Corona-Woche 5 bis 11: Tagestipps und Links

Die Lis­te mit kos­ten­lo­sen Opern­streams, die ich be­gon­nen hat­te, um sel­ber den Über­blick zu be­kom­men, stell­te ich erst­mals am 7. April 2020 in mei­nen Blog ein. Die Ta­ges­tipps und Links zur ak­tu­el­len Lage ka­men ab 11. April, also in der fünf­ten Co­ro­na-Wo­che hin­zu, die in mei­ner Zäh­lung am 14. März be­gon­nen hat, denn ab die­sem Tag wa­ren Opern­auf­füh­run­gen nicht mehr er­laubt. Tags zu­vor konn­te ich noch die Ge­ne­ral­pro­be der „Wal­kü­re“ in Lands­hut er­le­ben, eine Pro­duk­ti­on, de­ren Pre­mie­re hof­fent­lich in der nächs­ten Spiel­zeit statt­fin­den kann. Die ak­tu­el­le Strea­ming­lis­te mit Tipps und Links ist nach wie vor auf der Start­sei­te links oben zu fin­den, hier die äl­te­ren Ein­trä­ge.

Ta­ges­tipp und Links vom 26. Mai: Zur jüngs­ten Bay­reuth-Per­so­na­lie fas­sen die Stutt­gar­ter Zei­tung und der Ta­ges­spie­gel die Sach­la­ge aus­führ­lich zu­sam­men, wäh­rend Jan Brach­mann in der F.A.Z. in sei­nem Kom­men­tar von ei­nem nicht en­den wol­len­den „Schick­sals­ha­gel­schlag“ schreibt, ei­ni­ge noch nicht ver­öf­fent­lich­te De­tails weiß und wie folgt en­det: „Da stimmt es zu­min­dest hoff­nungs­froh, wenn aus dem engs­ten Um­kreis von Ka­tha­ri­na Wag­ner ver­lau­tet, ihr Ge­sund­heits­zu­stand habe sich sta­bi­li­siert. Wann sie aber ins Amt zu­rück­keh­ren kön­ne, ob viel­leicht noch in die­sem Jahr, das sei wei­ter­hin völ­lig of­fen.“ Spe­zi­ell über die nä­he­re Zu­kunft im Ber­li­ner Kul­tur­le­ben be­rich­tet der Ta­ges­spie­gel  aus der gest­ri­gen Kul­tur­aus­schuss­sit­zung, wo der Lock­down bis 31. Juli nach wie vor gilt. In Ös­ter­reich hin­ge­gen kann schon kon­kre­ter ge­plant wer­den: Es wird im Au­gust ab­ge­speck­te Salz­bur­ger Fest­spie­le ge­ben, mit nur neun­zig statt ur­sprüng­lich 200 Ver­an­stal­tun­gen – aber im­mer­hin! Nach mei­nem gest­ri­gen Kri­mi­abend könn­te heu­te wie­der eine Oper dran sein, viel­leicht „Jen­u­fa“ aus Ber­lin?

Ta­ges­tipp und Links vom 25. Mai: Zu­min­dest die nä­he­re Thea­ter­zu­kunft sieht nicht ro­sig aus. Was man aus den ers­ten Er­fah­run­gen mit Auf­füh­run­gen in di­ver­sen Häu­sern ler­nen kann, fasst die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung  zu­sam­men, wäh­rend laut Wie­ner Zei­tung beim Ber­li­ner En­sem­ble schon mal  Sitz­rei­hen aus­ge­baut wer­den, um we­nigs­tens ein Rumpf­pro­gramm zu er­mög­li­chen. Und was die so­ge­nann­te So­fort­hil­fe für frei­schaf­fen­de Künst­ler in Bay­ern be­trifft, hat Ro­bert Braun­mül­ler in der Münch­ner Abend­zei­tung ei­nen kur­zen und kna­cki­gen Kom­men­tar ver­fasst.
Noch ein paar An­mer­kun­gen zum Ams­ter­da­mer „Ring“, der noch bis Mo­nats­en­de kos­ten­los ge­streamt wer­den kann: Stig An­der­sen war sän­ge­risch auch in der „Göt­ter­däm­me­rung“ ein bis auf we­ni­ge Mo­men­te aus­ge­spro­chen gu­ter Sieg­fried. Er singt, wo es geht, eher ly­risch, ver­zich­tet auf stimm­li­che Kraft­meie­rei – und in­dem man ihn hört, sieht man plötz­lich eben we­ni­ger den Haudrauf in die­ser Fi­gur, son­dern ei­nen im ge­ge­be­nen Um­feld reich­lich ver­lo­re­nen, aber em­pa­thi­schen Men­schen. Un­ter den wei­te­ren So­lis­ten ist Mi­chae­la Schus­ter als Wal­trau­te her­aus­ra­gend: mit ihr fin­det Mu­sik­dra­ma in Voll­endung statt. Was für mich bei Ca­the­ri­ne Fos­ters Brünn­hil­de we­ni­ger funk­tio­niert. Zwei­fel­los hat sie eine schö­ne und in­tak­te Stim­me, aber – na­tür­lich ist das auch Ge­schmacks­sa­che und sehr sub­jek­tiv – sie be­rührt mich nicht. Als Fehl­be­set­zung er­wies sich Kurt Rydls Hun­ding und noch mehr als Ha­gen, der zwar gru­se­lig mit den Au­gen rol­len, aber lei­der nicht mehr sau­ber sin­gen kann. Trotz­dem ist die­ser „Ring“ ein Mark­stein in der jün­ge­ren In­sze­nie­rungs­ge­schich­te, so­wohl mu­si­ka­lisch als auch sze­nisch.

Ta­ges­tipp und Links vom 24. Mai: Wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen, frag­te ich in mei­nem gest­ri­gen Tipp. Und könn­te die Fra­ge gleich wie­der stel­len. Denn beim „Sieg­fried“ aus Ams­ter­dam – wie­der­um emp­fand ich die In­sze­nie­rung ins­ge­samt sehr ge­lun­gen und auch die mu­si­ka­li­sche In­ter­pre­ta­ti­on be­weg­te sich auf sehr ho­hem Ni­veau – zeig­te sich die Krux al­ler „Siegfried“-Produktionen: Kann man die Ti­tel­rol­le ad­äquat be­set­zen? Geht das über­haupt? Ja, aber nur in Aus­nah­me­fäl­len. Denn die we­ni­gen Hel­den­te­nö­re, die die schwe­re Par­tie sän­ge­risch auch nur halb­wegs meis­tern kön­nen, ver­feh­len lei­der aus nahe lie­gen­den Grün­den in ih­rer Dar­stel­lung die Ju­gend­lich­keit der Fi­gur. Sieg­fried ist nun mal ge­ra­de erst da­bei, er­wach­sen zu wer­den! Wäh­rend in den Opern­häu­sern der ge­ge­be­ne Ab­stand von Pu­bli­kum und Büh­ne in dem Punkt sehr hilf­reich ist – ja, es gibt auch Ab­stands­re­ge­lun­gen, die man un­zwei­fel­haft po­si­tiv se­hen kann –, sind Auf­zeich­nun­gen in der Hin­sicht gna­den­los. Stig An­der­sen (ver­mut­lich Jahr­gang 1950) bei­spiels­wei­se konn­te 2002 in Da­vid Al­dens Münch­ner „Ring“-Inszenierungen von 2002/2003 durch­aus noch jung wir­ken, 2014 in Ams­ter­dam funk­tio­nier­te das schon nicht mehr so gut. In mei­ner Bes­ten­lis­te für ju­gend­li­che Sieg­frie­de steht im­mer noch der stimm­lich al­ler­dings leicht­ge­wich­ti­ge Ri­chard Ber­ke­ley-Stee­le aus dem ENO-„Ring“ von Phil­li­da Lloyd 2004/2005 ein­sam an der Spit­ze, ak­tu­ell schafft an sei­nen sän­ge­risch gu­ten Ta­gen Da­ni­el Kirch in Chem­nitz das ei­gent­lich Un­mög­li­che am bes­ten. Noch an­ders ge­sagt: Sieg­frie­de und Brünn­hil­den ha­ben auch jen­seits der Al­ters­pro­ble­ma­tik kei­ne gu­ten Kar­ten, wenn ein Mime vom Ka­li­ber ei­nes Wolf­gang Ab­lin­ger-Sper­r­ha­cke auf den Bret­tern steht. Er ist seit et­li­chen Jah­ren un­an­ge­foch­ten die Top­be­set­zung die­ser Par­tie – und in Pierre Au­dis In­sze­nie­rung auch des­halb ein Hin­gu­cker, weil er trotz sei­nes Ech­sen­kos­tüms stre­cken­wei­se ge­nau­so aus­sieht wie Ri­chard Wag­ner als Groß-We­sir im Aqua­rell von Ernst Be­ne­dikt Kietz. Zu mei­nen Fa­vo­ri­ten in der Tier­welt im „Ring“ ge­hört seit ges­tern un­be­dingt auch Sieg­frieds Wöl­fing-Ruck­sack. Man lernt eben nie aus bei Wag­ner! Ge­nug von der jüngs­ten Stream-Seh­erfah­rung, hin zu den Links: Ger­ne emp­feh­le ich auch die Strea­ming-Tipps der Neu­en Mu­sik­zei­tung und als Ein­zel-Lek­tü­re aus der Ber­li­ner Zei­tung den Be­richt über das neue For­mat Mi­kro-Kon­zert. Na­tür­lich ne­ben mei­ner jüngs­ten Mel­dung aus Bay­reuth.

