Corona-Woche 5 bis 28: Tagestipps und Links

Die Lis­te mit kos­ten­lo­sen Opern­streams, die ich be­gon­nen hat­te, um sel­ber den Über­blick zu be­kom­men, stell­te ich erst­mals am 7. April 2020 in mei­nen Blog ein. Die Ta­ges­tipps und Links zur ak­tu­el­len Lage ka­men ab 11. April, also in der fünf­ten Co­ro­na-Wo­che hin­zu, die in mei­ner Zäh­lung am 14. März be­gon­nen hat, denn ab die­sem Tag wa­ren Opern­auf­füh­run­gen nicht mehr er­laubt. Tags zu­vor konn­te ich noch die Ge­ne­ral­pro­be der „Wal­kü­re“ in Lands­hut er­le­ben, eine Pro­duk­ti­on, de­ren Pre­mie­re hof­fent­lich in der nächs­ten Spiel­zeit statt­fin­den kann. Die ta­ges­ak­tu­el­le Strea­ming­lis­te mit Tipps und Links ist nach wie vor auf der Start­sei­te links oben zu fin­den, hier die äl­te­ren Ein­trä­ge, de­ren Links zu­min­dest zum Teil lei­der nur zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung ver­läss­lich funk­tio­nier­ten.

Tipps und Links vom 28. und 29. Sep­tem­ber: Wer’s bis­her nicht ge­schafft hat, muss sich spu­ten. „Bo­ris Go­dunow“ als Vi­deo on De­mand von der  Oper Zü­rich ist nur noch am 28. Sep­tem­ber bis 24 Uhr kos­ten­los ver­füg­bar – eine un­glaub­li­che Auf­füh­rung (In­sze­nie­rung: Bar­rie Kos­ky), un­be­dingt zu emp­feh­len! „Die Wal­kü­re“ an der Deut­schen Oper Ber­lin in der Re­gie von Ste­fan Her­heim hin­ge­gen scheint zu­min­dest sze­nisch nicht zu über­zeu­gen. Hier der Ta­ges­the­men-Kurz­be­richt so­wie die ers­ten Kri­ti­ken von Pe­ter Jung­blut auf BR24 und Ma­ria Os­sow­ski auf rbb24 so­wie der Aspek­te-Bei­trag über Lise Da­vid­sen. Bleibt lei­der noch der min­des­tens 79-jäh­ri­ge Alt­star Plá­ci­do Dom­in­go, der ein­fach nicht auf­hö­ren kann und sich des­halb mit neu­er­li­chen In­ter­view­äu­ße­run­gen rein­wa­schen will. War­um, fra­ge ich mich, ist er dann von sei­nem Chef­pos­ten in Los An­ge­les zu­rück­ge­tre­ten und woll­te der die Über­grif­fe un­ter­su­chen­den Mu­si­ker­ge­werk­schaft AGMA eine hal­be Mil­li­on Dol­lar spen­den – für ein Still­hal­te­ab­kom­men, das dann auf­ge­flo­gen ist? Dazu zur Er­in­ne­rung ein schon äl­te­rer, aber im­mer noch gül­ti­ger Kom­men­tar von Mal­te Hem­me­rich auf ni​u​sic​.de. Die lang­fris­tig ge­schlos­se­ne New Yor­ker Met streamt ak­tu­ell kos­ten­los eine Mo­zart-Wo­che (sie­he in der Lis­te wei­ter un­ten), und da­nach fol­gen sie­ben Tage mit Wag­ner-Pro­duk­tio­nen …

Tipps und Links vom 26. und 27. Sep­tem­ber: Der streit­ba­re In­ten­dant Uwe-Eric Lau­fen­berg sorgt schon wie­der für Schlag­zei­len: Das Hes­si­sche Staats­thea­ter Wies­ba­den muss­te ges­tern sei­nen Spiel­be­trieb ein­stel­len, die Hes­sen­schau be­leuch­tet den Streit um das Hy­gie­nekon­zept et­was aus­führ­li­cher. Man darf ge­spannt sein, wie das wei­ter geht. Für BR Klas­sik hat Ju­lia Schöl­zel die de­si­gnier­te „Holländer“-Dirigentin Oksa­na Ly­niv in­ter­viewt, die tat­säch­lich die ers­te weib­li­che Di­ri­gen­tin ei­ner Bay­reu­ther Fest­spiel­pro­duk­ti­on ist und sich aus­führ­lich zu die­ser Mis­si­on äu­ßert. Das Pi­lot­pro­jekt an der Baye­ri­schen Staats­oper hat, wie die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet, nur po­si­ti­ve Er­geb­nis­se er­bracht. Wol­len wir hof­fen, dass das auch die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung so sieht. Auf die SZ-Kri­ti­ken von Eg­bert Tholl zum Zü­ri­cher „Bo­ris Go­dunow“ und spe­zi­ell über Mi­cha­el Vol­le in der Ti­tel­rol­le ver­wei­se ich des­halb ger­ne, weil die Pro­duk­ti­on ab Sams­tag Abend um 18 Uhr (mit Vor­pro­gramm) auf der Home­page der Oper Zü­rich als kos­ten­lo­ser Live­stream zu er­le­ben ist und da­nach noch für 48 Stun­den als Vi­deo on De­mand kos­ten­los zur Ver­fü­gung steht. Soll­te man nicht ver­pas­sen!Tipps und Links vom 24. und 25. Sep­tem­ber: Schon wie­der eine Schre­ckens­mel­dung: Die New Yor­ker Met bleibt, wie In­ten­dant Pe­ter Gelb mit­teilt, bis zur nächs­ten Sai­son, das heißt bis Sep­tem­ber 2021 ge­schlos­sen. Das ist, wie in der New York Times zu le­sen steht, „ein er­schre­cken­des Si­gnal für die Kul­tur“. Da blei­ben so­gar in Wien die Kro­ko­dils­trä­nen aus, die manche/​r nor­ma­ler­wei­se über die Ab­sa­ge des Wie­ner Opern­balls ver­gos­sen hät­te. Da­mit nie­mand trost­los in die nächs­ten Tage ge­hen muss, sei schnell noch auf die No­mi­nie­run­gen zum Faust-Preis des Deut­schen Büh­nen­ver­eins ver­wie­sen. Un­ter den No­mi­nier­ten sind Se­bas­ti­an Ell­rich für sein „Lohengrin“-Bühnenbild am Thea­ter Chem­nitz, Jo­chen Big­an­zo­li  für sei­ne „Tristan“-Inszenierung am Thea­ter Ha­gen und Lise Da­vid­sen, die im letz­ten Fest­spiel­som­mer als „Tannhäuser“-Elisabeth bril­lier­te und in der „Walküre“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim an der Deut­schen Oper Ber­lin ab 27. Sep­tem­ber als Sieg­lin­de zu er­le­ben ist. Und nicht ver­ges­sen: Am Frei­tag be­ginnt das kos­ten­lo­se Strea­ming-Wo­chen­en­de der Oper Zü­rich (De­tails sie­he wei­ter un­ten)!Tipps und Links vom 23. Sep­tem­ber: Die po­si­ti­ve Nach­richt ist doch, dass in Zü­rich die Oper, so wie wir sie ken­nen, of­fen­bar doch nicht zu Gra­be ge­tra­gen wird, ob­wohl bei Mo­dest Mus­sorgskis  „Bo­ris Go­dunow“ Chor und Or­ches­ter nicht im sel­ben Raum, son­dern ei­nen Ki­lo­me­ter ent­fernt agie­ren: Hier Links zu den Kri­ti­ken von Bernd Künzig auf BR Klas­sik und im Ge­spräch mit der SWR2-Re­dak­ti­on, Kers­tin Holm in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung und Jo­seph Auch­ter auf se­nior­web. Zu­sätz­lich zu emp­feh­len ist das kur­ze Vi­deo „Sound-Über­tra­gung von ne­ben­an“ mit Ton­meis­ter Oleg Sur­gutschow auf der Home­page der Oper Zü­rich. Und nicht zu ver­ges­sen: Am Frei­tag star­tet das kos­ten­lo­se Strea­ming-Wo­chen­en­de aus dem Opern­haus Zü­rich mit fol­gen­dem Pro­gramm: am 25. Sep­tem­ber Pre­mie­re von Em­me­rich Kál­máns Ope­ret­te Die Csár­dás­fürs­tin (In­sze­nie­rung: Jan Phil­ipp Glo­ger, mit An­net­te Dasch und Pa­vol Bres­lik); am 26. Sep­tem­ber Live-Über­tra­gung der gross­for­ma­ti­gen Neu­pro­duk­ti­on Bo­ris Go­dunow von Mo­dest Mus­sorg­ski (In­sze­nie­rung: Bar­rie Kos­ky, mit Mi­cha­el Vol­le in der Ti­tel­rol­le); am 27. Sep­tem­ber Wie­der­auf­nah­me der Er­folgs­pro­duk­ti­on Ma­ria Stuar­da von Ga­eta­no Do­ni­zet­ti (mit Dia­na Damrau).

Tipps und Links vom 22. Sep­tem­ber: Schre­ckens­mel­dun­gen aus al­ler  Welt: In Ma­drid er­zwin­gen zu eng be­ein­an­der sit­zen­de Zu­schau­er in den Rän­gen des Tea­tro Real den Ab­bruch ei­ner Vor­stel­lung von Ver­dis „Mas­ken­balls“, wie die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung be­rich­tet, in Zü­rich hört Kri­ti­ker Chris­ti­an Ber­zins vom St. Gal­ler Tag­blatt bei der Neu­pro­duk­ti­on von „Bo­ris Go­dunow“ mit der Live­über­tra­gung von Chor­ge­sang und Or­ches­ter­mu­sik schon die To­ten­glo­cken für die Oper läu­ten, und die New York Times hat auf­ge­deckt, dass die Met, um den Ver­trag mit Ja­mes Le­vi­ne nach in­ter­nen Me­Too-Un­ter­su­chun­gen auf­zu­lö­sen, eine Ab­fin­dung in Höhe von 3,5 Mil­lio­nen Dol­lar be­zah­len muss­te, da sei­nem vor lan­ger Zeit ab­ge­schlos­se­nen Ver­trag die heu­te üb­li­che „mo­ra­li­sche Klau­sel“ und da­mit die recht­li­che Grund­la­ge für die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses fehl­te. Al­len, die im­mer noch dazu nei­gen, se­xis­ti­sche Über­grif­fe von be­rühm­ten Künst­lern als Ka­va­liers­de­lik­te auf­zu­fas­sen, sei die Lek­tü­re ei­nes Bei­trags von Ma­ren Kroy­mann und Lie­se­lot­te Stein­brüg­ge aus der Süd­deut­schen Zei­tung zum Fall Matz­neff na­he­ge­legt. Ge­nug für heu­te!

Tipps und Links vom 21. Sep­tem­ber: Heu­te ste­hen Ge­ne­sung und Rück­kehr der Fest­spiel­lei­te­rin an ih­ren Ar­beits­platz im Fo­kus. Ma­nu­el Brug hat Ka­tha­ri­na Wag­ner und Heinz-Die­ter Sen­se für „Die Welt“ (mit Be­zahl­schran­ke) aus­führ­lich in­ter­viewt, der Nord­baye­ri­sche Ku­rier lie­fert die längs­te Kurz­fas­sung da­von. In künst­le­ri­scher Hin­sicht re­le­vant sind da­bei zwei Na­mens­nen­nun­gen: Die Haupt­ver­ant­wort­li­chen der „Holländer“-Neuinszenierung 2021 sind Di­ri­gen­tin Oksa­na Ly­niv (als ers­te Frau im Bay­reu­ther Or­ches­ter­gra­ben) und Re­gis­seur Dmi­tri Tcher­nia­kov; In­ter­view­er Brug kün­digt – noch un­be­stä­tigt – zu­dem As­mik Gri­go­ri­an als Sen­ta an. Un­ab­hän­gig da­von hat Pe­ter Ueh­ling in der Ber­li­ner Zei­tung ein ziem­lich kri­ti­sches Auge auf Bay­reuth ge­wor­fen. Für Puc­ci­ni-Fans bie­tet die New Yor­ker Met eine ab­wechs­lungs­rei­che Strea­ming-Wo­che (sie­he wei­ter un­ten), ei­nen schö­nen Er­satz-Wiesn-Auf­takt fünf Blä­sern des Baye­ri­schen Staats­or­ches­ters mit der Höl­len­fahrt­pol­ka. Und die pfif­figs­te Über­schrift ist ein­deu­tig Axel Brüg­ge­mann in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar bei Cre­scen­do ge­lun­gen.Tipps und Links vom 18., 19. und 20. Sep­tem­ber: Netreb­ko-Co­vid-19-Mel­dun­gen ha­ben Kon­junk­tur. Die größ­te Über­ra­schung kommt al­ler­dings nicht aus Russ­land, son­dern aus Leip­zig: Opern­in­ten­dant Ulf Schir­mer hat be­kannt ge­ge­ben, dass er an­stel­le der Über­nah­me der we­gen Co­ro­na in Bar­ce­lo­na noch nicht auf­ge­führ­ten „Lohengrin“-Inszenierung von Ka­tha­ri­na Wag­ner jetzt ei­nen „krea­tiv ver­kürz­ten“ Rumpf-„Lohengrin“ ohne die Wag­ner-Ur­en­ke­lin plant. Wäh­rend in Ber­lin, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, in den Sä­len schon et­was mehr geht und bei der un­ge­kürz­ten „Walküre“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim ab 27. Sep­tem­ber jetzt statt 450 im­mer­hin 770 Zu­schau­er im Schach­brett­mus­ter plat­ziert wer­den dür­fen, hat in Bay­ern laut Münch­ner Abend­zei­tung auch der Eil­an­trag von Mün­chen­mu­sik-Chef An­dre­as Schessl nichts ge­fruch­tet. Zum gu­ten Schluss ein TV- und ein Ein­kaufs-Tipp: Heu­te, am 18. Sep­tem­ber, wird in Wien bei an­ge­kün­digt bes­tem Wet­ter im Schön­brun­ner Schloss­park das tra­di­tio­nel­le „Som­mer­nachts­kon­zert“ der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker vor 1250 ge­la­de­nen Gäs­ten nach­ge­holt. Di­ri­gent ist Va­le­ry Ger­giev, es singt Jo­nas Kauf­mann. Zeit­ver­setz­te Live-Über­tra­gun­gen bie­ten ORF 2 um 20.15 Uhr und 3sat um 21.55 Uhr. Und wer noch eine au­ßer­ge­wöhn­li­che Mas­ke mit er­wei­ter­tem Hör­ge­nuss sucht: Iván Fi­scher vom Bu­da­pest Fes­ti­val Or­ches­tra bie­tet sie an. Man sieht dann üb­ri­gens aus wie ein krea­tiv ver­kürz­ter Rumpf-Lo­hen­grin …Tipps und Links vom 17. Sep­tem­ber: Die Rück­kehr Ka­tha­ri­na Wag­ners an ih­ren Ar­beits­platz nach lan­ger schwe­rer Er­kran­kung ist im­mer noch The­ma in al­len Me­di­en. Hier die dpa-Mel­dung von Brit­ta Schul­te­jans und ein ein Vi­deo aus der Me­dia­thek des Baye­ri­schen Rund­funks. Und wäh­rend das RKI Wien als Ri­si­ko­ge­biet ein­ge­stuft hat, lobt Re­gis­seur Chris­tof Loy auf Heu​te​.at im Vor­feld sei­ner heu­ti­gen Pre­mie­re mit der Ve­ris­mo-Oper „Zazà“ von Rug­ge­ro Le­on­ca­val­lo am Thea­ter an der Wien die ös­ter­rei­chi­sche Kul­tur­po­li­tik – aus ganz thea­ter­prak­ti­schen Grün­den. Was er meint, lässt sich un­ter an­de­rem an der jüngs­ten Kri­tik von Jan Brach­mann aus der F.A.Z. ab­le­sen. Es kann an der Frank­fur­ter Oper aber auch an­ders ge­hen, wie die Frank­fur­ter Rund­schau vor­be­rich­tet … Dazu schnell noch eine pro­mi­nen­te Co­ro­na-Er­kran­kung: Anna Netreb­ko!Tipps und Links vom 16. Sep­tem­ber: In der Pas­sau­er Neu­en Pres­se hat Re­dak­teu­rin Re­gi­na Ehm-Klier, die un­ter an­de­rem stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Fest­spiel­för­der­ver­eins Taff ist, heu­te ei­nen Ar­ti­kel ver­öf­fent­licht, in dem Ka­tha­ri­na Wag­ner erst­mals Aus­sa­gen zu ih­rer Er­kran­kung macht und be­stä­tigt, dass sie sechs Wo­chen lang im Koma ge­le­gen habe. Die Fest­spiel­lei­te­rin ist nach meh­re­ren Ope­ra­tio­nen – dar­un­ter die Ent­fer­nung von Lun­gen­throm­bo­sen – und Re­ha­maß­nah­men in ver­schie­de­nen Kli­ni­ken nach ei­ge­nen An­ga­ben wie­der „voll­stän­dig ge­ne­sen“ und neh­me un­ter stren­gen Co­ro­na-Re­ge­lun­gen am Mon­tag ihre Ar­beit wie­der auf.Tipps und Links vom 15. Sep­tem­ber: Lang­sam be­gin­nen die Ak­ti­vi­tä­ten an den Opern­häu­sern, mit spür­ba­ren Un­ter­schie­den: an der Ber­li­ner Staats­oper, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, wur­de die Sai­son mit ei­ner Wie­der­auf­nah­me der Neu­en­fels-In­sze­nie­rung von „Ari­ad­ne auf Na­xos“ von Ri­chard Strauss ge­star­tet, am Thea­ter Mag­de­burg mit ei­ner Neu­in­sze­nie­rung von Mo­zarts „La cle­men­za di Tito“ durch Diet­rich Hils­dorf und „sei­nem Re­gie­as­sis­ten­ten-Neu­trum na­mens Co­ro­na“, wie Joa­chim Lan­ge in der Neu­en Mu­sik-Zei­tung schreibt. Dazu noch zwei Mel­dun­gen aus zwei Wie­ner Thea­tern, die be­stimmt kei­ner will: Die Kro­nen­zei­tung und der ORF schla­gen Co­ro­na-Alarm.

Tipps und Links vom 14. Sep­tem­ber: Ne­ben der nun auch in Beers Blog ver­brei­te­ten Wag­ne­ria­ner-Top-Nach­richt „Die Che­fin kommt zu­rück!“ steht für mich heu­te ein­deu­tig ein Ar­ti­kel aus dem Ta­ges­spie­gel im Fo­kus: Das In­ter­view von Fre­de­rick Hans­sen mit der Akus­ti­ke­rin Bri­git­te Gra­ner öff­net ei­nem nicht nur die Au­gen für die ak­tu­el­len Hör­erfah­run­gen in mi­ni­mal be­setz­ten Sä­len. Die Fra­ge „Ste­hen Künst­ler­agen­tu­ren welt­weit vor dem Aus?“ stellt An­to­nia Mo­rin auf BR Klas­sik, wäh­rend Ba­ri­ton Mat­thi­as Gör­ne in der Welt, bzw. der „Welt am Sonn­tag“ für die Kul­tur ge­ne­rell schwarz sieht. Ach, Co­ro­na.

Tipps und Links vom 12. und 13. Sep­tem­ber: Die Top-Nach­richt kommt aus Groß­bri­tan­ni­en, die Nor­man Leb­recht schon am Don­ners­tag auf Slip­ped­Disc ex­klu­siv ver­mel­de­te. Zwar stimmt sein Ti­tel „Ka­tha­ri­na Wag­ner is back at work“ nicht ganz, weil die Bay­reu­ther Fest­spie­le sich tra­di­tio­nell von 1. bis 20. Sep­tem­ber in Be­triebs­ur­laub be­fin­den. Aber an­sons­ten ist die Mel­dung kor­rekt, wie mei­ne ent­spre­chen­de Rück­fra­ge in Bay­reuth – eben­falls ganz of­fi­zi­ell – er­ge­ben hat. Wir freu­en uns mit, dass die Fest­spiel­lei­te­rin von ih­rer lan­gen schwe­ren Er­kran­kung end­lich ge­ne­sen ist. Und um in der Fa­mi­lie zu blei­ben: Auch Nike Wag­ner ist an ih­ren Ar­beits­platz zu­rück­ge­kehrt: „Ja, auch das Beet­ho­ven­fest fei­ert 2021 eine Auf­er­ste­hung nach den de­pres­si­ven Mo­na­ten von Co­ro­na!“, sag­te sie bei der Vor­stel­lung des Pro­gramm-Up­dates, wie die Deut­sche Wel­le be­rich­tet. Zwei Wag­ne­rin­nen an ei­nem Wo­chen­en­de, das muss ei­gent­lich rei­chen, oder?

Tipps und Links vom 10. und 11. Sep­tem­ber: Von Nor­ma­li­tät kann na­tür­lich noch kei­ne Rede sein, aber all­mäh­lich kommt das Thea­ter-, Kon­zert- und Opern­le­ben wie­der in die Gän­ge, was be­deu­tet, dass auch die­ser Ser­vice peu à peu her­un­ter­ge­schraubt wer­den kann. In Mün­chen ist das Na­tio­nal­thea­ter nun nicht mehr al­lein pri­vi­le­giert, 500 an­stel­le von nur 200 Zu­schau­ern rein­las­sen zu dür­fen. Auch im Gas­teig läuft jetzt ein Pi­lot­pro­jekt, wie BR Klas­sik be­rich­tet. Hof­fent­lich klappt das bald auch in der Bam­ber­ger Kon­zert­hal­le, denn der ak­tu­el­le Ver­such, die je­weils 200 Kar­ten für vier Abokon­zer­te im Sep­tem­ber an jene Sym­pho­ni­ker-Abon­nen­ten zu ver­ge­ben, die te­le­fo­nisch an der ewig be­leg­ten Num­mer vom BVD-Kar­ten­ser­vice durch­ge­kom­men sind, ist für alle an­de­ren Mu­sik­freun­de, die es im­mer noch und im­mer wie­der ver­su­chen, weil es kei­ne ent­spre­chen­de An­sa­ge gibt, nur frus­trie­rend. Üb­ri­gens wird es an der Deut­schen Oper Ber­lin, wenn Co­ro­na nicht noch da­zwi­schen funkt, am 27. Sep­tem­ber mit der „Wal­kü­re“ die ers­te ge­nui­ne Wag­ner-Pre­mie­re im Saal ge­ben, mit ei­ner groß­ar­ti­gen So­lis­ten­rie­ge. Drü­cken wir alle die Dau­men! Und nicht ver­ges­sen: Am Frei­tag, 11. Sep­tem­ber um 18 Uhr, bie­tet BR Klas­sik Con­cert den kos­ten­lo­sen Live­stream der kon­zer­tan­ten Oper „Gis­mondo“ von Leo­nar­do Vin­ci aus dem Mark­gräf­li­chen Opern­haus mit Max Ema­nu­el Cen­cić und sei­ner Sän­ger- und Mu­si­ker­rie­ge. Ak­tu­el­ler Nach­trag: Die Wie­ner Staats­oper bie­tet eben­falls kos­ten­lo­se – und vor­erst auch in­ter­na­tio­nal – Live­streams an, für die man sich re­gis­trie­ren muss: Das Pro­gramm star­tet Frei­tag, 11. Sep­tem­ber um 20 Uhr mit „Elek­tra“ in der In­sze­nie­rung von Har­ry Kup­fer.

Tipps und Links vom 9. Sep­tem­ber: Nach­dem die der­zei­ti­gen Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH und de­ren Pres­se­spre­cher be­reits  das Pro­gramm der Fest­spie­le 2021 um­ris­sen ha­ben, hat laut der Deut­schen Pres­se-Agen­tur jetzt auch Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der Ge­org von Wal­den­fels nach­ge­legt bzw. of­fi­zi­ell be­stä­tigt. We­nigs­tens hat er die Na­men der künst­le­risch Ver­ant­wort­li­chen für die „Holländer“-Neuinszenierung noch au­ßen vor ge­las­sen, denn schließ­lich soll auch Fest­spiel­lei­te­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner, wenn sie nach lan­ger Krank­heits­pau­se wie­der an­tritt, noch et­was zu sa­gen ha­ben. Selbst die Ta­ges­schau hat in­zwi­schen die spär­lich be­setz­ten Zu­schau­er­rei­hen in deut­schen Thea­tern ent­deckt: „Lee­re Rän­ge, kur­ze Opern, kei­ne Küs­se“ heißt es in dem NDR-Be­richt, wäh­rend Ul­rich Khuon vom Deut­schen Büh­nen­ver­ein im In­ter­vie mit dem Deutsch­land­funk Kul­tur schon wei­ter nach vor­ne schaut. Hier noch eine Ak­tua­li­sie­rung zu den Über­tra­gun­gen von Bay­reuth Ba­ro­que, die sich fast täg­lich än­dern … Heu­te und mor­gen Abend läuft ab je­weils 20.30 Uhr auf den Face­book­sei­ten von BR-KLAS­SIK, BR Fran­ken so­wie Bay­reuth Ba­ro­que eine Live­über­tra­gung von „Car­lo il cal­vo“, der Vi­deo­stream der hin­rei­ßen­den Auf­füh­rung mit ei­ner so­lis­ti­schen Traum­be­set­zung soll jetzt im No­vem­ber fol­gen.Tipps und Links vom 8. Sep­tem­ber: Noch­mal Abra­mo­vić, weil’s so schön ist: „Die Welt“ hat näm­lich gleich zwei Kri­ti­ken ver­öf­fent­licht, eine von Ma­nu­el Brug im nor­ma­len Kul­tur­teil und eine in der Mode-Ab­tei­lung der „Welt am Sonn­tag“, wo Clark Par­kin das Gan­ze selbst­ver­ständ­lich als gro­ßes Kunst­werk ver­kauft. Drei wei­te­re Ta­ges­zei­tungs­ar­ti­kel bie­ten sich an, um zu be­leuch­ten, wie un­ter­schied­lich sich ak­tu­ell die Hy­gie­neschutz­maß­nah­men zum Bei­spiel in Dort­mund in Kon­zert und Oper so­wie in den Mehr­spar­ten­häu­sern in Graz und in Plau­en aus­neh­men. Wäh­rend man am Vogt­land­thea­ter die Hän­del-Oper „Tamer­la­no“ of­fen­bar noch auf­teilt, um pau­sen­lo­se Auf­füh­run­gen zu ha­ben, ist man in Bay­reuth aus­nahms­wei­se schon wei­ter. Heu­te Abend fin­det im Mark­gräf­li­chen Opern­haus die letz­te Auf­füh­rung von „Car­lo il cal­vo“ statt. Wer kei­ne Kar­ten hat, kann das mit zwei Pau­sen fünf­stün­di­ge Sän­ger­fest zu­min­dest akus­tisch ab 18 Uhr live mit­er­le­ben, auf BR Klas­sik. Eine Vi­deo­auf­zeich­nung soll on­line im Ok­to­ber nach­ge­reicht wer­den.

Tipps und Links vom 7. Sep­tem­ber: Sor­ry, ein wich­ti­ger Ge­burts­tag hat mei­nen Zeit­plan doch et­was durch­ein­an­der ge­bracht. Zu­erst rei­che ich ger­ne ei­nen Satz aus der „Car­lo il cal­vo“-Kri­tik in der Süd­deut­schen Zei­tung nach, weil der Link dazu für die meis­ten vor der Be­zahl­schran­ke en­de­te: „Zwar geht dem bou­le­var­des­ken Kri­mi“, schreibt Eg­bert Tholl, „im Lau­fe der fünf Stun­den ein we­nig die Luft aus, zwar wird man von 100 000 Ko­lo­ra­tu­ren ganz wu­schig im Kopf, aber die Ge­sangs­leis­tun­gen sind atem­be­rau­bend.“ Auch die Ar­ti­kel über das Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und von Mar­co Frei in der NZZ sei­en ger­ne ver­linkt. Was die Bay­reu­ther Fest­spie­le be­trifft, so hat Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann der Bay­reu­ther Sonn­tags­zei­tung und dem Stadt­por­tal In­Bay­reuth ein paar klä­ren­de Aus­künf­te zum Pro­gramm 2021 und der Kar­ten­be­stel­lung ge­ge­ben: „Ge­plant sind“, so wird Herr­mann zi­tiert, „die Neu­in­sze­nie­rung ‚Der flie­gen­de Hol­län­der‘ und die Wie­der­auf­nah­men von ‚Tann­häu­ser‘, ‚Lo­hen­grin‘ und ‚Die Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg‘ so­wie kon­zer­tan­te Auf­füh­run­gen als Er­satz­pro­gramm für ver­scho­be­ne Spiel­ta­ge der ‚Ring des Nibelungen‘-Neuproduktion. Für 2020 ge­kauf­te Kar­ten blei­ben auch 2021 gül­tig, ‚Ring‘-Tickets bis 2022. Das be­währ­te Kar­ten-Be­stell­ver­fah­ren ist auf Mai 2021 ver­scho­ben, al­les an­de­re wäre grob fahr­läs­sig.“ Apro­pos 2022: Da soll (ne­ben der ver­scho­be­nen Neu­in­sze­nie­rung der „Ring“-Tetralogie) un­ter an­de­rem auch „Par­si­fal“ auf dem Pro­gramm ste­hen, mit Pio­tr Be­c­zała in der Ti­tel­rol­le, Anja Har­te­ros und Lu­do­vic Té­zier, wie der Te­nor im In­ter­view mit dem spa­ni­schen Pla­tea Ma­ga­zi­ne an­kün­digt hat. Hof­fent­lich gibt es dann schon den Impf­stoff und wirk­sa­me Co­ro­na-Me­di­ka­men­te. Denn wie Frank­furts In­ten­dant Bernd Lo­e­be im dpa-In­ter­view so schön sagt: „Nie­mand denkt ak­tu­ell an ‚Par­si­fal‘.“

Tipps und Links vom 5. und 6. Sep­tem­ber: Zum Ba­rock­opern­wun­der in Bay­reuth gibt es wei­te­re Kri­ti­ken: Joa­chim Lan­ge ju­belt in der Wie­ner Zei­tung und Eg­bert Tholl legt in der Süd­deut­schen Zei­tung nach. Wie die Baye­ri­sche Staats­oper be­fin­det sich auch die Oper Frank­furt noch im Ein­ak­ter-Mo­dus. Über die ein­ge­kürz­te „Puritani“-Vorstellung zur Sai­son­er­öff­nung be­rich­tet Bern­hard Uske in der Frank­fur­ter Rund­schau. In den ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en dreht sich jetzt fast al­les um die ers­te Sai­son des neu­en Staats­opern­di­rek­tor Bog­dan Roščić und den neu­en Mu­sik­di­rek­tor Phil­ip­pe Jor­dan, der in Wien in sei­ner fünf­ten Spiel­zeit ei­nen neu­en „Ring“ di­ri­gie­ren wird. Ak­tu­ell wird Jor­dan in sei­ner Ab­schieds­sai­son an der Pa­ri­ser Oper zwei kon­zer­tan­te „Ring“-Zyklen di­ri­gie­ren (de­ren sze­ni­sche Rea­li­sa­ti­on un­ter Ca­lix­to Bi­ei­to we­gen Co­ro­na of­fen­bar stor­niert wur­de). Der kon­zer­tan­te „Ring“ fin­det von 23. bis 28. No­vem­ber zur Sai­son­er­öff­nung der Bas­til­le-Oper statt, von 30. No­vem­ber bis 6. De­zem­ber im Au­di­to­ri­um von Ra­dio Fran­ce.
Zum heu­ti­gen Live-Stream ab 18.30 Uhr von „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ ver­wei­se ich ger­ne auf mei­nen zwei­tei­li­gen Pre­mie­ren­be­richt, mit der An­mer­kung, dass die Wir­kung ei­ner sol­chen Pro­duk­ti­on, wenn man sie im Na­tio­nal­thea­ter von ei­nem sehr gu­ten Platz im 3. Rang er­lebt, grund­sätz­lich eine an­de­re ist als bei ei­ner Auf­zeich­nung. Und da­mit kei­ner denkt, ich wol­le mit mei­nem mo­de­ra­ten Ver­riss Recht ha­ben, ver­lin­ke ich ger­ne auch die Ju­bel-Kri­tik von Laszlo Mol­nar in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, der das al­les kom­plett an­ders ge­se­hen hat und über­rei­che ein­mal mehr Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur den Preis für die bes­te Kurz-Über­schrift: In sei­nem „Jes­sas Ma­ri­na“ steckt ei­gent­lich schon al­les drin. Wozu mein Fern­seh­pro­gramm am Sonn­tag fast naht­los passt: ab 16.45 Uhr gu­cke ich Arte, denn dort wird aus dem Mai­län­der Dom zu Eh­ren der Op­fer der Pan­de­mie Ver­dis Re­qui­em un­ter Ric­car­di Chail­ly ge­sen­det.

Tipps und Links vom 4. Sep­tem­ber: Ein fünf­stün­di­ger Ba­rock­opern­abend mit zwei Pau­sen, das ist nicht nur für Freun­de der Ba­rock­mu­sik eine gute Nach­richt! Es geht also – wenn die Be­lüf­tung des Zu­schau­er­raums gut funk­tio­niert, und das ist beim Mark­gräf­li­chen Opern­haus der Fall – auch deut­lich län­ger und ohne ra­bia­te Kür­zun­gen (bei den Aus­gra­bun­gen, die Max Ema­nu­el Cenčić rea­li­siert, weiß al­ler­dings nie­mand so ge­nau, was die­ser au­ßer­ge­wöhn­li­che Sän­ger, Sze­ni­ker und Im­pre­sa­rio von vorn­her­ein streicht). Hier die ers­ten Kri­ti­ken zu „Car­lo il Cal­vo“ von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, von Ro­man Kocholl im Nord­baye­ri­schen Ku­rier und  von Pe­ter Jung­blut für den Baye­ri­schen Rund­funk, der am 8. Sep­tem­ber um 18 Uhr live auf BR Klas­sik eine Auf­zeich­nung von „Karl, dem Kah­len“ sen­det; für Ok­to­ber ist jetzt au­ßer­dem ein Vi­deo-On-De­mand an­ge­kün­digt. Zu den Mit­wir­ken­den die­ser In­sze­nie­rung zäh­len ne­ben Cenčić auch Ju­lia Lezhne­va und Bru­no de Sa, die ich in den letz­ten Jah­ren an glei­cher Stel­le in „Si­roe, Kö­nig von Per­si­en“ so­wie in „Po­li­fe­mo“ schon be­geis­tert er­le­ben durf­te. Noch ein kur­zer Blick nach Ber­lin, wo un­ter an­de­rem die „Walküre“-Premiere Ende Sep­tem­ber, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, noch nicht in tro­cke­nen Tü­chern ist, und nach Wien, wo Staats­opern­be­su­cher laut Ku­rier auf­ge­for­dert wer­den, der Ae­ro­so­le we­gen so­wohl Bra­vo- als auch Buh­ru­fe sein zu las­sen. Zu­rück nach Bay­ern mit ei­ner gu­ten und ei­ner we­ni­ger gu­ten BR-Nach­richt: Die Hilfs­pro­gram­me für Künst­ler des Frei­staats sind noch nicht aus­ge­schöpft, bis 30. Sep­tem­ber kön­nen noch An­trä­ge ge­stellt wer­den. Was die Zahl der Zu­schau­er be­trifft, wird es mit Aus­nah­me des Pi­lot­pro­jekts am Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter laut Kunst­mi­nis­ter Bernd Si­bler so schnell kei­ne Än­de­run­gen ge­ben.

