­gau­er in der Süd­deut­schen sei noch­mals ver­linkt. Auch das Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que, das am 3. Sep­tem­ber erst­mals im Mark­gräf­li­chen Opern­haus er­öff­net wird, scheint (ohne dass das je­mand laut sagt) ein Pi­lot­pro­jekt zu sein, denn dort ste­hen un­ter an­de­rem zwei Ba­rock­opern mit Pau­sen (!) auf dem Pro­gramm. Bei­de Opern und zwei lu­xu­ri­ös be­setz­te Re­ci­tals wer­den vom BR auf­ge­zeich­net und ge­sen­det, wer sich schon mal in „Gis­mondo“ rein­hö­ren will: Die schon er­schie­ne­ne  CD ist ein hö­rens­wer­tes Fest, wie Eg­bert Tholl in der SZ schreibt.Tipps und Links vom 31. Au­gust: Sor­ry, bin heu­te et­was spät dran, aus­ge­rech­net, wenn ich ei­nen hei­ßen Tipp zum Strea­men habe, der in un­se­rer Zeit­zo­ne nur mor­gen früh zu nacht­schla­fe­ner Zeit ab 1.30 Uhr   und dann bis kurz nach Mit­ter­nacht funk­to­niert: Pa­tri­ce Ché­re­aus „Elektra“-Inszenierung, die un­ter an­de­rem die Me­tro­po­li­tan Ope­ra aus Aix en Pro­vence über­nom­men hat, kann am 1. Sep­tem­ber (MEZ) in der New Yor­ker Be­set­zung mit Nina Stem­me in der Ti­tel­rol­le ge­streamt wer­den. Über­haupt ist die neue Wo­che mit kos­ten­lo­sen Vi­de­os-on-De­mand der Met mit lau­ten Opern des 20. Jahr­hun­derts se­hens­wert, dar­un­ter auch „Por­gy and Bess“ in ei­ner Auf­zeich­nung vom 1. Fe­bru­ar 2020 mit An­gel Blue und Gol­da Schultz. An­sons­ten sind die Zei­tun­gen voll von Salz­burg-Bi­lan­zen und Bay­reuth-Ba­ro­que-Vor­schau­en. Was ers­te­re be­trifft, emp­feh­le ich das In­ter­view von Mar­kus Thiel mit In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser im Münch­ner Mer­kur, so­wie die An­mer­kun­gen von Rein­hard Kriech­baum auf Dreh­punkt Kul­tur über das heu­er et­was an­de­re Salz­bur­ger Pu­bli­kum. Der Baye­ri­sche Rund­funk wid­met sich dem neu­en Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que ver­dienst­voll in­ten­siv, denn ohne die Ein­nah­men durch  Ra­dio­ber­tra­gun­gen und Streams fie­le das zu er­war­ten­de Co­ro­na-De­fi­zit si­cher noch ver­hee­ren­der aus. Im Mark­gräf­li­chen Opern­haus gilt – wie an­dern­orts in Bay­ern – nach wie vor die Re­gel, dass ma­xi­mal nur 200 Zu­schau­er zu­ge­las­sen sind. Zum Schluss heu­te noch ein Ki­no­tipp aus der NZZ über das Schlin­gen­sief-Por­trät von Bet­ti­na Böh­ler „In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“.Tipps und Links vom 29. und 30. Au­gust: Zum Co­ro­na-Opern­dra­ma im be­son­ders re­strik­ti­ven Bay­ern hat Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung jetzt auch Staats­opern­in­ten­dan­ten Ni­ko­laus Bach­ler in­ter­viewt. Auch Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur hat mit ei­ner kna­cki­gen Über­schrift nach­ge­legt. Und die Wie­ner Zei­tung be­leuch­tet ein The­ma, das durch die Pan­de­mie mehr ins Be­wusst­sein ge­rückt ist: das heu­ti­ge Star-Sys­tem. An ei­nen Star der 30er Jah­re, an die tra­gisch en­den­de jü­di­sche Te­nor-Le­gen­de Jo­seph Schmidt, er­in­nern Ioan Ho­len­der, Bar­rie Kos­ky und Al­fred Fass­bind in der jüngs­ten kulTour-Fol­ge auf Ser­vus TV – mit  Ein­spie­lun­gen, die un­glaub­lich sind.Tipps und Links vom 28. Au­gust: Vor al­lem die Lage an den baye­ri­schen Opern-, Thea­ter- und Kon­zert­häu­sern steht heu­te im Mit­tel­punkt: Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung so­wie Su­san­ne Her­man­ski und Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung be­rich­ten über den Ap­pell zwei­er Münch­ner Spit­zen­or­ches­ter an Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder. Auch bei der SZ-Vor­schau von Rita Ar­gau­er auf die Ur­auf­füh­rung von Ma­ri­na Abra­mo­vićs „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ an der Baye­ri­schen Staats­oper am 1. Sep­tem­ber muss man im­mer mit­den­ken, dass in ei­nem der größ­ten eu­ro­päi­schen Opern­häu­ser der­zeit nur 200 Zu­schau­er sit­zen dür­fen. Da blickt man dann doch nei­disch nach Ös­ter­reich und spe­zi­ell Salz­burg, wo das Ri­si­ko sich of­fen­bar ge­lohnt hat, wie Mar­ga­re­te Af­fen­zel­ler und Lju­biša Tošić im Stan­dard fest­stel­len. Und wun­dert sich nicht, dass Hel­ga Rabl-Stad­ler im Stan­dard-In­ter­view mit Ste­phan Hil­pold zwar noch sehr be­sorgt, aber ver­gleichs­wei­se ge­las­sen klingt und Rein­hard Kriech­baum auf Dreh­punkt Kul­tur nach­drück­lich auf den Fest­spiel-Be­such von Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stei­ner­mei­er hin­weist. Bleibt noch ein Ju­bi­lä­um: Heu­te vor 170 Jah­ren wur­de in Wei­mar Ri­chard Wag­ners „Lo­hen­grin“ ur­auf­ge­führt, wor­über es hier ei­nen klei­nen Ar­ti­kel von mir und beim WDR ei­nen Au­dio­bei­trag von Hol­ger Nolt­ze gibt.Tipps und Links vom 27. Au­gust: Die gute Nach­richt aus Ber­lin: Ste­fan Her­heim feilt an der Deut­sche Oper an sei­ner „Walküre“-Inszenierung, die gute Nach­richt aus Bay­reuth: Der BR über­trägt vier Ter­mi­ne des neu­en Fes­ti­vals Bay­reuth Ba­ro­que, und zwar die bei­den Opern­pro­duk­tio­nen „Car­lo il Cal­vo“ von Ni­co­la Por­po­ra und „Gis­mondo, Re di Po­lo­nia“ von Leo­nar­do Vin­ci live im Ra­dio am 8. bzw. 11. Sep­tem­ber ab 18 Uhr auf BR Klas­sik (so­wie „Gis­mondo“ im Vi­deo-Live­stream) und die bei­den Ari­en-Aben­de mit Joy­ce Di­Do­na­to und Vi­vi­ca Ge­naux zeit­ver­setzt am 6. und 12. Sep­tem­ber. Wie es an der Frank­fur­ter Oper wei­ter­geht, be­rich­tet die Frank­fur­ter Rund­schau, ei­nen Ein­blick in die Co­ro­na-Ein­schrän­kun­gen beim Sai­son­start in Wien die Wie­ner Zei­tung. Noch zwei Tipps für Fans: Heu­te Abend um 20.30 Uhr sen­det Arte das Salz­bur­ger Re­ci­tal von Anna Netreb­ko mit ih­rem Mann und Te­nor­part­ner Yu­sif Ey­va­zov, und auf You­Tube ver­füg­bar ist ein vier­zig­mi­nü­ti­ges Ge­spräch mit Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le: Sa­bi­ne Sonn­tag, die ih­ren we­gen Co­ro­na ab­ge­sag­ten Vor­trag über „Wag­ner im Kino“ vor­aus­sicht­lich am 12. Ja­nu­ar 2021 in Bam­berg nach­ho­len wird, lädt un­ter dem Ti­tel „Ar­beits­platz Thea­ter“ zu ei­ner wei­te­ren Opern­vi­deo­kon­fe­renz am 3. Sep­tem­ber ein. Ein Be­stand­teil die­ses kos­ten­pflich­ti­gen Web-Se­mi­nars ist die­ses Ge­spräch mit Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le, das noch vor den Salz­bur­ger Fest­spie­len statt­fand und in dem die bei­den un­ter an­de­rem auch über sei­ne Wag­ner-Rol­len spre­chen.Tipps und Links vom 26. Au­gust: Wie es wohl in der Mu­sik- und Thea­ter­welt wei­ter­ge­hen wird? Chris­ti­an Wild­ha­gen wägt in der Neu­en Zür­cher Zei­tung ab zwi­schen Be­dürf­nis und Ri­si­ko. Zwar ha­ben die Salz­bur­ger Fest­spie­le ge­zeigt, dass und wie et­was geht, aber Fest­spie­le sind per se eine Aus­nah­me, ha­ben an­de­re Ge­ge­ben­hei­ten und Mög­lich­kei­ten als die Re­per­toire­thea­ter. Wo­von Bar­rie Kos­ky beim  In­ter­view im Ta­ges­spie­gel ein Lied zu sin­gen weiß. Hof­fent­lich nicht weit­hin hör­bar, denn dann gibt es, wie die Frank­fur­ter Rund­schau be­rich­tet, laut ei­ner ex­pe­ri­men­tel­len Stu­die der Uni­ver­si­tät Bris­tol viel mehr Ae­ro­so­le. Klingt nicht ge­ra­de gut, was Wag­ner­opern mit Chor be­trifft. Wie es scheint, hat man an der Wie­ner Staats­oper zu­min­dest in­so­fern schon mal vor­ge­sorgt, als Bra­vo­ru­fe, wie der Ku­rier mel­det, nicht mehr er­wünscht sind. Viel­leicht lohnt es sich, oh­ne­hin erst mal ab­zu­war­ten, wel­che Er­kennt­nis­se das Drei­fach-Co­ro­na-Kon­zert von Tim Bendzko in Leip­zig bringt, das der Spie­gel in eine Re­por­ta­ge ge­gos­sen hat. Ach, Co­ro­na!Tipps und Links vom 25. Au­gust: Zum heu­ti­gen gro­ßen Ju­bi­lä­ums­tag – die Hoch­zeit von Co­si­ma und Ri­chard Wag­ner vor 150 Jah­ren habe ich aus ge­ge­be­nem An­lass und vor­sorg­lich be­reits vor ei­ner Wo­che aus­führ­li­cher ge­wür­digt, dazu gibt es seit heu­te ei­nen sehr lan­gen Bei­trag zum 175. Ge­burts­tag von Kö­nig Lud­wig II., in dem bei­de Er­eig­nis­se ge­wis­ser­ma­ßen auf­ein­an­der zu­lau­fen – noch ein paar Links. Eine schö­ne Ge­samt­wür­di­gung ist Ge­org Blüml in der Ta­ges­post ge­lun­gen, der Lud­wig-Ken­ner Hans Krat­zer von der Süd­deut­schen Zei­tung  kratzt in sei­ner Glos­se so­gar ein biss­chen am Ge­burts­da­tum, und für Berg­freun­de emp­feh­le ich wahl­wei­se den Ar­ti­kel von Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung, ei­nen Bei­trag über das Schach­en­haus von Füs­sen ak­tu­ell be­zie­hungs­wei­se die Buch­neu­erschei­nung „In den Ber­gen lebt die Frei­heit“ von den bei­den SZ-Au­toren San­dra Freu­den­berg und  Ste­phan Ro­sen­boom. Dazu noch eine Über­sicht zu ein­schlä­gi­gen Kini-Sen­dun­gen beim Baye­ri­schen Rund­funk.
Zum ak­tu­el­len Kul­tur­le­ben gibt es un­ter dem Ti­tel „Wie sich eine ‚Kul­tur­na­ti­on‘ ih­rer wert­volls­ten Tra­di­ti­on be­raubt“ ei­nen kna­cki­gen Kom­men­tar von Wolf­gang Her­les auf Tichys Ein­blick wäh­rend Eg­bert Tholl in der SZ ganz kon­kret vom „Salz­bur­ger Si­gnal“ schreibt. Und da­mit Bay­reuth nicht zu kurz kommt schnell noch die Kri­tik von Frank Pion­tek über das Wag­ner-Kon­zert auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue aus dem Opern­freund. Puh, ge­nug für heu­te.Tipps und Links vom 24. Au­gust: Ges­tern Abend stand bei mir nicht das Wag­ner-Kon­zert in der Bay­reu­ther Wil­hel­mi­nen­aue auf dem Pro­gramm, son­dern nach lan­ger Pau­se mal wie­der Fuß­ball: mein ers­tes kom­plet­tes „Geis­ter­spiel“ im Fern­se­hen. Zwar bin ich be­stimmt kein Fan von rie­si­gen Men­schen­mas­sen, aber ich muss sa­gen, mir hat das Pu­bli­kum ernst­haft ge­fehlt. Dazu passt das In­ter­view mit dem jet­zi­gen TV-Kom­men­ta­tor Jor­ge Vald­ano, der un­ter an­de­rem selbst Fuß­ball­spie­ler, Trai­ner und Ma­na­ger war, in der Süd­deut­schen Zei­tung. Be­stimmt nicht wie bei ei­ner Fahrt ins Büro dürf­te sich der (min­des­tens) 79-jäh­ri­ge Ex-Star­te­nor Plá­ci­do Dom­in­go nach Me­Too-Vor­wür­fen und -Er­mitt­lun­gen so­wie ei­ner Co­vid-19-Er­kran­kung bei sei­nem Come­back am Sams­tag in Ca­ser­ta bei Nea­pel ge­fühlt ha­ben. An­ton Cup­ak, Her­aus­ge­ber vom On­line­mer­ker, schreibt zu den ge­plan­ten wei­te­ren Auf­trit­ten et­was gön­ne­risch: „Die Wie­ner Staats­oper – und nicht nur die – er­mög­licht ihm ei­nen eh­ren­vol­len Ab­gang, von sei­nen Fans wird er be­ju­belt wer­den. Das steht ihm zu, doch dann hat Ruhe zu sein!“ Steht dem Sän­ger, der nach Be­kannt­wer­den der Vor­wür­fe von sei­ner Chef­po­si­ton an der Oper Los An­ge­les Oper zu­rück­trat und des­sen Auf­trit­te seit­her in den U.S.A. und in sei­nem Hei­mat­land Spa­ni­en be­stimmt nicht grund­los ab­ge­sagt wur­den, das wirk­lich zu? Hat sich ein of­fen­bar kom­plett vi­ren­re­sis­ten­ter har­ter Kern von Fans am Salz­bur­ger Flug­ha­fen nicht schon bei der Über­rei­chung des Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­preis 2020 be­dankt? Die Salz­bur­ger Fest­spie­le, die mit die­sem Preis üb­ri­gens rein gar nichts zu tun ha­ben, sind zum Ju­bi­lä­ums­ter­min mit ei­nem Me­mo­ran­dum an die Öf­fent­lich­keit ge­tre­ten, das ein Vi­deo der Lan­des­re­gie­rung Salz­burg kurz vor­stellt und im kom­plet­ten Wort­laut bei Dreh­punkt Kul­tur zu fin­den ist. Ein Glück, dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le bis zu ih­rem 150. Ju­bi­lä­um 2026 noch ein biss­chen Zeit ha­ben … Zum gu­ten Schluss noch ein klei­nes Film­chen. In ih­rem acht­mi­nü­ti­gen Ka­ram­bo­la­ge-Bei­trag „Das Ri­tu­al: Die Bay­reu­ther Fest­spie­le“ auf Arte nimmt uns Jea­net­te Kon­rad mit nach Bay­reuth und er­in­nert sich an ih­ren ers­ten Fest­spiel­be­such 2016. Dass die Fak­ten nicht im­mer stim­men, ist ehr­lich ge­sagt dritt­ran­gig, denn die op­ti­sche Um­set­zung macht ein­fach rich­tig Spaß, um nicht zu sa­gen leuch­ten­de Au­gen.Tipps und Links vom 22. und 23. Au­gust: Heu­te ist der ei­gent­li­che Ju­liäums­tag in Salz­burg, was sich auch im Fern­seh­pro­gramm (sie­he et­was wei­ter un­ten bei Über­tra­gun­gen der Salz­bur­ger Fest­spie­le)  spie­gelt. Nach den Do­ku­men­ta­tio­nen über Opern­high­lights und die Fest­spiel­ge­schich­te so­wie ei­ner Auf­zeich­nung der ak­tu­el­len „Je­der­mann“-Pro­duk­ti­on auf 3sat kann es mor­gen dort naht­los schon am Vor­mit­tag mit „Si­mon Bocca­ne­gra“ wei­ter­ge­hen, am spä­ten Nach­mit­tag folgt auf Arte erst das Kon­zert des West-Eas­tern Di­van Or­ches­tra un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im (u.a. mit dem Sieg­fried-Idyll) und nach Mit­ter­nacht eine Auf­zeich­nung der „Aida“ von 2017 mit Anna Netreb­ko in der Ti­tel­rol­le. In der Arte Me­dia­thek kann man dar­über­hin­aus noch bis 7. Sep­tem­ber eine Do­ku­men­ta­ti­on so­wie eine kom­plet­te Auf­zeich­nung des le­gen­dä­ren Karajan-„Rosenkavalier“ von 1960 ab­ru­fen. Letz­te­ren soll­te man nicht ver­pas­sen, wenn man Sän­ger­kri­ti­ker­papst Jü­gen Kes­ting glaubt, der wie­der­um zu­sam­men mit dem Sän­ger und Lei­ter des Operstu­di­os der Wie­ner Staats­oper Mi­cha­el Kraus von Ioan Ho­len­der für Ser­vus TV zu ei­ner Aus­ga­be des Fest­spiel­talks im Schloss Leo­polds­kron ge­la­den wur­de, die ich hier­mit un­terthä­nigst eben­falls als loh­nend an­zu­prei­sen mich er­hei­sche. Schluss der mit sprach­li­chen Nost­al­gie und zu­rück nach Bay­reuth, von wo ein kos­ten­pflich­ti­ges In­ter­view aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier mit Mi­cha­el Vol­le, ei­nem der Prot­ago­nis­ten des Wag­ner-Kon­zerts am 23. Au­gust in der Wil­hel­mi­nen­aue, in­zwi­schen über die Deut­sche Pres­se-Agen­tur in Kurz­form doch ins Netz ge­fun­den hat. Ne­ben Vol­le, Gün­ther Groissböck, Da­ni­el Schmutz­hard und An­net­te Dasch wird auf der See­büh­ne auch An­dre­as Schager auf­tre­ten, der sich laut F.A.Z. in dem Ver­ein „Ope­ra meets na­tu­re“ für Baum­pflanz­pro­jek­te en­ga­giert, aus der meh­re­re Ni­be­lun­gen­wäl­der her­vor­ge­hen sol­len. Mit sei­ner fet­zi­gen Über­schrift  „Wal­kü­re für jun­ge Ei­chen“ hat es der Be­richt­erstat­ter gut ge­meint, liegt aber voll da­ne­ben, denn an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass in der mit­tel­hes­si­schen Pro­vinz jetzt Ei­chen und Eschen ge­pflanzt wer­den, hät­te er zwei­fels­frei „Wal­kü­re für jun­ge Eschen“ ti­teln müs­sen. Wer als ers­ter den zwei­ten Wag­ner-Feh­ler in die­sem Text fin­det und mel­det, hat was gut bei mir!Tipps und Links vom 21. Au­gust: Heu­te vor zehn Jah­ren ist Chris­toph Schlin­gen­sief ge­stor­ben und des­halb in al­len Feuil­le­tons prä­sent. Für die Frank­fur­ter Rund­schau hat Ul­rich Seid­ler sei­ne Wit­we und Mit­ar­bei­te­rin Aino La­be­renz in­ter­viewt, in den Ki­nos läuft ak­tu­ell der emp­feh­lens­wer­te Film „In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“ von Bet­ti­na Böh­ler, der MDR lie­fert dazu ei­nen kur­zen Trai­ler – und na­tür­lich ver­lin­ke ich ger­ne noch­mals den Bay­reuth-Teil des Aspek­te-Ge­sprächs von Gre­gor Gysi mit Schlin­gen­sief. Dass auch ich ihn ver­mis­se, mag man an mei­nen „Parsifal“-Kritiken ab­le­sen. Scha­de, dass bei den Fest­spie­len nie­mand auf die Idee ge­kom­men ist, we­nigs­tens heu­te eine Auf­zeich­nung sei­ner „Parsifal“-Inszenierung zu strea­men.Tipps und Links vom 20. Au­gust: Na­tür­lich fra­gen sich Opern- und Kon­zert­freun­de, war­um in Ös­ter­reich und in der Schweiz so viel mehr mög­lich ist als in Bay­ern: Ro­bert Braun­mül­ler geht der Sa­che in der Münch­ner Abend­zei­tung nach. Dass das Heil al­ler­dings doch nicht in Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen liegt, kann man bei­spiels­wei­se am Kurz­be­richt von Ul­ri­ke Mes­ser-Krol im On­line­mer­ker über den „Tris­tan“ bei den  Wein­viert­ler Wag­ner­fest­spie­len ab­le­sen. Oder am tvo-Be­richt über das in Gast­spiel des Sän­ger­paars Pe­tra Ma­ria Schnit­zer und Pe­ter Seif­fert in der Bay­reu­ther Wil­hel­mi­nen­aue, der nicht nur an­ge­sichts der vie­len leer ge­blie­be­nen Stüh­le zu den­ken gibt. Drü­cken wir also die Dau­men, dass das Wet­ter am Sonn­tag mit­spielt und das Groß­auf­ge­bot an Fest­spiel­sän­gern auf der See­büh­ne dies­mal we­nigs­tens auf die er­laub­ten 400 Zu­hö­rer trifft.Tipps und Links vom 19. Au­gust: Das neue Gut­ach­ten von zwei Me­di­zi­nern der Cha­ri­té hat für er­wart­ba­ren Wir­bel ge­sorgt, die ak­tu­el­le Be­richt­erstat­tung dazu geht wei­ter, zum Bei­spiel bei rbb24 und dem Ta­ges­spie­gel. Was Co­ro­na bei Mu­sik­ver­la­gen an­rich­tet und wel­che un­ab­seh­ba­ren Fol­gen das ha­ben kann, be­schreibt Vol­ker Ha­ge­dorn aus­führ­lich in der Zeit , wäh­rend die Thea­ter in Thü­rin­gen , wie die Welt be­rich­tet, of­fen­bar auf­at­men kön­nen. In Russ­land sieht laut Ma­nu­el Brug in der Welt die Lage ganz an­ders aus, spe­zi­ell beim Ma­ri­in­ski-Thea­ter in St. Pe­ters­burg. Und aus Russ­land kommt auch ein Na­mens­miss­brauch, von dem ich bis­her noch nichts wuss­te: Her­bert Wulf be­rich­tet auf der Platt­form des IPG-Jour­nals für Fra­gen in­ter­na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Po­li­tik un­ter dem Ti­tel „Out­sour­cing der Ge­walt“ über eine pri­va­te Söld­ner- und Mi­li­tär­fir­ma Wag­ner, die sich in ih­rer Na­mens­ge­bung auf Ri­chard Wag­ner be­zieht. Viel­leicht hat da je­mand die Wal­kü­ren­rittsze­ne in Fran­cis Ford Co­p­po­las An­ti­kriegs­film „Apo­ca­lyp­se Now“ falsch ver­stan­den? Wie auch im­mer: Das ist kei­ne gute Nach­richt.Tipps und Links vom 18. Au­gust: Im Brenn­punkt steht ein neu­es Gut­ach­ten von zwei Me­di­zi­nern der Cha­ri­té. Um kei­ne fal­schen Rück­schlüs­se zu zie­hen, lohnt es sich, ge­nau zu le­sen. Dazu ak­tu­el­le Be­rich­te vom rbb24, ntv und dem Ta­ges­spie­gel. Aus Bay­reuth kommt eine Kri­tik zu „Son­nen­flam­men“, ei­ner Opern­pro­duk­ti­on im ehe­ma­li­gen Reichs­hof­ki­no, wo, wie Ro­land H. Dip­pel in der Neu­en Mu­sik­zei­tung es for­mu­liert, „die zum Äu­ßers­ten ent­schlos­se­ne An­hän­ger­schaft Sieg­fried Wag­ners er­bit­ter­ten Wi­der­stand ge­gen die we­gen Co­ro­na ab­ge­sag­ten Vor­stel­lun­gen leis­te­te“. Na denn …Tipps und Links vom 17. Au­gust: Die ein­zi­ge wich­ti­ge Nach­richt aus Bay­reuth ist lei­der kei­ne gute. Das neue Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que (3. bis 13. Sep­tem­ber) un­ter der künst­le­ri­schen Lei­tung von Max Ema­nu­el Ce­nic kann zwar statt­fin­den, al­ler­dings dür­fen pro Vor­stel­lung nur 200 Zu­schau­er statt ma­xi­mal 490 ins gut kli­ma­ti­sier­te Mark­gräf­li­che Opern­haus. Das heißt: Der ge­sam­te Kar­ten­ver­kauf für die Opern- und Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen im Opern­haus wird stor­niert, die bis­he­ri­gen Kar­ten­käu­fer kön­nen in ei­nem ex­klu­si­ven Vor­ver­kauf dann noch­mals ihr Glück (dann ohne Mas­ken­pflicht am Platz) ver­su­chen. Im­mer­hin: Noch steht zu le­sen, dass die bei­den Ba­rock­opern – Ni­co­la An­to­nio Por­po­ras „Car­lo il Cal­vo“ und Leo­nar­do Vin­cis „Gis­mondo, Re di Po­lo­nia“ – mit Pause(n) durch­ge­führt wer­den. Hof­fent­lich klappt das! Apro­pos: Auch beim Frei­luft-Ari­en­abend mit Pe­ter Seif­fert, Pe­tra Ma­ria Schnit­zer, Emil Si­meo­nov und Kla­vier­be­glei­tung am Frei­tag auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue zähl­te der Nord­baye­ri­sche Ku­rier nur 200 Be­su­cher, ob­wohl dort si­cher mehr zu­ge­las­sen waren.

Tipps und Links vom 15. und 16. Au­gust: Das Wo­chen­en­de steht ganz im Zei­chen der Salz­bur­ger Fest­spie­le, denn so­wohl im Ra­dio als auch im Fern­se­hen gibt es at­trak­ti­ve Sen­dun­gen (sie­he Auf­lis­tung di­rekt im An­schluss). Dazu vor­ab zum Le­sen zwei wei­te­re aus­führ­li­che Ar­ti­kel von Chris­ti­ne Dös­sel in der Süd­deut­schen Zei­tung und Mar­co Frei in der Neu­en Zür­cher Zei­tung. Aus Bay­reuth gibt es au­ßer ei­nem In­ter­view mit dem Opern­sän­ger­paar Pe­ter Seif­fert und Pe­tra Ma­ria Schnit­zer nichts Nen­nens­wer­tes zu be­rich­ten, aus Bay­ern im­mer­hin, dass das Mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst eine Stu­die zur Ae­ro­sol­ver­brei­tung durch Chor­ge­sang und Blas­in­stru­men­te mit 120 000 Euro un­ter­stützt. Ob dann al­les gut wird? Noch schnell ein Tipp für Spät-Gu­cker und Strea­mer: Arte zeigt am 16. Au­gust um 23.50 Uhr eine Auf­zeich­nung der Ruhr­tri­en­na­le 2019 von Györ­gy Li­ge­tis Re­qui­em, das der un­ga­ri­sche Re­gis­seur Kor­nél Mun­druc­zó un­ter dem Ti­tel „Evo­lu­ti­on“ spek­ta­ku­lär in­sze­nier­te (an­schlie­ßend on­line bis 14. November).

Tipps und Links vom 14. Au­gust: Au­ßer ei­nem In­ter­view mit Max Ema­nu­el Cenčić, dem Wie­ner Coun­ter­te­nor und Grün­dungs­di­rek­tor des neu­en Fes­ti­vals Bay­reuth Ba­ro­que in der Klei­nen Zei­tung, gibt es heu­te nicht viel Neu­es. Für alle, die Zeit da­für ha­ben, set­ze ich noch­mals die Links zu zwei Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen, die kurz vor Be­ginn der Nicht-Fest­spiel­zeit in un­ter­schied­li­chen An­sät­zen und Be­set­zun­gen Bay­reuth zum The­ma hat­ten: Die SWR-Dis­kus­si­on „Ri­chard Wag­ners Bay­reuth im Co­ro­na-Zeit­al­ter“ mit Heinz-Die­ter Sen­se (Ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le), Pro­fes­sor Ste­phan Mösch (Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he), Pa­tric Sei­bert (Re­gis­seur, Dra­ma­turg und Mit­wir­ken­der im Castorf-„Ring“) so­wie Mo­de­ra­tor Bernd Künzig lohnt vor al­lem we­gen der Bei­trä­ge vom aus Bay­reuth stam­men­den Bay­reuth-Ken­ner Mösch, beim Ex­per­ten­ge­spräch der Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ un­ter dem Ti­tel „Die Fest­spie­le fal­len aus. Wie geht es wei­ter mit Bay­reuth?“  re­de­te sich Wahn­fried-Di­rek­tor Sven Fried­rich in Top­form. Wer ab­ge­se­hen da­von Lust auf Eng­lisch hat, dem sei aus der Ein­stei­ger-Se­rie der Ta­ges­zei­tung The Guar­di­an die Wag­ner-Ein­füh­rung von Mar­tin Kett­le emp­foh­len, auch we­gen ei­ni­ger at­trak­ti­ver Au­dio- und Vi­deo-Links. Fast hät­te ich ver­ges­sen, dass heu­te das ver­kürz­te Lu­cern­ce Fes­ti­val star­tet. Arte be­glei­tet das Auf­takt­wo­chen­en­de mit Live­streams von Kon­zer­ten mit Mar­tha Ar­ge­rich, Her­bert Blom­stedt so­wie Solist*innen des Lu­cer­ne Fes­ti­val Or­che­s­tras ab heu­te um 18.30 Uhr.