Ta­ges­tipp und Links vom 23. Mai: Aus Eg­bert Thol­ls Re­zen­si­on in der Süd­deut­schen Zei­tung über das ers­te Kam­mer­kon­zert mit Pu­bli­kum an der Baye­ri­schen Staats­oper kann man vor al­lem die Freu­de her­aus­le­sen, die so­wohl Mu­si­ker wie Zu­hö­rer emp­fun­den ha­ben – ach ja! Nicht nur die neue BSO-Kon­zert­rei­he „Streif­zü­ge am Mitt­woch“ macht Hoff­nung. Auch an der Oper Frank­furt gibt es am 29. Mai das ers­te Live-Kon­zert mit Pu­bli­kum; der Vor­ver­kauf zum Lie­der­abend mit Ma­ria Beng­t­son (So­pran) be­ginnt am Mon­tag. Noch zwei Ar­ti­kel von Mar­kus Thiel aus dem Münch­ner Mer­kur: ein In­ter­view mit Chris­ti­an Ger­ha­her zum Kul­tur­le­ben in Co­ro­na-Zei­ten und ein Be­richt über die „Wege aus dem Kul­tur­win­ter“. Beim Strea­men hält mich mo­men­tan (und weil ich den Frank­fur­ter „Ring“ schon aus sei­nen Pre­mie­ren ken­ne) der Ams­ter­da­mer „Ring“ in Be­schlag: eine fes­seln­de Pro­duk­ti­on, bei der ich sehr be­dau­re, dass ich un­ter an­de­rem auch die un­ge­wöhn­li­chen Raum­lö­sun­gen von Ge­or­ge Tsypin nicht selbst er­lebt habe. Mit die­ser Wag­ner-In­sze­nie­rung punk­tet nach­träg­lich end­lich auch Re­gis­seur Pierre Audi, des­sen Münch­ner „Par­si­fal“ in der nur selbst­re­fe­ren­zi­el­len und grau­en­haft nichts­sa­gen­den Aus­stat­tung von Kunst­markt­grö­ße Ge­org Ba­s­elitz zu den Opern­er­fah­run­gen ge­hört, die man trotz der her­aus­ra­gen­den mu­si­ka­li­schen In­ter­pre­ta­ti­on sehr schnell aus der Er­in­ne­rung streicht. Na­tür­lich kann man über man­che Sän­ger­leis­tun­gen in Ams­ter­dam ge­teil­ter Mei­nung sein, aber wo gibt es schon kom­plet­te Ide­al-Be­set­zun­gen? Lei­der nur im Opern­him­mel. Und in sehr sel­te­nen Stern­stun­den auf Er­den.

Ta­ges­tipp und Links vom 22. Mai: Heu­te vor 207 Jah­ren wur­de Ri­chard Wag­ner in Leip­zig ge­bo­ren; mei­nen Gra­tu­la­ti­ons­ar­ti­kel fin­den Sie hier. An­sons­ten ist der Auf­re­ger des Ta­ges wohl der Pla­gi­ats­vor­wurf an das Ar­chi­tek­tur­bü­ro Bar­kow Leib­in­ger, das für das Büh­nen­bild der Wie­ner „Fidelio“-Inszenierung von Chris­toph Waltz ver­ant­wort­lich zeich­net – üb­ri­gens ein nur auf den ers­ten Blick wir­ken­des, letzt­lich sehr be­lie­bi­ges Bild. Aus Wies­ba­den be­rich­tet Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau über das nächs­te dor­ti­ge „Opern­kon­zert“ (mit Kla­vier­be­glei­tung), wo­bei zwei­er­lei be­mer­kens­wert er­scheint: Dass näm­lich ers­tens auch die­ser Se­lek­tiv-Abend nicht aus­ver­kauft war und dass zwei­tens Künst­ler­paa­re wie Mi­cha­el Vol­le und Ga­brie­la Sche­rer jetzt die Nase vorn ha­ben, weil für sie die Ab­stands­re­ge­lung au­ßer kraft ist. Wol­len wir wet­ten, dass Anna Netreb­ko (die die Co­ro­na-Re­ge­lun­gen als dumm be­zeich­net hat und sehr sehr rus­sisch al­len Erns­tes schrieb: „I think, who ever de­ci­ded that ru­les has to va­nish!“) und Yu­sif Ey­va­zov schon in den Start­lö­chern ste­hen? Heu­te Abend steht für mich die Ams­ter­da­mer „Wal­kü­re“ auf dem Pro­gramm, wie­der­um un­ter Hart­mut Ha­en­chen, üb­ri­gens Re­kord­hal­ter un­ter den „Ring“-Dirigenten.

Ta­ges­tipp und Links vom 21. Mai: Wer streamt, soll­te sich Ge­dan­ken über die Di­gi­ta­li­sie­rung in der Kul­tur­welt ma­chen. Dass Hol­ger Nolt­ze, Jour­na­list, Kri­ti­ker, seit 2005 Pro­fes­sor an der TU Dort­mund und schon mehr­fach zu Gast beim RWV Bam­berg, was dazu zu sa­gen hat, spie­gelt das jüngs­te In­ter­view auf BR Klas­sik. Am sel­ben Ort prä­sen­tiert Di­ri­gen­tinJoana Mall­witz vom Staats­thea­ter Nürn­berg ei­nen Vi­deor­und­gang zu ih­rem Ex­pe­di­ti­ons­kon­zert zu Beet­ho­vens 7. Sym­pho­nie. Wie es an­sons­ten wei­ter geht, klopft der Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel gleich in zwei neu­en Bei­trä­gen ab, der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Deut­schen Mu­sik­rats Chris­ti­an Höpp­ner sieht im In­ter­view mit dem Deutsch­land­funk Kul­tur „düs­te­re Zei­ten“ aus uns zu­kom­men. Kann ei­nem in Wag­ners „Ring“ be­kannt­lich auch pas­sie­ren, der ak­tu­ell aus Frank­furt (Pre­mie­ren ab 2010, Auf­nah­me von 2014) und Ams­ter­dam (Pre­mie­ren ab 1997, Auf­nah­me von 2014) ge­streamt wird. Hart­mut Ha­en­chen war üb­ri­gens der ers­te Di­ri­gent, der auch Quel­len­ma­te­ri­al her­an­ge­zo­gen hat, das nicht ein­mal in Bay­reuth be­nutzt wur­de. Er hat in lan­ger De­tail­ar­beit ein ei­ge­nes Or­ches­ter­ma­te­ri­al er­stellt hat, das auf den neu­es­ten Aus­ga­ben der Ri­chard-Wag­ner-Ge­samt­aus­ga­be ba­siert und so­gar de­ren Druck­feh­ler kor­ri­giert. Bin sehr ge­spannt auf sei­ne In­ter­pre­ta­ti­on!

Ta­ges­tipp und Links vom 20. Mai: Als Jour­na­list darf man in Aus­nah­me­fäl­len hin und wie­der in Ge­ne­ral­pro­ben sit­zen, ich ken­ne also das Ge­fühl des lee­ren Zu­schau­er­raums. Die  „Geis­ter­kon­zer­te“ in Ber­lin und Mün­chen ha­ben mich dar­an er­in­nert, der ers­te Lie­der­abend mit Pu­bli­kum am Staats­thea­ter Wies­ba­den, wor­über so­gar die New York Times be­rich­tet, hin­ge­gen lässt mich – aus der Fer­ne be­trach­tet – eher an die Se­pa­rat­vor­stel­lun­gen Kö­nig Lud­wigs II. den­ken: Das wa­ren mehr als 200 Schau­spiel- und Opern­auf­füh­run­gen, bei de­nen die Ak­teu­re zwar in fast kom­plett lee­re Zu­schau­er­räu­me hin­ein­s­an­gen und spiel­ten, aber im­mer­hin wuss­ten, dass ge­nau der­je­ni­ge, der da­für be­zahl­te, auch zu­schau­te und zu­hör­te. Mal se­hen, wie’s wei­ter geht! Im Ta­ges­spie­gel äu­ßert sich der Pia­nist Igor Le­vit aus­führ­lich zu sei­nen Streams, im Münch­ner Mer­kur un­ter­sucht Mar­kus Thiel, wie das Co­ro­na-Vi­rus auch die Künst­ler­agen­tu­ren beu­telt. Und ich kann ger­ne be­stä­ti­gen, dass es kei­ner­lei tech­ni­sche Pro­ble­me beim „Rheingold“-Stream aus Frank­furt gab. In­zwi­schen ste­hen auch die kom­plet­ten „Ring“-Besetzungen für Ams­ter­dam und Frank­furt in der Auf­lis­tung. Und mein Abend­pro­gramm? Die sehr alte „Lohengrin“-Inszenierung von Au­gust Ever­ding an der Met aus dem Jahr 1986 hat ih­rer Be­set­zung we­gen gro­ße Chan­cen … ach, Pe­ter Hof­mann!