Tipps und Links vom 3. Sep­tem­ber: Heu­te Abend star­tet das neue Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que – und ich bin mir schon vor­ab si­cher, dass es ein groß­ar­ti­ger Er­folg für alle sein wird, für die Ver­ant­wort­li­chen, die Künst­ler und sons­ti­gen Mit­wir­ken­den und na­tür­lich das Pu­bli­kum, zu dem ich bei den je­weils letz­ten Vor­stel­lun­gen der bei­den Opern zäh­len wer­de. Scha­de nur, dass in Bay­ern mit Aus­nah­me des Na­tio­nal­thea­ters im­mer noch die Be­schrän­kung auf 200 Zu­schau­er gilt. Wo­mit ich bei wei­te­ren Kri­ti­ken zur Münch­ner Ur­auf­füh­rung von „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ wäre: Le­sen­wert sind Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur, Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung und Jo­han­na Schmel­ler in der taz. Mehr dar­über dem­nächst auch hier …

Tipps und Links vom 2. Sep­tem­ber: Es dau­ert noch et­was, bis ich mei­ne Kri­tik zu „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ ge­schrie­ben habe, da­her hier schon mal das, was greif­bar und le­sens­wert ist: von Pe­ter Jung­blut auf BR24 , von Jörn Flo­ri­an Fuchs auf Deutsch­land­funk Kul­turund Cor­du­la Dieck­mann von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Mehr zur Ur­auf­füh­rung mor­gen und dem­nächst in Beers Blog. Na­tür­lich bringt das Pi­lot­pro­jekt an der Staats­oper auch die Be­dürf­nis­se an­de­rer Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in den Fo­kus. In der Süd­deut­schen Zei­tung schreibt dazu Eg­bert Tholl, in der Münch­ner Abend­zei­tung wie ge­habt Ro­bert Braun­mül­ler. Dass in­zwi­schen auch die Künst­ler-Agen­tu­ren am Ab­grund ste­hen und schlie­ßen müs­sen, be­leuch­ten Mi­cha­el Stall­l­knecht in der SZ und ein Ge­spräch auf Deutsch­land­funk Kul­tur.

Tipps und Links vom 1. Sep­tem­ber: Heu­re­ka! Bin heu­te Abend bei der Münch­ner Ur­auf­füh­rung „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ mit da­bei! Zu dan­ken ist die schon lang er­war­te­te Lo­cke­rung der ex­trem re­strik­ti­ven baye­ri­schen Co­ro­na-Vor­schrif­ten für Thea­ter dem zä­hen Rin­gen von In­ten­dant Ni­ko­laus Bach­ler und ei­nem Pi­lot­pro­jekt an der Baye­ri­schen Staats­oper, die jetzt an­statt vor 200 vor im­mer­hin 500 Zu­schau­ern spie­len darf. Ro­bert Braun­mül­ler fasst die neue Lage in der Münch­ner Abend­zei­tung zu­sam­men, die in­for­ma­ti­ve Vor­schau zu die­ser un­ge­wöhn­li­chen Opern-Pro­duk­ti­on von Rita Ar­gau­er in der Süd­deut­schen sei noch­mals ver­linkt. Auch das Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que, das am 3. Sep­tem­ber erst­mals im Mark­gräf­li­chen Opern­haus er­öff­net wird, scheint (ohne dass das je­mand laut sagt) ein Pi­lot­pro­jekt zu sein, denn dort ste­hen un­ter an­de­rem zwei Ba­rock­opern mit Pau­sen (!) auf dem Pro­gramm. Bei­de Opern und zwei lu­xu­ri­ös be­setz­te Re­ci­tals wer­den vom BR auf­ge­zeich­net und ge­sen­det, wer sich schon mal in „Gis­mondo“ rein­hö­ren will: Die schon er­schie­ne­ne  CD ist ein hö­rens­wer­tes Fest, wie Eg­bert Tholl in der SZ schreibt.

Tipps und Links vom 31. Au­gust: Sor­ry, bin heu­te et­was spät dran, aus­ge­rech­net, wenn ich ei­nen hei­ßen Tipp zum Strea­men habe, der in un­se­rer Zeit­zo­ne nur mor­gen früh zu nacht­schla­fe­ner Zeit ab 1.30 Uhr   und dann bis kurz nach Mit­ter­nacht funk­to­niert: Pa­tri­ce Ché­re­aus „Elektra“-Inszenierung, die un­ter an­de­rem die Me­tro­po­li­tan Ope­ra aus Aix en Pro­vence über­nom­men hat, kann am 1. Sep­tem­ber (MEZ) in der New Yor­ker Be­set­zung mit Nina Stem­me in der Ti­tel­rol­le ge­streamt wer­den. Über­haupt ist die neue Wo­che mit kos­ten­lo­sen Vi­de­os-on-De­mand der Met mit lau­ten Opern des 20. Jahr­hun­derts se­hens­wert, dar­un­ter auch „Por­gy and Bess“ in ei­ner Auf­zeich­nung vom 1. Fe­bru­ar 2020 mit An­gel Blue und Gol­da Schultz. An­sons­ten sind die Zei­tun­gen voll von Salz­burg-Bi­lan­zen und Bay­reuth-Ba­ro­que-Vor­schau­en. Was ers­te­re be­trifft, emp­feh­le ich das In­ter­view von Mar­kus Thiel mit In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser im Münch­ner Mer­kur, so­wie die An­mer­kun­gen von Rein­hard Kriech­baum auf Dreh­punkt Kul­tur über das heu­er et­was an­de­re Salz­bur­ger Pu­bli­kum. Der Baye­ri­sche Rund­funk wid­met sich dem neu­en Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que ver­dienst­voll in­ten­siv, denn ohne die Ein­nah­men durch  Ra­dio­ber­tra­gun­gen und Streams fie­le das zu er­war­ten­de Co­ro­na-De­fi­zit si­cher noch ver­hee­ren­der aus. Im Mark­gräf­li­chen Opern­haus gilt – wie an­dern­orts in Bay­ern – nach wie vor die Re­gel, dass ma­xi­mal nur 200 Zu­schau­er zu­ge­las­sen sind. Zum Schluss heu­te noch ein Ki­no­tipp aus der NZZ über das Schlin­gen­sief-Por­trät von Bet­ti­na Böh­ler „In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“.

Tipps und Links vom 29. und 30. Au­gust: Zum Co­ro­na-Opern­dra­ma im be­son­ders re­strik­ti­ven Bay­ern hat Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung jetzt auch Staats­opern­in­ten­dan­ten Ni­ko­laus Bach­ler in­ter­viewt. Auch Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur hat mit ei­ner kna­cki­gen Über­schrift nach­ge­legt. Und die Wie­ner Zei­tung be­leuch­tet ein The­ma, das durch die Pan­de­mie mehr ins Be­wusst­sein ge­rückt ist: das heu­ti­ge Star-Sys­tem. An ei­nen Star der 30er Jah­re, an die tra­gisch en­den­de jü­di­sche Te­nor-Le­gen­de Jo­seph Schmidt, er­in­nern Ioan Ho­len­der, Bar­rie Kos­ky und Al­fred Fass­bind in der jüngs­ten kulTour-Fol­ge auf Ser­vus TV – mit  Ein­spie­lun­gen, die un­glaub­lich sind.Tipps und Links vom 28. Au­gust: Vor al­lem die Lage an den baye­ri­schen Opern-, Thea­ter- und Kon­zert­häu­sern steht heu­te im Mit­tel­punkt: Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung so­wie Su­san­ne Her­man­ski und Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung be­rich­ten über den Ap­pell zwei­er Münch­ner Spit­zen­or­ches­ter an Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder. Auch bei der SZ-Vor­schau von Rita Ar­gau­er auf die Ur­auf­füh­rung von Ma­ri­na Abra­mo­vićs „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ an der Baye­ri­schen Staats­oper am 1. Sep­tem­ber muss man im­mer mit­den­ken, dass in ei­nem der größ­ten eu­ro­päi­schen Opern­häu­ser der­zeit nur 200 Zu­schau­er sit­zen dür­fen. Da blickt man dann doch nei­disch nach Ös­ter­reich und spe­zi­ell Salz­burg, wo das Ri­si­ko sich of­fen­bar ge­lohnt hat, wie Mar­ga­re­te Af­fen­zel­ler und Lju­biša Tošić im Stan­dard fest­stel­len. Und wun­dert sich nicht, dass Hel­ga Rabl-Stad­ler im Stan­dard-In­ter­view mit Ste­phan Hil­pold zwar noch sehr be­sorgt, aber ver­gleichs­wei­se ge­las­sen klingt und Rein­hard Kriech­baum auf Dreh­punkt Kul­tur nach­drück­lich auf den Fest­spiel-Be­such von Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stei­ner­mei­er hin­weist. Bleibt noch ein Ju­bi­lä­um: Heu­te vor 170 Jah­ren wur­de in Wei­mar Ri­chard Wag­ners „Lo­hen­grin“ ur­auf­ge­führt, wor­über es hier ei­nen klei­nen Ar­ti­kel von mir und beim WDR ei­nen Au­dio­bei­trag von Hol­ger Nolt­ze gibt.Tipps und Links vom 27. Au­gust: Die gute Nach­richt aus Ber­lin: Ste­fan Her­heim feilt an der Deut­sche Oper an sei­ner „Walküre“-Inszenierung, die gute Nach­richt aus Bay­reuth: Der BR über­trägt vier Ter­mi­ne des neu­en Fes­ti­vals Bay­reuth Ba­ro­que, und zwar die bei­den Opern­pro­duk­tio­nen „Car­lo il Cal­vo“ von Ni­co­la Por­po­ra und „Gis­mondo, Re di Po­lo­nia“ von Leo­nar­do Vin­ci live im Ra­dio am 8. bzw. 11. Sep­tem­ber ab 18 Uhr auf BR Klas­sik (so­wie „Gis­mondo“ im Vi­deo-Live­stream) und die bei­den Ari­en-Aben­de mit Joy­ce Di­Do­na­to und Vi­vi­ca Ge­naux zeit­ver­setzt am 6. und 12. Sep­tem­ber. Wie es an der Frank­fur­ter Oper wei­ter­geht, be­rich­tet die Frank­fur­ter Rund­schau, ei­nen Ein­blick in die Co­ro­na-Ein­schrän­kun­gen beim Sai­son­start in Wien die Wie­ner Zei­tung. Noch zwei Tipps für Fans: Heu­te Abend um 20.30 Uhr sen­det Arte das Salz­bur­ger Re­ci­tal von Anna Netreb­ko mit ih­rem Mann und Te­nor­part­ner Yu­sif Ey­va­zov, und auf You­Tube ver­füg­bar ist ein vier­zig­mi­nü­ti­ges Ge­spräch mit Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le: Sa­bi­ne Sonn­tag, die ih­ren we­gen Co­ro­na ab­ge­sag­ten Vor­trag über „Wag­ner im Kino“ vor­aus­sicht­lich am 12. Ja­nu­ar 2021 in Bam­berg nach­ho­len wird, lädt un­ter dem Ti­tel „Ar­beits­platz Thea­ter“ zu ei­ner wei­te­ren Opern­vi­deo­kon­fe­renz am 3. Sep­tem­ber ein. Ein Be­stand­teil die­ses kos­ten­pflich­ti­gen Web-Se­mi­nars ist die­ses Ge­spräch mit Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le, das noch vor den Salz­bur­ger Fest­spie­len statt­fand und in dem die bei­den un­ter an­de­rem auch über sei­ne Wag­ner-Rol­len spre­chen.

Tipps und Links vom 26. Au­gust: Wie es wohl in der Mu­sik- und Thea­ter­welt wei­ter­ge­hen wird? Chris­ti­an Wild­ha­gen wägt in der Neu­en Zür­cher Zei­tung ab zwi­schen Be­dürf­nis und Ri­si­ko. Zwar ha­ben die Salz­bur­ger Fest­spie­le ge­zeigt, dass und wie et­was geht, aber Fest­spie­le sind per se eine Aus­nah­me, ha­ben an­de­re Ge­ge­ben­hei­ten und Mög­lich­kei­ten als die Re­per­toire­thea­ter. Wo­von Bar­rie Kos­ky beim  In­ter­view im Ta­ges­spie­gel ein Lied zu sin­gen weiß. Hof­fent­lich nicht weit­hin hör­bar, denn dann gibt es, wie die Frank­fur­ter Rund­schau be­rich­tet, laut ei­ner ex­pe­ri­men­tel­len Stu­die der Uni­ver­si­tät Bris­tol viel mehr Ae­ro­so­le. Klingt nicht ge­ra­de gut, was Wag­ner­opern mit Chor be­trifft. Wie es scheint, hat man an der Wie­ner Staats­oper zu­min­dest in­so­fern schon mal vor­ge­sorgt, als Bra­vo­ru­fe, wie der Ku­rier mel­det, nicht mehr er­wünscht sind. Viel­leicht lohnt es sich, oh­ne­hin erst mal ab­zu­war­ten, wel­che Er­kennt­nis­se das Drei­fach-Co­ro­na-Kon­zert von Tim Bendzko in Leip­zig bringt, das der Spie­gel in eine Re­por­ta­ge ge­gos­sen hat. Ach, Co­ro­na!

Tipps und Links vom 25. Au­gust: Zum heu­ti­gen gro­ßen Ju­bi­lä­ums­tag – die Hoch­zeit von Co­si­ma und Ri­chard Wag­ner vor 150 Jah­ren habe ich aus ge­ge­be­nem An­lass und vor­sorg­lich be­reits vor ei­ner Wo­che aus­führ­li­cher ge­wür­digt, dazu gibt es seit heu­te ei­nen sehr lan­gen Bei­trag zum 175. Ge­burts­tag von Kö­nig Lud­wig II., in dem bei­de Er­eig­nis­se ge­wis­ser­ma­ßen auf­ein­an­der zu­lau­fen – noch ein paar Links. Eine schö­ne Ge­samt­wür­di­gung ist Ge­org Blüml in der Ta­ges­post ge­lun­gen, der Lud­wig-Ken­ner Hans Krat­zer von der Süd­deut­schen Zei­tung  kratzt in sei­ner Glos­se so­gar ein biss­chen am Ge­burts­da­tum, und für Berg­freun­de emp­feh­le ich wahl­wei­se den Ar­ti­kel von Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung, ei­nen Bei­trag über das Schach­en­haus von Füs­sen ak­tu­ell be­zie­hungs­wei­se die Buch­neu­erschei­nung „In den Ber­gen lebt die Frei­heit“ von den bei­den SZ-Au­toren San­dra Freu­den­berg und  Ste­phan Ro­sen­boom. Dazu noch eine Über­sicht zu ein­schlä­gi­gen Kini-Sen­dun­gen beim Baye­ri­schen Rund­funk.
Zum ak­tu­el­len Kul­tur­le­ben gibt es un­ter dem Ti­tel „Wie sich eine ‚Kul­tur­na­ti­on‘ ih­rer wert­volls­ten Tra­di­ti­on be­raubt“ ei­nen kna­cki­gen Kom­men­tar von Wolf­gang Her­les auf Tichys Ein­blick wäh­rend Eg­bert Tholl in der SZ ganz kon­kret vom „Salz­bur­ger Si­gnal“ schreibt. Und da­mit Bay­reuth nicht zu kurz kommt schnell noch die Kri­tik von Frank Pion­tek über das Wag­ner-Kon­zert auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue aus dem Opern­freund. Puh, ge­nug für heu­te.

Tipps und Links vom 24. Au­gust: Ges­tern Abend stand bei mir nicht das Wag­ner-Kon­zert in der Bay­reu­ther Wil­hel­mi­nen­aue auf dem Pro­gramm, son­dern nach lan­ger Pau­se mal wie­der Fuß­ball: mein ers­tes kom­plet­tes „Geis­ter­spiel“ im Fern­se­hen. Zwar bin ich be­stimmt kein Fan von rie­si­gen Men­schen­mas­sen, aber ich muss sa­gen, mir hat das Pu­bli­kum ernst­haft ge­fehlt. Dazu passt das In­ter­view mit dem jet­zi­gen TV-Kom­men­ta­tor Jor­ge Vald­ano, der un­ter an­de­rem selbst Fuß­ball­spie­ler, Trai­ner und Ma­na­ger war, in der Süd­deut­schen Zei­tung. Be­stimmt nicht wie bei ei­ner Fahrt ins Büro dürf­te sich der (min­des­tens) 79-jäh­ri­ge Ex-Star­te­nor Plá­ci­do Dom­in­go nach Me­Too-Vor­wür­fen und -Er­mitt­lun­gen so­wie ei­ner Co­vid-19-Er­kran­kung bei sei­nem Come­back am Sams­tag in Ca­ser­ta bei Nea­pel ge­fühlt ha­ben. An­ton Cup­ak, Her­aus­ge­ber vom On­line­mer­ker, schreibt zu den ge­plan­ten wei­te­ren Auf­trit­ten et­was gön­ne­risch: „Die Wie­ner Staats­oper – und nicht nur die – er­mög­licht ihm ei­nen eh­ren­vol­len Ab­gang, von sei­nen Fans wird er be­ju­belt wer­den. Das steht ihm zu, doch dann hat Ruhe zu sein!“ Steht dem Sän­ger, der nach Be­kannt­wer­den der Vor­wür­fe von sei­ner Chef­po­si­ton an der Oper Los An­ge­les Oper zu­rück­trat und des­sen Auf­trit­te seit­her in den U.S.A. und in sei­nem Hei­mat­land Spa­ni­en be­stimmt nicht grund­los ab­ge­sagt wur­den, das wirk­lich zu? Hat sich ein of­fen­bar kom­plett vi­ren­re­sis­ten­ter har­ter Kern von Fans am Salz­bur­ger Flug­ha­fen nicht schon bei der Über­rei­chung des Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­preis 2020 be­dankt? Die Salz­bur­ger Fest­spie­le, die mit die­sem Preis üb­ri­gens rein gar nichts zu tun ha­ben, sind zum Ju­bi­lä­ums­ter­min mit ei­nem Me­mo­ran­dum an die Öf­fent­lich­keit ge­tre­ten, das ein Vi­deo der Lan­des­re­gie­rung Salz­burg kurz vor­stellt und im kom­plet­ten Wort­laut bei Dreh­punkt Kul­tur zu fin­den ist. Ein Glück, dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le bis zu ih­rem 150. Ju­bi­lä­um 2026 noch ein biss­chen Zeit ha­ben … Zum gu­ten Schluss noch ein klei­nes Film­chen. In ih­rem acht­mi­nü­ti­gen Ka­ram­bo­la­ge-Bei­trag „Das Ri­tu­al: Die Bay­reu­ther Fest­spie­le“ auf Arte nimmt uns Jea­net­te Kon­rad mit nach Bay­reuth und er­in­nert sich an ih­ren ers­ten Fest­spiel­be­such 2016. Dass die Fak­ten nicht im­mer stim­men, ist ehr­lich ge­sagt dritt­ran­gig, denn die op­ti­sche Um­set­zung macht ein­fach rich­tig Spaß, um nicht zu sa­gen leuch­ten­de Au­gen.

Tipps und Links vom 22. und 23. Au­gust: Heu­te ist der ei­gent­li­che Ju­liäums­tag in Salz­burg, was sich auch im Fern­seh­pro­gramm (sie­he et­was wei­ter un­ten bei Über­tra­gun­gen der Salz­bur­ger Fest­spie­le)  spie­gelt. Nach den Do­ku­men­ta­tio­nen über Opern­high­lights und die Fest­spiel­ge­schich­te so­wie ei­ner Auf­zeich­nung der ak­tu­el­len „Je­der­mann“-Pro­duk­ti­on auf 3sat kann es mor­gen dort naht­los schon am Vor­mit­tag mit „Si­mon Bocca­ne­gra“ wei­ter­ge­hen, am spä­ten Nach­mit­tag folgt auf Arte erst das Kon­zert des West-Eas­tern Di­van Or­ches­tra un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im (u.a. mit dem Sieg­fried-Idyll) und nach Mit­ter­nacht eine Auf­zeich­nung der „Aida“ von 2017 mit Anna Netreb­ko in der Ti­tel­rol­le. In der Arte Me­dia­thek kann man dar­über­hin­aus noch bis 7. Sep­tem­ber eine Do­ku­men­ta­ti­on so­wie eine kom­plet­te Auf­zeich­nung des le­gen­dä­ren Karajan-„Rosenkavalier“ von 1960 ab­ru­fen. Letz­te­ren soll­te man nicht ver­pas­sen, wenn man Sän­ger­kri­ti­ker­papst Jü­gen Kes­ting glaubt, der wie­der­um zu­sam­men mit dem Sän­ger und Lei­ter des Operstu­di­os der Wie­ner Staats­oper Mi­cha­el Kraus von Ioan Ho­len­der für Ser­vus TV zu ei­ner Aus­ga­be des Fest­spiel­talks im Schloss Leo­polds­kron ge­la­den wur­de, die ich hier­mit un­terthä­nigst eben­falls als loh­nend an­zu­prei­sen mich er­hei­sche. Schluss der mit sprach­li­chen Nost­al­gie und zu­rück nach Bay­reuth, von wo ein kos­ten­pflich­ti­ges In­ter­view aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier mit Mi­cha­el Vol­le, ei­nem der Prot­ago­nis­ten des Wag­ner-Kon­zerts am 23. Au­gust in der Wil­hel­mi­nen­aue, in­zwi­schen über die Deut­sche Pres­se-Agen­tur in Kurz­form doch ins Netz ge­fun­den hat. Ne­ben Vol­le, Gün­ther Groissböck, Da­ni­el Schmutz­hard und An­net­te Dasch wird auf der See­büh­ne auch An­dre­as Schager auf­tre­ten, der sich laut F.A.Z. in dem Ver­ein „Ope­ra meets na­tu­re“ für Baum­pflanz­pro­jek­te en­ga­giert, aus der meh­re­re Ni­be­lun­gen­wäl­der her­vor­ge­hen sol­len. Mit sei­ner fet­zi­gen Über­schrift  „Wal­kü­re für jun­ge Ei­chen“ hat es der Be­richt­erstat­ter gut ge­meint, liegt aber voll da­ne­ben, denn an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass in der mit­tel­hes­si­schen Pro­vinz jetzt Ei­chen und Eschen ge­pflanzt wer­den, hät­te er zwei­fels­frei „Wal­kü­re für jun­ge Eschen“ ti­teln müs­sen. Wer als ers­ter den zwei­ten Wag­ner-Feh­ler in die­sem Text fin­det und mel­det, hat was gut bei mir!

Tipps und Links vom 21. Au­gust: Heu­te vor zehn Jah­ren ist Chris­toph Schlin­gen­sief ge­stor­ben und des­halb in al­len Feuil­le­tons prä­sent. Für die Frank­fur­ter Rund­schau hat Ul­rich Seid­ler sei­ne Wit­we und Mit­ar­bei­te­rin Aino La­be­renz in­ter­viewt, in den Ki­nos läuft ak­tu­ell der emp­feh­lens­wer­te Film „In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“ von Bet­ti­na Böh­ler, der MDR lie­fert dazu ei­nen kur­zen Trai­ler – und na­tür­lich ver­lin­ke ich ger­ne noch­mals den Bay­reuth-Teil des Aspek­te-Ge­sprächs von Gre­gor Gysi mit Schlin­gen­sief. Dass auch ich ihn ver­mis­se, mag man an mei­nen „Parsifal“-Kritiken ab­le­sen. Scha­de, dass bei den Fest­spie­len nie­mand auf die Idee ge­kom­men ist, we­nigs­tens heu­te eine Auf­zeich­nung sei­ner „Parsifal“-Inszenierung zu strea­men.

Tipps und Links vom 20. Au­gust: Na­tür­lich fra­gen sich Opern- und Kon­zert­freun­de, war­um in Ös­ter­reich und in der Schweiz so viel mehr mög­lich ist als in Bay­ern: Ro­bert Braun­mül­ler geht der Sa­che in der Münch­ner Abend­zei­tung nach. Dass das Heil al­ler­dings doch nicht in Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen liegt, kann man bei­spiels­wei­se am Kurz­be­richt von Ul­ri­ke Mes­ser-Krol im On­line­mer­ker über den „Tris­tan“ bei den  Wein­viert­ler Wag­ner­fest­spie­len ab­le­sen. Oder am tvo-Be­richt über das in Gast­spiel des Sän­ger­paars Pe­tra Ma­ria Schnit­zer und Pe­ter Seif­fert in der Bay­reu­ther Wil­hel­mi­nen­aue, der nicht nur an­ge­sichts der vie­len leer ge­blie­be­nen Stüh­le zu den­ken gibt. Drü­cken wir also die Dau­men, dass das Wet­ter am Sonn­tag mit­spielt und das Groß­auf­ge­bot an Fest­spiel­sän­gern auf der See­büh­ne dies­mal we­nigs­tens auf die er­laub­ten 400 Zu­hö­rer trifft.Tipps und Links vom 19. Au­gust: Das neue Gut­ach­ten von zwei Me­di­zi­nern der Cha­ri­té hat für er­wart­ba­ren Wir­bel ge­sorgt, die ak­tu­el­le Be­richt­erstat­tung dazu geht wei­ter, zum Bei­spiel bei rbb24 und dem Ta­ges­spie­gel. Was Co­ro­na bei Mu­sik­ver­la­gen an­rich­tet und wel­che un­ab­seh­ba­ren Fol­gen das ha­ben kann, be­schreibt Vol­ker Ha­ge­dorn aus­führ­lich in der Zeit , wäh­rend die Thea­ter in Thü­rin­gen , wie die Welt be­rich­tet, of­fen­bar auf­at­men kön­nen. In Russ­land sieht laut Ma­nu­el Brug in der Welt die Lage ganz an­ders aus, spe­zi­ell beim Ma­ri­in­ski-Thea­ter in St. Pe­ters­burg. Und aus Russ­land kommt auch ein Na­mens­miss­brauch, von dem ich bis­her noch nichts wuss­te: Her­bert Wulf be­rich­tet auf der Platt­form des IPG-Jour­nals für Fra­gen in­ter­na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Po­li­tik un­ter dem Ti­tel „Out­sour­cing der Ge­walt“ über eine pri­va­te Söld­ner- und Mi­li­tär­fir­ma Wag­ner, die sich in ih­rer Na­mens­ge­bung auf Ri­chard Wag­ner be­zieht. Viel­leicht hat da je­mand die Wal­kü­ren­rittsze­ne in Fran­cis Ford Co­p­po­las An­ti­kriegs­film „Apo­ca­lyp­se Now“ falsch ver­stan­den? Wie auch im­mer: Das ist kei­ne gute Nach­richt.

Tipps und Links vom 18. Au­gust: Im Brenn­punkt steht ein neu­es Gut­ach­ten von zwei Me­di­zi­nern der Cha­ri­té. Um kei­ne fal­schen Rück­schlüs­se zu zie­hen, lohnt es sich, ge­nau zu le­sen. Dazu ak­tu­el­le Be­rich­te vom rbb24, ntv und dem Ta­ges­spie­gel. Aus Bay­reuth kommt eine Kri­tik zu „Son­nen­flam­men“, ei­ner Opern­pro­duk­ti­on im ehe­ma­li­gen Reichs­hof­ki­no, wo, wie Ro­land H. Dip­pel in der Neu­en Mu­sik­zei­tung es for­mu­liert, „die zum Äu­ßers­ten ent­schlos­se­ne An­hän­ger­schaft Sieg­fried Wag­ners er­bit­ter­ten Wi­der­stand ge­gen die we­gen Co­ro­na ab­ge­sag­ten Vor­stel­lun­gen leis­te­te“. Na denn …

Tipps und Links vom 17. Au­gust: Die ein­zi­ge wich­ti­ge Nach­richt aus Bay­reuth ist lei­der kei­ne gute. Das neue Fes­ti­val Bay­reuth Ba­ro­que (3. bis 13. Sep­tem­ber) un­ter der künst­le­ri­schen Lei­tung von Max Ema­nu­el Ce­nic kann zwar statt­fin­den, al­ler­dings dür­fen pro Vor­stel­lung nur 200 Zu­schau­er statt ma­xi­mal 490 ins gut kli­ma­ti­sier­te Mark­gräf­li­che Opern­haus. Das heißt: Der ge­sam­te Kar­ten­ver­kauf für die Opern- und Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen im Opern­haus wird stor­niert, die bis­he­ri­gen Kar­ten­käu­fer kön­nen in ei­nem ex­klu­si­ven Vor­ver­kauf dann noch­mals ihr Glück (dann ohne Mas­ken­pflicht am Platz) ver­su­chen. Im­mer­hin: Noch steht zu le­sen, dass die bei­den Ba­rock­opern – Ni­co­la An­to­nio Por­po­ras „Car­lo il Cal­vo“ und Leo­nar­do Vin­cis „Gis­mondo, Re di Po­lo­nia“ – mit Pause(n) durch­ge­führt wer­den. Hof­fent­lich klappt das! Apro­pos: Auch beim Frei­luft-Ari­en­abend mit Pe­ter Seif­fert, Pe­tra Ma­ria Schnit­zer, Emil Si­meo­nov und Kla­vier­be­glei­tung am Frei­tag auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue zähl­te der Nord­baye­ri­sche Ku­rier nur 200 Be­su­cher, ob­wohl dort si­cher mehr zu­ge­las­sen wa­ren.

Tipps und Links vom 15. und 16. Au­gust: Das Wo­chen­en­de steht ganz im Zei­chen der Salz­bur­ger Fest­spie­le, denn so­wohl im Ra­dio als auch im Fern­se­hen gibt es at­trak­ti­ve Sen­dun­gen (sie­he Auf­lis­tung di­rekt im An­schluss). Dazu vor­ab zum Le­sen zwei wei­te­re aus­führ­li­che Ar­ti­kel von Chris­ti­ne Dös­sel in der Süd­deut­schen Zei­tung und Mar­co Frei in der Neu­en Zür­cher Zei­tung. Aus Bay­reuth gibt es au­ßer ei­nem In­ter­view mit dem Opern­sän­ger­paar Pe­ter Seif­fert und Pe­tra Ma­ria Schnit­zer nichts Nen­nens­wer­tes zu be­rich­ten, aus Bay­ern im­mer­hin, dass das Mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst eine Stu­die zur Ae­ro­sol­ver­brei­tung durch Chor­ge­sang und Blas­in­stru­men­te mit 120 000 Euro un­ter­stützt. Ob dann al­les gut wird? Noch schnell ein Tipp für Spät-Gu­cker und Strea­mer: Arte zeigt am 16. Au­gust um 23.50 Uhr eine Auf­zeich­nung der Ruhr­tri­en­na­le 2019 von Györ­gy Li­ge­tis Re­qui­em, das der un­ga­ri­sche Re­gis­seur Kor­nél Mun­druc­zó un­ter dem Ti­tel „Evo­lu­ti­on“ spek­ta­ku­lär in­sze­nier­te (an­schlie­ßend on­line bis 14. No­vem­ber).

Tipps und Links vom 14. Au­gust: Au­ßer ei­nem In­ter­view mit Max Ema­nu­el Cenčić, dem Wie­ner Coun­ter­te­nor und Grün­dungs­di­rek­tor des neu­en Fes­ti­vals Bay­reuth Ba­ro­que in der Klei­nen Zei­tung, gibt es heu­te nicht viel Neu­es. Für alle, die Zeit da­für ha­ben, set­ze ich noch­mals die Links zu zwei Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen, die kurz vor Be­ginn der Nicht-Fest­spiel­zeit in un­ter­schied­li­chen An­sät­zen und Be­set­zun­gen Bay­reuth zum The­ma hat­ten: Die SWR-Dis­kus­si­on „Ri­chard Wag­ners Bay­reuth im Co­ro­na-Zeit­al­ter“ mit Heinz-Die­ter Sen­se (Ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le), Pro­fes­sor Ste­phan Mösch (Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he), Pa­tric Sei­bert (Re­gis­seur, Dra­ma­turg und Mit­wir­ken­der im Castorf-„Ring“) so­wie Mo­de­ra­tor Bernd Künzig lohnt vor al­lem we­gen der Bei­trä­ge vom aus Bay­reuth stam­men­den Bay­reuth-Ken­ner Mösch, beim Ex­per­ten­ge­spräch der Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ un­ter dem Ti­tel „Die Fest­spie­le fal­len aus. Wie geht es wei­ter mit Bay­reuth?“  re­de­te sich Wahn­fried-Di­rek­tor Sven Fried­rich in Top­form. Wer ab­ge­se­hen da­von Lust auf Eng­lisch hat, dem sei aus der Ein­stei­ger-Se­rie der Ta­ges­zei­tung The Guar­di­an die Wag­ner-Ein­füh­rung von Mar­tin Kett­le emp­foh­len, auch we­gen ei­ni­ger at­trak­ti­ver Au­dio- und Vi­deo-Links. Fast hät­te ich ver­ges­sen, dass heu­te das ver­kürz­te Lu­cern­ce Fes­ti­val star­tet. Arte be­glei­tet das Auf­takt­wo­chen­en­de mit Live­streams von Kon­zer­ten mit Mar­tha Ar­ge­rich, Her­bert Blom­stedt so­wie Solist*innen des Lu­cer­ne Fes­ti­val Or­che­s­tras ab heu­te um 18.30 Uhr.