Tipps und Links vom 13. Au­gust: Heu­te vor 144 Jah­ren wur­den mit der „Rheingold“-Erstaufführung in Bay­reuth die ers­ten Wag­ner­fest­spie­le er­öff­net. Wer aus die­sem Grund heu­te nach frei ver­füg­ba­ren Bay­reu­ther „Rheingold“-Aufzeichnungen sucht, wird wie folgt fün­dig: ers­tens beim Baye­ri­schen Rund­funk, wo man den kom­plet­ten Petrenko-„Ring“ von 2015 hö­ren (bis 31. De­zem­ber 2020) und die Vi­de­os der „Ring“-Inszenierungen von Pa­tri­ce Ché­reau von 1989/80 (bis 6. Sep­tem­ber) und Har­ry Kup­fer von 1991/92 (bis 25. Au­gust)  nach­er­le­ben kann, und zwar ganz nach ei­ge­nem Zeit­plan. Für Lieb­ha­ber noch äl­te­rer Auf­nah­men hat Rü­di­ger Win­ter auf Ope­ra­lounge eine aus­führ­li­che ver­glei­chen­de Be­spre­chung über die Bay­reu­ther „Ring“-Einspielungen un­ter Ru­dolf Kem­pe vor­ge­legt. Und weil wir ge­ra­de bei his­to­ri­schen In­ter­pre­ta­tio­nen sind: Im Spie­gel nimmt sich Tho­mas Schmoll bei­spiel­haf­te Beet­ho­ven-Ein­spie­lun­gen auf Ori­gi­nal­in­stru­men­ten vor. Die Lek­tü­re legt ein­deu­tig und drän­gend die Fra­ge nahe, wann die Fest­spie­le ih­rem Pu­bli­kum end­lich auch ein­mal Ori­gi­nal­klang bie­ten. Im Mo­ment ha­ben Kent Na­ga­no, Con­cer­to Köln und die Kunst­stif­tung NRW mit ih­rem Wag­ner-Les­ar­ten-Pro­jekt ein­deu­tig die Nase vorn. Zu­rück zur Ge­gen­wart und zur Co­me­dy, denn die heu­ti­ge Edi­ti­on der „Su­per­bay­ern“ fragt bei Ed­mund, Hu­bert und Mar­kus nach, ob sie es scha­de fin­den, dass sie heu­er nicht zur Fest­spiel­eröff­nung kom­men konnten …

Tipps und Links vom 12. Au­gust: Dass Ju­dith von Stern­burg, eine mei­ner Lieb­lings­kri­ti­ke­rin­nen, sehr ge­nau hin­zu­schau­en weiß, zeigt auch ihre ak­tu­el­le Mas­ken-Glos­se in der Frank­fur­ter Rund­schau.
Dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le nicht nur ei­nen neu­en Pres­se­spre­cher, son­dern auch ei­nen neu­en Tech­nik­di­rek­tor ha­ben, zeigt Ul­ri­ke Gla­ßer-Gün­ther in ih­rer tvo-Re­por­ta­ge „Ein Co­ro­na-Be­such im Fest­spiel­haus“ vom 11. Au­gust. Aus­führ­lich kommt Pe­ter Krot­tentha­ler zu Wort, der von der Deut­schen Oper am Rhein (mit Mu­sik­thea­ter­häu­sern in Düs­sel­dorf und Duis­burg) an den Grü­nen Hü­gel ge­wech­selt ist – als der nun schon drit­te Nach­fol­ger (nach Chris­toph Bauch und An­dre­as von Graf­fen­ried) des lang­jäh­ri­gen Tech­nik­chefs Karl-Heinz Ma­titsch­ka (2001 bis zur vor­zei­ti­gen Frei­stel­lung Ende Au­gust 2013). Über die Aus­sa­gen von Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann, war­um man Bay­reuth nicht mit an­de­ren Häu­sern und Salz­burg ver­glei­chen soll­te, kann man ge­teil­ter Mei­nung sein. Na­tür­lich hof­fen nicht nur die Fest­spie­le auf ei­nen Fest­spiel­som­mer 2021 ohne Co­ro­na, aber re­du­zier­te Or­ches­ter­fas­sun­gen (die so­gar schon von Wag­ner selbst au­to­ri­siert wur­den) von vorn­her­ein für Bay­reuth und sei­nen be­eng­ten Or­ches­ter­gra­ben aus­zu­schlie­ßen, ist viel­leicht ein biss­chen kurz­sich­tig. Dass zum Schluss auch noch Ka­tha­ri­na Wag­ner ein­ge­blen­det wird, ohne Hin­weis, von wann die Bil­der stam­men, ist zwar gut ge­meint, aber jour­na­lis­tisch nicht ganz sauber.
Noch­mals ma­che ich ger­ne auf die um­fas­sen­de Werk­schau zum 75. Ge­burts­tag von Wim Wen­ders bis 14. Sep­tem­ber in der ARD-Me­dia­thek und be­son­ders auf die „Auf­zeich­nun­gen zu Klei­dern und Städ­ten“ auf­merk­sam. Es lohnt sich!

Tipps und Links vom 11. Au­gust: Im­mer noch freue ich mich, von der Salz­bur­ger „Così“ zu le­sen, be­son­ders gern von Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau. Auch die Nürn­ber­ger GMD Joana Mall­witz steht da­bei im Fo­kus, dies­mal beim BR. Und In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser wur­de aus­führ­li­cher von Jörn Flo­ri­an Fuchs im Deutsch­land­funk be­fragt. Mein heu­ti­ger Blick nach Bay­reuth geht zu­rück zu ei­nem je­ner Re­gis­seu­re, die ein „Ring“-Projekt vor sich hat­ten, das dann doch nicht zu­stan­de kam– zu­meist aus Grün­den, von de­nen die Öf­fent­lich­keit nichts er­fuhr, nichts er­fah­ren soll­te. Bei Wim Wen­ders, der die Te­tra­lo­gie im gro­ßen Wag­ner-Ju­bi­lä­ums­jahr 2013 in­sze­nie­ren soll­te, war das auch so. Das Pro­jekt soll we­gen der Film­rech­te ge­schei­tert sein, be­kannt­lich sprang Frank Cas­torf ein. Zum 75. Ge­burts­tag von Wim Wen­ders zeigt die ARD in ih­rer Me­dia­thek bis 14. Sep­tem­ber eine um­fas­sen­de Werk­schau. Aus Bay­reuth-Sicht be­son­ders zu emp­feh­len sind die „Auf­zeich­nun­gen zu Klei­dern und Städ­ten“, ein so be­zeich­ne­ter Ta­ge­buch­film über Yōji Ya­ma­mo­to, der Hei­ner Mül­ler dazu in­spi­rier­te, den ja­pa­ni­schen Mo­de­schöp­fer für sei­ne „Tristan“-Inszenierung (1993 bis 1999) zu ge­win­nen. Gibt es je­man­den, der die­sen „Tris­tan“ er­lebt hat und in die­sem Zu­sam­men­hang nicht gleich Wal­traud Mei­er in ih­rem kost­bar leuch­ten­den Lie­bes­tod-Ge­wand vor sich sieht?

Tipps und Links vom 10. Au­gust: Von der Nach­rich­ten­la­ge her ist es ei­gent­lich Schnee von vor­vor­ges­tern, aber da die ent­spre­chen­den Ar­ti­kel im Nord­baye­ri­schen Ku­rier vom 24. und 27. Juni nicht frei zu­gäng­lich wa­ren und sind, wird es wohl erst jetzt durch eine Re­por­ta­ge des Baye­ri­schen Rund­funks, die heu­te mor­gen in Al­le­gro erst­mals ge­sen­det wur­de, in der Brei­te pu­blik: Die Stadt Bay­reuth plant auf Vor­schlag ih­res Kul­tur­re­fe­ren­ten Be­ne­dikt Steg­may­er, im Cham­ber­lain­haus bei Wahn­fried ein NS-Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum ein­zu­rich­ten. Was ja nur hei­ßen kann, dass sich in­zwi­schen die Auf­fas­sung durch­ge­setzt hat, dass das, was in die­sem Zu­sam­men­hang das Wag­ner­mu­se­um bie­tet, nicht aus­rei­chend ist. Man darf ge­spannt sein, was aus dem Vor­ha­ben letzt­end­lich wird. Es ist aber in je­dem Fall eine gute Nachricht.
All jene, die die Ab­sa­ge der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le im­mer noch be­dau­ern, sei­en an­ge­sichts der ge­ra­de vor­herr­schen­den Tem­pe­ra­tu­ren ger­ne dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ähn­lich wie jetzt in Salz­burg selbst­ver­ständ­lich auch am Grü­nen Hü­gel ein Fä­cher-Ver­bot gel­ten wür­de. Das heißt, im Back­ofen Fest­spiel­haus dürf­te man nicht ein­mal mit dem Be­set­zungs­zet­tel fä­cheln. Bei der Ge­le­gen­heit sei noch­mals der drin­gen­de Wunsch nach ei­ner gut funk­tio­nie­ren­den Kli­ma­an­la­ge in den Zu­schau­er­raum ge­wor­fen, auch wenn Ex­per­ten dar­ob aus un­ter­schied­li­chen Grün­den nur sehr be­denk­lich den Kopf schüt­teln. Ist ja nur ein from­mer Wunsch!
Von der Uni­ver­si­tät Bam­berg kommt die Mel­dung, dass Walt­her von der Vo­gel­wei­de und Wolf­ram von Eschen­bach vor ver­mut­lich 850 Jah­ren ge­bo­ren wur­den. Die Pro­fes­so­rin In­grid Ben­ne­witz (un­ter an­de­rem üb­ri­gens auch Mit­glied des RWV Bam­berg) forscht seit Jahr­zehn­ten in­ten­siv über die bei­den frän­ki­schen Au­toren, die heut­zu­ta­ge vor al­lem des­halb noch be­kannt sind, weil Ri­chard Wag­ner de­ren Wer­ke auf­griff und neu interpretierte.

Tipps und Links vom 8. und 9. Au­gust: Ach, der Chéreau-„Ring“! Was für ein Ge­nie-Streich! Und was für ein Pri­vi­leg, ihn von 1976 bis 1980 je­den Som­mer zum Teil mehr­fach er­lebt zu ha­ben! Die­se Pro­duk­ti­on war nicht nur in der In­ter­pre­ta­ti­ons­ge­schich­te der Mark­stein im 20. Jahr­hun­dert, son­dern auch thea­ter­prak­tisch der ab­so­lu­te Hö­he­punkt der „Werk­statt Bay­reuth“. Was es aus­macht, wenn der Re­gis­seur ernst­haft Jahr für Jahr kon­se­quent wei­ter­ar­bei­tet, wei­ter­feilt, wenn er nach der Pre­mie­re nicht ab­reist, son­dern auch bei den wei­te­ren Vor­stel­lun­gen prä­sent ist! Un­ter an­de­rem auch da­durch er­klärt sich die Ein­ma­lig­keit die­ser In­sze­nie­rung: Ché­reau war in den fünf Auf­füh­rungs­jah­ren nur wäh­rend zwei­er „Ring“-Zyklen nicht in Bay­reuth. Al­lein sei­ne ner­vö­se An­we­sen­heit auf der Büh­ne, hin­ter den Ku­lis­sen – um den un­kal­ku­lier­ba­ren Büh­nen­ne­bel küm­mer­te er sich stets selbst – war für die Mit­wir­ken­den ein un­er­hör­ter An­sporn, sän­ger­dar­stel­le­risch al­les zu ge­ben. Und das merkt man auch noch Jahr­zehn­te spä­ter. (Auf BR Klas­sik wei­ter­hin ver­füg­bar bis 6. September)
Ge­nug ge­schwärmt, ab in die Nie­de­run­gen der heu­ti­gen Opern­welt. Wozu ich den Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­thea­ter­preis zäh­le. Kein Wun­der: Wird doch Plá­ci­do Dom­in­go für sein Le­bens­werk ge­ehrt – of­fen­bar un­ter kom­plet­ter Aus­schal­tung jün­ge­rer Er­kennt­nis­se, was im Vor­feld der Ver­lei­hungs­ze­re­mo­nie am Salz­bur­ger Flug­ha­fen den Ex-Te­nor be­feu­ert hat, sich ge­gen Wein­stein-Ver­glei­che zu weh­ren. We­der der eben­falls aus­ge­zeich­ne­te Gün­ther Groissböck noch die an­de­ren männ­li­chen und weib­li­chen Preis­trä­ger ha­ben et­was da­ge­gen ge­habt, sich ge­mein­sam mit Dom­in­go de­ko­rie­ren zu lassen.
Apro­pos Salz­burg: Hier der neu­es­te Stand in Sa­chen Co­ro­na aus der Wie­ner Zei­tung und aus dem Ku­rier. Und als Nach­trag die Pre­mie­ren­kri­ti­ken der Ham­bur­ger Wo­chen­zei­tung Die Zeit.

Tipps und Links vom 6. und 7. Au­gust: Klei­ner Nach­trag zur Salz­bur­ger „Così fan tut­te“ mit den Kri­ti­ken von Chris­ti­an Wild­ha­gen in der Neu­en Zür­cher Zei­tung, von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und zur Er­gän­zung eine Kri­tik von Wolf-Die­ter Pe­ter aus dem Jahr 2008 über Chris­toph Loys Frank­fur­ter „Così“-Inszenierung auf Deutsch­land­funk Kul­tur. Die­se „Aus­gra­bung“ hat ei­ni­ge ös­ter­rei­chi­sche Kri­ti­ker dazu ver­führt, die jet­zi­ge Salz­bur­ger Pro­duk­ti­on gleich als blo­ßes Re­make ab­zu­stem­peln, was na­tür­lich blan­ker Un­sinn ist, wenn man be­rück­sich­tigt, wann, war­um und un­ter wel­chen Um­stän­den und Ein­schrän­kun­gen die jet­zi­ge In­sze­nie­rung ent­stan­den ist. Lieb­ha­ber der le­gen­dä­ren „Ring“-Inszenierung zum Zen­ten­a­ri­um der Bay­reu­ther Fest­spie­le dürf­ten schon mal vor­schla­fen, denn am 7. Au­gust um 20.15 Uhr geht mit dem „Rhein­gold“ auf ARD-al­pha die lan­ge „Ring“-Nacht los. Der Baye­ri­sche Rund­funk hat die Ein­füh­rung zu die­ser „Ring“-Marathonon-Sendung schon on­line ge­stellt – ein von Ma­xi­mi­li­an Mai­er mo­de­rier­ter Film, der mit Zeit­zeu­gen (wie Ga­brie­le Schnaut und Sieg­fried Je­ru­sa­lem) und heu­ti­gen Ak­teu­ren (wie Va­len­tin Schwarz und Jan Phil­ipp Glo­ger) zu­rück­schaut auf Pa­tri­ce Ché­re­aus „Jahr­hun­dert-Ring“ und gleich­zei­tig neu­gie­rig macht auf die Per­for­mance „The Loop of the Ni­be­lung“ von Si­mon Steen-An­der­sen. Es lohnt sich, bei­des an­zu­schau­en. Mit ei­ner wei­te­ren gu­ten Nach­richt aus Bay­reuth kann ich dies­mal nicht auf­war­ten. Aber zu­min­dest mit ei­ner ku­rio­sen, denn von 7. bis 16. Au­gust gibt es ei­nen ganz spe­zi­el­len Au­diow­alk durch die Festspielstadt.

Tipps und Links vom 4. und 5. Au­gust: Die Salz­bur­ger „Così fan tut­te“ hat viel be­rech­tig­ten Ju­bel aus­ge­löst, ob bei Ro­bert  Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung oder bei Lju­biša Tošic im Stan­dard. Und der ös­ter­rei­chi­sche Ku­rier legt eine Samm­lung von Pres­se­stim­men zur Fest­spiel­eröff­nung vor, dar­un­ter auch Kri­ti­sches zum Co­ro­na-Si­cher­heits­kon­zept. Da­mit die Mut­ter al­ler Opern­fest­spie­le nicht ganz in Ver­ges­sen­heit ge­rät, ver­mel­de ich ger­ne, dass die Stadt Bay­reuth aus An­lass des 90. To­des­tags von Sieg­fried Wag­ner am 4. Au­gust ei­nen Kranz an sei­ner letz­ten Ru­he­stät­te auf dem Stadt­fried­hof nie­der­legt. Was mich dar­auf ge­sto­ßen hat, dass ich zwar schon öf­ter über den Wag­ner-Kron­prin­zen, aber noch nichts über sein Ende ge­schrie­ben habe. Hier schon mal der Arzt­be­richt von Dr. Her­mann Ko­er­ber: „Bis ge­gen Mor­gen war er noch bei völ­li­gem Be­wußt­sein; von 7 Uhr ab, Mon­tag mor­gens, den 4. Au­gust, nicht mehr, gab aber auf An­ruf noch ge­bro­che­ne Ant­wor­ten, um mit dem Aus­set­zen der Atem­zü­ge wie­der­um in tiefs­te Be­wußt­lo­sik­eit zu ver­sin­ken. We­ni­ge Mi­nu­ten vor dem Tode öff­ne­ten sich die Au­gen weit, der Blick war groß nach oben ge­rich­tet, die Ge­sichts­zü­ge wur­den auf­fal­lend ju­gend­lich, der cha­rak­te­ris­ti­sche Ge­sichts­aus­druck Sieg­fried Wag­ners trat scharf her­vor. Um 5.30 Uhr, Mon­tag, den 4. Au­gust nach­mit­tags, ist Sieg­fried Wag­ner ver­schie­den. Ein ei­gent­li­cher To­des­kampf ist im er­spart ge­blie­ben. Zwei­fel­los ist Sieg­fried ein Op­fer der von ihm per­sön­lich durch­ge­führ­ten Vor­be­rei­tun­gen der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le ge­wor­den.“ Pe­ter P. Pachl schreibt in sei­ner Bio­gra­phie „Sieg­fried Wag­ner. Ge­nie im Schat­ten“ wei­ter: „Im Be­richt des As­sis­tenz­art­zes Knopp, der im Un­ter­schied zum Be­richt Dr. Ko­er­bers nicht vom Ver­wal­tungs­aus­schuß der Fest­spie­le ver­öf­fent­licht wird, sind Sieg­frieds letz­te Wor­te fest­ge­hal­ten. Knopp […] be­zeugt, daß um ca. 3.30 Uhr am Nach­mit­tag des 4. Au­gust Sieg­fried Wag­ner als letz­tes zur Ober­schwes­ter ge­sagt hat: ‚Geh weg!‘ Ohne die­sen ‚letz­ten Wor­ten‘ all­zu­viel Ge­wicht bei­zu­mes­sen, ist doch auf­fal­lend,“, so Pachl wei­ter, „daß sie sich ge­gen das all­zu ge­schäf­ti­ge Ge­ba­ren ei­nes Ge­schlechts rich­ten, das Sieg­fried von früh an im Wege stand: als Mut­ter, als Halb­schwes­ter, als Schwes­ter, als Gou­ver­nan­te, als Ehe­frau – und zu­letzt als Ober­schwes­ter.“ Da­mit das Da­tum schnell ei­nen freund­li­che­ren An­strich be­kommt, ver­wei­se ich sehr ger­ne dar­auf, dass am 4. Au­gust 1782 Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart in Wien Con­stan­ze We­ber ge­hei­ra­tet hat.

Tipps und Links vom 3. Au­gust: Aus den vie­len „Elektra“-Kritiken habe ich zwei aus­ge­wählt: von Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau und von Lju­biša Tošić im Stan­dard. In letz­te­rer Zei­tung gibt es un­ter dem Ti­tel „Wen re­prä­sen­tie­ren die Fest­spie­le?“ ei­nen wei­te­ren le­sens­wer­ten Ar­ti­kel, der nicht nur ju­belt. Schnell noch die gute Nach­richt aus Bay­reuth: Das Fes­ti­val jun­ger Künst­ler fin­det der­zeit statt, na­tür­lich un­ter Co­ro­na-Auf­la­gen, da­für aber un­ter dem Mot­to „Som­mer der Lie­be“.

Tipps und Links vom 1. und 2. Au­gust: Drin­gen­de Kor­rek­tur! Lei­der habe ich mit mei­nen Tipps vom 30. Au­gust des Gu­ten zu­viel ge­wollt: Die heu­ti­ge „Elektra“-Premiere wird auf Arte nur zeit­ver­setzt ge­streamt und nicht auch im Fern­se­hen ge­zeigt (das über­nimmt dann 3sat am 15. Au­gust), die mor­gi­ge „Così“-Premiere hin­ge­gen ist ab 17 Uhr bei Arte re­gu­lär im TV-Pro­gramm. BR Klas­sik Ra­dio über­trägt die „Elek­tra“ zeit­ver­setzt um 19.30 Uhr. Ich bit­te um Nachsicht. 
Aus­ri­ne Stun­dy­te als Elek­tra in der Salz­bur­ger Neu­in­sze­nie­rung von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski © SF/​Bernd Uhlig

Aus der Fül­le von Ar­ti­keln zum Fest­spiel-Zen­ten­a­ri­um hier nur die­je­ni­gen, die für die Mu­ti­gen und Kurz­ent­schlos­se­nen re­le­vant sein könn­ten. Dass es ers­tens noch Kar­ten gibt, be­rich­tet BR Klas­sik (wo auch ein Link für die Rund­funk­über­tra­gun­gen zu fin­den ist), das Salz­bur­ger Hy­gie­nekon­zept hat Ru­dolf Braun­mül­ler von der Münch­ner Abend­zei­tung sich von Fest­spiel-Prä­d­iden­tin Hel­ga Rabl-Stad­ler er­klä­ren las­sen und der ORF mel­det be­reits die kom­men­den Co­ro­na-Tests auf baye­ri­scher Sei­te. Drü­cken wir die Dau­men, dass al­les gut geht! Und zur Si­cher­heit hier noch die Links zu den Über­tra­gun­gen der Salz­bur­ger Fest­spie­le di­rekt von de­ren Home­page so­wie von Arte und 3sat. Mit des gest­ri­gen Ju­bi­lar Jür­gen Kes­ting und sei­nem Salz­bur­ger Ju­bi­lä­ums­ar­ti­kel ist dann Schluss. Es macht sich schon gut, so ein la­pi­da­res Un­ser Au­tor be­sucht die Salz­bur­ger Fest­spie­le seit 1970.

Tipps und Links vom 31. Juli: Mor­gen star­ten die Salz­bur­ger Fest­spie­le mit ein klein biss­chen Wag­ner (Sieg­fried-Idyll mit dem West-Eas­tern Di­van Or­ches­tra un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im am 16. Au­gust, We­sen­donck-Lie­der mit Eli­na Ga­ran­ca und den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern und Chris­ti­an Thie­le­mann am 21. und 22. Au­gust) und Kar­ten für Kurz­ent­schlos­se­ne, über­mor­gen star­ten die Wein­viert­ler Fest­spie­le mit sehr viel Wag­ner Open-Air (dar­un­ter ve­ri­ta­ble Auf­füh­run­gen von „Tris­tan und Isol­de“ und dem „Flie­gen­den Hol­län­der“) und ei­ner So­lis­ten­schar, die sich se­hen und hö­ren las­sen kann). Das Pla­kat­mo­tiv auch.

Von den lei­der nur vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le wird vor al­lem das ins Netz ge­ret­te­te Rah­men­pro­gramm „Dis­kurs Bay­reuth“ Wir­kung zei­gen, denn es bie­tet Ge­sprä­che, die sich loh­nen, und mit der Vi­deo-Ar­beit „The Loop of the Ring“ von Si­mon Steen-An­der­sen un­ge­wöhn­li­che Ein­bli­cke ins Fest­spiel­haus. Üb­ri­gens hat Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner BR für die vir­tu­el­le Fest­spiel­zeit bis­her nicht an­ge­kün­dig­te wei­te­re Rund­funk-Ar­chiv-Schät­ze on­line ge­stellt: die „Meis­ter­sin­ger“ von 1952 un­ter Hans Knap­perts­busch und „Par­si­fal“ von 1953 un­ter Cle­mens Krauss (ab­ruf­bar bis 14. Au­gust). Wie im­mer ver­lin­ke ich ger­ne auch die ak­tu­el­len Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung und als gute Nach­richt, dass Stim­men­kri­ti­ker­papst Jür­gen Kes­ting heu­te sei­nen 80. Ge­burts­tag fei­ert und als hoch­sel­te­nes Ge­schenk eine wun­der­ba­re Hom­mage von Ce­ci­lia Bar­to­li in der F.A.Z. be­kom­men hat.

Tipps und Links vom 30. Juli: Ein ver­gleichs­wei­se ru­hi­ger Tag, aber das wird sich bald än­dern, fan­gen schließ­lich am 1. Au­gust tat­säch­lich die ers­ten Co­ro­na-Fest­spie­le in Salz­burg an, nicht zu­letzt dank Hel­ga Rabl-Stad­ler, wie Ha­rald Eg­ge­brecht in der Süd­deut­schen Zei­tung schreibt. Die bei­den Opern­pre­mie­ren wer­den am Er­öff­nungs­tag zeit­ver­setzt um 20.30 Uhr und tags dar­auf um 17 Uhr live auf Arte über­tra­gen. Hier der Link zur Über­sicht zu al­len Salz­burg-Über­tra­gun­gen, dazu Vor­be­rich­te zu „Elek­tra“ und „Così fan tut­te“. Wie un­ter­schied­lich Bay­reuth und Salz­burg mit Co­ro­na um­ge­hen, be­leuch­tet auch die Kul­tur­do­ku Fest­spiel­städ­te und die Kri­se am 1. Au­gust um 19.20 Uhr auf 3sat.

Tipps und Links vom 29. Juli: Sor­ry, heu­te bin ich wirk­lich spät dran, aber Ana­lo­ges hat bei mir al­le­mal Vor­rang – und Tref­fen mit rea­len Men­schen, die man län­ger nicht ge­se­hen hat, dau­ern halt. Also ma­che ich es kurz: Heu­te star­tet Dis­kurs Bay­reuth of­fi­zi­ell, ob­wohl beim BR schon ges­tern das ers­te Ge­spräch ver­füg­bar war. Und das lohnt sich, auch wenn es manch­mal durch­aus sei­ne Län­gen hat, bis Da­ni­el Ba­ren­bo­im und Thea Dorn sich wirk­lich warm ge­re­det ha­ben. Über al­les Dis­kur­si­ve dem­nächst mehr. Aus Salz­burg kommt die Nach­richt, dass Joana Mall­witz mit­nich­ten die ers­te Frau am Di­ri­gen­ten­pult bei den Fest­spie­len ist. Schon vor ihr ha­ben Ju­lia Jo­nes (2004) und als Ein­sprin­ge­rin Anne Man­son (1994) Fest­spiel­auf­füh­run­gen ge­lei­tet ha­ben. Än­dert aber nichts an der Tat­sa­che, das Di­ri­gen­tin­nen im­mer noch die Aus­nah­me von der Re­gel sind. Na ja, die meis­ten Le­ser die­ses Blogs wis­sen eh‘ aus be­ru­fe­nem Mun­de, dass der Pro­zess der Eman­zi­pa­ti­on des Wei­bes nur un­ter ek­sta­ti­schen Zu­ckun­gen vor sich geht! Gern emp­feh­le ich noch das ges­tern ein­ge­stell­te Pop up Wag­ner-Vi­deo Blaue Mäd­chen von und mit Ara­bel­la Hell­mann auf der Home­page der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth. Die Vor­sit­zen­de des in­no­va­tivs­ten Wag­ner­ver­bands welt­weit kann näm­lich auch gut er­zäh­len. Ih­rer In­itia­ti­ve ist auch zu dan­ken, dass ehe­ma­li­ge blaue Mäd­chen am 25. Juli 2020 beim ge­mein­sa­men Pick­nick im Fest­spiel­park den Ge­ne­sungs­wunsch für Ka­tha­ri­na Wag­ner an der Dop­pel­tür des Kö­nigs­por­tals an­ge­bracht haben.