Ta­ges­tipp und Links vom 19. Mai: Wäh­rend an den Rumpf-Fest­spie­len in Salz­burg noch ge­bas­telt wird, sind zwei wei­te­re Ju­bi­lä­ums-Fest­spie­le ab­ge­sagt: Auch die Hän­del-Fest­spie­le in Göt­tin­gen woll­ten heu­er ihr 100-jäh­ri­ges Be­stehen fei­ern, nicht zu ver­ges­sen das Bon­ner Beet­ho­ven­fest im gro­ßen Beet­ho­ven-Ju­bi­lä­ums­jahr, um des­sen Ver­schie­bung In­ten­dan­tin Nike Wag­ner sich küm­mert. Und wer die gest­ri­ge Do­ku­men­ta­ti­on im BR Fern­se­hen über den Aus­nah­me­zu­stand bei den Pas­si­ons­spie­len in Ober­am­ma­er­gau ver­passt hat, fin­det die Sen­dung hier. We­ni­ger be­nut­zer­freund­lich er­wies sich ges­tern üb­ri­gens er­neut die Strea­ming-Platt­form der Wie­ner Staats­oper. Wie­der war das On­line-So­fort­ver­kauf-War­te­schlei­fen-Fee­ling an der Ta­ges­ord­nung, dies­mal auch mit­ten in der Spon­so­ren­wer­bung (was un­ge­rech­ter­wei­se den Grimm der War­ten­den auf die Spon­so­ren lenkt) – und nach etwa ei­ner hal­ben Stun­de „Göt­ter­däm­me­rung“ ging dann gar nichts mehr. Bei vier Opern hat es also zwei­mal nicht ge­klappt. Im­mer­hin hat­te ich die Auf­füh­rung schon ge­se­hen, konn­te es also bes­ser ver­schmer­zen wie viel­leicht an­de­re. Na­tür­lich wer­de ich heu­te tes­ten, ob die Oper Frank­furt mit dem An­sturm hung­ri­ger Wag­ne­ria­ner aufs „Rhein­gold“ (Pre­mie­re 2012) tech­nisch bes­ser zu­recht kommt.

Ta­ges­tipp und Links vom 18. Mai: Lang­sam, aber si­cher darf auch das Kul­tur­le­ben wie­der in die Gän­ge kom­men. Die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet heu­te aus den ver­schie­dens­ten Be­rei­chen, Mar­kus Bei­sel, In­ten­dant des Rhein Ne­ckar Thea­ters, ei­ner klei­nen Büh­ne in Mann­heim, er­läu­tert an­schau­lich, was die Ab­stands­vor­schrif­ten in der Pra­xis be­deu­ten,  wäh­rend Pa­trick Bah­n­ers in der FAZ sich kri­tisch mit Mo­ni­ka Grüt­ters, der Be­auf­trag­ten für Kul­tur und Me­di­en, wid­met. Wer die­se Ko­lum­ne öf­ter liest, wird ah­nen, dass ich heu­te die Wie­ner „Göt­ter­däm­me­rung“ strea­me – eine Auf­zeich­nung vom 7. Juni 2017 un­ter Pe­ter Schnei­der. In der glei­chen Be­set­zung durf­te üb­ri­gens zwei Tage zu­vor eine Rei­se­grup­pe des RWV Bam­berg die­se Re­per­toire­vor­stel­lung er­le­ben. Um noch­mals auf Sven-Eric Bech­tolf, den Re­gis­seur des Staatsopern-„Rings“, zu­rück­zu­kom­men: Sehr emp­feh­lens­wert so­wohl für Ken­ner und An­fän­ger ist sei­ne Ein­spie­lung des kom­plet­ten „Ring“-Librettos bei col lge­no, bei der er fes­selnd in alle Rol­len schlüpft und nur mit sei­ner Sprech­stim­me je­der ein­zel­nen Fi­gur je­weils eine un­ver­wech­sel­ba­re Iden­ti­tät ver­leiht. Ein­fach groß­ar­tig!

Ta­ges­tipp und Links vom 17. Mai: Nach­richt­lich ein ru­hi­ger Sonn­tag bis­her, nur die Ös­ter­rei­chi­schen Me­di­en ar­bei­ten sich wei­ter ab an ih­ren Fest­spie­len – an Salz­burgs Op­tio­nen ei­ner Teil­durch­füh­rung und der Aus­zeit in Bre­genz. Was es be­deu­tet, dass in den bun­des­deut­schen Thea­tern ab mor­gen der Pro­ben­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men wer­den kann und die Re­strik­tio­nen we­ni­ger wer­den, lässt sich un­ter an­de­rem am In­ter­view von Wolf­ram Go­e­rtz von der Rhei­ni­schen Post mit Chris­toph Mey­er, dem In­ten­dan­ten der Deut­schen Oper am Rhein, ab­le­sen. An­sons­ten ist nicht zu über­se­hen, dass seit gut ei­nem Mo­nat die Kurz­ar­beit auch in den Me­di­en­häu­sern Ein­zug ge­hal­ten hat: Dün­ner sind alle Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­ne ge­wor­den, und nicht we­ni­ge re­gio­na­le Blät­ter hat­ten und ha­ben zwar nicht ih­ren Sport­teil, aber den Kul­tur­teil lei­der gleich ganz ge­stri­chen. So viel zum Stel­len­wert von Kul­tur. Kurz noch eine An­mer­kung zu den Streams der Wie­ner Staats­oper: Nach­dem am „Rheingold“-Tag der An­drang wahr­schein­lich ein­fach zu groß war, durf­te ich tags dar­auf eine mir gänz­lich neue Er­fah­rung ma­chen. Erst­mals habe ich, wenn auch nur be­quem vom Sofa aus, gleich zwei ver­schie­de­ne Wag­ner­auf­füh­run­gen in­ner­halb von zwölf Stun­den er­lebt. Ein Ex­pe­ri­ment, dem al­ler­dings kei­ne wei­te­ren Ver­su­che fol­gen wer­den – was wohl­ge­merkt nicht an der In­sze­nie­rung von Sven-Eric Bech­tolf liegt, die wohl­tu­end nichts an­de­res will, als die Ge­schich­te zu er­zäh­len. Son­dern an der ei­ge­nen Auf­nah­me- und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, wel­che ich mir heu­te ab so­fort für „Sieg­fried“ un­ter Si­mon Ratt­le auf­spa­re.

Ta­ges­tipp und Links vom 16. Mai: Dass die Salz­bur­ger Fest­spie­le in ih­rem Ju­bi­lä­ums­jahr we­nigs­tens den „Je­der­mann“ ret­ten wol­len, war schon lan­ge klar. In­zwi­schen sieht es so aus, dass das klap­pen könn­te, wie u.a. Der Stan­dard be­rich­tet. Alex­an­der Klu­ge, des­sen Aus­stel­lung „Oper. Der Tem­pel der Ernst­haf­tig­keit“ im Würt­tem­ber­gi­schen Kunst­ver­ein am 13. März ge­ra­de noch ge­öff­net wer­den konn­te, um tags dar­auf ge­schlos­sen zu wer­den, re­agier­te dar­auf mit ei­nem vier­stün­di­gen Abend, den man auf der Web­site des Ber­li­ner Li­te­ra­tur­hau­ses fin­det und aus dem man um ei­ni­ges klü­ger her­aus­geht. Wie ei­ner, der klug ist und gleich­zei­tig Fan von Wer­der Bre­men, mit dem Shut­down und Geis­ter­spie­len um­geht, be­schreibt der Schau­spie­ler Mat­thi­as Brandt im le­sens­wer­tenIn­ter­view mit dem Ta­ges­spie­gel. Die ers­ten Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen „nach Vor­schrift“ mit mas­kier­tem Pu­bli­kum lau­fen an, der ös­ter­rei­chi­sche On­line-Mer­ker ist mit Gün­ther Groissböck ins Ren­nen ge­gan­gen, in Wies­ba­den soll das Er­satz­pro­gramm am Mon­tag star­ten. Ob’s ver­gnüg­lich wird, ver­mag ich nicht zu be­ur­tei­len. Da ist mir die jüngs­te Opertrotz­Co­ro­na-Bei­ga­be der Staats­oper Stutt­gart ei­gent­lich lie­ber: Ri­chard Wag­ner meets Gil­bert & Sul­li­van mit He­le­ne Schnei­der­man, Ca­tr­io­na Smith, Ma­ria-The­re­sa Ull­rich (Ge­sang). Und weil der Kom­po­nis­ten­na­me mir so nahe liegt, emp­feh­le ich heu­te Jo­seph Beers „Pol­ni­sche Hoch­zeit“, ein weit­hin un­be­kann­tes Meis­ter­werk zwi­schen Ope­ret­te und Mu­si­cal, das die Oper Graz lei­der nur noch heu­te streamt.