Tipps und Links vom 13. Au­gust: Heu­te vor 144 Jah­ren wur­den mit der „Rheingold“-Erstaufführung in Bay­reuth die ers­ten Wag­ner­fest­spie­le er­öff­net. Wer aus die­sem Grund heu­te nach frei ver­füg­ba­ren Bay­reu­ther „Rheingold“-Aufzeichnungen sucht, wird wie folgt fün­dig: ers­tens beim Baye­ri­schen Rund­funk, wo man den kom­plet­ten Petrenko-„Ring“ von 2015 hö­ren (bis 31. De­zem­ber 2020) und die Vi­de­os der „Ring“-Inszenierungen von Pa­tri­ce Ché­reau von 1989/80 (bis 6. Sep­tem­ber) und Har­ry Kup­fer von 1991/92 (bis 25. Au­gust)  nach­er­le­ben kann, und zwar ganz nach ei­ge­nem Zeit­plan. Für Lieb­ha­ber noch äl­te­rer Auf­nah­men hat Rü­di­ger Win­ter auf Ope­ra­lounge eine aus­führ­li­che ver­glei­chen­de Be­spre­chung über die Bay­reu­ther „Ring“-Einspielungen un­ter Ru­dolf Kem­pe vor­ge­legt. Und weil wir ge­ra­de bei his­to­ri­schen In­ter­pre­ta­tio­nen sind: Im Spie­gel nimmt sich Tho­mas Schmoll bei­spiel­haf­te Beet­ho­ven-Ein­spie­lun­gen auf Ori­gi­nal­in­stru­men­ten vor. Die Lek­tü­re legt ein­deu­tig und drän­gend die Fra­ge nahe, wann die Fest­spie­le ih­rem Pu­bli­kum end­lich auch ein­mal Ori­gi­nal­klang bie­ten. Im Mo­ment ha­ben Kent Na­ga­no, Con­cer­to Köln und die Kunst­stif­tung NRW mit ih­rem Wag­ner-Les­ar­ten-Pro­jekt ein­deu­tig die Nase vorn. Zu­rück zur Ge­gen­wart und zur Co­me­dy, denn die heu­ti­ge Edi­ti­on der „Su­per­bay­ern“ fragt bei Ed­mund, Hu­bert und Mar­kus nach, ob sie es scha­de fin­den, dass sie heu­er nicht zur Fest­spiel­eröff­nung kom­men konn­ten …

Tipps und Links vom 12. Au­gust: Dass Ju­dith von Stern­burg, eine mei­ner Lieb­lings­kri­ti­ke­rin­nen, sehr ge­nau hin­zu­schau­en weiß, zeigt auch ihre ak­tu­el­le Mas­ken-Glos­se in der Frank­fur­ter Rund­schau.
Dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le nicht nur ei­nen neu­en Pres­se­spre­cher, son­dern auch ei­nen neu­en Tech­nik­di­rek­tor ha­ben, zeigt Ul­ri­ke Gla­ßer-Gün­ther in ih­rer tvo-Re­por­ta­ge „Ein Co­ro­na-Be­such im Fest­spiel­haus“ vom 11. Au­gust. Aus­führ­lich kommt Pe­ter Krot­tentha­ler zu Wort, der von der Deut­schen Oper am Rhein (mit Mu­sik­thea­ter­häu­sern in Düs­sel­dorf und Duis­burg) an den Grü­nen Hü­gel ge­wech­selt ist – als der nun schon drit­te Nach­fol­ger (nach Chris­toph Bauch und An­dre­as von Graf­fen­ried) des lang­jäh­ri­gen Tech­nik­chefs Karl-Heinz Ma­titsch­ka (2001 bis zur vor­zei­ti­gen Frei­stel­lung Ende Au­gust 2013). Über die Aus­sa­gen von Pres­se­spre­cher Hu­ber­tus Herr­mann, war­um man Bay­reuth nicht mit an­de­ren Häu­sern und Salz­burg ver­glei­chen soll­te, kann man ge­teil­ter Mei­nung sein. Na­tür­lich hof­fen nicht nur die Fest­spie­le auf ei­nen Fest­spiel­som­mer 2021 ohne Co­ro­na, aber re­du­zier­te Or­ches­ter­fas­sun­gen (die so­gar schon von Wag­ner selbst au­to­ri­siert wur­den) von vorn­her­ein für Bay­reuth und sei­nen be­eng­ten Or­ches­ter­gra­ben aus­zu­schlie­ßen, ist viel­leicht ein biss­chen kurz­sich­tig. Dass zum Schluss auch noch Ka­tha­ri­na Wag­ner ein­ge­blen­det wird, ohne Hin­weis, von wann die Bil­der stam­men, ist zwar gut ge­meint, aber jour­na­lis­tisch nicht ganz sau­ber.
Noch­mals ma­che ich ger­ne auf die um­fas­sen­de Werk­schau zum 75. Ge­burts­tag von Wim Wen­ders bis 14. Sep­tem­ber in der ARD-Me­dia­thek und be­son­ders auf die „Auf­zeich­nun­gen zu Klei­dern und Städ­ten“ auf­merk­sam. Es lohnt sich!

Tipps und Links vom 11. Au­gust: Im­mer noch freue ich mich, von der Salz­bur­ger „Così“ zu le­sen, be­son­ders gern von Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau. Auch die Nürn­ber­ger GMD Joana Mall­witz steht da­bei im Fo­kus, dies­mal beim BR. Und In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser wur­de aus­führ­li­cher von Jörn Flo­ri­an Fuchs im Deutsch­land­funk be­fragt. Mein heu­ti­ger Blick nach Bay­reuth geht zu­rück zu ei­nem je­ner Re­gis­seu­re, die ein „Ring“-Projekt vor sich hat­ten, das dann doch nicht zu­stan­de kam– zu­meist aus Grün­den, von de­nen die Öf­fent­lich­keit nichts er­fuhr, nichts er­fah­ren soll­te. Bei Wim Wen­ders, der die Te­tra­lo­gie im gro­ßen Wag­ner-Ju­bi­lä­ums­jahr 2013 in­sze­nie­ren soll­te, war das auch so. Das Pro­jekt soll we­gen der Film­rech­te ge­schei­tert sein, be­kannt­lich sprang Frank Cas­torf ein. Zum 75. Ge­burts­tag von Wim Wen­ders zeigt die ARD in ih­rer Me­dia­thek bis 14. Sep­tem­ber eine um­fas­sen­de Werk­schau. Aus Bay­reuth-Sicht be­son­ders zu emp­feh­len sind die „Auf­zeich­nun­gen zu Klei­dern und Städ­ten“, ein so be­zeich­ne­ter Ta­ge­buch­film über Yōji Ya­ma­mo­to, der Hei­ner Mül­ler dazu in­spi­rier­te, den ja­pa­ni­schen Mo­de­schöp­fer für sei­ne „Tristan“-Inszenierung (1993 bis 1999) zu ge­win­nen. Gibt es je­man­den, der die­sen „Tris­tan“ er­lebt hat und in die­sem Zu­sam­men­hang nicht gleich Wal­traud Mei­er in ih­rem kost­bar leuch­ten­den Lie­bes­tod-Ge­wand vor sich sieht?

Tipps und Links vom 10. Au­gust: Von der Nach­rich­ten­la­ge her ist es ei­gent­lich Schnee von vor­vor­ges­tern, aber da die ent­spre­chen­den Ar­ti­kel im Nord­baye­ri­schen Ku­rier vom 24. und 27. Juni nicht frei zu­gäng­lich wa­ren und sind, wird es wohl erst jetzt durch eine Re­por­ta­ge des Baye­ri­schen Rund­funks, die heu­te mor­gen in Al­le­gro erst­mals ge­sen­det wur­de, in der Brei­te pu­blik: Die Stadt Bay­reuth plant auf Vor­schlag ih­res Kul­tur­re­fe­ren­ten Be­ne­dikt Steg­may­er, im Cham­ber­lain­haus bei Wahn­fried ein NS-Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum ein­zu­rich­ten. Was ja nur hei­ßen kann, dass sich in­zwi­schen die Auf­fas­sung durch­ge­setzt hat, dass das, was in die­sem Zu­sam­men­hang das Wag­ner­mu­se­um bie­tet, nicht aus­rei­chend ist. Man darf ge­spannt sein, was aus dem Vor­ha­ben letzt­end­lich wird. Es ist aber in je­dem Fall eine gute Nach­richt.
All jene, die die Ab­sa­ge der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le im­mer noch be­dau­ern, sei­en an­ge­sichts der ge­ra­de vor­herr­schen­den Tem­pe­ra­tu­ren ger­ne dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ähn­lich wie jetzt in Salz­burg selbst­ver­ständ­lich auch am Grü­nen Hü­gel ein Fä­cher-Ver­bot gel­ten wür­de. Das heißt, im Back­ofen Fest­spiel­haus dürf­te man nicht ein­mal mit dem Be­set­zungs­zet­tel fä­cheln. Bei der Ge­le­gen­heit sei noch­mals der drin­gen­de Wunsch nach ei­ner gut funk­tio­nie­ren­den Kli­ma­an­la­ge in den Zu­schau­er­raum ge­wor­fen, auch wenn Ex­per­ten dar­ob aus un­ter­schied­li­chen Grün­den nur sehr be­denk­lich den Kopf schüt­teln. Ist ja nur ein from­mer Wunsch!
Von der Uni­ver­si­tät Bam­berg kommt die Mel­dung, dass Walt­her von der Vo­gel­wei­de und Wolf­ram von Eschen­bach vor ver­mut­lich 850 Jah­ren ge­bo­ren wur­den. Die Pro­fes­so­rin In­grid Ben­ne­witz (un­ter an­de­rem üb­ri­gens auch Mit­glied des RWV Bam­berg) forscht seit Jahr­zehn­ten in­ten­siv über die bei­den frän­ki­schen Au­toren, die heut­zu­ta­ge vor al­lem des­halb noch be­kannt sind, weil Ri­chard Wag­ner de­ren Wer­ke auf­griff und neu in­ter­pre­tier­te.

Tipps und Links vom 8. und 9. Au­gust: Ach, der Chéreau-„Ring“! Was für ein Ge­nie-Streich! Und was für ein Pri­vi­leg, ihn von 1976 bis 1980 je­den Som­mer zum Teil mehr­fach er­lebt zu ha­ben! Die­se Pro­duk­ti­on war nicht nur in der In­ter­pre­ta­ti­ons­ge­schich­te der Mark­stein im 20. Jahr­hun­dert, son­dern auch thea­ter­prak­tisch der ab­so­lu­te Hö­he­punkt der „Werk­statt Bay­reuth“. Was es aus­macht, wenn der Re­gis­seur ernst­haft Jahr für Jahr kon­se­quent wei­ter­ar­bei­tet, wei­ter­feilt, wenn er nach der Pre­mie­re nicht ab­reist, son­dern auch bei den wei­te­ren Vor­stel­lun­gen prä­sent ist! Un­ter an­de­rem auch da­durch er­klärt sich die Ein­ma­lig­keit die­ser In­sze­nie­rung: Ché­reau war in den fünf Auf­füh­rungs­jah­ren nur wäh­rend zwei­er „Ring“-Zyklen nicht in Bay­reuth. Al­lein sei­ne ner­vö­se An­we­sen­heit auf der Büh­ne, hin­ter den Ku­lis­sen – um den un­kal­ku­lier­ba­ren Büh­nen­ne­bel küm­mer­te er sich stets selbst – war für die Mit­wir­ken­den ein un­er­hör­ter An­sporn, sän­ger­dar­stel­le­risch al­les zu ge­ben. Und das merkt man auch noch Jahr­zehn­te spä­ter. (Auf BR Klas­sik wei­ter­hin ver­füg­bar bis 6. Sep­tem­ber)
Ge­nug ge­schwärmt, ab in die Nie­de­run­gen der heu­ti­gen Opern­welt. Wozu ich den Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­thea­ter­preis zäh­le. Kein Wun­der: Wird doch Plá­ci­do Dom­in­go für sein Le­bens­werk ge­ehrt – of­fen­bar un­ter kom­plet­ter Aus­schal­tung jün­ge­rer Er­kennt­nis­se, was im Vor­feld der Ver­lei­hungs­ze­re­mo­nie am Salz­bur­ger Flug­ha­fen den Ex-Te­nor be­feu­ert hat, sich ge­gen Wein­stein-Ver­glei­che zu weh­ren. We­der der eben­falls aus­ge­zeich­ne­te Gün­ther Groissböck noch die an­de­ren männ­li­chen und weib­li­chen Preis­trä­ger ha­ben et­was da­ge­gen ge­habt, sich ge­mein­sam mit Dom­in­go de­ko­rie­ren zu las­sen.
Apro­pos Salz­burg: Hier der neu­es­te Stand in Sa­chen Co­ro­na aus der Wie­ner Zei­tung und aus dem Ku­rier. Und als Nach­trag die Pre­mie­ren­kri­ti­ken der Ham­bur­ger Wo­chen­zei­tung Die Zeit.

Tipps und Links vom 6. und 7. Au­gust: Klei­ner Nach­trag zur Salz­bur­ger „Così fan tut­te“ mit den Kri­ti­ken von Chris­ti­an Wild­ha­gen in der Neu­en Zür­cher Zei­tung, von Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur und zur Er­gän­zung eine Kri­tik von Wolf-Die­ter Pe­ter aus dem Jahr 2008 über Chris­toph Loys Frank­fur­ter „Così“-Inszenierung auf Deutsch­land­funk Kul­tur. Die­se „Aus­gra­bung“ hat ei­ni­ge ös­ter­rei­chi­sche Kri­ti­ker dazu ver­führt, die jet­zi­ge Salz­bur­ger Pro­duk­ti­on gleich als blo­ßes Re­make ab­zu­stem­peln, was na­tür­lich blan­ker Un­sinn ist, wenn man be­rück­sich­tigt, wann, war­um und un­ter wel­chen Um­stän­den und Ein­schrän­kun­gen die jet­zi­ge In­sze­nie­rung ent­stan­den ist. Lieb­ha­ber der le­gen­dä­ren „Ring“-Inszenierung zum Zen­ten­a­ri­um der Bay­reu­ther Fest­spie­le dürf­ten schon mal vor­schla­fen, denn am 7. Au­gust um 20.15 Uhr geht mit dem „Rhein­gold“ auf ARD-al­pha die lan­ge „Ring“-Nacht los. Der Baye­ri­sche Rund­funk hat die Ein­füh­rung zu die­ser „Ring“-Marathonon-Sendung schon on­line ge­stellt – ein von Ma­xi­mi­li­an Mai­er mo­de­rier­ter Film, der mit Zeit­zeu­gen (wie Ga­brie­le Schnaut und Sieg­fried Je­ru­sa­lem) und heu­ti­gen Ak­teu­ren (wie Va­len­tin Schwarz und Jan Phil­ipp Glo­ger) zu­rück­schaut auf Pa­tri­ce Ché­re­aus „Jahr­hun­dert-Ring“ und gleich­zei­tig neu­gie­rig macht auf die Per­for­mance „The Loop of the Ni­be­lung“ von Si­mon Steen-An­der­sen. Es lohnt sich, bei­des an­zu­schau­en. Mit ei­ner wei­te­ren gu­ten Nach­richt aus Bay­reuth kann ich dies­mal nicht auf­war­ten. Aber zu­min­dest mit ei­ner ku­rio­sen, denn von 7. bis 16. Au­gust gibt es ei­nen ganz spe­zi­el­len Au­diow­alk durch die Fest­spiel­stadt.

Tipps und Links vom 4. und 5. Au­gust: Die Salz­bur­ger „Così fan tut­te“ hat viel be­rech­tig­ten Ju­bel aus­ge­löst, ob bei Ro­bert  Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung oder bei Lju­biša Tošic im Stan­dard. Und der ös­ter­rei­chi­sche Ku­rier legt eine Samm­lung von Pres­se­stim­men zur Fest­spiel­eröff­nung vor, dar­un­ter auch Kri­ti­sches zum Co­ro­na-Si­cher­heits­kon­zept. Da­mit die Mut­ter al­ler Opern­fest­spie­le nicht ganz in Ver­ges­sen­heit ge­rät, ver­mel­de ich ger­ne, dass die Stadt Bay­reuth aus An­lass des 90. To­des­tags von Sieg­fried Wag­ner am 4. Au­gust ei­nen Kranz an sei­ner letz­ten Ru­he­stät­te auf dem Stadt­fried­hof nie­der­legt. Was mich dar­auf ge­sto­ßen hat, dass ich zwar schon öf­ter über den Wag­ner-Kron­prin­zen, aber noch nichts über sein Ende ge­schrie­ben habe. Hier schon mal der Arzt­be­richt von Dr. Her­mann Ko­er­ber: „Bis ge­gen Mor­gen war er noch bei völ­li­gem Be­wußt­sein; von 7 Uhr ab, Mon­tag mor­gens, den 4. Au­gust, nicht mehr, gab aber auf An­ruf noch ge­bro­che­ne Ant­wor­ten, um mit dem Aus­set­zen der Atem­zü­ge wie­der­um in tiefs­te Be­wußt­lo­sik­eit zu ver­sin­ken. We­ni­ge Mi­nu­ten vor dem Tode öff­ne­ten sich die Au­gen weit, der Blick war groß nach oben ge­rich­tet, die Ge­sichts­zü­ge wur­den auf­fal­lend ju­gend­lich, der cha­rak­te­ris­ti­sche Ge­sichts­aus­druck Sieg­fried Wag­ners trat scharf her­vor. Um 5.30 Uhr, Mon­tag, den 4. Au­gust nach­mit­tags, ist Sieg­fried Wag­ner ver­schie­den. Ein ei­gent­li­cher To­des­kampf ist im er­spart ge­blie­ben. Zwei­fel­los ist Sieg­fried ein Op­fer der von ihm per­sön­lich durch­ge­führ­ten Vor­be­rei­tun­gen der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le ge­wor­den.“ Pe­ter P. Pachl schreibt in sei­ner Bio­gra­phie „Sieg­fried Wag­ner. Ge­nie im Schat­ten“ wei­ter: „Im Be­richt des As­sis­tenz­art­zes Knopp, der im Un­ter­schied zum Be­richt Dr. Ko­er­bers nicht vom Ver­wal­tungs­aus­schuß der Fest­spie­le ver­öf­fent­licht wird, sind Sieg­frieds letz­te Wor­te fest­ge­hal­ten. Knopp […] be­zeugt, daß um ca. 3.30 Uhr am Nach­mit­tag des 4. Au­gust Sieg­fried Wag­ner als letz­tes zur Ober­schwes­ter ge­sagt hat: ‚Geh weg!‘ Ohne die­sen ‚letz­ten Wor­ten‘ all­zu­viel Ge­wicht bei­zu­mes­sen, ist doch auf­fal­lend,“, so Pachl wei­ter, „daß sie sich ge­gen das all­zu ge­schäf­ti­ge Ge­ba­ren ei­nes Ge­schlechts rich­ten, das Sieg­fried von früh an im Wege stand: als Mut­ter, als Halb­schwes­ter, als Schwes­ter, als Gou­ver­nan­te, als Ehe­frau – und zu­letzt als Ober­schwes­ter.“ Da­mit das Da­tum schnell ei­nen freund­li­che­ren An­strich be­kommt, ver­wei­se ich sehr ger­ne dar­auf, dass am 4. Au­gust 1782 Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart in Wien Con­stan­ze We­ber ge­hei­ra­tet hat.

Tipps und Links vom 3. Au­gust: Aus den vie­len „Elektra“-Kritiken habe ich zwei aus­ge­wählt: von Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau und von Lju­biša Tošić im Stan­dard. In letz­te­rer Zei­tung gibt es un­ter dem Ti­tel „Wen re­prä­sen­tie­ren die Fest­spie­le?“ ei­nen wei­te­ren le­sens­wer­ten Ar­ti­kel, der nicht nur ju­belt. Schnell noch die gute Nach­richt aus Bay­reuth: Das Fes­ti­val jun­ger Künst­ler fin­det der­zeit statt, na­tür­lich un­ter Co­ro­na-Auf­la­gen, da­für aber un­ter dem Mot­to „Som­mer der Lie­be“.

Tipps und Links vom 1. und 2. Au­gust: Drin­gen­de Kor­rek­tur! Lei­der habe ich mit mei­nen Tipps vom 30. Au­gust des Gu­ten zu­viel ge­wollt: Die heu­ti­ge „Elektra“-Premiere wird auf Arte nur zeit­ver­setzt ge­streamt und nicht auch im Fern­se­hen ge­zeigt (das über­nimmt dann 3sat am 15. Au­gust), die mor­gi­ge „Così“-Premiere hin­ge­gen ist ab 17 Uhr bei Arte re­gu­lär im TV-Pro­gramm. BR Klas­sik Ra­dio über­trägt die „Elek­tra“ zeit­ver­setzt um 19.30 Uhr. Ich bit­te um Nach­sicht.
Aus­ri­ne Stun­dy­te als Elek­tra in der Salz­bur­ger Neu­in­sze­nie­rung von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski © SF/​Bernd Uh­lig

Aus der Fül­le von Ar­ti­keln zum Fest­spiel-Zen­ten­a­ri­um hier nur die­je­ni­gen, die für die Mu­ti­gen und Kurz­ent­schlos­se­nen re­le­vant sein könn­ten. Dass es ers­tens noch Kar­ten gibt, be­rich­tet BR Klas­sik (wo auch ein Link für die Rund­funk­über­tra­gun­gen zu fin­den ist), das Salz­bur­ger Hy­gie­nekon­zept hat Ru­dolf Braun­mül­ler von der Münch­ner Abend­zei­tung sich von Fest­spiel-Prä­d­iden­tin Hel­ga Rabl-Stad­ler er­klä­ren las­sen und der ORF mel­det be­reits die kom­men­den Co­ro­na-Tests auf baye­ri­scher Sei­te. Drü­cken wir die Dau­men, dass al­les gut geht! Und zur Si­cher­heit hier noch die Links zu den Über­tra­gun­gen der Salz­bur­ger Fest­spie­le di­rekt von de­ren Home­page so­wie von Arte und 3sat. Mit des gest­ri­gen Ju­bi­lar Jür­gen Kes­ting und sei­nem Salz­bur­ger Ju­bi­lä­ums­ar­ti­kel ist dann Schluss. Es macht sich schon gut, so ein la­pi­da­res Un­ser Au­tor be­sucht die Salz­bur­ger Fest­spie­le seit 1970.

Tipps und Links vom 31. Juli: Mor­gen star­ten die Salz­bur­ger Fest­spie­le mit ein klein biss­chen Wag­ner (Sieg­fried-Idyll mit dem West-Eas­tern Di­van Or­ches­tra un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im am 16. Au­gust, We­sen­donck-Lie­der mit Eli­na Ga­ran­ca und den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern und Chris­ti­an Thie­le­mann am 21. und 22. Au­gust) und Kar­ten für Kurz­ent­schlos­se­ne, über­mor­gen star­ten die Wein­viert­ler Fest­spie­le mit sehr viel Wag­ner Open-Air (dar­un­ter ve­ri­ta­ble Auf­füh­run­gen von „Tris­tan und Isol­de“ und dem „Flie­gen­den Hol­län­der“) und ei­ner So­lis­ten­schar, die sich se­hen und hö­ren las­sen kann). Das Pla­kat­mo­tiv auch.

Von den lei­der nur vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le wird vor al­lem das ins Netz ge­ret­te­te Rah­men­pro­gramm „Dis­kurs Bay­reuth“ Wir­kung zei­gen, denn es bie­tet Ge­sprä­che, die sich loh­nen, und mit der Vi­deo-Ar­beit „The Loop of the Ring“ von Si­mon Steen-An­der­sen un­ge­wöhn­li­che Ein­bli­cke ins Fest­spiel­haus. Üb­ri­gens hat Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner BR für die vir­tu­el­le Fest­spiel­zeit bis­her nicht an­ge­kün­dig­te wei­te­re Rund­funk-Ar­chiv-Schät­ze on­line ge­stellt: die „Meis­ter­sin­ger“ von 1952 un­ter Hans Knap­perts­busch und „Par­si­fal“ von 1953 un­ter Cle­mens Krauss (ab­ruf­bar bis 14. Au­gust). Wie im­mer ver­lin­ke ich ger­ne auch die ak­tu­el­len Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung und als gute Nach­richt, dass Stim­men­kri­ti­ker­papst Jür­gen Kes­ting heu­te sei­nen 80. Ge­burts­tag fei­ert und als hoch­sel­te­nes Ge­schenk eine wun­der­ba­re Hom­mage von Ce­ci­lia Bar­to­li in der F.A.Z. be­kom­men hat.

Tipps und Links vom 30. Juli: Ein ver­gleichs­wei­se ru­hi­ger Tag, aber das wird sich bald än­dern, fan­gen schließ­lich am 1. Au­gust tat­säch­lich die ers­ten Co­ro­na-Fest­spie­le in Salz­burg an, nicht zu­letzt dank Hel­ga Rabl-Stad­ler, wie Ha­rald Eg­ge­brecht in der Süd­deut­schen Zei­tung schreibt. Die bei­den Opern­pre­mie­ren wer­den am Er­öff­nungs­tag zeit­ver­setzt um 20.30 Uhr und tags dar­auf um 17 Uhr live auf Arte über­tra­gen. Hier der Link zur Über­sicht zu al­len Salz­burg-Über­tra­gun­gen, dazu Vor­be­rich­te zu „Elek­tra“ und „Così fan tut­te“. Wie un­ter­schied­lich Bay­reuth und Salz­burg mit Co­ro­na um­ge­hen, be­leuch­tet auch die Kul­tur­do­ku Fest­spiel­städ­te und die Kri­se am 1. Au­gust um 19.20 Uhr auf 3sat.

Tipps und Links vom 29. Juli: Sor­ry, heu­te bin ich wirk­lich spät dran, aber Ana­lo­ges hat bei mir al­le­mal Vor­rang – und Tref­fen mit rea­len Men­schen, die man län­ger nicht ge­se­hen hat, dau­ern halt. Also ma­che ich es kurz: Heu­te star­tet Dis­kurs Bay­reuth of­fi­zi­ell, ob­wohl beim BR schon ges­tern das ers­te Ge­spräch ver­füg­bar war. Und das lohnt sich, auch wenn es manch­mal durch­aus sei­ne Län­gen hat, bis Da­ni­el Ba­ren­bo­im und Thea Dorn sich wirk­lich warm ge­re­det ha­ben. Über al­les Dis­kur­si­ve dem­nächst mehr. Aus Salz­burg kommt die Nach­richt, dass Joana Mall­witz mit­nich­ten die ers­te Frau am Di­ri­gen­ten­pult bei den Fest­spie­len ist. Schon vor ihr ha­ben Ju­lia Jo­nes (2004) und als Ein­sprin­ge­rin Anne Man­son (1994) Fest­spiel­auf­füh­run­gen ge­lei­tet ha­ben. Än­dert aber nichts an der Tat­sa­che, das Di­ri­gen­tin­nen im­mer noch die Aus­nah­me von der Re­gel sind. Na ja, die meis­ten Le­ser die­ses Blogs wis­sen eh‘ aus be­ru­fe­nem Mun­de, dass der Pro­zess der Eman­zi­pa­ti­on des Wei­bes nur un­ter ek­sta­ti­schen Zu­ckun­gen vor sich geht! Gern emp­feh­le ich noch das ges­tern ein­ge­stell­te Pop up Wag­ner-Vi­deo Blaue Mäd­chen von und mit Ara­bel­la Hell­mann auf der Home­page der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth. Die Vor­sit­zen­de des in­no­va­tivs­ten Wag­ner­ver­bands welt­weit kann näm­lich auch gut er­zäh­len. Ih­rer In­itia­ti­ve ist auch zu dan­ken, dass ehe­ma­li­ge blaue Mäd­chen am 25. Juli 2020 beim ge­mein­sa­men Pick­nick im Fest­spiel­park den Ge­ne­sungs­wunsch für Ka­tha­ri­na Wag­ner an der Dop­pel­tür des Kö­nigs­por­tals an­ge­bracht ha­ben.