Ge­ne­sungs­wunsch von ehe­ma­li­gen blau­en Mäd­chen vom 25. Juli 2020 Foto: Re­bec­ca Meier
Tipps und Links vom 28. Juli: War­um sehr gute Siegfried“-Vorstellungen Sel­ten­heits­wert ha­ben, hat sich mir ges­tern wie­der ge­zeigt. Selbst ein Ki­rill Pe­tren­ko kann den Abend letzt­lich nicht ret­ten, wenn die sän­ge­risch höl­lisch schwie­ri­ge Ti­tel­fi­gur und in den ers­ten zwei Ak­ten be­son­ders auch Mime nicht erst­klas­sig be­setzt sind (was na­tür­lich auch von der je­wei­li­gen Ta­ges­form ab­hängt). Von den Pro­ble­men im zwei­ten Teil des drit­ten Akts ganz zu schwei­gen, wenn der oh­ne­hin schwer stra­pat­zier­te „Held“ dann auch noch auf die aus­ge­ruh­te Brünn­hil­de trifft. Bin sehr ge­spannt, wenn ich dem­nächst die Kup­fer-In­sze­nie­rung strea­me, wie ich dann Sieg­fried Je­ru­sa­lem höre, denn in mei­ner Er­in­ne­rung aus selbst er­leb­ten Auf­füh­run­gen gab es sän­ge­risch kei­nen bes­se­ren Sieg­fried als ihn im Pre­mie­ren­jahr 1988 in Bay­reuth. Da­ni­el Ba­ren­bo­im, der Di­ri­gent die­ser Pro­duk­ti­on spricht üb­ri­gens ab heu­te im Rah­men von Dis­kurs Bay­reuth im Ge­spräch mit Thea Dorn auch über sei­ne Wag­ner-Er­fah­run­gen – und über An­ti­se­mi­tis­mus. Nur ein klei­ner Sei­ten­blick nach Salz­burg: mit ei­nem In­ter­view mit „Elektra“-Dirigent Franz Wel­ser-Möst und der doch über­ra­schen­den Nach­richt, dass bei den Fest­spie­len selbst die nur zwei Opern noch nicht aus­ver­kauft sind (Punkt 6 im ORF-Nachrichtenblock).
Tipps und Links vom 27. Juli: Auch die „Wal­kü­re“ un­ter Ki­rill Pe­tren­ko im Ra­dio hat mich wie­der rest­los be­geis­tert. Phä­no­me­nal vor al­lem Anja Kam­pes Sieg­lin­de, die bei un­ge­wöhn­lich gro­ßer Wort­ver­ständ­lich­keit (die zu er­rei­chen auch viel Kön­nen und Kon­zen­tra­ti­on kos­tet) die Par­tie in all ih­ren Fa­cet­ten von An­fang bis Ende so le­ben­dig, so mit­füh­lend, so aus­drucks­stark und, was die No­ten be­trifft, so prä­zi­se ge­sun­gen hat, wie es wohl auch Ri­chard Wag­ners mu­sik­dra­ma­ti­schem Ide­al ent­spro­chen hät­te. Eine sin­gu­lä­re Leis­tung, die si­cher auch da­mit zu tun hat, dass Kam­pe sich bei Pe­tren­ko be­son­ders gut auf­ge­ho­ben füh­len darf. Es gäbe noch viel zu sa­gen, aber heu­te nur noch das: Ge­nau zum Wal­kü­ren­ritt führ­ten in un­se­rem Gar­ten Fle­der­mäu­se ei­nen wil­den Luft­tanz auf, dass man stre­cken­wei­se den­ken konn­te, es wä­ren nicht nur drei son­dern acht! Das Ho­jo­to­ho über die Nicht-Fest­spiel­eröff­nung in den Me­di­en bleibt heu­te kurz: hier der Link zum ZDF-Kurz­be­richt in den Heu­te-Nach­rich­ten. In­ter­es­san­ter wäre si­cher­lich Ma­nu­el Brugs Ar­ti­kel „Heim­kehr der Hü­te­rin“ über Ka­tha­ri­na Wag­ner, aber des­halb ex­tra Welt+ abon­nie­ren? Ju­dith von Stern­burg hat für die Frank­fur­ter Rund­schau mit Va­len­tin Schwarz über sei­nen „Ring“ in Bay­reuth ge­spro­chen, Mar­kus Thiel vom  Münch­ner Mer­kur mit Joana Mall­witz über ihre „Così fan tut­te“ in Salz­burg. Der in Bay­reuth der­zeit ar­beits­lo­se Beck­mes­ser Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le wird in die­ser ge­kürz­ten Fas­sung üb­ri­gens ab 2. Au­gust als Don Al­fon­so zu er­le­ben sein (Pre­mie­re live um 17 Uhr auch auf Arte) – und er gibt, um schnell wie­der die Kur­ve nach Ober­fran­ken zu krie­gen, für die Buch­hand­lung Breu­er & Sohn so­gar aus­führ­li­che Le­se­tipps. War­um nicht dort be­stel­len? Ist doch eine schö­ne Ge­le­gen­heit, den um sei­ne fünf­te Jah­res­zeit be­raub­ten Han­del in der Fest­spiel­stadt nicht ganz aus­zu­tro­cken! Schnell noch ein Vi­deo, weil Bugs Bun­ny heu­te 80. Ge­burts­tag und un­ter an­de­rem ei­nen herr­li­chen Wag­ner­opern-Schnell­durch­gang vor­ge­legt hat.
Tipps und Links vom 26. Juli: Habe den gest­ri­gen Tag zwar ohne Brat­würs­te ver­strei­chen las­sen, aber mit dem „Rhein­gold“ un­ter Ki­rill Pe­tren­ko im Ra­dio. Weil ich 2015 den drit­ten und al­ler­letz­ten Petrenko-„Ring“ im Fest­spiel­haus auf ei­nem ech­ten Hör­platz in der Ga­le­rie er­le­ben durf­te, war mir klar, was für un­glaub­li­che mu­si­ka­li­sche  Kost­bar­kei­ten auch von die­ser Auf­zeich­nung vom ers­ten Zy­klus zu er­war­ten wa­ren. So wer­de ich mit mei­ner vir­tu­el­len Fest­spiel­zeit erst mal nur hö­rend fort­fah­ren (da­bei aber sehr vie­les qua­si auch se­hen, wo­bei es sich si­cher nicht um Bil­der aus der Cas­torf-In­sze­nie­rung han­delt). Al­les an­de­re – na­tür­lich freue ich mich auch auf ein Wie­der­se­hen mit den „Ring“-Inszenierungen von Pa­tri­ce Ché­reau und Har­ry Kup­fer, die jetzt er­freu­li­cher­wei­se ja noch län­ger greif­bar sind – kann war­ten. Und gebe al­len, die Chris­ti­an Thie­le­mann für den­je­ni­gen hal­ten, der in mu­si­ka­li­schen Din­gen als Mu­sik­di­rek­tor wei­ter­hin das Sa­gen am Grü­nen Hü­gel ha­ben soll­te, zu be­den­ken, dass es auf sein Kon­to geht, dass maß­geb­li­che Wag­ner-Di­ri­gen­ten wie Pe­tren­ko, An­dris Nel­sons und Hart­mut Ha­en­chen, die an­ders als er die Wag­ner-In­ter­pre­ta­ti­on wirk­lich vor­an­brin­gen, nicht mehr im Fest­spiel­haus wir­ken. Hier noch ein paar Be­rich­te über den gest­ri­gen Tag: aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier über das Wahn­fried-Kon­zert und den von der rüh­ri­gen Ara­bel­la Hell­mann vom Wag­ner­ver­band Am­mer­see or­ga­ni­sier­ten Pick­nick-Treff am Hü­gel, welch letz­te­ren der BR un­ter dem Ti­tel „Kein nor­ma­ler Ju­li­tag“ mit dem be­rüh­ren­den Foto vom Ge­ne­sungs­wunsch ehe­ma­li­ger blau­er Mäd­chen für Ka­tha­ri­na Wag­ner be­bil­dert hat. Al­les Wei­te­re dem­nächst …Tipps und Links vom 25. Juli: Ja, erst­mals seit 1951 fin­den, wie es un­ter an­de­rem in der F.A.Z. von Jan Brach­mann und hier von mir be­schrie­ben wird, kei­ne Bay­reu­ther Fest­spie­le statt. Da­für gibt es heu­te, pünkt­lich zum nicht vor­han­de­nen Fest­spiel­be­ginn, ein De­büt – und das dürf­te mei­ne heu­ti­ge gute Nach­richt sein –, das ei­nem zu­min­dest, egal wo man ist, zu­ver­läs­sig das Pau­sen­fee­ling in Nase zau­bert: Erst­mals wird der „Tag der frän­ki­schen Brat­wurst“ ge­fei­ert! Un­ter Aus­las­sung des be­lieb­ten The­mas „Wag­ner und die Wurst“ wen­de ich mich dar­über hin­aus ger­ne an alle, die den ro­ten Tep­pich ver­mis­sen. War­um nicht ein­fach – dem Baye­ri­schen Rund­funk sei Dank – den Pro­mi­auf­lauf von 2019 noch­mal rein­zie­hen? Oder den Li­ve­ti­cker der Fest­spiel­auf­fahrt 2018 beim Nord­baye­ri­schen Ku­rier? Wer eher an Fest­spiel­kunst in­ters­siert ist, wird bei den kos­ten­lo­sen tri­me­dia­len An­ge­bo­ten jetzt auch ta­ges­ak­tu­ell auf der Fest­spiel­home­page in­for­miert – und noch um­fas­sen­der auf der Bay­reuth-Sei­te vom BR. Noch ein hei­ßer Tipp für alle, die den Petrenko-„Ring“ längst mit­ge­schnit­ten und das Kupfer-„Rheingold“ als DVD, also heu­te Abend noch Wag­ner­ko­s­um­ka­pa­zi­tä­ten frei ha­ben: Die Nürn­ber­ger Po­cket Ope­ra, die 2013 Wag­ners Sing­spiel-Frag­ment „Män­ner­list grö­ßer als Frau­en­list oder Die glück­li­che Bä­ren­fa­mi­lie“ von 1837/38 kom­plet­tiert und ur­auf­ge­führt hat, streamt die­se Pro­duk­ti­on heu­te um 20.15 Uhr auf You­Tube. Bin sehr ge­spannt, wie die fol­gen­de klei­ne Sze­ne aus die­ser ko­mi­schen Oper nach Tau­send­und­ei­ne­n­acht (WWV 48) dort ausfällt:
ABENDT­HAU (die Gäs­te be­kom­pli­men­ti­ren ein­an­der.) Ha, will­kom­men, edle Gäs­te, zu dem ho­hen Freu­den­fes­te; bei dem Ko­sen sanf­ter Wes­te nach der Nach­ti­gal­len Nes­te an des Ta­ges küh­lem Fes­te – (Bleibt stecken.)
ANA­STA­SI­US (will nach­hel­fen.) Vor­be­rei­tet auf das Bes­te, die Guir­lan­den alle fes­te, neu ge­flickt die bun­te Wes­te – (Bleibt stecken.)
CHOR. Ha, vor­treff­lich – Al­les schön – Hier im Gar­ten – wie amön!
Feh­len ei­gent­lich nur noch die Bratwürste …
Tipps und Links vom 24. Juli: Nor­ma­ler­wei­se gäbe es heu­te in Bay­reuth die Fest­spiel-Pres­se­kon­fe­renz und Ka­tha­ri­na Wag­ner wür­de end­lich ver­ra­ten, wel­che Di­ri­gen­tin nächs­tes Jahr die Neu­pro­duk­ti­on vom „Flie­gen­den Hol­län­der“ lei­ten wird. (Mein Tipp: Es könn­te eine sein, die auch schon beim Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker ei­nen Preis ge­won­nen hat.) Aber zu­rück zur Ge­gen­wart: Die fünf­te Jah­res­zeit fällt aus, die Fest­spiel­lei­te­rin ver­sucht in der Reha bis Herbst wie­der fit zu wer­den, und un­ser­eins bleibt nur der Blick in die Me­di­en. Gott sei Dank bin ich, was die po­si­ti­ve Mel­dung aus der Fest­spiel­stadt am Ro­ten Main be­trifft, schnell fün­fig ge­wor­den. Heu­te und mor­gen spie­len, wie der Nord­baye­ri­sche Ku­rier be­rich­tet, ei­ni­ge Blä­ser des Fest­spiel­or­ches­ters böh­mi­sche Blas­mu­sik. Über das mor­gi­ge Fest­spiel­eröff­nungs-Er­satz­kon­zert, das um 16 Uhr  im Wahn­fried-Saal statt­fin­det, von dort live zum Pu­blic-Viewing vor dem Haus und auf BR Klas­sik im Ra­dio über­tra­gen wird, spricht un­ter dem Ti­tel „Wir ver­ges­sen den Ri­chard nicht“ Chris­ti­an Thie­le­mann, Di­ri­gent und Fest­spiel-Mu­sik­di­rek­tor. Hol­ger von Berg und Heinz-Die­ter Sen­se, die ak­tu­el­len Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH, ha­ben im Ge­spräch mit der Deut­schen Pres­se-Agen­tur eben­so aus­führ­lich die pre­kä­re Lage der Fest­spie­le be­schrie­ben. Lei­der habe ich, ver­mut­lich weil mir das For­mat noch nicht ge­läu­fig ist, es ver­passt, recht­zei­tig auf eine On­line-Vi­deo­kon­fe­renz mit Zoom von Sa­bi­ne Sonn­tag hin­zu­wei­sen: Heu­te um 18 Uhr kann man bei ihr jede Men­ge zum The­ma „Bay­reuths Rie­sen. Der Ring in Bay­reuth von der Ur­auf­füh­rung bis heu­te“ er­fah­ren – und be­stimmt auch über den Stutt­gar­ter „Ring“, des­sen letz­ter Teil ab heu­te 17 Uhr ge­streamt wird. Zum Aus­blick noch das: Nor­ma­ler­wei­se wäre An­ge­la Mer­kel mor­gen zur Fest­spiel­eröff­nung ge­fah­ren. Axel Brüg­ge­mann hat per Vi­deo ei­nen Vor­schlag, was die Bun­des­kanz­le­rin statt­des­sen tun könn­te, näm­lich nach Bad Kreuz­nach zu fah­ren, in den Gar­ten von Ste­fan und Sa­bi­ne Vin­ke, die dort ihre ei­ge­nen Wag­ner-Fest­spie­le stem­men … Der 1. Akt „Wal­kü­re“ wird um 17.30 Uhr live auf der Face­book­sei­te von Klas­sik-Ra­dio übertragen.
Tipps und Links vom 23. Juli: Je­den Tag we­nigs­tens eine po­si­ti­ve Mel­dung aus der Fest­spiel­stadt Bay­reuth: Ob ich das hin­krie­ge? Zu­min­dest heu­te klappt’s, dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst und Kan­tor Mi­cha­el Lip­pert sei Dank! An­sons­ten wei­se ich ger­ne auf zwei Ter­mi­ne hin, die sich mit Ge­gen­wart und Zu­kunft der Fest­spie­le be­fas­sen. Heu­te Abend um 18 Uhr ver­an­stal­tet die Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ ei­nen Live-Chat. Zum The­ma „Die Fest­spie­le fal­len aus – Wie geht es wei­ter mit Wag­ners Bay­reuth?“ spre­chen Zeit-Re­dak­teur und Bay­reuth-Ken­ner Flo­ri­an Zin­ne­cker und Dr. Sven Fried­rich, Di­rek­tor des Wag­ner­mu­se­ums, und stel­len sich den Fra­gen des On­line-Pu­bli­kums. Und am mor­gi­gen Frei­tag bie­tet SWR2 um 17.05 Uhr eine Ge­sprächs­run­de un­ter dem Mot­to „Kin­der, schafft Neu­es!“ Ri­chard Wag­ners Bay­reuth im Co­ro­na-Zeit­al­ter mit Heinz-Die­ter Sen­se, Ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le, Prof. Dr. Ste­phan Mösch, aus Bay­reuth stam­men­der Au­tor, Kri­ti­ker und Mu­sik­wis­sen­schaft­ler von Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he, so­wie Dr. Pa­tric Sei­bert, Re­gis­seur, Dra­ma­turg und mehr­fach Mit­wir­ken­der in Frank Cas­torfs Bay­reu­ther „Ring“-Inszenierung. Das Ti­tel­zi­tat der Sen­dung ist zwar nicht kor­rekt, auch die bei­den Tea­ser-Sät­ze „Nur die bei­den Welt­krie­ge konn­ten die Bay­reu­ther Fest­spie­le bis­lang stop­pen. Auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie trifft es Ri­chard Wag­ners be­rühm­tes Erbe nun zum ers­ten Mal auch im Frie­den“ sind in­halt­lich falsch, aber die rich­ti­gen Fra­gen könn­ten ja trotz­dem ge­stellt werden.
Tipps und Links vom 22. Juli: Über das Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Cha­os in Sa­chen Fest­spiel­kon­zert habe ich mich aus­führ­lich in dem ge­son­der­ten Blog-Bei­trag „Neu­es­te Nach­rich­ten aus dem Kreh­win­kel“ aus­ge­las­sen, rei­che aber ger­ne den jüngs­ten Ar­ti­kel aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier nach, der frei zu­gäng­lich in der Neu­en Pres­se Co­burg er­schie­nen ist. Übers „War­ten auf bes­se­re Zei­ten“ lässt sich Jür­gen Ka­nold in der Hei­den­hei­mer Zei­tung aus, ob sie spä­tes­tens 2022 mit der „Ring“-Inszenierung von Va­len­tin Schwarz kom­men könn­ten, fragt sich Mar­co Frei in der Neu­en Zür­cher Zei­tung. Auch Hol­ger Nolt­ze wagt auf takt1 ei­nen Aus­blick in die nä­he­re Zu­kunft: Sieht für rich­ti­ge Opern­auf­füh­run­gen nicht son­der­lich gut aus, denn er schreibt: „Es geht nicht mehr um eine Atem­pau­se für den so­wie­so über­hitz­ten Be­trieb, die man­cher wo­mög­lich still be­grüßt hat. Jetzt geht es dar­um, für die hy­gie­nekon­zep­tu­ell heik­le wie künst­le­risch fra­gi­le Kunst­form Oper neue Wege ih­rer Er­mög­li­chung zu fin­den. Sonst folgt der Fra­ge: Was geht? bald die an­de­re: Was bleibt? Man muss sich sor­gen, um die mehr denn je „un­mög­li­che“ (so nann­te sie einst Os­kar Bie) Kunst der Oper, um ihre Kri­ti­ke­rin­nen und Kri­ti­ker, auch um die Opern­welt. Und dass das mu­si­ka­li­sche Thea­ter so viel Er­fah­rung im Um­gang mit Un­ter­gän­gen hat, ist nur ein schwa­cher Trost.“ Umso neu­gie­ri­ger darf man auf das sein, was ab 1. Au­gust bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len mög­lich sein wird. Ei­nen ers­ter kon­kre­te­ren Vor­ge­schmack fin­det sich auf Dreh­punkt Kul­tur, in ei­nem Ar­ti­kel über die Mo­zar­t­oper „Così fan tut­te“, die Di­ri­gen­tin Joana Mall­witz und Re­gis­seur Chris­tof Loy ge­mein­sam ge­kürzt ha­ben, da­mit sie un­ter ös­ter­rei­chi­schen Co­ro­na-Auf­la­gen auf­ge­führt wer­den kann. Die Pre­mie­re am 2. Au­gust wird üb­ri­gens live und kos­ten­los auf Arte über­tra­gen, ne­ben wei­te­ren  Hö­he­punk­ten der ver­kürz­ten Ju­bi­lä­ums­fest­spie­le.
Tipps und Links vom 21. Juli: Schon wie­der eine gute Nach­richt aus Bay­reuth: Das Ba­rock­fes­ti­val im Mark­gräf­li­chen Opern­haus von 3. bis 13. Sep­tem­ber wird statt­fin­den! Und das Kon­zert am Er­öff­nungs­tag der ab­ge­sag­ten Fest­spie­le wird, wie an die­ser Stel­le mehr­fach an­ge­deu­tet, in Wahn­fried durch­ge­führt. Wen­den wir den Blick gen Ber­lin, gibt es auch dort Po­si­ti­ves zu be­rich­ten: Der Se­nat will am Diens­tag das Sin­gen in ge­schlos­se­nen Räu­men er­leich­tern, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet. In der­sel­ben Zei­tung wird be­leuch­tet, wie es der­zeit in Frank­reichs Kul­tur­be­trieb aus­sieht, wäh­rend im schwei­ze­ri­schen Blick In­ten­dant An­dre­as Ho­mo­ki vom Opern­haus Zü­rich zu Wort kommt (was man sich un­be­dingt im Vi­deo an­schau­en soll­te, des Mo­de­ra­to­ren­dia­lekts we­gen). Zwei Ar­ti­kel noch aus der New York Times (an die man ohne An­mel­dung kommt, wenn man den Text bei Er­schei­nen so­fort mar­kiert und ko­piert): ers­tens eine Re­por­ta­ge über das Wie­der­erwa­chen des Opern­le­bens in Deutsch­land und zwei­tens ein Be­richt über die Live­stream-Re­ci­tals der Met, die je­weils 20 Dol­lar kos­ten und mit Jo­nas Kauf­mann ge­star­tet sind. Schön von An­tho­ny Tom­ma­si­ni zu er­fah­ren, dass der Te­nor nicht nur sehr gut bei Stim­me ist, son­dern  5000 Dol­lar für jetzt ar­beits­lo­se Met-Künst­ler ge­spen­det hat. Was das Strea­men be­trifft, so er­in­ne­re ich ger­ne dar­an, dass noch bis Frei­tag (17 Uhr) der Stutt­gar­ter „Sieg­fried“ zu ha­ben ist – und da­nach die „Göt­ter­däm­me­rung“.
Tipps und Links vom 20. Juli: Wenn es un­ter den Wag­ner­sän­gern ei­nen gibt, der nicht nur tat­kräf­tig schon wie­der über­all, wo es nur geht, singt, son­dern sich auch hör­bar für bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen ein­setzt, ist das der Bas­sist Gün­ther Groissböck. Das weiß man auch in Ös­ter­reich zu schät­zen, denn der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan be­kommt An­fang Au­gust als Aus­hän­ge­schild für sein Hei­mat­land den ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en-Son­der­preis ver­lie­hen. Und weil es in jüngs­ter Zeit ge­ra­de Mode ge­wor­den ist, für Di­ri­gen­tin­nen zu schwär­men, zeigt Lju­biša Tošic im Stan­dard un­ter dem Ti­tel „Män­ner, aus dem Weg!“ auf, dass und war­um di­ri­gie­ren­de Frau­en im­mer noch eher die Aus­nah­me sind. Ob­wohl auch Joana Mall­witz mit fol­gen­dem er­freu­li­chen Satz zi­tiert wird: „Ich habe noch nicht er­lebt, dass eine Kol­le­gin ge­holt wur­de, weil es Mode ist.“ Lei­der noch ohne Re­gis­seu­rin­nen kommt die von Mu­se­ums­chefin Clau­dia Balk kon­zi­pier­te jüngs­te Aus­stel­lung im Deut­schen Thea­ter­mu­se­um in Mün­chen aus. Das The­ma Re­gie­thea­ter ist aber in je­dem Fall reiz­voll, wie Abend­zei­tung und Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­ten. Und weil die Schau im Un­ter­ti­tel als „eine deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Ge­schich­te“ klas­si­fi­ziert wird, krie­ge ich so­gar noch die Kur­ve zu Gün­ther Groissböck …
Tipps und Links vom 18. und 19. Juli: Un­ter der Über­schrift „Das Öff­nen ei­nes To­res“ gibt  es seit ges­tern in der Süd­deut­schen Zei­tung (mit Be­zahl­schran­ke) ein le­sens­wer­tes In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser, dem Salz­bur­ger Fest­spiel­in­ten­dan­ten. Ohne Zu­gangs­be­schrän­kung und eben­falls le­sens­wert ist der SZ-Ar­ti­kel „Auf Au­gen­hö­he“, in dem Su­san­ne Her­man­ski die be­son­de­ren neur­al­gi­schen Punk­te baye­ri­scher Kul­tur­po­li­tik be­schreibt – wozu auch die Wag­ner-Fest­spie­le ge­hö­ren. Ein nur auf Bay­reuth be­zo­ge­nes Fa­zit, näm­lich dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le nicht nur we­gen Co­ro­na in der Kri­se ste­cken, zieht Pe­ter Jung­blut für Deutsch­land­funk Kul­tur  (und zum Nach­le­sen auf BR24) in sei­nem mit O-Tö­nen von Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels durch­setz­ten Kom­men­tar. Soll man wei­nen oder la­chen über die An­kün­di­gung, dass am 25. Juli, dem Tag, an dem nor­ma­ler­wei­se die Fest­spie­le er­öff­net wer­den, even­tu­ell Mu­sik­di­rek­tor Chris­ti­an Thie­le­mann und Ge­org von Wal­den­fels bei der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth aus Brie­fen von Ri­chard Wag­ner vor­le­sen? Im­mer­hin hat sich auf den letz­ten Drü­cker doch noch auch auf der Home­page der Fest­spie­le et­was ge­tan: Beim bis­her un­ver­än­dert ver­öf­fent­lich­ten Spiel­plan 2020 steht jetzt ein­gangs we­nigs­tens die In­for­ma­ti­on, dass die Fest­spiel­sai­son 2020 Co­ro­na-be­dingt ver­scho­ben wur­de. Und so­gar für das Rah­men­pro­gramm Dis­kurs Bay­reuth, ein Her­zens­pro­jekt des schei­den­den Fest­spiel-Ge­schäfts­füh­rers Hol­ger von Berg, das heu­er von Ber­lin aus nur im Netz statt­fin­den soll, gibt es zu­min­dest eine vier­zei­li­ge An­kün­di­gung. Aber mehr auch nicht. Liegt das nur am man­geln­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent von Ku­ra­to­rin Ma­rie Lui­se Maintz oder ist das Di­ckicht der Zu­stän­dig­kei­ten in­ner­halb der Fest­spiel­ver­wal­tung ein­fach zu groß? Im­mer­hin ha­ben un­ter­halb des Grü­nen Hü­gels (und au­ßer­halb der Fest­spiel-GmbH) die Wahn­fried-Kon­zer­te über­lebt, die si­cher noch ex­klu­si­ver als in Vor-Co­ro­na-Zei­ten sein dürf­ten. Und wer weiß, ob nicht auch das Er­öff­nungs­kon­zert, das von BR Klas­sik live über­tra­gen wird, dort statt­fin­det? Blei­ben ne­ben of­fe­nen Fra­gen noch die Strea­ming-Emp­feh­lun­gen, die ich heu­te ger­ne der Neu­en Mu­sik­zei­tung über­las­se. Bis auf ei­nen Ter­min: Mor­gen um 15 Uhr wer­de ich kei­nes­falls die zwei­te Ge­sangs­lek­ti­on von Diet­rich Vol­le von der Oper Frank­furt ver­säu­men. Er macht das näm­lich rich­tig gut!
Tipps und Links vom 17. Juli: Heu­te ist wie­der mal ein Stutt­gart-Tag: Über das „Büh­nen­frei­fest­spiel“, das Va­len­tin Schwarz, der Re­gis­seur des nächs­ten „Rings“ in Bay­reuth (statt heu­er vor­aus­sicht­lich 2022) zu­sam­men dem dem dor­ti­gen Staats­opern­chor rea­li­siert hat, sind zwei ziem­lich un­ter­schied­li­che Be­rich­te auf SWR2 und beim Deutsch­land­funk Kul­tur greif­bar. Dass Schwarz un­ter an­de­rem Re­gi­as­sis­tent bei Jos­si Wie­ler und Ser­gio Mo­r­abi­to war, fügt sich wun­der­bar mit mei­nem Stream-Tipp. Heu­te Abend geht es end­lich wei­ter mit dem drit­ten „Ring“-Teil: Der Stutt­gar­ter „Sieg­fried“ vom Team Wieler/​Morabito in der Aus­stat­tung von Anna Vie­b­rock ist ein Muss für je­den Wag­ne­ria­ner und Opern­freund. Nicht zu­letzt, weil Heinz Göh­rig ein­fach ein um­wer­fen­der Mime ist – und so­mit auf Au­gen­hö­he mit Heinz Zed­nik, Gra­ham Clar­ke und Wolf­gang Ablinger-Sperrhacke.
Tipps und Links vom 16. Juli: Nach­dem ich flei­ßig die vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le in al­len Ein­zel­hei­ten un­ter an­de­rem in zwei ge­son­der­ten Blog-Ar­ti­keln auf­ge­lis­tet habe, darf ich mel­den, dass es heu­er auch nicht-vir­tu­el­le Wag­ner-Fest­spie­le gibt: näm­lich die Wein­viert­ler Fest­spie­le, die von 2. bis 23. Au­gust an zwei Spiel­or­ten in Nie­der­ös­ter­reich bzw. Tsche­chi­en statt­fin­den, näm­lich in Poys­dorf im ös­ter­rei­chi­schen Wein­vier­tel und im Am­phi­thea­ter von Mi­kul­ov, di­rekt an der Gren­ze im tsche­chi­schen Teil des Wein­vier­tels. Ne­ben ei­ner Er­öff­nungs­ga­la, ei­nem Best-of-Wag­ner- und ei­nem Kin­der-Pro­gramm gibt es in Mi­kul­ov als Open-Air-Ver­an­stal­tun­gen hoch­ka­rä­tig be­setz­te In­sze­nie­run­gen von „Tris­tan und Isol­de“ und dem „Flie­gen­den Hol­län­der“. Zu den So­lis­ten zäh­len René Pape, Anna Gab­ler, Gün­ther Groissböck, Franz Haw­la­ta, Mag­da­le­na Anna Hoff­mann, Da­ni­el Kirch, To­masz Ko­nie­cz­ny, Tho­mas Jo­han­nes May­er, Mar­ti­na Sera­fin so­wie Fest­spiel-In­ten­dant Pe­ter Svens­son. Und weil ge­ra­de von Sän­gern die Rede ist, ver­lin­ke ich ger­ne noch ei­nen herz­er­wär­men­den  Ar­ti­kel aus der Wie­ner Zei­tung „End­lich wie­der sin­gen“ über ei­nen Chor­kna­ben an der Wie­ner Staatsoper.
Tipps und Links vom 15. Juli:  Die Mel­dung des Ta­ges hat ges­tern Pe­ter Jung­blut auf BR24 plat­ziert: Ka­tha­ri­na Wag­ner geht es laut Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org von Wal­den­fels in­zwi­schen wie­der bes­ser. Er sei op­ti­mis­tisch, dass sie im Herbst wie­der ihr Amt über­neh­men kön­ne. Wie es nach wei­te­ren Per­so­na­li­en in dem Be­richt heißt, „geht der Ver­wal­tungs­rat der Fest­spie­le noch da­von aus, dass die Sai­son 2021 statt­fin­det, wenn auch der Kar­ten­ver­kauf wo­mög­lich erst spä­ter als üb­lich be­gin­nen kön­ne. Über den Spiel­plan des nächs­ten Jah­res wird bis Ende Juli ent­schie­den.“ In Salz­burg hin­ge­gen ist der Kar­ten­ver­kauf für die dies­jäh­ri­ge hal­bier­te Sai­son an­ge­lau­fen. Der Stan­dard lobt un­ter an­de­rem die vor­an­ge­gan­ge­ne Rück­ab­wick­lung als Meis­ter­leis­tung des Kar­ten­bü­ros, der ORF ver­mel­det auch lei­se Co­ro­na-Be­den­ken. Mit wel­chen Pro­ble­men klei­ne­re Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in Bay­ern zu kämp­fen ha­ben, wird an­schau­lich in ei­ner BR-Re­por­ta­ge be­schrie­ben. Und nicht ver­ges­sen: Heu­te Abend um 21 Uhr wird aus Aix en Pro­vence Pa­tri­ce Ché­re­aus „Elek­tra“-In­sze­nie­rung ge­streamt. Es lohnt sich schon vor­her, auf die Sei­te zu ge­hen, denn es gibt In­ter­views mit Ché­reau und Wal­traud Meier.
Tipps und Links vom 14. Juli:  Die Kri­ti­ken zum Stutt­gar­ter Büh­nen­frei­fest­spiel von Bay­reuths künf­ti­gem „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz sind lei­der nicht frei zu­gäng­lich, nur noch ein wei­te­rer Vor­be­richt mit O-Tö­nen in der Hei­den­hei­mer Zei­tung. Ein aus­führ­li­ches In­ter­view mit Joana Mall­witz hat Mar­tin Fich­ter-Wöß von der ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten­agen­tur APA ge­führt. Kein Wun­der, denn Nürn­bergs Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­to­rin wird bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len heu­er eine ge­kürz­te Ver­si­on von Mo­zarts „Così fan tut­te“ di­ri­gie­ren und hat ei­ni­ges dazu zu sa­gen. Pe­ter Thei­ler, der frü­he­re Nürn­ber­ger und jet­zi­ge Sem­per­oper-In­ten­dant in Dres­den, äu­ßert sich in ei­ner aus­führ­li­chen Re­por­ta­ge auf Deutsch­land­funk Kul­tur über die spe­zi­fi­schen Co­ro­na-Pro­ble­me mit dem schö­nen Ti­tel „Wenn Lie­ben­de auf Di­stanz blei­ben müs­sen“. Auf mei­ne ban­ge Fra­ge (sie­he Tipps und Links vom 6. Juli), wo ei­gent­lich bei der Vir­tu­el­len Fest­spiel­zeit die ak­tu­el­le­ren Fest­spiel­auf­zeich­nun­gen ab­ge­blie­ben sind, gibt es seit heu­te eine Ant­wort: Sie sind kos­ten­pflich­tig auf DG Sta­ge, der Klas­sik­platt­form der Deut­schen Gram­mo­phon zu ha­ben, was sich auf der Fest­spiel­home­page als „Die Bay­reu­ther Fest­spie­le 2020 in vir­tu­el­ler Form in Part­ner­schaft mit Deut­sche Gram­mo­phon“ schon ge­nau­so höl­zern liest wie es ist. Mehr dazu dem­nächst in Beers Blog.
Tipps und Links vom 13. Juli:  Dass auch die Mu­sik­thea­ter­kunst sich al­lent­hal­ben zu­rück­mel­det, il­lus­triert un­ter an­de­rem die ak­tu­el­le Frei­licht-Pro­duk­ti­on des Thea­ters Ko­blenz mit Ver­dis „Na­buc­co“. Al­ler­dings bleibt die Ge­wiss­heit, dass es noch län­ger dau­ern wird, bis man auch klang­lich wie­der eine Oper mit gro­ßem Chor und Or­ches­ter er­le­ben darf. Ob sich die un­ter be­son­ders stren­gen Co­ro­na-Be­schrän­kun­gen lei­den­den baye­ri­schen  Kul­tur­ver­an­stal­ter einst­wei­len auf den Kla­ge­weg be­ge­ben, un­ter­sucht Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur. Und in der Süd­deut­schen Zei­tung hat sich Ger­hard Mat­zig in sei­ner auch sprach­lich le­sens­wer­ten Re­por­ta­ge der Hy­gie­ne­maß­nah­men am Ber­li­ner En­sem­ble und dem Stadt­thea­ter Augs­burg an­ge­nom­men. Hm. Bleibt un­ser­eins vor­erst doch nur das Strea­men. In die­ser Wo­che gehe ich in­so­fern in die Vol­len, als ich mir zwei ver­glei­chen­de Aben­de mit „Mo­ses und Aron“ von Ar­nold Schön­berg gön­ne – ein­mal in der Ver­si­on von Ro­meo Castel­lu­ci und Phil­ip­pe Jor­dan an der Pa­ri­ser Oper (13. bis 19. Juli) und ein­mal aus der Ko­mi­schen Oper un­ter Bar­rie Kos­ky und Vla­di­mir Ju­row­ski (bis 11. Sep­tem­ber). So­was be­kommt man ga­ran­tiert nicht so schnell wie­der frei Haus! Heu­te Abend um 21 Uhr gebe ich mir aber erst noch­mals die folk­lo­re­freie und ge­nia­le Psy­cho­the­ra­piedra­ma-„Car­men“ in der In­sze­nie­rung von Dmi­tri Tcher­nia­kov aus Aix en Pro­vence, de­ren Ende (ein­schließ­lich der Re­ak­ti­on von Don José-Sän­ger Mi­cha­el Fa­bia­no beim Schluss­bei­fall) sich mir un­ver­gess­lich ein­ge­brannt hat. Und spät, aber ger­ne ver­wei­se ich noch auf die wö­chent­li­chen Strea­ming-Tipps aus der Neu­en Mu­sik­zei­tung.
Tipps und Links vom 11. und 12. Juli: Wäh­rend ein Hauch von Zu­kunft der Bay­reu­ther Fest­spie­le ak­tu­ell in Stutt­gart weht, wo der de­si­gnier­te „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz ab mor­gen so­wie am 15. und 16. Juni mit dem Opern­chor das „Büh­nen­frei­fest­spiel Demo(kratie)“ auf die Bei­ne stellt, wirft eine ak­tu­el­le Mel­dung aus Flo­renz ein Schlag­licht zu­rück in un­be­wäl­tig­te äl­te­re und jün­ge­re Ver­gan­gen­heit. Alex­an­der Pe­rei­ra, In­ten­dant des Mag­gio Mu­si­ca­le Fio­ren­ti­no, holt in der kom­men­den Sai­son Ja­mes Le­vi­ne für Opern- und Kon­zert­di­ri­ga­te nach Flo­renz, wor­über un­ter an­de­rem BR Klas­sik aus­führ­lich be­rich­tet. Vor zwei Jah­ren hat Bernd Neu­hoff un­ter dem Ti­tel „Die Ge­schich­te ei­nes ver­dräng­ten Skan­dals“ die­se Miss­brauchs-Af­fä­re so sub­til und klar kom­men­tiert, dass sich die Lek­tü­re auch heu­te lohnt (auch in Hin­blick auf an­de­re ähn­li­che Pro­blem­fäl­le wie Dom­in­go u.a.). Apro­pos Ver­drän­gung: Auf der Home­page der Fest­spie­le kann man im Nach­ruf auf Nor­bert Ba­latsch se­hen, wie das auch um­ge­kehrt funk­tio­niert. Dass der lang­jäh­ri­ge Chor­di­rek­tor ne­ben den hier al­ler­dings nicht kom­plett auf­ge­zähl­ten Di­ri­gen­ten von 1982 bis 1998 im­mer­hin fünf­zehn Fest­spiel­som­mer lang auch mit Le­vi­ne zu­sam­men ge­ar­bei­tet hat, bleibt un­er­wähnt. Und was sagt Nor­man Leb­recht zu Le­vi­nes Flo­renz-En­ga­ge­ment? Al­ters­mä­ßig ist Leb­recht mit Pe­rei­ra zwar ein­deu­tig auf Au­gen­hö­he, aber sein ent­spre­chen­der Kom­men­tar auf Slip­ped Disc hat trotz­dem was. Ge­nug da­von – zu­rück nach Stutt­gart. Denn heu­te strea­me ich die „Wal­kü­re“. Und mor­gen Nach­mit­tag um 15 Uhr star­tet die drei­tei­li­ge, je­weils zwan­zig Mi­nu­ten dau­ern­de Ge­sangs­lek­ti­on mit Ba­ri­ton Diet­rich Vol­le von der Frank­fur­ter Oper, die ich mir ganz be­stimmt nicht ent­ge­hen las­se, denn mei­ne ers­te Ge­sangs­stun­de hat auch mit „Der Mond ist auf­ge­gan­gen“ angefangen …
Tipps und Links vom 10. Juli: Schon heu­te ma­che ich auf­merk­sam auf den mor­gi­gen Live-Stream af BR Klas­sik con­cert vom Ge­burts­tags­kon­zert Her­bert Blom­stedts um 20 Uhr aus Bam­berg. Seit Mon­tag ist der Eh­ren­di­ri­gent hier und probt, um am mor­gi­gen Sams­tag, dem 11. Juli,  dem Tag sei­nes 93. Ge­burts­tags – ein Kon­zert mit den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern zu di­ri­gie­ren. Auf dem Pro­gramm ste­hen die Sym­pho­nie Nr. 3 „Sym­pho­nie lit­ur­gi­que“ von Ar­thur Hon­eg­ger und die Sym­pho­nie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Jo­han­nes Brahms. Ger­ne gebe ich Ent­war­nung, was das Preis­trä­ger­kon­zert der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker be­trifft: Es ist wie­der on­line, je­der kann sich jetzt sel­ber ein (Hör-)Bild ma­chen. Wäh­rend 1. Preis­trä­ger Fin­ne­gan Dow­nie Dear sei­ne Kar­rie­re noch vor sich hat, ist Da­ni­el Ba­ren­bo­im – eben­falls be­treut durch die Agen­tur As­ko­nas Holt – längst im Ze­nit und bringt in Ber­lin gleich zehn Ur­auf­füh­run­gen her­aus, wie er im In­ter­view in der B.Z. er­läu­tert. Und noch ein Di­ri­gent hat sich zu Wort ge­mel­det: Franz Wel­ser-Möst spricht mit Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur über sei­ne spe­zi­fi­schen Co­ro­na-Er­fah­run­gen und dass man als Künst­ler den po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern zu­ar­bei­ten müs­se. Das hört be­stimmt auch Bernd Si­bler gern, der für Kul­tur zu­stän­di­ge baye­ri­sche Mi­nis­ter, der sich Pe­ter Jung­blut vom Baye­ri­schen Rund­funk ge­gen­über zu sei­nen viel­fach kri­ti­sier­ten Hilfs- und Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men äu­ßert. Apro­pos BR: Was das di­gi­ta­le Fest­spiel­pro­gramm be­trifft, so wur­de mir auf An­fra­ge mit­ge­teilt, dass „die Be­stand­tei­le der BR-KLAS­SIK-An­ge­bo­te des vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spiel­pro­gramms 2020 ab dem Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum 30 Tage „on de­mand“ ab­ruf­bar sind“ (sie­he Pro­gramm­ab­lauf wei­ter unten).
Tipps und Links vom 9. Juli: Der oder das Kud­del­mud­del um das so­ge­nann­te Fest­spiel­kon­zert am 25. Juli geht wei­ter. Der Nord­baye­ri­sche Ku­rier kommt kaum noch nach, den neu­es­ten Stand zu do­ku­men­tie­ren, wäh­rend die ver­schie­de­nen Pres­se­stel­len der be­tei­lig­ten Funk- und Fern­seh­an­stal­ten sich wei­ter­hin ih­ren je ei­ge­nen Reim drauf ma­chen. Im­mer­hin gibt es jetzt beim Baye­ri­schen Rund­funk tat­säch­lich nicht mehr die In­fos von 2019, son­dern eine ver­mut­lich rück­da­tier­te ak­tu­el­le Fest­spiel­sei­te. Al­ler­dings ha­ben der oder die Texter*in im­mer noch nicht be­grif­fen, dass man als Hö­rer ei­ner rei­nen Rund­funk­auf­zeich­nung nicht viel mit­krie­gen kann von der „Büh­nen­show von Re­gie­schreck Frank Cas­torf“. Und be­sag­tes Kon­zert „über­trägt BR-KLAS­SIK am 25. Juli um 16.05 Uhr di­rekt vom Grü­nen Hü­gel“ … War­um auch jetzt noch kei­ne Klar­heit über den Ver­an­stal­tungs­ort be­steht, liegt auf der Hand. Die Baye­ri­sche Schlös­ser- und Gär­ten­ver­wal­tung, die für das even­tu­ell in Fra­ge kom­men­de Mark­gräf­li­che Opern­haus zu­stän­dig ist, ver­langt be­kannt­lich sehr viel Mie­te. Wer soll das be­zah­len? Oder soll Fest­spiel­ge­schäfts­füh­rer Heinz-Die­ter Sen­se von sei­nem De­men­ti zu­rück­ru­dern (sie­he Tipps und Links vom 6. Juli) und das Gan­ze bes­ser doch ins zu­schau­er­lo­se Fest­spiel­haus ver­le­gen? We­nigs­tens Va­len­tin Schwarz, der de­si­gnier­te Bay­reu­ther „Ring“-Regisseur, scheint ei­nen kla­ren Kopf bei­ein­an­der zu ha­ben, wie sei­nem jüngs­ten In­ter­view im Ta­ges­spie­gel zu ent­neh­men ist. Auch der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan Gün­ther Groissböck, der sich für eine Künst­ler­ge­werk­schaft en­ga­giert, bleibt am Ball, wie An­to­nia Mo­rin für BR Klas­sik re­cher­chiert hat. Und wie die de­zi­mier­ten Fest­spie­le in Salz­burg funk­tio­nie­ren kön­nen, dür­fen, sol­len, legt In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser in ei­nem aus­führ­li­chen In­ter­view mit Ge­org Ru­di­ger von der Schwä­bi­schen Zei­tung dar. Ge­nug Lek­tü­re! Wer das Stutt­gar­ter „Rhein­gold“ noch nicht ge­se­hen hat, soll­te sich spu­ten: Ist nur noch bis mor­gen Nach­mit­tag im kos­ten­lo­sen Stream zu haben!
Tipps und Links vom 8. Juli: Bin wie­der zu­hau­se, wo mich prompt die lo­ka­le Kul­tur­welt auf­wühlt. Der Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb – neu­deutsch „The Mah­ler Com­pe­ti­ti­on“ – ist wohl nicht ganz so ver­lau­fen, wie man es sich wün­schen wür­de. Zwar durf­te je­der, der sich die Zeit da­für neh­men konn­te, den Wettbwerb im Live­stream ver­fol­gen, dass die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker aber an­schlie­ßend das Ab­schluss­kon­zert (bei dem 100 ana­lo­ge Zu­schau­er zu­ge­las­sen wa­ren) un­ter der Lei­tung des Ge­win­ners Fin­ne­gan Dow­nie Dear plötz­lich aus dem Netz ge­nom­men ha­ben, lässt Fra­gen of­fen. Letz­te­re hat be­reits wäh­rend der Durch­gän­ge Nor­man Leb­recht auf sei­ner Platt­form Slip­ped Disc ge­stellt, die be­kannt­lich je­des Ge­rücht aus der Mu­sik­welt ger­ne auf­greift. Am 6. Juli mel­de­te Leb­recht, dass der Wett­be­werb we­gen Re­gel­wid­rig­kei­ten bes­ser ein­ge­stellt wer­den soll­te, am 7. Juli folg­te die Mel­dung vom nir­gends mehr ver­füg­ba­ren Ab­schluss­kon­zert-Vi­deo – mit dem ver­nich­ten­den Wett­be­werbs-Fa­zit „It brought dis­credit on Mahler’s name, and on ever­yo­ne in­vol­ved.“ Im Frän­ki­schen Tag und bei Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung liest sich das durch­aus an­ders, wo­bei letz­te­rer im­mer­hin die co­ro­nabe­ding­ten Rei­se­pro­ble­me von Teil­neh­mern und Ju­ry­mit­glie­dern be­nennt. Und auf BR Klas­sik kann man im­mer noch nicht nur die Jury-Ent­schei­dung aus dem Mund von Ju­ry­vor­sit­zen­den Ja­kob Hrůša hö­ren, son­dern auch 1. Preis­trä­ger Fin­ne­gan Dow­nie Dear selbst so­wie La­hav Shani, Ge­win­ner des Mah­ler-Wett­be­werbs 2013.