Ta­ges­tipp und Links vom 15. Mai: Der Sil­ber­streif, der sich am Co­ro­na-Ho­ri­zont der Kul­tur­welt ab­zeich­net, ist noch ein sehr fra­gi­les Ge­spinst. So kön­nen zwar in Bay­ern jetzt un­ter an­de­rem auch frei­schaf­fen­de Künstler*innen und sons­ti­ge Kulturarbeiter*innen, die nicht in der Künst­ler­so­zi­al­kas­se ver­si­chert sind, mit Un­ter­stüt­zung rech­nen. Die Fra­ge ist nur: wann? Schließ­lich gibt es bis heu­te noch nicht ein­mal das An­trags­for­mu­lar für die ver­si­cher­ten Frei­schaf­fen­den, für die am 21. April 2020 eine Sofort(!)hilfe von drei mal 1000 Euro an­ge­kün­digt wur­de. Der Be­richt der Süd­deut­schen Zei­tung über den er­wei­ter­ten Kul­tur-Ret­tungs­schirm hat schon mal pas­sen­den Ti­tel, le­sens­wert vor al­lem der Kom­men­tar dazu von Su­san­ne Her­man­ski.
Et­was we­ni­ger di­rekt ist Ka­tha­ri­na Wag­ners Jour­na­lis­ten­freund Ma­nu­el Brug in der Welt. So sehr man ihm zu­stim­men mag, dass die Fest­spiel­lei­te­rin ein „Recht auf Krank­sein“ habe, so sehr fällt in sei­ner Ab­rech­nung mit der Ge­rüch­te­kü­che, in der er sonst selbst ger­ne  mit­mischt, auf, dass er es mit den Quel­len und ih­rer Na­mens­nen­nung nicht ge­nau ge­nug nimmt. Dass es bei­spiels­wei­se die Bild-Zei­tung war, die sich in dem Zu­sam­men­hang die größ­ten Ge­schmack­lo­sig­kei­ten ge­leis­tet hat, ist bei ihm nicht zu er­fah­ren. Na klar, ist der­sel­be Me­di­en-Kon­zern, bei dem auch Brug be­schäf­tigt ist! Im­mer­hin nimmt er sich die Frei­heit her­aus, Chris­ti­an Thie­le­mann, der mit Sprin­ger-Chef Mat­thi­as Döpf­ner be­freun­det ist, „die Fake News von der gu­ten Er­ho­lung Ka­tha­ri­na Wag­ners“ um die Oh­ren zu hau­en. Und ver­dient ein Son­der­lob für den Ne­ben­satz, dass Thie­le­manns „In­ter­view­äu­ße­run­gen auch bis­her im­mer auf ih­ren Wahr­heits­ge­halt zu über­prü­fen wa­ren“. Punkt.
Wer sich ge­ge­be­nen­falls in der War­te­schlei­fe beim Staatsopern-„Ring“ in Wien plötz­lich vor­kommt wie beim On­line-So­fort­ver­kauf der Bay­reu­ther Fest­spie­le kann sein Wag­ner-Glück ab heu­te 14 Uhr in der Sem­per­oper ver­su­chen und an­hand der „Lo­hen­grin“-Elsa über­prü­fen, ob Anna Netreb­ko und die deut­sche Spra­che ein Glück ohne Reu‘ sind. Vor­schau: von 19. bis 24. bzw. von 21. bis 24. Mai gibt es kom­plet­te „Ring“-Streams aus Frank­furt und Ams­ter­dam. Wird schwie­rig, wenn man be­denkt, dass es un­ter an­de­rem auch noch „Wozzeck“ aus Zü­rich mit Chris­ti­an Ger­ha­her und „Die Sol­da­ten“ aus Stutt­gart in der In­sze­nie­rung von Har­ry Kup­fer gibt.

Ta­ges­tipp und Links vom 14. Mai: Dass mir Wort Co­ro­na in ei­nem ein­deu­tig po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang und fast schon per­sön­lich ent­ge­gen­kommt, hät­te ich nicht ge­dacht. „Al­les für den Bee­ren­hun­ger“ sind in der jüngs­ten Gar­ten­bro­schü­re von Ma­nu­fac­tum die An­ge­bo­te von di­ver­sen Erd­beer­pflan­zen über­ti­telt, dar­un­ter Ko­ro­na – eine „mit­tel­frü­he Sor­te mit dun­kel­ro­ten, gro­ßen, auch in­nen aus­ge­färb­ten Früch­ten mit rei­chem Aro­ma, das von sü­ßen und fruch­ti­gen Kom­po­nen­ten ge­prät ist.“ Was die un­ge­still­te Lust auf Mu­sik­thea­ter sehr vie­ler Men­schen be­trifft, so lässt das Ge­spräch, das der Deutsch­land­funk mit Axel Ko­ber, dem GMD an der Deut­schen Oper am Rhein, ge­führt hat, den Sil­ber­streif am Ho­ri­zont er­ken­nen. Letz­te­rer ist auch an der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder zu den Per­spek­ti­ven der Kul­tur­sze­ne ab­zu­le­sen. Und heu­te Abend? Noch­mals sei ger­ne dar­auf ver­wie­sen, dass die Wie­ner Staats­oper ab heu­te 19 Uhr die „Ring“-Inszenierung von Sven-Eric Bech­tolf streamt, vier Aben­de un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten, dar­un­ter zum Auf­takt mit dem „Rhein­gold“ Axel Ko­ber.

Links vom 13. Mai: Wer das Wort Co­ro­na in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang ken­nen ler­nen möch­te, wird un­ter an­de­rem bei der ka­tho­li­schen Ta­ges­post fün­dig. Von Würz­burg und der Hei­li­gen geht’s über­gangs­los wei­ter nach Wies­ba­den und zu Uwe Eric Lau­fen­berg, der schon ab 18. Mai ein Er­satz­pro­gramm für die Mai­fest­spie­le durch­zie­hen will, wäh­rend die ARD ge­ra­de ih­ren re­nom­mier­ten Wett­be­werb ab­ge­sagt hat. Na ja, Ari­en­aben­de mit ei­ni­gen Sän­ger­grö­ßen und Kla­vier­be­glei­tung las­sen sich si­cher eher hin­krie­gen, als ein in­ter­na­tio­na­ler Wett­be­werb mit Teil­neh­mern aus al­ler Welt. Aber mal ehr­lich: Die Er­fah­rung in ei­nem fast lee­ren und da­durch plötz­lich sehr gro­ßen Zu­schau­er­raum zu sit­zen, möch­te man ei­gent­lich nur ein­mal ma­chen.

Ta­ges­tipp und Links für 12. Mai: Wie und wann die „Ring“-Neuinszenierung von Se­fan Her­heim an der Deut­schen Oper los­ge­hen kann, lässt sich zwar nicht mit Ge­wiss­heit sa­gen, aber im­mer­hin lau­fen, wie der Ta­ges­spie­gel be­rich­tet, die Pla­nun­gen in meh­re­re Rich­tun­gen. Und in der­sel­ben Zei­tung ist auch zu le­sen, dass von Sän­gern das grö­ße­re In­fek­ti­ons­ri­si­ko aus­geht. Te­nor An­dre­as Schager wi­der­spricht dem mit ei­ner prak­ti­schen De­mons­tra­ti­on. (Wei­te­re Links zu ak­tu­el­len The­men bie­tet täg­lich aus­führ­lich der On­line-Mer­ker.) Für Mu­sik- und Kon­zert­freun­de ein Muss ist Ki­rill Pe­tren­kos Play­list auf der Home­page der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker. Und heu­te Abend? Strea­me ich wahl­wei­se „Bo­ris“ aus Stutt­gart oder eine der Auf­füh­run­gen aus Brüs­sel, denn am 14. und 15. Mai ist erst­mal Wag­ner dran, mit den ers­ten bei­den „Ring“-Teilen aus der Wie­ner Staats­oper, die im Mai den Bechtolf-„Ring“ un­ter vier ver­schie­de­nen Di­ri­gen­ten streamt.

Ta­ges­tipp und Links für 11. Mai: Es scheint Be­we­gung zu kom­men in die Ab­stands­re­ge­lun­gen für Büh­nen und Kon­zert­po­di­en, wenn man Jan Brach­mann in der FAZ glaubt. Und der Hoff­nungs­streif am Ho­ri­zont für Opern­freun­de lässt sich er­ah­nen, wenn man liest, was Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zum Sai­son­pro­gramm der Oper Frank­furt schreibt. Und die Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le freu­en sich, die ge­plan­te Fest­spiel­eröff­nung ei­nem brei­ten Pu­bli­kum trotz Ab­sa­ge zu­gäng­lich ma­chen zu kön­nen: Seit 7. Mai, dem ei­gent­li­chen Fes­ti­val­be­ginn, ist in der ARTE-Me­dia­thek die Film­ver­si­on der cho­reo­gra­phi­schen Oper „Dido and Ae­ne­as“ von Hen­ry Pur­cell aus dem Jahr 2005 mit der Aka­de­mie für Alte Mu­sik Ber­lin, Vo­cal­cons­ort Ber­lin und Sa­sha Waltz & Guests für 30 Tage als Vi­deo-on-De­mand in ab­ruf­bar.