Ge­ne­sungs­wunsch von ehe­ma­li­gen blau­en Mäd­chen vom 25. Juli 2020 Foto: Re­bec­ca Mei­er
Tipps und Links vom 28. Juli: War­um sehr gute Siegfried“-Vorstellungen Sel­ten­heits­wert ha­ben, hat sich mir ges­tern wie­der ge­zeigt. Selbst ein Ki­rill Pe­tren­ko kann den Abend letzt­lich nicht ret­ten, wenn die sän­ge­risch höl­lisch schwie­ri­ge Ti­tel­fi­gur und in den ers­ten zwei Ak­ten be­son­ders auch Mime nicht erst­klas­sig be­setzt sind (was na­tür­lich auch von der je­wei­li­gen Ta­ges­form ab­hängt). Von den Pro­ble­men im zwei­ten Teil des drit­ten Akts ganz zu schwei­gen, wenn der oh­ne­hin schwer stra­pat­zier­te „Held“ dann auch noch auf die aus­ge­ruh­te Brünn­hil­de trifft. Bin sehr ge­spannt, wenn ich dem­nächst die Kup­fer-In­sze­nie­rung strea­me, wie ich dann Sieg­fried Je­ru­sa­lem höre, denn in mei­ner Er­in­ne­rung aus selbst er­leb­ten Auf­füh­run­gen gab es sän­ge­risch kei­nen bes­se­ren Sieg­fried als ihn im Pre­mie­ren­jahr 1988 in Bay­reuth. Da­ni­el Ba­ren­bo­im, der Di­ri­gent die­ser Pro­duk­ti­on spricht üb­ri­gens ab heu­te im Rah­men von Dis­kurs Bay­reuth im Ge­spräch mit Thea Dorn auch über sei­ne Wag­ner-Er­fah­run­gen – und über An­ti­se­mi­tis­mus. Nur ein klei­ner Sei­ten­blick nach Salz­burg: mit ei­nem In­ter­view mit „Elektra“-Dirigent Franz Wel­ser-Möst und der doch über­ra­schen­den Nach­richt, dass bei den Fest­spie­len selbst die nur zwei Opern noch nicht aus­ver­kauft sind (Punkt 6 im ORF-Nach­rich­ten­block).
Tipps und Links vom 27. Juli: Auch die „Wal­kü­re“ un­ter Ki­rill Pe­tren­ko im Ra­dio hat mich wie­der rest­los be­geis­tert. Phä­no­me­nal vor al­lem Anja Kam­pes Sieg­lin­de, die bei un­ge­wöhn­lich gro­ßer Wort­ver­ständ­lich­keit (die zu er­rei­chen auch viel Kön­nen und Kon­zen­tra­ti­on kos­tet) die Par­tie in all ih­ren Fa­cet­ten von An­fang bis Ende so le­ben­dig, so mit­füh­lend, so aus­drucks­stark und, was die No­ten be­trifft, so prä­zi­se ge­sun­gen hat, wie es wohl auch Ri­chard Wag­ners mu­sik­dra­ma­ti­schem Ide­al ent­spro­chen hät­te. Eine sin­gu­lä­re Leis­tung, die si­cher auch da­mit zu tun hat, dass Kam­pe sich bei Pe­tren­ko be­son­ders gut auf­ge­ho­ben füh­len darf. Es gäbe noch viel zu sa­gen, aber heu­te nur noch das: Ge­nau zum Wal­kü­ren­ritt führ­ten in un­se­rem Gar­ten Fle­der­mäu­se ei­nen wil­den Luft­tanz auf, dass man stre­cken­wei­se den­ken konn­te, es wä­ren nicht nur drei son­dern acht! Das Ho­jo­to­ho über die Nicht-Fest­spiel­eröff­nung in den Me­di­en bleibt heu­te kurz: hier der Link zum ZDF-Kurz­be­richt in den Heu­te-Nach­rich­ten. In­ter­es­san­ter wäre si­cher­lich Ma­nu­el Brugs Ar­ti­kel „Heim­kehr der Hü­te­rin“ über Ka­tha­ri­na Wag­ner, aber des­halb ex­tra Welt+ abon­nie­ren? Ju­dith von Stern­burg hat für die Frank­fur­ter Rund­schau mit Va­len­tin Schwarz über sei­nen „Ring“ in Bay­reuth ge­spro­chen, Mar­kus Thiel vom  Münch­ner Mer­kur mit Joana Mall­witz über ihre „Così fan tut­te“ in Salz­burg. Der in Bay­reuth der­zeit ar­beits­lo­se Beck­mes­ser Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le wird in die­ser ge­kürz­ten Fas­sung üb­ri­gens ab 2. Au­gust als Don Al­fon­so zu er­le­ben sein (Pre­mie­re live um 17 Uhr auch auf Arte) – und er gibt, um schnell wie­der die Kur­ve nach Ober­fran­ken zu krie­gen, für die Buch­hand­lung Breu­er & Sohn so­gar aus­führ­li­che Le­se­tipps. War­um nicht dort be­stel­len? Ist doch eine schö­ne Ge­le­gen­heit, den um sei­ne fünf­te Jah­res­zeit be­raub­ten Han­del in der Fest­spiel­stadt nicht ganz aus­zu­tro­cken! Schnell noch ein Vi­deo, weil Bugs Bun­ny heu­te 80. Ge­burts­tag und un­ter an­de­rem ei­nen herr­li­chen Wag­ner­opern-Schnell­durch­gang vor­ge­legt hat.
Tipps und Links vom 26. Juli: Habe den gest­ri­gen Tag zwar ohne Brat­würs­te ver­strei­chen las­sen, aber mit dem „Rhein­gold“ un­ter Ki­rill Pe­tren­ko im Ra­dio. Weil ich 2015 den drit­ten und al­ler­letz­ten Petrenko-„Ring“ im Fest­spiel­haus auf ei­nem ech­ten Hör­platz in der Ga­le­rie er­le­ben durf­te, war mir klar, was für un­glaub­li­che mu­si­ka­li­sche  Kost­bar­kei­ten auch von die­ser Auf­zeich­nung vom ers­ten Zy­klus zu er­war­ten wa­ren. So wer­de ich mit mei­ner vir­tu­el­len Fest­spiel­zeit erst mal nur hö­rend fort­fah­ren (da­bei aber sehr vie­les qua­si auch se­hen, wo­bei es sich si­cher nicht um Bil­der aus der Cas­torf-In­sze­nie­rung han­delt). Al­les an­de­re – na­tür­lich freue ich mich auch auf ein Wie­der­se­hen mit den „Ring“-Inszenierungen von Pa­tri­ce Ché­reau und Har­ry Kup­fer, die jetzt er­freu­li­cher­wei­se ja noch län­ger greif­bar sind – kann war­ten. Und gebe al­len, die Chris­ti­an Thie­le­mann für den­je­ni­gen hal­ten, der in mu­si­ka­li­schen Din­gen als Mu­sik­di­rek­tor wei­ter­hin das Sa­gen am Grü­nen Hü­gel ha­ben soll­te, zu be­den­ken, dass es auf sein Kon­to geht, dass maß­geb­li­che Wag­ner-Di­ri­gen­ten wie Pe­tren­ko, An­dris Nel­sons und Hart­mut Ha­en­chen, die an­ders als er die Wag­ner-In­ter­pre­ta­ti­on wirk­lich vor­an­brin­gen, nicht mehr im Fest­spiel­haus wir­ken. Hier noch ein paar Be­rich­te über den gest­ri­gen Tag: aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier über das Wahn­fried-Kon­zert und den von der rüh­ri­gen Ara­bel­la Hell­mann vom Wag­ner­ver­band Am­mer­see or­ga­ni­sier­ten Pick­nick-Treff am Hü­gel, welch letz­te­ren der BR un­ter dem Ti­tel „Kein nor­ma­ler Ju­li­tag“ mit dem be­rüh­ren­den Foto vom Ge­ne­sungs­wunsch ehe­ma­li­ger blau­er Mäd­chen für Ka­tha­ri­na Wag­ner be­bil­dert hat. Al­les Wei­te­re dem­nächst …Tipps und Links vom 25. Juli: Ja, erst­mals seit 1951 fin­den, wie es un­ter an­de­rem in der F.A.Z. von Jan Brach­mann und hier von mir be­schrie­ben wird, kei­ne Bay­reu­ther Fest­spie­le statt. Da­für gibt es heu­te, pünkt­lich zum nicht vor­han­de­nen Fest­spiel­be­ginn, ein De­büt – und das dürf­te mei­ne heu­ti­ge gute Nach­richt sein –, das ei­nem zu­min­dest, egal wo man ist, zu­ver­läs­sig das Pau­sen­fee­ling in Nase zau­bert: Erst­mals wird der „Tag der frän­ki­schen Brat­wurst“ ge­fei­ert! Un­ter Aus­las­sung des be­lieb­ten The­mas „Wag­ner und die Wurst“ wen­de ich mich dar­über hin­aus ger­ne an alle, die den ro­ten Tep­pich ver­mis­sen. War­um nicht ein­fach – dem Baye­ri­schen Rund­funk sei Dank – den Pro­mi­auf­lauf von 2019 noch­mal rein­zie­hen? Oder den Li­ve­ti­cker der Fest­spiel­auf­fahrt 2018 beim Nord­baye­ri­schen Ku­rier? Wer eher an Fest­spiel­kunst in­ters­siert ist, wird bei den kos­ten­lo­sen tri­me­dia­len An­ge­bo­ten jetzt auch ta­ges­ak­tu­ell auf der Fest­spiel­home­page in­for­miert – und noch um­fas­sen­der auf der Bay­reuth-Sei­te vom BR. Noch ein hei­ßer Tipp für alle, die den Petrenko-„Ring“ längst mit­ge­schnit­ten und das Kupfer-„Rheingold“ als DVD, also heu­te Abend noch Wag­ner­ko­s­um­ka­pa­zi­tä­ten frei ha­ben: Die Nürn­ber­ger Po­cket Ope­ra, die 2013 Wag­ners Sing­spiel-Frag­ment „Män­ner­list grö­ßer als Frau­en­list oder Die glück­li­che Bä­ren­fa­mi­lie“ von 1837/38 kom­plet­tiert und ur­auf­ge­führt hat, streamt die­se Pro­duk­ti­on heu­te um 20.15 Uhr auf You­Tube. Bin sehr ge­spannt, wie die fol­gen­de klei­ne Sze­ne aus die­ser ko­mi­schen Oper nach Tau­send­und­ei­ne­n­acht (WWV 48) dort aus­fällt:
ABENDT­HAU (die Gäs­te be­kom­pli­men­ti­ren ein­an­der.) Ha, will­kom­men, edle Gäs­te, zu dem ho­hen Freu­den­fes­te; bei dem Ko­sen sanf­ter Wes­te nach der Nach­ti­gal­len Nes­te an des Ta­ges küh­lem Fes­te – (Bleibt ste­cken.)
ANA­STA­SI­US (will nach­hel­fen.) Vor­be­rei­tet auf das Bes­te, die Guir­lan­den alle fes­te, neu ge­flickt die bun­te Wes­te – (Bleibt ste­cken.)
CHOR. Ha, vor­treff­lich – Al­les schön – Hier im Gar­ten – wie amön!
Feh­len ei­gent­lich nur noch die Brat­würs­te …
Tipps und Links vom 24. Juli: Nor­ma­ler­wei­se gäbe es heu­te in Bay­reuth die Fest­spiel-Pres­se­kon­fe­renz und Ka­tha­ri­na Wag­ner wür­de end­lich ver­ra­ten, wel­che Di­ri­gen­tin nächs­tes Jahr die Neu­pro­duk­ti­on vom „Flie­gen­den Hol­län­der“ lei­ten wird. (Mein Tipp: Es könn­te eine sein, die auch schon beim Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker ei­nen Preis ge­won­nen hat.) Aber zu­rück zur Ge­gen­wart: Die fünf­te Jah­res­zeit fällt aus, die Fest­spiel­lei­te­rin ver­sucht in der Reha bis Herbst wie­der fit zu wer­den, und un­ser­eins bleibt nur der Blick in die Me­di­en. Gott sei Dank bin ich, was die po­si­ti­ve Mel­dung aus der Fest­spiel­stadt am Ro­ten Main be­trifft, schnell fün­fig ge­wor­den. Heu­te und mor­gen spie­len, wie der Nord­baye­ri­sche Ku­rier be­rich­tet, ei­ni­ge Blä­ser des Fest­spiel­or­ches­ters böh­mi­sche Blas­mu­sik. Über das mor­gi­ge Fest­spiel­eröff­nungs-Er­satz­kon­zert, das um 16 Uhr  im Wahn­fried-Saal statt­fin­det, von dort live zum Pu­blic-Viewing vor dem Haus und auf BR Klas­sik im Ra­dio über­tra­gen wird, spricht un­ter dem Ti­tel „Wir ver­ges­sen den Ri­chard nicht“ Chris­ti­an Thie­le­mann, Di­ri­gent und Fest­spiel-Mu­sik­di­rek­tor. Hol­ger von Berg und Heinz-Die­ter Sen­se, die ak­tu­el­len Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH, ha­ben im Ge­spräch mit der Deut­schen Pres­se-Agen­tur eben­so aus­führ­lich die pre­kä­re Lage der Fest­spie­le be­schrie­ben. Lei­der habe ich, ver­mut­lich weil mir das For­mat noch nicht ge­läu­fig ist, es ver­passt, recht­zei­tig auf eine On­line-Vi­deo­kon­fe­renz mit Zoom von Sa­bi­ne Sonn­tag hin­zu­wei­sen: Heu­te um 18 Uhr kann man bei ihr jede Men­ge zum The­ma „Bay­reuths Rie­sen. Der Ring in Bay­reuth von der Ur­auf­füh­rung bis heu­te“ er­fah­ren – und be­stimmt auch über den Stutt­gar­ter „Ring“, des­sen letz­ter Teil ab heu­te 17 Uhr ge­streamt wird. Zum Aus­blick noch das: Nor­ma­ler­wei­se wäre An­ge­la Mer­kel mor­gen zur Fest­spiel­eröff­nung ge­fah­ren. Axel Brüg­ge­mann hat per Vi­deo ei­nen Vor­schlag, was die Bun­des­kanz­le­rin statt­des­sen tun könn­te, näm­lich nach Bad Kreuz­nach zu fah­ren, in den Gar­ten von Ste­fan und Sa­bi­ne Vin­ke, die dort ihre ei­ge­nen Wag­ner-Fest­spie­le stem­men … Der 1. Akt „Wal­kü­re“ wird um 17.30 Uhr live auf der Face­book­sei­te von Klas­sik-Ra­dio über­tra­gen.
Tipps und Links vom 23. Juli: Je­den Tag we­nigs­tens eine po­si­ti­ve Mel­dung aus der Fest­spiel­stadt Bay­reuth: Ob ich das hin­krie­ge? Zu­min­dest heu­te klappt’s, dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst und Kan­tor Mi­cha­el Lip­pert sei Dank! An­sons­ten wei­se ich ger­ne auf zwei Ter­mi­ne hin, die sich mit Ge­gen­wart und Zu­kunft der Fest­spie­le be­fas­sen. Heu­te Abend um 18 Uhr ver­an­stal­tet die Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ ei­nen Live-Chat. Zum The­ma „Die Fest­spie­le fal­len aus – Wie geht es wei­ter mit Wag­ners Bay­reuth?“ spre­chen Zeit-Re­dak­teur und Bay­reuth-Ken­ner Flo­ri­an Zin­ne­cker und Dr. Sven Fried­rich, Di­rek­tor des Wag­ner­mu­se­ums, und stel­len sich den Fra­gen des On­line-Pu­bli­kums. Und am mor­gi­gen Frei­tag bie­tet SWR2 um 17.05 Uhr eine Ge­sprächs­run­de un­ter dem Mot­to „Kin­der, schafft Neu­es!“ Ri­chard Wag­ners Bay­reuth im Co­ro­na-Zeit­al­ter mit Heinz-Die­ter Sen­se, Ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor der Bay­reu­ther Fest­spie­le, Prof. Dr. Ste­phan Mösch, aus Bay­reuth stam­men­der Au­tor, Kri­ti­ker und Mu­sik­wis­sen­schaft­ler von Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he, so­wie Dr. Pa­tric Sei­bert, Re­gis­seur, Dra­ma­turg und mehr­fach Mit­wir­ken­der in Frank Cas­torfs Bay­reu­ther „Ring“-Inszenierung. Das Ti­tel­zi­tat der Sen­dung ist zwar nicht kor­rekt, auch die bei­den Tea­ser-Sät­ze „Nur die bei­den Welt­krie­ge konn­ten die Bay­reu­ther Fest­spie­le bis­lang stop­pen. Auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie trifft es Ri­chard Wag­ners be­rühm­tes Erbe nun zum ers­ten Mal auch im Frie­den“ sind in­halt­lich falsch, aber die rich­ti­gen Fra­gen könn­ten ja trotz­dem ge­stellt wer­den.
Tipps und Links vom 22. Juli: Über das Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Cha­os in Sa­chen Fest­spiel­kon­zert habe ich mich aus­führ­lich in dem ge­son­der­ten Blog-Bei­trag „Neu­es­te Nach­rich­ten aus dem Kreh­win­kel“ aus­ge­las­sen, rei­che aber ger­ne den jüngs­ten Ar­ti­kel aus dem Nord­baye­ri­schen Ku­rier nach, der frei zu­gäng­lich in der Neu­en Pres­se Co­burg er­schie­nen ist. Übers „War­ten auf bes­se­re Zei­ten“ lässt sich Jür­gen Ka­nold in der Hei­den­hei­mer Zei­tung aus, ob sie spä­tes­tens 2022 mit der „Ring“-Inszenierung von Va­len­tin Schwarz kom­men könn­ten, fragt sich Mar­co Frei in der Neu­en Zür­cher Zei­tung. Auch Hol­ger Nolt­ze wagt auf takt1 ei­nen Aus­blick in die nä­he­re Zu­kunft: Sieht für rich­ti­ge Opern­auf­füh­run­gen nicht son­der­lich gut aus, denn er schreibt: „Es geht nicht mehr um eine Atem­pau­se für den so­wie­so über­hitz­ten Be­trieb, die man­cher wo­mög­lich still be­grüßt hat. Jetzt geht es dar­um, für die hy­gie­nekon­zep­tu­ell heik­le wie künst­le­risch fra­gi­le Kunst­form Oper neue Wege ih­rer Er­mög­li­chung zu fin­den. Sonst folgt der Fra­ge: Was geht? bald die an­de­re: Was bleibt? Man muss sich sor­gen, um die mehr denn je „un­mög­li­che“ (so nann­te sie einst Os­kar Bie) Kunst der Oper, um ihre Kri­ti­ke­rin­nen und Kri­ti­ker, auch um die Opern­welt. Und dass das mu­si­ka­li­sche Thea­ter so viel Er­fah­rung im Um­gang mit Un­ter­gän­gen hat, ist nur ein schwa­cher Trost.“ Umso neu­gie­ri­ger darf man auf das sein, was ab 1. Au­gust bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len mög­lich sein wird. Ei­nen ers­ter kon­kre­te­ren Vor­ge­schmack fin­det sich auf Dreh­punkt Kul­tur, in ei­nem Ar­ti­kel über die Mo­zar­t­oper „Così fan tut­te“, die Di­ri­gen­tin Joana Mall­witz und Re­gis­seur Chris­tof Loy ge­mein­sam ge­kürzt ha­ben, da­mit sie un­ter ös­ter­rei­chi­schen Co­ro­na-Auf­la­gen auf­ge­führt wer­den kann. Die Pre­mie­re am 2. Au­gust wird üb­ri­gens live und kos­ten­los auf Arte über­tra­gen, ne­ben wei­te­ren  Hö­he­punk­ten der ver­kürz­ten Ju­bi­lä­ums­fest­spie­le.
Tipps und Links vom 21. Juli: Schon wie­der eine gute Nach­richt aus Bay­reuth: Das Ba­rock­fes­ti­val im Mark­gräf­li­chen Opern­haus von 3. bis 13. Sep­tem­ber wird statt­fin­den! Und das Kon­zert am Er­öff­nungs­tag der ab­ge­sag­ten Fest­spie­le wird, wie an die­ser Stel­le mehr­fach an­ge­deu­tet, in Wahn­fried durch­ge­führt. Wen­den wir den Blick gen Ber­lin, gibt es auch dort Po­si­ti­ves zu be­rich­ten: Der Se­nat will am Diens­tag das Sin­gen in ge­schlos­se­nen Räu­men er­leich­tern, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet. In der­sel­ben Zei­tung wird be­leuch­tet, wie es der­zeit in Frank­reichs Kul­tur­be­trieb aus­sieht, wäh­rend im schwei­ze­ri­schen Blick In­ten­dant An­dre­as Ho­mo­ki vom Opern­haus Zü­rich zu Wort kommt (was man sich un­be­dingt im Vi­deo an­schau­en soll­te, des Mo­de­ra­to­ren­dia­lekts we­gen). Zwei Ar­ti­kel noch aus der New York Times (an die man ohne An­mel­dung kommt, wenn man den Text bei Er­schei­nen so­fort mar­kiert und ko­piert): ers­tens eine Re­por­ta­ge über das Wie­der­erwa­chen des Opern­le­bens in Deutsch­land und zwei­tens ein Be­richt über die Live­stream-Re­ci­tals der Met, die je­weils 20 Dol­lar kos­ten und mit Jo­nas Kauf­mann ge­star­tet sind. Schön von An­tho­ny Tom­ma­si­ni zu er­fah­ren, dass der Te­nor nicht nur sehr gut bei Stim­me ist, son­dern  5000 Dol­lar für jetzt ar­beits­lo­se Met-Künst­ler ge­spen­det hat. Was das Strea­men be­trifft, so er­in­ne­re ich ger­ne dar­an, dass noch bis Frei­tag (17 Uhr) der Stutt­gar­ter „Sieg­fried“ zu ha­ben ist – und da­nach die „Göt­ter­däm­me­rung“.
Tipps und Links vom 20. Juli: Wenn es un­ter den Wag­ner­sän­gern ei­nen gibt, der nicht nur tat­kräf­tig schon wie­der über­all, wo es nur geht, singt, son­dern sich auch hör­bar für bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen ein­setzt, ist das der Bas­sist Gün­ther Groissböck. Das weiß man auch in Ös­ter­reich zu schät­zen, denn der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan be­kommt An­fang Au­gust als Aus­hän­ge­schild für sein Hei­mat­land den ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en-Son­der­preis ver­lie­hen. Und weil es in jüngs­ter Zeit ge­ra­de Mode ge­wor­den ist, für Di­ri­gen­tin­nen zu schwär­men, zeigt Lju­biša Tošic im Stan­dard un­ter dem Ti­tel „Män­ner, aus dem Weg!“ auf, dass und war­um di­ri­gie­ren­de Frau­en im­mer noch eher die Aus­nah­me sind. Ob­wohl auch Joana Mall­witz mit fol­gen­dem er­freu­li­chen Satz zi­tiert wird: „Ich habe noch nicht er­lebt, dass eine Kol­le­gin ge­holt wur­de, weil es Mode ist.“ Lei­der noch ohne Re­gis­seu­rin­nen kommt die von Mu­se­ums­chefin Clau­dia Balk kon­zi­pier­te jüngs­te Aus­stel­lung im Deut­schen Thea­ter­mu­se­um in Mün­chen aus. Das The­ma Re­gie­thea­ter ist aber in je­dem Fall reiz­voll, wie Abend­zei­tung und Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­ten. Und weil die Schau im Un­ter­ti­tel als „eine deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Ge­schich­te“ klas­si­fi­ziert wird, krie­ge ich so­gar noch die Kur­ve zu Gün­ther Groissböck …
Tipps und Links vom 18. und 19. Juli: Un­ter der Über­schrift „Das Öff­nen ei­nes To­res“ gibt  es seit ges­tern in der Süd­deut­schen Zei­tung (mit Be­zahl­schran­ke) ein le­sens­wer­tes In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser, dem Salz­bur­ger Fest­spiel­in­ten­dan­ten. Ohne Zu­gangs­be­schrän­kung und eben­falls le­sens­wert ist der SZ-Ar­ti­kel „Auf Au­gen­hö­he“, in dem Su­san­ne Her­man­ski die be­son­de­ren neur­al­gi­schen Punk­te baye­ri­scher Kul­tur­po­li­tik be­schreibt – wozu auch die Wag­ner-Fest­spie­le ge­hö­ren. Ein nur auf Bay­reuth be­zo­ge­nes Fa­zit, näm­lich dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le nicht nur we­gen Co­ro­na in der Kri­se ste­cken, zieht Pe­ter Jung­blut für Deutsch­land­funk Kul­tur  (und zum Nach­le­sen auf BR24) in sei­nem mit O-Tö­nen von Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels durch­setz­ten Kom­men­tar. Soll man wei­nen oder la­chen über die An­kün­di­gung, dass am 25. Juli, dem Tag, an dem nor­ma­ler­wei­se die Fest­spie­le er­öff­net wer­den, even­tu­ell Mu­sik­di­rek­tor Chris­ti­an Thie­le­mann und Ge­org von Wal­den­fels bei der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth aus Brie­fen von Ri­chard Wag­ner vor­le­sen? Im­mer­hin hat sich auf den letz­ten Drü­cker doch noch auch auf der Home­page der Fest­spie­le et­was ge­tan: Beim bis­her un­ver­än­dert ver­öf­fent­lich­ten Spiel­plan 2020 steht jetzt ein­gangs we­nigs­tens die In­for­ma­ti­on, dass die Fest­spiel­sai­son 2020 Co­ro­na-be­dingt ver­scho­ben wur­de. Und so­gar für das Rah­men­pro­gramm Dis­kurs Bay­reuth, ein Her­zens­pro­jekt des schei­den­den Fest­spiel-Ge­schäfts­füh­rers Hol­ger von Berg, das heu­er von Ber­lin aus nur im Netz statt­fin­den soll, gibt es zu­min­dest eine vier­zei­li­ge An­kün­di­gung. Aber mehr auch nicht. Liegt das nur am man­geln­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent von Ku­ra­to­rin Ma­rie Lui­se Maintz oder ist das Di­ckicht der Zu­stän­dig­kei­ten in­ner­halb der Fest­spiel­ver­wal­tung ein­fach zu groß? Im­mer­hin ha­ben un­ter­halb des Grü­nen Hü­gels (und au­ßer­halb der Fest­spiel-GmbH) die Wahn­fried-Kon­zer­te über­lebt, die si­cher noch ex­klu­si­ver als in Vor-Co­ro­na-Zei­ten sein dürf­ten. Und wer weiß, ob nicht auch das Er­öff­nungs­kon­zert, das von BR Klas­sik live über­tra­gen wird, dort statt­fin­det? Blei­ben ne­ben of­fe­nen Fra­gen noch die Strea­ming-Emp­feh­lun­gen, die ich heu­te ger­ne der Neu­en Mu­sik­zei­tung über­las­se. Bis auf ei­nen Ter­min: Mor­gen um 15 Uhr wer­de ich kei­nes­falls die zwei­te Ge­sangs­lek­ti­on von Diet­rich Vol­le von der Oper Frank­furt ver­säu­men. Er macht das näm­lich rich­tig gut!
Tipps und Links vom 17. Juli: Heu­te ist wie­der mal ein Stutt­gart-Tag: Über das „Büh­nen­frei­fest­spiel“, das Va­len­tin Schwarz, der Re­gis­seur des nächs­ten „Rings“ in Bay­reuth (statt heu­er vor­aus­sicht­lich 2022) zu­sam­men dem dem dor­ti­gen Staats­opern­chor rea­li­siert hat, sind zwei ziem­lich un­ter­schied­li­che Be­rich­te auf SWR2 und beim Deutsch­land­funk Kul­tur greif­bar. Dass Schwarz un­ter an­de­rem Re­gi­as­sis­tent bei Jos­si Wie­ler und Ser­gio Mo­r­abi­to war, fügt sich wun­der­bar mit mei­nem Stream-Tipp. Heu­te Abend geht es end­lich wei­ter mit dem drit­ten „Ring“-Teil: Der Stutt­gar­ter „Sieg­fried“ vom Team Wieler/​Morabito in der Aus­stat­tung von Anna Vie­b­rock ist ein Muss für je­den Wag­ne­ria­ner und Opern­freund. Nicht zu­letzt, weil Heinz Göh­rig ein­fach ein um­wer­fen­der Mime ist – und so­mit auf Au­gen­hö­he mit Heinz Zed­nik, Gra­ham Clar­ke und Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke.
Tipps und Links vom 16. Juli: Nach­dem ich flei­ßig die vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le in al­len Ein­zel­hei­ten un­ter an­de­rem in zwei ge­son­der­ten Blog-Ar­ti­keln auf­ge­lis­tet habe, darf ich mel­den, dass es heu­er auch nicht-vir­tu­el­le Wag­ner-Fest­spie­le gibt: näm­lich die Wein­viert­ler Fest­spie­le, die von 2. bis 23. Au­gust an zwei Spiel­or­ten in Nie­der­ös­ter­reich bzw. Tsche­chi­en statt­fin­den, näm­lich in Poys­dorf im ös­ter­rei­chi­schen Wein­vier­tel und im Am­phi­thea­ter von Mi­kul­ov, di­rekt an der Gren­ze im tsche­chi­schen Teil des Wein­vier­tels. Ne­ben ei­ner Er­öff­nungs­ga­la, ei­nem Best-of-Wag­ner- und ei­nem Kin­der-Pro­gramm gibt es in Mi­kul­ov als Open-Air-Ver­an­stal­tun­gen hoch­ka­rä­tig be­setz­te In­sze­nie­run­gen von „Tris­tan und Isol­de“ und dem „Flie­gen­den Hol­län­der“. Zu den So­lis­ten zäh­len René Pape, Anna Gab­ler, Gün­ther Groissböck, Franz Haw­la­ta, Mag­da­le­na Anna Hoff­mann, Da­ni­el Kirch, To­masz Ko­nie­cz­ny, Tho­mas Jo­han­nes May­er, Mar­ti­na Sera­fin so­wie Fest­spiel-In­ten­dant Pe­ter Svens­son. Und weil ge­ra­de von Sän­gern die Rede ist, ver­lin­ke ich ger­ne noch ei­nen herz­er­wär­men­den  Ar­ti­kel aus der Wie­ner Zei­tung „End­lich wie­der sin­gen“ über ei­nen Chor­kna­ben an der Wie­ner Staats­oper.
Tipps und Links vom 15. Juli:  Die Mel­dung des Ta­ges hat ges­tern Pe­ter Jung­blut auf BR24 plat­ziert: Ka­tha­ri­na Wag­ner geht es laut Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den Ge­org von Wal­den­fels in­zwi­schen wie­der bes­ser. Er sei op­ti­mis­tisch, dass sie im Herbst wie­der ihr Amt über­neh­men kön­ne. Wie es nach wei­te­ren Per­so­na­li­en in dem Be­richt heißt, „geht der Ver­wal­tungs­rat der Fest­spie­le noch da­von aus, dass die Sai­son 2021 statt­fin­det, wenn auch der Kar­ten­ver­kauf wo­mög­lich erst spä­ter als üb­lich be­gin­nen kön­ne. Über den Spiel­plan des nächs­ten Jah­res wird bis Ende Juli ent­schie­den.“ In Salz­burg hin­ge­gen ist der Kar­ten­ver­kauf für die dies­jäh­ri­ge hal­bier­te Sai­son an­ge­lau­fen. Der Stan­dard lobt un­ter an­de­rem die vor­an­ge­gan­ge­ne Rück­ab­wick­lung als Meis­ter­leis­tung des Kar­ten­bü­ros, der ORF ver­mel­det auch lei­se Co­ro­na-Be­den­ken. Mit wel­chen Pro­ble­men klei­ne­re Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in Bay­ern zu kämp­fen ha­ben, wird an­schau­lich in ei­ner BR-Re­por­ta­ge be­schrie­ben. Und nicht ver­ges­sen: Heu­te Abend um 21 Uhr wird aus Aix en Pro­vence Pa­tri­ce Ché­re­aus „Elek­tra“-In­sze­nie­rung ge­streamt. Es lohnt sich schon vor­her, auf die Sei­te zu ge­hen, denn es gibt In­ter­views mit Ché­reau und Wal­traud Mei­er.
Tipps und Links vom 14. Juli:  Die Kri­ti­ken zum Stutt­gar­ter Büh­nen­frei­fest­spiel von Bay­reuths künf­ti­gem „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz sind lei­der nicht frei zu­gäng­lich, nur noch ein wei­te­rer Vor­be­richt mit O-Tö­nen in der Hei­den­hei­mer Zei­tung. Ein aus­führ­li­ches In­ter­view mit Joana Mall­witz hat Mar­tin Fich­ter-Wöß von der ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten­agen­tur APA ge­führt. Kein Wun­der, denn Nürn­bergs Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­to­rin wird bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len heu­er eine ge­kürz­te Ver­si­on von Mo­zarts „Così fan tut­te“ di­ri­gie­ren und hat ei­ni­ges dazu zu sa­gen. Pe­ter Thei­ler, der frü­he­re Nürn­ber­ger und jet­zi­ge Sem­per­oper-In­ten­dant in Dres­den, äu­ßert sich in ei­ner aus­führ­li­chen Re­por­ta­ge auf Deutsch­land­funk Kul­tur über die spe­zi­fi­schen Co­ro­na-Pro­ble­me mit dem schö­nen Ti­tel „Wenn Lie­ben­de auf Di­stanz blei­ben müs­sen“. Auf mei­ne ban­ge Fra­ge (sie­he Tipps und Links vom 6. Juli), wo ei­gent­lich bei der Vir­tu­el­len Fest­spiel­zeit die ak­tu­el­le­ren Fest­spiel­auf­zeich­nun­gen ab­ge­blie­ben sind, gibt es seit heu­te eine Ant­wort: Sie sind kos­ten­pflich­tig auf DG Sta­ge, der Klas­sik­platt­form der Deut­schen Gram­mo­phon zu ha­ben, was sich auf der Fest­spiel­home­page als „Die Bay­reu­ther Fest­spie­le 2020 in vir­tu­el­ler Form in Part­ner­schaft mit Deut­sche Gram­mo­phon“ schon ge­nau­so höl­zern liest wie es ist. Mehr dazu dem­nächst in Beers Blog.
Tipps und Links vom 13. Juli:  Dass auch die Mu­sik­thea­ter­kunst sich al­lent­hal­ben zu­rück­mel­det, il­lus­triert un­ter an­de­rem die ak­tu­el­le Frei­licht-Pro­duk­ti­on des Thea­ters Ko­blenz mit Ver­dis „Na­buc­co“. Al­ler­dings bleibt die Ge­wiss­heit, dass es noch län­ger dau­ern wird, bis man auch klang­lich wie­der eine Oper mit gro­ßem Chor und Or­ches­ter er­le­ben darf. Ob sich die un­ter be­son­ders stren­gen Co­ro­na-Be­schrän­kun­gen lei­den­den baye­ri­schen  Kul­tur­ver­an­stal­ter einst­wei­len auf den Kla­ge­weg be­ge­ben, un­ter­sucht Mar­kus Thiel im Münch­ner Mer­kur. Und in der Süd­deut­schen Zei­tung hat sich Ger­hard Mat­zig in sei­ner auch sprach­lich le­sens­wer­ten Re­por­ta­ge der Hy­gie­ne­maß­nah­men am Ber­li­ner En­sem­ble und dem Stadt­thea­ter Augs­burg an­ge­nom­men. Hm. Bleibt un­ser­eins vor­erst doch nur das Strea­men. In die­ser Wo­che gehe ich in­so­fern in die Vol­len, als ich mir zwei ver­glei­chen­de Aben­de mit „Mo­ses und Aron“ von Ar­nold Schön­berg gön­ne – ein­mal in der Ver­si­on von Ro­meo Castel­lu­ci und Phil­ip­pe Jor­dan an der Pa­ri­ser Oper (13. bis 19. Juli) und ein­mal aus der Ko­mi­schen Oper un­ter Bar­rie Kos­ky und Vla­di­mir Ju­row­ski (bis 11. Sep­tem­ber). So­was be­kommt man ga­ran­tiert nicht so schnell wie­der frei Haus! Heu­te Abend um 21 Uhr gebe ich mir aber erst noch­mals die folk­lo­re­freie und ge­nia­le Psy­cho­the­ra­piedra­ma-„Car­men“ in der In­sze­nie­rung von Dmi­tri Tcher­nia­kov aus Aix en Pro­vence, de­ren Ende (ein­schließ­lich der Re­ak­ti­on von Don José-Sän­ger Mi­cha­el Fa­bia­no beim Schluss­bei­fall) sich mir un­ver­gess­lich ein­ge­brannt hat. Und spät, aber ger­ne ver­wei­se ich noch auf die wö­chent­li­chen Strea­ming-Tipps aus der Neu­en Mu­sik­zei­tung.
Tipps und Links vom 11. und 12. Juli: Wäh­rend ein Hauch von Zu­kunft der Bay­reu­ther Fest­spie­le ak­tu­ell in Stutt­gart weht, wo der de­si­gnier­te „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz ab mor­gen so­wie am 15. und 16. Juni mit dem Opern­chor das „Büh­nen­frei­fest­spiel Demo(kratie)“ auf die Bei­ne stellt, wirft eine ak­tu­el­le Mel­dung aus Flo­renz ein Schlag­licht zu­rück in un­be­wäl­tig­te äl­te­re und jün­ge­re Ver­gan­gen­heit. Alex­an­der Pe­rei­ra, In­ten­dant des Mag­gio Mu­si­ca­le Fio­ren­ti­no, holt in der kom­men­den Sai­son Ja­mes Le­vi­ne für Opern- und Kon­zert­di­ri­ga­te nach Flo­renz, wor­über un­ter an­de­rem BR Klas­sik aus­führ­lich be­rich­tet. Vor zwei Jah­ren hat Bernd Neu­hoff un­ter dem Ti­tel „Die Ge­schich­te ei­nes ver­dräng­ten Skan­dals“ die­se Miss­brauchs-Af­fä­re so sub­til und klar kom­men­tiert, dass sich die Lek­tü­re auch heu­te lohnt (auch in Hin­blick auf an­de­re ähn­li­che Pro­blem­fäl­le wie Dom­in­go u.a.). Apro­pos Ver­drän­gung: Auf der Home­page der Fest­spie­le kann man im Nach­ruf auf Nor­bert Ba­latsch se­hen, wie das auch um­ge­kehrt funk­tio­niert. Dass der lang­jäh­ri­ge Chor­di­rek­tor ne­ben den hier al­ler­dings nicht kom­plett auf­ge­zähl­ten Di­ri­gen­ten von 1982 bis 1998 im­mer­hin fünf­zehn Fest­spiel­som­mer lang auch mit Le­vi­ne zu­sam­men ge­ar­bei­tet hat, bleibt un­er­wähnt. Und was sagt Nor­man Leb­recht zu Le­vi­nes Flo­renz-En­ga­ge­ment? Al­ters­mä­ßig ist Leb­recht mit Pe­rei­ra zwar ein­deu­tig auf Au­gen­hö­he, aber sein ent­spre­chen­der Kom­men­tar auf Slip­ped Disc hat trotz­dem was. Ge­nug da­von – zu­rück nach Stutt­gart. Denn heu­te strea­me ich die „Wal­kü­re“. Und mor­gen Nach­mit­tag um 15 Uhr star­tet die drei­tei­li­ge, je­weils zwan­zig Mi­nu­ten dau­ern­de Ge­sangs­lek­ti­on mit Ba­ri­ton Diet­rich Vol­le von der Frank­fur­ter Oper, die ich mir ganz be­stimmt nicht ent­ge­hen las­se, denn mei­ne ers­te Ge­sangs­stun­de hat auch mit „Der Mond ist auf­ge­gan­gen“ an­ge­fan­gen …
Tipps und Links vom 10. Juli: Schon heu­te ma­che ich auf­merk­sam auf den mor­gi­gen Live-Stream af BR Klas­sik con­cert vom Ge­burts­tags­kon­zert Her­bert Blom­stedts um 20 Uhr aus Bam­berg. Seit Mon­tag ist der Eh­ren­di­ri­gent hier und probt, um am mor­gi­gen Sams­tag, dem 11. Juli,  dem Tag sei­nes 93. Ge­burts­tags – ein Kon­zert mit den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern zu di­ri­gie­ren. Auf dem Pro­gramm ste­hen die Sym­pho­nie Nr. 3 „Sym­pho­nie lit­ur­gi­que“ von Ar­thur Hon­eg­ger und die Sym­pho­nie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Jo­han­nes Brahms. Ger­ne gebe ich Ent­war­nung, was das Preis­trä­ger­kon­zert der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker be­trifft: Es ist wie­der on­line, je­der kann sich jetzt sel­ber ein (Hör-)Bild ma­chen. Wäh­rend 1. Preis­trä­ger Fin­ne­gan Dow­nie Dear sei­ne Kar­rie­re noch vor sich hat, ist Da­ni­el Ba­ren­bo­im – eben­falls be­treut durch die Agen­tur As­ko­nas Holt – längst im Ze­nit und bringt in Ber­lin gleich zehn Ur­auf­füh­run­gen her­aus, wie er im In­ter­view in der B.Z. er­läu­tert. Und noch ein Di­ri­gent hat sich zu Wort ge­mel­det: Franz Wel­ser-Möst spricht mit Mar­kus Thiel vom Münch­ner Mer­kur über sei­ne spe­zi­fi­schen Co­ro­na-Er­fah­run­gen und dass man als Künst­ler den po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern zu­ar­bei­ten müs­se. Das hört be­stimmt auch Bernd Si­bler gern, der für Kul­tur zu­stän­di­ge baye­ri­sche Mi­nis­ter, der sich Pe­ter Jung­blut vom Baye­ri­schen Rund­funk ge­gen­über zu sei­nen viel­fach kri­ti­sier­ten Hilfs- und Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men äu­ßert. Apro­pos BR: Was das di­gi­ta­le Fest­spiel­pro­gramm be­trifft, so wur­de mir auf An­fra­ge mit­ge­teilt, dass „die Be­stand­tei­le der BR-KLAS­SIK-An­ge­bo­te des vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spiel­pro­gramms 2020 ab dem Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum 30 Tage „on de­mand“ ab­ruf­bar sind“ (sie­he Pro­gramm­ab­lauf wei­ter un­ten).
Tipps und Links vom 9. Juli: Der oder das Kud­del­mud­del um das so­ge­nann­te Fest­spiel­kon­zert am 25. Juli geht wei­ter. Der Nord­baye­ri­sche Ku­rier kommt kaum noch nach, den neu­es­ten Stand zu do­ku­men­tie­ren, wäh­rend die ver­schie­de­nen Pres­se­stel­len der be­tei­lig­ten Funk- und Fern­seh­an­stal­ten sich wei­ter­hin ih­ren je ei­ge­nen Reim drauf ma­chen. Im­mer­hin gibt es jetzt beim Baye­ri­schen Rund­funk tat­säch­lich nicht mehr die In­fos von 2019, son­dern eine ver­mut­lich rück­da­tier­te ak­tu­el­le Fest­spiel­sei­te. Al­ler­dings ha­ben der oder die Texter*in im­mer noch nicht be­grif­fen, dass man als Hö­rer ei­ner rei­nen Rund­funk­auf­zeich­nung nicht viel mit­krie­gen kann von der „Büh­nen­show von Re­gie­schreck Frank Cas­torf“. Und be­sag­tes Kon­zert „über­trägt BR-KLAS­SIK am 25. Juli um 16.05 Uhr di­rekt vom Grü­nen Hü­gel“ … War­um auch jetzt noch kei­ne Klar­heit über den Ver­an­stal­tungs­ort be­steht, liegt auf der Hand. Die Baye­ri­sche Schlös­ser- und Gär­ten­ver­wal­tung, die für das even­tu­ell in Fra­ge kom­men­de Mark­gräf­li­che Opern­haus zu­stän­dig ist, ver­langt be­kannt­lich sehr viel Mie­te. Wer soll das be­zah­len? Oder soll Fest­spiel­ge­schäfts­füh­rer Heinz-Die­ter Sen­se von sei­nem De­men­ti zu­rück­ru­dern (sie­he Tipps und Links vom 6. Juli) und das Gan­ze bes­ser doch ins zu­schau­er­lo­se Fest­spiel­haus ver­le­gen? We­nigs­tens Va­len­tin Schwarz, der de­si­gnier­te Bay­reu­ther „Ring“-Regisseur, scheint ei­nen kla­ren Kopf bei­ein­an­der zu ha­ben, wie sei­nem jüngs­ten In­ter­view im Ta­ges­spie­gel zu ent­neh­men ist. Auch der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan Gün­ther Groissböck, der sich für eine Künst­ler­ge­werk­schaft en­ga­giert, bleibt am Ball, wie An­to­nia Mo­rin für BR Klas­sik re­cher­chiert hat. Und wie die de­zi­mier­ten Fest­spie­le in Salz­burg funk­tio­nie­ren kön­nen, dür­fen, sol­len, legt In­ten­dant Mar­kus Hin­ter­häu­ser in ei­nem aus­führ­li­chen In­ter­view mit Ge­org Ru­di­ger von der Schwä­bi­schen Zei­tung dar. Ge­nug Lek­tü­re! Wer das Stutt­gar­ter „Rhein­gold“ noch nicht ge­se­hen hat, soll­te sich spu­ten: Ist nur noch bis mor­gen Nach­mit­tag im kos­ten­lo­sen Stream zu ha­ben!
Tipps und Links vom 8. Juli: Bin wie­der zu­hau­se, wo mich prompt die lo­ka­le Kul­tur­welt auf­wühlt. Der Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb – neu­deutsch „The Mah­ler Com­pe­ti­ti­on“ – ist wohl nicht ganz so ver­lau­fen, wie man es sich wün­schen wür­de. Zwar durf­te je­der, der sich die Zeit da­für neh­men konn­te, den Wettbwerb im Live­stream ver­fol­gen, dass die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker aber an­schlie­ßend das Ab­schluss­kon­zert (bei dem 100 ana­lo­ge Zu­schau­er zu­ge­las­sen wa­ren) un­ter der Lei­tung des Ge­win­ners Fin­ne­gan Dow­nie Dear plötz­lich aus dem Netz ge­nom­men ha­ben, lässt Fra­gen of­fen. Letz­te­re hat be­reits wäh­rend der Durch­gän­ge Nor­man Leb­recht auf sei­ner Platt­form Slip­ped Disc ge­stellt, die be­kannt­lich je­des Ge­rücht aus der Mu­sik­welt ger­ne auf­greift. Am 6. Juli mel­de­te Leb­recht, dass der Wett­be­werb we­gen Re­gel­wid­rig­kei­ten bes­ser ein­ge­stellt wer­den soll­te, am 7. Juli folg­te die Mel­dung vom nir­gends mehr ver­füg­ba­ren Ab­schluss­kon­zert-Vi­deo – mit dem ver­nich­ten­den Wett­be­werbs-Fa­zit „It brought dis­credit on Mahler’s name, and on ever­yo­ne in­vol­ved.“ Im Frän­ki­schen Tag und bei Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung liest sich das durch­aus an­ders, wo­bei letz­te­rer im­mer­hin die co­ro­nabe­ding­ten Rei­se­pro­ble­me von Teil­neh­mern und Ju­ry­mit­glie­dern be­nennt. Und auf BR Klas­sik kann man im­mer noch nicht nur die Jury-Ent­schei­dung aus dem Mund von Ju­ry­vor­sit­zen­den Ja­kob Hrůša hö­ren, son­dern auch 1. Preis­trä­ger Fin­ne­gan Dow­nie Dear selbst so­wie La­hav Shani, Ge­win­ner des Mah­ler-Wett­be­werbs 2013.