Tipps und Links vom 7. Juli: Wie ein gut ge­mach­tes vir­tu­el­les Fest­spiel­pro­gramm aus­sieht, kann man an dem se­hen, was das Fes­ti­val von Aix en Pro­vence ne­ben sei­nen noch wei­ter lau­fen­den Strea­mings (sie­he wei­ter un­ten) an­bie­tet. Seit ges­tern und noch bis 15. Juli gibt es un­ter dem Mot­to #LA­SCÈ­NEN­U­MÉ­RI­QUE  je­weils ein vier­tei­li­ges di­gi­ta­les Ta­ges­pro­gramm zu ei­nem Schwer­punkt­the­ma, das in der Re­gel die abend­li­che Opern­pro­duk­ti­on (ab 21 Uhr) ist. Was ich mir be­stimmt nicht ent­ge­hen las­se, sind „Tos­ca“ am 11. Juli (Re­gie: Chris­to­phe Ho­no­ré), das Re­ci­tal mit Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber so­wie „Ma­ha­gon­ny“ am 12. Juli, die im­mer wie­der un­glaub­li­che „Carmen“-Inszenierung von Dmi­tri Tcher­nia­kov am 13. Juli und na­tür­lich das Pro­gramm vom 15. Juli, das hier bei­spiel­haft aus­führ­lich vor­ge­stellt sei: Am Mor­gen ab 7 Uhr gibt es ei­nes der letz­ten In­ter­views von Pa­tri­ce Ché­reau zu se­hen so­wie ein In­ter­view mit sei­ner Klytämnes­t­ra Wal­traud Mei­er (bei­des an die­sem Tag auch spä­ter ab­ruf­bar), mit­tags um 12 Uhr folgt die  Po­di­ums­dis­kus­si­on „Buil­ding a fu­ture: the Fes­ti­val in its own re­gi­on“ mit Fes­ti­val­lei­ter Pierre Audi, Maja Hoff­mann, Macha Ma­keï­eff, Jean-Fran­çois Choug­net so­wie Ti­mo­thée Pi­card als Mo­de­ra­tor, um 19 Uhr wird ein Kon­zert des Lon­don Sym­pho­ny Or­ches­tra un­ter Dun­can Ward mit Wer­ken von Leo­nard Bern­stein, Ga­bri­el Fau­ré, Hec­tor Ber­li­oz und Ge­or­ge Gershwin ge­zeigt, um 21 Uhr folgt dann, prä­sen­tiert von Wal­traud Mei­er, Pa­tri­ce Ché­re­aus letz­te Opern­ar­beit, „Elek­tra“ von Ri­chard Strauss un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von Esa-Pek­ka Salonen.
Und gleich noch­mal Ché­reau: Auf der Home­page der ak­tu­ell be­son­ders ge­beu­tel­ten Pa­ri­ser Oper, die auch we­gen vie­ler Streiks schon vor Co­ro­na aus dem Ru­der lief und frü­her als ge­plant von ih­rem Chef ver­las­sen wur­de, fin­det sich auf­schluss­rei­ches Ma­te­ri­al über den Re­gis­seur, dem die Oper von No­vem­ber 2017 bis März 2018 eine um­fang­rei­che Aus­stel­lung widmete.

Tipps und Links vom 6. Juli: Na­tür­lich sind die vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le die Mel­dung des Ta­ges. Aber ehr­lich ge­sagt ist das Pro­gramm nicht nur mit ziem­lich hei­ßer Na­del und auf­fal­lend kurz ge­strickt. Son­dern es of­fen­bart, dass die BF Me­di­en GmbH zu­min­dest in punk­to Pu­bli­kums­freund­lich­keit­nicht be­son­ders gut auf­ge­stellt sein kann. Wie sonst ist zu er­klä­ren, dass die ak­tu­el­le­ren Er­folgs­pro­duk­tio­nen der Fest­spie­le – wie To­bi­as Krat­zers „Tannhäuser“-Inszenierung von 2019, Bar­rie Kos­kys „Meis­ter­sin­ger“ von 2017 und bei­spiels­wei­se auch der Ratten-„Lohengrin von Hans Neu­en­fels von 2010 und Ste­fan Her­heims „Par­si­fal“ von 2008 – nicht we­nigs­tens über die Home­page der Fest­spie­le oder die Me­dia­the­ken der TV-Sen­der ge­streamt wer­den? Alle die­se Pro­duk­tio­nen wur­den über die BF Me­di­en GmbH auch im öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen gezeigt.
Die ak­tu­ells­te Fest­spiel-Pro­duk­ti­on der vir­tu­el­len Fest­spie­le 2020 ist die letz­te „Ring“-Inszenierung un­ter Ki­rill Pe­tren­ko und Frank Cas­torf (2013–2017), die al­ler­dings nur im Rund­funk über­tra­gen wird (Auf­zeich­nung von 2015, Pe­tren­kos letz­tem Bay­reuth-Jahr). Zu se­hen gibt es nur zwei schon „his­to­ri­sche“ Te­tra­lo­gien, de­ren DVDs die meis­ten Wag­ne­ria­ner oh­ne­hin im Re­gal ha­ben: den „Jahr­hun­dert-Ring“ von Pa­tri­ce Ché­reau un­ter Pierre Bou­lez (1976–1980) in ei­ner Non-stop-Ma­ra­thon­sen­dung am 7. und 8. Au­gust so­wie Har­ry Kup­fers In­sze­nie­rung un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im (1988–1992) von 25. bis 28. Juli. Da­von, dass die Auf­zeich­nun­gen auch an­schlie­ßend und viel­leicht bis zum re­gu­lä­ren Fest­spie­len­de (am 29. bzw. 30. Au­gust) noch ir­gend­wo ge­streamt bzw. ge­hört wer­den kön­nen, steht bis­her nichts in den of­fi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen. Dass da­hin­ter recht­li­che Fra­gen ste­hen, liegt auf der Hand. Der Castorf-„Ring“ bei­spiels­wei­se soll, wie Axel Brüg­ge­mann in Cre­scen­do schreibt, nur über die Deut­sche Gram­mo­phon zu ha­ben sein, die of­fen­bar lie­ber sel­ber ver­mark­tet. Und wel­che Rech­te hat dann ei­gent­lich noch die BF Me­di­en GmbH?
Soll ich zu dem erst of­fi­zi­ell de­men­tier­ten und jetzt doch statt­fin­den­den Fest­spiel-Er­öff­nungs­kon­zert am 25. Juli live aus Bay­reuth noch et­was sa­gen? Vor al­lem zu der hei­ßen Fra­ge, wo es ver­an­stal­tet wird? Be­kannt­lich hat Fest­spiel GmbH-Ge­schäfts­füh­rer Heinz-Die­ter Sen­se, wie der Nord­baye­ri­sche Ku­rier am 18. Juni ex­klu­siv mel­de­te, ge­sagt, dass es am 25. Juli kei­ne Ver­an­stal­tung im Fest­spiel­haus ge­ben wird. Auch die Pres­se­mit­tei­lung der Fest­spie­le schweigt sich auf­fal­lend zum Ver­an­stal­tungs­ort aus. Auf BR24 ist in­zwi­schen zu le­sen, dass BR Klas­sik das Kon­zert live aus dem Fest­spiel­haus über­trägt. Es ist also ein ein­zi­ges Kud­del­mud­del. Gute Ko­ope­ra­ti­on sieht an­ders aus. Wie auch im­mer: Thie­le­mann-Fans dür­fen sich jetzt freu­en, dass ihr Idol den an­ge­kün­dig­ten rei­nen Er­ho­lungs- und Be­sin­nungs­ur­laub am Grü­nen Hü­gel nun doch noch mit ei­nem Di­ri­gat ver­sü­ßen kann. Ach, Bayreuth!
Apro­pos: Es gibt im­mer mehr Künst­ler, die wie der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan Gün­ther Groissböck die Sa­che selbst in die Hand neh­men und ihr Glück nicht nur in her­kömm­li­chen For­ma­ten su­chen: zum Bei­spiel beim Wag­ner Open Air am 23. Au­gust auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue. Der Vor­ver­kauf be­ginnt in Kürze.

Tipps und Links vom 4. und 5. Juli: War­um ich ak­tu­ell nicht ganz bei der Sa­che bin? Weil ich mo­men­tan hier bin, wo es kei­ne Opern, son­dern nur eine bei je­dem Wet­ter groß­ar­ti­ge Na­tur gibt:

Da be­schäf­tigt man sich zwangs­läu­fig we­ni­ger mit Ta­ges­ak­tu­el­lem, son­dern mit dem, was nach­hal­tig ist. Zum Bei­spiel nach­zu­le­sen in der F.A.Z., in der 23-tei­li­gen Se­rie „Wag­ners schöns­te Stel­len“ aus dem Jahr 2013. Was die Streams be­trifft – das Gros der Opern­häu­ser stellt mit Sai­son­ende die kos­ten­lo­sen An­ge­bo­te von kom­plet­ten Opern­vi­de­os erst­mal ein, da­für ist von den ab­ge­sag­ten und nicht ab­ge­sag­ten Fes­ti­vals ei­ni­ges zu er­war­ten – emp­feh­le ich ak­tu­ell ne­ben dem Stutt­gar­ter „Ring“ für Neu­gie­ri­ge die Ur­auf­füh­rung von „Ri­trat­to“ (nur noch bis 5. Juli weit­ge­hend wer­be­frei) aus Amsterdam.

Tipps und Links vom 3. Juli: Ab heu­te 17 Uhr streamt die Oper Stutt­gart ih­ren le­gen­dä­ren „Ring“ un­ter Lo­thar Za­g­ro­sek von vier ver­schie­de­nen Re­gis­seu­ren in wö­chent­li­chem Wech­sel (sie­he auch aus­führ­li­cher Blog-Ar­ti­kel dazu). Dazu passt in je­dem Fall das Wag­ner-ABC auf BR Klas­sik, bei dem es mit Fra­gen, die wirk­lich nur für ab­so­lu­te An­fän­ger schwie­rig sein könn­ten, Wag­ner-Über­ra­schungs­pa­ke­te zu ge­win­nen. Läuft bis 25. Juli, also bis zum nicht statt­fin­den­den Fest­spiel­be­ginn 2020. Apro­pos: In­zwi­schen ist auch pu­blik ge­macht wor­den, was die Stadt Bay­reuth un­ter dem Slo­gan „Bay­reuth Sum­mer­ti­me“ so plant. Es wird vor al­lem Kon­zer­te al­ler Art ge­ben (so­weit sie den dann gel­ten­den Hy­gie­ne­vor­schrif­ten ent­spre­chen), auch in Wahn­fried, und auch mit nam­haf­ten Bay­reuth-So­lis­ten. Die ur­sprüng­lich für den Som­mer ge­plan­te ro­sa­lie-Aus­stel­lung hin­ge­gen wird in Wahn­fried erst ab An­fang Ok­to­ber zu se­hen sein.

Tipps und Links vom 1. und 2. Juli: Für Fest­spiel­freun­de ist heu­te um 18.30 Uhr der Kul­tur­platz des TV-Sen­ders TVO ein Muss (sie­he Link wei­ter un­ten), denn da gibt es das In­ter­view von Ul­ri­ke Gla­ßer-Gün­ther mit Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels, dem Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den der Bay­reu­ther Fest­spie­le GmbH, in der Lang­ver­si­on. Apro­pos Bay­reuth: Ste­phan Mösch hat eine kür­ze­re Ver­si­on sei­nes Sym­po­si­um-Vor­trags bei Dis­kurs Bay­reuth 2019 über die Ent­ste­hung des „Jahr­hun­dert-Rings“ 1976 in der F.A.Z. ver­öf­fent­licht. Und zwei­tens kommt aus der Fest­spiel­stadt die Mel­dung, dass es ab 6. Juli we­nigs­tens Füh­run­gen im Fest­spiel­haus gibt, die sonst um die­se Jah­res­zeit aus be­kann­ten Grün­den nicht mög­lich sind. Und drit­tens kann man das In­ter­view von Ro­man Kocholl mit „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz, das im Nord­baye­ri­schen Ku­rier nur für Abon­nen­ten bzw. Zah­lungs­wil­li­ge zu ha­ben ist, jetzt kos­ten­los in der Stutt­gar­ter Zei­tung lesen.
Wer un­schlüs­sig ist, was er heu­te oder mor­gen Abend strea­men will, dem lege ich Vin­cen­zo Bel­li­nis „I pu­ri­ta­ni“ aus Stutt­gart ans Herz. Eine groß­ar­ti­ge Auf­füh­rung, zu der auch fol­gen­der Ta­ge­buch­ein­trag von Co­si­ma Wag­ner ani­mie­ren mag:
Sonn­abend 3ten Au­gust [1872] R. singt eine Kan­ti­le­ne aus den „Pu­ri­ta­nern“, da­bei be­mer­kend, daß Bel­li­ni sol­che Me­lo­dien ge­habt, wie sie schö­ner nicht ge­träumt wer­den kön­nen. Da­bei ge­denkt er Rubini’s, wie wun­der­voll er dies ge­sun­gen, und meint: „Auf ganz and­re Wege müs­sen un­se­re deut­schen Sän­ger sich be­ge­ben, die­se Be­ga­bung ha­ben sie nicht; durch das, was ih­nen ver­sagt ist, müs­sen sie sich zu Un­er­hör­tem auf­schwin­gen, wie Wie­land durch die feh­len­den Füße zum Flie­gen ge­bracht wurde.“
Und weil ich es heu­te mit Zi­ta­ten habe, gleich noch eine schö­ne Beethoven-Sentenz:
Don­ners­tag 1ten Juli [1869] Die Freu­de des Ta­ges war heu­te die An­kunft des Por­traits Beethoven’s, wel­ches R. hat ko­pie­ren las­sen (nach dem von Här­tel be­ses­se­nen Ori­gi­nal). Wie ei­nen Freund und Wohl­tä­ter emp­fan­gen wir den Gro­ßen, und R. sagt, wir ha­ben Freu­den, die kei­ne and­ren ha­ben, wir füh­ren ein Le­ben wie we­ni­ge. [ …] Noch ein­mal auf das Por­trait Beethoven’s zu­rück­kom­mend sagt mir R.: „Ich ver­dan­ke dir auch die­se Freu­de, ohne dich wäre ich nie­mals dazu ge­kom­men, an so et­was zu den­ken, ich wäre auf­ge­regt ge­blie­ben und verrückt.“

Tipps und Links vom 27. und 28. Juni: Ni­ko­laus Bach­ler, noch In­ten­dant der Baye­ri­schen Staats­oper, geht in sei­ne letz­te Sai­son und hat sich in ei­nem aus­führ­li­chen, nicht frei zu­gäng­li­chen In­ter­view mit Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung so frei­her­zig ge­gen die zu prak­ti­zie­ren­den Co­ro­na-Ver­ord­nun­gen ge­äu­ßert, dass es die we­sent­li­chen Sät­ze auch kos­ten­los in ei­ner Kurz­ver­si­on der Deut­schen Pres­se-Agen­tur gibt. Sei­nen Satz „Un­ser Pu­bli­kum ist das ar­tigs­te un­ter der Son­ne“ hat Her­aus­ge­ber An­ton Cu­bak vom On­line-Mer­ker tref­fend wie folgt kom­men­tiert: „Ge­nau das ist der Feh­ler, die Deut­schen sind ob­rig­keits­hö­rig bis zum ‚Geht nicht mehr‘. Ni­ko­laus Bach­ler ist ge­bo­re­ner Ös­ter­rei­cher (Stei­rer) und fühlt sich des­we­gen im Kampf­mo­dus wohl!“ Stellt sich noch die Fra­ge, ob die  Baye­ri­sche Staats­oper zu den­je­ni­gen ge­hört, die alle ihre co­ro­na­ge­schä­dig­ten Künst­ler an­stän­dig be­han­delt. Mar­kus Thiel be­schreibt die Mi­se­re im Münch­ner Mer­kur, die un­ter an­de­rem auch den Skan­dal um Beet­ho­vens Neun­te un­ter Jo­na­than Nott in Genf (auf Arte nur noch heu­te ver­füg­bar!) ein­be­zieht. Und nicht ver­ges­sen: Am Sonn­tag um 18 Uhr „Wahn­fried“ aus Karls­ru­he! Hier noch­mals die Links zu den Pre­mie­ren­kri­ti­ken auf BR Klas­sik, aus der F.A.Z. und von der „Deut­schen Büh­ne“.