Ta­ges­tipp und Links für 10. Mai: Na­tür­lich bea­me ich mich heu­te Abend in die Ber­li­ner Staats­oper Un­ter den Lin­den: Al­ban Bergs „Wozzeck“ in der In­sze­nie­rung des un­ver­ges­se­nen Pa­tri­ce Ché­reau mit Franz Grund­he­ber und Wal­traud Mei­er. Es ist üb­ri­gens ein tol­ler Ser­vice, dass die Staats­oper auch die Pro­gramm­hef­te zum Down­load an­bie­tet – selbst wenn sie, wie in die­sem Fall, von der Nach­fol­ge­pro­duk­ti­on stam­men. Mein gest­ri­ger Ver­such, durch die Rund­funk­auf­zeich­nung auf BR Klas­sik die Chan­ce zu nut­zen und end­lich „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko ken­nen­zu­ler­nen, ist üb­ri­gens ge­schei­tert: Eine Oper in ei­ner Spra­che, die man nicht ver­steht, er­schließt sich ohne jeg­li­che Vor­kennt­nis­se und Mit­le­se­mög­lich­keit eben nicht so leicht. Ich bin dann doch lie­ber ins Fern­se­hen über­ge­wech­selt und habe auf SWR zum zwei­ten und be­stimmt nicht zum letz­ten Mal den fas­zi­nie­rend ge­lun­ge­nen und vor al­lem bei den männ­li­chen Fi­gu­ren ex­zel­lent be­setz­ten Drei­gro­schen­film von 2018 an­ge­schaut, der bis 9. Juni in der ARD-Me­dia­thek frei ver­füg­bar ist. Man wünsch­te sich, dass Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Joa­chim A. Lang sich mit ähn­lich gro­ßer Kom­pe­tenz,  Ken­ner­schaft und Kunst­fer­tig­keit Ri­chard Wag­ner wid­men wür­de. Zu­rück in Co­ro­na-Zei­ten len­ke ich Ihre Auf­merk­sam­keit auf zwei Künstler*innen, die ganz un­ter­schied­lich auf die jet­zi­ge Kri­se re­agie­ren: auf die wun­der­ba­re Sän­ge­rin Eli­sa­beth Kul­mann und den Or­gel­vir­tuo­sen Ca­me­ron Car­pen­ter.

Ta­ges­tipp und Links für 9. Mai: Am 6. Mai habe ich in mei­nem Blog-Bei­trag „Jour­na­lis­ti­sche Re­fle­xe“ die Fra­ge ge­stellt, war­um von Chris­ti­an Thie­le­mann noch kein Wort zur Lage in Bay­reuth zu hö­ren war, am 8. Mai hat er sich bei Heinz Sich­rovs­ky der ös­ter­rei­chi­schen News-Me­di­en­grup­pe ge­mel­det und zu Pro­to­koll ge­ge­ben, dass Ka­tha­ri­na Wag­ner auf dem Weg der Bes­se­rung ist und er selbst im Som­mer in Bay­reuth Ur­laub ma­chen, im lee­ren Or­ches­ter­gra­ben sit­zen und über sei­nen Be­ruf nach­den­ken wird. Auch das Beet­ho­ven­fest im Ju­bi­lä­ums­jahr mit­samt Bay­reuth-Gast­spiel muss­te ver­scho­ben wer­den. Der Bon­ner Ge­ne­ral-An­zei­ger hat In­ten­dan­tin Nike Wag­ner dazu in­ter­viewt. Un­ter wel­chen Maß­ga­ben der­zeit auf den Büh­nen mit Ab­stands­flä­chen ge­rech­net wird, lasst sich ab­le­sen an ei­ner büh­nen­spe­zi­fi­schen Hand­rei­chung der Ver­wal­tungs-Be­rufs­ge­nos­sen­schaft (VBG), et­was bes­ser les­bar hat das Mi­cha­el Stall­knecht in sei­nem Ar­ti­kel Händ­chen­hal­ten auf Ab­stand in der NZZ for­mu­liert. Der Trai­ler zum heu­te Abend auf 3sat an­ge­bo­te­nen Er­leb­nis Büh­ne LIVE hat mich ehr­lich ge­sagt ab­ge­schreckt. Da lass ich das Gu­cken mal sein und höre mir lie­ber um 19 Uhr auf BR-Klas­sik die Oper „Hal­ka“ von Sta­nisław Mo­ni­uszko mit Pio­tr­Be­c­zała an (Auf­nah­me vom15. De­zem­ber 2019 im Thea­ter an der Wien).

Ta­ges­tipp und Links für 8. Mai: Die Nach­rich­ten­la­ge ist so reich­hal­tig, dass die Aus­wahl schwer fällt. Am bes­ten, ich fan­ge vor Ort an mit den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern, die in punk­to Blä­ser-Ae­ro­so­le eine wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung durch­ge­führt ha­ben. Auch zwei Bay­reuth-Prot­ago­nis­ten ha­ben für Schlag­zei­len ge­sorgt: der lang­jäh­ri­ge Chor­di­rek­tor Nor­bert Ba­latsch, der im Al­ter von 92 Jah­ren ge­stor­ben ist, und „Parsifal“-Regisseur Uwe-Eric Lau­fen­berg mit sei­nen „Solo-Dis­kur­sen“ zur Co­ro­na-Kri­se. Dass strea­men­de Klas­sik-Por­ta­le jetzt rich­tig gut ins Ge­schäft kom­men, ver­mel­det der Deutsch­land­funk. Mein heu­ti­ger Tipp funk­tio­niert auch ohne In­ter­net: Um 21.45 Uhr sen­det 3sat das Ge­denk­kon­zert zum Kriegs­en­de vor 75 Jah­ren un­ter Da­ni­el Ba­ren­bo­im mit Wag­ners „Sieg­fried-Idyll“ und Mo­zarts „Klei­ner Nacht­mu­sik“. Im Live-Stream gibt’s die Auf­füh­rung auf der Home­page der aus der Ber­li­ner Staats­oper.

Ta­ges­tipp und Links für 7. Mai: Hol­ger Nolt­ze, der schon zwei­mal in un­se­rem Ver­band als Re­fe­rent zu Gast war, hat sich kri­tisch mit der Ver­mitt­lung von Kul­tur im In­ter­net be­fasst – ein Muss für alle Strea­mer! Das Buch „World Wide Wun­der­kam­mer“ er­scheint nächs­te Wo­che in der Edi­ti­on Kör­ber, hier schon mal ein Vor­be­richt aus der NZZ. Apro­pos Pres­se: Aus ak­tu­el­lem An­lass habe ich mich mit den Jour­na­lis­ti­schen Re­fle­xen auf die of­fen­bar schwe­re Er­kran­kung von Ka­tha­ri­na Wag­ner be­fasst und da­bei die Er­kennt­nis ge­won­nen, dass die Un­ter­schie­de zwi­schen ei­ner an­ge­se­he­nen se­riö­sen Zei­tung und ei­nem  Bou­le­vard­blatt lei­der gar nicht mehr groß sind. Bild hin, Süd­deut­sche her: Wer trotz­dem  Sehn­sucht nach don­nern­dem Thea­ter­le­ben hat, der soll­te heu­te den Stream der Münch­ner Kam­mer­spie­le nicht ver­säu­men: Nur in der Zeit von 18 bis 24 Uhr ist die Do­ku­men­ta­ti­on „Schlin­gen­sief – In das Schwei­gen hin­ein­schrei­en“  von Bet­ti­na Böh­ler ver­füg­bar.

Ta­ges­tipp und Links für 6. Mai:Wäh­rend peu à peu in sehr klei­nen Schrit­ten et­was mehr „Nor­ma­li­tät“ zu­rück­kommt, müs­sen zu­min­dest Opern- und Kon­zert­freun­de sich dar­auf ein­stim­men, dass es groß be­setz­te Auf­füh­run­gen wie in den Zei­ten vor Co­ro­na wohl ziem­lich lan­ge nicht mehr ge­ben wird. Der Ta­ges­spie­gelkün­digt an, dass bald auch für fest­an­ge­stell­te Ber­li­ner Or­ches­ter­mu­si­ker Kurz­ar­beit an­steht. Nur noch bis 8. Mai streamt dieStaats­oper Stutt­gartihre aus Pa­ris über­nom­me­ne Gluck-Pro­duk­ti­on der „Iphi­gé­nie en Tau­ri­de“, eine mu­si­ka­lisch be­ein­dru­cken­de In­ter­pre­ta­ti­on un­ter Ste­fa­no Mon­ta­na­ri, mit über­zeu­gen­den Sän­gern, in ei­ner span­nen­den In­sze­nie­rung von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski, die den Zu­schau­ern manch loh­nen­des Rät­sel auf­gibt.