Tipps und Links vom 7. Juli: Wie ein gut ge­mach­tes vir­tu­el­les Fest­spiel­pro­gramm aus­sieht, kann man an dem se­hen, was das Fes­ti­val von Aix en Pro­vence ne­ben sei­nen noch wei­ter lau­fen­den Strea­mings (sie­he wei­ter un­ten) an­bie­tet. Seit ges­tern und noch bis 15. Juli gibt es un­ter dem Mot­to #LA­SCÈ­NEN­U­MÉ­RI­QUE  je­weils ein vier­tei­li­ges di­gi­ta­les Ta­ges­pro­gramm zu ei­nem Schwer­punkt­the­ma, das in der Re­gel die abend­li­che Opern­pro­duk­ti­on (ab 21 Uhr) ist. Was ich mir be­stimmt nicht ent­ge­hen las­se, sind „Tos­ca“ am 11. Juli (Re­gie: Chris­to­phe Ho­no­ré), das Re­ci­tal mit Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber so­wie „Ma­ha­gon­ny“ am 12. Juli, die im­mer wie­der un­glaub­li­che „Carmen“-Inszenierung von Dmi­tri Tcher­nia­kov am 13. Juli und na­tür­lich das Pro­gramm vom 15. Juli, das hier bei­spiel­haft aus­führ­lich vor­ge­stellt sei: Am Mor­gen ab 7 Uhr gibt es ei­nes der letz­ten In­ter­views von Pa­tri­ce Ché­reau zu se­hen so­wie ein In­ter­view mit sei­ner Klytämnes­t­ra Wal­traud Mei­er (bei­des an die­sem Tag auch spä­ter ab­ruf­bar), mit­tags um 12 Uhr folgt die  Po­di­ums­dis­kus­si­on „Buil­ding a fu­ture: the Fes­ti­val in its own re­gi­on“ mit Fes­ti­val­lei­ter Pierre Audi, Maja Hoff­mann, Macha Ma­keï­eff, Jean-Fran­çois Choug­net so­wie Ti­mo­thée Pi­card als Mo­de­ra­tor, um 19 Uhr wird ein Kon­zert des Lon­don Sym­pho­ny Or­ches­tra un­ter Dun­can Ward mit Wer­ken von Leo­nard Bern­stein, Ga­bri­el Fau­ré, Hec­tor Ber­li­oz und Ge­or­ge Gershwin ge­zeigt, um 21 Uhr folgt dann, prä­sen­tiert von Wal­traud Mei­er, Pa­tri­ce Ché­re­aus letz­te Opern­ar­beit, „Elek­tra“ von Ri­chard Strauss un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von Esa-Pek­ka Sa­lo­nen.
Und gleich noch­mal Ché­reau: Auf der Home­page der ak­tu­ell be­son­ders ge­beu­tel­ten Pa­ri­ser Oper, die auch we­gen vie­ler Streiks schon vor Co­ro­na aus dem Ru­der lief und frü­her als ge­plant von ih­rem Chef ver­las­sen wur­de, fin­det sich auf­schluss­rei­ches Ma­te­ri­al über den Re­gis­seur, dem die Oper von No­vem­ber 2017 bis März 2018 eine um­fang­rei­che Aus­stel­lung wid­me­te.

Tipps und Links vom 6. Juli: Na­tür­lich sind die vir­tu­el­len Bay­reu­ther Fest­spie­le die Mel­dung des Ta­ges. Aber ehr­lich ge­sagt ist das Pro­gramm nicht nur mit ziem­lich hei­ßer Na­del und auf­fal­lend kurz ge­strickt. Son­dern es of­fen­bart, dass die BF Me­di­en GmbH zu­min­dest in punk­to Pu­bli­kums­freund­lich­keit­nicht be­son­ders gut auf­ge­stellt sein kann. Wie sonst ist zu er­klä­ren, dass die ak­tu­el­le­ren Er­folgs­pro­duk­tio­nen der Fest­spie­le – wie To­bi­as Krat­zers „Tannhäuser“-Inszenierung von 2019, Bar­rie Kos­kys „Meis­ter­sin­ger“ von 2017 und bei­spiels­wei­se auch der Ratten-„Lohengrin von Hans Neu­en­fels von 2010 und Ste­fan Her­heims „Par­si­fal“ von 2008 – nicht we­nigs­tens über die Home­page der Fest­spie­le oder die Me­dia­the­ken der TV-Sen­der ge­streamt wer­den? Alle die­se Pro­duk­tio­nen wur­den über die BF Me­di­en GmbH auch im öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen ge­zeigt.
Die ak­tu­ells­te Fest­spiel-Pro­duk­ti­on der vir­tu­el­len Fest­spie­le 2020 ist die letz­te „Ring“-Inszenierung un­ter Ki­rill Pe­tren­ko und Frank Cas­torf (2013–2017), die al­ler­dings nur im Rund­funk über­tra­gen wird (Auf­zeich­nung von 2015, Pe­tren­kos letz­tem Bay­reuth-Jahr). Zu se­hen gibt es nur zwei schon „his­to­ri­sche“ Te­tra­lo­gien, de­ren DVDs die meis­ten Wag­ne­ria­ner oh­ne­hin im Re­gal ha­ben: den „Jahr­hun­dert-Ring“ von Pa­tri­ce Ché­reau un­ter Pierre Bou­lez (1976–1980) in ei­ner Non-stop-Ma­ra­thon­sen­dung am 7. und 8. Au­gust so­wie Har­ry Kup­fers In­sze­nie­rung un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im (1988–1992) von 25. bis 28. Juli. Da­von, dass die Auf­zeich­nun­gen auch an­schlie­ßend und viel­leicht bis zum re­gu­lä­ren Fest­spie­len­de (am 29. bzw. 30. Au­gust) noch ir­gend­wo ge­streamt bzw. ge­hört wer­den kön­nen, steht bis­her nichts in den of­fi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen. Dass da­hin­ter recht­li­che Fra­gen ste­hen, liegt auf der Hand. Der Castorf-„Ring“ bei­spiels­wei­se soll, wie Axel Brüg­ge­mann in Cre­scen­do schreibt, nur über die Deut­sche Gram­mo­phon zu ha­ben sein, die of­fen­bar lie­ber sel­ber ver­mark­tet. Und wel­che Rech­te hat dann ei­gent­lich noch die BF Me­di­en GmbH?
Soll ich zu dem erst of­fi­zi­ell de­men­tier­ten und jetzt doch statt­fin­den­den Fest­spiel-Er­öff­nungs­kon­zert am 25. Juli live aus Bay­reuth noch et­was sa­gen? Vor al­lem zu der hei­ßen Fra­ge, wo es ver­an­stal­tet wird? Be­kannt­lich hat Fest­spiel GmbH-Ge­schäfts­füh­rer Heinz-Die­ter Sen­se, wie der Nord­baye­ri­sche Ku­rier am 18. Juni ex­klu­siv mel­de­te, ge­sagt, dass es am 25. Juli kei­ne Ver­an­stal­tung im Fest­spiel­haus ge­ben wird. Auch die Pres­se­mit­tei­lung der Fest­spie­le schweigt sich auf­fal­lend zum Ver­an­stal­tungs­ort aus. Auf BR24 ist in­zwi­schen zu le­sen, dass BR Klas­sik das Kon­zert live aus dem Fest­spiel­haus über­trägt. Es ist also ein ein­zi­ges Kud­del­mud­del. Gute Ko­ope­ra­ti­on sieht an­ders aus. Wie auch im­mer: Thie­le­mann-Fans dür­fen sich jetzt freu­en, dass ihr Idol den an­ge­kün­dig­ten rei­nen Er­ho­lungs- und Be­sin­nungs­ur­laub am Grü­nen Hü­gel nun doch noch mit ei­nem Di­ri­gat ver­sü­ßen kann. Ach, Bay­reuth!
Apro­pos: Es gibt im­mer mehr Künst­ler, die wie der de­si­gnier­te Bay­reuth-Wo­tan Gün­ther Groissböck die Sa­che selbst in die Hand neh­men und ihr Glück nicht nur in her­kömm­li­chen For­ma­ten su­chen: zum Bei­spiel beim Wag­ner Open Air am 23. Au­gust auf der See­büh­ne in der Wil­hel­mi­nen­aue. Der Vor­ver­kauf be­ginnt in Kür­ze.

Tipps und Links vom 4. und 5. Juli: War­um ich ak­tu­ell nicht ganz bei der Sa­che bin? Weil ich mo­men­tan hier bin, wo es kei­ne Opern, son­dern nur eine bei je­dem Wet­ter groß­ar­ti­ge Na­tur gibt:

Da be­schäf­tigt man sich zwangs­läu­fig we­ni­ger mit Ta­ges­ak­tu­el­lem, son­dern mit dem, was nach­hal­tig ist. Zum Bei­spiel nach­zu­le­sen in der F.A.Z., in der 23-tei­li­gen Se­rie „Wag­ners schöns­te Stel­len“ aus dem Jahr 2013. Was die Streams be­trifft – das Gros der Opern­häu­ser stellt mit Sai­son­ende die kos­ten­lo­sen An­ge­bo­te von kom­plet­ten Opern­vi­de­os erst­mal ein, da­für ist von den ab­ge­sag­ten und nicht ab­ge­sag­ten Fes­ti­vals ei­ni­ges zu er­war­ten – emp­feh­le ich ak­tu­ell ne­ben dem Stutt­gar­ter „Ring“ für Neu­gie­ri­ge die Ur­auf­füh­rung von „Ri­trat­to“ (nur noch bis 5. Juli weit­ge­hend wer­be­frei) aus Ams­ter­dam.

Tipps und Links vom 3. Juli: Ab heu­te 17 Uhr streamt die Oper Stutt­gart ih­ren le­gen­dä­ren „Ring“ un­ter Lo­thar Za­g­ro­sek von vier ver­schie­de­nen Re­gis­seu­ren in wö­chent­li­chem Wech­sel (sie­he auch aus­führ­li­cher Blog-Ar­ti­kel dazu). Dazu passt in je­dem Fall das Wag­ner-ABC auf BR Klas­sik, bei dem es mit Fra­gen, die wirk­lich nur für ab­so­lu­te An­fän­ger schwie­rig sein könn­ten, Wag­ner-Über­ra­schungs­pa­ke­te zu ge­win­nen. Läuft bis 25. Juli, also bis zum nicht statt­fin­den­den Fest­spiel­be­ginn 2020. Apro­pos: In­zwi­schen ist auch pu­blik ge­macht wor­den, was die Stadt Bay­reuth un­ter dem Slo­gan „Bay­reuth Sum­mer­ti­me“ so plant. Es wird vor al­lem Kon­zer­te al­ler Art ge­ben (so­weit sie den dann gel­ten­den Hy­gie­ne­vor­schrif­ten ent­spre­chen), auch in Wahn­fried, und auch mit nam­haf­ten Bay­reuth-So­lis­ten. Die ur­sprüng­lich für den Som­mer ge­plan­te ro­sa­lie-Aus­stel­lung hin­ge­gen wird in Wahn­fried erst ab An­fang Ok­to­ber zu se­hen sein.

Tipps und Links vom 1. und 2. Juli: Für Fest­spiel­freun­de ist heu­te um 18.30 Uhr der Kul­tur­platz des TV-Sen­ders TVO ein Muss (sie­he Link wei­ter un­ten), denn da gibt es das In­ter­view von Ul­ri­ke Gla­ßer-Gün­ther mit Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels, dem Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den der Bay­reu­ther Fest­spie­le GmbH, in der Lang­ver­si­on. Apro­pos Bay­reuth: Ste­phan Mösch hat eine kür­ze­re Ver­si­on sei­nes Sym­po­si­um-Vor­trags bei Dis­kurs Bay­reuth 2019 über die Ent­ste­hung des „Jahr­hun­dert-Rings“ 1976 in der F.A.Z. ver­öf­fent­licht. Und zwei­tens kommt aus der Fest­spiel­stadt die Mel­dung, dass es ab 6. Juli we­nigs­tens Füh­run­gen im Fest­spiel­haus gibt, die sonst um die­se Jah­res­zeit aus be­kann­ten Grün­den nicht mög­lich sind. Und drit­tens kann man das In­ter­view von Ro­man Kocholl mit „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz, das im Nord­baye­ri­schen Ku­rier nur für Abon­nen­ten bzw. Zah­lungs­wil­li­ge zu ha­ben ist, jetzt kos­ten­los in der Stutt­gar­ter Zei­tung le­sen.
Wer un­schlüs­sig ist, was er heu­te oder mor­gen Abend strea­men will, dem lege ich Vin­cen­zo Bel­li­nis „I pu­ri­ta­ni“ aus Stutt­gart ans Herz. Eine groß­ar­ti­ge Auf­füh­rung, zu der auch fol­gen­der Ta­ge­buch­ein­trag von Co­si­ma Wag­ner ani­mie­ren mag:
Sonn­abend 3ten Au­gust [1872] R. singt eine Kan­ti­le­ne aus den „Pu­ri­ta­nern“, da­bei be­mer­kend, daß Bel­li­ni sol­che Me­lo­dien ge­habt, wie sie schö­ner nicht ge­träumt wer­den kön­nen. Da­bei ge­denkt er Rubini’s, wie wun­der­voll er dies ge­sun­gen, und meint: „Auf ganz and­re Wege müs­sen un­se­re deut­schen Sän­ger sich be­ge­ben, die­se Be­ga­bung ha­ben sie nicht; durch das, was ih­nen ver­sagt ist, müs­sen sie sich zu Un­er­hör­tem auf­schwin­gen, wie Wie­land durch die feh­len­den Füße zum Flie­gen ge­bracht wur­de.“
Und weil ich es heu­te mit Zi­ta­ten habe, gleich noch eine schö­ne Beet­ho­ven-Sen­tenz:
Don­ners­tag 1ten Juli [1869] Die Freu­de des Ta­ges war heu­te die An­kunft des Por­traits Beethoven’s, wel­ches R. hat ko­pie­ren las­sen (nach dem von Här­tel be­ses­se­nen Ori­gi­nal). Wie ei­nen Freund und Wohl­tä­ter emp­fan­gen wir den Gro­ßen, und R. sagt, wir ha­ben Freu­den, die kei­ne and­ren ha­ben, wir füh­ren ein Le­ben wie we­ni­ge. [ …] Noch ein­mal auf das Por­trait Beethoven’s zu­rück­kom­mend sagt mir R.: „Ich ver­dan­ke dir auch die­se Freu­de, ohne dich wäre ich nie­mals dazu ge­kom­men, an so et­was zu den­ken, ich wäre auf­ge­regt ge­blie­ben und ver­rückt.“

Tipps und Links vom 27. und 28. Juni: Ni­ko­laus Bach­ler, noch In­ten­dant der Baye­ri­schen Staats­oper, geht in sei­ne letz­te Sai­son und hat sich in ei­nem aus­führ­li­chen, nicht frei zu­gäng­li­chen In­ter­view mit Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung so frei­her­zig ge­gen die zu prak­ti­zie­ren­den Co­ro­na-Ver­ord­nun­gen ge­äu­ßert, dass es die we­sent­li­chen Sät­ze auch kos­ten­los in ei­ner Kurz­ver­si­on der Deut­schen Pres­se-Agen­tur gibt. Sei­nen Satz „Un­ser Pu­bli­kum ist das ar­tigs­te un­ter der Son­ne“ hat Her­aus­ge­ber An­ton Cu­bak vom On­line-Mer­ker tref­fend wie folgt kom­men­tiert: „Ge­nau das ist der Feh­ler, die Deut­schen sind ob­rig­keits­hö­rig bis zum ‚Geht nicht mehr‘. Ni­ko­laus Bach­ler ist ge­bo­re­ner Ös­ter­rei­cher (Stei­rer) und fühlt sich des­we­gen im Kampf­mo­dus wohl!“ Stellt sich noch die Fra­ge, ob die  Baye­ri­sche Staats­oper zu den­je­ni­gen ge­hört, die alle ihre co­ro­na­ge­schä­dig­ten Künst­ler an­stän­dig be­han­delt. Mar­kus Thiel be­schreibt die Mi­se­re im Münch­ner Mer­kur, die un­ter an­de­rem auch den Skan­dal um Beet­ho­vens Neun­te un­ter Jo­na­than Nott in Genf (auf Arte nur noch heu­te ver­füg­bar!) ein­be­zieht. Und nicht ver­ges­sen: Am Sonn­tag um 18 Uhr „Wahn­fried“ aus Karls­ru­he! Hier noch­mals die Links zu den Pre­mie­ren­kri­ti­ken auf BR Klas­sik, aus der F.A.Z. und von der „Deut­schen Büh­ne“.

Tipps und Links vom 26. Juni: Heu­te ma­che ich mal hem­mungs­los Wer­bung für das Staats­thea­ter Nürn­berg, das in sei­nem Som­mer­spiel­plan eben­falls ei­ni­ges live zu bie­ten und fle­xi­bel in den kom­men­den Sai­son­be­ginn geht. Zum gest­ri­gen Stream-Tipp für Sonn­tag mit der „Wahnfried“-Uraufführung aus Karls­ru­he lie­fe­re ich ger­ne noch ein paar Kri­ti­ken nach: von BR Klas­sik, aus der F.A.Z. und von der „Deut­schen Büh­ne“. Wer jetzt noch nicht weiß, was er opern­mä­ßig am 28. Juni um 18 Uhr ma­chen soll, dem ist nicht mehr zu hel­fen.
Bleibt noch Zeit für eine Wag­ner­sche Beet­ho­ven-Sen­tenz: „Es ist ein be­zau­ber­ter Zu­stand, in den wir ge­ra­then, wenn wir bei der An­hö­rung ei­nes ech­ten Beethoven’schen Ton­wer­kes in al­len den Thei­len des Mu­sik­stü­ckes, in wel­chen wir bei nüch­ter­nen Sin­nen nur eine Art von tech­ni­scher Zweck­mä­ßig­keit für die Auf­stel­lung der Form er­bli­cken kön­nen, jetzt eine geis­ter­haf­ti­ge Le­ben­dig­keit, ein bald zart­füh­li­ge, bald er­schre­cken­de Reg­sam­keit, ein pul­si­ren­des Schwin­gen, Freu­en, Seh­nen, Ban­gen, Kla­gen und Ent­zückt­sein wahr­neh­men, wel­ches al­les wie­der­um nur aus dem tiefs­ten Grun­de un­se­res ei­ge­nen In­ne­ren sich in Be­we­gung zu set­zen scheint.“ Na­tür­lich meint er da­mit sich sel­ber si­cher auch, oder?

Tipps und Links vom 25. Juni: Heu­te ist ein Tag, wo die un­ter­schied­li­chen Co­ro­na-Maß­nah­men der ein­zel­nen Län­der sich be­son­ders ein­drucks­voll dar­stel­len. Auch der BR hat sich aus­gie­big mit der be­fremd­li­chen Tat­sa­che be­schäf­tigt, dass Ab­stands­re­geln in Flug­zeu­gen au­ßer Kraft ge­setzt sind. Und wäh­rend man in Ös­ter­reich schon bald auch die Tau­sen­der-Re­gel kippt und ab Sep­tem­ber, wie der Stan­dard be­rich­tet, rich­ti­ge Groß­ver­an­stal­tun­gen mög­lich sein könn­ten, brei­tet sich in den Kon­zert- und Opern­haus­sä­len in Bay­ern wei­ter Trost­lo­sig­keit aus. Am schöns­ten be­schreibt das in sei­ner Kurz­kri­tik „Was mög­lich ist“ wie­der ein­mal Eg­bert Tholl in der Süd­deut­schen Zei­tung, die in der prä­gnan­ten Fest­stel­lung gip­felt, dass „Bay­ern über den für die Kunst of­fen­kun­dig nutz­lo­ses­ten Kunst­mi­nis­ter al­ler Bun­des­län­der ver­fügt“. Im SZ-Feuil­le­ton steht au­ßer­dem, dass und wie An­drew Lloyd Web­ber als Lon­do­ner Mu­si­cal-Groß­un­ter­neh­mer schon dem­nächst Auf­füh­run­gen mit Voll­aus­las­tung durch­füh­ren will.
Wag­ner-Freun­din Dag­mar ver­dan­ke ich fol­gen­den Stream-Tipp für Sonn­tag. Sie schreibt über die „Wahnfried“-Produktion des Ba­di­schen Staats­thea­ters Karls­ru­he von 2017: „Wir wa­ren in der Ur­auf­füh­rung und in der Wie­der­auf­nah­me-Pre­mie­re und fan­den die Pro­duk­ti­on ge­ra­de für Wag­ner­freun­de sehr in­ter­es­sant. Mu­si­ka­lisch wa­ren zwar nicht alle Sän­ger auf glei­chem Ni­veau, aber die In­sze­nie­rung ist ein MUSS  für alle Wag­ner­fans.“ Das Thea­ter ver­an­stal­tet am Sonn­tag, 28. Juni, ab 18 Uhr im Foy­er ein Pu­blic Viewing der DVD, gleich­zei­tig wird die Oper von Av­ner Dor­man un­ter GMD Jus­tin Brown in der In­sze­nie­rung von Keith War­ner ge­streamt. Ent­we­der auf der Web­sei­te des Staats­thea­ters, wo es auch ein Ein­füh­rungs­vi­deo gibt, oder auf dem ent­spre­chen­den  You­Tube-Ka­nal. Soll­te man sich un­be­dingt vor­mer­ken!

Tipps und Links vom 24. Juni: Die Co­ro­na-Pro­ble­me kann man auch dar­an ab­le­sen, wie die Baye­ri­sche Staats­oper in die neue Sai­son geht. Im­mer­hin konn­te sich Ni­ko­laus Bach­ler doch noch die ver­scho­be­ne Ur­auf­füh­rung von Ma­ri­na Abra­mo­vićs Opern­pro­jekt „7 De­aths of Ma­ria Cal­las“ si­chern (die ur­sprüng­lich zu die­ser Zeit schon an der Deut­schen Oper Ber­lin ge­plant war), die „Elektra“-Neuinszenierung hin­ge­gen muss­te ab­ge­setzt wer­den, an­geb­lich zu Las­ten der So­lis­ten, wie im heu­ti­gen On­line-Mer­ker be­klagt wird. Im Ta­ges­spie­gel wird Mo­ni­ka Grüt­ters zur ver­zwei­fel­ten Lage vie­ler Künst­ler be­fragt, wäh­rend die Feuil­le­to­nis­ten uni­so­no die ex­klu­si­ven „Don Carlo“-Auftritte von Anna Netreb­ko an der Sem­per­oper be­ju­beln – zum Bei­spiel in der F.A.Z., in der Süd­deut­schen und in der Neu­en Mu­sik­zei­tung. Üb­ri­gens bie­tet die Deut­sche Oper Ber­lin ak­tu­ell im Vi­deo­stream „Jen­u­fa“ in ei­ner Hör­fas­sung für blin­de und seh­be­hin­der­te Men­schen. Bleibt zum gu­ten Schluss wie­der ein Beet­ho­ven-Aus­spruch Ri­chard Wag­ners: „Durch die kon­ven­tio­nel­len For­men der Mu­sik zu ih­rem in­ners­ten We­sen in der Wei­se durch­ge­drun­gen zu sein, dass er von die­ser Sei­te her das in­ne­re Licht des Hell­se­hen­den wie­der nach au­ßen zu wer­fen ver­moch­te, um auch die­se For­men nur nach ih­rer in­ne­ren Be­deu­tung uns zu zei­gen, dies war das Werk un­se­res gro­ßen Beet­ho­ven.“

Tipps und Links vom 23. Juni: Über das „Meistersinger“-Projekt auf dem Nürn­ber­ger Reichs­par­tei­tags­ge­län­de be­rich­tet jetzt auch der SWR. Wer noch mehr wis­sen will, wird beim On­line-Mer­ker un­ter Ak­tu­el­les vom 23. Juni fün­dig. Dort er­läu­tert der Re­gis­seur selbst sein Kon­zept. Lehr­reich ist si­cher das Vier-Mi­nu­ten-Vi­deo von Kam­mer­sän­ger und Bay­reuth-Le­gen­de Bernd Wei­kl, der an­schau­lich das In­stru­ment des Opern­sän­gers er­klärt und da­mit sa­gen will, dass die At­mung von pro­fes­sio­nel­len Sän­gern auch in Co­ro­na-Zei­ten kei­ne Ge­fahr dar­stellt. Bleibt zum gu­ten Schluss noch ein Beet­ho­ven-Aus­spruch Wag­ners: „Er gleicht zu je­der Zeit ei­nem wahr­haft Be­ses­se­nen; denn von ihm gilt, was Scho­pen­hau­er vom Mu­si­ker über­haupt sagt: die­ser spre­che die höchs­te Weis­heit aus, in ei­ner Spra­che, die sei­ne Ver­nunft nicht ver­ste­he.“

Tipps und Links vom 22. Juni: Mein heu­ti­ger Tipp kann zwie­späl­ti­ger gar nicht sein: Ei­ner­seits lohnt es sich be­stimmt, sich in der Arte-Me­dia­thek das ges­tern ge­sen­de­te „Geis­ter-Kon­zert“ mit Beet­ho­vens Neun­ter aus der Gen­fer Vic­to­ria Hall un­ter Jo­na­than Nott zu ho­len (bis ein­schließ­lich 27. Juni). Als Hom­mage an Lud­wig van Beet­ho­ven in­ter­pre­tie­ren das Or­ches­t­re de la Su­is­se Ro­man­de, Chö­re des Grand Thé­ât­re de Genè­ve und der Zür­cher Sing-Aka­de­mie so­wie die So­lis­ten, ver­teilt auf der Büh­ne, im Par­kett und in den Lo­gen, eine bis­her un­ver­öf­fent­lich­te Fas­sung in ei­nem „ori­gi­nel­len sze­ni­schen Kon­zept mit in­no­va­ti­ven Vi­su­als“. An­de­rer­seits muss dazu ge­sagt sein, dass die ge­buch­te So­lis­ten­be­set­zung für das kurz­fris­tig ab­ge­sag­te und dann doch am ge­plan­ten Ter­min durch­ge­führ­te Kon­zert ohne Ab­fin­dung schnö­de aus­ge­boo­tet wur­de. Man darf ge­spannt sein, wie die Ver­ant­wort­li­chen das er­klä­ren. Der co­ro­nabe­dingt um­ge­mo­del­te Kon­zert­saal in Genf steht üb­ri­gens nicht al­lein da: Auch die Baye­ri­sche Staats­oper hat ih­ren Or­ches­ter­gra­ben mo­di­fi­ziert. Um noch bei Beet­ho­ven zu blei­ben: Die di­ver­sen Ein­füh­run­gen in der Arte-Me­dia­thek sind ein Hit: hier der Link zur Neun­ten (ver­füg­bar bis 18. Sep­tem­ber). Und Bay­reuth? In sei­nem Wo­chen-Kom­men­tar lässt Axel Brüg­ge­mann von Cre­scen­do we­nigs­tens die Brat­würs­te hoch­le­ben. Jetzt bleibt nur noch eine schö­ne Sen­tenz von Ri­chard Wag­ner über Beet­ho­ven: „Er ist der Held, der das wei­te ufer­lo­se Meer der ab­so­lu­ten Mu­sik bis an sei­ne Gren­zen durch­schiff­te.“

Tipps und Links vom 21. Juni: Das ver­scho­be­ne Ju­bi­lä­ums­jahr-Beet­ho­ven­fest un­ter Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner schaut ge­zielt nach vor­ne, ei­nen Blick in die nä­he­re Zu­kunft der Fes­ti­val- und Opern­welt wirft Ma­nu­el Brug in der „Welt“ nach dem Mot­to Ein biss­chen Event geht im­mer. Wo­bei er un­ter an­de­rem auch er­wähnt, dass in den U.S.A. prak­tisch gar nichts mehr geht. In der New York Times kann man kon­kret nach­le­sen, wie es den Mu­si­kern der Met er­gan­gen ist. Hier­zu­lan­de, ge­nau­er ge­sagt in Bay­ern, hat Co­ro­na un­ter an­de­rem auch ein spek­ta­ku­lä­res Pro­jekt zur Be­wer­bung der Stadt Nürn­berg als Kul­tur­haupt­stadt 2025 still­ge­legt: die In­sze­nie­rung ei­ner stark be­ar­bei­te­ten Ver­si­on von Ri­chard Wag­ners „Meis­ter­sin­gern“ durch den Re­gis­seur Sel­cuk Cara im ehe­ma­li­gen Reichs­par­tei­tags­ge­län­de. Die „Süd­deut­sche Zei­tung“ hat dar­über zah­lungs­pflich­tig schon am 9. Juni be­rich­tet, im Rund­funk gibt es dazu auf Bayern2 seit ges­tern ein In­ter­view mit Cara.

You­Tube-Link vom 20. Juni: Die Sänger*innen Ca­mil­la Ny­lund, Ga­brie­la Sche­rer, Bar­ba­ra Fritto­li, Ju­lia Bor­chert, Ma­rie-Clau­de Chap­puis, Mi­cha­el Vol­le, Ian Storey, Gün­ther Groissböck, Mas­si­mo Gior­da­no, Sta­nis­las de Bar­bey­rac und Ric­car­do Za­nella­to so­wie die Jour­na­lis­tin Elke Hei­den­reich ha­ben sich zu­sam­men­ge­schlos­sen, um ih­ren Ap­pell #bring­backt­he­cul­tu­re an Po­li­tik und Ver­an­stal­ter zu sen­den: Schützt und wahrt die Kunst in all ih­ren For­men.

Ta­ges­tipp und Links vom 19. Juni: „Kein Kon­zert – Fest­spiel­haus bleibt leer“ ti­tel­te ges­tern ge­gen Abend Ro­man Kocholl vom Nord­baye­ri­schen Ku­rier on­line  in sei­nem Be­zahl­ar­ti­kel. Der Re­dak­teur be­kam die Aus­kunft di­rekt von Heinz-Die­ter Sen­se, dem Ge­schäfts­füh­rer der Fest­spiel-GmbH, der der­zeit die er­krank­te Ge­schäfts­füh­re­rin Ka­tha­ri­na Wag­ner ver­tritt. Dem­nach wird es am 25. Juli, nor­ma­ler­wei­se Er­öff­nungs­tag der Bay­reu­ther Fest­spie­le, kei­ne Ver­an­stal­tung im Fest­spiel­haus ge­ben. Was die Stadt Bay­reuth als al­ter­na­ti­ves Kul­tur­pro­gramm im Som­mer bie­ten will, steht de­tail­liert noch nicht fest.
Und noch eine Nach­richt aus dem Pres­se­bü­ro des Fest­spiel­hau­ses: In der Sit­zung des Ver­wal­tungs­rats der Bay­reu­ther Fest­spie­le vom 17. Juni wur­de Ge­org Frei­herr von Wal­den­fels zum Vor­sit­zen­den ge­wählt. Er ist in die­ser Funk­ti­on Nach­fol­ger von Toni Schmid, über den ich mir seit bald zwan­zig Jah­ren im­mer wie­der die Fin­ger wund ge­schrie­ben habe. Von Wal­den­fels ge­hört die­sem Fest­spiel­gre­mi­um seit 2008 an. Seit 1999 ist er im Vor­stand der Ge­sell­schaft der Freun­de von Bay­reuth und seit Juni 2010 de­ren ers­ter Vor­sit­zen­der und Schatz­meis­ter. Der Ju­rist und CSU-Po­li­ti­ker wur­de 1978 zum Staats­se­kre­tär im baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um be­ru­fen, 1987 wur­de er baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter für Bun­des­an­ge­le­gen­hei­ten, 1990 Baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter der Fi­nan­zen. Man darf ge­spannt sein, was sich durch die­se Per­so­na­lie ver­än­dert. Ach, Bay­reuth!
Dem kann ich jetzt nur den Rund­gang Nacht in Neu­schwan­stein aus der Süd­deut­schen Zei­tung ent­ge­gen­set­zen. Der ist ein­fach zu schön, um im Ta­ges­ge­schäft un­ter­zu­ge­hen.