Tipps und Links vom 26. Juni: Heu­te ma­che ich mal hem­mungs­los Wer­bung für das Staats­thea­ter Nürn­berg, das in sei­nem Som­mer­spiel­plan eben­falls ei­ni­ges live zu bie­ten und fle­xi­bel in den kom­men­den Sai­son­be­ginn geht. Zum gest­ri­gen Stream-Tipp für Sonn­tag mit der „Wahnfried“-Uraufführung aus Karls­ru­he lie­fe­re ich ger­ne noch ein paar Kri­ti­ken nach: von BR Klas­sik, aus der F.A.Z. und von der „Deut­schen Büh­ne“. Wer jetzt noch nicht weiß, was er opern­mä­ßig am 28. Juni um 18 Uhr ma­chen soll, dem ist nicht mehr zu helfen.
Bleibt noch Zeit für eine Wag­ner­sche Beet­ho­ven-Sen­tenz: „Es ist ein be­zau­ber­ter Zu­stand, in den wir ge­ra­then, wenn wir bei der An­hö­rung ei­nes ech­ten Beethoven’schen Ton­wer­kes in al­len den Thei­len des Mu­sik­stü­ckes, in wel­chen wir bei nüch­ter­nen Sin­nen nur eine Art von tech­ni­scher Zweck­mä­ßig­keit für die Auf­stel­lung der Form er­bli­cken kön­nen, jetzt eine geis­ter­haf­ti­ge Le­ben­dig­keit, ein bald zart­füh­li­ge, bald er­schre­cken­de Reg­sam­keit, ein pul­si­ren­des Schwin­gen, Freu­en, Seh­nen, Ban­gen, Kla­gen und Ent­zückt­sein wahr­neh­men, wel­ches al­les wie­der­um nur aus dem tiefs­ten Grun­de un­se­res ei­ge­nen In­ne­ren sich in Be­we­gung zu set­zen scheint.“ Na­tür­lich meint er da­mit sich sel­ber si­cher auch, oder?

Tipps und Links vom 25. Juni: Heu­te ist ein Tag, wo die un­ter­schied­li­chen Co­ro­na-Maß­nah­men der ein­zel­nen Län­der sich be­son­ders ein­drucks­voll dar­stel­len. Auch der BR hat sich aus­gie­big mit der be­fremd­li­chen Tat­sa­che be­schäf­tigt, dass Ab­stands­re­geln in Flug­zeu­gen au­ßer Kraft ge­setzt sind. Und wäh­rend man in Ös­ter­reich schon bald auch die Tau­sen­der-Re­gel kippt und ab Sep­tem­ber, wie der Stan­dard be­rich­tet, rich­ti­ge Groß­ver­an­stal­tun­gen mög­lich sein könn­ten, brei­tet sich in den Kon­zert- und Opern­haus­sä­len in Bay­ern wei­ter Trost­lo­sig­keit aus. Am schöns­ten be­schreibt das in sei­ner Kurz­kri­tik „Was mög­lich ist“ wie­der ein­mal Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung, die in der prä­gnan­ten Fest­stel­lung gip­felt, dass „Bay­ern über den für die Kunst of­fen­kun­dig nutz­lo­ses­ten Kunst­mi­nis­ter al­ler Bun­des­län­der ver­fügt“. Im SZ-Feuil­le­ton steht au­ßer­dem, dass und wie An­drew Lloyd Web­ber als Lon­do­ner Mu­si­cal-Groß­un­ter­neh­mer schon dem­nächst Auf­füh­run­gen mit Voll­aus­las­tung durch­füh­ren will.
Wag­ner-Freun­din Dag­mar ver­dan­ke ich fol­gen­den Stream-Tipp für Sonn­tag. Sie schreibt über die „Wahnfried“-Produktion des Ba­di­schen Staats­thea­ters Karls­ru­he von 2017: „Wir wa­ren in der Ur­auf­füh­rung und in der Wie­der­auf­nah­me-Pre­mie­re und fan­den die Pro­duk­ti­on ge­ra­de für Wag­ner­freun­de sehr in­ter­es­sant. Mu­si­ka­lisch wa­ren zwar nicht alle Sän­ger auf glei­chem Ni­veau, aber die In­sze­nie­rung ist ein MUSS  für alle Wag­ner­fans.“ Das Thea­ter ver­an­stal­tet am Sonn­tag, 28. Juni, ab 18 Uhr im Foy­er ein Pu­blic Viewing der DVD, gleich­zei­tig wird die Oper von Av­ner Dor­man un­ter GMD Jus­tin Brown in der In­sze­nie­rung von Keith War­ner ge­streamt. Ent­we­der auf der Web­sei­te des Staats­thea­ters, wo es auch ein Ein­füh­rungs­vi­deo gibt, oder auf dem ent­spre­chen­den  You­Tube-Ka­nal. Soll­te man sich un­be­dingt vormerken!

Tipps und Links vom 24. Juni: Die Co­ro­na-Pro­ble­me kann man auch dar­an ab­le­sen, wie die Baye­ri­sche Staats­oper in die neue Sai­son geht. Im­mer­hin konn­te sich Ni­ko­laus Bach­ler doch noch die ver­scho­be­ne Ur­auf­füh­rung von Ma­ri­na Abra­mo­vićs Opern­pro­jekt „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ si­chern (die ur­sprüng­lich zu die­ser Zeit schon an der Deut­schen Oper Ber­lin ge­plant war), die „Elektra“-Neuinszenierung hin­ge­gen muss­te ab­ge­setzt wer­den, an­geb­lich zu Las­ten der So­lis­ten, wie im heu­ti­gen On­line-Mer­ker be­klagt wird. Im Ta­ges­spie­gel wird Mo­ni­ka Grüt­ters zur ver­zwei­fel­ten Lage vie­ler Künst­ler be­fragt, wäh­rend die Feuil­le­to­nis­ten uni­so­no die ex­klu­si­ven „Don Carlo“-Auftritte von Anna Netreb­ko an der Sem­per­oper be­ju­beln – zum Bei­spiel in der F.A.Z., in der Süd­deut­schen und in der Neu­en Mu­sik­zei­tung. Üb­ri­gens bie­tet die Deut­sche Oper Ber­lin ak­tu­ell im Vi­deo­stream „Jen­u­fa“ in ei­ner Hör­fas­sung für blin­de und seh­be­hin­der­te Men­schen. Bleibt zum gu­ten Schluss wie­der ein Beet­ho­ven-Aus­spruch Ri­chard Wag­ners: „Durch die kon­ven­tio­nel­len For­men der Mu­sik zu ih­rem in­ners­ten We­sen in der Wei­se durch­ge­drun­gen zu sein, dass er von die­ser Sei­te her das in­ne­re Licht des Hell­se­hen­den wie­der nach au­ßen zu wer­fen ver­moch­te, um auch die­se For­men nur nach ih­rer in­ne­ren Be­deu­tung uns zu zei­gen, dies war das Werk un­se­res gro­ßen Beethoven.“

Tipps und Links vom 23. Juni: Über das „Meistersinger“-Projekt auf dem Nürn­ber­ger Reichs­par­tei­tags­ge­län­de be­rich­tet jetzt auch der SWR. Wer noch mehr wis­sen will, wird beim On­line-Mer­ker un­ter Ak­tu­el­les vom 23. Juni fün­dig. Dort er­läu­tert der Re­gis­seur selbst sein Kon­zept. Lehr­reich ist si­cher das Vier-Mi­nu­ten-Vi­deo von Kam­mer­sän­ger und Bay­reuth-Le­gen­de Bernd Wei­kl, der an­schau­lich das In­stru­ment des Opern­sän­gers er­klärt und da­mit sa­gen will, dass die At­mung von pro­fes­sio­nel­len Sän­gern auch in Co­ro­na-Zei­ten kei­ne Ge­fahr dar­stellt. Bleibt zum gu­ten Schluss noch ein Beet­ho­ven-Aus­spruch Wag­ners: „Er gleicht zu je­der Zeit ei­nem wahr­haft Be­ses­se­nen; denn von ihm gilt, was Scho­pen­hau­er vom Mu­si­ker über­haupt sagt: die­ser spre­che die höchs­te Weis­heit aus, in ei­ner Spra­che, die sei­ne Ver­nunft nicht verstehe.“

Tipps und Links vom 22. Juni: Mein heu­ti­ger Tipp kann zwie­späl­ti­ger gar nicht sein: Ei­ner­seits lohnt es sich be­stimmt, sich in der Arte-Me­dia­thek das ges­tern ge­sen­de­te „Geis­ter-Kon­zert“ mit Beet­ho­vens Neun­ter aus der Gen­fer Vic­to­ria Hall un­ter Jo­na­than Nott zu ho­len (bis ein­schließ­lich 27. Juni). Als Hom­mage an Lud­wig van Beet­ho­ven in­ter­pre­tie­ren das Or­ches­t­re de la Su­is­se Ro­man­de, Chö­re des Grand Thé­ât­re de Genè­ve und der Zür­cher Sing-Aka­de­mie so­wie die So­lis­ten, ver­teilt auf der Büh­ne, im Par­kett und in den Lo­gen, eine bis­her un­ver­öf­fent­lich­te Fas­sung in ei­nem „ori­gi­nel­len sze­ni­schen Kon­zept mit in­no­va­ti­ven Vi­su­als“. An­de­rer­seits muss dazu ge­sagt sein, dass die ge­buch­te So­lis­ten­be­set­zung für das kurz­fris­tig ab­ge­sag­te und dann doch am ge­plan­ten Ter­min durch­ge­führ­te Kon­zert ohne Ab­fin­dung schnö­de aus­ge­boo­tet wur­de. Man darf ge­spannt sein, wie die Ver­ant­wort­li­chen das er­klä­ren. Der co­ro­nabe­dingt um­ge­mo­del­te Kon­zert­saal in Genf steht üb­ri­gens nicht al­lein da: Auch die Baye­ri­sche Staats­oper hat ih­ren Or­ches­ter­gra­ben mo­di­fi­ziert. Um noch bei Beet­ho­ven zu blei­ben: Die di­ver­sen Ein­füh­run­gen in der Arte-Me­dia­thek sind ein Hit: hier der Link zur Neun­ten (ver­füg­bar bis 18. Sep­tem­ber). Und Bay­reuth? In sei­nem Wo­chen-Kom­men­tar lässt Axel Brüg­ge­mann von Cre­scen­do we­nigs­tens die Brat­würs­te hoch­le­ben. Jetzt bleibt nur noch eine schö­ne Sen­tenz von Ri­chard Wag­ner über Beet­ho­ven: „Er ist der Held, der das wei­te ufer­lo­se Meer der ab­so­lu­ten Mu­sik bis an sei­ne Gren­zen durchschiffte.“

Tipps und Links vom 21. Juni: Das ver­scho­be­ne Ju­bi­lä­ums­jahr-Beet­ho­ven­fest un­ter Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner schaut ge­zielt nach vor­ne, ei­nen Blick in die nä­he­re Zu­kunft der Fes­ti­val- und Opern­welt wirft Ma­nu­el Brug in der „Welt“ nach dem Mot­to Ein biss­chen Event geht im­mer. Wo­bei er un­ter an­de­rem auch er­wähnt, dass in den U.S.A. prak­tisch gar nichts mehr geht. In der New York Times kann man kon­kret nach­le­sen, wie es den Mu­si­kern der Met er­gan­gen ist. Hier­zu­lan­de, ge­nau­er ge­sagt in Bay­ern, hat Co­ro­na un­ter an­de­rem auch ein spek­ta­ku­lä­res Pro­jekt zur Be­wer­bung der Stadt Nürn­berg als Kul­tur­haupt­stadt 2025 still­ge­legt: die In­sze­nie­rung ei­ner stark be­ar­bei­te­ten Ver­si­on von Ri­chard Wag­ners „Meis­ter­sin­gern“ durch den Re­gis­seur Sel­cuk Cara im ehe­ma­li­gen Reichs­par­tei­tags­ge­län­de. Die „Süd­deut­sche Zei­tung“ hat dar­über zah­lungs­pflich­tig schon am 9. Juni be­rich­tet, im Rund­funk gibt es dazu auf Bayern2 seit ges­tern ein In­ter­view mit Cara.

You­Tube-Link vom 20. Juni: Die Sänger*innen Ca­mil­la Ny­lund, Ga­brie­la Sche­rer, Bar­ba­ra Fritto­li, Ju­lia Bor­chert, Ma­rie-Clau­de Chap­puis, Mi­cha­el Vol­le, Ian Storey, Gün­ther Groissböck, Mas­si­mo Gior­da­no, Sta­nis­las de Bar­bey­rac und Ric­car­do Za­nella­to so­wie die Jour­na­lis­tin Elke Hei­den­reich ha­ben sich zu­sam­men­ge­schlos­sen, um ih­ren Ap­pell #bring­backt­he­cul­tu­re an Po­li­tik und Ver­an­stal­ter zu sen­den: Schützt und wahrt die Kunst in all ih­ren Formen.

Ta­ges­tipp und Links vom 19. Juni: „Kein Kon­zert – Fest­spiel­haus bleibt leer“ ti­tel­te ges­tern ge­gen Abend Ro­man Kocholl vom Nord­baye­ri­schen Ku­rier on­line  in sei­nem Be­zahl­ar­ti­kel. Der Re­dak­teur be­kam die Aus­kunft di­rekt von Heinz-Die­ter Sen­se, dem Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH, der der­zeit die er­krank­te Ge­schäfts­füh­re­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner ver­tritt. Dem­nach wird es am 25. Juli, nor­ma­ler­wei­se Er­öff­nungs­tag der Bay­reu­ther Fest­spie­le, kei­ne Ver­an­stal­tung im Fest­spiel­haus ge­ben. Was die Stadt Bay­reuth als al­ter­na­ti­ves Kul­tur­pro­gramm im Som­mer bie­ten will, steht de­tail­liert noch nicht fest.
Und noch eine Nach­richt aus dem Pres­se­bü­ro des Fest­spiel­hau­ses: In der Sit­zung des Ver­wal­tungs­rats der Bay­reu­ther Fest­spie­le vom 17. Juni wur­de Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels zum Vor­sit­zen­den ge­wählt. Er ist in die­ser Funk­ti­on Nach­fol­ger von Toni Schmid, über den ich mir seit bald zwan­zig Jah­ren im­mer wie­der die Fin­ger wund ge­schrie­ben habe. Von Wal­den­fels ge­hört die­sem Fest­spiel­gre­mi­um seit 2008 an. Seit 1999 ist er im Vor­stand der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth und seit Juni 2010 de­ren ers­ter Vor­sit­zen­der und Schatz­meis­ter. Der Ju­rist und CSU-Po­li­ti­ker wur­de 1978 zum Staats­se­kre­tär im baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um be­ru­fen, 1987 wur­de er baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter für Bun­des­an­ge­le­gen­hei­ten, 1990 Baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter der Fi­nan­zen. Man darf ge­spannt sein, was sich durch die­se Per­so­na­lie ver­än­dert. Ach, Bayreuth!
Dem kann ich jetzt nur den Rund­gang Nacht in Neu­schwan­stein aus der Süd­deut­schen Zei­tung ent­ge­gen­set­zen. Der ist ein­fach zu schön, um im Ta­ges­ge­schäft unterzugehen.

Ta­ges­tipp und Links vom 18. Juni: Ob und was am 25. Juli im Bay­reu­ther Fest­spiel­haus ge­bo­ten wird, war bis heu­te mit­tag na­tür­lich noch nicht raus. Man kann das Ab­war­ten der Fest­spiel­ver­ant­wort­li­chen ver­ste­hen, denn die jüngs­ten Hy­gie­ne­re­ge­lun­gen der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung le­gen eine Ver­an­stal­tung mit Pu­bli­kum im­mer noch nicht nahe. Und nur für ein Geis­ter­kon­zert im Ra­dio Or­ches­ter­mu­si­ker und So­lis­ten nach Bay­reuth ho­len? Die Münch­ner Abend­zei­tung hat sich aus­führ­lich mit den prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen der Vor­schrif­ten be­fasst und ti­telt mit Ex-Kunst­mi­nis­ter Wolf­gang Heu­bisch. Der am­tie­ren­de Kunst­mi­nis­ter Bernd Si­bler lässt der­weil un­ter an­de­rem sei­ne stell­ver­tre­ten­de Pres­se­spre­che­rin „O Hap­py Day“ sin­gen, denn ab 22. Juni dür­fen in Bay­ern auch Lai­en­chö­re wie­der pro­ben – un­ter Schutz- und Hy­gie­nekon­zep­ten, die ak­tu­ell noch gar nicht vor­lie­gen. Wie es in Or­ches­tern zu­geht, be­schreibt die Re­por­ta­ge „Der Spuck­napf muss noch um­zie­hen“ auf con­cer­ti. Wäh­rend man al­ler­or­ten eher klei­ne Bröt­chen backt, sind die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker of­fen­bar wild ent­schlos­sen, von 29. Juni bis 5. Juli ih­ren Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb durch­zu­füh­ren – mit Teil­neh­mern und Jury-Mit­glie­dern aus al­ler Welt. Wenn man weiß, wie sehr die Bam­ber­ger Abon­nen­ten die öf­fent­li­chen Wett­be­werbs­durch­gän­ge lie­ben und fre­quen­tie­ren, fragt man sich al­ler­dings, wie groß die Ab­stri­che für sie sein wer­den. Ein Mah­ler-Wett­be­werb fast ohne Publikum?
Der durch Co­ro­na in die­sem Som­mer in Bay­reuth ar­beits­los ge­wor­de­ne „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz er­ar­bei­tet ak­tu­ell an der Stutt­gar­ter Oper ein Open-Air-Pro­jekt mit dem Ti­tel „Demo(kratie) – Ein Büh­nen­frei­fest­spiel“, beim Nord­baye­ri­schen Ku­rier steht das aus­führ­li­che In­ter­view kos­ten­pflich­tig im Netz. Kos­ten­los bie­tet müpa Bu­da­pest ab heu­te noch­mals sie­ben Wag­ner-Aben­de: je­weils ab 18 Uhr  der halbsze­ni­sche kom­plet­te „Ring“ un­ter Adam Fi­scher (18. bis 21. Juni) mit je­weils un­ter­schied­li­chen In­ter­pre­ten für Wo­tan (Egils Si­lins, Jo­han Reu­ter und To­masz Ko­nie­cz­ny), Al­be­rich (Mar­tin Wink­ler, Os­kar Hil­le­brandt, Hart­mut Wel­ker), Brünn­hil­de (Eve­lyn Her­lit­zi­us, Eli­sa­bet Strid und Ire­ne Theo­rin) und Sieg­fried (Da­ni­el Bren­na und Ste­fan Vin­ke), da­nach noch die „Meis­ter­sin­ger“ (24. Juni) mit Ja­mes Ru­ther­ford, Bo Skov­hus, Klaus Flo­ri­an Vogt und An­net­te Dasch, „Hol­län­der“ (26. Juni) mit Ja­mes Ru­ther­ford und Eli­sa­bet Strid so­wie „Tann­häu­ser“ (27. Juni) mit Ste­phen Gould, Mar­kus Ei­che, So­phie Koch und Tün­de Szabóki, die dem hie­si­gen Pu­bli­kum als Kund­ry und Leo­no­re in Co­burg in gu­ter Er­in­ne­rung ist.

Ta­ges­tipp und Links vom 17. Juni: Ob die Bay­reu­ther Fest­spie­le bzw. die BF Me­di­en GmbH bis zum 25. Juli ein Strea­ming-Pro­gramm auf die Rei­he krie­gen? Wenn man den Zu­stand bzw. die man­gel­haf­te Pfle­ge der haus­ei­ge­nen Home­page be­denkt, möch­te man fast be­zwei­feln, dass das noch was wird. Die ARD macht hin­ge­gen schon mal Nä­gel mit Köp­fen und bie­tet in ih­rem ge­ra­de ver­öf­fent­lich­ten Ra­dio­fes­ti­val 2020 un­ter an­de­rem von 25. bis 28. Juli ei­nen kom­plet­ten „Ring“ aus Bay­reuth an. Wel­che Pro­duk­ti­on aus wel­chem Jahr steht noch nicht fest. Wo­mög­lich beisst sich der An­fangs­ter­min auch noch mit dem in Pla­nung be­find­li­chen Son­der­kon­zert (sie­he Links vom 16. Juni wei­ter un­ten), das laut Cre­scen­do vom BR über­tra­gen wer­den könn­te. Ob das Kon­zert statt­fin­det, soll noch heu­te ent­schie­den wer­den. Den Link zu ei­ner Co­ro­na-Kon­zert­kri­tik aus dem On­line-Mer­ker set­ze ich aus zwei Grün­den: Ers­tens be­schreibt Su­san­ne Kit­tel-May ein­gän­gig, wie sich so ein Ari­en-Pro­gramm im fast lee­ren Saal an­fühlt (wo­bei ich ihre An­mer­kung zu Kö­nig Lud­wig II., der un­ter an­de­rem ein­fach nicht stän­dig von an­de­ren Be­su­chern an­ge­starrt wer­den woll­te, nicht ganz tei­le). Und zwei­tens war ei­ner der Mit­wir­ken­den des Gärt­ner­platz­thea­ters, der Bas­sist Chris­toph Seidl, 2012 un­ser Stipendiat.

Ta­ges­tipp und Links vom 16. Juni: Was erst­mals in mei­nem Blog vom 12. Juni über Chris­ti­an Thie­le­mann stand, näm­lich dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le wo­mög­lich um den 25. Juli her­um ein paar Kon­zert­ter­mi­ne mit ih­rem Mu­sik­di­rek­tor pla­nen, ist in­zwi­schen auch an­dern­orts zu le­sen. Axel Brüg­ge­mann hat die Sa­che in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar in  Cre­scen­do auf­ge­grif­fen, heu­te mit­tag folg­te der Nord­baye­ri­sche Ku­rier in Bay­reuth mit dem Hin­weis, „dass zur Ent­schei­dungs­fin­dung für oder ge­gen ein solch un­ge­wöhn­li­ches Event für die­sen Mitt­woch eine Sit­zung an­be­raumt wur­de“. Zum Parkdeck-„Rheingold“ in Ber­lin rei­che ich ger­ne noch Be­spre­chun­gen des BR, der F.A.Z.  nach so­wie ei­nen zu­sam­men­fas­sen­den Be­richt über die zag­haf­te Rück­kehr der Live-Kul­tur im Deutsch­land­funk Kul­tur. Zum Ab­schluss ein klei­nes Vi­deo aus der Rei­he Sem­per­oper zu­hau­se mit Ca­mil­la Ny­lund, René Pape und Klaus-Flo­ri­an Vogt und die et­was län­ge­ren Re­flec­tions of Hope der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Apro­pos: Heu­te Abend streamt die Wie­ner Staats­oper „Die Sa­che Ma­kro­pou­los“ un­ter Ja­kub Hrůša.

Ta­ges­tipp und Links vom 15. Juni: Bin wie­der zu­rück aus Ve­ne­zia, das ich erst­mals in mei­nem Le­ben als ge­nui­ne ita­lie­ni­sche Stadt emp­fun­den habe, weil end­lich ein­mal die aus­län­di­schen Tou­ris­ten sich sehr weit in Un­ter­zahl be­fan­den und über­all fast nur die Lan­des­spra­che zu hö­ren war. Ganz zu schwei­gen von der wun­der­sa­men Lee­re und Stil­le, dem sau­be­ren La­gu­nen­was­ser und der kla­ren Luft … Seit 1976, als Paul Mc Cart­ney und sei­ne Wings im Sep­tem­ber zur Ret­tung der Se­re­nis­si­ma auf dem Mar­kus­platz auf­spiel­ten, war ich im­mer wie­der dort. Ins­ge­samt 224 Tage habe ich in Ve­ne­dig ver­bracht, was aber nicht viel ist, wenn man be­denkt, dass Ri­chard Wag­ner es bei sei­nen nur sechs Auf­ent­hal­ten dort auf 359 Tage ge­bracht hat (schnell zu­sam­men­ge­rech­net, da­her ohne Haf­tung!). Jetzt hat die hie­si­ge Co­ro­na­welt mich wie­der – Zeit und Muße, für eine Sen­dung des Deutsch­land­funks Kul­tur: die Wie­der­ho­lung der Lan­gen Nacht über mu­si­ka­li­sche Au­to­ri­tät und po­li­ti­sche An­pas­sung mit dem Ti­tel „Al­len Ge­wal­ten zum Trotz?“ aus dem Jahr 2016 kann man nach­hö­ren und nach­le­sen, mit ei­ni­gen Wort­mel­dun­gen auch von Chris­ti­an Thie­le­mann. Im ak­tu­el­le­ren Fest­spiel­ge­sche­hen leuch­tet Hel­ga Rabl-Stad­lers Glanz aus Salz­burg nach Mün­chen, wo Su­san­ne Schnei­der von der Süd­deut­schen Zei­tung über­zeu­gend die Fest­spiel­prä­si­den­tin por­trä­tiert, wäh­rend Rein­hard J. Brem­beck mit sei­nem be­sin­nungs­lo­sen Pro­gramm-Ju­bel mal wie­der ziem­lich da­ne­ben liegt. Bleibt noch Ju­lia Spi­no­las „Rheingold“-Kritik aus Ber­lin, dann ist für heu­te Schluss.

Ta­ges­tipp und Links vom 13. und 14. Juni: Heu­te et­was spät, denn zu­min­dest die ers­ten Kri­ti­ken zum ver­klei­ner­ten  „Rhein­gold“ der Deut­schen Oper Ber­lin auf dem Park­deck muss­ten ab­ge­war­tet wer­den. Aus­führ­li­che Be­spre­chun­gen gibt es u.a. (in al­pha­be­ti­scher Rei­hen­fol­ge) von Ma­nu­el Brug in der Welt, Pe­ter P. Pachl in der Neu­en Mu­sik­zei­tung, Pe­ter Ueh­ling in der Ber­li­ner Zei­tung und In­gobert Wal­ten­ber­ger im On­line-Mer­ker. Eine Fahrt zum kom­plet­ten Ber­li­ner „Rhein­gold“ stand auch im Rei­se­plan des RWV Bam­berg und fir­miert jetzt un­ter AB­GE­SAGT. Jetzt wol­len wir hof­fen, dass es we­nigs­tens mit der „Wal­kü­re“ was wer­den könn­te … Et­was Trost, aber lei­der nur di­gi­tal, kommt dem­nächst aus Stutt­gart: Ab 3. Juli wird der von vier Re­gis­seu­ren in­sze­nier­te „Ring des Ni­be­lun­gen“ aus den Jah­ren 1999/2000 ge­streamt: Auf­se­hen­er­re­gend wa­ren die vier Les­ar­ten von Wag­ners mo­nu­men­ta­len Mu­sik­dra­ma von Joa­chim Schlö­mer, Chris­tof Nel, Jos­si Wie­lers und Pe­ter Kon­wit­sch­ny mit dem durch­gön­gig am Pult agie­ren­den Lo­thar Za­g­ro­sek. Soll­te man sich vor­mer­ken, denn es lohnt sich!

Ta­ges­tipp und Links vom 12. Juni: Wie es wei­ter geht, will je­der wis­sen, be­son­ders auch die Opern­in­ten­dan­ten der gro­ßen deutsch­spra­chi­gen Häu­ser, die sich mit Mo­ni­ka Grüt­ters be­spro­chen ha­ben. Ni­ko­laus Bach­ler von der Baye­ri­schen Staats­oper war be­stimmt auch da­bei und hat eine de­zi­dier­te Mei­nung dazu. Im­mer­hin hat er sich, was in Bay­ern ja nicht ein­fach war, er­kämpft, die letz­ten drei Mon­tags­kon­zer­te (am 15., 22. und 29. Juni), dar­un­ter das drei­zehn­te und letz­te mit Jo­nas Kauf­mann un­ter Ki­rill Pe­tren­ko, vor ei­nem fünf­zig Per­so­nen um­fas­sen­den Pu­bli­kum zu ver­an­stal­ten. Nur noch heu­te bis 17 Uhr ist der „Par­si­fal“ aus Stutt­gart zu se­hen, da­nach folgt un­mit­tel­bar die Do­ku­men­ta­ti­on über die Ar­beit an Ca­lix­to Bi­ei­tos Neu­in­sze­nie­rung. Und un­be­se­hen emp­feh­le ich ab heu­te Abend „Mo­ses und Aron“ aus der Ko­mi­schen Oper Berlin.

Links vom 11. Juni: Wie man oben sieht, bin ich seit ges­tern in Ve­ne­zia, wo am spä­te­ren Nach­mit­tag ein Ge­wit­ter mit rich­tig viel Ha­gel run­ter­ging. Pas­send dazu der Link des Ta­ges zur Lage in Salz­burg. Zu den Streams kann ich mich in den nächs­ten Ta­gen nicht kon­kret  äu­ßern, denn ich gu­cke jetzt lie­ber in die Lagune …

Ta­ges­tipp und Links vom 9. und 10. Juni: Heu­te hat Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner ei­nen halb­run­den (?) Ge­burts­tag. Auch die Deut­sche Wel­le hat sich ihr aus­gie­big ge­wid­met. Dass die „Ge­bor­gen­heit in der Fest­spiel­fa­mi­lie“ ein Qua­li­täts­fak­tor sein kann, er­läu­tert  Wil­helm Sin­ko­wicz in ei­nem Kom­men­tar in der „Pres­se“: Aus­ge­hend von der Ver­trags­ver­län­ge­rung für Hel­ga Rabl-Stad­ler in Salz­burg streift er weit­bli­ckend auch die ak­tu­el­len Pro­ble­me in Bay­reuth.  Gün­ter Groissböck, der de­si­gnier­te Bay­reu­ther Wo­tan, hat am Sams­tag an der Wie­ner Staats­oper un­ter an­de­rem schon mal eine Wo­tan-Kost­pro­be ge­ge­ben (als ers­te Zu­ga­be, nach etwa ein­ein­halb Stun­den). Und An­dre­as Schager, de­si­gnier­ter Bay­reuth-Sieg­fried, for­dert in ei­nem kos­ten­pflich­ti­gen In­ter­view im Nord­baye­ri­schen Ku­rier Kurz­ar­bei­ter­geld für frei­schaf­fen­de Künst­ler und ant­wor­tet auf die Fra­ge, ob er eine Aus­fall­zah­lung be­kommt: „Ich habe noch nichts ge­hört, auch von Bay­reuth nicht. Aber ich ap­pel­lie­re an alle, an­stän­di­ge und ver­nünf­ti­ge Lö­sun­gen zu ma­chen.“ Was zu­min­dest in­so­fern von der Oper Leip­zig ge­mel­det wird, als die­se an der ge­plan­ten „Lohengrin“-Inszenierung Ka­tha­ri­na Wag­ners fest­hal­ten will.
P.S. Ges­tern hat­te ich schon wie­der ver­ges­sen, am An­fang das ak­tu­el­le Da­tum ein­zu­fü­gen. Bit­te um Nach­sicht! Die Co­ro­na-Zeit ist eben ein son­der­bar Ding.