Ta­ges­tipp und Links für 5. Mai: Wie Plan B, C, D, E und F für Or­ches­ter aus­se­hen könn­ten, hat für BR Klas­sik An­to­nia Mo­rin in dem Ar­ti­kel „Wie wird die ’neue Nor­ma­li­tät‘ im Kon­zert?“ re­cher­chiert. Der jüngs­te dpa-Be­richt zu den Salz­bur­ger Fest­spie­len klingt auch nicht ge­ra­de er­mu­ti­gend. Der gest­ri­ge Lie­der­abend im Live­stream mit Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber aus dem Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter hat mir op­tisch wie­der vor Au­gen ge­führt, dass der lee­re Zu­schau­er­raum et­was Wi­der­na­tür­li­ches und ei­gent­lich un­er­träg­lich ist. Und es war förm­lich zu spü­ren, dass auch den bei­den Künst­lern das er­war­tungs­vol­le Ge­gen­über, das Pu­bli­kum fehl­te. Ach, Co­ro­na! Ein­ge­denk der obi­gen Be­rich­te emp­feh­le ich den wun­der­ba­ren Mon­te­ver­di-Zy­klus aus dem Tea­tro la Fe­ni­ce un­ter John Eli­ot Gar­di­ner.

Ta­ges­tipp und Links für 4. Mai: Die heu­ti­ge Pflicht­lek­tü­re ist das In­ter­view mit Bar­rie Kos­ky aus der Ber­li­ner Zei­tung. Und abends bleibt bei mir die Opern­kü­che kalt – nicht ganz, aber fast. Denn der Lie­der­abend, den Chris­ti­an Ger­ha­her und Ge­rold Hu­ber heu­te um 20.15 Uhr in der Rei­he der Mon­tags­kon­zer­te der Baye­ri­schen Staats­oper mit Wer­ken von An­tonín Dvořák, Hugo Wolf und Franz Schu­bertge­ben, ist live und be­stimmt groß­ar­tig.

Ta­ges­tipp und Links für 3. Mai: Die Di­ri­gen­tin Oksa­na Ly­niv, die dem Bam­ber­ger  Sym­pho­ni­ker-Pu­bli­kum viel­leicht noch als drit­te Preis­trä­ge­rin des Mah­ler-Di­ri­gen­ten-Wett­be­werb 2004 in Er­in­ne­rung sein wird und an­schlie­ßend schnell in­ter­na­tio­nal Kar­rie­re ge­macht hat und un­ter an­de­rem zu­letzt auch den Ju­dith-Abend an der Baye­ri­schen Staats­oper mu­si­ka­lisch lei­te­te, äu­ßert sich im In­ter­view mit der Deut­schen Wel­le aus­führ­lich über die Fol­gen der Co­ro­na-Kri­se. Das Ri­go­let­to-Sän­ger­fest aus Dres­den bleibt wei­ter­hin auf You­tube ver­füg­bar, aber wenn die Sem­per­oper die Pro­duk­ti­on (lei­der nur noch heu­te bis 23 Uhr) streamt, ist es ganz ein­fach schö­ner, weil man den Raum vor sich sieht und sich an ein­schlä­gi­ge Opern­be­su­che dort er­in­nert …

Ta­ges­tipp und Links für 2. Mai: Eine der schöns­ten ak­tu­el­len Mel­dun­gen kommt aus Lu­zern: Das Schwei­ze­ri­sche Bun­des­ge­richt hat in letz­ter In­stanz ent­schie­den, dass Hun­de im Be­reich des Ri­chard-Wag­ner-Mu­se­ums in Trib­schen künf­tig wie­der ohne Lei­ne lau­fen dür­fen – eine Ent­schei­dung, die si­cher auch bei Hun­de­lieb­ha­ber Ri­chard Wag­ner Bei­fall ge­fun­den hät­te. An­sons­ten ist das aus­führ­li­che In­ter­view mit Di­ri­gent Hart­mut Ha­en­chen  auf der Mu­sik­platt­form Klas­sik be­geis­tert zu emp­feh­len. Neu in der Über­sicht sind  Strea­ming­an­ge­bo­te aus Ita­li­en und au­ßer­ge­wöhn­li­che Auf­zeich­nun­gen von klei­ne­ren deut­schen Thea­tern wie der Oper Hal­le und dem Thea­ter Ha­gen.

Ta­ges­tipp und Links für 30. April und 1. Mai: Ob und wie es in der Mu­sik­welt trotz Co­ro­na wei­ter­ge­hen kann, hat Ma­nu­el Brug für die Welt re­cher­chiert. Es lohnt sich, den Be­richt zu le­sen, be­vor man das Eu­ro­pa­kon­zert der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker im Ers­ten ein­schal­tet. Ei­nen schö­nen Ein­blick gibt im In­ter­view auch der Ge­schäfts­füh­ren­de Di­rek­torTo­bi­as Ehin­ger vom Thea­ter Dort­mund in der WDR3-Re­so­nan­zen-Sen­dung (bei 4:10 Min.) vom 28. April. Die Tat­sa­che, dass die Ko­mi­sche Oper Ber­lin ihr Strea­ming-An­ge­bot aus­ge­wei­tet hat, er­leich­tert mir die Aus­wahl: Am 1. Mai um 19 Uhr las­se ich mir Bar­rie Kos­kys Eu­gen One­gin- In­sze­nie­rung mit As­mik Gre­go­ri­an als Tat­ja­na und Ai­nars Ru­bi­kis am Pult nicht ent­ge­hen.

Ta­ges­tipp und Links für 29. April: Zur Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners sind wei­te­re Ar­ti­kel er­schie­nen, dar­un­ter bei der Deut­schen Wel­le, im Ta­ges­spie­gel, in der Welt und in der Süd­deut­schen Zei­tung mit dem be­mer­kens­wer­ten Schluss­satz: „Und der­zeit weiß nie­mand, ob die Fest­spie­le 2021 über­haupt statt­fin­den.“ Das ist reich­lich mu­tig, wenn man be­denkt, dass der­sel­be Au­tor vor nur fünf Ta­gen eine Ab­sa­ge­or­gie kon­sta­tiert und das noch prak­ti­zier­te Prin­zip Hoff­nung bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len gut ge­hei­ßen hat. Mei­ne heu­ti­ge Opern­emp­feh­lung: Franz Schrekers „Der fer­ne Klang“ in ei­ner In­sze­nie­rung von Chris­tof Loy aus Stock­holm mit Agne­ta Ei­chen­holtz, Di­ri­gent Ste­fan Blunier.

Ta­ges­tipp und Links für 28. April: In welch ver-rück­ten Zei­ten wir le­ben, hat un­ter an­de­rem die gest­ri­ge Nach­rich­ten­la­ge of­fen­bart. Wäh­rend die Bay­reu­ther Fest­spie­le we­gen der Er­kran­kung Ka­tha­ri­na Wag­ners zu­min­dest vor­über­ge­hend erst­mals seit ih­rer Grün­dung nicht von Mit­glie­dern der Fa­mi­lie Wag­ner ge­lei­tet wer­den, den­ken die In­ten­dan­ten der gro­ßen Opern­häu­ser längst dar­über nach, was zu tun wäre, wenn die Schlie­ßung der Thea­ter deut­lich län­ger an­dau­ert. So hat Ge­or­ges Del­non in Ham­burg den Vor­ver­kauf für die nächs­te Sai­son vor­sichts­hal­ber schon mal von An­fang Mai auf An­fang Au­gust ver­scho­ben. Auch Bog­dan Roščić, der de­si­gnier­te neue In­ten­dant der Wie­ner Staats­oper, weiß, dass es in ab­seh­ba­rer Zeit  kein „busi­ness as usu­al“ ge­ben kann. Opern­freun­de in al­ler Welt wer­den wohl wei­ter auf Kon­ser­ven zu­rück­grei­fen müs­sen.

Ta­ges­tipp für 27. April: Mat­thi­as Go­e­r­ne, ei­ner der pro­mi­nen­ten Wort­füh­rer für brot­los ge­wor­de­ne frei­schaf­fen­de Künst­ler in Co­ro­na-Zei­ten, hat in ei­nem In­ter­view mit dem Münch­ner Mer­kur nach­ge­legt. Schön wäre es, wenn die re­gel­mä­ßi­gen Le­ser die­ser Ser­vice-Ko­lum­ne das zum An­lass näh­men, et­was für die bei­den nicht sub­ven­tio­nier­ten Bam­ber­ger Büh­nen zu spen­den. Statt kon­kret auf eine Opern-Pro­duk­ti­on auf­merk­sam zu ma­chen, be­schrän­ke ich mich heu­te dar­auf, dass in der Stream-Lis­te ei­ni­ge ita­lie­ni­sche Opern­häu­ser wie Bo­lo­gna, Pa­ler­mon und Ve­ne­dig hin­zu­ge­kom­men sind, auf die mich dan­kens­wer­ter Wei­se Mat­thi­as Kas­per hin­ge­wie­sen hat.