Ta­ges­tipp und Links vom 18. Juni: Ob und was am 25. Juli im Bay­reu­ther Fest­spiel­haus ge­bo­ten wird, war bis heu­te mit­tag na­tür­lich noch nicht raus. Man kann das Ab­war­ten der Fest­spiel­ver­ant­wort­li­chen ver­ste­hen, denn die jüngs­ten Hy­gie­ne­re­ge­lun­gen der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung le­gen eine Ver­an­stal­tung mit Pu­bli­kum im­mer noch nicht nahe. Und nur für ein Geis­ter­kon­zert im Ra­dio Or­ches­ter­mu­si­ker und So­lis­ten nach Bay­reuth ho­len? Die Münch­ner Abend­zei­tung hat sich aus­führ­lich mit den prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen der Vor­schrif­ten be­fasst und ti­telt mit Ex-Kunst­mi­nis­ter Wolf­gang Heu­bisch. Der am­tie­ren­de Kunst­mi­nis­ter Bernd Si­bler lässt der­weil un­ter an­de­rem sei­ne stell­ver­tre­ten­de Pres­se­spre­che­rin „O Hap­py Day“ sin­gen, denn ab 22. Juni dür­fen in Bay­ern auch Lai­en­chö­re wie­der pro­ben – un­ter Schutz- und Hy­gie­nekon­zep­ten, die ak­tu­ell noch gar nicht vor­lie­gen. Wie es in Or­ches­tern zu­geht, be­schreibt die Re­por­ta­ge „Der Spuck­napf muss noch um­zie­hen“ auf con­cer­ti. Wäh­rend man al­ler­or­ten eher klei­ne Bröt­chen backt, sind die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker of­fen­bar wild ent­schlos­sen, von 29. Juni bis 5. Juli ih­ren Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb durch­zu­füh­ren – mit Teil­neh­mern und Jury-Mit­glie­dern aus al­ler Welt. Wenn man weiß, wie sehr die Bam­ber­ger Abon­nen­ten die öf­fent­li­chen Wett­be­werbs­durch­gän­ge lie­ben und fre­quen­tie­ren, fragt man sich al­ler­dings, wie groß die Ab­stri­che für sie sein wer­den. Ein Mah­ler-Wett­be­werb fast ohne Pu­bli­kum?
Der durch Co­ro­na in die­sem Som­mer in Bay­reuth ar­beits­los ge­wor­de­ne „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz er­ar­bei­tet ak­tu­ell an der Stutt­gar­ter Oper ein Open-Air-Pro­jekt mit dem Ti­tel „Demo(kratie) – Ein Büh­nen­frei­fest­spiel“, beim Nord­baye­ri­schen Ku­rier steht das aus­führ­li­che In­ter­view kos­ten­pflich­tig im Netz. Kos­ten­los bie­tet müpa Bu­da­pest ab heu­te noch­mals sie­ben Wag­ner-Aben­de: je­weils ab 18 Uhr  der halbsze­ni­sche kom­plet­te „Ring“ un­ter Adam Fi­scher (18. bis 21. Juni) mit je­weils un­ter­schied­li­chen In­ter­pre­ten für Wo­tan (Egils Si­lins, Jo­han Reu­ter und To­masz Ko­nie­cz­ny), Al­be­rich (Mar­tin Wink­ler, Os­kar Hil­le­brandt, Hart­mut Wel­ker), Brünn­hil­de (Eve­lyn Her­lit­zi­us, Eli­sa­bet Strid und Ire­ne Theo­rin) und Sieg­fried (Da­ni­el Bren­na und Ste­fan Vin­ke), da­nach noch die „Meis­ter­sin­ger“ (24. Juni) mit Ja­mes Ru­ther­ford, Bo Skov­hus, Klaus Flo­ri­an Vogt und An­net­te Dasch, „Hol­län­der“ (26. Juni) mit Ja­mes Ru­ther­ford und Eli­sa­bet Strid so­wie „Tann­häu­ser“ (27. Juni) mit Ste­phen Gould, Mar­kus Ei­che, So­phie Koch und Tün­de Szabóki, die dem hie­si­gen Pu­bli­kum als Kund­ry und Leo­no­re in Co­burg in gu­ter Er­in­ne­rung ist.

Ta­ges­tipp und Links vom 17. Juni: Ob die Bay­reu­ther Fest­spie­le bzw. die BF Me­di­en GmbH bis zum 25. Juli ein Strea­ming-Pro­gramm auf die Rei­he krie­gen? Wenn man den Zu­stand bzw. die man­gel­haf­te Pfle­ge der haus­ei­ge­nen Home­page be­denkt, möch­te man fast be­zwei­feln, dass das noch was wird. Die ARD macht hin­ge­gen schon mal Nä­gel mit Köp­fen und bie­tet in ih­rem ge­ra­de ver­öf­fent­lich­ten Ra­dio­fes­ti­val 2020 un­ter an­de­rem von 25. bis 28. Juli ei­nen kom­plet­ten „Ring“ aus Bay­reuth an. Wel­che Pro­duk­ti­on aus wel­chem Jahr steht noch nicht fest. Wo­mög­lich beisst sich der An­fangs­ter­min auch noch mit dem in Pla­nung be­find­li­chen Son­der­kon­zert (sie­he Links vom 16. Juni wei­ter un­ten), das laut Cre­scen­do vom BR über­tra­gen wer­den könn­te. Ob das Kon­zert statt­fin­det, soll noch heu­te ent­schie­den wer­den. Den Link zu ei­ner Co­ro­na-Kon­zert­kri­tik aus dem On­line-Mer­ker set­ze ich aus zwei Grün­den: Ers­tens be­schreibt Su­san­ne Kit­tel-May ein­gän­gig, wie sich so ein Ari­en-Pro­gramm im fast lee­ren Saal an­fühlt (wo­bei ich ihre An­mer­kung zu Kö­nig Lud­wig II., der un­ter an­de­rem ein­fach nicht stän­dig von an­de­ren Be­su­chern an­ge­starrt wer­den woll­te, nicht ganz tei­le). Und zwei­tens war ei­ner der Mit­wir­ken­den des Gärt­ner­platz­thea­ters, der Bas­sist Chris­toph Seidl, 2012 un­ser Sti­pen­di­at.

Ta­ges­tipp und Links vom 16. Juni: Was erst­mals in mei­nem Blog vom 12. Juni über Chris­ti­an Thie­le­mann stand, näm­lich dass die Bay­reu­ther Fest­spie­le wo­mög­lich um den 25. Juli her­um ein paar Kon­zert­ter­mi­ne mit ih­rem Mu­sik­di­rek­tor pla­nen, ist in­zwi­schen auch an­dern­orts zu le­sen. Axel Brüg­ge­mann hat die Sa­che in sei­nem Wo­chen­kom­men­tar in  Cre­scen­do auf­ge­grif­fen, heu­te mit­tag folg­te der Nord­baye­ri­sche Ku­rier in Bay­reuth mit dem Hin­weis, „dass zur Ent­schei­dungs­fin­dung für oder ge­gen ein solch un­ge­wöhn­li­ches Event für die­sen Mitt­woch eine Sit­zung an­be­raumt wur­de“. Zum Parkdeck-„Rheingold“ in Ber­lin rei­che ich ger­ne noch Be­spre­chun­gen des BR, der F.A.Z.  nach so­wie ei­nen zu­sam­men­fas­sen­den Be­richt über die zag­haf­te Rück­kehr der Live-Kul­tur im Deutsch­land­funk Kul­tur. Zum Ab­schluss ein klei­nes Vi­deo aus der Rei­he Sem­per­oper zu­hau­se mit Ca­mil­la Ny­lund, René Pape und Klaus-Flo­ri­an Vogt und die et­was län­ge­ren Re­flec­tions of Hope der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Apro­pos: Heu­te Abend streamt die Wie­ner Staats­oper „Die Sa­che Ma­kro­pou­los“ un­ter Ja­kub Hrůša.

Ta­ges­tipp und Links vom 15. Juni: Bin wie­der zu­rück aus Ve­ne­zia, das ich erst­mals in mei­nem Le­ben als ge­nui­ne ita­lie­ni­sche Stadt emp­fun­den habe, weil end­lich ein­mal die aus­län­di­schen Tou­ris­ten sich sehr weit in Un­ter­zahl be­fan­den und über­all fast nur die Lan­des­spra­che zu hö­ren war. Ganz zu schwei­gen von der wun­der­sa­men Lee­re und Stil­le, dem sau­be­ren La­gu­nen­was­ser und der kla­ren Luft … Seit 1976, als Paul Mc Cart­ney und sei­ne Wings im Sep­tem­ber zur Ret­tung der Se­re­nis­si­ma auf dem Mar­kus­platz auf­spiel­ten, war ich im­mer wie­der dort. Ins­ge­samt 224 Tage habe ich in Ve­ne­dig ver­bracht, was aber nicht viel ist, wenn man be­denkt, dass Ri­chard Wag­ner es bei sei­nen nur sechs Auf­ent­hal­ten dort auf 359 Tage ge­bracht hat (schnell zu­sam­men­ge­rech­net, da­her ohne Haf­tung!). Jetzt hat die hie­si­ge Co­ro­na­welt mich wie­der – Zeit und Muße, für eine Sen­dung des Deutsch­land­funks Kul­tur: die Wie­der­ho­lung der Lan­gen Nacht über mu­si­ka­li­sche Au­to­ri­tät und po­li­ti­sche An­pas­sung mit dem Ti­tel „Al­len Ge­wal­ten zum Trotz?“ aus dem Jahr 2016 kann man nach­hö­ren und nach­le­sen, mit ei­ni­gen Wort­mel­dun­gen auch von Chris­ti­an Thie­le­mann. Im ak­tu­el­le­ren Fest­spiel­ge­sche­hen leuch­tet Hel­ga Rabl-Stad­lers Glanz aus Salz­burg nach Mün­chen, wo Su­san­ne Schnei­der von der Süd­deut­schen Zei­tung über­zeu­gend die Fest­spiel­prä­si­den­tin por­trä­tiert, wäh­rend Rein­hard J. Brem­beck mit sei­nem be­sin­nungs­lo­sen Pro­gramm-Ju­bel mal wie­der ziem­lich da­ne­ben liegt. Bleibt noch Ju­lia Spi­no­las „Rheingold“-Kritik aus Ber­lin, dann ist für heu­te Schluss.

Ta­ges­tipp und Links vom 13. und 14. Juni: Heu­te et­was spät, denn zu­min­dest die ers­ten Kri­ti­ken zum ver­klei­ner­ten  „Rhein­gold“ der Deut­schen Oper Ber­lin auf dem Park­deck muss­ten ab­ge­war­tet wer­den. Aus­führ­li­che Be­spre­chun­gen gibt es u.a. (in al­pha­be­ti­scher Rei­hen­fol­ge) von Ma­nu­el Brug in der Welt, Pe­ter P. Pachl in der Neu­en Mu­sik­zei­tung, Pe­ter Ueh­ling in der Ber­li­ner Zei­tung und In­gobert Wal­ten­ber­ger im On­line-Mer­ker. Eine Fahrt zum kom­plet­ten Ber­li­ner „Rhein­gold“ stand auch im Rei­se­plan des RWV Bam­berg und fir­miert jetzt un­ter AB­GE­SAGT. Jetzt wol­len wir hof­fen, dass es we­nigs­tens mit der „Wal­kü­re“ was wer­den könn­te … Et­was Trost, aber lei­der nur di­gi­tal, kommt dem­nächst aus Stutt­gart: Ab 3. Juli wird der von vier Re­gis­seu­ren in­sze­nier­te „Ring des Ni­be­lun­gen“ aus den Jah­ren 1999/2000 ge­streamt: Auf­se­hen­er­re­gend wa­ren die vier Les­ar­ten von Wag­ners mo­nu­men­ta­len Mu­sik­dra­ma von Joa­chim Schlö­mer, Chris­tof Nel, Jos­si Wie­lers und Pe­ter Kon­wit­sch­ny mit dem durch­gön­gig am Pult agie­ren­den Lo­thar Za­g­ro­sek. Soll­te man sich vor­mer­ken, denn es lohnt sich!

Ta­ges­tipp und Links vom 12. Juni: Wie es wei­ter geht, will je­der wis­sen, be­son­ders auch die Opern­in­ten­dan­ten der gro­ßen deutsch­spra­chi­gen Häu­ser, die sich mit Mo­ni­ka Grüt­ters be­spro­chen ha­ben. Ni­ko­laus Bach­ler von der Baye­ri­schen Staats­oper war be­stimmt auch da­bei und hat eine de­zi­dier­te Mei­nung dazu. Im­mer­hin hat er sich, was in Bay­ern ja nicht ein­fach war, er­kämpft, die letz­ten drei Mon­tags­kon­zer­te (am 15., 22. und 29. Juni), dar­un­ter das drei­zehn­te und letz­te mit Jo­nas Kauf­mann un­ter Ki­rill Pe­tren­ko, vor ei­nem fünf­zig Per­so­nen um­fas­sen­den Pu­bli­kum zu ver­an­stal­ten. Nur noch heu­te bis 17 Uhr ist der „Par­si­fal“ aus Stutt­gart zu se­hen, da­nach folgt un­mit­tel­bar die Do­ku­men­ta­ti­on über die Ar­beit an Ca­lix­to Bi­ei­tos Neu­in­sze­nie­rung. Und un­be­se­hen emp­feh­le ich ab heu­te Abend „Mo­ses und Aron“ aus der Ko­mi­schen Oper Ber­lin.

Links vom 11. Juni: Wie man oben sieht, bin ich seit ges­tern in Ve­ne­zia, wo am spä­te­ren Nach­mit­tag ein Ge­wit­ter mit rich­tig viel Ha­gel run­ter­ging. Pas­send dazu der Link des Ta­ges zur Lage in Salz­burg. Zu den Streams kann ich mich in den nächs­ten Ta­gen nicht kon­kret  äu­ßern, denn ich gu­cke jetzt lie­ber in die La­gu­ne …

Ta­ges­tipp und Links vom 9. und 10. Juni: Heu­te hat Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner ei­nen halb­run­den (?) Ge­burts­tag. Auch die Deut­sche Wel­le hat sich ihr aus­gie­big ge­wid­met. Dass die „Ge­bor­gen­heit in der Fest­spiel­fa­mi­lie“ ein Qua­li­täts­fak­tor sein kann, er­läu­tert  Wil­helm Sin­ko­wicz in ei­nem Kom­men­tar in der „Pres­se“: Aus­ge­hend von der Ver­trags­ver­län­ge­rung für Hel­ga Rabl-Stad­ler in Salz­burg streift er weit­bli­ckend auch die ak­tu­el­len Pro­ble­me in Bay­reuth.  Gün­ter Groissböck, der de­si­gnier­te Bay­reu­ther Wo­tan, hat am Sams­tag an der Wie­ner Staats­oper un­ter an­de­rem schon mal eine Wo­tan-Kost­pro­be ge­ge­ben (als ers­te Zu­ga­be, nach etwa ein­ein­halb Stun­den). Und An­dre­as Schager, de­si­gnier­ter Bay­reuth-Sieg­fried, for­dert in ei­nem kos­ten­pflich­ti­gen In­ter­view im Nord­baye­ri­schen Ku­rier Kurz­ar­bei­ter­geld für frei­schaf­fen­de Künst­ler und ant­wor­tet auf die Fra­ge, ob er eine Aus­fall­zah­lung be­kommt: „Ich habe noch nichts ge­hört, auch von Bay­reuth nicht. Aber ich ap­pel­lie­re an alle, an­stän­di­ge und ver­nünf­ti­ge Lö­sun­gen zu ma­chen.“ Was zu­min­dest in­so­fern von der Oper Leip­zig ge­mel­det wird, als die­se an der ge­plan­ten „Lohengrin“-Inszenierung Ka­tha­ri­na Wag­ners fest­hal­ten will.
P.S. Ges­tern hat­te ich schon wie­der ver­ges­sen, am An­fang das ak­tu­el­le Da­tum ein­zu­fü­gen. Bit­te um Nach­sicht! Die Co­ro­na-Zeit ist eben ein son­der­bar Ding.

Ta­ges­tipp und Links vom 8. Juni: Uwe Eric Lau­fen­berg hat am Staats­thea­ter Wies­ba­den hier­zu­lan­de als Ers­ter Auf­füh­run­gen vor Pu­bli­kum durch­ge­führt, am Sams­tag konn­te er als Ein­sprin­ger sich so­gar selbst in ei­ner Vor­stel­lung von Be­cketts „War­ten auf Go­dot“ ein­brin­gen. Wie Till Brieg­leb in der Süd­deut­schen Zei­tung be­rich­tet, war das Er­geb­nis für das Pu­bli­kum eher ein­schlä­fernd. Mein ge­schätz­ter Kol­le­ge Alex­an­der Dick hat in der Sams­tags­aus­ga­be der Ba­di­schen Zei­tung aus­ge­führt, war­um Kunst und Kul­tur ein Pu­bli­kum brau­chen. Was der­zeit aber be­kannt­lich nur un­ter er­heb­li­chen Ein­schrän­kun­gen mög­lich ist: Man muss nur die schwei­ze­ri­schen Co­ro­na-Schutz­kon­zep­te für Frei­licht­ver­an­stal­tun­gen le­sen. Oder die „Hy­gie­ne­re­geln für Ihre Si­cher­heit“, mit de­nen die Baye­ri­sche Staats­oper ihre neue Kam­mer­mu­sik­rei­he „Streif­zü­ge am Mitt­woch“ gar­niert. Apro­pos: Heu­te wer­de ich mir end­lich den Münch­ner Staatsopern-„Orfeo“ gön­nen. Dem Pre­mie­ren­be­such 2014 be­scher­te ein elend lan­ger Stau auf der A9 das vor­zei­ti­ge Ende, was mir als Ger­ha­her-Fan sehr weh tat. Ins­ge­samt ist das in mei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Kri­ti­k­erlauf­bahn bis­her er­freu­li­cher­wei­se nur drei Mal pas­siert. Liegt wahr­schein­lich auch an dem not­wen­di­ger­wei­se im­mer groß­zü­gi­ger be­mes­se­nen Zeit­fens­ter für län­ge­re Opern­fahr­ten. Ko­misch, dass man sich in Co­ro­na-Zei­ten plötz­lich auch an so­was er­in­nert …

Ta­ges­tipp und Links vom 7. Juni: Das nächs­te In­ter­view zum 75. Ge­burts­tag von Nike Wag­ner ist im Ge­ne­ral­an­zei­ger Bonn er­schie­nen. Das deut­sche Mu­sik­le­ben als Wirt­schafts­fak­tor be­leuch­tet Wolf­gang Sand­ner in der F.A.Z., das kon­kre­te Wie­der­erwa­chen von eben die­sem Mu­sik­le­ben be­schreibt Mi­cha­el Stall­knecht in der Süd­deut­schen als Wun­der von Bo­chum. Ge­nug Sonn­tags­lek­tü­re. Auch wenn er nichts für Zart­be­sai­te­te ist: Der Stutt­gar­ter „Par­si­fal“ ist un­be­dingt se­hens­wert – und ist gleich­zei­tig, weil für die Wie­der­auf­nah­me 2018 fast alle So­lis­ten neu in die Pro­duk­ti­on ka­men und erst ein­stu­diert wer­den muss­ten, ein Be­leg da­für, dass Va­len­tin Schwarz das Re­gie­hand­werk aus­ge­zeich­net be­herrscht. Das weckt Vor­freu­de auf sei­nen Bay­reu­ther „Ring“ …

Ta­ges­tipp und Links vom 6. Juni: Heu­te ist der 151. Ge­burts­tag von Sieg­fried Wag­ner, von dem, wenn Co­ro­na es mit ihm gut meint, im fest­spiel­lo­sen Fest­spiel­som­mer in Bay­reuth zwei Wer­ke, näm­lich „Rainulf und Ade­l­asia“ so­wie „Son­nen­flam­men“ im Mark­gräf­li­chen Opern­haus auf­ge­führt wer­den sol­len. Zur ak­tu­el­len Lage hat sich vor sei­nem „Geister“-Konzert mit dem Sym­pho­nie­or­ches­ter des Baye­ri­schen Rund­funks aus­führ­lich Si­mon Ratt­le ge­äu­ßert. Dass es Mu­si­kern bei uns noch re­la­tiv gut geht, un­ter­strei­chen die schlech­ten Nach­rich­ten aus New York. Was das Strea­men be­trifft, kann ich nur je­dem noch­mals dem Ams­ter­da­mer „Ring“ (bis ein­schließ­lich 7. Juni, 19 Uhr?) emp­feh­len. Al­les an­de­re kann war­ten.

Ta­ges­tipp und Links vom 5. Juni: Am 9. Juni wird Wag­ner-Ur­en­ke­lin Nike Wag­ner 75 Jah­re alt. Brit­ta Schul­te­jans von der dpa hat sie por­trä­tiert und in­ter­viewt, die Neue Mu­sik­zei­tung (nmz) hat den Ar­ti­kel mit „Noch­mal Bay­reuth? ‚Um Got­tes­wil­len!‘ “ über­ti­telt. Apro­pos: Bay­reuth sieht im Ver­gleich mit Salz­burg, was die Rück­ab­wick­lung der Fest­spiel­kar­ten be­trifft, wie ich mei­ne, nicht son­der­lich gut aus. Im­mer­hin gibt es fi­nan­zi­el­le Licht­strei­fen am Ho­ri­zont. Auch Fes­ti­vals sol­len Un­ter­stüt­zung beim zu­sätz­li­chen Hilfs­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung fin­den: Mo­ni­ka Grüt­ters hat ges­tern Zah­len und De­tails prä­sen­tiert, wie u.a. der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet.
Die ak­tu­el­len Strea­ming-Tipps der nmz ver­lin­ke ich be­son­ders ger­ne, denn Joa­chim Lan­ge emp­fiehlt eben­falls den Stutt­gar­ter „Par­si­fal“. Ge­zeigt wird nicht die Pre­mie­ren­be­set­zung mit An­drew Ri­chards, son­dern eine Auf­zeich­nung von 2018, in der ein Groß­teil der Par­tien neu be­setzt wur­de. Die­se Wie­der­auf­nah­me wur­de sze­nisch vom de­si­gnier­ten Bay­reu­ther „Ring“-Regisseur Va­len­tin Schwarz ein­stu­diert. Ich kann be­stä­ti­gen, dass er sei­ne Sa­che sehr gut ge­macht hat, denn ich habe die Bi­ei­to-In­sze­nie­rung zwei­mal im Pre­mie­ren­jahr 2010 und ein­mal 2018 er­lebt und emp­fand die spä­te­re Ver­si­on so­gar noch stär­ker. Was si­cher auch mit der un­bän­di­gen Spiel­freu­de von Da­ni­el Kirch als Par­si­fal zu tun hat, der der Ti­tel­fi­gur sän­ger­dar­stel­le­risch tat­säch­lich ein noch in­ten­si­ve­res Pro­fil zu ge­ben ver­moch­te. Bis 12. Juni 17 Uhr, da­nach ist eine Wo­che lang die Do­ku­men­ta­ti­on „Die sin­gen­de Stadt“ von Fil­me­ma­cher Va­dim Jend­rey­ko zu se­hen, der das Wer­den der Bi­ei­to-Neu­in­sze­nie­rung be­glei­tet hat.

Ta­ges­tipp und Links vom 4. Juni: Klei­ne­re Kon­zert­for­ma­te sprie­ßen jetzt schon über­all aus den co­ro­na­ge­schä­dig­ten Opern­häu­sern: Die Baye­ri­sche Staats­oper hat nach ih­ren  Mon­tags­kon­zer­ten (Fort­set­zung am 8. Juni um 20.15 Uhr mit Kon­zert Nr. 10) mit „Fes­ter Sams­tag – Frei­er Sonn­tag“ flugs noch zwei neue Rei­hen für ein zwar nicht zahl­rei­ches, aber nach ak­tu­ell gül­ti­gen Hy­gie­ne­re­geln be­treu­tes Pu­bli­kum auf­ge­legt. In Frank­furt gibt es re­gel­mä­ßig Kam­mer­mu­sik auf der Büh­ne und Lie­der­aben­de, die Oper Stutt­gart bie­tet ab 6. Juni ein Som­mer­pro­gramm in der Lie­der­hal­le, 1:1-Konzerte und ab 8. Juni etwa ein­stün­di­ge Spek­ta­kel für Be­su­cher in Au­tos auf dem Cann­stat­ter Wa­sen, be­gin­nend mit der „Ge­schich­te vom Sol­da­ten“. Im In­ter­view mit Su­san­ne Her­man­ski in der Süd­deut­schen Zei­tung spricht der­weil Gei­ge­rin Anne So­phie Mut­ter Klar­text über die wack­li­ge Zu­kunft des neu­en Kon­zert­saals in Mün­chen. Mei­nen Ta­ges­tipp von ges­tern er­neue­re ich: Schnell noch mal we­nigs­tens Tei­le aus dem Ams­ter­da­mer „Ring“ gu­cken (bis 7. Juni), denn ab mor­gen 17 Uhr gibt es Wag­ner-Kon­kur­renz aus Stutt­gart mit Ca­lix­to Bi­ei­tos „Parsifal“-Inszenierung von 2010, die ich ins­ge­samt drei­mal er­lebt habe und die in mei­ner Bes­ten­lis­te die Num­mer 1 ist, noch vor den Bay­reu­ther In­sze­nie­run­gen von Chris­toph Schlin­gen­sief und Ste­fan Her­heim.

Ta­ges­tipp und Links vom 3. Juni: Kaum habe ich ge­schrie­ben, dass Wag­ner­opern mit Chor und Or­ches­ter so ziem­lich das letz­te sein wer­den, was ir­gend­wann wie­der vor ver­sam­mel­tem Pu­bli­kum auf­ge­führt wer­den kann, da prescht die Deut­sche Oper Ber­lin vor mit der An­kün­di­gung ei­ner 90-Mi­nu­ten-Fas­sung des „Rhein­golds“ auf dem Park­deck des Hau­ses ab 12. Juni (mit vier wei­te­ren Vor­stel­lun­gen). Okay, ein Chor wird nicht ge­braucht, und die halbsze­ni­sche, 1990 in Bir­ming­ham ur­auf­ge­führ­te „Ring“-Kammerversion des bri­ti­schen Kom­po­nis­ten Jo­na­than Dove sieht hier im­mer­hin 22 Musiker*innen und 12 Sänger*innen vor. Wenn Froh und Mime in der Be­set­zung nicht vor­kom­men, kann man sich aus­rech­nen, wel­che Sze­ne ra­bi­at zu­sam­men­ge­stri­chen wur­de. Nur, wer hat dann den Ring ge­schmie­det? Es di­ri­giert Do­nald Run­ni­cles, So­lis­ten sind die Prot­ago­nis­ten der we­gen Co­ro­na noch nicht auf­ge­führ­ten „Rheingold“-Neuinszenierung von Ste­fan Her­heim. Wenn ich in Ber­lin wäre, wür­de ich mir die­se Ra­ri­tät nicht ent­ge­hen las­sen. Aber so blei­be ich lie­ber in Fran­ken und emp­feh­le al­len Wag­ner­freun­den mit Ent­zugs­er­schei­nun­gen, sich  un­be­dingt und ge­ge­be­nen­falls noch­mals den Ams­ter­da­mer „Ring“ an­zu­schau­en. Laut Di­ri­gent Hart­mut Ha­en­chen ha­ben sich schon über 100 000 (!) Opern­lieb­ha­ber die­se Te­tra­lo­gie auf ih­ren Bild­schirm ge­holt, die noch bis 7. Juni kos­ten­los ge­streamt wer­den kann. Es lohnt sich ganz be­stimmt!

Links vom 2. Juni: Wer rea­lis­tisch ist, der weiß, dass Wag­ner­opern mit Chor und Or­ches­ter so ziem­lich das letz­te sein wer­den, was ir­gend­wann wie­der vor ver­sam­mel­tem Pu­bli­kum auf­ge­führt wer­den kann. Ein­sicht ist an­ge­sagt, und Ge­duld. Pe­ter Gelb von der New Yor­ker Met macht sein Haus erst zum Jah­res­wech­sel wie­der auf, wäh­rend die eu­ro­päi­schen Kon­zert- und Opern­häu­ser vor­sich­tig ver­su­chen, ih­ren Vor­stel­lungs­be­trieb wie­der auf­zu­neh­men. Wie die Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker ih­ren gol­de­nen Weg durch die Kri­se su­chen, be­schreibt Ro­bert Braun­mül­ler in der Abend­zei­tung. Auch das Opern­haus Zü­rich macht nach Mün­chen, Wies­ba­den und Frank­furt ers­te Schrit­te, die Kunst­pau­se zu be­en­den.

Ta­ges­tipps und Links vom 1. Juni: Die Ra­dio­ga­la im Opern­haus Chem­nitz dau­er­te über drei Stun­den und war ein ein­drucks­vol­les Le­bens­zei­chen von neun­zehn mit­tel­deut­schen Thea­tern, die nicht nur So­lis­ten und Mu­si­ker für die mu­si­ka­li­schen Bei­trä­ge auf der Büh­ne des Opern­hau­ses ent­sand­ten, son­dern für die In­ter­view­blö­cke aus dem Foy­er mit Aus­nah­me der Sem­per­oper auch je­weils durch ihre In­ten­dan­ten prä­sent wa­ren. Zu­sam­men mit Eli­sa­beth Stöpp­ler, der Re­gis­seu­rin der Chem­nit­zer „Göt­ter­däm­me­rung“, wur­de auch un­ser Mit­glied Karl­heinz Beer zur Si­tua­ti­on von frei­schaf­fen­den bil­den­den Büh­nen­künst­lern be­fragt. Bei den Sän­ge­rin­nen und Sän­gern, Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­kern die­ser Ra­dio­ga­la ohne di­rek­tes Pu­bli­kum – zu den fünf bis acht Be­su­chern mit Ap­plaus­ver­bot, die sich im 1. Rang ver­lie­ren durf­ten, zähl­te auch ich – war die Freu­de, wie­der auf­tre­ten zu dür­fen, nicht zu über­se­hen. Und doch fehl­te den Künst­lern et­was – nicht nur der den Opern­ge­sang bes­ser tra­gen­de Tep­pich des Or­ches­ter­klangs, son­dern auch das le­ben­di­ge Ge­gen­über, der er­war­tungs­voll ge­füll­te Saal, der erst je­den Mu­sik­thea­ter­abend zu ei­nem gro­ßen Ge­mein­schafts­er­leb­nis macht. Ach, Co­ro­na! Man darf gar nicht dar­an den­ken, wie ge­fähr­det das al­les plötz­lich ist, auch und ge­ra­de in un­se­rem bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Opern­wun­der­land. Umso mehr emp­feh­le ich heu­te „Mea cul­pa“, Chris­toph Schlin­gen­siefs Rea­dy-Made-Oper, die das Wie­ner Burg­thea­ter in sei­ner Edi­ti­on Burg­thea­ter am 1. Juni ab 18 Uhr ( bis 2. Juni 18 Uhr) streamt. Sie ver­sam­melt Fund­stü­cke aus dem kol­lek­ti­ven kunst­his­to­ri­schen Ge­dächt­nis, vom Buch Ko­he­let bis zu El­frie­de Je­li­nek, die Schlin­gen­sief zu Eh­ren den Text Tod-krank.Doc ver­fass­te, von „Par­si­fal“ über den „Flie­gen­den Hol­län­der“ bis zum „Tris­tan“. Die­ses Sta­tio­nen­dra­ma ist eine iro­ni­sche Ex­pe­di­ti­on in die Sphä­ren der Heils- und Hei­lungs­ver­spre­chen zwi­schen Schul­me­di­zin, Ayur­ve­da und Kunst­re­li­gi­on. Und weil Bay­reuth da nicht weit ist, hier noch eine spä­te Re­ak­ti­on auf das ak­tu­el­le Ge­sche­hen in der Ge­schäfts­füh­rung im Opern­blog von WDR3-Re­dak­teur Ri­chard Lor­ber, der von 2016 bis 2019 als Dra­ma­turg der „Parsifal“-Inszenierung von Uwe Eric Lau­fen­berg in Bay­reuth, also ein zeit­wei­li­ger In­si­der war.

Ta­ges­tipps und Links vom 30. und 31. Mai: Dass und wie sich ge­ra­de auch die Kul­tur­welt ver­än­dert, kann man so­wohl an dem In­ter­view mit Rob Over­man vom ka­na­di­schen Mu­sik­kon­zern Stin­gray über die Zu­kunft des Hö­rens in der F.A.Z. ab­le­sen und – span­nen­der noch – im Bei­trag des schwei­ze­ri­schen Rund­funk und Fern­se­hens (SRF) über die al­ler­ers­te vir­tu­el­le Oper „Eight“ des hol­län­di­schen Kom­po­nis­ten Mi­chel van der Aa. Was das Strea­ming be­trifft, so ver­wei­se ich auf die ak­tu­el­len Emp­feh­lun­gen der Neu­en Mu­sik­zei­tung – und be­stä­ti­ge ger­ne, dass der Far­ben-, Kos­tüm- und Kla­mau­k­rausch der Ham­bur­ger „Così fan tutte“-Inszenierung von Her­bert Fritsch ein­fach se­hens­wert ist (noch bis 1. Juni 11.59 Uhr). Ob­wohl das für drei Stun­den ein biss­chen we­nig ist. Lohnt sich aber mu­si­ka­lisch durch­aus, wie auch der sehr stren­ge Jür­gen Kes­ting in sei­ner Pre­mie­ren­kri­tik be­fand. Na­tür­lich ist das vir­tuo­se „Zack-Boom-Bo­ing“ à la Fritsch Licht­jah­re ent­fernt vom Ge­halt der klas­si­schen In­ter­pre­ta­ti­on Pa­tri­ce Ché­re­aus in Aix en Pro­vence 2005 oder der letz­ten dor­ti­gen, mir zu­tiefst un­ter die Haut ge­hen­den Ver­si­on von Chris­to­phe Ho­no­ré von 2016. Aber ist das nicht das Be­geis­tern­de an gu­ten Opern, dass un­end­lich vie­le In­ter­pre­ta­tio­nen mög­lich sind und je­der neue Ein­blick ei­nem et­was gibt – und sei er ein­fach nur gut un­ter­hal­tend wie bei der Ham­bur­ger Ver­si­on? Apro­pos: Heu­te en­det zum­ni­dest mei­ne Opern­haus-Qua­ran­tä­ne (seit 13. März, Ge­ne­ral­pro­be „Die Wal­kü­re“ im Lands­hu­ter Thea­ter­zelt) in­so­fern, als ich bei der Ra­dio­ga­la im Opern­haus Chem­nitz live da­bei sein darf. Gleich geht’s ab nach Chem­nitz – und mor­gen lege ich des­halb ei­nen Pau­sen­tag ein.

Links vom 29. Mai: Lang­sam kommt Be­we­gung in die Opern- und Thea­ter­land­schaft. Nam­haf­te In­ten­dan­ten ap­pel­lie­ren lauf Frank­fur­ter Rund­schau per Brief an die Bun­des­kanz­le­rin, dass die Thea­ter wie­der öff­nen, ar­bei­ten, spie­len und für die Stadt­ge­sell­schaft da sein dür­fen sol­len. In der Süd­deut­schen Zei­tung wird von den kon­kre­ten  Vor­be­rei­tun­gen di­ver­ser Münch­ner Büh­nen be­rich­tet, Eg­bert Tholl hat er­neut Chris­ti­an Ger­ha­her in­ter­viewt (nur für SZ-Plus-Abon­nen­ten), der un­ter an­de­rem in Hin­blick auf das neue Kon­zert­haus ei­nen Ge­ne­ral­inten­dan­ten für alle Münch­ner Kon­zert­spiel­stät­ten for­dert; dazu  pas­send ein Kom­men­tar von Su­san­ne Her­man­ski. Pe­ter Jung­blut be­rich­tet auf BR24 un­ter dem Ti­tel „Für Fans wie Me­tha­don“ aus­führ­lich über den ers­ten öf­fent­li­chen Mitt­wochs­streif­zug an der Baye­ri­schen Staats­oper. Dass in Ös­ter­reich die Uh­ren et­was an­ders ge­hen, lässt sich auch an der staat­li­chen Un­ter­stüt­zung für Künst­ler ab­le­sen: Es gibt aus dem neu­en Über­brü­ckungs­fond zwar ab Juli wie in Bay­ern auch 1000 Euro pro Mo­nat, al­ler­dings nicht nur drei Mal lang, son­dern für ein hal­bes Jahr. Kein Wun­der, dass die baye­ri­schen Künst­ler Nach­bes­se­run­gen for­dern. Und in der Schweiz ar­bei­tet bei­spiels­wei­se das Lu­cer­ne Fes­ti­val dar­an, die schon ab­ge­sag­te Som­mer­sai­son we­nigs­tens teil­wei­se doch noch in der zwei­ten Au­gust-Hälf­te statt­fin­den zu las­sen. Ge­nug Lek­tü­re – und mor­gen kom­men ja noch die Pflings­two­chen­end­aus­ga­ben … Heu­te ver­su­che ich üb­ri­gens mein Opern-Me­tha­don-Glück mit der Ham­bur­ger „Così fan tut­te“.