Ta­ges­tipp und Links vom 8. Juni: Uwe Eric Lau­fen­berg hat am Staats­thea­ter Wies­ba­den hier­zu­lan­de als Ers­ter Auf­füh­run­gen vor Pu­bli­kum durch­ge­führt, am Sams­tag konn­te er als Ein­sprin­ger sich so­gar selbst in ei­ner Vor­stel­lung von Be­cketts „War­ten auf Go­dot“ ein­brin­gen. Wie Till Brieg­leb in der Süd­deut­schen Zei­tung be­rich­tet, war das Er­geb­nis für das Pu­bli­kum eher ein­schlä­fernd. Mein ge­schätz­ter Kol­le­ge Alex­an­der Dick hat in der Sams­tags­aus­ga­be der Ba­di­schen Zei­tung aus­ge­führt, war­um Kunst und Kul­tur ein Pu­bli­kum brau­chen. Was der­zeit aber be­kannt­lich nur un­ter er­heb­li­chen Ein­schrän­kun­gen mög­lich ist: Man muss nur die schwei­ze­ri­schen Co­ro­na-Schutz­kon­zep­te für Frei­licht­ver­an­stal­tun­gen le­sen. Oder die „Hy­gie­ne­re­geln für Ihre Si­cher­heit“, mit de­nen die Baye­ri­sche Staats­oper ihre neue Kam­mer­mu­sik­rei­he „Streif­zü­ge am Mitt­woch“ gar­niert. Apro­pos: Heu­te wer­de ich mir end­lich den Münch­ner Staatsopern-„Orfeo“ gön­nen. Dem Pre­mie­ren­be­such 2014 be­scher­te ein elend lan­ger Stau auf der A9 das vor­zei­ti­ge Ende, was mir als Ger­ha­her-Fan sehr weh tat. Ins­ge­samt ist das in mei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Kri­ti­k­erlauf­bahn bis­her er­freu­li­cher­wei­se nur drei Mal pas­siert. Liegt wahr­schein­lich auch an dem not­wen­di­ger­wei­se im­mer groß­zü­gi­ger be­mes­se­nen Zeit­fens­ter für län­ge­re Opern­fahr­ten. Ko­misch, dass man sich in Co­ro­na-Zei­ten plötz­lich auch an so­was erinnert …

Ta­ges­tipp und Links vom 7. Juni: Das nächs­te In­ter­view zum 75. Ge­burts­tag von Nike Wag­ner ist im Ge­ne­ral­an­zei­ger Bonn er­schie­nen. Das deut­sche Mu­sik­le­ben als Wirt­schafts­fak­tor be­leuch­tet Wolf­gang Sand­ner in der F.A.Z., das kon­kre­te Wie­der­erwa­chen von eben die­sem Mu­sik­le­ben be­schreibt Mi­cha­el Stall­knecht in der Süd­deut­schen als Wun­der von Bo­chum. Ge­nug Sonn­tags­lek­tü­re. Auch wenn er nichts für Zart­be­sai­te­te ist: Der Stutt­gar­ter „Par­si­fal“ ist un­be­dingt se­hens­wert – und ist gleich­zei­tig, weil für die Wie­der­auf­nah­me 2018 fast alle So­lis­ten neu in die Pro­duk­ti­on ka­men und erst ein­stu­diert wer­den muss­ten, ein Be­leg da­für, dass Va­len­tin Schwarz das Re­gie­hand­werk aus­ge­zeich­net be­herrscht. Das weckt Vor­freu­de auf sei­nen Bay­reu­ther „Ring“ …

Ta­ges­tipp und Links vom 6. Juni: Heu­te ist der 151. Ge­burts­tag von Sieg­fried Wag­ner, von dem, wenn Co­ro­na es mit ihm gut meint, im fest­spiel­lo­sen Fest­spiel­som­mer in Bay­reuth zwei Wer­ke, näm­lich „Rainulf und Ade­l­asia“ so­wie „Son­nen­flam­men“ im Mark­gräf­li­chen Opern­haus auf­ge­führt wer­den sol­len. Zur ak­tu­el­len Lage hat sich vor sei­nem „Geister“-Konzert mit dem Sym­pho­nie­or­ches­ter des Baye­ri­schen Rund­funks aus­führ­lich Si­mon Ratt­le ge­äu­ßert. Dass es Mu­si­kern bei uns noch re­la­tiv gut geht, un­ter­strei­chen die schlech­ten Nach­rich­ten aus New York. Was das Strea­men be­trifft, kann ich nur je­dem noch­mals dem Ams­ter­da­mer „Ring“ (bis ein­schließ­lich 7. Juni, 19 Uhr?) emp­feh­len. Al­les an­de­re kann warten.

Ta­ges­tipp und Links vom 5. Juni: Am 9. Juni wird Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner 75 Jah­re alt. Brit­ta Schul­te­jans von der dpa hat sie por­trä­tiert und in­ter­viewt, die Neue Mu­sik­zei­tung (nmz) hat den Ar­ti­kel mit „Noch­mal Bay­reuth? ‚Um Got­tes­wil­len!‘ “ über­ti­telt. Apro­pos: Bay­reuth sieht im Ver­gleich mit Salz­burg, was die Rück­ab­wick­lung der Fest­spiel­kar­ten be­trifft, wie ich mei­ne, nicht son­der­lich gut aus. Im­mer­hin gibt es fi­nan­zi­el­le Licht­strei­fen am Ho­ri­zont. Auch Fes­ti­vals sol­len Un­ter­stüt­zung beim zu­sätz­li­chen Hilfs­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung fin­den: Mo­ni­ka Grüt­ters hat ges­tern Zah­len und De­tails prä­sen­tiert, wie u.a. der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet.
Die ak­tu­el­len Strea­ming-Tipps der nmz ver­lin­ke ich be­son­ders ger­ne, denn Joa­chim Lan­ge emp­fiehlt eben­falls den Stutt­gar­ter „Par­si­fal“. Ge­zeigt wird nicht die Pre­mie­ren­be­set­zung mit An­drew Ri­chards, son­dern eine Auf­zeich­nung von 2018, in der ein Groß­teil der Par­tien neu be­setzt wur­de. Die­se Wie­der­auf­nah­me wur­de sze­nisch vom de­si­gnier­ten Bay­reu­ther „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz ein­stu­diert. Ich kann be­stä­ti­gen, dass er sei­ne Sa­che sehr gut ge­macht hat, denn ich habe die Bi­ei­to-In­sze­nie­rung zwei­mal im Pre­mie­ren­jahr 2010 und ein­mal 2018 er­lebt und emp­fand die spä­te­re Ver­si­on so­gar noch stär­ker. Was si­cher auch mit der un­bän­di­gen Spiel­freu­de von Da­ni­el Kirch als Par­si­fal zu tun hat, der der Ti­tel­fi­gur sän­ger­dar­stel­le­risch tat­säch­lich ein noch in­ten­si­ve­res Pro­fil zu ge­ben ver­moch­te. Bis 12. Juni 17 Uhr, da­nach ist eine Wo­che lang die Do­ku­men­ta­ti­on „Die sin­gen­de Stadt“ von Fil­me­ma­cher Va­dim Jend­rey­ko zu se­hen, der das Wer­den der Bi­ei­to-Neu­in­sze­nie­rung be­glei­tet hat.

Ta­ges­tipp und Links vom 4. Juni: Klei­ne­re Kon­zert­for­ma­te sprie­ßen jetzt schon über­all aus den co­ro­na­ge­schä­dig­ten Opern­häu­sern: Die Baye­ri­sche Staats­oper hat nach ih­ren  Mon­tags­kon­zer­ten (Fort­set­zung am 8. Juni um 20.15 Uhr mit Kon­zert Nr. 10) mit „Fes­ter Sams­tag – Frei­er Sonn­tag“ flugs noch zwei neue Rei­hen für ein zwar nicht zahl­rei­ches, aber nach ak­tu­ell gül­ti­gen Hy­gie­ne­re­geln be­treu­tes Pu­bli­kum auf­ge­legt. In Frank­furt gibt es re­gel­mä­ßig Kam­mer­mu­sik auf der Büh­ne und Lie­der­aben­de, die Oper Stutt­gart bie­tet ab 6. Juni ein Som­mer­pro­gramm in der Lie­der­hal­le, 1:1-Konzerte und ab 8. Juni etwa ein­stün­di­ge Spek­ta­kel für Be­su­cher in Au­tos auf dem Cann­stat­ter Wa­sen, be­gin­nend mit der „Ge­schich­te vom Sol­da­ten“. Im In­ter­view mit Su­san­ne Her­man­ski in der Süd­deut­schen Zei­tung spricht der­weil Gei­ge­rin Anne So­phie Mut­ter Klar­text über die wack­li­ge Zu­kunft des neu­en Kon­zert­saals in Mün­chen. Mei­nen Ta­ges­tipp von ges­tern er­neue­re ich: Schnell noch mal we­nigs­tens Tei­le aus dem Ams­ter­da­mer „Ring“ gu­cken (bis 7. Juni), denn ab mor­gen 17 Uhr gibt es Wag­ner-Kon­kur­renz aus Stutt­gart mit Ca­lix­to Bi­ei­tos „Parsifal“-Inszenierung von 2010, die ich ins­ge­samt drei­mal er­lebt habe und die in mei­ner Bes­ten­lis­te die Num­mer 1 ist, noch vor den Bay­reu­ther In­sze­nie­run­gen von Chris­toph Schlin­gen­sief und Ste­fan Herheim.

Ta­ges­tipp und Links vom 3. Juni: Kaum habe ich ge­schrie­ben, dass Wag­ner­opern mit Chor und Or­ches­ter so ziem­lich das letz­te sein wer­den, was ir­gend­wann wie­der vor ver­sam­mel­tem Pu­bli­kum auf­ge­führt wer­den kann, da prescht die Deut­sche Oper Ber­lin vor mit der An­kün­di­gung ei­ner 90-Mi­nu­ten-Fas­sung des „Rhein­golds“ auf dem Park­deck des Hau­ses ab 12. Juni (mit vier wei­te­ren Vor­stel­lun­gen). Okay, ein Chor wird nicht ge­braucht, und die halbsze­ni­sche, 1990 in Bir­ming­ham ur­auf­ge­führ­te „Ring“-Kammerversion des bri­ti­schen Kom­po­nis­ten Jo­na­than Dove sieht hier im­mer­hin 22 Musiker*innen und 12 Sänger*innen vor. Wenn Froh und Mime in der Be­set­zung nicht vor­kom­men, kann man sich aus­rech­nen, wel­che Sze­ne ra­bi­at zu­sam­men­ge­stri­chen wur­de. Nur, wer hat dann den Ring ge­schmie­det? Es di­ri­giert Do­nald Run­ni­cles, So­lis­ten sind die Prot­ago­nis­ten der we­gen Co­ro­na noch nicht auf­ge­führ­ten „Rheingold“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim. Wenn ich in Ber­lin wäre, wür­de ich mir die­se Ra­ri­tät nicht ent­ge­hen las­sen. Aber so blei­be ich lie­ber in Fran­ken und emp­feh­le al­len Wag­ner­freun­den mit Ent­zugs­er­schei­nun­gen, sich  un­be­dingt und ge­ge­be­nen­falls noch­mals den Ams­ter­da­mer „Ring“ an­zu­schau­en. Laut Di­ri­gent Hart­mut Ha­en­chen ha­ben sich schon über 100 000 (!) Opern­lieb­ha­ber die­se Te­tra­lo­gie auf ih­ren Bild­schirm ge­holt, die noch bis 7. Juni kos­ten­los ge­streamt wer­den kann. Es lohnt sich ganz bestimmt!

Links vom 2. Juni: Wer rea­lis­tisch ist, der weiß, dass Wag­ner­opern mit Chor und Or­ches­ter so ziem­lich das letz­te sein wer­den, was ir­gend­wann wie­der vor ver­sam­mel­tem Pu­bli­kum auf­ge­führt wer­den kann. Ein­sicht ist an­ge­sagt, und Ge­duld. Pe­ter Gelb von der New Yor­ker Met macht sein Haus erst zum Jah­res­wech­sel wie­der auf, wäh­rend die eu­ro­päi­schen Kon­zert- und Opern­häu­ser vor­sich­tig ver­su­chen, ih­ren Vor­stel­lungs­be­trieb wie­der auf­zu­neh­men. Wie die Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker ih­ren gol­de­nen Weg durch die Kri­se su­chen, be­schreibt Ro­bert Braun­mül­ler in der Abend­zei­tung. Auch das Opern­haus Zü­rich macht nach Mün­chen, Wies­ba­den und Frank­furt ers­te Schrit­te, die Kunst­pau­se zu beenden.

Ta­ges­tipps und Links vom 1. Juni: Die Ra­dio­ga­la im Opern­haus Chem­nitz dau­er­te über drei Stun­den und war ein ein­drucks­vol­les Le­bens­zei­chen von neun­zehn mit­tel­deut­schen Thea­tern, die nicht nur So­lis­ten und Mu­si­ker für die mu­si­ka­li­schen Bei­trä­ge auf der Büh­ne des Opern­hau­ses ent­sand­ten, son­dern für die In­ter­view­blö­cke aus dem Foy­er mit Aus­nah­me der Sem­per­oper auch je­weils durch ihre In­ten­dan­ten prä­sent wa­ren. Zu­sam­men mit Eli­sa­beth Stöpp­ler, der Re­gis­seu­rin der Chem­nit­zer „Göt­ter­däm­me­rung“, wur­de auch un­ser Mit­glied Karl­heinz Beer zur Si­tua­ti­on von frei­schaf­fen­den bil­den­den Büh­nen­künst­lern be­fragt. Bei den Sän­ge­rin­nen und Sän­gern, Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­kern die­ser Ra­dio­ga­la ohne di­rek­tes Pu­bli­kum – zu den fünf bis acht Be­su­chern mit Ap­plaus­ver­bot, die sich im 1. Rang ver­lie­ren durf­ten, zähl­te auch ich – war die Freu­de, wie­der auf­tre­ten zu dür­fen, nicht zu über­se­hen. Und doch fehl­te den Künst­lern et­was – nicht nur der den Opern­ge­sang bes­ser tra­gen­de Tep­pich des Or­ches­ter­klangs, son­dern auch das le­ben­di­ge Ge­gen­über, der er­war­tungs­voll ge­füll­te Saal, der erst je­den Mu­sik­thea­ter­abend zu ei­nem gro­ßen Ge­mein­schafts­er­leb­nis macht. Ach, Co­ro­na! Man darf gar nicht dar­an den­ken, wie ge­fähr­det das al­les plötz­lich ist, auch und ge­ra­de in un­se­rem bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Opern­wun­der­land. Umso mehr emp­feh­le ich heu­te „Mea cul­pa“, Chris­toph Schlin­gen­siefs Rea­dy-Made-Oper, die das Wie­ner Burg­thea­ter in sei­ner Edi­ti­on Burg­thea­ter am 1. Juni ab 18 Uhr ( bis 2. Juni 18 Uhr) streamt. Sie ver­sam­melt Fund­stü­cke aus dem kol­lek­ti­ven kunst­his­to­ri­schen Ge­dächt­nis, vom Buch Ko­he­let bis zu El­frie­de Je­li­nek, die Schlin­gen­sief zu Eh­ren den Text Tod-krank.Doc ver­fass­te, von „Par­si­fal“ über den „Flie­gen­den Hol­län­der“ bis zum „Tris­tan“. Die­ses Sta­tio­nen­dra­ma ist eine iro­ni­sche Ex­pe­di­ti­on in die Sphä­ren der Heils- und Hei­lungs­ver­spre­chen zwi­schen Schul­me­di­zin, Ayur­ve­da und Kunst­re­li­gi­on. Und weil Bay­reuth da nicht weit ist, hier noch eine spä­te Re­ak­ti­on auf das ak­tu­el­le Ge­sche­hen in der Ge­schäfts­füh­rung im Opern­blog von WDR3-Re­dak­teur Ri­chard Lor­ber, der von 2016 bis 2019 als Dra­ma­turg der „Parsifal“-Inszenierung von Uwe Eric Lau­fen­berg in Bay­reuth, also ein zeit­wei­li­ger In­si­der war.

Ta­ges­tipps und Links vom 30. und 31. Mai: Dass und wie sich ge­ra­de auch die Kul­tur­welt ver­än­dert, kann man so­wohl an dem In­ter­view mit Rob Over­man vom ka­na­di­schen Mu­sik­kon­zern Stin­gray über die Zu­kunft des Hö­rens in der F.A.Z. ab­le­sen und – span­nen­der noch – im Bei­trag des schwei­ze­ri­schen Rund­funk und Fern­se­hens (SRF) über die al­ler­ers­te vir­tu­el­le Oper „Eight“ des hol­län­di­schen Kom­po­nis­ten Mi­chel van der Aa. Was das Strea­ming be­trifft, so ver­wei­se ich auf die ak­tu­el­len Emp­feh­lun­gen der Neu­en Mu­sik­zei­tung – und be­stä­ti­ge ger­ne, dass der Far­ben-, Kos­tüm- und Kla­mau­k­rausch der Ham­bur­ger „Così fan tutte“-Inszenierung von Her­bert Fritsch ein­fach se­hens­wert ist (noch bis 1. Juni 11.59 Uhr). Ob­wohl das für drei Stun­den ein biss­chen we­nig ist. Lohnt sich aber mu­si­ka­lisch durch­aus, wie auch der sehr stren­ge Jür­gen Kes­ting in sei­ner Pre­mie­ren­kri­tik be­fand. Na­tür­lich ist das vir­tuo­se „Zack-Boom-Bo­ing“ à la Fritsch Licht­jah­re ent­fernt vom Ge­halt der klas­si­schen In­ter­pre­ta­ti­on Pa­tri­ce Ché­re­aus in Aix en Pro­vence 2005 oder der letz­ten dor­ti­gen, mir zu­tiefst un­ter die Haut ge­hen­den Ver­si­on von Chris­to­phe Ho­no­ré von 2016. Aber ist das nicht das Be­geis­tern­de an gu­ten Opern, dass un­end­lich vie­le In­ter­pre­ta­tio­nen mög­lich sind und je­der neue Ein­blick ei­nem et­was gibt – und sei er ein­fach nur gut un­ter­hal­tend wie bei der Ham­bur­ger Ver­si­on? Apro­pos: Heu­te en­det zum­ni­dest mei­ne Opern­haus-Qua­ran­tä­ne (seit 13. März, Ge­ne­ral­pro­be „Die Wal­kü­re“ im Lands­hu­ter Thea­ter­zelt) in­so­fern, als ich bei der Ra­dio­ga­la im Opern­haus Chem­nitz live da­bei sein darf. Gleich geht’s ab nach Chem­nitz – und mor­gen lege ich des­halb ei­nen Pau­sen­tag ein.

Links vom 29. Mai: Lang­sam kommt Be­we­gung in die Opern- und Thea­ter­land­schaft. Nam­haf­te In­ten­dan­ten ap­pel­lie­ren lauf Frank­fur­ter Rund­schau per Brief an die Bun­des­kanz­le­rin, dass die Thea­ter wie­der öff­nen, ar­bei­ten, spie­len und für die Stadt­ge­sell­schaft da sein dür­fen sol­len. In der Süd­deut­schen Zei­tung wird von den kon­kre­ten  Vor­be­rei­tun­gen di­ver­ser Münch­ner Büh­nen be­rich­tet, Eg­bert Tholl hat er­neut Chris­ti­an Ger­ha­her in­ter­viewt (nur für SZ-Plus-Abon­nen­ten), der un­ter an­de­rem in Hin­blick auf das neue Kon­zert­haus ei­nen Ge­ne­ral­inten­dan­ten für alle Münch­ner Kon­zert­spiel­stät­ten for­dert; dazu  pas­send ein Kom­men­tar von Su­san­ne Her­man­ski. Pe­ter Jung­blut be­rich­tet auf BR24 un­ter dem Ti­tel „Für Fans wie Me­tha­don“ aus­führ­lich über den ers­ten öf­fent­li­chen Mitt­wochs­streif­zug an der Baye­ri­schen Staats­oper. Dass in Ös­ter­reich die Uh­ren et­was an­ders ge­hen, lässt sich auch an der staat­li­chen Un­ter­stüt­zung für Künst­ler ab­le­sen: Es gibt aus dem neu­en Über­brü­ckungs­fond zwar ab Juli wie in Bay­ern auch 1000 Euro pro Mo­nat, al­ler­dings nicht nur drei Mal lang, son­dern für ein hal­bes Jahr. Kein Wun­der, dass die baye­ri­schen Künst­ler Nach­bes­se­run­gen for­dern. Und in der Schweiz ar­bei­tet bei­spiels­wei­se das Lu­cer­ne Fes­ti­val dar­an, die schon ab­ge­sag­te Som­mer­sai­son we­nigs­tens teil­wei­se doch noch in der zwei­ten Au­gust-Hälf­te statt­fin­den zu las­sen. Ge­nug Lek­tü­re – und mor­gen kom­men ja noch die Pflings­two­chen­end­aus­ga­ben … Heu­te ver­su­che ich üb­ri­gens mein Opern-Me­tha­don-Glück mit der Ham­bur­ger „Così fan tutte“.

Ta­ges­tipp und Links vom 28. Mai: Wie der Zu­schau­er­raum des Ber­li­ner En­sem­bles nach dem Aus­bau von Sitz­rei­hen jetzt aus­sieht, zeigt die Süd­deut­sche Zei­tung in ih­rer heu­ti­gen Aus­ga­be als Auf­ma­cher im Feuil­le­ton. In der Tat ein em­ble­ma­ti­sches Co­ro­na-Kri­sen-Bild! Dass es in Ös­ter­reich schon ganz an­ders zu ge­hen scheint, kann man im In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser bei BR Klas­sik er­fah­ren, al­ler­dings noch ohne kon­kre­te Pro­gramm­in­for­ma­tio­nen für die Salz­bur­ger Fest­spie­le 2020. Und als klei­ne­res Haus zeigt auch schon mal die Oper Graz, was mög­lich ist. Die kom­men­den Tage nut­ze ich die Chan­ce, mir die Auf­zeich­nung der  Frank­fur­ter „Ring“-Inszenierung an­zu­se­hen. Wer sich nur mit ei­nem Teil be­gnü­gen woll­te, soll­te die „Göt­ter­däm­me­rung“ nicht ver­pas­sen, mit  Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le, der Gun­ther zu ei­ner ech­ten Haupt­fi­gur macht. Eine seit der Pre­mie­re im Ja­nu­ar 2012 mir un­ver­gess­li­che Leistung!

Ta­ges­tipp und Links vom 27. Mai: Ne­ben den jüngs­ten Mel­dun­gen und Kom­men­ta­ren aus Bay­reuth ste­hen heu­te na­tür­lich auch die hal­bier­ten Salz­bur­ger Fest­spie­le und de­ren Prä­si­den­tin Hel­ga Rabl-Stad­ler im Mit­tel­punkt der Be­richt­erstat­tung. Was Rein­hard J. Brem­beck in der Süd­deut­schen Zei­tung zu ei­nem Kom­men­tar ver­an­lass­te, der sich ge­wa­schen hat – mit Sät­zen wie „Die Maß­ga­ben le­sen sich wie eine Bas­tel­an­lei­tung zu ei­nem Ischgl-In­fer­no II“. Sei­ne Über­schrift „Küss mich, wenn du magst“ dürf­te in­spi­riert sein von dem Ar­ti­kel „We­nig schrei­en, nicht küs­sen“ aus der Ber­ner Zeitung/​ Thu­ner Tag­blatt, in der Su­san­ne Küb­ler das schwei­ze­ri­sche Schutz­kon­zept für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen vor­ge­stellt hat. Ge­nug für heute!

Ta­ges­tipp und Links vom 26. Mai: Zur jüngs­ten Bay­reuth-Per­so­na­lie fas­sen die Stutt­gar­ter Zei­tung und der Ta­ges­spie­gel die Sach­la­ge aus­führ­lich zu­sam­men, wäh­rend Jan Brach­mann in der F.A.Z. in sei­nem Kom­men­tar von ei­nem nicht en­den wol­len­den „Schick­sals­ha­gel­schlag“ schreibt, ei­ni­ge noch nicht ver­öf­fent­lich­te De­tails weiß und wie folgt en­det: „Da stimmt es zu­min­dest hoff­nungs­froh, wenn aus dem engs­ten Um­kreis von Ka­tha­ri­na Wag­ner ver­lau­tet, ihr Ge­sund­heits­zu­stand habe sich sta­bi­li­siert. Wann sie aber ins Amt zu­rück­keh­ren kön­ne, ob viel­leicht noch in die­sem Jahr, das sei wei­ter­hin völ­lig of­fen.“ Spe­zi­ell über die nä­he­re Zu­kunft im Ber­li­ner Kul­tur­le­ben be­rich­tet der Ta­ges­spie­gel  aus der gest­ri­gen Kul­tur­aus­schuss­sit­zung, wo der Lock­down bis 31. Juli nach wie vor gilt. In Ös­ter­reich hin­ge­gen kann schon kon­kre­ter ge­plant wer­den: Es wird im Au­gust ab­ge­speck­te Salz­bur­ger Fest­spie­le ge­ben, mit nur neun­zig statt ur­sprüng­lich 200 Ver­an­stal­tun­gen – aber im­mer­hin! Nach mei­nem gest­ri­gen Kri­mi­abend könn­te heu­te wie­der eine Oper dran sein, viel­leicht „Jen­u­fa“ aus Berlin?

Ta­ges­tipp und Links vom 25. Mai: Zu­min­dest die nä­he­re Thea­ter­zu­kunft sieht nicht ro­sig aus. Was man aus den ers­ten Er­fah­run­gen mit Auf­füh­run­gen in di­ver­sen Häu­sern ler­nen kann, fasst die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung  zu­sam­men, wäh­rend laut Wie­ner Zei­tung beim Ber­li­ner En­sem­ble schon mal  Sitz­rei­hen aus­ge­baut wer­den, um we­nigs­tens ein Rumpf­pro­gramm zu er­mög­li­chen. Und was die so­ge­nann­te So­fort­hil­fe für frei­schaf­fen­de Künst­ler in Bay­ern be­trifft, hat Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung ei­nen kur­zen und kna­cki­gen Kom­men­tar verfasst.
Noch ein paar An­mer­kun­gen zum Ams­ter­da­mer „Ring“, der noch bis Mo­nats­en­de kos­ten­los ge­streamt wer­den kann: Stig An­der­sen war sän­ge­risch auch in der „Göt­ter­däm­me­rung“ ein bis auf we­ni­ge Mo­men­te aus­ge­spro­chen gu­ter Sieg­fried. Er singt, wo es geht, eher ly­risch, ver­zich­tet auf stimm­li­che Kraft­meie­rei – und in­dem man ihn hört, sieht man plötz­lich eben we­ni­ger den Haudrauf in die­ser Fi­gur, son­dern ei­nen im ge­ge­be­nen Um­feld reich­lich ver­lo­re­nen, aber em­pa­thi­schen Men­schen. Un­ter den wei­te­ren So­lis­ten ist Mi­chae­la Schus­ter als Wal­trau­te her­aus­ra­gend: mit ihr fin­det Mu­sik­dra­ma in Voll­endung statt. Was für mich bei Ca­the­ri­ne Fos­ters Brünn­hil­de we­ni­ger funk­tio­niert. Zwei­fel­los hat sie eine schö­ne und in­tak­te Stim­me, aber – na­tür­lich ist das auch Ge­schmacks­sa­che und sehr sub­jek­tiv – sie be­rührt mich nicht. Als Fehl­be­set­zung er­wies sich Kurt Rydls Hun­ding und noch mehr als Ha­gen, der zwar gru­se­lig mit den Au­gen rol­len, aber lei­der nicht mehr sau­ber sin­gen kann. Trotz­dem ist die­ser „Ring“ ein Mark­stein in der jün­ge­ren In­sze­nie­rungs­ge­schich­te, so­wohl mu­si­ka­lisch als auch szenisch.

Ta­ges­tipp und Links vom 24. Mai: Wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen, frag­te ich in mei­nem gest­ri­gen Tipp. Und könn­te die Fra­ge gleich wie­der stel­len. Denn beim „Sieg­fried“ aus Ams­ter­dam – wie­der­um emp­fand ich die In­sze­nie­rung ins­ge­samt sehr ge­lun­gen und auch die mu­si­ka­li­sche In­ter­pre­ta­ti­on be­weg­te sich auf sehr ho­hem Ni­veau – zeig­te sich die Krux al­ler „Siegfried“-Produktionen: Kann man die Ti­tel­rol­le ad­äquat be­set­zen? Geht das über­haupt? Ja, aber nur in Aus­nah­me­fäl­len. Denn die we­ni­gen Hel­den­te­nö­re, die die schwe­re Par­tie sän­ge­risch auch nur halb­wegs meis­tern kön­nen, ver­feh­len lei­der aus nahe lie­gen­den Grün­den in ih­rer Dar­stel­lung die Ju­gend­lich­keit der Fi­gur. Sieg­fried ist nun mal ge­ra­de erst da­bei, er­wach­sen zu wer­den! Wäh­rend in den Opern­häu­sern der ge­ge­be­ne Ab­stand von Pu­bli­kum und Büh­ne in dem Punkt sehr hilf­reich ist – ja, es gibt auch Ab­stands­re­ge­lun­gen, die man un­zwei­fel­haft po­si­tiv se­hen kann –, sind Auf­zeich­nun­gen in der Hin­sicht gna­den­los. Stig An­der­sen (ver­mut­lich Jahr­gang 1950) bei­spiels­wei­se konn­te 2002 in Da­vid Al­dens Münch­ner „Ring“-Inszenierungen von 2002/2003 durch­aus noch jung wir­ken, 2014 in Ams­ter­dam funk­tio­nier­te das schon nicht mehr so gut. In mei­ner Bes­ten­lis­te für ju­gend­li­che Sieg­frie­de steht im­mer noch der stimm­lich al­ler­dings leicht­ge­wich­ti­ge Ri­chard Ber­ke­ley-Stee­le aus dem ENO-„Ring“ von Phil­li­da Lloyd 2004/2005 ein­sam an der Spit­ze, ak­tu­ell schafft an sei­nen sän­ge­risch gu­ten Ta­gen Da­ni­el Kirch in Chem­nitz das ei­gent­lich Un­mög­li­che am bes­ten. Noch an­ders ge­sagt: Sieg­frie­de und Brünn­hil­den ha­ben auch jen­seits der Al­ters­pro­ble­ma­tik kei­ne gu­ten Kar­ten, wenn ein Mime vom Ka­li­ber ei­nes Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke auf den Bret­tern steht. Er ist seit et­li­chen Jah­ren un­an­ge­foch­ten die Top­be­set­zung die­ser Par­tie – und in Pierre Au­dis In­sze­nie­rung auch des­halb ein Hin­gu­cker, weil er trotz sei­nes Ech­sen­kos­tüms stre­cken­wei­se ge­nau­so aus­sieht wie Ri­chard Wag­ner als Groß-We­sir im Aqua­rell von Ernst Be­ne­dikt Kietz. Zu mei­nen Fa­vo­ri­ten in der Tier­welt im „Ring“ ge­hört seit ges­tern un­be­dingt auch Sieg­frieds Wöl­fing-Ruck­sack. Man lernt eben nie aus bei Wag­ner! Ge­nug von der jüngs­ten Stream-Seh­erfah­rung, hin zu den Links: Ger­ne emp­feh­le ich auch die Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung und als Ein­zel-Lek­tü­re aus der Ber­li­ner Zei­tung den Be­richt über das neue For­mat Mi­kro-Kon­zert. Na­tür­lich ne­ben mei­ner jüngs­ten Mel­dung aus Bay­reuth.