Ta­ges­tipp für 26. April: Wer es noch nicht nach Aix en Pro­vence ge­schafft hat, konn­te dank der Über­tra­gun­gen auf arte schon seit et­li­chen Jah­ren nach­voll­zie­hen, dass dort der Pro­zent­satz an groß­ar­tig ge­lun­ge­nen und in­no­va­ti­ven In­sze­nie­run­gen auf­fal­lend hoch ist. Hat man je Mo­zarts „Così fan tut­te“ und Bi­zets „Car­men“ auf­wüh­len­der er­lebt als in den Pro­duk­tio­nen aus dem Thé­ât­re de l’Archevêché von 2016 und 2017? Auf „Ari­ad­ne auf Na­xos“ von 2018 sei hier als ers­tes aus­führ­li­cher hin­ge­wie­sen: Denn ers­tens ist die mu­si­ka­li­sche Be­set­zung mit Marc Al­brecht im Gra­ben, Lise Da­vid­sen als Ari­ad­ne, Sa­bi­ne De­viel­he als Zer­bi­net­ta, An­ge­la Brower als Kom­po­nist und den wei­te­ren So­lis­ten schlicht­weg sen­sa­tio­nell. Und zwei­tens wagt Re­gis­seu­rin Ka­t­ie Mit­chell eine In­ter­pre­ta­ti­on (mit zu­sätz­li­chen Dia­lo­gen von Mar­tin Crimp), die eine an­de­re Sicht vor al­lem auf die Frau­en-, aber auch die Män­ner­fi­gu­ren er­öff­net, und die Si­tua­ti­on des Thea­ters im Thea­ter so ab­bil­det, wie sie heu­te real statt­fin­den könn­te - beim nicht nur reichs­ten, son­dern auch in den Ge­schlech­te­rol­len fle­xi­blen Mann Wiens (oder sonst­wo in der Welt) samt eben­so fle­xi­blen Gat­tin. Es lohnt sich ga­ran­tiert, ei­ni­ge Über­ra­schun­gen in­klu­si­ve!

Ta­ges­tipp für 25. April: Zu­nächst sei um Nach­sicht ge­be­ten: Mein gest­ri­ger Tipp kam lei­der zu spät. Ist auch kein Wun­der, bei der doch un­über­sicht­li­chen Men­ge! Aber wo­mög­lich bie­tet die Staats­oper Ham­burg ih­ren „Par­si­fal“ noch­mals an, denn die Co­ro­na-Schließ­zeit für Thea­ter und vor al­lem für Opern­häu­ser dürf­te noch län­ger dau­ern … Was das kon­kret für Künst­ler be­deu­tet, ha­ben Au­toren der „Zeit“ in ih­rem ak­tu­el­len Bei­trag „Aus­ge­spielt“ aus­führ­lich vor­ge­legt. Apro­pos Ham­burg: Die Stu­dio­pro­duk­ti­on von Beet­ho­vens „Fi­de­lio“ aus dem Jahr 1968 (noch bis 4. Mai) ist nicht nur was für Nost­al­gi­ker, die die jun­ge und über­zeu­gend jun­gen­haf­te Anja Sil­ja als Flo­re­stan und wei­te­re nam­haf­te Sän­ger von da­mals er­le­ben wol­len. Die Fern­seh­in­sze­nie­rung of­fen­bart zwar, dass nicht alle So­lis­ten mit dem un­ge­wohn­ten Play­back­sin­gen zu­recht ka­men, ist aber ein Mus­ter­bei­spiel da­für, dass man eine Opern­hand­lung, gute Sän­ger­dar­stel­ler vor­aus­ge­setzt, mit ganz ein­fa­chen Mit­teln span­nend er­zäh­len kann. Und so­gar ganz ohne die üb­li­chen Opern­ges­ten und -po­sen! (TV-Re­gie: Joa­chim Hess).

Ta­ges­tipp für 24. April: Auch wenn der spe­zi­fi­sche Zau­ber der kunst­vol­len In­sze­nie­run­gen Achim Frey­ers sich in ei­ner Auf­zeich­nung zwangs­läu­fig nur ein­ge­schränkt zeigt, sei noch­mals auf sei­nen „Par­si­fal“ in Ham­burg ver­wie­sen.  Le­sens­wer­te Ge­dan­ken zur ak­tu­el­len Lage für alle Thea­ter- und Kon­zert­häu­ser hat die Wie­ner Zei­tung in ei­nem In­ter­view mit Mar­kus Hin­ter­häu­ser, dem In­ten­dan­ten der Salz­bur­ger Fest­spie­le, zu Pa­pier ge­bracht. Be­son­derns schön re­agiert er un­ter an­de­rem auf die Fra­ge, ob er die di­gi­ta­len Er­satz­an­ge­bo­te sinn­voll fin­det und de­fi­niert ech­te Auf­füh­run­gen als „ver­gleichs­lo­se Kost­bar­keit“. Noch ein Satz zu dem schon mehr­fach emp­foh­le­nen Schau­spiel-Stream Böhm aus Graz (bis 2. Mai 18 Uhr): Wem der Di­ri­gent Fritz Busch, der in dem un­be­dingt se­hens­wer­ten Stück eben­falls vor­kommt, nicht so viel sagt, kann die Bil­dungs­lü­cke mit ei­nem 2013 er­schie­ne­nen Buch fül­len.

Ta­ges­tipp für 23. April: Heu­te viel­leicht noch­mal die Baye­ri­sche Staats­oper, denn Sir Pe­ter Jo­nas, un­ver­ges­se­ner In­ten­dant von 1993 bis 2006, ist ges­tern Abend sei­nem lang­jäh­ri­gen Krebs­lei­den er­le­gen: Zu­min­dest Ken­nern des Werks kann man„Die Frau ohne Schat­ten“ fast un­ein­ge­schränkt emp­feh­len (noch bis 25. April, al­ler­dings nur mit fran­zö­si­schen Un­ter­ti­teln). Aus­nahms­wei­se sei heu­te noch­mals auf ei­nen Schau­spiel-Stream hin­ge­wie­sen, der Opern- und Wag­ner­freun­de in­ter­es­sie­ren muss: Böhm heißt das au­ßer­ge­wöhn­li­che Stück von Pau­lus Hoch­gat­te­rer über den Di­ri­gen­ten Karl Böhm (und des­sen Ver­wick­lun­gen mit dem NS-Re­gime), das in der Re­gie und mit dem Pup­pen­spie­ler Ni­ko­laus Hab­jan 2018 am Schau­spiel­haus Graz ur­auf­ge­führt und auch bei den Bre­gen­zer Fest­spie­len von Pu­bli­kum und Kri­ti­kern ein­hel­lig be­ju­belt wur­de (bis 2. Mai 18 Uhr). Mein Dank gilt Dag­mar Behr für die­sen Tipp!

Ta­ges­tipp für 21. April: Wel­chen be­son­de­ren Reiz Opern­auf­zeich­nun­gen aus der fin­ni­schen Na­tio­nal­oper ha­ben, konn­te ich ges­tern mit Chris­tof Loys klas­si­scher und erst­klas­si­ger „Tosca“-Inszenierung aus­pro­bie­ren: Es lohnt sich, die fin­ni­schen Un­ter­ti­tel mit­lau­fen zu las­sen. Hat aber noch Zeit, die „Elek­tra“ aus der Met dürf­te heu­te für vie­le Vor­rang ha­ben.

Ta­ges­tipp für 20. April: Knapp zu spät, aber den­noch eine schö­ne Hom­mage: Zum 80. Ge­burts­tag von Anja Sil­ja streamt die Staats­oper Ham­burg bis 4. Mai ihre his­to­ri­sche „Fidelio“-Studio-Produktion aus dem Jahr 1968 mit Anja Sil­ja als Leo­no­re. Mit den ak­tu­el­len Nöte von Büh­nen­künst­lern be­fasst sich der of­fe­ne Briefvon Mat­thi­as Go­e­r­ne und wei­te­ren pro­mi­nen­ten Un­ter­zeich­nern wie René Pape und Chris­ti­an Thie­le­mann aus der Ta­ges­zei­tung Die Welt, dem un­ter an­de­rem zu ent­neh­men ist, dass zu den nur sechs  Thea­tern, die sich frei­be­ruf­li­chen Künst­lern ge­gen­über so­li­da­risch ge­zeigt ha­ben, das Thea­ter Hof und das Lan­des­thea­ter Nie­der­bay­ern zäh­len.

Ta­ges­tipp für 19. April: Ein­fach schnell 3sat ein­schal­ten, dann hat der Sonn­tag schon am Mor­gen sein High­light!