Ta­ges­tipp und Links vom 28. Mai: Wie der Zu­schau­er­raum des Ber­li­ner En­sem­bles nach dem Aus­bau von Sitz­rei­hen jetzt aus­sieht, zeigt die Süd­deut­sche Zei­tung in ih­rer heu­ti­gen Aus­ga­be als Auf­ma­cher im Feuil­le­ton. In der Tat ein em­ble­ma­ti­sches Co­ro­na-Kri­sen-Bild! Dass es in Ös­ter­reich schon ganz an­ders zu ge­hen scheint, kann man im In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser bei BR Klas­sik er­fah­ren, al­ler­dings noch ohne kon­kre­te Pro­gramm­in­for­ma­tio­nen für die Salz­bur­ger Fest­spie­le 2020. Und als klei­ne­res Haus zeigt auch schon mal die Oper Graz, was mög­lich ist. Die kom­men­den Tage nut­ze ich die Chan­ce, mir die Auf­zeich­nung der  Frank­fur­ter „Ring“-Inszenierung an­zu­se­hen. Wer sich nur mit ei­nem Teil be­gnü­gen woll­te, soll­te die „Göt­ter­däm­me­rung“ nicht ver­pas­sen, mit  Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le, der Gun­ther zu ei­ner ech­ten Haupt­fi­gur macht. Eine seit der Pre­mie­re im Ja­nu­ar 2012 mir un­ver­gess­li­che Leis­tung!

Ta­ges­tipp und Links vom 27. Mai: Ne­ben den jüngs­ten Mel­dun­gen und Kom­men­ta­ren aus Bay­reuth ste­hen heu­te na­tür­lich auch die hal­bier­ten Salz­bur­ger Fest­spie­le und de­ren Prä­si­den­tin Hel­ga Rabl-Stad­ler im Mit­tel­punkt der Be­richt­erstat­tung. Was Rein­hard J. Brem­beck in der Süd­deut­schen Zei­tung zu ei­nem Kom­men­tar ver­an­lass­te, der sich ge­wa­schen hat – mit Sät­zen wie „Die Maß­ga­ben le­sen sich wie eine Bas­tel­an­lei­tung zu ei­nem Ischgl-In­fer­no II“. Sei­ne Über­schrift „Küss mich, wenn du magst“ dürf­te in­spi­riert sein von dem Ar­ti­kel „We­nig schrei­en, nicht küs­sen“ aus der Ber­ner Zeitung/​ Thu­ner Tag­blatt, in der Su­san­ne Küb­ler das schwei­ze­ri­sche Schutz­kon­zept für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen vor­ge­stellt hat. Ge­nug für heu­te!

Ta­ges­tipp und Links vom 26. Mai: Zur jüngs­ten Bay­reuth-Per­so­na­lie fas­sen die Stutt­gar­ter Zei­tung und der Ta­ges­spie­gel die Sach­la­ge aus­führ­lich zu­sam­men, wäh­rend Jan Brach­mann in der F.A.Z. in sei­nem Kom­men­tar von ei­nem nicht en­den wol­len­den „Schick­sals­ha­gel­schlag“ schreibt, ei­ni­ge noch nicht ver­öf­fent­lich­te De­tails weiß und wie folgt en­det: „Da stimmt es zu­min­dest hoff­nungs­froh, wenn aus dem engs­ten Um­kreis von Ka­tha­ri­na Wag­ner ver­lau­tet, ihr Ge­sund­heits­zu­stand habe sich sta­bi­li­siert. Wann sie aber ins Amt zu­rück­keh­ren kön­ne, ob viel­leicht noch in die­sem Jahr, das sei wei­ter­hin völ­lig of­fen.“ Spe­zi­ell über die nä­he­re Zu­kunft im Ber­li­ner Kul­tur­le­ben be­rich­tet der Ta­ges­spie­gel  aus der gest­ri­gen Kul­tur­aus­schuss­sit­zung, wo der Lock­down bis 31. Juli nach wie vor gilt. In Ös­ter­reich hin­ge­gen kann schon kon­kre­ter ge­plant wer­den: Es wird im Au­gust ab­ge­speck­te Salz­bur­ger Fest­spie­le ge­ben, mit nur neun­zig statt ur­sprüng­lich 200 Ver­an­stal­tun­gen – aber im­mer­hin! Nach mei­nem gest­ri­gen Kri­mi­abend könn­te heu­te wie­der eine Oper dran sein, viel­leicht „Jen­u­fa“ aus Ber­lin?

Ta­ges­tipp und Links vom 25. Mai: Zu­min­dest die nä­he­re Thea­ter­zu­kunft sieht nicht ro­sig aus. Was man aus den ers­ten Er­fah­run­gen mit Auf­füh­run­gen in di­ver­sen Häu­sern ler­nen kann, fasst die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung  zu­sam­men, wäh­rend laut Wie­ner Zei­tung beim Ber­li­ner En­sem­ble schon mal  Sitz­rei­hen aus­ge­baut wer­den, um we­nigs­tens ein Rumpf­pro­gramm zu er­mög­li­chen. Und was die so­ge­nann­te So­fort­hil­fe für frei­schaf­fen­de Künst­ler in Bay­ern be­trifft, hat Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung ei­nen kur­zen und kna­cki­gen Kom­men­tar ver­fasst.
Noch ein paar An­mer­kun­gen zum Ams­ter­da­mer „Ring“, der noch bis Mo­nats­en­de kos­ten­los ge­streamt wer­den kann: Stig An­der­sen war sän­ge­risch auch in der „Göt­ter­däm­me­rung“ ein bis auf we­ni­ge Mo­men­te aus­ge­spro­chen gu­ter Sieg­fried. Er singt, wo es geht, eher ly­risch, ver­zich­tet auf stimm­li­che Kraft­meie­rei – und in­dem man ihn hört, sieht man plötz­lich eben we­ni­ger den Haudrauf in die­ser Fi­gur, son­dern ei­nen im ge­ge­be­nen Um­feld reich­lich ver­lo­re­nen, aber em­pa­thi­schen Men­schen. Un­ter den wei­te­ren So­lis­ten ist Mi­chae­la Schus­ter als Wal­trau­te her­aus­ra­gend: mit ihr fin­det Mu­sik­dra­ma in Voll­endung statt. Was für mich bei Ca­the­ri­ne Fos­ters Brünn­hil­de we­ni­ger funk­tio­niert. Zwei­fel­los hat sie eine schö­ne und in­tak­te Stim­me, aber – na­tür­lich ist das auch Ge­schmacks­sa­che und sehr sub­jek­tiv – sie be­rührt mich nicht. Als Fehl­be­set­zung er­wies sich Kurt Rydls Hun­ding und noch mehr als Ha­gen, der zwar gru­se­lig mit den Au­gen rol­len, aber lei­der nicht mehr sau­ber sin­gen kann. Trotz­dem ist die­ser „Ring“ ein Mark­stein in der jün­ge­ren In­sze­nie­rungs­ge­schich­te, so­wohl mu­si­ka­lisch als auch sze­nisch.

Ta­ges­tipp und Links vom 24. Mai: Wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen, frag­te ich in mei­nem gest­ri­gen Tipp. Und könn­te die Fra­ge gleich wie­der stel­len. Denn beim „Sieg­fried“ aus Ams­ter­dam – wie­der­um emp­fand ich die In­sze­nie­rung ins­ge­samt sehr ge­lun­gen und auch die mu­si­ka­li­sche In­ter­pre­ta­ti­on be­weg­te sich auf sehr ho­hem Ni­veau – zeig­te sich die Krux al­ler „Siegfried“-Produktionen: Kann man die Ti­tel­rol­le ad­äquat be­set­zen? Geht das über­haupt? Ja, aber nur in Aus­nah­me­fäl­len. Denn die we­ni­gen Hel­den­te­nö­re, die die schwe­re Par­tie sän­ge­risch auch nur halb­wegs meis­tern kön­nen, ver­feh­len lei­der aus nahe lie­gen­den Grün­den in ih­rer Dar­stel­lung die Ju­gend­lich­keit der Fi­gur. Sieg­fried ist nun mal ge­ra­de erst da­bei, er­wach­sen zu wer­den! Wäh­rend in den Opern­häu­sern der ge­ge­be­ne Ab­stand von Pu­bli­kum und Büh­ne in dem Punkt sehr hilf­reich ist – ja, es gibt auch Ab­stands­re­ge­lun­gen, die man un­zwei­fel­haft po­si­tiv se­hen kann –, sind Auf­zeich­nun­gen in der Hin­sicht gna­den­los. Stig An­der­sen (ver­mut­lich Jahr­gang 1950) bei­spiels­wei­se konn­te 2002 in Da­vid Al­dens Münch­ner „Ring“-Inszenierungen von 2002/2003 durch­aus noch jung wir­ken, 2014 in Ams­ter­dam funk­tio­nier­te das schon nicht mehr so gut. In mei­ner Bes­ten­lis­te für ju­gend­li­che Sieg­frie­de steht im­mer noch der stimm­lich al­ler­dings leicht­ge­wich­ti­ge Ri­chard Ber­ke­ley-Stee­le aus dem ENO-„Ring“ von Phil­li­da Lloyd 2004/2005 ein­sam an der Spit­ze, ak­tu­ell schafft an sei­nen sän­ge­risch gu­ten Ta­gen Da­ni­el Kirch in Chem­nitz das ei­gent­lich Un­mög­li­che am bes­ten. Noch an­ders ge­sagt: Sieg­frie­de und Brünn­hil­den ha­ben auch jen­seits der Al­ters­pro­ble­ma­tik kei­ne gu­ten Kar­ten, wenn ein Mime vom Ka­li­ber ei­nes Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke auf den Bret­tern steht. Er ist seit et­li­chen Jah­ren un­an­ge­foch­ten die Top­be­set­zung die­ser Par­tie – und in Pierre Au­dis In­sze­nie­rung auch des­halb ein Hin­gu­cker, weil er trotz sei­nes Ech­sen­kos­tüms stre­cken­wei­se ge­nau­so aus­sieht wie Ri­chard Wag­ner als Groß-We­sir im Aqua­rell von Ernst Be­ne­dikt Kietz. Zu mei­nen Fa­vo­ri­ten in der Tier­welt im „Ring“ ge­hört seit ges­tern un­be­dingt auch Sieg­frieds Wöl­fing-Ruck­sack. Man lernt eben nie aus bei Wag­ner! Ge­nug von der jüngs­ten Stream-Seh­erfah­rung, hin zu den Links: Ger­ne emp­feh­le ich auch die Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung und als Ein­zel-Lek­tü­re aus der Ber­li­ner Zei­tung den Be­richt über das neue For­mat Mi­kro-Kon­zert. Na­tür­lich ne­ben mei­ner jüngs­ten Mel­dung aus Bay­reuth.

Ta­ges­tipp und Links vom 23. Mai: Aus Eg­bert Thol­ls Re­zen­si­on in der Süd­deut­schen Zei­tung über das ers­te Kam­mer­kon­zert mit Pu­bli­kum an der Baye­ri­schen Staats­oper kann man vor al­lem die Freu­de her­aus­le­sen, die so­wohl Mu­si­ker wie Zu­hö­rer emp­fun­den ha­ben – ach ja! Nicht nur die neue BSO-Kon­zert­rei­he „Streif­zü­ge am Mitt­woch“ macht Hoff­nung. Auch an der Oper Frank­furt gibt es am 29. Mai das ers­te Live-Kon­zert mit Pu­bli­kum; der Vor­ver­kauf zum Lie­der­abend mit Ma­ria Beng­t­son (So­pran) be­ginnt am Mon­tag. Noch zwei Ar­ti­kel von Mar­kus Thiel aus dem Münch­ner Mer­kur: ein In­ter­view mit Chris­ti­an Ger­ha­her zum Kul­tur­le­ben in Co­ro­na-Zei­ten und ein Be­richt über die „Wege aus dem Kul­tur­win­ter“. Beim Strea­men hält mich mo­men­tan (und weil ich den Frank­fur­ter „Ring“ schon aus sei­nen Pre­mie­ren ken­ne) der Ams­ter­da­mer „Ring“ in Be­schlag: eine fes­seln­de Pro­duk­ti­on, bei der ich sehr be­dau­re, dass ich un­ter an­de­rem auch die un­ge­wöhn­li­chen Raum­lö­sun­gen von Ge­or­ge Tsypin nicht selbst er­lebt habe. Mit die­ser Wag­ner-In­sze­nie­rung punk­tet nach­träg­lich end­lich auch Re­gis­seur Pierre Audi, des­sen Münch­ner „Par­si­fal“ in der nur selbst­re­fe­ren­zi­el­len und grau­en­haft nichts­sa­gen­den Aus­stat­tung von Kunst­markt­grö­ße Ge­org Ba­s­elitz zu den Opern­er­fah­run­gen ge­hört, die man trotz der her­aus­ra­gen­den mu­si­ka­li­schen In­ter­pre­ta­ti­on sehr schnell aus der Er­in­ne­rung streicht. Na­tür­lich kann man über man­che Sän­ger­leis­tun­gen in Ams­ter­dam ge­teil­ter Mei­nung sein, aber wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen? Lei­der nur im Opern­him­mel. Und in sehr sel­te­nen Stern­stun­den auf Er­den.

Ta­ges­tipp und Links vom 22. Mai: Heu­te vor 207 Jah­ren wur­de Ri­chard Wag­ner in Leip­zig ge­bo­ren; mei­nen Gra­tu­la­ti­ons­ar­ti­kel fin­den Sie hier. An­sons­ten ist der Auf­re­ger des Ta­ges wohl der Pla­gi­ats­vor­wurf an das Ar­chi­tek­tur­bü­ro Bar­kow Leib­in­ger, das für das Büh­nen­bild der Wie­ner „Fidelio“-Inszenierung von Chris­toph Waltz ver­ant­wort­lich zeich­net – üb­ri­gens ein nur auf den ers­ten Blick wir­ken­des, letzt­lich sehr be­lie­bi­ges Bild. Aus Wies­ba­den be­rich­tet Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau über das nächs­te dor­ti­ge „Opern­kon­zert“ (mit Kla­vier­be­glei­tung), wo­bei zwei­er­lei be­mer­kens­wert er­scheint: Dass näm­lich ers­tens auch die­ser Se­lek­tiv-Abend nicht aus­ver­kauft war und dass zwei­tens Künst­ler­paa­re wie Mi­cha­el Vol­le und Ga­brie­la Sche­rer jetzt die Nase vorn ha­ben, weil für sie die Ab­stands­re­ge­lung au­ßer kraft ist. Wol­len wir wet­ten, dass Anna Netreb­ko (die die Co­ro­na-Re­ge­lun­gen als dumm be­zeich­net hat und sehr sehr rus­sisch al­len Erns­tes schrieb: „I think, who ever de­ci­ded that ru­les has to va­nish!“) und Yu­sif Ey­va­zov schon in den Start­lö­chern ste­hen? Heu­te Abend steht für mich die Ams­ter­da­mer „Wal­kü­re“ auf dem Pro­gramm, wie­der­um un­ter Hart­mut Ha­en­chen, üb­ri­gens Re­kord­hal­ter un­ter den „Ring“-Dirigenten.

Ta­ges­tipp und Links vom 21. Mai: Wer streamt, soll­te sich Ge­dan­ken über die Di­gi­ta­li­sie­rung in der Kul­tur­welt ma­chen. Dass Hol­ger Nolt­ze, Jour­na­list, Kri­ti­ker, seit 2005 Pro­fes­sor an der TU Dort­mund und schon mehr­fach zu Gast beim RWV Bam­berg, was dazu zu sa­gen hat, spie­gelt das jüngs­te In­ter­view auf BR Klas­sik. Am sel­ben Ort prä­sen­tiert Di­ri­gen­tinJoana Mall­witz vom Staats­thea­ter Nürn­berg ei­nen Vi­deor­und­gang zu ih­rem Ex­pe­di­ti­ons­kon­zert zu Beet­ho­vens 7. Sym­pho­nie. Wie es an­sons­ten wei­ter geht, klopft der Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel gleich in zwei neu­en Bei­trä­gen ab, der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Deut­schen Mu­sik­rats Chris­ti­an Höpp­ner sieht im In­ter­view mit dem Deutsch­land­funk Kul­tur „düs­te­re Zei­ten“ aus uns zu­kom­men. Kann ei­nem in Wag­ners „Ring“ be­kannt­lich auch pas­sie­ren, der ak­tu­ell aus Frank­furt (Pre­mie­ren ab 2010, Auf­nah­me von 2014) und Ams­ter­dam (Pre­mie­ren ab 1997, Auf­nah­me von 2014) ge­streamt wird. Hart­mut Ha­en­chen war üb­ri­gens der ers­te Di­ri­gent, der auch Quel­len­ma­te­ri­al her­an­ge­zo­gen hat, das nicht ein­mal in Bay­reuth be­nutzt wur­de. Er hat in lan­ger De­tail­ar­beit ein ei­ge­nes Or­ches­ter­ma­te­ri­al er­stellt hat, das auf den neu­es­ten Aus­ga­ben der Ri­chard-Wag­ner-Ge­samt­aus­ga­be ba­siert und so­gar de­ren Druck­feh­ler kor­ri­giert. Bin sehr ge­spannt auf sei­ne In­ter­pre­ta­ti­on!

Ta­ges­tipp und Links vom 20. Mai: Als Jour­na­list darf man in Aus­nah­me­fäl­len hin und wie­der in Ge­ne­ral­pro­ben sit­zen, ich ken­ne also das Ge­fühl des lee­ren Zu­schau­er­raums. Die  „Geis­ter­kon­zer­te“ in Ber­lin und Mün­chen ha­ben mich dar­an er­in­nert, der ers­te Lie­der­abend mit Pu­bli­kum am Staats­thea­ter Wies­ba­den, wor­über so­gar die New York Times be­rich­tet, hin­ge­gen lässt mich – aus der Fer­ne be­trach­tet – eher an die Se­pa­rat­vor­stel­lun­gen Kö­nig Lud­wigs II. den­ken: Das wa­ren mehr als 200 Schau­spiel- und Opern­auf­füh­run­gen, bei de­nen die Ak­teu­re zwar in fast kom­plett lee­re Zu­schau­er­räu­me hin­ein­s­an­gen und spiel­ten, aber im­mer­hin wuss­ten, dass ge­nau der­je­ni­ge, der da­für be­zahl­te, auch zu­schau­te und zu­hör­te. Mal se­hen, wie’s wei­ter geht! Im Ta­ges­spie­gel äu­ßert sich der Pia­nist Igor Le­vit aus­führ­lich zu sei­nen Streams, im Münch­ner Mer­kur un­ter­sucht Mar­kus Thiel, wie das Co­ro­na-Vi­rus auch die Künst­ler­agen­tu­ren beu­telt. Und ich kann ger­ne be­stä­ti­gen, dass es kei­ner­lei tech­ni­sche Pro­ble­me beim „Rheingold“-Stream aus Frank­furt gab. In­zwi­schen ste­hen auch die kom­plet­ten „Ring“-Besetzungen für Ams­ter­dam und Frank­furt in der Auf­lis­tung. Und mein Abend­pro­gramm? Die sehr alte „Lohengrin“-Inszenierung von Au­gust Ever­ding an der Met aus dem Jahr 1986 hat ih­rer Be­set­zung we­gen gro­ße Chan­cen … ach, Pe­ter Hof­mann!

Ta­ges­tipp und Links vom 19. Mai: Wäh­rend an den Rumpf-Fest­spie­len in Salz­burg noch ge­bas­telt wird, sind zwei wei­te­re Ju­bi­lä­ums-Fest­spie­le ab­ge­sagt: Auch die Hän­del-Fest­spie­le in Göt­tin­gen woll­ten heu­er ihr 100-jäh­ri­ges Be­stehen fei­ern, nicht zu ver­ges­sen das Bon­ner Beet­ho­ven­fest im gro­ßen Beet­ho­ven-Ju­bi­lä­ums­jahr, um des­sen Ver­schie­bung In­ten­dan­tin Nike Wag­ner sich küm­mert. Und wer die gest­ri­ge Do­ku­men­ta­ti­on im BR Fern­se­hen über den Aus­nah­me­zu­stand bei den Pas­si­ons­spie­len in Ober­am­ma­er­gau ver­passt hat, fin­det die Sen­dung hier. We­ni­ger be­nut­zer­freund­lich er­wies sich ges­tern üb­ri­gens er­neut die Strea­ming-Platt­form der Wie­ner Staats­oper. Wie­der war das On­line-So­fort­ver­kauf-War­te­schlei­fen-Fee­ling an der Ta­ges­ord­nung, dies­mal auch mit­ten in der Spon­so­ren­wer­bung (was un­ge­rech­ter­wei­se den Grimm der War­ten­den auf die Spon­so­ren lenkt) – und nach etwa ei­ner hal­ben Stun­de „Göt­ter­däm­me­rung“ ging dann gar nichts mehr. Bei vier Opern hat es also zwei­mal nicht ge­klappt. Im­mer­hin hat­te ich die Auf­füh­rung schon ge­se­hen, konn­te es also bes­ser ver­schmer­zen wie viel­leicht an­de­re. Na­tür­lich wer­de ich heu­te tes­ten, ob die Oper Frank­furt mit dem An­sturm hung­ri­ger Wag­ne­ria­ner aufs „Rhein­gold“ (Pre­mie­re 2012) tech­nisch bes­ser zu­recht kommt.

Ta­ges­tipp und Links vom 18. Mai: Lang­sam, aber si­cher darf auch das Kul­tur­le­ben wie­der in die Gän­ge kom­men. Die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet heu­te aus den ver­schie­dens­ten Be­rei­chen, Mar­kus Bei­sel, In­ten­dant des Rhein Ne­ckar Thea­ters, ei­ner klei­nen Büh­ne in Mann­heim, er­läu­tert an­schau­lich, was die Ab­stands­vor­schrif­ten in der Pra­xis be­deu­ten,  wäh­rend Pa­trick Bah­n­ers in der FAZ sich kri­tisch mit Mo­ni­ka Grüt­ters, der Be­auf­trag­ten für Kul­tur und Me­di­en, wid­met. Wer die­se Ko­lum­ne öf­ter liest, wird ah­nen, dass ich heu­te die Wie­ner „Göt­ter­däm­me­rung“ strea­me – eine Auf­zeich­nung vom 7. Juni 2017 un­ter Pe­ter Schnei­der. In der glei­chen Be­set­zung durf­te üb­ri­gens zwei Tage zu­vor eine Rei­se­grup­pe des RWV Bam­berg die­se Re­per­toire­vor­stel­lung er­le­ben. Um noch­mals auf Sven-Eric Bech­tolf, den Re­gis­seur des Staatsopern-„Rings“, zu­rück­zu­kom­men: Sehr emp­feh­lens­wert so­wohl für Ken­ner und An­fän­ger ist sei­ne Ein­spie­lung des kom­plet­ten „Ring“-Librettos bei col lge­no, bei der er fes­selnd in alle Rol­len schlüpft und nur mit sei­ner Sprech­stim­me je­der ein­zel­nen Fi­gur je­weils eine un­ver­wech­sel­ba­re Iden­ti­tät ver­leiht. Ein­fach groß­ar­tig!

Ta­ges­tipp und Links vom 17. Mai: Nach­richt­lich ein ru­hi­ger Sonn­tag bis­her, nur die Ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en ar­bei­ten sich wei­ter ab an ih­ren Fest­spie­len – an Salz­burgs Op­tio­nen ei­ner Teil­durch­füh­rung und der Aus­zeit in Bre­genz. Was es be­deu­tet, dass in den bun­des­deut­schen Thea­tern ab mor­gen der Pro­ben­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men wer­den kann und die Re­strik­tio­nen we­ni­ger wer­den, lässt sich un­ter an­de­rem am In­ter­view von Wolf­ram Go­e­rtz von der Rhei­ni­schen Post mit Chris­toph Mey­er, dem In­ten­dan­ten der Deut­schen Oper am Rhein, ab­le­sen. An­sons­ten ist nicht zu über­se­hen, dass seit gut ei­nem Mo­nat die Kurz­ar­beit auch in den Me­di­en­häu­sern Ein­zug ge­hal­ten hat: Dün­ner sind alle Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­ne ge­wor­den, und nicht we­ni­ge re­gio­na­le Blät­ter hat­ten und ha­ben zwar nicht ih­ren Sport­teil, aber den Kul­tur­teil lei­der gleich ganz ge­stri­chen. So viel zum Stel­len­wert von Kul­tur. Kurz noch eine An­mer­kung zu den Streams der Wie­ner Staats­oper: Nach­dem am „Rheingold“-Tag der An­drang wahr­schein­lich ein­fach zu groß war, durf­te ich tags dar­auf eine mir gänz­lich neue Er­fah­rung ma­chen. Erst­mals habe ich, wenn auch nur be­quem vom Sofa aus, gleich zwei ver­schie­de­ne Wag­ner­auf­füh­run­gen in­ner­halb von zwölf Stun­den er­lebt. Ein Ex­pe­ri­ment, dem al­ler­dings kei­ne wei­te­ren Ver­su­che fol­gen wer­den – was wohl­ge­merkt nicht an der In­sze­nie­rung von Sven-Eric Bech­tolf liegt, die wohl­tu­end nichts an­de­res will, als die Ge­schich­te zu er­zäh­len. Son­dern an der ei­ge­nen Auf­nah­me- und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, wel­che ich mir heu­te ab so­fort für „Sieg­fried“ un­ter Si­mon Ratt­le auf­spa­re.

Ta­ges­tipp und Links vom 16. Mai: Dass die Salz­bur­ger Fest­spie­le in ih­rem Ju­bi­lä­ums­jahr we­nigs­tens den „Je­der­mann“ ret­ten wol­len, war schon lan­ge klar. In­zwi­schen sieht es so aus, dass das klap­pen könn­te, wie u.a. Der Stan­dard be­rich­tet. Alex­an­der Klu­ge, des­sen Aus­stel­lung „Oper. Der Tem­pel der Ernst­haf­tig­keit“ im Würt­tem­ber­gi­schen Kunst­ver­ein am 13. März ge­ra­de noch ge­öff­net wer­den konn­te, um tags dar­auf ge­schlos­sen zu wer­den, re­agier­te dar­auf mit ei­nem vier­stün­di­gen Abend, den man auf der Web­site des Ber­li­ner Li­te­ra­tur­hau­ses fin­det und aus dem man um ei­ni­ges klü­ger her­aus­geht. Wie ei­ner, der klug ist und gleich­zei­tig Fan von Wer­der Bre­men, mit dem Shut­down und Geis­ter­spie­len um­geht, be­schreibt der Schau­spie­ler Mat­thi­as Brandt im le­sens­wer­tenIn­ter­view mit dem Ta­ges­spie­gel. Die ers­ten Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen „nach Vor­schrift“ mit mas­kier­tem Pu­bli­kum lau­fen an, der ös­ter­rei­chi­sche On­line-Mer­ker ist mit Gün­ther Groissböck ins Ren­nen ge­gan­gen, in Wies­ba­den soll das Er­satz­pro­gramm am Mon­tag star­ten. Ob’s ver­gnüg­lich wird, ver­mag ich nicht zu be­ur­tei­len. Da ist mir die jüngs­te Opertrotz­Co­ro­na-Bei­ga­be der Staats­oper Stutt­gart ei­gent­lich lie­ber: Ri­chard Wag­ner meets Gil­bert & Sul­li­van mit He­le­ne Schnei­der­man, Ca­tr­io­na Smith, Ma­ria-The­re­sa Ull­rich (Ge­sang). Und weil der Kom­po­nis­ten­na­me mir so nahe liegt, emp­feh­le ich heu­te Jo­seph Beers „Pol­ni­sche Hoch­zeit“, ein weit­hin un­be­kann­tes Meis­ter­werk zwi­schen Ope­ret­te und Mu­si­cal, das die Oper Graz lei­der nur noch heu­te streamt.

Ta­ges­tipp und Links vom 15. Mai: Der Sil­ber­streif, der sich am Co­ro­na-Ho­ri­zont der Kul­tur­welt ab­zeich­net, ist noch ein sehr fra­gi­les Ge­spinst. So kön­nen zwar in Bay­ern jetzt un­ter an­de­rem auch frei­schaf­fen­de Künstler*innen und sons­ti­ge Kulturarbeiter*innen, die nicht in der Künst­ler­so­zi­al­kas­se ver­si­chert sind, mit Un­ter­stüt­zung rech­nen. Die Fra­ge ist nur: wann? Schließ­lich gibt es bis heu­te noch nicht ein­mal das An­trags­for­mu­lar für die ver­si­cher­ten Frei­schaf­fen­den, für die am 21. April 2020 eine Sofort(!)hilfe von drei mal 1000 Euro an­ge­kün­digt wur­de. Der Be­richt der Süd­deut­schen Zei­tung über den er­wei­ter­ten Kul­tur-Ret­tungs­schirm hat schon mal pas­sen­den Ti­tel, le­sens­wert vor al­lem der Kom­men­tar dazu von Su­san­ne Her­man­ski.
Et­was we­ni­ger di­rekt ist Ka­tha­ri­na Wag­ners Jour­na­lis­ten­freund Ma­nu­el Brug in der Welt. So sehr man ihm zu­stim­men mag, dass die Fest­spiel­lei­te­rin ein „Recht auf Krank­sein“ habe, so sehr fällt in sei­ner Ab­rech­nung mit der Ge­rüch­te­kü­che, in der er sonst selbst ger­ne  mit­mischt, auf, dass er es mit den Quel­len und ih­rer Na­mens­nen­nung nicht ge­nau ge­nug nimmt. Dass es bei­spiels­wei­se die Bild-Zei­tung war, die sich in dem Zu­sam­men­hang die größ­ten Ge­schmack­lo­sig­kei­ten ge­leis­tet hat, ist bei ihm nicht zu er­fah­ren. Na klar, ist der­sel­be Me­di­en-Kon­zern, bei dem auch Brug be­schäf­tigt ist! Im­mer­hin nimmt er sich die Frei­heit her­aus, Chris­ti­an Thie­le­mann, der mit Sprin­ger-Chef Mat­thi­as Döpf­ner be­freun­det ist, „die Fake News von der gu­ten Er­ho­lung Ka­tha­ri­na Wag­ners“ um die Oh­ren zu hau­en. Und ver­dient ein Son­der­lob für den Ne­ben­satz, dass Thie­le­manns „In­ter­view­äu­ße­run­gen auch bis­her im­mer auf ih­ren Wahr­heits­ge­halt zu über­prü­fen wa­ren“. Punkt.
Wer sich ge­ge­be­nen­falls in der War­te­schlei­fe beim Staatsopern-„Ring“ in Wien plötz­lich vor­kommt wie beim On­line-So­fort­ver­kauf der Bay­reu­ther Fest­spie­le kann sein Wag­ner-Glück ab heu­te 14 Uhr in der Sem­per­oper ver­su­chen und an­hand der „Lo­hen­grin“-Elsa über­prü­fen, ob Anna Netreb­ko und die deut­sche Spra­che ein Glück ohne Reu‘ sind. Vor­schau: von 19. bis 24. bzw. von 21. bis 24. Mai gibt es kom­plet­te „Ring“-Streams aus Frank­furt und Ams­ter­dam. Wird schwie­rig, wenn man be­denkt, dass es un­ter an­de­rem auch noch „Wozzeck“ aus Zü­rich mit Chris­ti­an Ger­ha­her und „Die Sol­da­ten“ aus Stutt­gart in der In­sze­nie­rung von Har­ry Kup­fer gibt.

Ta­ges­tipp und Links vom 14. Mai: Dass mir Wort Co­ro­na in ei­nem ein­deu­tig po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang und fast schon per­sön­lich ent­ge­gen­kommt, hät­te ich nicht ge­dacht. „Al­les für den Bee­ren­hun­ger“ sind in der jüngs­ten Gar­ten­bro­schü­re von Ma­nu­fac­tum die An­ge­bo­te von di­ver­sen Erd­beer­pflan­zen über­ti­telt, dar­un­ter Ko­ro­na – eine „mit­tel­frü­he Sor­te mit dun­kel­ro­ten, gro­ßen, auch in­nen aus­ge­färb­ten Früch­ten mit rei­chem Aro­ma, das von sü­ßen und fruch­ti­gen Kom­po­nen­ten ge­prät ist.“ Was die un­ge­still­te Lust auf Mu­sik­thea­ter sehr vie­ler Men­schen be­trifft, so lässt das Ge­spräch, das der Deutsch­land­funk mit Axel Ko­ber, dem GMD an der Deut­schen Oper am Rhein, ge­führt hat, den Sil­ber­streif am Ho­ri­zont er­ken­nen. Letz­te­rer ist auch an der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder zu den Per­spek­ti­ven der Kul­tur­sze­ne ab­zu­le­sen. Und heu­te Abend? Noch­mals sei ger­ne dar­auf ver­wie­sen, dass die Wie­ner Staats­oper ab heu­te 19 Uhr die „Ring“-Inszenierung von Sven-Eric Bech­tolf streamt, vier Aben­de un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten, dar­un­ter zum Auf­takt mit dem „Rhein­gold“ Axel Ko­ber.

Links vom 13. Mai: Wer das Wort Co­ro­na in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang ken­nen ler­nen möch­te, wird un­ter an­de­rem bei der ka­tho­li­schen Ta­ges­post fün­dig. Von Würz­burg und der Hei­li­gen geht’s über­gangs­los wei­ter nach Wies­ba­den und zu Uwe Eric Lau­fen­berg, der schon ab 18. Mai ein Er­satz­pro­gramm für die Mai­fest­spie­le durch­zie­hen will, wäh­rend die ARD ge­ra­de ih­ren re­nom­mier­ten Wett­be­werb ab­ge­sagt hat. Na ja, Ari­en­aben­de mit ei­ni­gen Sän­ger­grö­ßen und Kla­vier­be­glei­tung las­sen sich si­cher eher hin­krie­gen, als ein in­ter­na­tio­na­ler Wett­be­werb mit Teil­neh­mern aus al­ler Welt. Aber mal ehr­lich: Die Er­fah­rung in ei­nem fast lee­ren und da­durch plötz­lich sehr gro­ßen Zu­schau­er­raum zu sit­zen, möch­te man ei­gent­lich nur ein­mal ma­chen.

Ta­ges­tipp und Links für 12. Mai: Wie und wann die „Ring“-Neuinszenierung von Se­fan Her­heim an der Deut­schen Oper los­ge­hen kann, lässt sich zwar nicht mit Ge­wiss­heit sa­gen, aber im­mer­hin lau­fen, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, die Pla­nun­gen in meh­re­re Rich­tun­gen. Und in der­sel­ben Zei­tung ist auch zu le­sen, dass von Sän­gern das grö­ße­re In­fek­ti­ons­ri­si­ko aus­geht. Te­nor An­dre­as Schager wi­der­spricht dem mit ei­ner prak­ti­schen De­mons­tra­ti­on. (Wei­te­re Links zu ak­tu­el­len The­men bie­tet täg­lich aus­führ­lich der On­line-Mer­ker.) Für Mu­sik- und Kon­zert­freun­de ein Muss ist Ki­rill Pe­tren­kos Play­list auf der Home­page der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker. Und heu­te Abend? Strea­me ich wahl­wei­se „Bo­ris“ aus Stutt­gart oder eine der Auf­füh­run­gen aus Brüs­sel, denn am 14. und 15. Mai ist erst­mal Wag­ner dran, mit den ers­ten bei­den „Ring“-Teilen aus der Wie­ner Staats­oper, die im Mai den Bechtolf-„Ring“ un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten streamt.