Ta­ges­tipp und Links vom 23. Mai: Aus Eg­bert Thol­ls Re­zen­si­on in der Süd­deut­schen Zei­tung über das ers­te Kam­mer­kon­zert mit Pu­bli­kum an der Baye­ri­schen Staats­oper kann man vor al­lem die Freu­de her­aus­le­sen, die so­wohl Mu­si­ker wie Zu­hö­rer emp­fun­den ha­ben – ach ja! Nicht nur die neue BSO-Kon­zert­rei­he „Streif­zü­ge am Mitt­woch“ macht Hoff­nung. Auch an der Oper Frank­furt gibt es am 29. Mai das ers­te Live-Kon­zert mit Pu­bli­kum; der Vor­ver­kauf zum Lie­der­abend mit Ma­ria Beng­t­son (So­pran) be­ginnt am Mon­tag. Noch zwei Ar­ti­kel von Mar­kus Thiel aus dem Münch­ner Mer­kur: ein In­ter­view mit Chris­ti­an Ger­ha­her zum Kul­tur­le­ben in Co­ro­na-Zei­ten und ein Be­richt über die „Wege aus dem Kul­tur­win­ter“. Beim Strea­men hält mich mo­men­tan (und weil ich den Frank­fur­ter „Ring“ schon aus sei­nen Pre­mie­ren ken­ne) der Ams­ter­da­mer „Ring“ in Be­schlag: eine fes­seln­de Pro­duk­ti­on, bei der ich sehr be­dau­re, dass ich un­ter an­de­rem auch die un­ge­wöhn­li­chen Raum­lö­sun­gen von Ge­or­ge Tsypin nicht selbst er­lebt habe. Mit die­ser Wag­ner-In­sze­nie­rung punk­tet nach­träg­lich end­lich auch Re­gis­seur Pierre Audi, des­sen Münch­ner „Par­si­fal“ in der nur selbst­re­fe­ren­zi­el­len und grau­en­haft nichts­sa­gen­den Aus­stat­tung von Kunst­markt­grö­ße Ge­org Ba­s­elitz zu den Opern­er­fah­run­gen ge­hört, die man trotz der her­aus­ra­gen­den mu­si­ka­li­schen In­ter­pre­ta­ti­on sehr schnell aus der Er­in­ne­rung streicht. Na­tür­lich kann man über man­che Sän­ger­leis­tun­gen in Ams­ter­dam ge­teil­ter Mei­nung sein, aber wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen? Lei­der nur im Opern­him­mel. Und in sehr sel­te­nen Stern­stun­den auf Erden.

Ta­ges­tipp und Links vom 22. Mai: Heu­te vor 207 Jah­ren wur­de Ri­chard Wag­ner in Leip­zig ge­bo­ren; mei­nen Gra­tu­la­ti­ons­ar­ti­kel fin­den Sie hier. An­sons­ten ist der Auf­re­ger des Ta­ges wohl der Pla­gi­ats­vor­wurf an das Ar­chi­tek­tur­bü­ro Bar­kow Leib­in­ger, das für das Büh­nen­bild der Wie­ner „Fidelio“-Inszenierung von Chris­toph Waltz ver­ant­wort­lich zeich­net – üb­ri­gens ein nur auf den ers­ten Blick wir­ken­des, letzt­lich sehr be­lie­bi­ges Bild. Aus Wies­ba­den be­rich­tet Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau über das nächs­te dor­ti­ge „Opern­kon­zert“ (mit Kla­vier­be­glei­tung), wo­bei zwei­er­lei be­mer­kens­wert er­scheint: Dass näm­lich ers­tens auch die­ser Se­lek­tiv-Abend nicht aus­ver­kauft war und dass zwei­tens Künst­ler­paa­re wie Mi­cha­el Vol­le und Ga­brie­la Sche­rer jetzt die Nase vorn ha­ben, weil für sie die Ab­stands­re­ge­lung au­ßer kraft ist. Wol­len wir wet­ten, dass Anna Netreb­ko (die die Co­ro­na-Re­ge­lun­gen als dumm be­zeich­net hat und sehr sehr rus­sisch al­len Erns­tes schrieb: „I think, who ever de­ci­ded that ru­les has to va­nish!“) und Yu­sif Ey­va­zov schon in den Start­lö­chern ste­hen? Heu­te Abend steht für mich die Ams­ter­da­mer „Wal­kü­re“ auf dem Pro­gramm, wie­der­um un­ter Hart­mut Ha­en­chen, üb­ri­gens Re­kord­hal­ter un­ter den „Ring“-Dirigenten.

Ta­ges­tipp und Links vom 21. Mai: Wer streamt, soll­te sich Ge­dan­ken über die Di­gi­ta­li­sie­rung in der Kul­tur­welt ma­chen. Dass Hol­ger Nolt­ze, Jour­na­list, Kri­ti­ker, seit 2005 Pro­fes­sor an der TU Dort­mund und schon mehr­fach zu Gast beim RWV Bam­berg, was dazu zu sa­gen hat, spie­gelt das jüngs­te In­ter­view auf BR Klas­sik. Am sel­ben Ort prä­sen­tiert Di­ri­gen­tinJoana Mall­witz vom Staats­thea­ter Nürn­berg ei­nen Vi­deor­und­gang zu ih­rem Ex­pe­di­ti­ons­kon­zert zu Beet­ho­vens 7. Sym­pho­nie. Wie es an­sons­ten wei­ter geht, klopft der Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel gleich in zwei neu­en Bei­trä­gen ab, der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Deut­schen Mu­sik­rats Chris­ti­an Höpp­ner sieht im In­ter­view mit dem Deutsch­land­funk Kul­tur „düs­te­re Zei­ten“ aus uns zu­kom­men. Kann ei­nem in Wag­ners „Ring“ be­kannt­lich auch pas­sie­ren, der ak­tu­ell aus Frank­furt (Pre­mie­ren ab 2010, Auf­nah­me von 2014) und Ams­ter­dam (Pre­mie­ren ab 1997, Auf­nah­me von 2014) ge­streamt wird. Hart­mut Ha­en­chen war üb­ri­gens der ers­te Di­ri­gent, der auch Quel­len­ma­te­ri­al her­an­ge­zo­gen hat, das nicht ein­mal in Bay­reuth be­nutzt wur­de. Er hat in lan­ger De­tail­ar­beit ein ei­ge­nes Or­ches­ter­ma­te­ri­al er­stellt hat, das auf den neu­es­ten Aus­ga­ben der Ri­chard-Wag­ner-Ge­samt­aus­ga­be ba­siert und so­gar de­ren Druck­feh­ler kor­ri­giert. Bin sehr ge­spannt auf sei­ne Interpretation!

Ta­ges­tipp und Links vom 20. Mai: Als Jour­na­list darf man in Aus­nah­me­fäl­len hin und wie­der in Ge­ne­ral­pro­ben sit­zen, ich ken­ne also das Ge­fühl des lee­ren Zu­schau­er­raums. Die  „Geis­ter­kon­zer­te“ in Ber­lin und Mün­chen ha­ben mich dar­an er­in­nert, der ers­te Lie­der­abend mit Pu­bli­kum am Staats­thea­ter Wies­ba­den, wor­über so­gar die New York Times be­rich­tet, hin­ge­gen lässt mich – aus der Fer­ne be­trach­tet – eher an die Se­pa­rat­vor­stel­lun­gen Kö­nig Lud­wigs II. den­ken: Das wa­ren mehr als 200 Schau­spiel- und Opern­auf­füh­run­gen, bei de­nen die Ak­teu­re zwar in fast kom­plett lee­re Zu­schau­er­räu­me hin­ein­s­an­gen und spiel­ten, aber im­mer­hin wuss­ten, dass ge­nau der­je­ni­ge, der da­für be­zahl­te, auch zu­schau­te und zu­hör­te. Mal se­hen, wie’s wei­ter geht! Im Ta­ges­spie­gel äu­ßert sich der Pia­nist Igor Le­vit aus­führ­lich zu sei­nen Streams, im Münch­ner Mer­kur un­ter­sucht Mar­kus Thiel, wie das Co­ro­na-Vi­rus auch die Künst­ler­agen­tu­ren beu­telt. Und ich kann ger­ne be­stä­ti­gen, dass es kei­ner­lei tech­ni­sche Pro­ble­me beim „Rheingold“-Stream aus Frank­furt gab. In­zwi­schen ste­hen auch die kom­plet­ten „Ring“-Besetzungen für Ams­ter­dam und Frank­furt in der Auf­lis­tung. Und mein Abend­pro­gramm? Die sehr alte „Lohengrin“-Inszenierung von Au­gust Ever­ding an der Met aus dem Jahr 1986 hat ih­rer Be­set­zung we­gen gro­ße Chan­cen … ach, Pe­ter Hofmann!

Ta­ges­tipp und Links vom 19. Mai: Wäh­rend an den Rumpf-Fest­spie­len in Salz­burg noch ge­bas­telt wird, sind zwei wei­te­re Ju­bi­lä­ums-Fest­spie­le ab­ge­sagt: Auch die Hän­del-Fest­spie­le in Göt­tin­gen woll­ten heu­er ihr 100-jäh­ri­ges Be­stehen fei­ern, nicht zu ver­ges­sen das Bon­ner Beet­ho­ven­fest im gro­ßen Beet­ho­ven-Ju­bi­lä­ums­jahr, um des­sen Ver­schie­bung In­ten­dan­tin Nike Wag­ner sich küm­mert. Und wer die gest­ri­ge Do­ku­men­ta­ti­on im BR Fern­se­hen über den Aus­nah­me­zu­stand bei den Pas­si­ons­spie­len in Ober­am­ma­er­gau ver­passt hat, fin­det die Sen­dung hier. We­ni­ger be­nut­zer­freund­lich er­wies sich ges­tern üb­ri­gens er­neut die Strea­ming-Platt­form der Wie­ner Staats­oper. Wie­der war das On­line-So­fort­ver­kauf-War­te­schlei­fen-Fee­ling an der Ta­ges­ord­nung, dies­mal auch mit­ten in der Spon­so­ren­wer­bung (was un­ge­rech­ter­wei­se den Grimm der War­ten­den auf die Spon­so­ren lenkt) – und nach etwa ei­ner hal­ben Stun­de „Göt­ter­däm­me­rung“ ging dann gar nichts mehr. Bei vier Opern hat es also zwei­mal nicht ge­klappt. Im­mer­hin hat­te ich die Auf­füh­rung schon ge­se­hen, konn­te es also bes­ser ver­schmer­zen wie viel­leicht an­de­re. Na­tür­lich wer­de ich heu­te tes­ten, ob die Oper Frank­furt mit dem An­sturm hung­ri­ger Wag­ne­ria­ner aufs „Rhein­gold“ (Pre­mie­re 2012) tech­nisch bes­ser zu­recht kommt.

Ta­ges­tipp und Links vom 18. Mai: Lang­sam, aber si­cher darf auch das Kul­tur­le­ben wie­der in die Gän­ge kom­men. Die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet heu­te aus den ver­schie­dens­ten Be­rei­chen, Mar­kus Bei­sel, In­ten­dant des Rhein Ne­ckar Thea­ters, ei­ner klei­nen Büh­ne in Mann­heim, er­läu­tert an­schau­lich, was die Ab­stands­vor­schrif­ten in der Pra­xis be­deu­ten,  wäh­rend Pa­trick Bah­n­ers in der FAZ sich kri­tisch mit Mo­ni­ka Grüt­ters, der Be­auf­trag­ten für Kul­tur und Me­di­en, wid­met. Wer die­se Ko­lum­ne öf­ter liest, wird ah­nen, dass ich heu­te die Wie­ner „Göt­ter­däm­me­rung“ strea­me – eine Auf­zeich­nung vom 7. Juni 2017 un­ter Pe­ter Schnei­der. In der glei­chen Be­set­zung durf­te üb­ri­gens zwei Tage zu­vor eine Rei­se­grup­pe des RWV Bam­berg die­se Re­per­toire­vor­stel­lung er­le­ben. Um noch­mals auf Sven-Eric Bech­tolf, den Re­gis­seur des Staatsopern-„Rings“, zu­rück­zu­kom­men: Sehr emp­feh­lens­wert so­wohl für Ken­ner und An­fän­ger ist sei­ne Ein­spie­lung des kom­plet­ten „Ring“-Librettos bei col lge­no, bei der er fes­selnd in alle Rol­len schlüpft und nur mit sei­ner Sprech­stim­me je­der ein­zel­nen Fi­gur je­weils eine un­ver­wech­sel­ba­re Iden­ti­tät ver­leiht. Ein­fach großartig!

Ta­ges­tipp und Links vom 17. Mai: Nach­richt­lich ein ru­hi­ger Sonn­tag bis­her, nur die Ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en ar­bei­ten sich wei­ter ab an ih­ren Fest­spie­len – an Salz­burgs Op­tio­nen ei­ner Teil­durch­füh­rung und der Aus­zeit in Bre­genz. Was es be­deu­tet, dass in den bun­des­deut­schen Thea­tern ab mor­gen der Pro­ben­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men wer­den kann und die Re­strik­tio­nen we­ni­ger wer­den, lässt sich un­ter an­de­rem am In­ter­view von Wolf­ram Go­e­rtz von der Rhei­ni­schen Post mit Chris­toph Mey­er, dem In­ten­dan­ten der Deut­schen Oper am Rhein, ab­le­sen. An­sons­ten ist nicht zu über­se­hen, dass seit gut ei­nem Mo­nat die Kurz­ar­beit auch in den Me­di­en­häu­sern Ein­zug ge­hal­ten hat: Dün­ner sind alle Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­ne ge­wor­den, und nicht we­ni­ge re­gio­na­le Blät­ter hat­ten und ha­ben zwar nicht ih­ren Sport­teil, aber den Kul­tur­teil lei­der gleich ganz ge­stri­chen. So viel zum Stel­len­wert von Kul­tur. Kurz noch eine An­mer­kung zu den Streams der Wie­ner Staats­oper: Nach­dem am „Rheingold“-Tag der An­drang wahr­schein­lich ein­fach zu groß war, durf­te ich tags dar­auf eine mir gänz­lich neue Er­fah­rung ma­chen. Erst­mals habe ich, wenn auch nur be­quem vom Sofa aus, gleich zwei ver­schie­de­ne Wag­ner­auf­füh­run­gen in­ner­halb von zwölf Stun­den er­lebt. Ein Ex­pe­ri­ment, dem al­ler­dings kei­ne wei­te­ren Ver­su­che fol­gen wer­den – was wohl­ge­merkt nicht an der In­sze­nie­rung von Sven-Eric Bech­tolf liegt, die wohl­tu­end nichts an­de­res will, als die Ge­schich­te zu er­zäh­len. Son­dern an der ei­ge­nen Auf­nah­me- und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, wel­che ich mir heu­te ab so­fort für „Sieg­fried“ un­ter Si­mon Ratt­le aufspare.

Ta­ges­tipp und Links vom 16. Mai: Dass die Salz­bur­ger Fest­spie­le in ih­rem Ju­bi­lä­ums­jahr we­nigs­tens den „Je­der­mann“ ret­ten wol­len, war schon lan­ge klar. In­zwi­schen sieht es so aus, dass das klap­pen könn­te, wie u.a. Der Stan­dard be­rich­tet. Alex­an­der Klu­ge, des­sen Aus­stel­lung „Oper. Der Tem­pel der Ernst­haf­tig­keit“ im Würt­tem­ber­gi­schen Kunst­ver­ein am 13. März ge­ra­de noch ge­öff­net wer­den konn­te, um tags dar­auf ge­schlos­sen zu wer­den, re­agier­te dar­auf mit ei­nem vier­stün­di­gen Abend, den man auf der Web­site des Ber­li­ner Li­te­ra­tur­hau­ses fin­det und aus dem man um ei­ni­ges klü­ger her­aus­geht. Wie ei­ner, der klug ist und gleich­zei­tig Fan von Wer­der Bre­men, mit dem Shut­down und Geis­ter­spie­len um­geht, be­schreibt der Schau­spie­ler Mat­thi­as Brandt im le­sens­wer­tenIn­ter­view mit dem Ta­ges­spie­gel. Die ers­ten Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen „nach Vor­schrift“ mit mas­kier­tem Pu­bli­kum lau­fen an, der ös­ter­rei­chi­sche On­line-Mer­ker ist mit Gün­ther Groissböck ins Ren­nen ge­gan­gen, in Wies­ba­den soll das Er­satz­pro­gramm am Mon­tag star­ten. Ob’s ver­gnüg­lich wird, ver­mag ich nicht zu be­ur­tei­len. Da ist mir die jüngs­te Opertrotz­Co­ro­na-Bei­ga­be der Staats­oper Stutt­gart ei­gent­lich lie­ber: Ri­chard Wag­ner meets Gil­bert & Sul­li­van mit He­le­ne Schnei­der­man, Ca­tr­io­na Smith, Ma­ria-The­re­sa Ull­rich (Ge­sang). Und weil der Kom­po­nis­ten­na­me mir so nahe liegt, emp­feh­le ich heu­te Jo­seph Beers „Pol­ni­sche Hoch­zeit“, ein weit­hin un­be­kann­tes Meis­ter­werk zwi­schen Ope­ret­te und Mu­si­cal, das die Oper Graz lei­der nur noch heu­te streamt.

Ta­ges­tipp und Links vom 15. Mai: Der Sil­ber­streif, der sich am Co­ro­na-Ho­ri­zont der Kul­tur­welt ab­zeich­net, ist noch ein sehr fra­gi­les Ge­spinst. So kön­nen zwar in Bay­ern jetzt un­ter an­de­rem auch frei­schaf­fen­de Künstler*innen und sons­ti­ge Kulturarbeiter*innen, die nicht in der Künst­ler­so­zi­al­kas­se ver­si­chert sind, mit Un­ter­stüt­zung rech­nen. Die Fra­ge ist nur: wann? Schließ­lich gibt es bis heu­te noch nicht ein­mal das An­trags­for­mu­lar für die ver­si­cher­ten Frei­schaf­fen­den, für die am 21. April 2020 eine Sofort(!)hilfe von drei mal 1000 Euro an­ge­kün­digt wur­de. Der Be­richt der Süd­deut­schen Zei­tung über den er­wei­ter­ten Kul­tur-Ret­tungs­schirm hat schon mal pas­sen­den Ti­tel, le­sens­wert vor al­lem der Kom­men­tar dazu von Su­san­ne Her­man­ski.
Et­was we­ni­ger di­rekt ist Ka­tha­ri­na Wag­ners Jour­na­lis­ten­freund Ma­nu­el Brug in der Welt. So sehr man ihm zu­stim­men mag, dass die Fest­spiel­lei­te­rin ein „Recht auf Krank­sein“ habe, so sehr fällt in sei­ner Ab­rech­nung mit der Ge­rüch­te­kü­che, in der er sonst selbst ger­ne  mit­mischt, auf, dass er es mit den Quel­len und ih­rer Na­mens­nen­nung nicht ge­nau ge­nug nimmt. Dass es bei­spiels­wei­se die Bild-Zei­tung war, die sich in dem Zu­sam­men­hang die größ­ten Ge­schmack­lo­sig­kei­ten ge­leis­tet hat, ist bei ihm nicht zu er­fah­ren. Na klar, ist der­sel­be Me­di­en-Kon­zern, bei dem auch Brug be­schäf­tigt ist! Im­mer­hin nimmt er sich die Frei­heit her­aus, Chris­ti­an Thie­le­mann, der mit Sprin­ger-Chef Mat­thi­as Döpf­ner be­freun­det ist, „die Fake News von der gu­ten Er­ho­lung Ka­tha­ri­na Wag­ners“ um die Oh­ren zu hau­en. Und ver­dient ein Son­der­lob für den Ne­ben­satz, dass Thie­le­manns „In­ter­view­äu­ße­run­gen auch bis­her im­mer auf ih­ren Wahr­heits­ge­halt zu über­prü­fen wa­ren“. Punkt.
Wer sich ge­ge­be­nen­falls in der War­te­schlei­fe beim Staatsopern-„Ring“ in Wien plötz­lich vor­kommt wie beim On­line-So­fort­ver­kauf der Bay­reu­ther Fest­spie­le kann sein Wag­ner-Glück ab heu­te 14 Uhr in der Sem­per­oper ver­su­chen und an­hand der „Lo­hen­grin“-Elsa über­prü­fen, ob Anna Netreb­ko und die deut­sche Spra­che ein Glück ohne Reu‘ sind. Vor­schau: von 19. bis 24. bzw. von 21. bis 24. Mai gibt es kom­plet­te „Ring“-Streams aus Frank­furt und Ams­ter­dam. Wird schwie­rig, wenn man be­denkt, dass es un­ter an­de­rem auch noch „Wozzeck“ aus Zü­rich mit Chris­ti­an Ger­ha­her und „Die Sol­da­ten“ aus Stutt­gart in der In­sze­nie­rung von Har­ry Kup­fer gibt.

Ta­ges­tipp und Links vom 14. Mai: Dass mir Wort Co­ro­na in ei­nem ein­deu­tig po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang und fast schon per­sön­lich ent­ge­gen­kommt, hät­te ich nicht ge­dacht. „Al­les für den Bee­ren­hun­ger“ sind in der jüngs­ten Gar­ten­bro­schü­re von Ma­nu­fac­tum die An­ge­bo­te von di­ver­sen Erd­beer­pflan­zen über­ti­telt, dar­un­ter Ko­ro­na – eine „mit­tel­frü­he Sor­te mit dun­kel­ro­ten, gro­ßen, auch in­nen aus­ge­färb­ten Früch­ten mit rei­chem Aro­ma, das von sü­ßen und fruch­ti­gen Kom­po­nen­ten ge­prät ist.“ Was die un­ge­still­te Lust auf Mu­sik­thea­ter sehr vie­ler Men­schen be­trifft, so lässt das Ge­spräch, das der Deutsch­land­funk mit Axel Ko­ber, dem GMD an der Deut­schen Oper am Rhein, ge­führt hat, den Sil­ber­streif am Ho­ri­zont er­ken­nen. Letz­te­rer ist auch an der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder zu den Per­spek­ti­ven der Kul­tur­sze­ne ab­zu­le­sen. Und heu­te Abend? Noch­mals sei ger­ne dar­auf ver­wie­sen, dass die Wie­ner Staats­oper ab heu­te 19 Uhr die „Ring“-Inszenierung von Sven-Eric Bech­tolf streamt, vier Aben­de un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten, dar­un­ter zum Auf­takt mit dem „Rhein­gold“ Axel Kober.

Links vom 13. Mai: Wer das Wort Co­ro­na in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang ken­nen ler­nen möch­te, wird un­ter an­de­rem bei der ka­tho­li­schen Ta­ges­post fün­dig. Von Würz­burg und der Hei­li­gen geht’s über­gangs­los wei­ter nach Wies­ba­den und zu Uwe Eric Lau­fen­berg, der schon ab 18. Mai ein Er­satz­pro­gramm für die Mai­fest­spie­le durch­zie­hen will, wäh­rend die ARD ge­ra­de ih­ren re­nom­mier­ten Wett­be­werb ab­ge­sagt hat. Na ja, Ari­en­aben­de mit ei­ni­gen Sän­ger­grö­ßen und Kla­vier­be­glei­tung las­sen sich si­cher eher hin­krie­gen, als ein in­ter­na­tio­na­ler Wett­be­werb mit Teil­neh­mern aus al­ler Welt. Aber mal ehr­lich: Die Er­fah­rung in ei­nem fast lee­ren und da­durch plötz­lich sehr gro­ßen Zu­schau­er­raum zu sit­zen, möch­te man ei­gent­lich nur ein­mal machen.

Ta­ges­tipp und Links für 12. Mai: Wie und wann die „Ring“-Neuinszenierung von Se­fan Her­heim an der Deut­schen Oper los­ge­hen kann, lässt sich zwar nicht mit Ge­wiss­heit sa­gen, aber im­mer­hin lau­fen, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, die Pla­nun­gen in meh­re­re Rich­tun­gen. Und in der­sel­ben Zei­tung ist auch zu le­sen, dass von Sän­gern das grö­ße­re In­fek­ti­ons­ri­si­ko aus­geht. Te­nor An­dre­as Schager wi­der­spricht dem mit ei­ner prak­ti­schen De­mons­tra­ti­on. (Wei­te­re Links zu ak­tu­el­len The­men bie­tet täg­lich aus­führ­lich der On­line-Mer­ker.) Für Mu­sik- und Kon­zert­freun­de ein Muss ist Ki­rill Pe­tren­kos Play­list auf der Home­page der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker. Und heu­te Abend? Strea­me ich wahl­wei­se „Bo­ris“ aus Stutt­gart oder eine der Auf­füh­run­gen aus Brüs­sel, denn am 14. und 15. Mai ist erst­mal Wag­ner dran, mit den ers­ten bei­den „Ring“-Teilen aus der Wie­ner Staats­oper, die im Mai den Bechtolf-„Ring“ un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten streamt.

Ta­ges­tipp und Links für 11. Mai: Es scheint Be­we­gung zu kom­men in die Ab­stands­re­ge­lun­gen für Büh­nen und Kon­zert­po­di­en, wenn man Jan Brach­mann in der FAZ glaubt. Und der Hoff­nungs­streif am Ho­ri­zont für Opern­freun­de lässt sich er­ah­nen, wenn man liest, was Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zum Sai­son­pro­gramm der Oper Frank­furt schreibt. Und die Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le freu­en sich, die ge­plan­te Fest­spiel­eröff­nung ei­nem brei­ten Pu­bli­kum trotz Ab­sa­ge zu­gäng­lich ma­chen zu kön­nen: Seit 7. Mai, dem ei­gent­li­chen Fes­ti­val­be­ginn, ist in der ARTE-Me­dia­thek die Film­ver­si­on der cho­reo­gra­phi­schen Oper „Dido and Ae­ne­as“ von Hen­ry Pur­cell aus dem Jahr 2005 mit der Aka­de­mie für Alte Mu­sik Ber­lin, Vo­cal­cons­ort Ber­lin und Sa­sha Waltz & Guests für 30 Tage als Vi­deo-on-De­mand in abrufbar.

Ta­ges­tipp und Links für 10. Mai: Na­tür­lich bea­me ich mich heu­te Abend in die Ber­li­ner Staats­oper Un­ter den Lin­den: Al­ban Bergs „Wozzeck“ in der In­sze­nie­rung des un­ver­ges­se­nen Pa­tri­ce Ché­reau mit Franz Grund­he­ber und Wal­traud Mei­er. Es ist üb­ri­gens ein tol­ler Ser­vice, dass die Staats­oper auch die Pro­gramm­hef­te zum Down­load an­bie­tet – selbst wenn sie, wie in die­sem Fall, von der Nach­fol­ge­pro­duk­ti­on stam­men. Mein gest­ri­ger Ver­such, durch die Rund­funk­auf­zeich­nung auf BR Klas­sik die Chan­ce zu nut­zen und end­lich „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko ken­nen­zu­ler­nen, ist üb­ri­gens ge­schei­tert: Eine Oper in ei­ner Spra­che, die man nicht ver­steht, er­schließt sich ohne jeg­li­che Vor­kennt­nis­se und Mit­le­se­mög­lich­keit eben nicht so leicht. Ich bin dann doch lie­ber ins Fern­se­hen über­ge­wech­selt und habe auf SWR zum zwei­ten und be­stimmt nicht zum letz­ten Mal den fas­zi­nie­rend ge­lun­ge­nen und vor al­lem bei den männ­li­chen Fi­gu­ren ex­zel­lent be­setz­ten Drei­gro­schen­film von 2018 an­ge­schaut, der bis 9. Juni in der ARD-Me­dia­thek frei ver­füg­bar ist. Man wünsch­te sich, dass Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Joa­chim A. Lang sich mit ähn­lich gro­ßer Kom­pe­tenz,  Ken­ner­schaft und Kunst­fer­tig­keit Ri­chard Wag­ner wid­men wür­de. Zu­rück in Co­ro­na-Zei­ten len­ke ich Ihre Auf­merk­sam­keit auf zwei Künstler*innen, die ganz un­ter­schied­lich auf die jet­zi­ge Kri­se re­agie­ren: auf die wun­der­ba­re Sän­ge­rin Eli­sa­beth Kul­mann und den Or­gel­vir­tuo­sen Ca­me­ron Car­pen­ter.

Ta­ges­tipp und Links für 9. Mai: Am 6. Mai habe ich in mei­nem Blog-Bei­trag „Jour­na­lis­ti­sche Re­fle­xe“ die Fra­ge ge­stellt, war­um von Chris­ti­an Thie­le­mann noch kein Wort zur Lage in Bay­reuth zu hö­ren war, am 8. Mai hat er sich bei Heinz Sich­rovs­ky der ös­ter­rei­chi­schen News-Me­di­en­grup­pe ge­mel­det und zu Pro­to­koll ge­ge­ben, dass Ka­tha­ri­na Wag­ner auf dem Weg der Bes­se­rung ist und er selbst im Som­mer in Bay­reuth Ur­laub ma­chen, im lee­ren Or­ches­ter­gra­ben sit­zen und über sei­nen Be­ruf nach­den­ken wird. Auch das Beet­ho­ven­fest im Ju­bi­lä­ums­jahr mit­samt Bay­reuth-Gast­spiel muss­te ver­scho­ben wer­den. Der Bon­ner Ge­ne­ral-An­zei­ger hat In­ten­dan­tin Nike Wag­ner dazu in­ter­viewt. Un­ter wel­chen Maß­ga­ben der­zeit auf den Büh­nen mit Ab­stands­flä­chen ge­rech­net wird, lasst sich ab­le­sen an ei­ner büh­nen­spe­zi­fi­schen Hand­rei­chung der Ver­wal­tungs-Be­rufs­ge­nos­sen­schaft (VBG), et­was bes­ser les­bar hat das Mi­cha­el Stall­knecht in sei­nem Ar­ti­kel Händ­chen­hal­ten auf Ab­stand in der NZZ for­mu­liert. Der Trai­ler zum heu­te Abend auf 3sat an­ge­bo­te­nen Er­leb­nis Büh­ne LIVE hat mich ehr­lich ge­sagt ab­ge­schreckt. Da lass ich das Gu­cken mal sein und höre mir lie­ber um 19 Uhr auf BR-Klas­sik die Oper „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko mit Pio­tr­Be­c­zała an (Auf­nah­me vom15. De­zem­ber 2019 im Thea­ter an der Wien).