Ta­ges­tipp für 18. April: Da das at­trak­ti­ve An­ge­bot aus Brüs­sel mit ei­ner Aus­nah­me  vor­erst nur bis 19. April ge­ge­ben ist, darf es den Vor­rang vor den noch at­trak­ti­ve­ren Streams aus Aix en Pro­vence ha­ben. Und für alle Bay­reuth-Sehn­süch­ti­gen hier ein kur­zes Ein­tau­chen in die Ver­gan­gen­heit.

Ta­ges­tipp für 17. April: Zwei mal zeit­ge­nös­si­sche Oper aus Ber­lin: „Oe­di­pus“ von Wolf­gang Rihm aus der Deut­schen Oper Ber­lin und „Vio­let­ter Schnee“ von Beat Fur­rer aus der Staats­oper Un­ter den Lin­den. Und für alle die kurz und pfif­fig den Früh­ling ge­nie­ßen wol­len, hier noch eine wun­der­ba­re Mo­zart-Ad­ap­ti­on, auf die eine Wag­ner­freun­din aus der Süd­pfalz auf­merk­sam ge­macht hat.

Ta­ges­tipp für 16. April: Schwie­ri­ge Ent­schei­dung heu­te, denn die „Ron­di­ne“ aus der Met kon­kur­riert gleich mit zwei „Rosenkavalier“-Inszenierungen aus ös­ter­rei­chi­scher Re­gie­hand: von der Wie­ner Staats­oper die alte Schenk-Pro­duk­ti­on mit Re­née Fle­ming als Mar­schal­lin und aus der Ber­li­ner Staats­oper die neue von An­dré Hel­ler mit ei­nem um­wer­fen­den Gün­ther Groissböck als Ochs und ei­ner fast eben­sol­chen Ca­mil­la Ny­lund als Mar­schal­lin, die man gut und ger­ne öf­ter an­schau­en kann. Klei­ner Nach­satz zum „Fi­de­lio“ aus dem Thea­ter an der Wien, der auf arte bis 2. Mai ge­streamt wird: Die ös­ter­rei­chi­sche Hand be­währt sich da nur am Di­ri­gen­ten­pult mit Man­fred Hon­eck. Bei der In­sze­nie­rung von Chr­isoph Waltz weiß man nicht so recht, was er uns sa­gen will. Sei­ne Re­gie wirkt fast so be­lie­big wie das nur auf den ers­ten Blick ein­dru­cken­de Trep­pen­sze­na­ri­um des haupt­be­ruf­li­chen Ar­chi­tek­ten Bar­kow Leib­in­ger – ein Raum, in dem man ver­mut­lich al­les spie­len kann, sich aber dann auch jede Men­ge ein­fal­len las­sen müss­te, da­mit das Pu­bli­kum nicht ein­schläft.

Ta­ges­tipp für 15. April: Um zu ver­ste­hen, was war­um ak­tu­ell in den Opern­häu­sern pas­siert und was nicht, lohnt es sich, das In­ter­view mit In­ten­dant Bernd Lo­e­bevon Ju­dith von Stern­burg in der Frank­fur­ter Rund­schau zu le­sen. Heu­te Abend kei­ne Oper, son­dern der ARD-Film „Die Ge­trie­be­nen“ über die Flücht­lings­kri­se 2015. Der Re­gis­seur heißt nicht um­sonst Ste­phan Wag­ner, denn er hat so­gar ei­nen Fest­spiel­be­such der Kanz­le­rin in Bay­reuth mit ein­ge­baut. Bei al­len, die mei­nem Tipp vom 11. April ge­folgt sind und sich den „Par­si­fal“ aus Pa­ler­mo an­ge­schaut ha­ben, muss ich fle­hent­lich um Nach­sicht bit­ten: Ich kann­te die Neu­pro­duk­ti­on (Pre­mie­re am 26. Ja­nu­ar 2020) noch nicht, sonst hät­te ich eher eine drin­gen­de War­nung vor die­ser Hack­schnit­zel­press­span-Ver­si­on ab­ge­ge­ben. Sieht man vom span­nen­den Di­ri­gat Omer Meir Wel­bers (mit drei Stun­den 44 Mi­nu­ten Ge­samt­dau­er ist er fast so schnell wie Pierre Bou­lez in Bay­reuth) und von John Re­lyea als Gur­nemanz ab, er­lebt man nicht we­ni­ge So­lis­ten, die de­fi­ni­tiv nicht pro­fes­sio­nell sin­gen soll­ten, und eine möch­ter­gern­kri­ti­sche In­sze­nie­rung von Gra­ham Vick, die es schafft, den sehr ab­we­gi­gen letz­ten Bay­reu­ther „Par­si­fal“ noch zu top­pen. Wer jetzt im­mer noch Lust hat auf Män­ner in her­un­ter­ge­las­se­nen Ho­sen: auf arte je­der­zeit bis 9. Juli.

Ta­ges­tipp für 14. April: Sel­ten ge­spiel­te Opern ha­ben jetzt mehr Chan­cen als sonst: Pro­kof­jews „Der Spie­ler“ aus der Staats­oper un­ter den Lin­den bei­spiels­wei­se. Wer noch mit dem „Par­si­fal“ der Os­ter­fest­spie­le lieb­äu­gelt, dem sei als Vor­war­nung ein Link zu mei­ner Kri­tik der TV-Über­tra­gung aus dem Pre­mie­ren­jahr 2013 ge­ge­ben.

Ta­ges­tipp für 13. April: Heu­te ist das Abend­essen deut­lich frü­her dran, was ja ge­sund sein soll, denn aus­nahms­wei­se wird nicht ge­streamt, son­dern TV ge­glotzt: Auf ONE um 18.10 Uhr der hoch­ka­rä­tig be­setz­te Spiel­film „Ma­ckie Mes­ser – Brechts Drei­gro­schen­film“ (vor­ab gibt es um 17.40 Uhr schon eine  Do­ku­men­ta­ti­on dazu). Und um 20.15 Uhr um­schal­ten auf arte zur „Fidelio“-Inszenierung von mei­nem Lieb­lings­schur­ken Chris­toph Waltz. Wer bei den „Parsifal“-Streams die Über­sicht ver­liert, soll­te sich zu­min­dest nicht grä­men, dass die Münch­ner Pro­duk­ti­on für ab­seh­ba­re Zeit nur noch heu­te kos­ten­los zu ha­ben ist. Denn wie beim gest­ri­gen „Tann­häu­ser“ gilt: Der mu­si­ka­li­sche Hoch­glanz – wo­für Ki­rill Pe­tren­ko und groß­ar­ti­ge So­lis­ten ste­hen – ist nur die hal­be Mie­te. Die vor al­lem we­gen Aus­stat­ter Ge­org Ba­s­elitzt ge­hyp­te In­sze­nie­rung von Pierre Audi ist ein be­dau­er­li­cher Rein­fall. Das Büh­nen­bild ist nichts an­de­res als auf­ge­bläh­te Flach­wa­re, die Blu­men­mäd­chen schaf­fen es (wie Castel­luc­cis Ve­nus­berg­sze­ne) spie­lend in die ewi­ge Bes­ten­lis­te der ab­träg­lichs­ten, ab­sur­des­ten und scheuß­lichs­ten Kos­tü­me je. Ach, Kunscht!

Ta­ges­tipp für 12. April: Heu­te nur noch bis 15 Uhr ein Blick ins Opern­mu­se­um mit dem le­gen­dä­ren „Don Gio­van­ni“ zur Er­öff­nung der Deut­schen Oper Ber­lin 1961 und abends „Fal­staff“ aus Ham­burg, eine Auf­füh­rung, die in un­se­rer Rei­se­grup­pe am 8. Fe­bru­ar gute Lau­ne ver­brei­te­te, ob­wohl Sturm Sa­bi­ne uns für den nächs­ten Mor­gen die vor­zei­ti­ge Ab­rei­se auf­er­legt hat­te. Ja, der „Tann­häu­ser“ aus Mün­chen auf AR­Dαl­pha ist mu­si­ka­lisch ein­fach groß­ar­tig und lohnt des­halb in je­dem Fall, aber man muss et­was üb­rig ha­ben für den bild­ne­ri­schen Castel­luc­ci-Kitsch, der meis­tens nur so tut, als wäre was da­hin­ter. Äs­the­ti­sche, sehr un­äs­the­ti­sche und ver­rät­seln­de Bil­der al­lein ma­chen lei­der noch lan­ge kei­ne gute Wag­ner-In­sze­nie­rung. Dank Ha­gen aus dem Fest­spie­le-Fo­rum hier noch ein Link mit Über­le­gun­gen zum „Er­wei­ter­ten Ha­sen­be­griff“ und Ma­te­ri­al zu Chris­toph Schlin­gen­siefs Bay­reu­ther „Parsifal“-Inszenierung.

Ta­ges­tipp für 11. April: „Par­si­fal“ aus Ham­burg, aus Ant­wer­pen (auf OperaVi­si­on) oder aus Pa­ler­mo (in der arte-Me­dia­thek)