Ta­ges­tipp und Links für 11. Mai: Es scheint Be­we­gung zu kom­men in die Ab­stands­re­ge­lun­gen für Büh­nen und Kon­zert­po­di­en, wenn man Jan Brach­mann in der FAZ glaubt. Und der Hoff­nungs­streif am Ho­ri­zont für Opern­freun­de lässt sich er­ah­nen, wenn man liest, was Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zum Sai­son­pro­gramm der Oper Frank­furt schreibt. Und die Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le freu­en sich, die ge­plan­te Fest­spiel­eröff­nung ei­nem brei­ten Pu­bli­kum trotz Ab­sa­ge zu­gäng­lich ma­chen zu kön­nen: Seit 7. Mai, dem ei­gent­li­chen Fes­ti­val­be­ginn, ist in der ARTE-Me­dia­thek die Film­ver­si­on der cho­reo­gra­phi­schen Oper „Dido and Ae­ne­as“ von Hen­ry Pur­cell aus dem Jahr 2005 mit der Aka­de­mie für Alte Mu­sik Ber­lin, Vo­cal­cons­ort Ber­lin und Sa­sha Waltz & Guests für 30 Tage als Vi­deo-on-De­mand in ab­ruf­bar.

Ta­ges­tipp und Links für 10. Mai: Na­tür­lich bea­me ich mich heu­te Abend in die Ber­li­ner Staats­oper Un­ter den Lin­den: Al­ban Bergs „Wozzeck“ in der In­sze­nie­rung des un­ver­ges­se­nen Pa­tri­ce Ché­reau mit Franz Grund­he­ber und Wal­traud Mei­er. Es ist üb­ri­gens ein tol­ler Ser­vice, dass die Staats­oper auch die Pro­gramm­hef­te zum Down­load an­bie­tet – selbst wenn sie, wie in die­sem Fall, von der Nach­fol­ge­pro­duk­ti­on stam­men. Mein gest­ri­ger Ver­such, durch die Rund­funk­auf­zeich­nung auf BR Klas­sik die Chan­ce zu nut­zen und end­lich „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko ken­nen­zu­ler­nen, ist üb­ri­gens ge­schei­tert: Eine Oper in ei­ner Spra­che, die man nicht ver­steht, er­schließt sich ohne jeg­li­che Vor­kennt­nis­se und Mit­le­se­mög­lich­keit eben nicht so leicht. Ich bin dann doch lie­ber ins Fern­se­hen über­ge­wech­selt und habe auf SWR zum zwei­ten und be­stimmt nicht zum letz­ten Mal den fas­zi­nie­rend ge­lun­ge­nen und vor al­lem bei den männ­li­chen Fi­gu­ren ex­zel­lent be­setz­ten Drei­gro­schen­film von 2018 an­ge­schaut, der bis 9. Juni in der ARD-Me­dia­thek frei ver­füg­bar ist. Man wünsch­te sich, dass Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Joa­chim A. Lang sich mit ähn­lich gro­ßer Kom­pe­tenz,  Ken­ner­schaft und Kunst­fer­tig­keit Ri­chard Wag­ner wid­men wür­de. Zu­rück in Co­ro­na-Zei­ten len­ke ich Ihre Auf­merk­sam­keit auf zwei Künstler*innen, die ganz un­ter­schied­lich auf die jet­zi­ge Kri­se re­agie­ren: auf die wun­der­ba­re Sän­ge­rin Eli­sa­beth Kul­mann und den Or­gel­vir­tuo­sen Ca­me­ron Car­pen­ter.

Ta­ges­tipp und Links für 9. Mai: Am 6. Mai habe ich in mei­nem Blog-Bei­trag „Jour­na­lis­ti­sche Re­fle­xe“ die Fra­ge ge­stellt, war­um von Chris­ti­an Thie­le­mann noch kein Wort zur Lage in Bay­reuth zu hö­ren war, am 8. Mai hat er sich bei Heinz Sich­rovs­ky der ös­ter­rei­chi­schen News-Me­di­en­grup­pe ge­mel­det und zu Pro­to­koll ge­ge­ben, dass Ka­tha­ri­na Wag­ner auf dem Weg der Bes­se­rung ist und er selbst im Som­mer in Bay­reuth Ur­laub ma­chen, im lee­ren Or­ches­ter­gra­ben sit­zen und über sei­nen Be­ruf nach­den­ken wird. Auch das Beet­ho­ven­fest im Ju­bi­lä­ums­jahr mit­samt Bay­reuth-Gast­spiel muss­te ver­scho­ben wer­den. Der Bon­ner Ge­ne­ral-An­zei­ger hat In­ten­dan­tin Nike Wag­ner dazu in­ter­viewt. Un­ter wel­chen Maß­ga­ben der­zeit auf den Büh­nen mit Ab­stands­flä­chen ge­rech­net wird, lasst sich ab­le­sen an ei­ner büh­nen­spe­zi­fi­schen Hand­rei­chung der Ver­wal­tungs-Be­rufs­ge­nos­sen­schaft (VBG), et­was bes­ser les­bar hat das Mi­cha­el Stall­knecht in sei­nem Ar­ti­kel Händ­chen­hal­ten auf Ab­stand in der NZZ for­mu­liert. Der Trai­ler zum heu­te Abend auf 3sat an­ge­bo­te­nen Er­leb­nis Büh­ne LIVE hat mich ehr­lich ge­sagt ab­ge­schreckt. Da lass ich das Gu­cken mal sein und höre mir lie­ber um 19 Uhr auf BR-Klas­sik die Oper „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko mit Pio­tr­Be­c­zała an (Auf­nah­me vom15. De­zem­ber 2019 im Thea­ter an der Wien).

Ta­ges­tipp und Links für 8. Mai: Die Nach­rich­ten­la­ge ist so reich­hal­tig, dass die Aus­wahl schwer fällt. Am bes­ten, ich fan­ge vor Ort an mit den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern, die in punk­to Blä­ser-Ae­ro­so­le eine wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung durch­ge­führt ha­ben. Auch zwei Bay­reuth-Prot­ago­nis­ten ha­ben für Schlag­zei­len ge­sorgt: der lang­jäh­ri­ge Chor­di­rek­tor Nor­bert Ba­latsch, der im Al­ter von 92 Jah­ren ge­stor­ben ist, und „Parsifal“-Regisseur Uwe-Eric Lau­fen­berg mit sei­nen „Solo-Dis­kur­sen“ zur Co­ro­na-Kri­se. Dass strea­men­de Klas­sik-Por­ta­le jetzt rich­tig gut ins Ge­schäft kom­men, ver­mel­det der Deutsch­land­funk. Mein heu­ti­ger Tipp funk­tio­niert auch ohne In­ter­net: Um 21.45 Uhr sen­det 3sat das Ge­denk­kon­zert zum Kriegs­en­de vor 75 Jah­ren un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im mit Wag­ners „Sieg­fried-Idyll“ und Mo­zarts „Klei­ner Nacht­mu­sik“. Im Live-Stream gibt’s die Auf­füh­rung auf der Home­page der aus der Ber­li­ner Staats­oper.

Ta­ges­tipp und Links für 7. Mai: Hol­ger Nolt­ze, der schon zwei­mal in un­se­rem Ver­band als Re­fe­rent zu Gast war, hat sich kri­tisch mit der Ver­mitt­lung von Kul­tur im In­ter­net be­fasst – ein Muss für alle Strea­mer! Das Buch „World Wide Wun­der­kam­mer“ er­scheint nächs­te Wo­che in der Edi­ti­on Kör­ber, hier schon mal ein Vor­be­richt aus der NZZ. Apro­pos Pres­se: Aus ak­tu­el­lem An­lass habe ich mich mit den Jour­na­lis­ti­schen Re­fle­xen auf die of­fen­bar schwe­re Er­kran­kung von Ka­tha­ri­na Wag­ner be­fasst und da­bei die Er­kennt­nis ge­won­nen, dass die Un­ter­schie­de zwi­schen ei­ner an­ge­se­he­nen se­riö­sen Zei­tung und ei­nem  Bou­le­vard­blatt lei­der gar nicht mehr groß sind. Bild hin, Süd­deut­sche her: Wer trotz­dem  Sehn­sucht nach don­nern­dem Thea­ter­le­ben hat, der soll­te heu­te den Stream der Münch­ner Kam­mer­spie­le nicht ver­säu­men: Nur in der Zeit von 18 bis 24 Uhr ist die Do­ku­men­ta­ti­on „Schlin­gen­sief – In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“  von Bet­ti­na Böh­ler ver­füg­bar.

Ta­ges­tipp und Links für 6. Mai:Wäh­rend peu à peu in sehr klei­nen Schrit­ten et­was mehr „Nor­ma­li­tät“ zu­rück­kommt, müs­sen zu­min­dest Opern- und Kon­zert­freun­de sich dar­auf ein­stim­men, dass es groß be­setz­te Auf­füh­run­gen wie in den Zei­ten vor Co­ro­na wohl ziem­lich lan­ge nicht mehr ge­ben wird. Der Ta­ges­spie­gelkün­digt an, dass bald auch für fest­an­ge­stell­te Ber­li­ner Or­ches­ter­mu­si­ker Kurz­ar­beit an­steht. Nur noch bis 8. Mai streamt dieStaats­oper Stutt­gartihre aus Pa­ris über­nom­me­ne Gluck-Pro­duk­ti­on der „Iphi­gé­nie en Tau­ri­de“, eine mu­si­ka­lisch be­ein­dru­cken­de In­ter­pre­ta­ti­on un­ter Ste­fa­no Mon­ta­na­ri, mit über­zeu­gen­den Sän­gern, in ei­ner span­nen­den In­sze­nie­rung von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski, die den Zu­schau­ern manch loh­nen­des Rät­sel auf­gibt.

Ta­ges­tipp und Links für 5. Mai: Wie Plan B, C, D, E und F für Or­ches­ter aus­se­hen könn­ten, hat für BR Klas­sik An­to­nia Mo­rin in dem Ar­ti­kel „Wie wird die ’neue Nor­ma­li­tät‘ im Kon­zert?“ re­cher­chiert. Der jüngs­te dpa-Be­richt zu den Salz­bur­ger Fest­spie­len klingt auch nicht ge­ra­de er­mu­ti­gend. Der gest­ri­ge Lie­der­abend im Live­stream mit Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber aus dem Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter hat mir op­tisch wie­der vor Au­gen ge­führt, dass der lee­re Zu­schau­er­raum et­was Wi­der­na­tür­li­ches und ei­gent­lich un­er­träg­lich ist. Und es war förm­lich zu spü­ren, dass auch den bei­den Künst­lern das er­war­tungs­vol­le Ge­gen­über, das Pu­bli­kum fehl­te. Ach, Co­ro­na! Ein­ge­denk der obi­gen Be­rich­te emp­feh­le ich den wun­der­ba­ren Mon­te­ver­di-Zy­klus aus dem Tea­tro la Fe­ni­ce un­ter John Eli­ot Gar­di­ner.

Ta­ges­tipp und Links für 4. Mai: Die heu­ti­ge Pflicht­lek­tü­re ist das In­ter­view mit Bar­rie Kos­ky aus der Ber­li­ner Zei­tung. Und abends bleibt bei mir die Opern­kü­che kalt – nicht ganz, aber fast. Denn der Lie­der­abend, den Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber heu­te um 20.15 Uhr in der Rei­he der Mon­tags­kon­zer­te der Baye­ri­schen Staats­oper mit Wer­ken von An­tonín Dvořák, Hugo Wolf und Franz Schu­bertge­ben, ist live und be­stimmt groß­ar­tig.

Ta­ges­tipp und Links für 3. Mai: Die Di­ri­gen­tin Oksa­na Ly­niv, die dem Bam­ber­ger  Sym­pho­ni­ker-Pu­bli­kum viel­leicht noch als drit­te Preis­trä­ge­rin des Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb 2004 in Er­in­ne­rung sein wird und an­schlie­ßend schnell in­ter­na­tio­nal Kar­rie­re ge­macht hat und un­ter an­de­rem zu­letzt auch den Ju­dith-Abend an der Baye­ri­schen Staats­oper mu­si­ka­lisch lei­te­te, äu­ßert sich im In­ter­view mit der Deut­schen Wel­le aus­führ­lich über die Fol­gen der Co­ro­na-Kri­se. Das Ri­go­let­to-Sän­ger­fest aus Dres­den bleibt wei­ter­hin auf You­tube ver­füg­bar, aber wenn die Sem­per­oper die Pro­duk­ti­on (lei­der nur noch heu­te bis 23 Uhr) streamt, ist es ganz ein­fach schö­ner, weil man den Raum vor sich sieht und sich an ein­schlä­gi­ge Opern­be­su­che dort er­in­nert …

Ta­ges­tipp und Links für 2. Mai: Eine der schöns­ten ak­tu­el­len Mel­dun­gen kommt aus Lu­zern: Das Schwei­ze­ri­sche Bun­des­ge­richt hat in letz­ter In­stanz ent­schie­den, dass Hun­de im Be­reich des Ri­chard-Wag­ner-Mu­se­ums in Trib­schen künf­tig wie­der ohne Lei­ne lau­fen dür­fen – eine Ent­schei­dung, die si­cher auch bei Hun­de­lieb­ha­ber Ri­chard Wag­ner Bei­fall ge­fun­den hät­te. An­sons­ten ist das aus­führ­li­che In­ter­view mit Di­ri­gent Hart­mut Ha­en­chen  auf der Mu­sik­platt­form Klas­sik be­geis­tert zu emp­feh­len. Neu in der Über­sicht sind  Strea­ming­an­ge­bo­te aus Ita­li­en und au­ßer­ge­wöhn­li­che Auf­zeich­nun­gen von klei­ne­ren deut­schen Thea­tern wie der Oper Hal­le und dem Thea­ter Ha­gen.

Ta­ges­tipp und Links für 30. April und 1. Mai: Ob und wie es in der Mu­sik­welt trotz Co­ro­na wei­ter­ge­hen kann, hat Ma­nu­el Brug für die Welt re­cher­chiert. Es lohnt sich, den Be­richt zu le­sen, be­vor man das Eu­ro­pa­kon­zert der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker im Ers­ten ein­schal­tet. Ei­nen schö­nen Ein­blick gibt im In­ter­view auch der Ge­schäfts­füh­ren­de Di­rek­torTo­bi­as Ehin­ger vom Thea­ter Dort­mund in der WDR3-Re­so­nan­zen-Sen­dung (bei 4:10 Min.) vom 28. April. Die Tat­sa­che, dass die Ko­mi­sche Oper Ber­lin ihr Strea­ming-An­ge­bot aus­ge­wei­tet hat, er­leich­tert mir die Aus­wahl: Am 1. Mai um 19 Uhr las­se ich mir Bar­rie Kos­kys Eu­gen One­gin- In­sze­nie­rung mit As­mik Gre­go­ri­an als Tat­ja­na und Ai­nars Ru­bi­kis am Pult nicht ent­ge­hen.

Ta­ges­tipp und Links für 29. April: Zur Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners sind wei­te­re Ar­ti­kel er­schie­nen, dar­un­ter bei der Deut­schen Wel­le, im Ta­ges­spie­gel, in der Welt und in der Süd­deut­schen Zei­tung mit dem be­mer­kens­wer­ten Schluss­satz: „Und der­zeit weiß nie­mand, ob die Fest­spie­le 2021 über­haupt statt­fin­den.“ Das ist reich­lich mu­tig, wenn man be­denkt, dass der­sel­be Au­tor vor nur fünf Ta­gen eine Ab­sa­ge­or­gie kon­sta­tiert und das noch prak­ti­zier­te Prin­zip Hoff­nung bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len gut ge­hei­ßen hat. Mei­ne heu­ti­ge Opern­emp­feh­lung: Franz Schrekers „Der fer­ne Klang“ in ei­ner In­sze­nie­rung von Chris­tof Loy aus Stock­holm mit Agne­ta Ei­chen­holtz, Di­ri­gent Ste­fan Blunier.

Ta­ges­tipp und Links für 28. April: In welch ver-rück­ten Zei­ten wir le­ben, hat un­ter an­de­rem die gest­ri­ge Nach­rich­ten­la­ge of­fen­bart. Wäh­rend die Bay­reu­ther Fest­spie­le we­gen der Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners zu­min­dest vor­über­ge­hend erst­mals seit ih­rer Grün­dung nicht von Mit­glie­dern der Fa­mi­lie Wag­ner ge­lei­tet wer­den, den­ken die In­ten­dan­ten der gro­ßen Opern­häu­ser längst dar­über nach, was zu tun wäre, wenn die Schlie­ßung der Thea­ter deut­lich län­ger an­dau­ert. So hat Ge­or­ges Del­non in Ham­burg den Vor­ver­kauf für die nächs­te Sai­son vor­sichts­hal­ber schon mal von An­fang Mai auf An­fang Au­gust ver­scho­ben. Auch Bog­dan Roščić, der de­si­gnier­te neue In­ten­dant der Wie­ner Staats­oper, weiß, dass es in ab­seh­ba­rer Zeit  kein „busi­ness as usu­al“ ge­ben kann. Opern­freun­de in al­ler Welt wer­den wohl wei­ter auf Kon­ser­ven zu­rück­grei­fen müs­sen.

Ta­ges­tipp für 27. April: Mat­thi­as Go­e­r­ne, ei­ner der pro­mi­nen­ten Wort­füh­rer für brot­los ge­wor­de­ne frei­schaf­fen­de Künst­ler in Co­ro­na-Zei­ten, hat in ei­nem In­ter­view mit dem Münch­ner Mer­kur nach­ge­legt. Schön wäre es, wenn die re­gel­mä­ßi­gen Le­ser die­ser Ser­vice-Ko­lum­ne das zum An­lass näh­men, et­was für die bei­den nicht sub­ven­tio­nier­ten Bam­ber­ger Büh­nen zu spen­den. Statt kon­kret auf eine Opern-Pro­duk­ti­on auf­merk­sam zu ma­chen, be­schrän­ke ich mich heu­te dar­auf, dass in der Stream-Lis­te ei­ni­ge ita­lie­ni­sche Opern­häu­ser wie Bo­lo­gna, Pa­ler­mon und Ve­ne­dig hin­zu­ge­kom­men sind, auf die mich dan­kens­wer­ter Wei­se Mat­thi­as Kas­per hin­ge­wie­sen hat.

Ta­ges­tipp für 26. April: Wer es noch nicht nach Aix en Pro­vence ge­schafft hat, konn­te dank der Über­tra­gun­gen auf arte schon seit et­li­chen Jah­ren nach­voll­zie­hen, dass dort der Pro­zent­satz an groß­ar­tig ge­lun­ge­nen und in­no­va­ti­ven In­sze­nie­run­gen auf­fal­lend hoch ist. Hat man je Mo­zarts „Così fan tut­te“ und Bi­zets „Car­men“ auf­wüh­len­der er­lebt als in den Pro­duk­tio­nen aus dem Thé­ât­re de l’Archevêché von 2016 und 2017? Auf „Ari­ad­ne auf Na­xos“ von 2018 sei hier als ers­tes aus­führ­li­cher hin­ge­wie­sen: Denn ers­tens ist die mu­si­ka­li­sche Be­set­zung mit Marc Al­brecht im Gra­ben, Lise Da­vid­sen als Ari­ad­ne, Sa­bi­ne De­viel­he als Zer­bi­net­ta, An­ge­la Brower als Kom­po­nist und den wei­te­ren So­lis­ten schlicht­weg sen­sa­tio­nell. Und zwei­tens wagt Re­gis­seu­rin Ka­t­ie Mit­chell eine In­ter­pre­ta­ti­on (mit zu­sätz­li­chen Dia­lo­gen von Mar­tin Crimp), die eine an­de­re Sicht vor al­lem auf die Frau­en-, aber auch die Män­ner­fi­gu­ren er­öff­net, und die Si­tua­ti­on des Thea­ters im Thea­ter so ab­bil­det, wie sie heu­te real statt­fin­den könn­te - beim nicht nur reichs­ten, son­dern auch in den Ge­schlech­te­rol­len fle­xi­blen Mann Wiens (oder sonst­wo in der Welt) samt eben­so fle­xi­blen Gat­tin. Es lohnt sich ga­ran­tiert, ei­ni­ge Über­ra­schun­gen in­klu­si­ve!

Ta­ges­tipp für 25. April: Zu­nächst sei um Nach­sicht ge­be­ten: Mein gest­ri­ger Tipp kam lei­der zu spät. Ist auch kein Wun­der, bei der doch un­über­sicht­li­chen Men­ge! Aber wo­mög­lich bie­tet die Staats­oper Ham­burg ih­ren „Par­si­fal“ noch­mals an, denn die Co­ro­na-Schließ­zeit für Thea­ter und vor al­lem für Opern­häu­ser dürf­te noch län­ger dau­ern … Was das kon­kret für Künst­ler be­deu­tet, ha­ben Au­toren der „Zeit“ in ih­rem ak­tu­el­len Bei­trag „Aus­ge­spielt“ aus­führ­lich vor­ge­legt. Apro­pos Ham­burg: Die Stu­dio­pro­duk­ti­on von Beet­ho­vens „Fi­de­lio“ aus dem Jahr 1968 (noch bis 4. Mai) ist nicht nur was für Nost­al­gi­ker, die die jun­ge und über­zeu­gend jun­gen­haf­te Anja Sil­ja als Flo­re­stan und wei­te­re nam­haf­te Sän­ger von da­mals er­le­ben wol­len. Die Fern­seh­in­sze­nie­rung of­fen­bart zwar, dass nicht alle So­lis­ten mit dem un­ge­wohn­ten Play­back­sin­gen zu­recht ka­men, ist aber ein Mus­ter­bei­spiel da­für, dass man eine Opern­hand­lung, gute Sän­ger­dar­stel­ler vor­aus­ge­setzt, mit ganz ein­fa­chen Mit­teln span­nend er­zäh­len kann. Und so­gar ganz ohne die üb­li­chen Opern­ges­ten und -po­sen! (TV-Re­gie: Joa­chim Hess).

Ta­ges­tipp für 24. April: Auch wenn der spe­zi­fi­sche Zau­ber der kunst­vol­len In­sze­nie­run­gen Achim Frey­ers sich in ei­ner Auf­zeich­nung zwangs­läu­fig nur ein­ge­schränkt zeigt, sei noch­mals auf sei­nen „Par­si­fal“ in Ham­burg ver­wie­sen.  Le­sens­wer­te Ge­dan­ken zur ak­tu­el­len Lage für alle Thea­ter- und Kon­zert­häu­ser hat die Wie­ner Zei­tung in ei­nem In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser, dem In­ten­dan­ten der Salz­bur­ger Fest­spie­le, zu Pa­pier ge­bracht. Be­son­derns schön re­agiert er un­ter an­de­rem auf die Fra­ge, ob er die di­gi­ta­len Er­satz­an­ge­bo­te sinn­voll fin­det und de­fi­niert ech­te Auf­füh­run­gen als „ver­gleichs­lo­se Kost­bar­keit“. Noch ein Satz zu dem schon mehr­fach emp­foh­le­nen Schau­spiel-Stream Böhm aus Graz (bis 2. Mai 18 Uhr): Wem der Di­ri­gent Fritz Busch, der in dem un­be­dingt se­hens­wer­ten Stück eben­falls vor­kommt, nicht so viel sagt, kann die Bil­dungs­lü­cke mit ei­nem 2013 er­schie­ne­nen Buch fül­len.

Ta­ges­tipp für 23. April: Heu­te viel­leicht noch­mal die Baye­ri­sche Staats­oper, denn Sir Pe­ter Jo­nas, un­ver­ges­se­ner In­ten­dant von 1993 bis 2006, ist ges­tern Abend sei­nem lang­jäh­ri­gen Krebs­lei­den er­le­gen: Zu­min­dest Ken­nern des Werks kann man„Die Frau ohne Schat­ten“ fast un­ein­ge­schränkt emp­feh­len (noch bis 25. April, al­ler­dings nur mit fran­zö­si­schen Un­ter­ti­teln). Aus­nahms­wei­se sei heu­te noch­mals auf ei­nen Schau­spiel-Stream hin­ge­wie­sen, der Opern- und Wag­ner­freun­de in­ter­es­sie­ren muss: Böhm heißt das au­ßer­ge­wöhn­li­che Stück von Pau­lus Hoch­gat­te­rer über den Di­ri­gen­ten Karl Böhm (und des­sen Ver­wick­lun­gen mit dem NS-Re­gime), das in der Re­gie und mit dem Pup­pen­spie­ler Ni­ko­laus Hab­jan 2018 am Schau­spiel­haus Graz ur­auf­ge­führt und auch bei den Bre­gen­zer Fest­spie­len von Pu­bli­kum und Kri­ti­kern ein­hel­lig be­ju­belt wur­de (bis 2. Mai 18 Uhr). Mein Dank gilt Dag­mar Behr für die­sen Tipp!

Ta­ges­tipp für 21. April: Wel­chen be­son­de­ren Reiz Opern­auf­zeich­nun­gen aus der fin­ni­schen Na­tio­nal­oper ha­ben, konn­te ich ges­tern mit Chris­tof Loys klas­si­scher und erst­klas­si­ger „Tosca“-Inszenierung aus­pro­bie­ren: Es lohnt sich, die fin­ni­schen Un­ter­ti­tel mit­lau­fen zu las­sen. Hat aber noch Zeit, die „Elek­tra“ aus der Met dürf­te heu­te für vie­le Vor­rang ha­ben.

Ta­ges­tipp für 20. April: Knapp zu spät, aber den­noch eine schö­ne Hom­mage: Zum 80. Ge­burts­tag von Anja Sil­ja streamt die Staats­oper Ham­burg bis 4. Mai ihre his­to­ri­sche „Fidelio“-Studio-Produktion aus dem Jahr 1968 mit Anja Sil­ja als Leo­no­re. Mit den ak­tu­el­len Nöte von Büh­nen­künst­lern be­fasst sich der of­fe­ne Briefvon Mat­thi­as Go­e­r­ne und wei­te­ren pro­mi­nen­ten Un­ter­zeich­nern wie René Pape und Chris­ti­an Thie­le­mann aus der Ta­ges­zei­tung Die Welt, dem un­ter an­de­rem zu ent­neh­men ist, dass zu den nur sechs  Thea­tern, die sich frei­be­ruf­li­chen Künst­lern ge­gen­über so­li­da­risch ge­zeigt ha­ben, das Thea­ter Hof und das Lan­des­thea­ter Nie­der­bay­ern zäh­len.

Ta­ges­tipp für 19. April: Ein­fach schnell 3sat ein­schal­ten, dann hat der Sonn­tag schon am Mor­gen sein High­light!

Ta­ges­tipp für 18. April: Da das at­trak­ti­ve An­ge­bot aus Brüs­sel mit ei­ner Aus­nah­me  vor­erst nur bis 19. April ge­ge­ben ist, darf es den Vor­rang vor den noch at­trak­ti­ve­ren Streams aus Aix en Pro­vence ha­ben. Und für alle Bay­reuth-Sehn­süch­ti­gen hier ein kur­zes Ein­tau­chen in die Ver­gan­gen­heit.

Ta­ges­tipp für 17. April: Zwei mal zeit­ge­nös­si­sche Oper aus Ber­lin: „Oe­di­pus“ von Wolf­gang Rihm aus der Deut­schen Oper Ber­lin und „Vio­let­ter Schnee“ von Beat Fur­rer aus der Staats­oper Un­ter den Lin­den. Und für alle die kurz und pfif­fig den Früh­ling ge­nie­ßen wol­len, hier noch eine wun­der­ba­re Mo­zart-Ad­ap­ti­on, auf die eine Wag­ner­freun­din aus der Süd­pfalz auf­merk­sam ge­macht hat.

Ta­ges­tipp für 16. April: Schwie­ri­ge Ent­schei­dung heu­te, denn die „Ron­di­ne“ aus der Met kon­kur­riert gleich mit zwei „Rosenkavalier“-Inszenierungen aus ös­ter­rei­chi­scher Re­gie­hand: von der Wie­ner Staats­oper die alte Schenk-Pro­duk­ti­on mit Re­née Fle­ming als Mar­schal­lin und aus der Ber­li­ner Staats­oper die neue von An­dré Hel­ler mit ei­nem um­wer­fen­den Gün­ther Groissböck als Ochs und ei­ner fast eben­sol­chen Ca­mil­la Ny­lund als Mar­schal­lin, die man gut und ger­ne öf­ter an­schau­en kann. Klei­ner Nach­satz zum „Fi­de­lio“ aus dem Thea­ter an der Wien, der auf arte bis 2. Mai ge­streamt wird: Die ös­ter­rei­chi­sche Hand be­währt sich da nur am Di­ri­gen­ten­pult mit Man­fred Hon­eck. Bei der In­sze­nie­rung von Chr­isoph Waltz weiß man nicht so recht, was er uns sa­gen will. Sei­ne Re­gie wirkt fast so be­lie­big wie das nur auf den ers­ten Blick ein­dru­cken­de Trep­pen­sze­na­ri­um des haupt­be­ruf­li­chen Ar­chi­tek­ten Bar­kow Leib­in­ger – ein Raum, in dem man ver­mut­lich al­les spie­len kann, sich aber dann auch jede Men­ge ein­fal­len las­sen müss­te, da­mit das Pu­bli­kum nicht ein­schläft.

Ta­ges­tipp für 15. April: Um zu ver­ste­hen, was war­um ak­tu­ell in den Opern­häu­sern pas­siert und was nicht, lohnt es sich, das In­ter­view mit In­ten­dant Bernd Lo­e­bevon Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zu le­sen. Heu­te Abend kei­ne Oper, son­dern der ARD-Film „Die Ge­trie­be­nen“ über die Flücht­lings­kri­se 2015. Der Re­gis­seur heißt nicht um­sonst Ste­phan Wag­ner, denn er hat so­gar ei­nen Fest­spiel­be­such der Kanz­le­rin in Bay­reuth mit ein­ge­baut. Bei al­len, die mei­nem Tipp vom 11. April ge­folgt sind und sich den „Par­si­fal“ aus Pa­ler­mo an­ge­schaut ha­ben, muss ich fle­hent­lich um Nach­sicht bit­ten: Ich kann­te die Neu­pro­duk­ti­on (Pre­mie­re am 26. Ja­nu­ar 2020) noch nicht, sonst hät­te ich eher eine drin­gen­de War­nung vor die­ser Hack­schnit­zel­press­span-Ver­si­on ab­ge­ge­ben. Sieht man vom span­nen­den Di­ri­gat Omer Meir Wel­bers (mit drei Stun­den 44 Mi­nu­ten Ge­samt­dau­er ist er fast so schnell wie Pierre Bou­lez in Bay­reuth) und von John Re­lyea als Gur­nemanz ab, er­lebt man nicht we­ni­ge So­lis­ten, die de­fi­ni­tiv nicht pro­fes­sio­nell sin­gen soll­ten, und eine möch­ter­gern­kri­ti­sche In­sze­nie­rung von Gra­ham Vick, die es schafft, den sehr ab­we­gi­gen letz­ten Bay­reu­ther „Par­si­fal“ noch zu top­pen. Wer jetzt im­mer noch Lust hat auf Män­ner in her­un­ter­ge­las­se­nen Ho­sen: auf arte je­der­zeit bis 9. Juli.

Ta­ges­tipp für 14. April: Sel­ten ge­spiel­te Opern ha­ben jetzt mehr Chan­cen als sonst: Pro­kof­jews „Der Spie­ler“ aus der Staats­oper un­ter den Lin­den bei­spiels­wei­se. Wer noch mit dem „Par­si­fal“ der Os­ter­fest­spie­le lieb­äu­gelt, dem sei als Vor­war­nung ein Link zu mei­ner Kri­tik der TV-Über­tra­gung aus dem Pre­mie­ren­jahr 2013 ge­ge­ben.

Ta­ges­tipp für 13. April: Heu­te ist das Abend­essen deut­lich frü­her dran, was ja ge­sund sein soll, denn aus­nahms­wei­se wird nicht ge­streamt, son­dern TV ge­glotzt: Auf ONE um 18.10 Uhr der hoch­ka­rä­tig be­setz­te Spiel­film „Ma­ckie Mes­ser – Brechts Drei­gro­schen­film“ (vor­ab gibt es um 17.40 Uhr schon eine  Do­ku­men­ta­ti­on dazu). Und um 20.15 Uhr um­schal­ten auf arte zur „Fidelio“-Inszenierung von mei­nem Lieb­lings­schur­ken Chris­toph Waltz. Wer bei den „Parsifal“-Streams die Über­sicht ver­liert, soll­te sich zu­min­dest nicht grä­men, dass die Münch­ner Pro­duk­ti­on für ab­seh­ba­re Zeit nur noch heu­te kos­ten­los zu ha­ben ist. Denn wie beim gest­ri­gen „Tann­häu­ser“ gilt: Der mu­si­ka­li­sche Hoch­glanz – wo­für Ki­rill Pe­tren­ko und groß­ar­ti­ge So­lis­ten ste­hen – ist nur die hal­be Mie­te. Die vor al­lem we­gen Aus­stat­ter Ge­org Ba­s­elitzt ge­hyp­te In­sze­nie­rung von Pierre Audi ist ein be­dau­er­li­cher Rein­fall. Das Büh­nen­bild ist nichts an­de­res als auf­ge­bläh­te Flach­wa­re, die Blu­men­mäd­chen schaf­fen es (wie Castel­luc­cis Ve­nus­berg­sze­ne) spie­lend in die ewi­ge Bes­ten­lis­te der ab­träg­lichs­ten, ab­sur­des­ten und scheuß­lichs­ten Kos­tü­me je. Ach, Kunscht!

Ta­ges­tipp für 12. April: Heu­te nur noch bis 15 Uhr ein Blick ins Opern­mu­se­um mit dem le­gen­dä­ren „Don Gio­van­ni“ zur Er­öff­nung der Deut­schen Oper Ber­lin 1961 und abends „Fal­staff“ aus Ham­burg, eine Auf­füh­rung, die in un­se­rer Rei­se­grup­pe am 8. Fe­bru­ar gute Lau­ne ver­brei­te­te, ob­wohl Sturm Sa­bi­ne uns für den nächs­ten Mor­gen die vor­zei­ti­ge Ab­rei­se auf­er­legt hat­te. Ja, der „Tann­häu­ser“ aus Mün­chen auf AR­Dαl­pha ist mu­si­ka­lisch ein­fach groß­ar­tig und lohnt des­halb in je­dem Fall, aber man muss et­was üb­rig ha­ben für den bild­ne­ri­schen Castel­luc­ci-Kitsch, der meis­tens nur so tut, als wäre was da­hin­ter. Äs­the­ti­sche, sehr un­äs­the­ti­sche und ver­rät­seln­de Bil­der al­lein ma­chen lei­der noch lan­ge kei­ne gute Wag­ner-In­sze­nie­rung. Dank Ha­gen aus dem Fest­spie­le-Fo­rum hier noch ein Link mit Über­le­gun­gen zum „Er­wei­ter­ten Ha­sen­be­griff“ und Ma­te­ri­al zu Chris­toph Schlin­gen­siefs Bay­reu­ther „Parsifal“-Inszenierung.

Ta­ges­tipp für 11. April: „Par­si­fal“ aus Ham­burg, aus Ant­wer­pen (auf OperaVi­si­on) oder aus Pa­ler­mo (in der arte-Me­dia­thek)