Ta­ges­tipp und Links für 8. Mai: Die Nach­rich­ten­la­ge ist so reich­hal­tig, dass die Aus­wahl schwer fällt. Am bes­ten, ich fan­ge vor Ort an mit den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern, die in punk­to Blä­ser-Ae­ro­so­le eine wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung durch­ge­führt ha­ben. Auch zwei Bay­reuth-Prot­ago­nis­ten ha­ben für Schlag­zei­len ge­sorgt: der lang­jäh­ri­ge Chor­di­rek­tor Nor­bert Ba­latsch, der im Al­ter von 92 Jah­ren ge­stor­ben ist, und „Parsifal“-Regisseur Uwe-Eric Lau­fen­berg mit sei­nen „Solo-Dis­kur­sen“ zur Co­ro­na-Kri­se. Dass strea­men­de Klas­sik-Por­ta­le jetzt rich­tig gut ins Ge­schäft kom­men, ver­mel­det der Deutsch­land­funk. Mein heu­ti­ger Tipp funk­tio­niert auch ohne In­ter­net: Um 21.45 Uhr sen­det 3sat das Ge­denk­kon­zert zum Kriegs­en­de vor 75 Jah­ren un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im mit Wag­ners „Sieg­fried-Idyll“ und Mo­zarts „Klei­ner Nacht­mu­sik“. Im Live-Stream gibt’s die Auf­füh­rung auf der Home­page der aus der Ber­li­ner Staats­oper.

Ta­ges­tipp und Links für 7. Mai: Hol­ger Nolt­ze, der schon zwei­mal in un­se­rem Ver­band als Re­fe­rent zu Gast war, hat sich kri­tisch mit der Ver­mitt­lung von Kul­tur im In­ter­net be­fasst – ein Muss für alle Strea­mer! Das Buch „World Wide Wun­der­kam­mer“ er­scheint nächs­te Wo­che in der Edi­ti­on Kör­ber, hier schon mal ein Vor­be­richt aus der NZZ. Apro­pos Pres­se: Aus ak­tu­el­lem An­lass habe ich mich mit den Jour­na­lis­ti­schen Re­fle­xen auf die of­fen­bar schwe­re Er­kran­kung von Ka­tha­ri­na Wag­ner be­fasst und da­bei die Er­kennt­nis ge­won­nen, dass die Un­ter­schie­de zwi­schen ei­ner an­ge­se­he­nen se­riö­sen Zei­tung und ei­nem  Bou­le­vard­blatt lei­der gar nicht mehr groß sind. Bild hin, Süd­deut­sche her: Wer trotz­dem  Sehn­sucht nach don­nern­dem Thea­ter­le­ben hat, der soll­te heu­te den Stream der Münch­ner Kam­mer­spie­le nicht ver­säu­men: Nur in der Zeit von 18 bis 24 Uhr ist die Do­ku­men­ta­ti­on „Schlin­gen­sief – In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“  von Bet­ti­na Böh­ler verfügbar.

Ta­ges­tipp und Links für 6. Mai:Wäh­rend peu à peu in sehr klei­nen Schrit­ten et­was mehr „Nor­ma­li­tät“ zu­rück­kommt, müs­sen zu­min­dest Opern- und Kon­zert­freun­de sich dar­auf ein­stim­men, dass es groß be­setz­te Auf­füh­run­gen wie in den Zei­ten vor Co­ro­na wohl ziem­lich lan­ge nicht mehr ge­ben wird. Der Ta­ges­spie­gelkün­digt an, dass bald auch für fest­an­ge­stell­te Ber­li­ner Or­ches­ter­mu­si­ker Kurz­ar­beit an­steht. Nur noch bis 8. Mai streamt dieStaats­oper Stutt­gartihre aus Pa­ris über­nom­me­ne Gluck-Pro­duk­ti­on der „Iphi­gé­nie en Tau­ri­de“, eine mu­si­ka­lisch be­ein­dru­cken­de In­ter­pre­ta­ti­on un­ter Ste­fa­no Mon­ta­na­ri, mit über­zeu­gen­den Sän­gern, in ei­ner span­nen­den In­sze­nie­rung von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski, die den Zu­schau­ern manch loh­nen­des Rät­sel aufgibt.

Ta­ges­tipp und Links für 5. Mai: Wie Plan B, C, D, E und F für Or­ches­ter aus­se­hen könn­ten, hat für BR Klas­sik An­to­nia Mo­rin in dem Ar­ti­kel „Wie wird die ’neue Nor­ma­li­tät‘ im Kon­zert?“ re­cher­chiert. Der jüngs­te dpa-Be­richt zu den Salz­bur­ger Fest­spie­len klingt auch nicht ge­ra­de er­mu­ti­gend. Der gest­ri­ge Lie­der­abend im Live­stream mit Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber aus dem Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter hat mir op­tisch wie­der vor Au­gen ge­führt, dass der lee­re Zu­schau­er­raum et­was Wi­der­na­tür­li­ches und ei­gent­lich un­er­träg­lich ist. Und es war förm­lich zu spü­ren, dass auch den bei­den Künst­lern das er­war­tungs­vol­le Ge­gen­über, das Pu­bli­kum fehl­te. Ach, Co­ro­na! Ein­ge­denk der obi­gen Be­rich­te emp­feh­le ich den wun­der­ba­ren Mon­te­ver­di-Zy­klus aus dem Tea­tro la Fe­ni­ce un­ter John Eli­ot Gardiner.

Ta­ges­tipp und Links für 4. Mai: Die heu­ti­ge Pflicht­lek­tü­re ist das In­ter­view mit Bar­rie Kos­ky aus der Ber­li­ner Zei­tung. Und abends bleibt bei mir die Opern­kü­che kalt – nicht ganz, aber fast. Denn der Lie­der­abend, den Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber heu­te um 20.15 Uhr in der Rei­he der Mon­tags­kon­zer­te der Baye­ri­schen Staats­oper mit Wer­ken von An­tonín Dvořák, Hugo Wolf und Franz Schu­bertge­ben, ist live und be­stimmt großartig.

Ta­ges­tipp und Links für 3. Mai: Die Di­ri­gen­tin Oksa­na Ly­niv, die dem Bam­ber­ger  Sym­pho­ni­ker-Pu­bli­kum viel­leicht noch als drit­te Preis­trä­ge­rin des Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb 2004 in Er­in­ne­rung sein wird und an­schlie­ßend schnell in­ter­na­tio­nal Kar­rie­re ge­macht hat und un­ter an­de­rem zu­letzt auch den Ju­dith-Abend an der Baye­ri­schen Staats­oper mu­si­ka­lisch lei­te­te, äu­ßert sich im In­ter­view mit der Deut­schen Wel­le aus­führ­lich über die Fol­gen der Co­ro­na-Kri­se. Das Ri­go­let­to-Sän­ger­fest aus Dres­den bleibt wei­ter­hin auf You­tube ver­füg­bar, aber wenn die Sem­per­oper die Pro­duk­ti­on (lei­der nur noch heu­te bis 23 Uhr) streamt, ist es ganz ein­fach schö­ner, weil man den Raum vor sich sieht und sich an ein­schlä­gi­ge Opern­be­su­che dort erinnert …

Ta­ges­tipp und Links für 2. Mai: Eine der schöns­ten ak­tu­el­len Mel­dun­gen kommt aus Lu­zern: Das Schwei­ze­ri­sche Bun­des­ge­richt hat in letz­ter In­stanz ent­schie­den, dass Hun­de im Be­reich des Ri­chard-Wag­ner-Mu­se­ums in Trib­schen künf­tig wie­der ohne Lei­ne lau­fen dür­fen – eine Ent­schei­dung, die si­cher auch bei Hun­de­lieb­ha­ber Ri­chard Wag­ner Bei­fall ge­fun­den hät­te. An­sons­ten ist das aus­führ­li­che In­ter­view mit Di­ri­gent Hart­mut Ha­en­chen  auf der Mu­sik­platt­form Klas­sik be­geis­tert zu emp­feh­len. Neu in der Über­sicht sind  Strea­ming­an­ge­bo­te aus Ita­li­en und au­ßer­ge­wöhn­li­che Auf­zeich­nun­gen von klei­ne­ren deut­schen Thea­tern wie der Oper Hal­le und dem Thea­ter Hagen.

Ta­ges­tipp und Links für 30. April und 1. Mai: Ob und wie es in der Mu­sik­welt trotz Co­ro­na wei­ter­ge­hen kann, hat Ma­nu­el Brug für die Welt re­cher­chiert. Es lohnt sich, den Be­richt zu le­sen, be­vor man das Eu­ro­pa­kon­zert der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker im Ers­ten ein­schal­tet. Ei­nen schö­nen Ein­blick gibt im In­ter­view auch der Ge­schäfts­füh­ren­de Di­rek­torTo­bi­as Ehin­ger vom Thea­ter Dort­mund in der WDR3-Re­so­nan­zen-Sen­dung (bei 4:10 Min.) vom 28. April. Die Tat­sa­che, dass die Ko­mi­sche Oper Ber­lin ihr Strea­ming-An­ge­bot aus­ge­wei­tet hat, er­leich­tert mir die Aus­wahl: Am 1. Mai um 19 Uhr las­se ich mir Bar­rie Kos­kys Eu­gen One­gin- In­sze­nie­rung mit As­mik Gre­go­ri­an als Tat­ja­na und Ai­nars Ru­bi­kis am Pult nicht entgehen.

Ta­ges­tipp und Links für 29. April: Zur Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners sind wei­te­re Ar­ti­kel er­schie­nen, dar­un­ter bei der Deut­schen Wel­le, im Ta­ges­spie­gel, in der Welt und in der Süd­deut­schen Zei­tung mit dem be­mer­kens­wer­ten Schluss­satz: „Und der­zeit weiß nie­mand, ob die Fest­spie­le 2021 über­haupt statt­fin­den.“ Das ist reich­lich mu­tig, wenn man be­denkt, dass der­sel­be Au­tor vor nur fünf Ta­gen eine Ab­sa­ge­or­gie kon­sta­tiert und das noch prak­ti­zier­te Prin­zip Hoff­nung bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len gut ge­hei­ßen hat. Mei­ne heu­ti­ge Opern­emp­feh­lung: Franz Schrekers „Der fer­ne Klang“ in ei­ner In­sze­nie­rung von Chris­tof Loy aus Stock­holm mit Agne­ta Ei­chen­holtz, Di­ri­gent Ste­fan Blunier.

Ta­ges­tipp und Links für 28. April: In welch ver-rück­ten Zei­ten wir le­ben, hat un­ter an­de­rem die gest­ri­ge Nach­rich­ten­la­ge of­fen­bart. Wäh­rend die Bay­reu­ther Fest­spie­le we­gen der Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners zu­min­dest vor­über­ge­hend erst­mals seit ih­rer Grün­dung nicht von Mit­glie­dern der Fa­mi­lie Wag­ner ge­lei­tet wer­den, den­ken die In­ten­dan­ten der gro­ßen Opern­häu­ser längst dar­über nach, was zu tun wäre, wenn die Schlie­ßung der Thea­ter deut­lich län­ger an­dau­ert. So hat Ge­or­ges Del­non in Ham­burg den Vor­ver­kauf für die nächs­te Sai­son vor­sichts­hal­ber schon mal von An­fang Mai auf An­fang Au­gust ver­scho­ben. Auch Bog­dan Roščić, der de­si­gnier­te neue In­ten­dant der Wie­ner Staats­oper, weiß, dass es in ab­seh­ba­rer Zeit  kein „busi­ness as usu­al“ ge­ben kann. Opern­freun­de in al­ler Welt wer­den wohl wei­ter auf Kon­ser­ven zu­rück­grei­fen müssen.

Ta­ges­tipp für 27. April: Mat­thi­as Go­e­r­ne, ei­ner der pro­mi­nen­ten Wort­füh­rer für brot­los ge­wor­de­ne frei­schaf­fen­de Künst­ler in Co­ro­na-Zei­ten, hat in ei­nem In­ter­view mit dem Münch­ner Mer­kur nach­ge­legt. Schön wäre es, wenn die re­gel­mä­ßi­gen Le­ser die­ser Ser­vice-Ko­lum­ne das zum An­lass näh­men, et­was für die bei­den nicht sub­ven­tio­nier­ten Bam­ber­ger Büh­nen zu spen­den. Statt kon­kret auf eine Opern-Pro­duk­ti­on auf­merk­sam zu ma­chen, be­schrän­ke ich mich heu­te dar­auf, dass in der Stream-Lis­te ei­ni­ge ita­lie­ni­sche Opern­häu­ser wie Bo­lo­gna, Pa­ler­mon und Ve­ne­dig hin­zu­ge­kom­men sind, auf die mich dan­kens­wer­ter Wei­se Mat­thi­as Kas­per hin­ge­wie­sen hat.

Ta­ges­tipp für 26. April: Wer es noch nicht nach Aix en Pro­vence ge­schafft hat, konn­te dank der Über­tra­gun­gen auf arte schon seit et­li­chen Jah­ren nach­voll­zie­hen, dass dort der Pro­zent­satz an groß­ar­tig ge­lun­ge­nen und in­no­va­ti­ven In­sze­nie­run­gen auf­fal­lend hoch ist. Hat man je Mo­zarts „Così fan tut­te“ und Bi­zets „Car­men“ auf­wüh­len­der er­lebt als in den Pro­duk­tio­nen aus dem Thé­ât­re de l’Archevêché von 2016 und 2017? Auf „Ari­ad­ne auf Na­xos“ von 2018 sei hier als ers­tes aus­führ­li­cher hin­ge­wie­sen: Denn ers­tens ist die mu­si­ka­li­sche Be­set­zung mit Marc Al­brecht im Gra­ben, Lise Da­vid­sen als Ari­ad­ne, Sa­bi­ne De­viel­he als Zer­bi­net­ta, An­ge­la Brower als Kom­po­nist und den wei­te­ren So­lis­ten schlicht­weg sen­sa­tio­nell. Und zwei­tens wagt Re­gis­seu­rin Ka­t­ie Mit­chell eine In­ter­pre­ta­ti­on (mit zu­sätz­li­chen Dia­lo­gen von Mar­tin Crimp), die eine an­de­re Sicht vor al­lem auf die Frau­en-, aber auch die Män­ner­fi­gu­ren er­öff­net, und die Si­tua­ti­on des Thea­ters im Thea­ter so ab­bil­det, wie sie heu­te real statt­fin­den könn­te - beim nicht nur reichs­ten, son­dern auch in den Ge­schlech­te­rol­len fle­xi­blen Mann Wiens (oder sonst­wo in der Welt) samt eben­so fle­xi­blen Gat­tin. Es lohnt sich ga­ran­tiert, ei­ni­ge Über­ra­schun­gen inklusive!

Ta­ges­tipp für 25. April: Zu­nächst sei um Nach­sicht ge­be­ten: Mein gest­ri­ger Tipp kam lei­der zu spät. Ist auch kein Wun­der, bei der doch un­über­sicht­li­chen Men­ge! Aber wo­mög­lich bie­tet die Staats­oper Ham­burg ih­ren „Par­si­fal“ noch­mals an, denn die Co­ro­na-Schließ­zeit für Thea­ter und vor al­lem für Opern­häu­ser dürf­te noch län­ger dau­ern … Was das kon­kret für Künst­ler be­deu­tet, ha­ben Au­toren der „Zeit“ in ih­rem ak­tu­el­len Bei­trag „Aus­ge­spielt“ aus­führ­lich vor­ge­legt. Apro­pos Ham­burg: Die Stu­dio­pro­duk­ti­on von Beet­ho­vens „Fi­de­lio“ aus dem Jahr 1968 (noch bis 4. Mai) ist nicht nur was für Nost­al­gi­ker, die die jun­ge und über­zeu­gend jun­gen­haf­te Anja Sil­ja als Flo­re­stan und wei­te­re nam­haf­te Sän­ger von da­mals er­le­ben wol­len. Die Fern­seh­in­sze­nie­rung of­fen­bart zwar, dass nicht alle So­lis­ten mit dem un­ge­wohn­ten Play­back­sin­gen zu­recht ka­men, ist aber ein Mus­ter­bei­spiel da­für, dass man eine Opern­hand­lung, gute Sän­ger­dar­stel­ler vor­aus­ge­setzt, mit ganz ein­fa­chen Mit­teln span­nend er­zäh­len kann. Und so­gar ganz ohne die üb­li­chen Opern­ges­ten und -po­sen! (TV-Re­gie: Joa­chim Hess).

Ta­ges­tipp für 24. April: Auch wenn der spe­zi­fi­sche Zau­ber der kunst­vol­len In­sze­nie­run­gen Achim Frey­ers sich in ei­ner Auf­zeich­nung zwangs­läu­fig nur ein­ge­schränkt zeigt, sei noch­mals auf sei­nen „Par­si­fal“ in Ham­burg ver­wie­sen.  Le­sens­wer­te Ge­dan­ken zur ak­tu­el­len Lage für alle Thea­ter- und Kon­zert­häu­ser hat die Wie­ner Zei­tung in ei­nem In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser, dem In­ten­dan­ten der Salz­bur­ger Fest­spie­le, zu Pa­pier ge­bracht. Be­son­derns schön re­agiert er un­ter an­de­rem auf die Fra­ge, ob er die di­gi­ta­len Er­satz­an­ge­bo­te sinn­voll fin­det und de­fi­niert ech­te Auf­füh­run­gen als „ver­gleichs­lo­se Kost­bar­keit“. Noch ein Satz zu dem schon mehr­fach emp­foh­le­nen Schau­spiel-Stream Böhm aus Graz (bis 2. Mai 18 Uhr): Wem der Di­ri­gent Fritz Busch, der in dem un­be­dingt se­hens­wer­ten Stück eben­falls vor­kommt, nicht so viel sagt, kann die Bil­dungs­lü­cke mit ei­nem 2013 er­schie­ne­nen Buch füllen.

Ta­ges­tipp für 23. April: Heu­te viel­leicht noch­mal die Baye­ri­sche Staats­oper, denn Sir Pe­ter Jo­nas, un­ver­ges­se­ner In­ten­dant von 1993 bis 2006, ist ges­tern Abend sei­nem lang­jäh­ri­gen Krebs­lei­den er­le­gen: Zu­min­dest Ken­nern des Werks kann man„Die Frau ohne Schat­ten“ fast un­ein­ge­schränkt emp­feh­len (noch bis 25. April, al­ler­dings nur mit fran­zö­si­schen Un­ter­ti­teln). Aus­nahms­wei­se sei heu­te noch­mals auf ei­nen Schau­spiel-Stream hin­ge­wie­sen, der Opern- und Wag­ner­freun­de in­ter­es­sie­ren muss: Böhm heißt das au­ßer­ge­wöhn­li­che Stück von Pau­lus Hoch­gat­te­rer über den Di­ri­gen­ten Karl Böhm (und des­sen Ver­wick­lun­gen mit dem NS-Re­gime), das in der Re­gie und mit dem Pup­pen­spie­ler Ni­ko­laus Hab­jan 2018 am Schau­spiel­haus Graz ur­auf­ge­führt und auch bei den Bre­gen­zer Fest­spie­len von Pu­bli­kum und Kri­ti­kern ein­hel­lig be­ju­belt wur­de (bis 2. Mai 18 Uhr). Mein Dank gilt Dag­mar Behr für die­sen Tipp!

Ta­ges­tipp für 21. April: Wel­chen be­son­de­ren Reiz Opern­auf­zeich­nun­gen aus der fin­ni­schen Na­tio­nal­oper ha­ben, konn­te ich ges­tern mit Chris­tof Loys klas­si­scher und erst­klas­si­ger „Tosca“-Inszenierung aus­pro­bie­ren: Es lohnt sich, die fin­ni­schen Un­ter­ti­tel mit­lau­fen zu las­sen. Hat aber noch Zeit, die „Elek­tra“ aus der Met dürf­te heu­te für vie­le Vor­rang haben. 

Ta­ges­tipp für 20. April: Knapp zu spät, aber den­noch eine schö­ne Hom­mage: Zum 80. Ge­burts­tag von Anja Sil­ja streamt die Staats­oper Ham­burg bis 4. Mai ihre his­to­ri­sche „Fidelio“-Studio-Produktion aus dem Jahr 1968 mit Anja Sil­ja als Leo­no­re. Mit den ak­tu­el­len Nöte von Büh­nen­künst­lern be­fasst sich der of­fe­ne Briefvon Mat­thi­as Go­e­r­ne und wei­te­ren pro­mi­nen­ten Un­ter­zeich­nern wie René Pape und Chris­ti­an Thie­le­mann aus der Ta­ges­zei­tung Die Welt, dem un­ter an­de­rem zu ent­neh­men ist, dass zu den nur sechs  Thea­tern, die sich frei­be­ruf­li­chen Künst­lern ge­gen­über so­li­da­risch ge­zeigt ha­ben, das Thea­ter Hof und das Lan­des­thea­ter Nie­der­bay­ern zählen.

Ta­ges­tipp für 19. April: Ein­fach schnell 3sat ein­schal­ten, dann hat der Sonn­tag schon am Mor­gen sein Highlight!

Ta­ges­tipp für 18. April: Da das at­trak­ti­ve An­ge­bot aus Brüs­sel mit ei­ner Aus­nah­me  vor­erst nur bis 19. April ge­ge­ben ist, darf es den Vor­rang vor den noch at­trak­ti­ve­ren Streams aus Aix en Pro­vence ha­ben. Und für alle Bay­reuth-Sehn­süch­ti­gen hier ein kur­zes Ein­tau­chen in die Vergangenheit.

Ta­ges­tipp für 17. April: Zwei mal zeit­ge­nös­si­sche Oper aus Ber­lin: „Oe­di­pus“ von Wolf­gang Rihm aus der Deut­schen Oper Ber­lin und „Vio­let­ter Schnee“ von Beat Fur­rer aus der Staats­oper Un­ter den Lin­den. Und für alle die kurz und pfif­fig den Früh­ling ge­nie­ßen wol­len, hier noch eine wun­der­ba­re Mo­zart-Ad­ap­ti­on, auf die eine Wag­ner­freun­din aus der Süd­pfalz auf­merk­sam ge­macht hat.

Ta­ges­tipp für 16. April: Schwie­ri­ge Ent­schei­dung heu­te, denn die „Ron­di­ne“ aus der Met kon­kur­riert gleich mit zwei „Rosenkavalier“-Inszenierungen aus ös­ter­rei­chi­scher Re­gie­hand: von der Wie­ner Staats­oper die alte Schenk-Pro­duk­ti­on mit Re­née Fle­ming als Mar­schal­lin und aus der Ber­li­ner Staats­oper die neue von An­dré Hel­ler mit ei­nem um­wer­fen­den Gün­ther Groissböck als Ochs und ei­ner fast eben­sol­chen Ca­mil­la Ny­lund als Mar­schal­lin, die man gut und ger­ne öf­ter an­schau­en kann. Klei­ner Nach­satz zum „Fi­de­lio“ aus dem Thea­ter an der Wien, der auf arte bis 2. Mai ge­streamt wird: Die ös­ter­rei­chi­sche Hand be­währt sich da nur am Di­ri­gen­ten­pult mit Man­fred Hon­eck. Bei der In­sze­nie­rung von Chr­isoph Waltz weiß man nicht so recht, was er uns sa­gen will. Sei­ne Re­gie wirkt fast so be­lie­big wie das nur auf den ers­ten Blick ein­dru­cken­de Trep­pen­sze­na­ri­um des haupt­be­ruf­li­chen Ar­chi­tek­ten Bar­kow Leib­in­ger – ein Raum, in dem man ver­mut­lich al­les spie­len kann, sich aber dann auch jede Men­ge ein­fal­len las­sen müss­te, da­mit das Pu­bli­kum nicht einschläft.

Ta­ges­tipp für 15. April: Um zu ver­ste­hen, was war­um ak­tu­ell in den Opern­häu­sern pas­siert und was nicht, lohnt es sich, das In­ter­view mit In­ten­dant Bernd Lo­e­bevon Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zu le­sen. Heu­te Abend kei­ne Oper, son­dern der ARD-Film „Die Ge­trie­be­nen“ über die Flücht­lings­kri­se 2015. Der Re­gis­seur heißt nicht um­sonst Ste­phan Wag­ner, denn er hat so­gar ei­nen Fest­spiel­be­such der Kanz­le­rin in Bay­reuth mit ein­ge­baut. Bei al­len, die mei­nem Tipp vom 11. April ge­folgt sind und sich den „Par­si­fal“ aus Pa­ler­mo an­ge­schaut ha­ben, muss ich fle­hent­lich um Nach­sicht bit­ten: Ich kann­te die Neu­pro­duk­ti­on (Pre­mie­re am 26. Ja­nu­ar 2020) noch nicht, sonst hät­te ich eher eine drin­gen­de War­nung vor die­ser Hack­schnit­zel­press­span-Ver­si­on ab­ge­ge­ben. Sieht man vom span­nen­den Di­ri­gat Omer Meir Wel­bers (mit drei Stun­den 44 Mi­nu­ten Ge­samt­dau­er ist er fast so schnell wie Pierre Bou­lez in Bay­reuth) und von John Re­lyea als Gur­nemanz ab, er­lebt man nicht we­ni­ge So­lis­ten, die de­fi­ni­tiv nicht pro­fes­sio­nell sin­gen soll­ten, und eine möch­ter­gern­kri­ti­sche In­sze­nie­rung von Gra­ham Vick, die es schafft, den sehr ab­we­gi­gen letz­ten Bay­reu­ther „Par­si­fal“ noch zu top­pen. Wer jetzt im­mer noch Lust hat auf Män­ner in her­un­ter­ge­las­se­nen Ho­sen: auf arte je­der­zeit bis 9. Juli.

Ta­ges­tipp für 14. April: Sel­ten ge­spiel­te Opern ha­ben jetzt mehr Chan­cen als sonst: Pro­kof­jews „Der Spie­ler“ aus der Staats­oper un­ter den Lin­den bei­spiels­wei­se. Wer noch mit dem „Par­si­fal“ der Os­ter­fest­spie­le lieb­äu­gelt, dem sei als Vor­war­nung ein Link zu mei­ner Kri­tik der TV-Über­tra­gung aus dem Pre­mie­ren­jahr 2013 gegeben.

Ta­ges­tipp für 13. April: Heu­te ist das Abend­essen deut­lich frü­her dran, was ja ge­sund sein soll, denn aus­nahms­wei­se wird nicht ge­streamt, son­dern TV ge­glotzt: Auf ONE um 18.10 Uhr der hoch­ka­rä­tig be­setz­te Spiel­film „Ma­ckie Mes­ser – Brechts Drei­gro­schen­film“ (vor­ab gibt es um 17.40 Uhr schon eine  Do­ku­men­ta­ti­on dazu). Und um 20.15 Uhr um­schal­ten auf arte zur „Fidelio“-Inszenierung von mei­nem Lieb­lings­schur­ken Chris­toph Waltz. Wer bei den „Parsifal“-Streams die Über­sicht ver­liert, soll­te sich zu­min­dest nicht grä­men, dass die Münch­ner Pro­duk­ti­on für ab­seh­ba­re Zeit nur noch heu­te kos­ten­los zu ha­ben ist. Denn wie beim gest­ri­gen „Tann­häu­ser“ gilt: Der mu­si­ka­li­sche Hoch­glanz – wo­für Ki­rill Pe­tren­ko und groß­ar­ti­ge So­lis­ten ste­hen – ist nur die hal­be Mie­te. Die vor al­lem we­gen Aus­stat­ter Ge­org Ba­s­elitzt ge­hyp­te In­sze­nie­rung von Pierre Audi ist ein be­dau­er­li­cher Rein­fall. Das Büh­nen­bild ist nichts an­de­res als auf­ge­bläh­te Flach­wa­re, die Blu­men­mäd­chen schaf­fen es (wie Castel­luc­cis Ve­nus­berg­sze­ne) spie­lend in die ewi­ge Bes­ten­lis­te der ab­träg­lichs­ten, ab­sur­des­ten und scheuß­lichs­ten Kos­tü­me je. Ach, Kunscht!

Ta­ges­tipp für 12. April: Heu­te nur noch bis 15 Uhr ein Blick ins Opern­mu­se­um mit dem le­gen­dä­ren „Don Gio­van­ni“ zur Er­öff­nung der Deut­schen Oper Ber­lin 1961 und abends „Fal­staff“ aus Ham­burg, eine Auf­füh­rung, die in un­se­rer Rei­se­grup­pe am 8. Fe­bru­ar gute Lau­ne ver­brei­te­te, ob­wohl Sturm Sa­bi­ne uns für den nächs­ten Mor­gen die vor­zei­ti­ge Ab­rei­se auf­er­legt hat­te. Ja, der „Tann­häu­ser“ aus Mün­chen auf AR­Dαl­pha ist mu­si­ka­lisch ein­fach groß­ar­tig und lohnt des­halb in je­dem Fall, aber man muss et­was üb­rig ha­ben für den bild­ne­ri­schen Castel­luc­ci-Kitsch, der meis­tens nur so tut, als wäre was da­hin­ter. Äs­the­ti­sche, sehr un­äs­the­ti­sche und ver­rät­seln­de Bil­der al­lein ma­chen lei­der noch lan­ge kei­ne gute Wag­ner-In­sze­nie­rung. Dank Ha­gen aus dem Fest­spie­le-Fo­rum hier noch ein Link mit Über­le­gun­gen zum „Er­wei­ter­ten Ha­sen­be­griff“ und Ma­te­ri­al zu Chris­toph Schlin­gen­siefs Bay­reu­ther „Parsifal“-Inszenierung.

Ta­ges­tipp für 11. April: „Par­si­fal“ aus Ham­burg, aus Ant­wer­pen (auf OperaVi­si­on) oder aus Pa­ler­mo (in der arte-Mediathek)